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Full text of "Gartenflora; zeitschrift für garten- und blumenkunde"

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Ex Libris Quos 
INSTITUTION! SMITHSONIANAE 


| Anno MCMV Donavit 


Hohn Snnhcnikk 


Accesio N. 


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DENE 


GARTENFLORA. 


INH Eee 


Allgemeine Bionatsthrift 


für 
deutsche, russische und schweizerische Garten- und Blumenkunde und 
Organ des Russischen Gartenbau - Vereins in St. Petersburg. 
Unter Mitwirkung vieler 


Botaniker und Gärtner Deutschlands, Russlands und der Schwsj: 


herausgegeben und redigirt 


von 


Dr. Eduard Regel, 


Wissenschaftlichem Director des Kaiserlichen Botanischen Gartens zu St. Petersburg 


Mitherausgeber für Deutschland: 


H. Jäger, Fr. Francke, Ü. Bouche, 
Hofgärtner in Eisenach. Kal. Bot. Gärtner in Erlangen. Inspector des Bot. Gartens in Berliu 
Mitherausgeber für die Schweiz: Mitherausgeber für Russland: 
E. Ortgies, Dr. F, von Herder, 
Obergärtner am Bot. Garten in Zürich, Conservator am Herbarium des k. bot. Gartens in St. Petersburg. 


Erlangen, 1866. 


Merlao von Ferdinand Enke, 


I. Originalabhandlungen. 


1) Abgebildete Pflanzen. 


a) Bromelia fastuosa Lindi. 
manni 


var. Berg e- 
Rgi. 


(Siehe Tafel 493.) 


Bromeliaceae, 


Caule brevissimo, stolonifero; foliis 
eonfertis, reeurvato-patentibus, concavis, 
elongato-lineari-ligulatis, attenuato - eus- 
pidatis, 2 — 3 ped. longis, eirciter 11/, 
poll. latis, margine spinoso-dentatis, spi- 
nis validis, inferioribus recurvatis, su- 
perioribus sursum eurvatis, in latere su- 
periore laete viridibus, in latere inferio- 
re albido-striatis; racemo rigido, eompo- 
sito, pyramidali; eirciter pedali; racemu- 


lis pedunculatis, patentibus, 5—6 tloris; 


rhachi primaria et secundaria germini- 
busque cinereo - tomentosis; bracteis de- 
crescentibus, inferioribus foliis subsimi- 
lipyus sed multo minoribus et spinis om- 
nibus incurvis basi rubro - sanguineis, 
reliquis multo brevioribus submembra- 
naceis fuscescenti-furfuraceis integerri- 
mis: intermediis valde acuminatis acu- 
mine ...30 - dentato: supremis acutis 
v. mucronatis pedunculo vix aequanti- 


dunculatis. braeteolis ovatis ovario multo 
brevioribus acutis v. breviter acuminatis 
lobis calycinis oblongis, obtusis ereetis 
v. recurvatis corollis 3—4 plo breviori- 
bus; petalis basi connatis, erectis, in 
tubum convolutis oblongis, purpureo- 
violaceis; staminibus quam petala bre- 
vioribus, filamentis subulatis, antheris 
elongato-linearibus basi subsagittatis. — 

Eine der prächtigen Bromelien aus 
der Gruppe von Br. antiacantha 
Bert., welche Beer zur Gattung Agal- 
lostachys erhoben hat. 

Diese wahrhaft schöne Pflanze stammt 
aus Mexiko. Lindley bildet in seinem 
Werke Collectanea botanica (London 
1821) tab. I. eine ähnliche Bromelia 
als B. fastuosa ab. Von dieser Abbil- 
dung und zugleich auch Lindley’s Be- 
schreibung weicht unsere Pflanze ab, 
durch einen nur 1 Fuss hohen Blüthen- 


bus; floribus sessilibus v. breviter pe- | stand, durch die obern Bracteen, welche 


1. 1866, 


1 


2 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


häutig und nicht gefärbt durch die Kelch- 
lappen, welche stumpf und die blaue 
Färbung der Blumenblätter, während 
die von Lindley beschriebene Pflanze ei- 
nen 3 Fuss hohen Blüthenstand, obere 
roth gefärbte Bracteen, spitze Kelchlap- 
pen und carmoisin gefärbte Blumen be- 
sitzen soll. Wesentlich ist unter diesen 
Unterschieden nur die Gestalt der Kelch- 
lappen. 

Wären wir überzeugt, dass diese bei 
Lindley’s Pflanze wirklich spitz, so wür- 
den wir unsere Pflanze als eine neue 
Art betrachten. Obgleich aber Linäley 
die Kelchlappen seiner Pflanze als spitz 
beschreibt, so sehen wir solche an der 
Abbildung zwar am ganzen Blüthen- 
stande spitz, — an der beistehend ver- 
grösserten Blume aber stumpf gezeich- 
net. Wir ziehen es daher vor, unsere 
Pflanze als Form zu B. fastuosa zu zie- 
hen und nennen solche nach unserm 
geehrten Freunde, Herrn 


1 


Bergemann, | 


Obergärtner bei Madame Kolenischeff, 
Var. Bergemanni, — weil wir diese 
Pflanze von demselben als B. Sceptrum 
erhielten. 

Br. Sceptrum Fenzl hat Beer (wie 
es auch uns nach Vergleichung der 
Quellen scheint), mit Br. antiacantha 
Bert. vereinigt. Bei dieser prächtigen 
Pflanze sind die seitlichen Blüthenbü- 
schel nicht gestielt und daher die hohe 
Blüthentraube fast walzlich, wodurch 
sich solche sofort‘ unterscheidet. 

Der pyramidale Blüthenstand unter- 
scheidet überhaupt die Br. fastuosa Lindl. 
von allen andern von Beer zu Agallo- 
stachys gezogenen Arten, — 

(E. R.) 

a, Die Spitze eines Blattes, 

b. Ein Blüthenästchen. 

Beide in natürlicher Grösse. _ Die 
ganze Pflanze in ungefähr 1/, der na- 
türlichen Grösse, — 


b) Gardenia Maruba Sieb. 


(Siehe Tafel 494. Fig. 1—4.) 


Rubiaceae 


Gardenia Maruba Sieb. in Blum. 
bijdr. fl. ned. ind. 1013. — D. C. prodr. 
IV. pag. 380; inermis, foliis oppositis 
ternisve obovatis coriaceis obtusis niti- 
dis glabris, calyce angulato 5-fido, laci- 
niis subulatis patentibus, — antheris li- 
nearibus ad faucem sessilibus. — 

Die beistehend abgebildete Gardenia 
ward vom Herrn Maximowicz aus Japan 
in den hiesigen Garten eingeführt. Die- 
selbe bildet einen niedrigen stark ver- 
ästelten Strauch, der dicht mit den 
schönen dunkelgrünen glänzenden Blät- 


A 


tern besetzt ist. Diese Blätter stehen 
auf den Spitzen der Zweige dicht zu- 
sammengedrängt, sind entweder gegen- 
ständig oder stehen zu 3, sind von ver- 
kehrt-eiförıniger Gestalt, stumpf, leder- 
artig. Die wohlriechenden Blumen ste- 
hen einzeln auf den Spitzen der Aeste 
und Seitenästehen, beim Aufblühen sind 
solche weiss, später werden sie aber 
gelblich, 

Es ist das eine wirklich empfehlens- 
werthe Gardenia zur Cultur im Kalt- 
hause, wo sie als leicht zu eultivirende 


I. Originalabhandlungen. 3 


Pilanze ihren Platz verdient, sowohl als | Fig. 1. Ein blühender Zweig in na- 
hübsche immergrüne Pflanze, sowie auch | türlicher Grösse. 
als leicht und dankbar blühend, Fig. 2. Der Kelch. 

Im hiesigen Garten cultiviren wir Fig. 3. Die aufgeschlitzte Blumen- 
solche in einer mit Heideerde etwas ver- | krone mit den sitzenden Antheren, 
setzten lehmigen Rasenerde. Die Blu- Fig. 4 Der Fruchtknoten. 
men entwickelte solche im Juni. Ver- (Fig. 2—4 vergrössert). 
mehrung durch Stecklinge und Samen. 

(E. R,) 


cd Pyrethrum carneum M. B. 


var, (8) eximium, (7) capitulis roseis plenis, (5) capitulis purpureis plenis, 
(6) Beaut@ de Laeken. 


(Siehe Tafel 494. Fig. 5—8.) 


Compositae. 


Wir haben schon wiederholt der Die persische Insektenpulverpflanze 
schönen Abarten mit mehr oder weniger |ist in Persien und im Kaukasus hei- 
gefüllten Blumenköpfen gedacht, — die | misch und gehört zu der Zahl der pe- 


von der Insektenpulverpflanze Persiens | rennirenden Pflanzen, die auch noch den 
und des Kaukasus in neuerer Zeit erzo- | Winter Petersburgs im freien Lande 
gen worden sind. überdauern. 

Auf der beistehenden Tafel bilden 
wir 4 solcher Abarten, nämlich mit Schon im wilden Zustande kommt 
weissen, rosarothen, purpurrothen und | diese Pflanze mit weissen (P. carneum 
tief blutrothen Blumen der Blüthenköpfe | M. B. fl. taur. cauc. n. 1762) und mit 
ab. Unsere Leser werden daraus so-| röthlichen (P. roseum Lindl. bot. reg. 
gleich ersehen , dass dies wirklich neue | tab. 1024) Zungenblumen vor. — 
Züchtungen sind, die mit den Astern (E. R.) 
unserer Gärten concurriren können, 


dd Sauromatum pedatum Schott. 
(Siehe Tafel 495.) 
Aroideae 


S. pedatum Schott, Melet, I. p. 17., Arum pedatum Lk, et Otto ic. pl. seleet. 
1832, — Schott. Aroid, prodr. p. 70.— | pag. 19. tab. 8. — 
1 * 


A Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Die beistehend abgebildete Pflanze 
ward schon im Jahre 1811 im Garten 
des Prinzen Salm-Dyck eultivirt, kam 
von da in den botanischen Garten zu 
Berlin und ward im Jahre 1820 von 
Link und Otto abgebildet und beschrie- 
ben. Der berühmte Monograph der Fa- 
milie der Aroideen, Dr. Schott, gibt 
Ostindien als Vaterland derselben an, 
während Link mit beigesetztem Frage- 
zeichen Caracas als Vaterland dersel- 
ben nennt. 

Die Gattung Sauromatum charak- 
terisirt sich durch die grosse Scheide, 
die den Blüthenkolben umgibt, deren 
Grund in eine aufgeblasene Röhre ver- 
wachsen ist. Der Blüthenkolben trägt 
am Grunde die Fruchtknoten, die sehr 
dicht zusammengedrängt sind. Oberhalb 
der Fruchtknoten stehen einzelne 
stielte sterile Antheren und weiter oben 
wiederum dicht zusammengedrängt, aber 
noch von der Röhre der Scheide um- 
schlossen, die fruchtbaren Antheren. 
Oberhalb der Scheide erhebt sich 
die lange nackte schwanzarlige Spitze 
des Blüthenkolbens, die bei der vorlie- 
senden Art bis 12 Zoll lang ist. 

Die mächtige Blüthenscheide ist bei 
der in Rede stehenden Art bis 18 Zoll 
vom Grunde bis zur Spitze lang, von 
aussen ist sie grünlich gelb, innen aber 
auf gelbem Grunde mit vielen purpur- 


ge- 


dann | 


braunen, theils ineinander fliessenden 
Flecken gezeichnet. Der Blüthenkolben 
ist nur 2 Zoll kürzer als die Blüthen- 
scheide, grünlich - braun und verdünnt 
sich vom Grunde bis zur stumpfen Spitze. 
Die Blätter erscheinen nach der Blüthe 
und sind fussförmig in 3—5 Blättchen 
getheilt; Blättchen verkehrt oval- läng- 
lich, spitz oder zugespitzt, freudig grün. 
Cultur mit den anderen Aroideen mit 
knolliger Wurzel, die im Winter zurück- 
ziehen. 

Die Pflanzen erhalten beim Einzie- 
hen der Blätter einen trocknen Standort 
im Warmhaus. Im Winter wird gar 
nicht gegossen. Im Februar werden die 
Knollen in frische Erde gepflanzt und 
auf einem lichten Standort im 
Warmhaus zum Austreiben gebracht. 
Blühbare Knollen entwickeln zuerst die 
Blume und später die Blätter. — 

(E. R.) 

a, Die Blüthenscheide, aus der der 
sterile Theil des Blüthenkolbens her- 
vorragt, 

b. e. Blätter. 

d. Der untere eingeschlossene frucht- 
bare Theil des Blüthenkolbens, 

e. e. Fruchtknoten. 

f. Eine sterile Anthere. 

a.--d. In natürlicher Grösse, 
Vergrössert. — 


guten 


e. ef. 


*) Die Erfurter Gartenbau-Ausstellung am 9.—19. September 
1965. 


nieht eine andere schnellere 
im 


Wenn 
Feder mit einem Berichte über 
September stattgefundene grosse „inter- 
nationale“ Ausstellung Produkten 
des Gartenbaues etc. in diesen Blättern 
mir zuvorgekommen ist, so kommt meine 


die 


von 


Mittheilung etwas spät, was überhaupt 
bei einer Monatsschrift stets der Fall 
ist. Dringendere Arbeiten und der Um- 
stand, dass erst amtliche Mittheilungen 
über Zahlen und Preisvertheilung abge- 
wartet werden sollten, verzögerte diegen 


I. Originalabhandlungen. > 


Bericht. Derselbe wird überdies kaum 
diesen Namen verdienen, und soll mehr 
eine allgemeine Schilderung sein, mit 
Erwähnung einzelner hervorragender Ge- 
genstände. Denkt man sich eine Aus- 
stellung, deren flüchtige Betrachtung mit 
den Augen eines blossen Beschauers 
mindestens vier Stunden in Anspruch 
nahm, so wird man es erklärlich finden, 
dass eine eingehende, wirkliche Be- 
schreibung derselben geradezu unmög- 
lich ist. Diese Ueberzeugung drängte 
sich mir auf, als ich zum ersten Male 
die Ausstellungsräume besuchte, und 
befestigte sich bei jedem Besuche mehr, 
Hoffentlich fügen die leitenden Mitglie- 
ler des Erfurter Gartenbauvereins zu 
den unendlichen Mühen, welche ihnen 
die Ausstellung machte, auch noch die 
eines ausführlichen Berichtes, welcher 
diejenigen einigermassen schadlos hält, 
welche die Ausstellung nicht besuchen 
konnten, noch ınehr aber für die Besu- 
cher derselben von Interesse ist. 


Um ein kurzes Urtheil über die Aus- 
stellung abzugeben, so kann dieses nur 
das allgemein ausgesprochene sein: Die 
Erfurter Ausstellung hat, was 
Reichthum, Mannigfaltigkeit, 
Anordnung und Eintheilung, so- 
wie Bequemlichkeit und Sorge 
für das Publikum betrifft, alle 
Erwartungen übertroffen. Dar- 
über herrscht wohl nur eine Stimme, 
Sollte Jemand unbefriedigt aus Erfurt 
gegangen Sein, so hat es wohl nur an 
ihm gelegen. Ich spreche natürlich nicht 
von Ausstellern, dereı Erwartungen 
nicht erfüllt wurden, was ja bei jeder 
Ausstellung der Fall ist. Da ich aber 
kein offieieller Lobredner bin, so muss 
ich auch bemerken, dass sich auch ei- 
nige Mängel und Lücken auffallend ge- 


m 


nug zeigten, welche zum Nutzen und 
Frommen anderer Ausstellungen gele- 
gentlich Erwähnung finden mögen. 

Die allgemeine Befriedigung zeigte 
sich so recht in der Stimmung der zahl- 
reichen Besucher, besonders der Männer 
vom Fach. Die angenehme Erregung 
war förmlich ansteckend, wozu natürlich 
das Wiedersehen alter Freunde nach 
langen Jahren und das Begrüssen von 
Männern, deren persönliche Bekannt- 
schaft man schon längst wünschte, die 
hauptsächlichste. Veranlassung war. Ich 
gestehe — man verzeihe mir diese per- 
sönliche Aeusserung — dass ich noch 
keinen Tag erlebt habe, welcher mir in 
dieser Beziehung so viele Freude ge- 
bracht hätte, als der sechstägige Aus- 
stellungs- und Congresstag, welchen ich 
in Erfurt erlebte. Dieses Wiedersehen 
alter Freunde und früherer Arbeitsge- 
nossen, die Anknüpfung neuer Bekannt- 
schaften ist meines Erachtens der Haupt- 
nutzen dieser sogenannten (ongresse, 
welche ausserdem eigentlich gar nichts 
leisten, wie ich an einer anderen Stelle 
nachzuweisen gedenke, 

Zu der gehobenen Stimmung aller 
Besucher Erfurts an diesen Tagen trug 
nicht wenig das festliche Gewand der 
Stadt bei. Wahrscheinlich war Jeder- 
mann überrascht, einen solchen Empfang 
zu sehen, denn jede Fahne, jeder Kranz 
unter den vielen Tausenden, welche die 
Häuser, Strassen ete. schmückten, rief 
den Fremden „Willkommen“ zu. Dass 
eine Stadt wie Erfurt, wo doch Tausende 
leben, welche sich wenig um Gärtner 
und Gärtnerei kümmern, fast bis in die 
entlegensten Winkel festlich geschmückt 
war, zeigte, welchen Werth die ganze 
Stadt auf diese Ausstellung und Ver- 
sammlung legte, dass sie die fremden 
Gäste, welche Erfurt beehrten, auch zu 
ehren und zu erfreuen wusste. Und sehr 


6 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


zahlreich, wohl zahlreicher, als jemals 
eine Ausstellung in einer Mittelstadt be- 
sucht worden ist, war der Besuch Er- 
furts vom 9. bis 17. September. Selbst 
der hohe Eintrittspreis der ersten Tage 
schreckte die Besucher nicht ab, und 
wir sahen zu unserer grossen Freude 
an diesen Tagen zahlreiche Landleute 
aus der Umgegend und Personen, wel- 
che ihrem Ansehen nach nicht zu den 
Begüterten gehören konnten. An eini- 
gen Tagen sollen bis 8000 Menschen 
täglich in der Ausstellung gewesen sein. 
Die Thüringer Eisenbahn hatte den Be- 
such durch sehr ermässigte Fahrpreise 
ungemein erleichtert, und das Wetter 
war so beständig, als wäre die Ausstel- 
lung auf 8 Tage schönes Wetter beim 
Himmel versichert gewesen. Auch für 
das Vergnügen der Gäste und der Be- 
wohner Erfurts war vom Festeomit& auf 
eine Weise gesorgt, dass man in Ver- 
legenheit kam, wie man die vielfach 
gebotene Zerstreuung mit dem eigent- 
lichen Zwecke des Besuches vereinigen 
sollte. Musikchöre an verschiedenen 
Orten, sowie in den Ausstellungsräumen 
selbst, sogar bei der wohl Allen unver- 
gesslichen, den geistigen Genuss aufs 
Höchste steigenden Lustfahrt nach Eise- 
nachs Umgebung. 

Begeben wir uns nun auf den Weg 
zur Ausstellung. Er ist nicht zu ver- 
fehlen, denn vom Bahnhofe an, wo eine 
Ehrenpforte „Willkommen“ zuruft, sind 
die Häuser zu beiden Seiten mit Tau- 
senden von Fahnen und Flaggen, mit 
Kränzen etc. geschmückt; an hohen 
Mastbäumen, deren jeder das Wappen 
einer durch Einsendungen oder Ehren- 
gäste vertretenen Stadt trägt, und wel- 
che gleichsam eine Allee durch die Haupt- 
verkehrsstrassen zur Ausstellung bilden, 
flattern sie herab; selbst in der Mitte 
der Strassen wehen hoch oben in der 


ganzen Länge des Weges mächtige, 
Schiffsflaggen aller Nationen und Orte. 
Ich will nicht vergessen, hervorzuheben, 
dass auch einige deutsche Fahnen mit 
dem in Preussen so übel angesehenen 
Schwarz-Roth-Gold zu sehen waren, dass 
also das angebliche Verbot der deutschen 
Farben von Seiten des Stadteommandan- 
ten, wovon Zeitungen vor der Ausstel- 
lung berichteten, eine jener falschen An- 
gaben war, womit gewisse Blätter den 
Unmuth gegen gewisse Regierungen und 
deren Beamte noch mehr zu steigern 
suchen. Nein, wahrhaftig, das specifi- 
sche Preussenthum, welches Erfurt sonst 
gerne zur Schau trägt, machte sich bei 
dieser Gelegenheit mit richtigem Takte 
in keiner Weise geltend. Besondere 
und auffallende Decorationen waren an 
den beiden Enden der grössten Strasse 
Erfurts, dem Anger, angebracht, unten, 
der Post gegenüber um einen Gascande- 
laber eine Art Garten mit mehreren 
Springbrunnen, oben ein hoher Portikus 
von cannelirten Säulen, in der Mitte die 
über Lebensgrösse Portraitstatue, des 
Rathsherrn Christian Reichardt, Verfas- 
sers des allbekannten Buchs „Land- und 
Gartenschatz,‘‘ ein wahrhaft klassisches 
Werk über Gemüsebau, und Begründer 
der jetzigen Gärtnergrösse Erfurts, weil 
er zu Anfang des vorigen Jahrhunderts 
die ersten durchgreifenden Verbesserun- 
gen im Gartenbau, namentlich Gemüse- 
bau ausführte. Dieses in Gyps gegos- 
sene Standbild ist so wohlgelungen, 
dass es in dauerhaftem Material ausge- 
führt, eine Zierde Erfurts sein würde. — 
Unter diesen Betrachtungen sind wir 
unvermerkt in die Ausstellung gekom- 
men, zunächst in die Erfrischungsräume, 
wo meist alle Tische und Stühle be- 
setzt sind. Durch ein Gebüsch tritt man 
auf breitem Wege in die eigentliche 
Ausstellung. 


“ 


I. Originalabhandlungen. 


Ehe ich weiter schildere, muss ich 
einige Worte über die Oertlichkeit sa- 
gen. Die Erfahrung der letzten grossen 
Erfurter Ausstellung im Jahre 1861 hatte 
gezeigt, wie. vortheilhaft und nothwen- 
dig die Aufstellung im Freien sei, und 
wie günstig gerade der damals gewählte 
öffentliche Garten zu diesem Zwecke 
war. Man hatte daher denselben „Vo- 
gels Garten,“ dazu aber ein fast ebenso 
grosses Grundstück „Pope’s Garten“ ge- 
wählt, und so mit Hinzuziehung eines 
dritten Privatgartens eine Fläche von 


12 preussischen Morgen zur Verfügung | 
| Körbe, ganze grosse Flächen noch leer, 


bekommen. Die beiden genannten Ver- 


gnügungsgärten sind durch eine kleine | 
| Decoration wegen der noch zu leisten- 


tiefliegende Strasse getrennt, und wur- 


den durch eine breite Brücke so ver- | 
bunden, dass die Trennung kaum be- | 
Diese Gärten sind sehr | 
baum- und gebüschreich, haben Alleen | 
und Plätze, und in „Vogels Garten‘ | 
befindet sich das „Tivoli“, ein mit Glas | 
mit einer | 
Obschon nun viele Alleen, | 
Plätze und Wege zur Aufstellung vor- | 
handen waren, so mussten doch noch | 
grössere Plätze geschaffen, Wege zuge- | 
pflanzt werden, was zu Ende eines heis- | 
sen trocknen Sommers Schwierigkeiten | 
Endlich fehlte es an einem | 
grossen freien Platze für das Glashaus | 
zur Unterbringung empfindlicher Pflan- | 
zen und bedeckte Hallen für Blumen | 
Zu diesem Zwecke | 
wurde das dritte baumlose Grundstück | 
hinzugezogeu, und wo noch einige Wo- | 
chen vorher Kartoffeln standen, erhob | 


merkbar war. 


überdecktes Sommertheater 


Gallerie, 


genug bot. 


und Früchte etc. 


Sich ein grosses Glashaus von 112 Fuss 


ein von langen bedeckten Gängen ein- 
gefasstes prachtvolles Blumenparterre. 


Welche Arbeit es gekostet hatte, dieses | 


Vielerlei zu einem eigentlichen Ganzen 
umzuformen, das Unschöne zu verber- 


X 


gen und aus Kartoffelfeld in wenigen 
Tagen einen Prachtgarien hervorzuzau- 
bern, sah der gewöhnliche Besucher 
freilich nicht, und es ist gut so, denn 
der Genuss blieb reiner. Aber es er- 
regt auch Bewunderung und erhöht den 
Begriff von den Leistungen der gärtne- 
rischen Decorationskunst, dieses zu er- 
fahren. Da ich als Preisrichter Zutritt 
zur Ausstellung lange vor der Eröffnung 
hatte, so konnte ieh hinter die Coulissen 
blicken. Ich sah noch Rasen legen, 
künstliche Muster mit dem Rasenmesser 
ausschneiden, ausgepackte Kisten und 


und gestehe, dass ich die Leiter der 


den Arbeiten lebhaft bedauerte, selbst 
einige Zweifel hegte, ob bis zur Eröff- 
nung der Ausstellung wirklich alles fer- 
tig aufgestellt und gesäubert sein möchte. 
Aber es wurde in der Hauptsache fer- 
tig, ein Beweis, dass die Arbeit gut ge- 
leitet und vertheilt war. Tadeln muss 
man, dass noch in der zwölften Stunde 
Dinge aufgestellt wurden, welche längst 
aufgestellt sein konnten, da sie unverän- 
derlich waren, also nicht wie abgeschnit- 
tene Blumen ein Verwelken zu befürch- 
ten hatten, und zwar nicht von Frem- 
den, bei welchen verspätete Ankunft als 
Entschuldigung dienen konnte. Manche 
Gegenstände blieben selbst in den ersten 
Tagen unausgepackt oder waren nicht 
mit Nummern versehen, so dass die 
Preisrichter nicht im Stande waren, Ge- 
welche sehr 
Bei- 


genstände zu prämiren, 
wohl einen Preis verdient hätten. 


| spielweise nenne ich die Pflanzenspritzen, 
Länge und 46 Fuss Breite, davor aber | 


von denen am dritten Tage sehr gute 
zu sehen waren. Man weiss nicht, wem 
man in diesem Falle Vorwürfe machen 
soll, und ich erwähne die Sache gleich- 
sam nur zur Rechtfertigung der Preis- 
richter der Section VI. Auch die con- 


5 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


eurrirenden Gartenpläne kamen zu spät 
zum Vorschein, was jedoch den Preis- 
richtern nur lieb sein konnte, indem der 
darauf gesetzte Privatpreis in ganz fal- 
scher Würdigung solcher Arbeiten in 
seiner Geringfügigkeit kaum annehmbar 
war. — Doch nun hinweg von diesen 
Winkelbetrachtungen zu der lichtvollen, 
herrlichen Vorderseite ! 

Ich bitte nun die freundlicheniLeser, 
mich auf einem Gange durch die Aus- 
stellung zu begleiten, zugleich aber um 
gütige Nachsicht, wenn in Bezug auf 
die Oertlichkeit Irrthümer vorkommen 
sollten. Das paradiesische Labyrinth 
war ja so verwickelt, dass nur ein ganz 
mit der Lokalität Vertrauter Unrichtig- 
keiten in dieser Hinsicht zu vermeiden 
im Stande gewesen jwäre. Bevor wir 
eintreten, muss ich noch erwähnen, dass 
der Plan der ganzen Ausstellung, die 
Arangements betreffend, von Herrn F.C. 
Heinemann war, welcher schon vor 4 
Jahren seine Meisterschaft in derartigen 
Anordnungen bewiesen. Er erhielt da- 
für den Starke’schen Preis, eine goldene 
Medaille. 

Trat man also aus dem wirthschaft- 
lichen Vorplatze, dem Reiche der Bier- 
gläser und Weinflaschen von „Vogels 
Garten‘ in die eigentlichen Ausstellungs- 
räume, So traf das Auge zu beiden Sei- 
ten auf 2 Wege, deren Seiten so mit 
Gemüsesortimenten belegt waren, dass 
diese Gebüsche zum Hintergrund hat- 
ten, dann auf einen grossen Rasenplatz, 
dessen Mitte eine grosse Gruppe von 
Blattpflanzen für das freie Land einnahm, 
umgeben von kleinen Beeten und Ara- 
besken mit niedrigen derartigen Pflan- 
zen, zu Teppiggärten geeignet, letztere 
vorherrschend aus weiss- und rothblät- 
terigen Pilanzen bestehend. Diese Auf- 
stellung war, wenn ich nicht irre, aus 
der Gärtnerei von F. C. Heinemann 


hervorgegangen. Die diesen Kreis um- 
gebenden Gebüsche bildeten die Rück- 
seite der vorerwähnten Gemüse - Lager- 
plätze und waren ebenfalls mit Gemüsen 
belegt. Geradeaus gehend durchschritt 
man eine alte Allee, an deren Seiten 
sich die grössten und meisten Gemüse- 
sammlungen, ebenfalls auf dem Boden 
ausgebreitet, befanden, und gelangte vor 
das schon erwähnte Theatergebäude. 
Auf diesem Platze bemerkte man links 
zunächst eine Bude mit Gegenständen 
von plastischer Kohle, von G. A. $Sie- 
brecht in Cassel, welche nur zum Theil 
in der Gärtnerei verwendbar sind, als 
Blumentöpfe mit beweglichem Boden, 
(eine Einrichtung, die auch bei gewöhn- 
lichen Thontöpfen für manche Pflanzen 
empfehlenswerth ist), Platten mit Rin- 
nen, um darin die Keimfähigkeit von 
Samen zu prüfen, Platten für Treibhäu- 
ser und Blumentische, um Töpfe darauf 
zu stellen, Vasen ete. Diese Dinge sind 
gewiss gute Culturhilfsmittel, ich zweifle 
aber, ob der Preis derselben je so nie- 
drig gestellt werden kann, dass sie all- 
gemeiner in Gebrauch kommen können. 
Weiterhin war eine Art Terrasse, einen 
erhöhten Gartenplatz vorstellend, vom 
Aussteller F, Langenthal in Erfurt, 
fälschlich als Veranda bezeichnet, mit 
einer Balustrade von Zinkblech, täu- 
schend Steinarbeit nachahmend, in der 
Mitte ein Wasserbassin (mit einem was- 
serspeienden fabelhaften Thiere), auf den 
Ecken Blechvasen mit künstlichen Aga- 
ven, welche so naturgetreu gearbeitet 
waren, dass man sich durch Befühlen 
von der Blecharbeit überzeugen musste. 
Von demselben Fabrikanten waren auch 
hübsche Aquarien mit Vogelkäfig und 
sehr gut gearbeitete ovale Giesskannen 
ausgestellt. Auf der rechten grösseren 
Seite befanden sich die verschiedenar- 
tigsten Gartenwerkzeuge und Geräth- 


I. Originalabhandlungen. 9 


schaften, darunter einige Modelle. Die 


jestäten standen gar zu vertieft zwischen 


reichhaltigste Sammlung war von J. J.| den Pflanzen. Eine grosse Menge auch 


Schmidt inErfuri, schon von verschie- 
denen Ausstellungen rühmlich bekannt, 
Andere Sammlungen enthielten mehr 
Geräthschaften für den Landbau, ob- 
schon auch für die Gartencultur im 
Grossen anwendbar, als Drillmaschinen, 
Reihenzieher, Marqueure, Säemaschinen 
etc. Auch Mistbeetfenster aus Holz und 
Eisen waren mehrere vorhanden. Eine 
Coniferensammlung bildete die Einfas- 
sung dieses Platzes. 

Trat man in das Theatergebäude, 
welches von aussen sehr nüchtern aus- 
sah und wohl eine Decoration verdient 
hätle, so war der Anblick wahrhaft im- 
ponirend. Die Mitte (das Parterre) nahm 
einen Rasenplatz mit einzelnen Schau- 
pflanzen ein, dann erhob sich im Pro- 
scenium ein Rasenhang mit prächtigen 
Blumenarabesken, welche sich hier dem 
Auge besonders günstig darstellten. Der 
hintere Theil der Bühne war ganz und 
gar mit schönen Blattpflanzen , meist 
den Warmhäusern angehörend, bedeckt, 
zwischen welchen die Büsten des preus- 
sischen Regentenpaares aufgestellt waren. 
Den verschmälerten Hintergrund endlich 
füllte zum Theil ein sehr ähnliches lebens- 
grosses Bild des „Alten Fritz“ (Friedrich 
II.). Was soll denn der hier? mochten 
Viele sich fragen. Aber einige Schritte 
näher gaben Erklärung. Das Bild war 
ganz und gar, selbst der Rahmen eine 
Mosaikarbeit aus getrockneten Blumen 
(Immortellen), von Fräulein Schmidt 
kunst- und geschmackvoll gearbeitet und 
von der bekannten Fabrik trockner Blu- 
menarbeiten von J. ©. Schmidt in 
Erfurt ausgestellt. Das Arrangement 
der Theaterbühne war trotz der prächti- 
gen Pilanzen nicht gelungen, denn diese 
waren viel zu niedrig, namentlich an 
den Seiten, und die Büsten Ihrer Ma- 


der schönsten Blattpflanzen kann nie die 
fehlende Grösse ersetzen, und Ausbrei- 
tung solcher Gruppen nach der Höhe 
ist ein nothwendiges Erforderniss, Of- 
fenbar war der Anordner durch das er- 
wälınte grosse Bild verhindert geschmack- 
voller zu arbeiten; aber es hätten we- 
nigstens an den Seiten grosse Pflanzen 
stehen müssen. Auf dem Rasenplatze 
in der Mitte waren sehr gut cultivirte 
Einzelnpflanzen für das freie Land aus 
der Handelsgärtnerei des Gartenbaudi- 
rector Jühlke ausgestellt mit vorherr- 
schenden Achyrantlhes Verschaffelti, Hier 
zeigte sich auffallend, dass diese Pflanze 
keineswegs den ihr gewordenen Ruf 
verdient, denn ebschon die Pflanzen aus- 
gezeichnet cultivirt waren, so sahen sie 
doch dünn aus. Amarantus melancho- 
licus ruber, ein etwas zärtliches Som- 
mergewächs, ist viel effectvoller, Achy- 
ranthes nur schön, wenn hoch aufge- 
stellt, damit man die Blätter gegen das 
Licht sieht, so aber wirklich prächtig. 
Unter diesen Schaupflanzen fielen Se- 
dum Fabaria mit grossen hellrothen Blu- 
men und Leucophyte Browni auf. Er- 
steres hält im Freien aus, ist aber auch 
für Topfeultur werthvoll. Leucophyte 
Brownii ist eine dem neuholländischen 
Helichrysum ähnliche ganz weisse Pflan- 
ze mit fadenföürmigen Zweigen von ey- 
presseuartigem Ansehen, welche in san- 
diger Humuserde im freien Lande ge- 
deiht und fremdartig auffällt. Ich fand 
diese schöne Pflanze früher zu dünn 
und dürftig; seit ich aber dieses schön 
gezogene, eine buschige Pyramide bil- 
dende Exemplar gesehen, bin ich ande- 
rer Meinung geworden. Es ist noth- 
wendig, diese Pflanze immer zu ent- 
spitzen. Auch ein 6 Fuss hoher Busch 
von dem weisslichen Eucalyptus Glo- 


10 


Gartenflora Deutschlands, 


bulus zeigte, welche decorativen Werth 
diese Pflanze im Freien hat. Der Bühne 
gegenüber stand ein Riesenstrauss von 
Getreideähren, wohl 7 — 8° hoch, das 
Sortiment der Jühlke’schen Gärtnerei 
enthaltend, während nicht weit davon 
die reinen Körner mit Namen ausgestellt 
waren. Auch von Platz und Sohn 
war Getreide in Aehren reich vertreten. 
Die Plätze unter der Gallerie, sowie die 
Gallerien selbst waren meist mit Gegen- 
ständen angefüllt, welche Schutz gegen 
schlimmes Wetter verlangen oder sonst 
passend anzubringen waren, dabei lag 
aber auch an einer zu dunkeln Stelle 
ein schönes Asternsortiment in abge- 
schnittenen Blumen, wenn ich nicht irre, 
aus der Jühlke’schen Gärtnerei. Es ist 
schwer, sich aller der verschiedenartigen 
Dinge zu erinnern, welche hier zu se- 
hen waren. Vor allem nahmen die ge- 
trockneten und gefärbten Blumen den 
meisten Platz ein. Man muss gestehen, 
dass sich diese Industrie bedeutend ge- 
bessert hat, denn früher waren diese 
Arbeiten oft recht geschmacklos, wäh- 
rend jetzt Blumenzusammenstellungen 
vorlagen, welche den besten Geschmack 
befriedigen konnten. Besonders schön 
sind die gefärbten Gräser, von denen 
ein riesiges Bouquet vorhanden war. 
Ein Fortschritt ist die Benutzung be- 
blätterter Zweige und kleiner Früchte 
zwischen Blumen, Gräsern und Moos. 
Obschon die Firma J. C.Schmidt das 
beste in dieser Hinsicht geliefert hatte, 
so waren doch auch von andern Aus- 
stellern recht gute Arbeiten da, nament- 
lich von der Färberei von Wallberg 
und Rümpler gefärbte Blumen und 
Gräser, Hieran reihten sich Bouqnet- 
papiere, Spitzen, Halter etc. von 2 Aus- 
stellern. Der Seltenheit wegen sind ge- 
trocknete auf Papier geklebte Blumen 
aus Jerusalem und Bethlehem zu er- 


Russlands und der Schweiz. 


wähnen, welche zu Gunsten einer mil- 
den Stiftung verkäuflich waren. Unter 
vielen andern Gegenständen sah man 
verschiedene Ward’sche Kästen in Form 
eleganter Blumentische, geschmackvoll 
mit Pflanzen, kleinen begrünten Felsen 
und Springbrunnen decorirt. Die mei- 
sten und schönsten hatte der Handels- 
gärtner C. Benda in Berlin eingelie- 
fert, während ein anderer von F. A. 
Haage jun. in Erfurt sich durch sel- 
tene und schöne Pflanzen auszeichnete, 
Sehr hübsch waren die zahlreichen Blu- 
menampeln von Draht, jede mit ver- 
schiedenen Pflanzen besetzt, was ich 
noch nicht in solcher Schönheit und 
Mannigfaltiekeit sah. Aehnlich waren 
Blumenkörbe und Ständer, wo die Pflan- 
zen in Moos vegetirten. Allgemein be- 
wundert wurde eine aus trocknen Pflan- 
zen gebildete Winter - Waldlandschaft 
mit der Erfurter Domgruppe im Hinter- 
grunde, vom Zeichenlehrer H. Kruspe 
in Erfurt. Die unvermeidliche Samm- 
lung von Gartenwerkzeugen, besonders 
Schneidinstrumenten der Gebrüder Ditt- 
mar in Heilbronn war auch hier in be- 
kannter Weise und Güte vertreten, nicht 
weniger gut undreich die Sammlung von 
N. Hoffmann in Nürnberg. Auch noch ver- 
schiedene andere Werkzeugsammlungen 
waren vorhanden, unter andern von C. A. 
Bachstein in Jena, dabei der von mir 
schon empfohlene Ziehkarst und das Jena’- 
sche Spargelmesser; ferner Instrumente von 
W. Sceydelin Erfurt, dabei der in der 
„Deutschen Gartenzeitung‘‘ beschriebene 
„Baumdiener‘‘, ein Instrument für alle 
Fälle und recht gut. Schmiedemeister 
Troll in Hildesheim hatte recht zweck- 
mässige Unkrauthacken geliefert. Inter- 
essant war eine Sammlung von medieci- 
nischen Pflanzen, in Wurzeln, Samen, 
Blättern ete. von Ludwig Huck in 
Achelstädt bei Krannichfeld, welcher 


I. Originalabhandlungen. 


officinelle Pflanzen anbaut. Dazu kamen 
Medelle (von Dampfheizung, Gewächs- 
haus, Strohdecken ete.), ein burgenarti- 
ger Bau aus Cichorien und Senf in al- 
len Stadien der Fabrikation, Blumen- 
und Fruchtkörbe und viele andere be- 
achtenswerthe Dinge. Hier sah man 
auch Gartenpläne. Der concurrirende 
‘vom Gartengehilfen Franz Mook in 
Erfurt war nicht übel. Dagegen konnte 
man die Pläne eines norddeutschen 
(nicht coneurrirenden) Künstlers, ob- 
schon schön gearbeitet und mit gut aus- 
geführten perspectivischen Ansichten 
ausgestattet, nur mit Bedauern ansehen, 
dass sich in ihnen die ganz falsche Sie- 
beck’sche Richtung (in dessen grossen 
Plänen der bekannten Werke), in ihrer 
ganzen Schwäche nachgeahmt fand, denn 
man sah weder zusammenhängende 
Schattenpartien, noch grössere offene 
Flächen, sondern nur ein Chaos von 
Bäumen und Grasboden, gleichsam eine 
mit Bäumen bedeckte Wiese, Solche 
Scenen sind recht schön in Landschafts- 
gärten, sie dürfen aber nicht den gan- 
zen Garten füllen. Besser, oder eigent- 
lich gut war der Plan des Blumengar- 
tens. Ein anderer, ebenfalls nicht con- 
eurrirender Plan von einem Dilettanten, 
Herrn von K. in K, sollte wohl nur 
eine Copie des eignen Gartens sein, 
denn als Erfindung gehörte er diesem 
Jahrhundert nicht an, 

Doch es ist Zeit das Theater zu ver- 
lassen. Herauskommend biegen wir 
links in die erwähnte Lindenallee und 
wundern uns bei dem Anblick der Mas- 
sen von Gemüse zu beiden Seiten nur, 
dass so Vorzügliches bei der beispiel- 
losen Trockenheit hat wachsen können, 
besonders so schöner Blumenkohl, wie 
er aus Erfurt, Berlin, Bunzlau etc. aus- 
gestellt war, während ausgebildete schö- 
ne Kohlarten mit Köpfen kaum aufzu- 


11 


Sehr vorherrschend wa- 
ren an verschiedenen Plätzen die ver- 
schiedenen Kürbisarten, darunter jedoch 
keine sehr grossen. Am Ende der Allee 
nehmen uns 2 grosse bedeckte Hallen 
auf, die eine mit Obst, die andere mit 
Florblumen in Töpfen gefüllt. Allge- 
mein wurde das herrliche Obst bewun- 
dert, und die Sammlung vom General- 
consul Lade in Geisenheim zeigte so 
herrliche und grosse Früchte, wie man 
sie bisher nur in Frankreich ziehen 
konnte, ein Beweis, wie sehr sich die 
feinere Obsteultur seit 10 Jahren geho- 
ben hat. Es würde zu weit führen, 
auch nur die besten grossen Obstsamm- 
lungen zu nennen, so viel Vorzügliches 
war vorhanden, und es mag den Preis- 
richtern dieser Section die Wahl unter 
so vielem Guten schwer genug gefallen 
sein. Weniger bedeutend waren die 
Weintrauben. Die Blumenhalle zeigte 
in sehr grosser Länge ein ziemliches 
Einerlei von rundblätterigen Pelargonien 
in neuen und alten Sorten, Heliotro- 
pien (nichts Besonderes dabei), Lanta- 
nen (ebenfalls kaum beachtenswerth) 
und ähnliche Florblumen von sehr ver- 
schiedenen Ausstellern, sogar unzeitge- 
mässe, z. B. chinesische Primel, natür- 
lich nicht schön. Fuchsien fehlten fast 
ganz, waren wenigstens nicht auffallend 
schön genug, um bemerkt zu werden. 
Gar nicht (wenn ich nicht irre), waren 
„Englische“ Pelargonien vertreten. Beide 
— diese und die Fuchsien, hätten recht 
wohl vorhanden sein können, wenn man 
sich Mühe geben wollte. Ausser man- 
chen schönen rundblätterigen (Scarlet-) 
Pelargonien fand ich nur die Sammlung 
von Remontantnelken von Joh. Gottlob 
Ausfeld in Arnstadt wirklich schön. 
Derselbe hatte auch die schöne Stipa 
elegantissima, ohne Zweifel das reizend- 
ste Ziergras ausgestellt, ein Bouquet da- 


finden waren. 


12 


von aber im Theater. Die hier ausge- 
stellten Pflanzen, besonders Lantana und 
Heliotropium waren so mattfarbig, als 
wäre ihnen schon lange Zeit das Licht 
entzogen gewesen. Diese geringen Lei- 
stungen in einem Geschäftszweige, wo- 
rin gerade die Erfurter Gärtner die mei- 
sten Geschäfte machen, sind geradezu 
unbegreiflich, und mancher Gärtner hätte 
wohl besser gethan, diesen Culturen 
mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als 
mit grossen Kosten Coniferensammlun- 
gen in grossen Exemplaren herbeizu- 
schaffen. Sicher ist, dass das Material 
zu vorzüglichen Colleetionen in jeder 
Erfurter Topfpflanzergärtnerei vorhanden 
gewesen wäre, 

Aus dieser Halle treten wir in einen 
schattigen Wald, durch dessen dichtes 
Astgeflecht die Sonne glänzende Schlag- 
lichter fallen lässt, und wenn wir das 
Ende der langen Allee suchen, sehen 
wir wieder ein grosses Bild dort pran- 
gen, eine „Germania“ aus frischen Blu- 
men mit Ausnahme des Gesichts, be- 
sonders aus Malven gebildet, ebenfalls 
von J. C. Schmidt ausgestellt und von 
Fräulein Schmidt gearbeitet, ein eben- 
so gutes Werk, wie der „Alte Fritz.“ 
Die ganze grosse Waldpartie mit zahl- 
reichen Gängen ist zur Aufstellung von 
Sommergewächsen und Landblumen in 
Töpfen bestimmt, und birgt noch einige 
Gemüsesammlungen. Man mochte guten 
Grund haben, die Sommergewächse, von 
denen wohl viele erst kurz vorher ein- 
gepflanzt waren, im Schatten des Wäld- 
chens aufzustellen; aber gewiss ist, dass 
sie hier einen höchst unbedeutenden 
Eindruck machten, und dem Publikum 
keine Lust zu deren Topfeultur mach- 
ten, denn wenn nicht gerade ein glän- 
zender Sonnenstrahl durch die Zweige 
auf einzelne Partien fiel, so war alles 
düster und farblos. Nur um die Mit- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


tagszeit konnte man hier einen bessern 
Eindruck gewinnen. 

Aus diesem übrigens zum Aufenthalt 
reizenden Blumen -Labyrinth treten wir 
wieder in das Freie und zwar auf der 
andern südlichen Seite des Tivolithea- 
ters. Ein mächtiges Füllhorn von Kür- 
bisfrüchten gebildet, macht auf uns kei- 
nen Eindruck, da der „Moosteppich‘ auf 
welchem es ausgebreitet ist, mehr einer 
Streu für Vieh gleicht und vom Publi- 
kum in entsprechender Weise zertreten 
und verschoben ist. Wenig beachtet, 
weil zu tief stehend, wird eine reiche 
Sammlung der verschiedensten Arten 
vom Spanischen Pfeffer (Capsicum). Un- 
ter einem Baume fesselt uns eine kleine 
aber schöne Blattpflanzengruppe, dann 
links die spalierartige Aufstellung jun- 
ger in künstlichen Formen gezogener 
Obstbäume vom Baumzüchter Martin 
Müller in Strassburg. Weiterhin se- 
hen wir einen förmlichen Markt von 
schmiedeeisernen Gartenmöbeln aller Art, 
Zelte, Pavillons in jeder Grösse, und 
andere einschlagende Eisenarbeiten, meist 
von Julius Unger, Fabrikant in Er- 
furt. Besonders gefielen die Stühle und 
Sopha’s mit elastischen Sitzen und Leh- 
nen, ganz von Eisen und sehr leicht. 
Gegenüber ist eine prächtige grosse 
Laube von Weiden geflochten und bron- 
eirt, mit Stühlen und Tischen, vom Korb- 
fabrikant J. F.Reichardt in Erfurt (2). 
In der Nachbarschaft finden wir auch 
schöne gusseiserne Gartenmöbel von F. 
M. Stolze in Erfurt ausgestellt. 

Wieder an Gemüse vorbei, worunter 
besonders die Früchte verschiedener So- 
lanum (Tomaten, Eierpflanzen, Spanischer 
Pfeffer ete.), darunter Eier der violetten 
Varietät von Solanum Melongena, so 
gross wie ein Kinderkopf, gelangen wir 
an den südlichen Ausgang der schon 
erwähnten Lindenallee mit den Gemü- 


I. Originalabhandlungen. 


Dann fesselt uns ein Rasenplatz, 
an prächtigen 


sen. 
dessen Mitte von der 
Exemplaren so reichen grossen Samm- 
lung von Agaven und ähnlichen Pflan- 
zen aus dem Garten von F. A. Haage 
jun. eingenommen ist. Daran schlies- 
sen sich grosse Rasenplätze, auf wel- 


chen sich aus Astern, Tagetes etc. ge- | 


bildete Blumenarabesken ausbreiten, ei- 
ne Decoration, welehe Hunderttausende 
von Blumen erforderte, und ganz allein 
aus der Gärtnerei von Haage und 
Schmidt geliefert war. Wurde als 
schönes Arrangement mit dem Moos’- 
sehen Preise belohnt. In der Nähe 
sind schöne Obststämme in 
grösse 
Pommer- 


schule in Weimar, der 


schen Obstbaumschule zu Rade- | 
und| 
Held in Halle a. S.,| 
Richter in Weissenfels, Jacob Rölke | 
in Dresden, Neuner in Berg bei Stutt- | 


kow bei Tantow, Schiebler 


Sohn in Celle, 


gart, K. Halt in Erfurt u. a. m, von 
auswärts von Jamain et Durand in 
Bourg la Reine bei Paris ete. Auch 
Gehölze, besonders 
Radekow) waren ausgestellt, ferner ge- 
formte Beerensträucher. 


Garten.“ Derselbe ist fast noch schat- 
tiger, als der eben verlassene. Hier 
wird mir das Gedächtniss etwas untreu, 
und ich weiss nicht, ob in der nächsten 


Umgebung etwas ausgestellt war und| 


was, Steuern wir daher gerade auf ein 


grosses Viereck, welches von zwei Sei- | 


ten durch Gebäude, daran bedeckte Hal- 
len, auf der andern von Kunstgebüschen 
begrenzt ist. Hier sehen wir eine grosse 
Gruppe von Canna in Töpfen, wenn ich 
nicht irre, aus der Gärtnerei vonHaage 
undSchmidt in Erfurt, eine Sammlung 


Pflanz- | 
von verschiedenen Ausstellern, | 
unter andern von der Landesbaum-| 
| Exemplaren in Kübeln und Körben, 


13 


von Pflanzen mit silbergrauen und weis- 
sen Blättern zum Auspflanzen ins Freie 
ebenfalls vonHaage und Schmidt in 
Erfurt, wovon auch €. F. Heinemann 
in Erfurt ausgestellt hatte; bei beiden 
waren die weissblätterigen Pelargoniu:n, 
welche überhaupt nicht in guter Cultur 
vertreten waren, ausgeschlossen. Auch 
eine Gruppe von neuen Gladiolus in 
Töpfen zog die. Augen durch Farben- 
pracht an, doch halten diese von einem 
mir unbekannten Aussteller gezogenen 
Pflanzen offenbar zu kleine Töpfe, daher 
kleine Blumen und wurden von der 
besser cultivitten Sammlung von W. 
Wendel in Erfurt übertroffen. Hier 
standen auf geräumigem Platze die gros- 
sen Üoniferensammlungen in grossen 
weitläufig aufgestellt, so dass man den 
eigenthümlichen Wuchs jeder sehen 
konnte. Die Aussteller dieser meist 
prächtigen Pflanzen waren Laurentius 
in Leipzig, F. A. Haage jun., Platz 


|und Sohn, €. Cropp, sämmtlich in 
| Erfurt, 
| Manche dieser Pflanzen waren vor Kur- 
Alleebäume (aus | 


Peter Smith in Hamburg. 


zem eingepflanzt und zeigten schon be- 


| denklicheAnzeichen desZusammensehrum- 
| pfens; auch sahen mehrere Sammlungen 

Die früher erwähnte Brücke über | 
eine Gartenstrasse führt uns in „Pope’s | 


aus, als wären sie in einer und dersel- 
ben Baumschule gewachsen und nur an 


| verschiedene Adressaten verschickt. Mö- 
| gen sie aber hergekommen sein, von wo 
| sie wollen — sie waren schön und wohl 


geeignet, den Gartenfreund zu deren An- 
pflanzung im Freien oder Hauscultur 
Lust zu machen. Die eine Seite dieses 
Platzes nahm theilweise eine vorzüglich 


| eultivirte Sammlung von Topfobstbäu- 
ımen von J. A. Oehme in Erfurt ein. 


Daran schloss sich eine die Hälfte der 
Langseite und die ganze schmale Seite 
des Vierecks umschliessende bedeckte 
Halle, unter welcher natürliche und 


14 


künstliche Früchte, darunter die Samm- 
lung der bekannten Porcellanfrüchte von 
Arnoldi in Gotha ausgelegt waren. 
Diese waren nicht minder 'preiswürdig, 
als die früher erwähnten. Ein grosser 
Theil der Halle war mit Pflanzenproduc- 
ten aus fernen Gegenden angefüllt, da- 
runter eine grosse Brodfrucht aus West- 
indien, Bananenfrüchte aus Brasilien, 
und viele andere tropische Früchte, 
Pflanzenfasern, Samen etc., welche stets 
von Beschauern so belagert waren, dass 
man kaum Zeit gewann, diese Selten- 
heiten näher zu betrachten. Ich er- 
wähne noch einer Sammlung von Früch- 
ten von Holzgewächsen in 300 Arten 
und Varietäten aus dem Arboretum von 
Muskau, vom Parkinspector Petzold, 
leider mit zusammengeschrumpften Blät- 
tern, sowie einer Sammlung von Nadel- 
holzzapfen seltener Arten der Villa Melzi 
am Comersee, von Villain ausgestellt. 
Wir müssen auf ein näheres Eingehen 
bei Erwähnung dieser Seltenheiten ver- 
zichten, so interessant es auch wäre, 
und treten wieder in das Freie, um die 
vierte Seite des grossen Ausstellungs- 
platzes zu betrachten. Hier sah man 
wieder Coniferen in herrlichen Exem- 
plaren, Massen schöner Blumen in Tö- 
pfen und in der Mitte einen riesigen, 
aus mehreren Schalen bestehenden Stän- 
der mit herrlichen Früchten. Dann folgte 
gegenüber die Buchhandlung für Gar- 
tenliteratur von F. M. Otto in Erfurt, 
mit Büsten etc. passend decorirt und 
man musste nur bedauern, dass man 
nicht Zeit hatte, den ausgestellten Bü- 
cherreichthum genau anzusehen. Hier 
war auch ein riesiger Plan der Park- 
und Gartenanlagen von Muskau ausge- 
stellt. 

ÖObschon hier dem Ausgange der 
Ausstellungsräume nahe, müssen wir 
uns dennoch noch einmal nach innen 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


wenden, und betreten auf einem schat- 
tigen Wege den Glanzpunkt der Aus- 
stellung. Vor uns liegt im Sonnenglanze 
ein grosses längliches Viereck, von zwei 
Seiten durch bedeckte Hallen, von der 
dritten durch den Giebel eines Gewächs- 
hausbaues umschlossen, während die 
vierte von Pflanzengruppen, hinter wel- 
chen sich eine Restauration befand, ge- 
bildet ist. Ehe uns andere Dinge im- 
poniren, betrachten wir die reizenden 
dicht gefüllten Sanvitalia procumbens, 
welche in der Gärtnerei von Volkmar 
Döpplepp gezogen sind und 1866 als 
Samen in den Handel kommen. Diese 
Fläche von wohl über 300 Fuss Länge 
war in der Mitte von zwei regelmässi- 
gen Rasenplätzen eingenommen, welche 
durch ein grosses Wasserbassin mit ho- 
hen Springbrunnen getrennt wurden. 
Dieselben stellten einen kunstvoll ge- 
stickten Teppich, ein wahrhaftes par- 
terre de broderie vor, aus den glänzend- 
sten Blumen, als Astern, gefüllten Zin- 
nien, Tagetes, mit grosser Kenntniss der 
Farbeneffecte gebildet. Diese Blumen 
waren natürlich abgeschnitten und blos 
hingelegt, daher vergänglich, sahen je- 
doch selbst nach mehreren Tagen noch 
gut aus. Ich ergreife diese Gelegenheit, 
um derartige Blumenarbeiten zu Fest- 
lichkeiten (z. B. Geburtstagen etc.) zu 
empfehlen, wobei sogar die Spielerei 
von Namen und Jahreszahlen, Wappen 
etc. zulässig it. Die Damen werden 
stets Wohlgefallen an solchen vorüber- 
gehenden Gartenzierden finden. Um die 
Hauptblumenfiguren und an den Rän- 
dern waren schmale Arabesken von Lo- 
nicera brachypoda var. aureo-reticulata, 
Epheu und anderen Schlingpflanzen an- 
gebracht, welche zwar, wie alle nicht 
am Platze gewachsenen Schlingpflanzen 
in der Nähe dürftig aussehen, nichts 
destoweniger aber den Beschauern von 


I. Originalabhandlungen. 


der Verwendung dieser Pflanzen einen 
Begriff gaben. Rings umher waren 
hochstämmige Fuchsien aus der Gärt- 
nerei von C. F. Heinemann in Erfurt 
und Peter Smith in Hamburg, jedoch 
nicht in der von diesen beiden Gärtne- 
reien gewohnten Schönheit und offenbar 
von der Ungunst der Witterung leidend. 
Die Hallen zu beiden Seiten waren zur 
Aufstellung der abgeschnitteten Blumen 
bestimmt und enthielten die Sortimente 
von geeigneten Sommergewächsen, Geor- 
ginen, Pensees, Rosen, Balsaminen, Mal- 
ven, kurz aller Jahreszeitblumen. Natür- 
lich waren Astern vorherrschend. 


kleineren Erfurter Handelsgärtner, 


grossen Gärtnereien nicht 
Köstritz, Aschersleben , 


nem Geschmack am meisten zusagenden 
Blumenformen und Farben auszusuchen 
und sich mit den Bezeichnungen der 
Cataloge bekannt zu machen, 


sten waren, mag selbst den Preisrich- 
tern Schwer genug gefallen sein, und 


selben Blumen und Farben bei 


chen endlich jedem nicht das Einzelne 
besonders beachtenden Beschauer ermü- 


den mussten, so war es nicht zu ver- | 


wundern, dass alle Blicke vor der, eine 
“grosse Fläche bedeckenden Sammlung 
von Gladiolus, 
Paris (quai au fleurs Nr. 3) ausgestellt 
waren, angezogen wurden, War doch 


Hier | 
sah man neben den, ganze Flächen ein- | 
nehmenden Sortimenten der grossen und | 
Col- | 
lectionen aus Arnstadt, Quedlinburg (die | 
vertreten), | 
Oschersleben, | 
Greussen u. a.0. Man sah hier eigent- | 
lich nur Vollkommenes, und der Be-| 
schauer hatte Gelegenheit, sich die sei- | 


der | 
grossen Ausdehnung dieser Blumentlä- | 


15 


von Fachmännern umlagert, und alle 
gestanden ein, eine solche Vollkommen- 
heit und Mannichfaltigkeit noch nicht 
gesehen zu haben. Las man die Na- 
men, so fand man zwar viele Neuheiten, 
aber auch solche, welche bereits bei uns 
in Cultur sind und auch in der Ausstel- 
lung in den Collectionen von Wendel 
und J. C. Schmidt vertreten waren. Es 
hatte also zum grossen Theil die Voll- 
kommenheit der Cultur und Art der 
Aufstellung (stets 2 — 3 zusanımen in 
einer Flasche) diesen günstigen Ein- 
druck bewirkt. Die neuesten Sorten 
zeichneten sich ausser durch Grösse, 
Menge der Blumen, durch die Blüthen- 
form aus, indem diese fast lilienartig 
war, während bei den älteren Gladiolus 
das untere Blumenblait stark nach un- 
ten gekrümmt und die Zeichnung un- 
gleich vertheilt ist. Neu sind die gel- 
ben Schattirungen; es ist jedoch keines- 
wegs wünschenswerth, dass diese in den 
Sortimenten vorherrschend werden, s0 


| schön auch einzelne darunter sind. Ehe 
| möge man auch rein weisse, besonders 
| aber niedrige Varietäten züchten. 

Zu be-| 
stimmen, welche Sammlungen am schön- | 


Wir stehen nun vor dem schon er- 
wähnten Gewächshaus, dessen Giebel- 


| seite nach dem Platze zu reich mit Fah- 
|nen und Kränzen geschmückt ist. 
schliesslich kann nur die Reichhaltigkeit | Haupteingang und 2 kleinere führen in 
der Sortimente massgebend gewesen sein. | 


Wenn hier häufig Wiederholungen der- | 


Ein 


den Bau ven 112 Fuss Länge und 46 
Fuss Breite, in der Mitte zu beiden 
Seiten mit Vertiefungen, zwischen denen 
in der Mitte des Gebäudes eine Fon- 


|taine fast bis zur Decke steigt, von 


welcher das Licht vortheilhaft auf die 


Pflanzen fällt. Hier sah man nur we- 


Inige Blumen, und fast nur Pflanzen mit 


Ä sehönen Blättern. Und doch wurde hier 
welche von Loise in! 


die grosse Menge der Beschauer am 


| längsten gefesselt, ein Beweis, wie sehr 
|der Geschmack des Publikums in sei- 
der Aussteller schon beim Auspacken | 


ner Ausbildung fortgeschritten ist. Es 


16 


waren meist Warmhauspflanzen und sol- 
che Kalthauspflanzen, welche Schutz 
gegen Sonne und Wind verlangen, dar- 
unter grosse Seltenheiten. Obschon 
sehr grosse Pflanzen z. B. mächtige 
Palmen, wie sie in manchen Warmhäu- 
sern zu finden sind, fehlten, so machten 
doch die musterhaften Exemplare, wel- 
che so in Gruppen aufgestellt waren, 
dass die ganze Formenschönheit zu er- 
kennen war, einen allgemeinen befrie- 
digenden Eindruck. Die Anordnung war 
vorzüglich gut und wie aus einem Gusse, 
obschon verschiedene Hände thätig gewe- 
sen waren. Hier sah man die Schätze aus 
den Gewächshäusern vonErnst Benary, 
Friedr. Ad.Haagejun.,‚Platz&Sohn, 
J. C. Schmidt, Gebrüder Villain, 
RobertNeumann, sämmtlich in Erfurt, 
der Laurentius’schen Gärtnerei 
in Leipzig (fast nur aus seltenen Pflan- 
zen bestehend), Louis Rümpler in 
Nancy, von Carl Benda in Berlin u. 
a. m. Das Bassin in der Mitte war mit 
einzelnen seltenen Pflanzen uınstellt, 
und selbst auf dem Wasser waren ei- 
nige schöne Uferpflanzen angebracht, 
prächtige Exemplare von Cyanophyllum 
magnificum, Alocasia indiea mit bunten 
Blättern, A. metallica und albo-violacea 
in dem Viectoriahause von F. A. Haage 
gezogen. Unter den umgebenden Ein- 
zelnpflanzen erregten Croton pietum und 
C, longifolium, von Gebrüder Daneel 
in Görzig bei Köthen, inExemplaren von 
seltener Grösse und Schönheit, durch 
ihre mehr als zur Hälfte prächtig gold- 
gelben Blätter allgemeines Aufsehen, 
und ich hörte eine hübsche blonde Da- 
me sagen, die Pflanzen sehen aus, als 
wären die Sonnenstrahlen daran hängen 
geblieben. 

An den Seiten waren breite Tafeln 
durchaus mit grünen, weniger mit blü- 
henden Pflanzen besetzt, darunter viele 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Seltenheiten und in ungewöhnlicher Cul- 
turvollkommenheit. Der Aussteller wa- 
ren eine so grosse Menge, dass ich sie 
nicht einmal alle mit Namen nennen 
kann. Einzelne besonders interessante 
Pflanzengruppen waren immer so von 
Beschauern umlagert, dass man kaum 
ankommen konnte, so z. B. die Samm- 
lung von Anoecochylus und verwandter 
Pflanzen von Laurentius in Leipzig, 
desgleichen eine Sammlung reizender 
Pflanzen für Zimmerglashäuser von E. 
Benary in Erfurt, beide unter Glaskä- 
sten, die wunderbare Wasserpflanze Ou- 
virandra fenestralis und der Fliegenfän- 
ger, Dionaeamuscipula, aus dem Bota- 
nischen Gartenzu Karlsruhe, wel- 
cher noch einige andere seltene Pflanzen 
in vollkommenster Cultur, unter anderen 
zwei schöne Farne, Gleichenia dicarpa 
und Gymnogramme trifoliata ausgestellt 
hatte. Ebenso wurden die Beschauer 
von den Sarracenia und Nepenthes an- 
gezogen. Durch die Seltenheit der Jah- 
reszeit nach, erregte eine Sammlung von 
Camellien mit aufblühenden Knospen 
und einigen Blumen von Jakob Rölke 
in Dresden Aufsehen. Ohne eine Rei- 
henfolge zu beachten, will ich nun ei- 
nige Collectionen, welche an den Seiten- 
tafeln aufgestellt waren, hervorheben, 
wie sie mir gerade aufgefallen sind. Den 
Kenner zogen die neuen Pflanzen von 
J. Linden in Brüssel an, nicht minder 
die vonLaurentius inLeipzig. Die in- 
teressanteste Pflanze von allen war viel- 
leicht der noch nie in Deutschland gese- 
hene Grasbaum, Kingia australis von 
Laurentius, ein Gras mit etwa 2 Fuss 
hohem Stamme, wie eine Cycadee, und 
langen borstigen Grasblättern aus Neu- 
holland. Andere Aussteller waren Carl 
Benda in Berlin, unter andern mit Dra- 
cänen in einem Culturzustande, wie man 
ihn nur dort findet, was auch andere 


Zuf495, 


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Tuf 495 


? I) 
en Yerdatunı Ike: 


I. Originalabhandlungen. 


Berliner Aussteller (K. Lachner, C.F. 
Chone, E.dela Croix u.a. m. der Fall 
war); Louis Römpler in Nancy, W. 
Lauche in Potsdam (Wildparkstation), 
Cropp inErfurt. VonBlumen machten sich 
einige Haiden (Eriea) jedoch nicht be- 
sonders cultivirt, sowie gut gezogene 
Lisianthus Russelianus bemerkbar. 

Wenn es möglich wäre, einen fri- 
schen Blumenstrauss von 8 Fuss Höhe 
in einem verhältnissmässig grossen Blu- 
menkorbe zu übersehen, so hätte es 
wohl geschehen können, so umstellt war 
immer der Riesenstrauss von Fräulein 
Schmidt in Erfurt. Dieses Prachtstück 
hätte verdient photographirt zu werden. 
Als würdiges Gegenstück prangte dane- 
ben ein prächtiger Blumenkorb von F. 
A. Haage jun., in der Mitte mit einer 
Vase, darin eine Dracaena australis, 
nach unten 6 Drahtbogen mit Schling- 
pflanzen, zwischen denen grosse Blu- 
menhalter in Armleuchterform, Blumen- 
töpfe trugen. 

5o schwer die Trennung von diesem 
zauberischen Orte fällt, so müssen wir 
doch scheiden. Im Vorübergehen noch- 
mals flüchtig den Inhalt der Schauhal- 
len und die Blumenmuster des Parterres 
betrachtend und einen Blick auf die 
grossen Gruppen von Üoniferen, Canna 
ete. werfend, nahen wir uns dem Aus- 
gange, werden aber nochmals durch Ne- 
bengänge aufgehalten. In dem einen 
ist eine reiche Sammlung von Tabak in 
allen Wachsthums - und Zubereitungs- 
- _perioden bei Erfurt gezogen und von 
C. Teichmann, G. Hucke, W. Brommer 
in. Nössen, Joseph Kratz, Lehrer in 
Hochheim und Pfarrer Holzschuher in 
Stedten ausgestellt. Indem andern sind 
Levcojen und andere Sommergewächse in 
Töpfen ausgestellt. Die Zeit der Sommer- 
levcojen war vorüber, und die meisten 
Colleetionen sahen dürftig aus, aber die 

I. 1866, 


17 


Herbst- und Kaiserlevcojen zeigten sich 
besser. Und mit diesem angenehmen 
Eindrucke eilen wir dem Ausgange zu. 

Diese flüchtige Schilderung ist durch 
die Masse des Stoffs so lang geworden, 
dass ich die Mittheilung des Preisrichter- 
Ausspruchs an eine andere Stelle ver- 
weise. Der Zufail hat gewollt, dass die 
grossen werthvollen Preise sämmtlich an 
Erfurter Gärtner gekommen sind. Dies 
hat schon während der Ausstellung ei- 
nige Unzufriedenheit erweckt und wurde 
vielfach bekrittelt. Es ist wahr, dass 
dieser Zufall auffallend ist, aber wenn 
Diejenigen, welche damit nicht einver- 
standen waren, die Preise zu vergeben 
gehabt hätten, so würden die Resultate 
dieselben geblieben sein. Die Ursache 
lag in dem Programm. Auch die Auf- 
fassung des Sinnes der Worte: „für eine 
ausgezeichnete Leistung im Gebiete des 
Gartenwesens,‘‘ wofür der sogenannte 
Königspreis bestimmt war, hat über- 
rascht. Aber gleichwohl finde ich, (ob- 
schon ich nicht bei der Berathung über 
die Vertheilung dieses Preises zugegen 
war), dass dieser Preis ganz in die rech- 
ten Hände gekommen ist, dass die Deu- 
tung des Wortsinnes zwar ungewöhnlich 
aber nicht falsch ist, denn gewiss sind 
die Bemühungen des Gartenbaudirectors 
und Handelsgärtners F. Jühlke um den 
Erfurter Gartenbauverein, Ausstellung 
und Congress eine „ausgezeichnete Lei- 
stung,‘“ deren Nutzen höher zu stellen 
ist, als irgend ein grosser Culturerfolg. 

Manche Einzelnheiten bei der Aus- 
stellung verdienen das grösste Lob, ei- 
nige Tadel. Recht zweckmässig war die 
Einrichtung der Sectionsführer der Preis- 
richter, ohne welche sich diese in der 
Masse gar nicht zurecht gefunden hät- 
ten, und ich bringe dem Führer meiner 
Section, dem Verleiher des Preisbechers 
für Hellerlinsen, Herrn L. Prager, hier- 


2 


18 


‚hiermit unsern besonderen Dank. Lo- 
benswerth war die Art und Weise der 
Aufsichtsausübung durch Feuerwehr- 
männer, die in ihrer netten Tracht ganz 
zum malerischen Festgewand der Aus- 
stellung passten. Ich könnte noch Vie- 
les loben, habe es aber schon so viel 
gethan, dass es endlich Zeit zum Tadel 
ist. Auch hier soll nur das bemäkelt 
werden, was für künftige Ausstellungen 
vermieden werden sollte. Dahin gehört 
erstens die flüchtige Auslegung der Ge- 
müse, auf den Boden so nahe an die 
Wege, dass darauf getreten wurde und 
Bohnen und andere leichte Gemüse von 
den Crinolinen der Damen mit fortge- 
schleppt wurden. Dass dabei die Be- 
zeichnungen mit Papierzetteln, welche 
oft blos aufgelegt waren, am ersten mit 
verloren gingen, versteht sich von selbst. 
Diese Art Bezeichnung ist in Zukunft 
gar nicht zuzulassen. Ferner hatte man 
sich begnügt, an den Wegen, wo Ge- 
müse und Blumentöpfe am Boden auf- 
gestellt waren, Einfassungen aus Moos 
zu bilden. Wie ich beim ersten Eintritt 
voraussagte, so kam es: das Moos wurde 
in allen Gängen umhergeschleppt, wel- 
che dadurch mehr einem Bauernhofe, 
als einer Ausstellung glichen. Die ein- 
zig brauchbare wohlfeile Einfassung für 
so ausgedehnte Linien sind Tannen- 
zweige, die man mit Haken in dem Bo- 
den faschinenartig befestigt. Unange- 
nehm war der Theergeruch in dem gros- 
sen Schauhause, und man sollte die zur 
Deckung verwendete Dächpappe nicht 
theeren. Unangenehm ferner das Licht 
in diesem Hause durch den blauen Be- 
schattungsanstrich, obschon es bei eini- 


Gartenflora Deutschlands, Russland und der Schweiz. 


gen Pflanzen die Farbenwirkung ver- 
stärkte. 

Endlich kann ich ein Gerücht nicht 
verschweigen, welches während der Aus- 
stellung überall im Umlauf war, dass 
nämlich verschiedene Aussteller seltene 
Pflanzen, ganze Sammlungen davon, so- 
wie Gemüse nur zum Zwecke der Aus- 
stellung angekauft hätten. Solcher Un- 
fug sollte nicht wieder geduldet werden. 
Er hat sich, wie man hört, schon an 
mehreren Ausstellungen gezeigt, nament- 
lich in München. 

Ich schliesse mit der Wiederholung 
der schon im Eingange ausgesprochenen 
Ansicht, dass diese Ausstellung allge- 
meine Befriedigung zur Folge gehabt 
hat. Möchte auch meine mangelhafte 
Darstellung nicht ganz unbefriedigt las- 
sen. Manches Erwähnenswerthe mag 
ich vergessen haben. Wer hätte, von 
Preisrichter- und Congresspflichten, sowie 
von endlosen Zerstreuungen in Anspruch 
genommen, Zeit gehabt, sieh alles Be- 
merkenswerthe zu notiren® Beim Durch- 
lesen ünde ich, dass ich manche Namen 
öfter, andere, darunter Aussteller, wel- 
che oit hätten erwähnt werden können 
und sollen (z.!B. Ernst Benary, Haage 
und Schmidt u. a. m.) nur einmal ge- 
nannt, andere z. B. Möhring und Gott- 
hold in Arnstadt, Moschkowiz und an- 
dere in Erfurt ganz vergessen habe. Ich 
versichere, dass dies ganz absichtslos so 
gekommen ist, und bitte diejenigen, de- 
nen ich keine Ehre angethan, um Ver- 
zeihung. Die Preisvertheilung zeigt ja, 
was der Einzelne geleistet hat. 

Jäger. 


I. Originalabhandlungen. 


19 


3) Zur Cultur der Caladien. 


Im Julihefte der vorjährigen Garten- 
flora bringt Herr Hofgärtner Jäger die 
Schwierigkeiten zur Sprache, mit denen 
das Ueberwintern der Caladien verbun- 
den ist und die oft derart sind, dass sie 
manchem Pflanzenliebhaber die Pflege 
dieser schönen Aroideengattung gänzlich 
verleiden. 

Schon seit mehreren Jahren habe 
ich mit: besonderer Vorliebe, so über- 
haupt Arvideen, als speciell Caladien 
eultivirt, dabei auch viele Verluste er- 
litten und mir so nach und nach eine 
Praxis gebildet, die mich jetzt nur in 
seltenen Fällen im Stiche lässt, obgleich 


ich dennoch nicht jedes Jahr ohne Ver- 


luste bleibe. 

Wenn ich mein Verfahren in den 
folgenden Zeilen darlege, so will ich 
damit nicht etwa Neues gesagt haben, 
sondern nur der Aufforderung des ge- 
ehrten Mitherausgebers dieser Zeitung 
Folge leisten, da derselbe in dieser An- 
gelegenheit auch andere 
hören wünscht, 

Wenn meine Caladien beginnen in 
ihrem Wachsthume einzuhalten, d. h. 
wenn sie keine jungen Blätter mehr 
hervorbringen und die alten in verhält- 
nissmässig rascher Folge vergelben, dann 
höre ich allmälig auf zu giessen und 
stelle die Pflanzen an einen zwar trock- 
nen, aber nicht heissen Ort des Warm- 
hauses oder einen der wärmsten und 
trockensten Plätze des temperirten Hau- 
ses; nachdem die Blätter gänzlich ab- 
welken, entferne ich sämmtliche Erde 
von den Knollen und lege dieseiben 
schichtenweise in einen grossen Topf, 


Stimmen zu 


wobei ieh die Zwischenräume mit Sand, 


welchen ich vorher getrocknet habe, 


seinen vorigen Platz, untersuche jedoch 
von Zeit zu Zeit, um den Sand zu ver- 
ändern, wenn die vielleicht noch in den 
Knollen enthaltene Feuchtigkeit sich er- 
sterem mitgetheilt haben sollte. Sich 
während der Ruhezeit (wie Herr Ra- 
galski dies thut) gar nicht um die Knol- 
len zu bekümmern, möchte wohl in den 
wenigsten Fällen zu glücklichen Resul- 
taten führen, weil es einestheils sehr 
leicht vorkommen kann, dass auf die 
Knollen, trotzdem sie an einem trocke- 


nen Orte stehen, dennoch einige Was- 


sertropfen fallen, welche, je kälter sie 
sind, desto ieichter das Anfaulen der- 
selben veranlassen, anderntheils kann es 
oft vorkommen, dass die Knollen zu 
stark eintrocknen, besonders wenn sie 
einen zu warmen Standort haben. Im 
ersteren Falle wird man bei zeitweisem 
Nachsehen die schadhafte Stelle sofort 
entdecken und entfernen, so wie durch 
Aufstreuen von puiverisirter Holzkohle 
das Weiterfaulen verhüten können; im 
andern Falle wird man durch 'mässiges 
Anfeuchten der Erde nachhelfen können. 
Das richtige Bestimmen des Zeitpunk- 
tes, in welchem man mit Giessen nach- 
lassen, ist nach meiner Ansicht das erste 
Erforderniss einer glücklichen Ueber- 
winterung; allerdings ist das Erkennen 
dieses Moments eine Sache, die sich 
nicht lehren lässt und die dem prakti- 
schen ‚Blicke des umsichtigen Pflanzen- 
pflegers überlassen bleiben muss. Ra- 
tionelle Behandlung und aus dieser her- 
vorgehende normale Entwickelung des 
Individuums während der Wachsthums- 
periode ist ein nicht minder wichtiges 
Eriorderniss zum glücklichen Ueberste- 
stehen der Ruhezeit. Die Dauer der- 


ausfülle,;, dann stelle ich denselben an | selben ist je nach den verschiedenen 


2x 


20 


Arten nicht gleich, denn während die- 
jenigen Caladien, deren Knollen breit 
und flach sind und in ihrer Form denen 
der Cyclamen ähneln, eine längere Ruhe 
vertragen (ob auch bedürfen, wage ich 
nicht zu entscheiden) verlangen andere 
Arten, so z. B. C. Humboldtii Schott 
(argyrites Ch. Lem.) und Cal. pietum 
mit allen zu dessen Formenkreise ge- 
hörenden Arten (C. argyrospilum Ch. 
Lem., C. Kochii A. Versch., C. marmo- 
ratum, L. Math, C. Laucheanum C. 
Koch, C. regale Ch. Lem. u. s. w.) eine 
kürzere Ruhezeit. Gewöhnlich tritt 
Ende October bis Mitte November der 
Zeitpunkt ein, wo ich aufhöre meine 
Caladien zu giessen und fast immer 
pflanze ich sie in der zweiten Hälfte des 
Januar wieder in Töpfe. Beziehentlich 
der Behandlung während der Vegetation, 
so halte ich für das Beste, die Knollen 
anfangs in möglichst kleine Töpfe zu 
setzen und ihnen durch öfteres Verpflan- 


ir 


| 


| 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


zen später die nöthigen Nahrungsstoffe 
zuzuführen; ich störe jedoch bei dieser 
Operation die Ballen möglichst wenig. 
Eine Mischung von 2 Theilen Lauberde, 
2 Theilen Heideerde und 1 Theile Sand, 
mit Beisetzung von erbsengrossen Holz- 
kohlenstückehen und etwas Hornspänen 
habe ich stets mit Vortheil angewandt, 
will jedoch deswegen nicht in Abrede 
stellen, dass die Caladien bezüglich der 
Erde nicht sehr wählerisch sind und auch 
in andern Mischungen vortrefflich ge- 
deihen. Wenn ich noch hinzufüge, dass 
sie einen warmen Fuss und eine feuchte 
Atmosphäre zu ihrer vollkommenen Ent- 
wickelung bedürfen, so glaube ich aller 
Erfordernisse gedacht zu haben, mit de- 
ren Berücksichtigung es mir seit einer 
Reihe von Jahren gelungen ist, bei ih- 
rer Pflege mich der gehofften Resultate 
zu erfreuen. Die Vermehrung, als all- 
bekannt, kann ich füglich übergehen. 
Ender. 


4) Die Hooibrenk’scehe Befruchtung. 


Im Oectoberheft der Gartenflora ist 
die Hooibrenk’sche künstliche Befruch- 
tung der Körnerfrüchte und Bäume 
besprochen, aber viel zu glimpflich be- 
handelt, wenn man bedenkt, mit wel- 
cher Keckheit Hooibrenk seine unklaren 
Ideen als erprobte Thatsachen in das 
Publikum brachte, wie diese weltbe- 
glückende Erfindung durch alle Zeitun- 
gen lief und ihrem Meister eine Beloh- 
nung von 20000 Fres. vom Kaiser von 
Frankreich einbrachte. Beim Getreide 
(Roggen, Weizen, Gerste und Hafer) 
sollte der Ertrag ohne wesentliche Er- 
höhung der Kosten um die Hälfte ge- 


steigert werden. Nun hat man an eini- 


gen Orten wirklich die Versuche ange- 
stellt, aber überall ohne den versproche- 
nen Erfolg, z. B. auf der Versuchssta- 
tion Schmiegel bei Posen von Dr. Pe- 
ters, In Ungarisch - Altenburg von Prof. 
Haberlandt und in Frankreich, Eine 
sachgemässe Abfertigung gab Prof. Dr. 
Runge in Oranienburg schon vorher in 
Dingler’s polytechnischem Journal 1864 
Bd. 23, S. 316. Er nennt die künst- 
liche Befruchtung des Getreides ‚‚eine 
der glänzendsten Aufschneidereien der 
Neuzeit“ und sagt hei der Befruchtung 
der Obstbäume: „In diesen Rathschlä- 
gen erreicht seine Unverschämtheit im 
Aufschneiden ihren Gipfelpunkt,“ — 


I. Originalabhandlungen. 


Wenden wir uns zunächst zum Getreide. 
Zwei Männer nehmen eine lange mit 
Franzen besetzte Leine, steilen sich zu 
beiden Seiten des Feldes auf und ziehen 
die Leine über die Aehren, so dass 
diese von den Franzen niedergebeugt 
und gegen einander geschlagen werden. 
Dadurch sollen “die Blüthen gegenseitig 
befruchtet werden. Um aber zugleich 
die mangelnde Narbenfeuchtigkeit zu er- 
setzen, sollen die Franzen mit Honig 
bestrichen werden, welcher auf den Nar- 
ben haften bliebe. Runge setzt nun die 
Eigenthümlichkeiten der einzelnen Blü- 
then auseinander und beweist dadurch, 
dass dies Verfahren überhaupt wirkungs- 
los sein müsse, da die Blüthen sich 
theils nicht, theils erst nach geschehener 
Befruchtung öffneten. Ich habe nur 
den Roggen und Weizen genauer ange- 
sehen. Beim ersteren öffnen sich die 
beiden Blüthenspitzen wie ein Storch- 
schnabel, die Narben treten hervor und 
die Staubbeutel hängen an den verlän- 
gerten schlaffen Staubfäden herab. Spä- 
ter schliessen sich die Spelzen wieder, 
die Spitzen der Narben bleiben aber 
hervorragend. (Ebenso verhalten sich 
eine grosse Zahl unserer wild wachsen- 
den Gräser). Runge behauptet nun, 
dass die Befruchtung schon vor dem 
Oeffnen vor sich gegangen sei. Da ich 
aber in den noch geschlossenen Roggen- 
blüthen die Staubbeutel ebenfalls ge- 
schlossen fand, da bei dem Oeffnen der 
Fruchtknoten stets klein, die Narben 
noch völlig frisch sind, so scheint mir 
dies wenigstens nicht durchgängig rich- 
tig. Die Staubbeutel springen meistens 
während oder kurz nach dem Oeffnen 
der Spelzen auf. Bei günstigem Wetter 
ist die Befruchtung gerade hier sehr 
leicht ermöglicht, indem der Blumen- 
staub der obern Blüthen auf die Narben 
der untern fallen kann, oder dadurch, 


21 


dass ein Luftzug den Biumenstaub auf 
die Narben weht. Eine dem Landmanne 
bekannte und erwünschte Erscheinung 
ist, wenn der Roggen ‚raucht‘, d. h. 
wenn bei klarem Himmel und schwa- 
enem Luftzuge sich gleichzeitig eine 
grössere Anzahl Staubbeutel öffnet und 
der Blumenstaub wolkenähnlich über 
das Feld geweht wird. Dass der Rog- 
gen trotzdem in manchen Jahren nur in 
geringer Anzahl Körner gebildet, muss 
für jetzt andern ungünstigen Verhält- 
nissen zugeschrieben werden, wie Regen, 
feuchter und trüber Witterung. Eine 
alte Bauernregel ist, dass es wenig 
Pflaumen gibt, wenn es in deren Blüthe 
regnet. Aehnlich wie der Roggen ver- 
hält sich nach Runge der Hafer. Bei 
diesen beiden Getreidearten wäre das 
Hooibrenk’sche Verfahren ohne den Ho- 
nig wenigstens nicht widersinnig, wenn 
auch nicht vie] versprechend, indem un- 
günstige Witterungsverhältnisse ebenso 
und noch mehr dabei schaden würden, 
bei passendem Wetter aber mehr als 
hinreichend von der Natur für die Be- 
fruchtung gesorgt ist. Unsinn ist der 
Honig, der nur schaden kann, denn die 
Narbenfeuchtigkeit ist noch kein Honig; 
der Honig an den Franzen würde die 
Narben vers@hmieren und den Blumen- 
staub gerade an den Franzen festhalten. 
Beim Weizen und nach Runge 
bei der Gerste tritt ein sehr we- 
sentlicher Unterschied auf. Hier öffnen 
sich die Spelzen gar nicht oder in sel- 
tenen Fällen in äusserst geringem Grade. 
Wenn hier die Staubbeutel hervortreten, 
sind sie stets entleert und welk. Die 
Narben treten nie hervor, sie sind von 
den bauchigen Spelzen im Grunde der 
Blüthen verborgen. Die Franzen kön- 
nen daher keinen Blüthenstaub fassen, 
und wenn sie ihn ansammelten, so könn- 
ten sie ihn nie auf die Narben bringen. 


22 


Dagegen kann hier der Honig, wie auch 
bei den andern Getreidearten, die Spel- 
zen verschmieren, den Luftzutritt hin- 
dern und so der Ausbildung des be- 
fruchteten Eichens schädlich werden, 
Hätte sich Hooibrenk diese Blüthen an- 
gesehen, so — wäre er wahrscheinlich 
doch so kühn gewesen, das Unmögliche 
als Thatsache zu verbreiten. Es ist in 
neuerer Zeit behauptet worden, auch bei 
Zwitterblüthen müsste der befruchtende 
Blüthenstaub von andern Blüthen her- 
übergebracht werden. Für den Weizen 
(und die Gerste) ist dies nicht der Fall. 
Abgesehen von den erwähnten Thatsa- 
chen wird dies auch durch eine andere 
Erfahrung bestätigt. Zwei verschiedene 
Weizenvarietäten nebeneinander gesäet 
gehen nicht in einander über, was doch 
der Fall sein müsste, wenn der Blumen- 
staub der einen auf die andere geführt 
würde. Allerdings sieht man auf einem 
Weizenfelde häufig einen andern Weizen 
dazwischen. Das geschieht, wenn bei 
der Ernte oder in der Scheuer verschie- 
dene Weizen nicht mit Sorgfalt getrennt 
werden, oder es geschieht auch auf dem 
Speicher, wo Mäuse häufig Körner eines 
Haufens auf einen andeın tragen. Sonst 
verhalten sich die Weizenvarietäten con- 
stant, wenn nicht verschiedene Boden- 
oder klimatische Verhältnisse einwirken, 
was namentlich in Bezug auf die Farbe 
geschieht. Es gibt namentlich Boden- 
arten, auf denen der weisse Weizen 
sehnell roth wird. Bei Roggen kann 
man von Varietäten nicht reden. Es ge- 
hört jedenfalls schon ein sehr geübtes 
Auge dazu, um die Sorten zu unter- 
scheiden. — Aber die Gärtner und na- 
mentlich die Obstgärtner wird das Mit- | 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


tel, „sich eine reichlichere Ernte zu si- 
chern,‘“ wichtiger sein. Man höre: „Um 
diesen Zweck zu erreichen, muss man 
das Pistill der Blüthe leicht mit dem in 
Honig getauchten Finger berühren, Dann 
fährt man mit einem Büschel von Schwa- 
nenflaum über alle Blüthen, um die Ver- 
setzung des befruchtenden Staubes zu 
erleichtern. Solche Fruchtbäume, deren 
Blüthen man mit der Hand nicht errei- 
chen kann, befruchtet man, indem ein 
mit Honig bestrichener Schwanenbüschel 
an eine bewegliche Gurte befestigt wird, 
mit welchem man das Pistill betupft, 
worauf über dasselbe, wie oben gesagt, 
mit einem Flaum ohne Honig hinweg- 
gefahren wird.“ Lassen wir das wissen- 
schaftliche Prineip einmal ganz bei Seite 
und stellen uns mit unserm Honigfinger 
in einen Obstgarten, wir erreichen wirk- 
lich die unteren Blüthen und betupfen 
die Narben. Aber die meisten Blüthen 
sind zu hoch. Wir nehmen den mit 
Honig bestrichenen Schwanenflaum. Wie 
sieht wohl ein solcher Schwanenflaum 
aus? Wie ein Schmierlappen. Also 
mit diesem zarten Schwanenflaum wollen 
wir die Narben betupfen. Dazu würden 
wir in die Linke ein Fernrohr haben 
müssen, um diese möglicher Weise zu 
sehen. In die Rechte nehmen wir die 
Gerte mit dem Honigflaum. Nun aber 
ganz ruhig! Denn treffen wir nicht die 
Narbe allein, so verkleistern wir die 
ganze Blüthe. — Genug des Unsinns. — 
Dass ausserdem hier noch ganz andere 
Gesichtspunkte festgehalten werden müs- 
sen, hat der Redacteur dieser Zeitschrift 
schon nachgewiesen. 
Körnicke, 


I. Neue Zierpflanzen. 


a) Abgebildet im Botanical Maga- 


zine. 


1) Phalaenopsis sumatrana Korthals. 
Orchideae. (tab. 5527). Eine der prächtig- 
sten Arten dieser schönen Gattung des In- 
dischen Archipelagus. Es ist das die glei- 
che Pflanze, die als P. zebrina von Teysm. 
beschrieben (Hort. Bog.) und ausserdem im 
Heit 10 pr. 1860, der Flore des Jardins du 
Royaume des Pays-Bas abgebildet und von 
uns auch schon unter diesem Namen er- 
wähnt ward. Blumen 3 Zoll im Durchmes- 
ser, weiss, mit rothen Querbinden auf den 
Blumenblättern. — 


23) Primula cortusordes L. var. amoena. 
Primulaceae. (tab. 5528). Eine schöne Ab- 
art der in Sibirien heimischen P. cortusoi- 
des, mit bedeutend grössern tief violett ge- 
färbten Blumen mit gelbem Auge. Ward 
vom Hrn. Veitch aus den Gärten Japans 
eingeführt. — 

3) Liparis atropurpurea Wight. Orchi- 
deae. (tab. 5529). Wight ic. pl. Ind. or. Ill. 
p- 904. Eine Erdorchidee Veylons mit pur- 
purrothen Blumen. Nur für botanische Gär- 
ten von Interesse — 

4) Phalaenopsis Schilleriana Rochb. 
(tab. 5530). Eine elegante Abbildung der 
von uns mehrfach besprochenen Ph. Schil- 
leriana von den Philippinen. — 

5) Alstromeria densiflora Herb. Ama- 
ryllideae. (tab. 5531). — Bomarea densi- 
flora Herb. Amaryll. pag. 399. tab. 46. fig. 
4. — Knth. enum. pl. V. pag. 810. — Eine 
schöne Alstromerie mit bis 11 Fuss hohen 
kahlen windenden Stengeln, die in den Ge- 
birgen von Peru und Ecuador heimisch ist 
von dem Sammler des Hrn. Veitch, Hrn. 
Pearce, kürzlich in England eingeführt 
Blätter oval, kurz zugespitzt, auf 
der untern Seite weichhaarig. Die spitzen- 
ständige Blüthendolde vielblumig, dicht und 
die einzelnen 1—2 Zoll langen Blüthenstiel- 
chen weichhaarig und zuweilen von einer 
Bractee gestützt. Blumen ungefähr 1 Zoll 


wurde, 


Neue Zierpflanzen. 


lang, schön scharlachroth. Die Blüthenhüll- 
blätter länglich, spatelförmig, die 3 innern 
innerhalb schwarz punktirt. Fruchtknoten 
und Griffel weichhaarig. — Eine sehr schöne 
Art. — 

6) Haemanthus incarnatus Burch. Ama- 
ryllideae. (tab. 5532). — Burch. tab. piet. 
1818. — Herb. Amaryli. pag. 237. tab. 31. 
fig. 1. — Knth. enum. V. pag. 598. — Ein 
aus dem südlichen Afrika stammendes Zwie- 
belgewächs fürs Warmhaus. Verwandt dem 
H. tigrinus, Blätter sehr gross, verkehrt- 
oval, stumpf, gewimpert. Blüthenschaft 
röthlich und ungefleckt. Blüthenscheide aus 
vielen schmalen spitzen Blättchen bestehend, 
die kürzer als die Blumen. Blüthenhülle 
fleischroth. Griffel und Staubfäden gleich- 
lang, beide hervorsehend. 

7) Lankesteria Barterı Hook. Acantha- 
ceae. (tab. 5533). Eine neue Gattung aus 
der Familie der Acanthaceen aus Westafrika. 
Nees begriff diese Pflanze mit unter Eran- 
themum elegans, welches jedoch eine ganz 
verschiedene Pflanze ist. Bildet einen bis 
4 Fuss hohen Strauch. Blätter gegenstän- 
dig, länglich-oval oder länglich - lanzettlich, 
zugespitzt, am Grunde in einen kurzen Blatt- 
stiel verschmälert, 4—8 Zoll lang, schwach 
kurzhaarig und später kahl. Blüthenähren 
spitzenständig, einfach oder zusammenge- 
setzt. Die Blumen goldgelb mit orangen- 
farbenem Auge, ungefähr 1 Zoll im Durch- 
messer, von ziegeldachförmig über einander 
liegenden ovalen zugespitzten genervten 
kurzhaarigen gewimperten Bracteen gestützt. 
Kelch in 5 gleich grosse, schmal - lineare, 
lang gewimperte Lappen gespalten. Blumen- 
krone präsentirtellerförmig, mit schmaler 
graciler den Kelch überragender kurzhaari- 
ger Röhre und flachem in 5 fast gleich 
grosse ovale Lappen gespaltenem Saume. 
Staubläden 2, welche oben in der Röhre 
eingefügt sind. Antheren 2-fächrig, mit 
parallelen Fächern. Fruchtknoten 4eiig. 
Griffel fädlich, mit kapselförmiger zweilap- 
piger Narbe. Kapsel gestielt. 


24 


Vorzüglich 
Warmhaus. — 

8) Euphorbia Monteiri Hook. Euphor- 
biaceae. (tab. 5534). Eine ausgezeichnete 
neue Euphorbie aus dem südwestlichen 
Afrika, deren kurzer holziger dicker Stamm, 
am Grunde schwach verästelt ist und allent- 
halben von den knotigen Resten des’ Grundes 
der jährlich absterbenden Blatt- und Blü- 
thenzweige besetzt ist, so dass der Stamm 
einige Aehnlichkeit mit dem eines Encepha- 
lartos besitzt. Blätter der jährigen Zweige 
fleischig, kahl, schmal spatelförmig und an 
der stumpfen Spitze einen kurzen Mucro 
tragend. Auf der Spitze der Zweige steht 
die von 3 grünen oval-deltoidischen Brac- 
teen gestützte Blume (Blüthenstand) mit 
rothbraunen Drüsenblättehen. — Interessant 
für Sammlungen merkwürdiger Pflanzen- 
formen. — (E. R.) 


schöne neue Pflanze fürs 


b) Abgebildet in „Flore des Serres 
eich, 


9) Cypripedium insigne Wall. var. 
Maulei. Die typische Art, eine der bekann- 
testen und ältesten Gartenorchideen wurde 
schon im Jahre 1819 von dem berühmten 
Dr. Wallich aus Nepal eingeführt. — Auch 
neben den neuerdings eingeführten schöne- 
ren Arten verdient sie noch immer ihren 
Platz, besonders wegen ihres dankbaren 
Blühens, umsomehr da ihre Blüthezeit in 
den Beginn des Winters fällt, wo jede Blu- 
me in den Gewächshäusern um so willkom- 
mener ist, je strenger und unfreundlicher 
draussen der Winter regiert. — Dass sie 
eine der härtesten Orchideen ist, und in je- 
dem Warmhause mit Leichtigkeit erzogen 
werden, und während der langen Blüthezeit 
unbeschadet ihrer Gesundheit wochenlang 
zum Schmuck der Blumentische dienen kann, 
ist eine weitere werthvolle Eigenschaft. — 
Die Varietät Maulei zeichnet sich aus durch 
den breiten reinweissen Rand des oberen 
Blumenblattes, wodurch das Grün und die 
rothen Flecke der Mitte um so mehr her- 
vortreten. (Taf. 1564.) 

10) Cypripedium Hookerae Rchb. fil. — 
Diese neue Frauenschuhorchidee ist schon 
als schöne Blattpflanze sehr zu empfehlen, 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


die schachbrettartige Zeichnung ist ähnlich 
wie bei O. barbatum und javanicum, grün 
in grün, aber ungleich effectvoller, ungleich 
contrastirender: ein fast schwarzgrüner Grund 
mit hieroglyphenartigen breiten grünlich- 
weissen Bändern geschmückt. Die Blumen 
in Form und Färbung dem O:rhirsutissimum 
ähnlich, sind recht hübsch, entsprechen aber 
nicht den Erwartungen, die der schöne 
Blattschmuck unwillkürlich erregt. 
(Taf. 1565.) 

11) Acer polymorphum fol. dissectis ro- 
seo-marginatis Sieb. — Unter den zahlrei- 
ehen Einführungen des Dr. von Siebold von 
Japan ist auch eine kleine strauchige Ahorn- 
art mit allerliebster Belaubung, die in den 
Gärten Japans wohl schon seit Jahrhunder- 
ten gezogen wurde, da Siebold gleich eine 
ganze Reihe buntblätteriger Abarten einfüh- 
ren konnte. Van Houtte acquirirte den gan- 
zen Vorrath, und hat seit einigen Jahren 
mehrere der schönsten Formen in den Han- 
del gegeben. Diese Ahornart hat einen nie- 
deren, dicht verzweigten Habitus, ist sehr 
schwachwüchsig, und kann wegen des nie- 
deren buschigen Wuchses und der 
Belaubung sehr vortheilhaft im Vorder- 
grunde von Gesträuchpflanzungen verwen- 
det werden. Die obige Abart, mit hand- 
förmig tief getheilten Blättern, die hübsch 
rosenroth gerandet und panachirt sind, ist 
nach Van Houtte wohl der zierlichste aller 
buntblätterigen Sträucher: die lebhafte Blatt- 
fürbung macht den Eindruck des vollsten 
Blüthenschmuckes. — In Belgien und wohl 
auch in Deutschland ist dieser Ahorn voll- 
kommen ausdauernd, da er früh treibt, ist 
eine nördliche oder westliche Lage vorzu- 
ziehen, da nach kalten Nächten die Morgen- 
sonne den noch zarten Trieben leicht scha- 
det; ein leichter, humusreicher und nicht 
nasser Boden ist besonders geeignet. Ver- 
mehrung durch Absenken und Veredeln. 

(Taf. 1566.) 


schönen 


12) Azalea indica var. Präsident Van 
den Heeke. — Eine vorzüglich schöne und 
bunte Azalee, auf reinweissem Grunde pon- 
ceau bandirt und gestrichelt, nach Van 
Houtte in jeder Hinsicht die schönste in 


II. Neue Zierpflanzen. 


dieser Färbung; dabei von gedrungenem 
Wuchse und sehr reichblühend. 
(Taf. 1567 —68.) 
13) Camellia japonica var. Corradino. — 
Von Charles Luzzati in Florenz erzo- 
gen, eine Blume ersten Ranges, gross, 
schön dachziegelig gebaut, bis auf das et- 
was unregelmässige Centrum; dunkel lachs- 
rosa, nach innen heller und hier mit weis- 
sen Lichtern. Eine vorzügliche und effect- 
volle Varietät. (Taf. 1569.) 
14) Rogiera gratissima Planch. et Lind. 


— Die Gattung Rogiera, zu den Rubiaceen. 


gehörend, besteht nur aus wenigen Arten, 
die sich aber sämmtlich durch ihre schönen 
grossen Blüthenbüschel auszeichnen. Sie 
sind einheimisch in den kühlen Bergregio- 
nen von Guatemala und Mexico und erfor- 
dern in der Cultur nur den Schutz des tem- 
perirten Hauses im Winter und einen ge- 
sehützten Standort im Freien während der 
Sommermonate. — R. cordata war bisher 
die schönste und beliebteste Art, wird aber 
bei Weitem übertroffen durch die neue R. 
gratissima, die Herr Linden in Brüssel durch 
seinen Reisenden Ghiesbreght aus der me- 
zicanischen Provinz Chiapas empfing. Diese 
Art unterscheidet sich sehr vortheilhaft 
durch ihren niederen Wuchs, und die klei- 
neren aber weit derberen, lederartigen, 
glänzend dunkelgrünen Blätter, und blüht 
sehr dankbar schon in ganz kleinen, jungen 
Exemplaren, wird daher zweifelsohne eine 
ganz vorzügliche Acquisition sein; sie hat 
auch bei ihrem ersten Debut in den Londo- 
ner Ausstellungen zwei Preise errungen 
und verdient die weiteste Verbreitung. Bil- 
det einen niederen, hübsch belaubten, im- 
mergrünen Strauch; Blätter kurzgestielt, 
lanzettlich-elliptisch oder länglich, kurz ver- 
schmälert, spitz, fast lederartig derb, unbe- 
haart und glänzend dunkelgrün. Blüthen in 
sehr grossen endständigen vielblumigen 
Trugdolden. Kelchröhre birnförmig-kugelig, 
mit kleinen aufrecht abstehenden Zipfeln. 
Kronröhre schlank, nach oben allmälig er- 
weitert, Saum 5lappig, flach ausgebreitet, 


Schlund dieht besetzt mit goldgelben Haa-. 


ren. — Die grossen, prächtigen Trugdolden 
erinnern an die schönen Ixora-Arten, die 


25 


Farbe der Knospen ist lebhaft rosacarmin, 
die Blumen innen zart rosa mit gelbem 
Centrum. — (Auf eıner Reise nach London 
October 1864 hatten wir Gelegenheit, 
sämmtliche neue Pflanzen der belgischen 
und londoner Gärten zu durchmustern; wir 
waren entzückt von der Rogiera gratissima 
und erkannten ihr unbedingt die Palme zu, 
besonders auch, weil sie schon in kleinen 
Exemplaren reich und dankbar blüht, und 
daher verspricht auch eine vorzügliche Markt- 


im 


pflanze zu werden. — Linden wird sie die- 
ses Frühjahr in den Handel bringen. — 
E. O.). (Taf. 1570—71.) 


15) Azalea indica var. Charles Van 
Eeckhaute. — Eine in Van Houtte’s Etablis- 
sement gewonnene Azalee, die sich beson- 
ders durch ihr feuriges Colorit und ihre 
elegante Form auszeichnet. Die Farbe ist 
ein sehr lebhaftes, in Orange schillerndes 
Granatroth, auf dem oberen Petale die so- 
genannte Fahne (die anders, meist dunkel- 
gefärbten Flecken auf den oberen Blumen- 
blättern bei Azaleen, Rhododendron, Pelar- 
gonien ete.) recht markirt durch schwarze 
Punkte auf amarantrothem Grunde; die 
Blumen sind recht gross und bei gerunde- 
ter Form graciös wellig gerandet. 

(Taf. 1572.) 

16) Maranta striata Hort. Veitch. — 
Unter den hübschen Neuheiten, die der 
junge J. G. Veitch, bekannt durch seine 
japanischen Einführungen, von den Philippi- 
nen heimbrachte, ist auch eine sehr schöne 
buntblätterige Maranta oder wahrscheinli- 
cher ein Phrynium. Diese Art bleibt sehr 
niedrig, treibt schnell viele Nebentriebe und 
bildet einen reizenden, dichten Busch; die 
Blätter sind länglich-elliptisch, 4 — 5 Zoll 
lang, 2 Zoll breit, auf lebhaft hellgrünem 
Grunde gelblich, weiss gestreift und pana- 
chirt, und zwar häufig so stark, dass das 
Weiss prädominirt. Sie hat noch nicht ge- 
blüht, ist aber, da sie sich durch Theilung 
leicht vermehrt, bereits im Handel und wird 
als eine überaus zierliche Blattpflanze ra- 
sche Verbreitung finden. Cultur Im Warm- 
hause, feucht und schattig zu halten, wie 
die verwandten Arten. 

(Taf. 1573.) 


26 


17) Chrysanthemum indicum fl. roseo- 
albo punctato. — Rob. Fortune hat neuer- 
dings von Japan eine kleine Anzahl Garten- 
varietäten der Winterastern eingeführt, die 
uns den tröstlichen Beweis geben, dass un- 
sere europäischen Gärtner, ohne ihre japa- 
nischen Collegen deshalb unterschätzen zu 
sollen, dennoch in der Veredlung und Ver- 
vollkommnung der Gartenpflanzen im All- 
gemeinen und der Chrysanthemen im Be- 
sonderen unendlich geschickter sind. — Die 
Japanesen scheinen wenig zu halten auf 
regelmässige, symmetrische Form und Fül- 
lung, das Grosse, Monströse, Barokke sagt 
ihrem Geschmacke besser zu, — das be- 


weisen denn auch diese neuen Sorten, die | 


schwerlich ein anderes Lob gewinnen wer- 
den, als das der Aussergewöhnlichkeit. — 
Aber wenn sie auch an sich wenig Beifall 
finden, so können sie doch für die weitere 
Züchtung grossen Werth gewinnen, da sie 
nach verschiedenen Richtungen hin neue 
Racencharaktere bieten, die nur weiterer Ver- 
vollkommnung bedürfen, und diese in («den 
Händen der europäischen Züchter gewiss 
finden werden, und von diesem Gesichtspunkt 
aus beurtheilt, haben sie sicher grossen 
Werth. Die oben genannte Varietät hat 
z. B. constant punktirte Strahlblüthen bei 
einer anderen Varietät striatum genannt, 
sind sie gestreift, bei laciniatum geschlitzt 
u. 8. w. (Taf. 1574.) 
18) Parochetus communis Hamilt. — 
Diese hübsche Leguminose, in den Blättern 
und im kriechenden Wuchs unserm weissen 
Klee (Trifolium repens) ähnlich, wächst in 
den Thälern des Nepalgebirges, sie zeichnet 
sich aus durch das prächtige reine Kobalt- 
blau ihrer niedlichen Schmetterlingsblüthen. 
— Im freien Lande kommt sieim nördlichen 
und mittleren Europa nicht zur Blüthe, man 
muss sie im Herbst zeitig einpflanzen und 
im temperirten Hause als Ampelpflanze blü- 
hen lassen und dnrchwintern. Die ersten 
im Freien gebildeten Triebe liefern die be- 
sten Stecklinge zur Anzucht fürs nächste 
Jahr. — Im südlichen Europa wird sie ihre 
volle Schönheit entfalten können, und den 
ganzen Winter hindurch blühen und auch 
reichlich Samen tragen. — Kelch 4-spaltig, 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


nackt, die Fahne der Korolle zurückgeschla- 
gen, 2-lappig, Schiffichen stumpf, von den 
Flügeln bedeckt; Staubfäden zweibrüderig ; 
Griffel glatt, Narbe stumpf; Hülse vielsamig, 
Samen fast rund; Blätter 3-blätterig, lang 
gestielt, Nebenblätter häutig. Blättchen ein- 
zeln achselständig, lang gestielt, sehr an- 


sehnlich. (Taf. 1575.) 
19) Camellia jap. tricolor imbricata 
plena. — Eine sehr bunte, prächtige Varie- 


tät, von Ch. Schmitz in Florenz gezüchtet. 
Die grosse, schöngebaute Blume ist auf 
weissem Grunde nelkenartig rosa und car- 
min bandirt und gestreif. Der Wuchs ist 
gedrungen, das Laub glänzend dunkelgrün, 
es ist eine Sorte, die auch in der grössten 
Sammlung noch hervorstecheu und willkom- 
men sein wird. (Tat. 1576.) 

20) Gymnostachyum Verschaffeltü Le- 
mair. Diese allerliebste Acanthacee, durch 
Herrn Baraquin von Para eingeführt, hat 
sehr rasch eine grosse Verbreitung gefun- 
den. Die dunkelgrünen Blätter mit dem 
prächtig carminrothen Adernetz, breiten sich 
flach am Boden aus und sind so auffallend 
schön, dass Jedermann, der sie sieht und 
ein wenn noch so kleines Warmhaus be- 
sitzt, sich beeilt, diese niedliche Blattpflanze 
anzuschaffen. (Genauere Untersuchungen 
der übrigens unscheinbaren Blumen haben 
ergeben, dass diese Pflanze den Typus einer 
eigenen Gattung bildet, die der Botaniker 
Coemans Fittonia nannte, so dass sie jetzt 
als Fittonia Verschaffeltii aufzuführen ist. — 
Die von Veitch gleichzeifig als Eranthemum 
rubrovenium ausgesandte Pflanze ist nur eine 
Abart mit etwas kleineren und heller ge- 
zeichneten Blättern. Cultur im feuchten nie- 
deren Warmhause sehr leicht). 

(Taf. 1581.) 

21) Eranthemum sanguinolentum Hort. 
— Ebenfalls eine rothgeaderte Acanthacee, 
wie die vorige als hübsche Blaitpflanze selır 
zu empfehlen und von dieser durchaus ver- 
schieden. — Veitch, der sie in den Handel 
brachte, will sie von Madagascar erhalten 
haben. Sie bildet einen kleinen, verästelten 
Halbstrauch, mit ovalen Blättern, auf deren 
dunkelgrünem Grunde die lebhaft blutrothen 
Blattrippen schön hervortreten. — Cultur 


II. Neue Zierpflanzen. 


im Warmhause, Vermehrung sehr leicht 
durch Stecklinge; muss fleissig gestutzt 
(pincirt) werden, um reich verzweigte, nie- 
dere Exemplare zu erziehen. (Auch diese 
schöne Pflanze ist nach Hooker Typus ei- 
ner neuen Gattung, und als Hyphaestes 
sanguinolenta Hook. im Botan. Magazin ab- 
gebildet und beschrieben). (Taf. 1583.) 


22) Codonopsis gracilis Hook. fil. et 
Th. — Campanulaceae. — Leider existirt 
diese ausgezeichnete rankende Campanula- 
cee vorerst nur in Herbarien, — aber hof- 
fentlich wird sie auch bald nebst anderen 
prächtigen Pflanzen, die ebenfalls erst in 
Herbarien vertreten sind, in unsere Gärten 
wandern. — Dr. Hooker, berühmt gewor- 
den durch seine Reisen im Himalaya, die 
eine überaus reiche botanische Ausbeute er- 
gaben, (jetzt seit Kurzem zum Director des 
botanischen Gartens zu Kew an die Stelle 
seines verstorbenen Vaters, Sir William 
Hooker, ernannt), — fand zuerst diese 
interessante und schöne Pflanze. „Nichts ist 
schöner — sagt er, als der Anblick dieser 
zarten Pflanze, wie sie mit ihren prächtig 
reinblauen Blumen, und ihrem durchsichtig 
leichten Blattschmuck ganze Büsche buch- 
stäblich dicht bedeckt. Sie wächst in den 
dunkelsten Wäldern des Sikkimgebirges an 
den Ufern der Bäche; ist aber keineswegs 
häufig anzutreffen.“ Eine zarte Schling- 
pflanze mit langen röhrig-glockigen Blüthen. 

(Taf. 1584.) 

23) Malus floribunda Sieb. — Der ver- 

diente Dr. von Siebold hat von Japan unter 


IL No 


1) Die Baumscheere von Le- 
cointe. In Baumschulen sind gute Baum- 
scheeren von grosser Wichtigkeit, denn sie 
geben die Möglichkeit, bedeutend schneller 
die Arbeiten des Beschneidens auszuführen, 
Als Uebelstand war an den Scheeren der 


27 


zahlreichen Pflanzen aller Art, von denen 
viele schon längst unsere Gärten schmücken, 
auch mehrere Varietäten von Aepfelbäumen 
eingeführt, die zwar nicht ihrer Früchte we- 
gen, wohl aber als reich und schön blü- 
hende Ziergehölze alle Beachtung verdienen. 
— Von Siebold hat sie als Malus Ringo, 
M. Toringo, M. spectabilis Kaido und M. 
florıbunda unterschieden, sie scheinen aber 
Formen der gleichen Art zu sein, da Van 
Houtte in einer Aussaat von M. floribunda 
alle diese Formen wiederfand.— Die Blü- 
then stehen in Doldentrauben, in Form, 
Farbe und Blüthenstand unsern Aepfelblüthen 
ähnlich, nur ist das Roth der Knospen un- 
gleich feuriger und dunkler, die Blüthen- 
stiele viel länger und hängend; die Aeste 
werden im ersten Frühjahr besonders bei 
M. floribunda zu wahren Blüthenguirlanden 
und gewähren einen unbeschreiblich schö- 
nen Anblick. Die Früchte sind klein, ku- 
gelig, oben abgeplattet, mit tief eingedrück- 
ter Kelcheinsenkung, von schöner goldgel- 
ber Farbe. — Da diese japanischen Aepfel 
sehr früh blühen, leidet der Flor zuweilen 
durch Spätfröste, sonst sind sie durchaus 
hart für unser Klima. — Sie lassen sich 
wie unsere Aepfelsorten auf Kernwildlinge, 
Paradies- und Johannisstämme veredeln durch 
Pfropfen oder Oculiren und verdienen viel- 
fache Verwendung im Vorgrunde grosser 
Baumpflanzungen, oder im Centrum von 
Gebüschgruppen; sind auch zur Einzeln- 
pflanzung im Rasen geeignet. 


(Taf. 1585—89.) (E. ©.) 


tizen. 


jedem Schnitt wieder öffnen sollen, häufig 
dem Abbrechen ausgesetzt waren. 

Ein Herr Lecointe in Laigle (Orne), 
hat nun eine neue derartige Scheere mit 
einer spiraligen Feder construirt. 

Wir geben hier nach der Revue hor- 


verschiedenartigsten Constructionen es zu |ticole, — die Abbildung dieser „Seca- 


rügen, dass die Federn, welche solche nach |teur de Lecointe“ 


genannten Scheere 


28 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


und bemerken, dass solche sich sehr leicht 
und angenehm haudhaben lassen soll, und 
dass das Brechen der Feder niemals vor- 
kommen soll. 

2) Der botanische Garten in 
Grenoble. Wir finden in der Revue hor- 
ticole einen interessanten Artikel über den 
botanischen Garten zu Grenoble, dem Herr 


| Hier sieht man die zierlichen Bewohner 
der Gebirge zwischen Steinen in üppiger 
Fülle ihre Blumen entwickeln. 

Ganz vorzüglich ist endlich auch ein 
kleiner Fruchtgarten gehalten, in dem 200 
Birnensorten, 80 Aepfelsorten ete. eultivirt 
werden, — und zwar jede einzelne Sorte 
in einem wahrhaft musterhaft behandelten 
Exemplare. Hier hält Herr Verlot zugleich 
seine praktischen Vorträge über Obstbaum- 
zucht. 

Als ein besonderes Verdienst Verlots 
für weitere Kreise ist es endlich zu nennen, 
dass er die in den Gebirgen und Thälern 
der Umgegend wachsenden Pflanzen nicht 
nur alle kennt, — sondern solche auch 
in seinen Garten eingeführt und in die an- 
dern Gärten Europa’s verbreitet hat. 

3) Treiberei der Erdbeeren. Herr 
L. Riffauld empfiehlt in der Revue horticole 
die Treiberei der Erdbeeren in Mistbeetkä- 
sten. Schon im Januar legt er Kästen zu 
diesem Zwecke an. Die Töpfe mit den 
Pflanzen werden ziemlich dicht neben ein- 
ander in die über dem Dünger aufgebrachte 


Verlot als Direetor und Gärtner zugleich Erdschicht eingegraben, — doch dürfen 
vorsteht und auf den derselbe seit einem | dieselben nicht auf dem fermentirenden 


Zeitraum von 20 Jahren unausgesetzt Fleiss | Dünger selbst zu stehen kommen. 


und Mühe gewendet hat. Eine musterhafte 
Ordnung und zweckmässige Einrichtung sind 
das Ziel dieses unablässigen Strebens. 

Der Garten hat eine schöne Lage und 
ist von den Gewässern der nahen Gebirge 
reichlich bewässert. Im grossen Park des 
Gartens sind die einzelnen Parthien immer 
mit den Arten der gleichen Gattung oder 
Familie angepflanzt. So sieht man hier die 
Acer, dort die Juglans, Quereus, Fraxinus, 
Spiraeen etc, — alle in besondere Grup- 
pen geptlanzt. 

Der reichen Sammlung von Coniferen 
‚ ist eine besondere Parthie gewidmet. Von 
grossem Interesse ist unter den perenniren- 
den Pflanzen eine besondere der Cultur der 
Pflanzen der Gebirge gewidmete 
Parthie. 


nahen 


Die Fenster sollen so flach über den 
Pflanzen liegen, dass die Blätter derselben 
das Glas erreichen. Wenn später die Blät- 
ter grösser werden, wird der Kasten soviel 
gehoben, als dies nothwendig erscheint. 

Gelüftet wird fleissig. Während der 
Blüthe soll täglich des Morgens der Schweiss 
von den Fenstern abgewischt werden, da 
dieser herabtropfend den Blumen und jun- 
gen Früchten verderblich wird. 

Zum Treiben benutzte Herr L. R. frü- 
her Princesse-Royale, — jetzt aber die Mar- 
guerite Lebreton, welche er als die beste 
und vorzüglichste Sorte zur Treiberei em- 
pfiehlt. 

Von Ende März bis gegen Ende Juli 
lieferten ihm die getriebenen Pflanzen dieser 
Sorte unausgesetzt schöne Früchte. 


IV. Literatur. 


29 


W. Literatur. 


1) F. Jühlke, Beiträge zur Revision des | 
Gemüsegartens. 


Unser geehrter Freund empfiehlt in die- 
ser kleinen Brochüre zunächst mit Nach- 
druck das Umgraben und Düngen des Ge- 
müsegartens im Herbste und nicht erst im 
Frühlinge. Durch das Umgraben im Herbste 
wird der Boden dem Einfluss der Atmo- 
sphäre den Winter hindurch besser geöffnet, 
was denselben erfrischt und die Zersetzung 
des Düngers in eine von der Pflanze assi- 
milirbare Form bedingt. 


Als Mittel gegen die Kohlfliege em- 
pfiehlt Jühlke, die jungen Kohlpflanzen vor 
dem Pflanzen mit ihren Wurzeln in einen 
eingedickten Decoct von Wermuth zu tau- 
chen, in Folge dessen: sich durchaus keine 
Maden an den Wurzeln zeigten. 

Ferner empfiehlt Jühlke die Cultur der 
weissen und rothen Batate als sehr wohl- 
schmeckender Gemüse. Ueber diese Cultur 
sagt derselbe: 

Der verhältnissmässig niederen Tempe- 
ratur unseres Gartenbodens entspricht es, 
wenn die Cultur der Bataten, die gleich der 
Bohne einem wärmeren Klima — Indien — 
angehören, in 2 Fuss hohen Hügeln bewirkt 
wird. Diese Hügel werden nach veraufge- 
gangener Bearbeitung des Bodens mittelst 
Zusammenschaufeln der fruchtbaren Garten- 
erde gebildet und in 2!/,füssiger Entfernung 
in Verband angelegt. In diesen Hügeln ge- 
niessen die jungen Pflanzen die Vortheile ei- 
ner erhöhten Bodenwärme und entwickeln 
sich ungleich kräftiger, als wenn sie in ge- 
wöhnlichen Gartenboden ausgepflanzt wer- 
den. Mit dem Aufhören der Nachtfröste 
werden die in Bereitschaft gehaltenen Pflan- 
zen, je 2 Pflanzen in der Mitte des Hügels, 
angepflanzt, mässig angedrückt und begos- 
sen. So wie die Pflanzen ausranken, be- 
steckt man einen jeden Hügel mit 4 Fuss 
hohen Sträuchern und lässt die Ranken da- 
ran in die Höhe laufen. Wenn die Ranken 
sich selbst überlassen bleiben, so überwu- 


chern sie den Boden, treiben unaufhörlich 
neue Wurzeln und verhindern die Knollen- 
bildung des Hauptstockes. Die Freihaltung 
der Hügel von Ranken und Unkraut bleibt 
deshalb eine Hauptbedingung bei der Cul- 
tur. Beachtet man diese Erfahrung, so ern- 
tet man von Mitte bis Ende October von 
jedem Hügel sieben, zwölf, fünfzehn und 
mehr Knollen, die in Asche geröstet und 
mit ein wenig Salz und Butter abgewellt, 
oder auch gekocht in Suppe etc. ein wohl- 
schmeckendes Gemüse liefern. 

Bei der Ernte werden die Spitzen der 
Ranken zu Stecklingen auf 3, 4 und 5 Au- 
gen geschnitten und in mit sandiger Erde 
gefüllte Töpfe gepflanzt; sie bewurzeln sich 
selbst im Wohnzimmer sehr leicht und bil- 
den die Fortzucht für das nächste Jahr, wäh- 
rend die Knollen bei einer Temperatnr von 
+ 8 bis 10° R. in trockenen Sand einge- 
schlagen und im Laufe des Winters verspeist 
werden. Die Knollen erhalten sich je nach 
dem Ort der Aufbewahrung und nach dem 
Grade der erlangten Reife — welche letz- 
tere sich in dem Gelbwerden der beblätter- 
ten Ranken zu erkennen gibt — bis Aus- 
gangs Januar, alsdann verlieren sie durch 
Verdunstung und wiederholte Keimbildung 
den Wohlgeschmack. Um diese Zeit pflanzt 
man die übrig gebliebenen Knollen in Töpfe, 
treibt dieselben an und benutzt sie zur Aus- 
pflanzung ins, Freie. Ob man nun zur Ver- 
mehrung Stecklingspflanzen oder solche 
wählt, die aus den Wurzel-Rhizomen unmit- 
telbar hervortreiben, der Effect des Gedei- 
hens und der Ertrag der Knollen ist in bei- 
den ;Fällen derselbe. Die Zwischenräume 
der Hügel werden mit andern Culturge- 
wächsen, wie z. B. Blumenkohl, Sellerie, 
Buschbohnen u. s. w. bepflanzt; da sie von 
den Ranken der Bataten nicht benachtheiligt 
werden, so liefern sie als Nebenernte einen 
sicheren und guten Ertrag. 

Soweit Jühlke. Es versteht sich, dass 
diese ganz rationelle Cultur der Batate nur 
in guter geschützter sonniger Lage und 


30 


dann auch nur in den nicht rauhen Theilen 
Deutschlands und des mittlern Europa’s an- 
wendbar. In Petersburg werden bekannt- 
lich alle Gemüse auf 2 Fuss erhöhten Bee- 
ten angepflanzt, um die hierdurch erhöhte ! 
Temperatur des Bodens allen Küchenge- 
wächsen zu gut kommen zu lassen. 

Indem wir in Bezug auf die vielen an- 
dern praktischen Bemerkungen auf den Ar- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


tikel selbst verweisen, geben wir zum Schluss 
noch wieder, was Jühlke vom Gewürzam- 
fer sagt: 

Von den Spinatartigen Pflanzen ist 
der verbesserte grosse graue Sauer- 
ampfer oder Gewürzampfer — Rumex 
scutatus L. var. glaucus (s. untenstehende 
Abbildung) — sehr zu empfehlen. Ich nenne 
ihn deshalb Gewürzampfer, weil sein schar- 


fes Aroma dem gewöhnlichen Garten-Spinat 
und Gartenampfer einen viel angenehmeren 
Geschmack verleiht, wenn diese beim Ko- 
chen bis zu einem Drittheil mit den Blät- 
tern des grauen Sauerampfers versetzt wer- 
den. Die Blätter sind, wie die obenste- 
hende Figur andeutet, etwas spiesförmig, 
stumpf und zuweilen eingeschnitten von 


| Mm 


blaugrüner Farbe, glatt und äusserst weich 
und fleischig. Die Pflanze breitet sich sehr 
aus, treibt 1!/, Fuss lange niederliegende 
Aeste und blüht im Juli und August. Bei 
der vollkommenen Härte cultivirt man den 
Gewürzampfer in dem Garten-Quartier für 
permanente Pflanzen und gibt denselben 
eine Entfernung von 2 Fuss im Verband. 


IV. Literatur. 


Man säet den Samen im Frühling — im 
März oder April — auf eine sonnige Ra- 
batte und versetzt die Pflanzen mit der 6. 
Blattentwicklung an den Bestimmungsort 
auf tief gegrabenes gut gedüngtes Land. 
Der Verbrauch tritt bereits im ersten Jahr 
im Juli ein; im zweiten Jahr liefern die 
Pflanzen aber vom April ab eine ununter- 
brochene Ernte von weichen saftigen Blät- 
tern, die entweder für sich allein oder als 
Zuthat zu andern Spinat- und Ampferarten 
benutzt werden. Im Herbst schneidet man 
die Stöcke 2 Zoll hoch über der Erde ab 
und düngt sie alljährlich. Auf diese Weise 
liefert die Pflanzung sechs Jahre hindurch 
reiche Ernten. Eine Verunkrautung des 
Bodens ist so leicht nicht zu befürchten, 
weil die Pflanzung den Boden sehr dicht 
beschattet. Wenn die Pflanzen im Ertrag 
nachlassen, so wechselt man den Standort 
und schreitet zur Anlage einer neuen Pflan- 
zung. (E. R.) 


2) A.L. Fee, le Darwinisme. Paris 


1864 chez Vietor Masson et fils. 


Prof. Fee in Strassburg spricht sich in 
diesem Werke für die Beständigkeit der Art 
aus und erklärt Darwin’s Ansicht, dass alle 
die Erde bewohnenden Arten der Pflanzen- 
und Thierwelt einer allmäligen Weiterent- 
wickelung, — respective Vervollkommnung 
entgegen gingen, für eine geistreiche Hypo- 
these. Der Referent nimmt einen ähnlichen 
Ständpunkt für die Pflanzen- und Thierfor- 
men der Jetztwelt ein, ohne jedoch aus der 
Jetztwelt Schlüsse für die Vorwelt zu zie- 
hen, (E. R.) 


3) Henkel, J. B. und Hochstetter, W., 
Synopsis der Nadelhölzer. Stuttgart 
1865. 


Die Autoren dieses Buches geben in 
demselben eine wissenschaftlich geordnete 
Aufzählung aller bekannten Nadelhölzer, mit 
den Charakteren der Gattungen und Arten 
in deutscher Sprache, — ferner die Aufzäh- 
lung der Synonymie, die Standorte, Eigen- 
schaften und Benutzung, denen sich endlich 


31 


die Bemerkungen anreihen, wann solche in 
Europa eingeführt wurden und wo solche 
im freien Lande cultivirt werden. — 

Den einzelnen Gruppen der Nadelhölzer 
sind gute Beobachtungen über deren Cultur 
angehängt. Für Gärtner, Gartenfreunde und 
alle Freunde der Nadelhölzer ein treffliches 
Buch, um sich in demselben Rath zu holen. 

(E. R.) 


4) J. Hartwig, der Melonen-, Gurken- u. 
Champignon-Gärtner für Treib-, wie für 
Freilandeultur. — Weimar 1865, bei 
Voigt. — (Mit 3 Tafeln). 


Diese Schrift ist von einem sachver- 
ständigen Manne mit Benutzung aller in neu- 
rer Zeit gemachten Erfahrungen, in klarer 
und fasslicher Sprache geschrieben und da- 
rumallgemein zu empfehlen. Manche Früchte, 
wie z. B. die vortrefflichen Wassermelonen, 
die im Süden Russlands und dem Oriente 
in grossem Massstabe angebaut werden, die 
auch noch in Petersburg zu den Früchten ge- 
rechnet werden, die viel höher als die Melonen 
geschätzt und bezahlt werden und in ganz 
Russland und auch den sünlich angrenzen- 
den Ländern als Arbusen bekannt sind, 
scheinen freilich vom Verfasser nie selbst 
gebaut worden zu sein. Er führt davon eine 
amerikanische und eine italiänische Sorte auf, 
während alle aus Asien kommen, — sagt, 
dass deren Geschmack fade und wässerig 
sei, während sie wirklich gut eultivirt zu den 
saftreichsten, süssen und sehr angenehmen 
Früchten gehören. Ueber die von der Melo- 
ne ganz abweichende Cultur der Wasserme- 
lone sagt der Verfasser ebenfalls nichts. — 
Da diese Cultur in Deutschland fast ganz 
unbekannt zu sein scheint, so werden wir 
derselben nächstens einen besondern Artikel 
widmen. — 

Bei der Aufzählung der verschiedenen 
Varietäten der Melonen und Gurken hätten 
wir eine einlässlichere Besprechung der 
Sorten gewünscht, welche zum Anbau für 
bestimmte Zwecke vorzugsweise zu empfeh- 
len sind. (E. R.) 


32 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


V. Neuestes ete. 


1) Moskau. Schon lange ist von der 
Tochter Linne’s das phosphorische Leuchten 
der Feuerlilie, sowie der Regenringelblume, 
Lilium bulbiferum „Calendula pluvialis‘“ be- 
obachtet worden; sodann in Zweifel gezogen, 
und endlich förmlich bestätigt worden. Dieses 
Leuchten fand jedoch nur an warmen Som- 
merabenden statt, wo es auch nicht lange 
andauerte. 

Die Beobachtung eines stark phospho- 
rescirenden Lichtes, welches ich hier beob- 
achtet, bezieht sich auf eine gelbblühende 
Georgine, welche von Herrn Sieckmann ge- 
züchtet, unter dem Namen „Deutsche Sonne‘ 
in den Handel kam. 

Ich befand mich nämlich bei 
Müller, Obergärtner des hiesigen Gartenbau- 
vereinsgartens zu Gast. Des Abends spät, am 
8. September trat ich auf den Balkon hin- 
aus, vor dessen Treppe sich eine "Dahlia 
„Deutsche Sonne‘ in voller Blüthenpracht 
befand. Es war dunkel und trübe; desto 
mehr überraschte mich ein helles Leuchten 
dieser Georgine, deren sämmtliche Blu- 
men sich deutlich im phosphorischen Lichte 
abzeichneten, Diese Beobachtung fand jeden 
Abend statt, so dass ich Herrn Mülier und 
dessen ganze Familie auf den Balkon rief, 
wo Alle sehr überrascht waren. Des Nachts 
um 2 Uhr trat ich wieder auf den Balkon 
hinaus; es war vollkommen finster, das Phos- 
phoresciren war aber so stark, dass ich 
mich dicht an die Staude begab, und be- 
merkte, dass aus jeder der gedüteten Blu- 
menblätter das Licht aus dem innern Kelche 
aufstieg, auf dem übergebogenen Rand oder 
Lippe des Blättchens aber verschwand. Auch 
leuchteten nicht alle Blättchen zugleich, son- 
dern abwechselnd, so dass es in vielen 
Blättchen stattfand, dann verlöschte, um je- 


Herrn 


desmal von Neuem anzufangen, wodurch die 
ganze Erscheinung an einen aufblitzenden 
Stern erinnerte. Gegen 4 Morgens verschwand- 
das Leuchten. Noch am Abend der letzten 
Nacht, als der erste Nachtfrost die Blumen 
zerstörte, war das Leuchten bemerklich. 

Obschon neben dieser Georgine sich 
andere, orangefarbene sowohl als gelbe be- 
fanden, so waren doch selbige nicht leuch 
tend, und auch bei einem zweiten Exemplar 
der „deutschen Sonne‘“‘, welche weiterhin im 
Garten sich befand, habe ich das Phospho- 
resciren bemerkt, während alle anderen Blu- 
men dieser Gattung dunkel waren. 

R. Capler, Kunstgärtner. 

Dass das Leuchten oben beschriebener 
Georgine wirklich stattgefunden, davon war 
ich mehrmals Augenzeuge. 

Aug. Müller, Obergärtner. 

2) Internationale Ausstellung in 
London. Im Mai 1866 wird die grosse 
internationale Pflanzenausstellung verbunden 
mit einem Gartenbau - Congress in London 
stattfinden. Nach dem Beschluss des er- 
nannten Comiles wird diese Ausstellung '4 
Tage dauern. Ausserdem sollen aber alle 
die vielen reichen Gärten Londons den an- 
wesenden Gästen offen stehen. Die Ausstel- 
lung selbst soll von der Royale Horticultu- 
ral Society veranstaltet werden und dieLin- 
nean Society und andere gelehrte botanische 
Gesellschaften und Institute Grossbritanniens 
werden dabei Antheil nehmen. — 

Wo Englands Pflanzenschätze und In- 
telligenz den Rahmen zu einer derartigen 
Ausstellung bilden, muss Ausserordentliches 
geleistet werden. Hoffen wir, dass auch die 
Gärten des Continents sich nicht von der 
Concurrenz abhalten lassen. (E. R.) 


I. Originalabhandlungen. 


1) Abgebildete Pflanzen, 


a) Helleborus eauceasicus A. Br. var. 


a b- 


chasieceus. 


(Siehe Tafel 496. Fig. 4.) 


Ranunculaceae, 


H, caucasicus A. Br. var. abchasicus | purrothen Blumen ward von A. Braun 


Rel. ind. sem. h. Petrop. 1860. — H. 
abchasieus A, Br. in ind. sem. h. Berol. 
1853. pag. 14. — C. Koch. in Allgem. 
Griztg. 1858. pag. 143. tab. 1. — 

Von den schönen Abarten des H. 
caucasieus A. Br. gaben wir im Jahr- 
gange 1860 der Gartenflora tab. 293 
die Abbildung der dunkelroth blühenden 
Varietät (H. caucasicus eslchieus) und 
im Jahrgange 1863 tab. 400 die Ahbil- 
dung der weissblumigen und im Grunde 
der Blume punktirten Abart (H. cauca- 
sicus guttatus) und besprachen dabei 
Schon den im Cancasus heimischen H. 
eaucasieus, der von A. Braun H. ceauca- 
sicus genannt und von Ledebour mit H. 
orientalis verwechselt wurde. Die bei- 
stehend abgebildete Abart mit lichtpur- 


als H. abehasieus beschrieben, ist aber 
ebenfalls nur eine Form, des mit grün- 
lich gelben, weissen, licht- und dunkel- 
rothen Blumen vorkommenden H. cau- 
casicus und gehört zu den allgemein 
empfehlenswerthen Perennien. In Pe- 
tersburg hält derselbe nicht mehr sicher 
im freien Lande aus und muss als Topf- 
staude gezogen werden, die im Decem- 
ber und Januar ihre hübschen Blumen im 
Kalthause entwickelt. In Deutschland 
hält derselbe im freiem Lande aus, muss 
aber eine halbsehattige Lage im Schutz 
von Bäumen und eine lockere gute nicht 
sedüngte Wiesenerde oder Mischung aus 
Lehm und Lauberde erhalten. Vermeh- 
rung durch Theilung des Wurzelstocks. 
(E. R.) 


II. 1866, 


34 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


b) Daphne jezoensis Maxim. 


(Siehe Tafel 496. Fig. 1—3.) 


Daphnoidesae. 


D. (Mezereum) humilis, ramosa gla- 
berrima; foliis herbaceis obovato- 
oblongis obtusis uno apiculo, basi in 
petiolum brevem attenuatis, tenuiter ve- 
nosis subtus pallidis; floribus co&taneis 
e basi ramulorum hornotinorum ortis 
fascieukatis, breviter pedicellatis pedicel- 
lis demum lignoso induratis, persisten- 
tibus; laciniis perigoni patentibus 
ovatis acutis dimidium tutum 
aequantibus, antheris exsertis ovario 
staminibus duplo superato. 

Habitat in Japoniae insula Jezo pro- 
pe Hakodate in fruticetis frequens, Majo 
fiorens, et insulae Nippon provineiae Se- 
nano sylvis subalpinis (ipse). 

Frutex ad summum bipedalis, valde 
ramosus, ramis erectiusculis. Flores lutei 
fragrantes. 

Proxime affınes sunt Daphne 
Pseudo-Mezereum A. GrayetD. 
kamtschatica Maxim. quae species 
cum nostra sectionis Mezerei constituunt 
subdivisionem novam: floribus co&taneis 
insigsnem. ÖOmnes tres inter se quam 
maxime affines, tamen in unam minine 
conjungendae. 

En earum diagnoses: 

D. Pseudo-Mezereum A. Gray. 
On the botany of Japon in botan. Me- 
moirs extracted from the Mem. Amer. 
acad. pag. 404. Humilis subdecumbens 
ramosissima tota glabra, foliis herbaceis 
lanceolato oblongis velrarius obo- 
vato -oblongis acutiusculis vel ra- 
rius obtusis cum apieulo, basi in petio- 
lum aitenuatis tenuiter venosis subtus 


fascieculatis 
demum 


lorum hornotinorum ortis 
breviter pedicellatis pedicellis 
lignosis persistentibus; perigonii co- 
riacei laciniis cordato-ovalibus 
obtusis dimidium tubum supe- 
rantibus; antheris exsertis ovario sta- 
minum altitudinem attingente.e Hab, in 
Japoniae insula Nippon: prope Simodam 
(A. Gray ]. c.), prope Jokohamam (ip- 
se); passim culta in hortis urbis Jedo 
(ipse). 

Flores virescenti ochracei inodori. — 
Pro planta Grayana sumsi ob stationem 
similem , ubi ipse inveni, D. jezoen- 
sis vero, videtur in ins. Nippon mon- 
tium altiorum tantum incola. 


Daphne kamtschatica Maxim. 
Primit. fl. Amer. p. 237, n. 644. Hu- 
milis parce ramosa vel subsimplex tota 
glaberrima; foliis herbiaceis ob- 
longo lanceolatis vel lanceola- 
tis acutiusculis basi in petiolum 
brevem attenuatis tenuiter venosis; flori- 
bus coötaneis e basi ramulorum horno- 
tinorum ortis fasciculatis breviter pedi- 
cellatis, pedicellis demum persistentibus 
lignosis, laciniis perigonii erecto 
patulis dimidium tubum vix ae- 
quantibus exterioribus ovatis 
acutis interioribus lanceolatis, 
antheris inclusis, ovario staminum altitu- 
dinem, attingente. 


D.Pseudo-MezereumF.Schmidt. 
Fl. Sachal. ined. non A. Gray. 


Hab. in Kamtschatka prope Tigil in 
fruticetis (Dr. Levicay! Junio florens), 


pallidis; floribus coetaneis e basi ramu--| in Mandschuriae jugo litterali orientali, 


L. Originalabhandlungen. 


in sylvis rarissime (ipse), et in insula 
Sachalin (Schmidt! Glehm!). 

Fruticulus miser a praecedentibus 
statim distinguendus foliis floribusque 
plusquam duplo minoribus, foliis angu- 
stioribus. — Fl. flavi vel lutei. Fructus 
in omnibus tribus speciebus fere iidem: 
bacca sphaerica vel ovalis coceinea, se- 
mine conformi laevissimo hine raphe no- 
tato, ad extremitatem radieularem apicu- 
lato, cotyledonibus exalbuminosis. 

(Maxim. mss.) 


33 


und im ersten Frühlinge ihre angenehm 
und stark riechenden Blumen entwickelt, 
deren goldgelbe Farbe mit dem blau- 
grünen Laube schön contrastirt. Cultur 
und Vermehrung gleich den anderen 
Daphne - Arten Japans. Eingeführt in 
den hiesigen Garten durch Hrn. C. Ma- 
ximowiez. — 

Als eine der wenigen Pflanzen des 
Kalthauses, welehe im December und 
Januar eine Masse von wohlriechenden 
Blumen entwickelt, verdient diese schö- 


Eine schöne gelbblühende Daphne |, ne neue Art allgemeinste Empfehlung. 


Japans, die im Kalthause im December 


(E. R.) 


c) Tetratheca eiliata Lindl, 


(Siehe Tafel 497.) 


Tremandreae 


Die hier abgebildete Pilanze erwuchs 
aus Samen, welche Herr Ausfeld aus 
Bendigo eingeschickt hat. sie wurde 
zuerst von Major Mitchell auf dessen 
Expedition nach den Flüssen Darling 
und Murray am 5. August 1836 ent- 
deckt und von Lindley in dessen Reise- 
werk beschrieben. 

Schon Murray erachtete sie für die 
schönste Pflanze, die er auf seiner gan- 
zen Expedition gefunden hatte. Seitdem 
wurde sie auch noch von Hooker eben- 
falls nach einem getrockneten Exemplare 
in seinen Icones plantarum beschrieben 
und abgebildet, Sie gehört jedenfalls 
zu den zierlichsten Pflanzen des Kalt- 
hauses, indem sie ungefähr einen Fuss 
breite und 11/, bis 2 Fuss hohe sehr 
reich blühende Büsche bildet. Die ziem- 
lich langen und zahlreichen Aeste sind 
schwach kurzhaarig; die Blätter nach 


oben zu meist wechselständig, nach der | gends gekommen zu sein. 


Mitte und nach unten zu aber meist ge- 
genständig, oder vielmehr zu dritt wir- 
telständig, sind rautenförmig-eiförmig, 
schwach mit Wimperhaaren versehen, 

Die überhängenden Blüthenstiele, die 
braunrothen, eiförmigen, zugespitzten 
Kelchblätter und die Fruchtknoten sind 
drusig-borstig behaart, die schön lila ge- 
färbten Blüthenblätter verkehrt eiförmig, 
am Grunde verschmälert, die Staubblät- 
ter spindelförmig. Die Fruchtknoten 
sind zweifächerig und sollen nach den 
Untersuchungen von Steetz in jedem 
Fache meist zwei ovula superposita ent- 
halten. In neurer Zeit wurde T. eiliata 
Lindl. nochmals nach einigen in Van 
Diemensland von Ronald Gunn gefunde- 
nen Exemplaren von Jos. Dalton Hoo- 
ker in dem Journal of Botany und in 
der Flora of Tasmania beschrieben, in 
Cultur scheint dieselbe aber noch nir- 
Ihr Vor- 
3 * 


® kummen scheint auf das 


36 


Australien beschränkt zu sein, 


Cf. Mitchell’s Expeditions II. p. 206. | erworben. 


Hook. icon. plant. III. t. 268. Hook. 
Journal of Bot. II, p. 408. Hook. Flora 
of Tasmania I. p. 34. Walp. Rep. I. 
p. 249. Steetz Tremandreen p. 11. 
(F. v. H.) 
Blühete im letzten Jahre Ende März 
und Anfang April im Kalthause, wo sol- 
che gleich andern zarten Neuholländern 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


südöstliche | nen und zierlichen Kalthauspflanze ein 


grosses Verdienst um den Gartenbau 
(E. R.) 


Erklärung der Tafel 497. 


1. Die Blüthe auseinandergebreitet. 

2. Die Blüthe nach Wegnahme der 
Blüthenblätter. 

3. Ein einzelnes Staubblatt. 

4. Der Stempel. 

5. Der Fruchtknoten mitten durch- 


behandelt wird. Hr. G. Ausfeld, jetzt | geschnitten. 


Handelsgärtner in Arnstadt, hat sich 
durch Einführung dieser wahrhaft schö- 


(Alles vergrössert.) 


dA) Artemisia Stelleriama Besser. 


(Siehe Tafel 498.) 


Compositae 


79. 


A. Stelleriana Bess. Abrot. pag. 
tab. 5. — Ejusd. suppl. pag. 69. 
D. ©. prodr. VI, pag. 119. — Ledb. fl. 
ross. Il. pag. 65. — 

Wir geben beistehend die Abbildung 
einer Artemisia, die Besser nach Exem- 
plaren beschrieb, welche Steller in Kamt- 
schatka gesammelt hatte, Die gleiche 
Pflanze sendete Magister Schmidt in 
Samen von der Insel Sachalin dem hie- 
sigen botanischen Garten, unter der vor- 
läufigen Bezeichnung A. villosa, ein. 
Unterm letzteren Namen erhielt Herr 
Haage und Schmidt in Erfurt diese 
Pflanze auch schon aus dem hiesigen 
Garten. Im vergangenen Herbste. blü- 
hete solche zum ersten Male und zeigte 
dann die Untersuchung, dass solche mit 
A. Stelleriana aus Kamtschatka vollkom- 
men übereinstimmte. 

Die Blüthe ist wie bei allen Arten 


gen dürftesich solche bald als eine beliebte 
und geschätzte Decorationspflanze für 
den Garten, sowie als schöne Pflanze 
zu Einfassungen oder ganzen Gruppen 
verbreiten. Sie bildet nämlich dichte 
Büsche, deren zahlreiche sterile Triebe 
nach allen Seiten ungefähr '/,—I Fuss 
hoch aufsteigen. Stengel und die ver- 
schiedenartig gelappten Blätter sind mit 
einem dichten silberfarbenen Filzüber- 
zug bekleidet und letztere erinnern in 
Form und Farbe an den beliebten Se- 
necio Cineraria D. C. (Cineraria mari- 
tima L.). Unsere Artemisia hat aber 
vor dem Letzteren den grossen Vorzug, 
dass solche niedriger bleibt, in jedem 
Gartenboden leicht gedeihet und durch- 
aus hart ist, das heisst noch in Peters- 
burg den Winter ohne jede Bedeckung 
überdauert. Als Einfassung um dunkel- 
laubige Pflanzen, wie um den rothblät- 


der Gattung Artemisiaunbedeutend, Dage- | terigen Corylus, — oder um duukelblät- 


I. Originalabhandlungen. 


teriee Decorationspflanzen, — oder um 
Gruppen von Amarantus, Atriplex und 
andere rothblätterige Sommerpflanzen 
von höherem Wuchse, wird solehe einen 
vortreffliehen Effeet hervorbringen. 

Die blühenden Stengel sind aufrecht 
und bis 1!/, Fuss hoch, Die zahlrei- 
chen sterilen aufsteigenden Triebe be- 
deutend kürzer, Die Blätter haben eine 
sehr wechselnde Gestalt, indem die un- 
tersten spatel- oder keilförmig und vorn 
meist 3-lappig. Die mittleren sind buch- 


tig-fiederlappig, mit länglichen stumpfen | 


ganzrandigen oder seltner abermals 
schwach fiederlappigen Lappen. Die für 
die Gattung grossen, ebenfalls weissfil- 


37 


zigen ovalen Blüthenköpfehen stehen in 
Trauben auf den rispenförmig gestellten 
Seitenzweigen des Blüthenstengels. — 
Schuppen des Hüllkelchs stumpf, läng- 
lich, von aussen dicht weissfilzig.. Die 
Blumen des Umkreises weiblich, die in- 


(ER) 


neren hermaphrodit. — 


Erklärung der Abbildung. 


1. Ein blühender Stengel. 

2. Ein steriler Stengel. Beide natür- 
liche Grösse. 

a. Eine Schuppe des Hüllkelches. 

b. Eine weibliche Blume. 

e. Eine hermaphrodite Blume. 

a—c. Vergrössert, 


©) Ueber die Haideerde, ihre Fundorte, Stellvertreter und Ver: 
wendung. . 


Herr Professor Ed. Pynaert aus 
Gent sagte in seinem Vortrage über die 
sogenannte Haideerde *) bei dem Con- 
gresse zu Brüssel 1864: „Ist es nicht 
befremdend, zu sehen, dass ein so ver- 
breiteter Stoff, welcher nie fehlen darf, 
wo die Gärtnerei und Gartenkunst be- 
rufen ist, ihre Schätze auszubreiten, — 
ist es nicht befremdend, dass ein so 
unentbehrlicher Stoff nicht einmal recht 
gekannt ist, weder seine Einwirkung, 
ja nicht einmal seine Zusammensetz- 
ung &% 

Man kann sagen, dass dieser Ans- 
spruch für alle Länder gilt, wo sich die 
Gärtnerei der Haideerde bedient. Genau 


*) Dieser Vortrag ist auch besonders 
gedruckt erschienen, wie schon in der Lite- 
raturanzeige dieser Blätter bemerkt wurde. 
Ich knüpfe daran meine Betrachtungen und 
werde ihn zuweilen anführen. J. 


betrachtet ist die Unkenntniss dieses 
Stoffs, der Haideerde nicht so gross, wie 
man nach obigem Ausspruch annehmen 
könnte, sondern es ist vielmehr nur die 
Bezeichnung nichtssagend, Gleichwohl 
ist der Ausdruck allgemein und wird 
richtig gedeutet, scheint auch in den 
europäischen Ländern überall mit Wor- 
ten von gleicher Bedeutung bezeichnet 
zu werden, Schwerlich ist das Wort 
Haideerde eine Uebersetzung von terre 
bruyere oder umgekehrt. Welches Volk 
den Ausdruck zuerst gebraucht, liesse 
sich übrigens leicht aus Vergleichung 
alter Gartenschriften erkennen. Man 
weiss jetzt allgemein, was unter Haide- 
erde zu verstehen ist. Die neueren 
deutschen Gartenschriftsteller und Schrei- 
ber von Gartenartikeln unterscheiden 
übrigens sehr wohl, Haide-, Moor- und 
Lauberde, insofern letztere künstlich be- 
reitet ist. Sobald aber die Erde im 


38 


Walde geholt wird, macht man, wie in 
Belgien und Frankreich, selten noch 
den Unterschied zwischen Haide- und 
Lauberde. Herr Pynaert stellt die 
Frage: ob wohl der Name Haideerde 
daher komme, weil sie fast allein zur 
Cultur der Haiden (Erica) in den Gär- 
ten gebraucht worden sei, welche früher 
viel allgemeiner war, oder ob sie diesen 
Namen erhalten habe, weil sie sich vor- 
zugsweise da reichlich und gut findet, 
wo die wilde Haide (Erica v. Calluna 
vulgaris) wächst, und ist der Meinung, 
dass dies nie aufgeklärt werden könne. 
Es möchte dies allerdings schwer fallen, 
aber es kommt auch nichts darauf an. 
Ich bin für die erstere Annahme, und 
denke der Gebrauch hat den Namen 
gegeben, nicht der Fundort. Der Name 
ist jedenfalls wenigstens in Deutschland 
gewerblichen, nicht wissenschaftlichen 
Ursprungs, wie die meisten technischen 
Ausdrücke. Man hat in grossen Gärt- 
nereien „Orangenerde, Ananaserde, wa- 
rum soll man nicht auch Haidenerde 
(das ist Erde für Eriea) haben?“ Dass 
die einheimische Haide am Fundorte 
der Erde wächst, mochte Zufall sein. 
Es ist ja auch höchst wahrscheinlich, 
dass der erste Gärtner, welcher Hai- 
den eultivirte, durch den natürlichen 
Standort der einheimischen Haide zur 
Wahl der Erde bestimmt worden ist. 
Dem sei nun, wie ihm wolle: der Name 
Haideerde ist da, hat allgemeine Gel- 
tung und wird bleiben. 

Wir wollen nun die verschiedenen 
Arten von sogenannter Haideerde näher 
betrachten. Falsch ist es, wenn Gar- 
tenschriftsteller *#), wie es nicht selten 


*) Auch ich habe es gethan, wo ich 
mich kurz ausdrücken musste, weil die Hai- 
deerde allerdings unter solchen Verhältnis- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


geschieht, sagen: die Haideerde findet 
sich an Stellen, wo die wilde Haide 
wächst ete. Dieskann nur von einer zur 
Cultur der Erica und weniger anderer 
genügsamer Sandpflanzen geeigneten 
Erde gesagt werden. Die beste Haide- 
erde kommt nicht aus eigentlichen Hai- 
den, sondern aus Waldschlägen und 
lichten Waldungen, wo allerdings die 
Haide nebst dem Heidelbeerkraut (Vac- 
einium) besonders üppig wächst. Wenn 
man eine allgemeine, für alle Fundorte 
der als Haideerde bezeichneten Erde 
passende Erklärung geben will, so muss 
man sagen: Haideerde findet sich 
überall, wo sich durch Verwe- 
sung von Pflanzentheilen über 
dem Wasser nach und nach Hu- 
mus gebildet hat. Dieser Humus 
ist unsere Haideerde, und es ist wohl 
zu beachten, dass er sich nach und 
nach und über dem Wasser gebil- 
det hat. Die allmälige Vermischung der 
sich bildenden Humusschicht ist ein Vor- 
zug guter Haideerde, denn dadurch wird 
eine feste torfartige Verbindung verhin- 
dert, der Boden immer locker gehalten, 
der Luft ausgesetzt, und es ist nicht 
unwahrscheinlich, dass selbst die Kiesel- 
erde nicht ganz ohne Einfluss bleibt. 
Man nimmt sogar an, dass die gemeine 
Haide Kieselerde (wahrscheinlich auf 
mechanischem Wege als mikroscopisch 
kleine Sandtheilchen) in sich aufnehme 
und beim Verwesen in der Erde zurück- 
lasse. Ein weiterer Grund, dass der 
Sand eine grosse Rolle bei dem Vor- 
kommen der Haideerde spielt, ist, dass 
der Sandboden die Humusschicht nicht 
verzehren hilft, sondern durch Untermi- 


sen am häufigsten gefunden wird, habe dann 
aber gewiss an anderen Stellen bemerkt, 
dass es auch andere Fundplätze gibt. J. 


I. Originalabhandlungen. 


schung noch verinehrt, während der fast 
ebenso verbreitete Kalkboden den Hu- 
mus aufzehrt, d. h, zersetzt und für die 
Aufzehrung dureh Wurzeln fähig macht. 
Auf Kalkboden findet man nie 
Haideerde, denn alle abfallenden Blät- 
ter und Nadeln werden schnell zersetzt 
und vom Boden aufgezehrt, höchstens 
findet man in Schluchten, wo das Laub 
massenhaft zusammengeweht wird, et- 
was Lauberde, welche aber wenig brauch- 
bar und nicht besser als die auf Haufen 
künstlich zubereitete ist, Auf Thonbo- 
den, welcher ebenfalls meist kalkreich 
ist, findet man ebenfalls keine Haide- 
erde. Dagegen gibt es thonige Boden- 
arten, worin Sand, Glimmer und Schie- 
fer verbunden ist, z. B. in Gegenden, 
wo ausschliesslich Porphyr, Todtliegen- 
des, Basalt, Glimmerschiefer u. s. w. 
herrscht, auf welchen sich reichlich 
Haideerde, jedoch mit kaum sichtbarer 
Sandbeimischung bildet, Es ist ein ei- 
genthümliches Zusammentreffen, dass 
dieselben Bodenarten, welche keine Hu- 
musdecke aufkommen lassen, auch die 
Haide und Heidelbeeren nicht ernähren, 
 obschon ihr Vorkommen nicht an den 
Humus geknüpft ist. 

Wir verstehen also unter Haideerde 
jede sich nach und nach unter Ein- 
fluss des Sauerstoffs der Luft aus Pflan- 
zentheilen bildende Erde, und wollen 
ihre Fundorte betrachten. 

Die wirkliche reine Haideerde, Hai- 
deerde im eigentlichen Sinne, 
finden wir nur auf Sandboden, in offe- 
nen Haidegegenden, Waldlichtungen oder 
auch in lichten Waldungen, welche mit 
Haide und Heidelbeeren bewachsen sind. 
Sie entsteht nicht blos aus Haide, viel- 
leicht zum geringsten Theile, sondern 
aus verwesender Haide, anderem Ge- 
strüpp, Moos (in grösster Menge), Flech- 
ten, Nadeln von Wachholdern und ver- 


39 


schiedenen Pinus oder auch Laub, wel- 
ches einzelne Bäume spenden oder der 
Wind hin über die Haide weht. Sie liegt 
in der Regel nur einige Zoll hoch und 
wird zum Gärtnereigebrauch bis auf die 
Sandunterlagen abgehoben. Wie schon 
früher bemerkt wurde, ist sie immer 
reichlich mit feinem Sand vermischt, 
welchen wohl der Wind hineinweht, und 
welcher durch zufällige Bodenlockerung, 
wohl auch durch das Keimen und Wach- 
sen der Pflanzen aus dem Urboden in 
die Erdnarbe gehoben wird. Man muss 
beachten, dass die Bildung der Humus- 
schicht sehr langsam vor sich geht, dass 
daher eine Kleinigkeit von Sand im 
Jahre genügt, die Erde sandig zu ma- 
chen, Die Farbe ist sehr verschieden, 
jedoch meistens grau, dunkler, wenn 
der Sand, wie es oft der Fall ist, durch 
Eisen dunkel gefärbt ist, heller, wenn 
er weiss ist. Dieser ist in der Regel 
sehr fein, so fein, wie manihn rein fast 
nur auf dem Meeresstrande und in Dü- 
nengegenden findet. Diese Erde, welche 
sehr häufig in die Gärten kommt, ist 
für Haiden (Erica), alle jungen Topf- 
pflanzen und besonders junge „Neuhol- 
länder“, sowie für Indische Azaleen je- 
des Alters gut. Die Pflanzen wachsen 
zwar meist nicht üppig, aber sie bleiben 
gesund und können nicht leicht durch 
Uebermaass von Wasser verdorben wer- 
den. Zu Pflanzen, welche mehr Nah- 
rung brauchen, z. B. Camellien, hilft 
man sich durch Untermischung mit nahr- 
hafterer, weniger sandiger Erde und 
flüssige Düngung. Die darin cultivirten 
Pflanzen sind leicht dem Vertrocknen 
ausgesetzt und es gehört längere Ue- 
bung dazu, um den Feuchtigkeitszustand 
dieser Erde richtig zu beurtheilen. 
Weniger sandig, nahrhafter, also bes- 
ser ist die Wald-Haideerde, d.h. 
solche Erde, welche auf Sandboden oder 


40 


wenigstens auf saudhaltigen Gebirgsla- 
gern auf Holzschlägen vorkommt. Diese 
Erde hat sich im Laufe einer langen 
Zeit im Walde selbst von den abfallen- 
den Nadeln der Nadelhölzer*) und der 
Moosdecke des Bodens, seltener im Laub- 
wald gebildet und liegt sehr stark. Das 
Moos, im Schatten hoher dichter Nadel- 
wälder hoch werdend und von unten 
immer absterbend, hat einen guten Theil 
des Materials geliefert. Nach Entfer- 
nung der Bäume wächst auf dem Wald- 
schlage ebenfalls Haide, und wenn man 
den Platz bald wieder eultivirt, so fin- 
det man sie wenigstens zwischen den 
jungen Pflanzungen oder bei Ansaat auf 
den Erdbänken zu Seiten der Saatfur- 
chen. Diese ‘Bänke sind meist sehr 
brauchbar, weil sieschon etwas von der 
Luft durchdrungen sind, auch sandiger 
als die Erde an der Oberfläche, indem 
die Forsthacke bis auf den Untergrund 
greift. 

Die Forstleute gestatten das Weg- 
nehmen dieser oft über 1 Fuss hohen 
Haideerdebänke bis auf eine schwache 
Bodenschicht, denn sie säen und pflan- 
zen nicht in die Haideerde, sondern be- 
trachten diese nur als Bodendecke zur 


*) Herr Pynaert bemerkt in der ge- 
nannten Abhandlung, dass man bis jetzt in 
Belgien von der Erde aus Nadelhölzern kei- 
nen Gebrauch mache, dass aber die Zeit 
kommen werde, wo es geschehen müsse, 
da Gents Gärtner allein jährlich über 60,000 
Hectoliter Haideerde verbrauchen. Wenn 
die Gegend um Gent auch in Nadelwäldern 
Haideerde hat, so mögen sich die dortigen 
Gärtner beruhigen, wenn die Laubholzerde 
zu Ende zu gehen droht, denn in Deutsch- 
land ist die meiste Erde aus Nadelhölzern 
und die Camellien, Azaleen, Rhododendron 
etc. der Dresdner Gärtner stehen in der Na- 
delholz- Haideerde nicht schlechter als die 
gleichen Pflanzen in Gent. J. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Erhaltung der Bodenfeuchtigkeit. Nur 
an den Stürmen sehr ausgesetzten La- 
gen und an Bergen duldet man das 
Wegnehmen der Bänke nicht, denn in 
ersteren schützen sie die jungen Pflan- 
zen, anBergen dienen sie gleichsam als 
Faschinen gegen das Abschwemmen des 
Bodens. Solche Erde ist bei weitem 
die häufigste und überall geschätzt. Die 
meisten Pflanzen mit feinen Wurzeln 
wachsen vorzüglich gut darin, und mit 
Rasenerde oder mildem Lehm und Sand 
vermischt gedeihen auch die mehr Nah- 
rung bedürftigen Pflanzen darin. Die 
Pariser Haideerde aus den Laubwäldern 
von Meudon ist eine Erde dieser Gat- 
tung, und die Pariser Gärten ziehen fast 
alle Topfptlanzen darin, weil sie aus- 
serdem nur noch Erde von Pferdemist 
Auch die vorzügliche Haide- 
erde von Gent, welche Herr Pynaert 
ausführlich bespricht, und welche einen 
so grossen Ruf hat, dass sie weit nach 
Frankreich, England u. s. w. verschickt 
wird, scheint dieser Art anzugehören. 

Hr. P. sagt zwar, dass sie meist aus 
Blättern von Erlen und Pappeln bestehe, 
welche in diesen Gehölzen vorherrsch- 
ten, aber man wird wohl auch dort nicht 
von andern Plätzen entnehmen dürfen, 
als wo der Wald geschlagen worden 
ist. — 

Wenig von dieser Erde verschieden 
ist diejenige Erde, welche sich auf san- 
digen oder schieferigen Bodenarten in 
den Laubwäldern bildet, wo nach dem 
Abschlagen des Holzes die Haide nicht 
den Boden in Beschlag nimmt. Die 
Erdschicht ist hier meist schwächer, 
weil kein Moos den Boden bedeckt, 
welches zur Vermehrung des Humus 
beiträgt, und weil das abfallende Laub 
zum Theil vom Wind an andere Plätze 
geweht wird. Solche Erde kommt in 
grösserer Ausdehnung nur in gut be- 


haben. 


I. Originalabhandlungen. 


standenen ebenen Waldungen vor. Sind 
die Waldungen so dünn, dass sich der 
Boden begrünt, namentlich mit Gräsern, 
so ist die Erdschicht meistens zu schwach 
uud schon ausgezehrt. Nur wenn Haide 
sich in solchen dünnen Wäldern ein- 
stellt, ist Hoffnung auf brauchbare Erde. 
‘Sie ist häufiger in Ebenen und auf Hoch- 
flächen, als in Gebirgen, wo Berg und 
"Thal wechseln, denn an den Bergen 
bleibt nicht Laub genug liegen, in den 
Vertiefungen aber verändert die Erde 
durch das hohe Beisammenliegen ihre 
Eigenschaften, und wird nicht besser, als 
künstlich bereitete Lauberde. Man sollte 
diese Erde natürliche Lauberde 
nennen, nennt sie aber ebenfalls Haide- 
erde. Die Erde in hiesiger Gegend, am 
Westende des Thüringerwaldes ist sol- 
che Lauberde. Der Sandgehalt wechselt 
sehr, ist aber immer gering. Meist sieht 
man den Sand gar nicht, und die Erde 
lässt sieh feucht in der Hand wie Lohe 
zusammendrücken. Ihre Farbe ist braun, 
fast röthlich, aus Nadelholzboden mehr 
schwärzlich. Die Mehrzahl der Pflan- 
zen, welche man in Haideerde eultivirt, 
wächst sehr üppig darin, und man braucht 
Pflanzen in grossem Gefässe Jahre lang 
nicht zu verpflanzen. Aber ‚sie braucht 
viel Sand, darfnie sehr fesı gedrückt wer- 
den, und ist sehr zur Versäurung ge- 
neigt. Aelter wird sie fast schwarz. 
Lässt man sie stark austrocknen, so 
nimmt sie fast kein Wasser wieder an, 
und die trockenen Stücke schwimmen 
Tage lang auf dem Wasser, ohne nass 
zu werden. Ich vermuthe — beiläufig 
bemerkt, dass eine schwimmende Insel 
von etwa 200 Fuss Durchmesser, wel- 
che seit undenklichen Zeiten auf dem 
kleinen Hautsee bei Dünges (2 Meilen 
vor Eisenach) umhersegelt und mit ei- 
nem Birkenwäldchen bewachsen ist, ur- 
sprünglich ein losgerissenes Stück von 


41 


solchem verfilzten Waldboden 
ist. 

Obschon ganz verschieden durch den 
Fundort, jedoch sehr ähnlich ist eine 
IHaideerde, welche ich Alpenerde 
nennen will. Sie kommt überall, na- 
mentlich auf Urgebirgssteinen (viel schwä- 
cher auf Kalkalpen) über der Waldre- 
gion, in der Alpenrosenregion und an 
Stellen verschwundener Wälder vor, 
und bildet dort einen schwammigen ela- 
stischen Boden, welcher mit Rhododen- 
dron, Alpenfarnen und in gleichem 
Höhengürtel vorkommenden Pflanzen be- 
deckt ist. Moos und Flechten bilden 
einen starken, dichten Filz zwischen den 
Pflanzen und halten den Boden immer 
feucht. Von den Alpenpflanzen selbst 
nähren sich nur die kleineren von die- 
sem Boden, während die grösseren z.B. 
Gentiana lutea und ähnliche hohe Ar- 
ten, Rhododendron etc. in den steinigen 
Untergrund eindringen. Man wendet 
diese Erde in allen Alpenländern als 
Haideerde an, und sie wird oder wurde 
wenigstens früher als „‚oberöstreicher 
Erde‘ bis Wien und Pesth auf der Do- 
nau verschickt. Die Pflanzen, welche 
Haideerde verlangen, wachsen sehr üp- 
pig darin, doch habe ich bemerkt, dass 
die Erica mehr als in andern Haideer- 
den dem Schimmel unterworfen waren, 
was jedoch auch nur zufällig sein kann. 
Sie hat meistens kaum eine Spur von 
Sand und fühlt sich fast wie langfase- 
riger Torf an. Auch diese Erde muss 
man sehr behutsam behandeln, darf sie 
nicht festdrücken und nie auf höhere 
Haufen Sie hat eine roth- 
braune oder schwärzliche Farbe. Wer 
sie aufsucht, sehe ja darauf, dass der 
Platz nicht zu feucht ist, denn sonst 
bekommt man eine Erde, welche nicht 
besser als Torf ist. Dies isi um so 
verführerischer, da gerade an nassen 


gewesen 


bringen. 


42 


Stellen die Erde am schönsten aussicht 
und stark liest. 

Ich knüpfe hieran die Bemerkung, 
dass man alle Haideerde — mag es 
ächte oder Wald- und Hochalpenhumus 
sein — überhaupt nie von nassen Stel- 
len nehmen soll, ebenso nieht über 3— 
4 Zoll stark abheben soll, da die un- 
terste Schicht, weil zu lange dem Ein- 
fluss der Luft entzogen, nicht so gut ist. 
Dieses flache Abheben geht aber nicht 
immer an, denn wenn unterhalb nur eine 
schwache Schicht bleibt, so hebt sich 
diese beim Hacken mit ab, es würde 
wenigstens zu viele Arbeit machen, die 
Erde in gewünschter Stärke gleichsam 
abzuschneiden. 

Man wende jede Haideerde nur 
frisch an und lasse sie nicht älter, als 
höchstens drei Jahre im Erdmagazin 
werden und schichte sie nie hoch auf. 
Wenn erst die groben Stücken zerfallen 
sind, in welchen gute Erde meistens 
aus dem Walde gebracht wird, wenn sie 
schwarz wird, dann hat sie schon an 
Güte verloren. Ich habe schon früher, 
wenn ich nicht irre, im Jahrgange 1864 
gelegentlich mitgetheilt, dass vor langen 
Jahren in Nymphenburg bei München 
ein Haufen von vielen hundert Wagen 
Haideerde (Aichacher) als unbrauchbar 
keine Verwendung zur Pflanzeneultur 
finden konnte, weil sie zu alt geworden 
war. Diese frische Verwendung und die 
Anwendung in groben Stücken ist eine 
Grundbedingung jeder guten Cultur, 
will aber vielen Gärtnern und noch mehr 
Dilettanten nicht recht in den Kopf. 

Wenden wir uns zu den Stellvertre- 
tern (Surrogaten) der Haideerde, so fin- 
det sich nur ein natürlicher, die Mo or- 
erde. Moorerde ist Pflanzenhumus, 
welcher sich entweder ganz unter Was- 
ser oder wenigstens unter beständiger 
Einwirkung des Wassers, also mit völ- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


ligem oder theilweisem Ausschluss der 
Einwirkung der atmosphärischen Luft 
gebildet hat. Häufiger als in der Haide- 
erde mögen auch thierische Stoffe bei- 
gemischt sein, da Sümpfe so reich mit 
kleinen Thieren bevölkert sind. Die 
Moorerde ist entweder die oberste Schicht 
eines starken Torflagers oder sie bildet 
eine der Haideerde ähnliche Bodenschicht 
auf nassem Grunde. Im ersteren Falle 
ist sie fast nie, im letzteren oft mit fei- 
nem Sand vermischt, indem der Wind 
stets feinen Sand aus der umgebenden 
Haide oder Dünengegend in das Moor 
weht. Sucht man Moorerde auf Torf- 
lagern, so nehme man sie stets nahe am 
Rande des Moors (Bruchs, Mooses), wo 
man am ersten sandige Erde findet, vor- 
ausgesetzt, dass die Umgebung sandig 
ist. Auf den Gebirgshochmooren ist das 
natürlich nicht der Fall, denn auf Sand- 
steingebirgen mögen wohl selten Versum- 
pfungen vorkommen. Der natürlich im 
Moorboden vorkommende Sand ist von 
grosser Wichtigkeit. Zwar kann er die 
sauren Eigenschaften der Moorerde nicht 
verändern, allein er verhindert die Ver- 
bindung der Humustheile zu einer bröck- 
ligen Masse, wie es ohne Sand stets 
der Fali ist. Man nehme die Moorerde 
stets nur 3—4 Zoll hoch, sollte sie auch 
noch so tief liegen, denn nur die ober- 
ste Schicht, wo die Luft doch zum Theil 
bei der Zersetzung der Pflanzenstoffe 
eingewirkt hat, ist brauchbar. Solche 
Erde ist nicht sogleich brauchbar, muss 
auf flache Haufen gesetzt und einige 
Male umgearbeitet werden. Ist sie nicht 
sandig oder nicht sandig genug, 30 muss 
man den Sand sogleich bei der Anfuhre 
darunter mischen. Die Güte dieser Erde 
ist sehr verschieden. Es gibt schwarze 
sandige Moorerde, in welcher fast alle 
Haideerdepflanzen sehr gut, manche so- 
gar noch üppiger als in Haideerde wach- 


I. Originalabhandlungen. 


sen (z. B. Helichrysum), andere, die 


trotz des guten Ansehens fast nicht zu 


gebrauchen ist, noch andere, welche we- 
nigstens Jahre lang der Luft ausgesetzt 
sein muss, bis sich ihre Säure verloren 
hat. Man wird wohl thun, zur Prüfung 
des Säuregehaltes die chemische mit 
Lackmuspapier anzuwenden. Die Moor- 
erde ist, wenn nicht ausnahmsweise so 
vorzüglich, wie die oben erwähnte, ein 
schlechtes Haideerdesurrogat, allein in 
vielen Gegenden fast das einzige, wel- 
che der Gärtner haben kann. Die beste 
Verwendung davon macht man zu Cul- 
turen im freien Lande; indem man so- 
genannte Moorbeete für Rhododendron, 
Azalea, Kalmia ete. anlegt. Es gibt 
jedoch eine Art, welche auch zu die- 
sem Zwecke kaum brauchbar ist. Man 
findet nämlich in Thalniederungen und 
ehemaligen Seebecken trockene moorige 
Wiesen und Hutungen (in Mitteldeutsch- 
land Riede genannt), wo die Maulwurfs- 
haufen eine bröcklige schwarzbraune 
Erde zeigen, welche sehr gut aussieht. 
Diese Erde kann zwar in sehr frucht- 
baren Acker- und Gemüseboden ver- 
wandelt werden, wenn sie bearbeitet und 
gedüngt wird, nicht aber zur Cultur der 
Haideerde- und Moorbeetpflanzen. Sie 
scheint weniger Moor (aus verfaulten 
Pflanzen, besonders Sumpfmoosen ent- 
standen), als schwarzer thoniger Schlamm 
zu Sein, ist schr bindend und lässt das 
Wasser nicht durch, — Eigenschaften, 
welche gerade die entgegengesetzte Wir- 
kung bei der Pflanzeneultur von der 
Haide- und Moorerde haben. Wer sol- 
che Moorerde findet und verwenden 
will, prüfe sie im nassen Zustande. Ist 
sie Schmierig und klebrig, so eignet sie 
sich trotz des besten Ansehens nicht 
zur Moor- und Haideerdepflanzencultur. 
Man kann solche Erde zurNoth nur da- 
durch einigermassen brauchbar machen, 


43 


indem man die oberste Rasenschicht 3 
Zoll stark abschält und stark mit Sumpf- 
moos oder anderen Pflanzenstoffen (je- 
doch nicht Stroh) und reichlich Sand 
vermischt auf Haufen setzt und nach 
etwa 3 Jahren anwendet, 

Die Moorerde bedarf reichlich Sand, 
den man am besten sogleich einem gan- 
zen Haufen beimischt. Ist sie so be- 
schaffen, dass sie sich nur in kleine 
Stücke zerbröckelt, so thut man am 
besten, diese im trocknen Zustand durch 
Schlagen oder Walzen in einem mehl- 
artigen Zustand zu bringen und dann 
den Sand unterzumischen. So behan- 
delt bildet die Moorerde nie wieder 
Brocken. Natürlich macht man sich 
solehe Mühe nur mit Erde zu kleinen 
Culturen, welche in bröckliger Moorerde 
nicht gelingen wollen. Es giebt auch 
Pflanzen, welche gerade eine so be- 
schaffene Erde lieben, z. B. die Achi- 
menes und ihre Verwandten (Gesneria- 
ceen), Orchideen, Farn ete. — Wo die 
Haideerdepflanzen in Moorerde eultivirt 
werden, ist das Begiessen noch schwie- 
riger, als bei Haideerde, denn sie. ist 
viel leichter zur Versäurung geneigt und 
erträgt doch oft wieder nur einen ge- 
wissen Grad von Austrocknung. Guter 
Abzug des Wassers ist bei Moorerde 
nothwendiger als bei jeder anderen 
Erde, 

Leider gibt es zum grossen Nach- 
theile der Gärtnerei ganze Landstrecken, 
wo weder Haideerde noch brauchbare 
Moorerde vorkommt. Die Gebiete, wo 
Kalk, namentlich Muschelkalk und do- 
lomitischer Kalk die Grundlage des Bo- 
dens bildet, sind in Deutschland sehr 
verbreitet, ebenso kalkhaltige Thonbo- 
den aus andern Gebirgstheilen entstan- 
den. Eben so häufig sind fruchtbare 
Landstrecken, wo sich zwar Haideerde 
bilden könnte, aber die Feldeultur fast 


44 


jeden Wald verdrängt hat und die Hei- 
delbeere und das Haidekraut unbekannte 
Pflanzen sind. Da es nun in solchen 
Gegenden oft mehr Gärtnereien gibt, 
als in den an Haideerde reichen, so 
müssen sich diese die Erde zu den Oul- 
turen, wo sie unentbehrlich ist, mit gros- 
sen Kosten kommen lassen. Bei allen 
Culturen aber, wo die Haideerde ersetz- 
har ist, treibt die Noth zur Benutzung 
von Surrogaten. Diesen und ihrer Be- 
reitung will ich noch einige Worte wid- 
men. 

Man kann künstlich eine Erde her- 
stellen, welehe der Haideerde sehr nahe 
steht, indem man Abfälle von Torf oder 
moorigen Rasen mit Haidekraut, Moos, 
Nadeln, Laub mit Zusatz einer grossen 
Menge guten Sandes auf Haufen setzt 
und öfter umarbeitet. Solehe Erde wird 
nach etwa 3 Jahren recht brauchbar. 
Es tritt nun aber hier der Fall ein, dass 
in Gegenden, wo Haidekraut und Moos 
zu haben ist, meist auch natürliche Hai- 
deerde vorkommt, deren Anfahren selbst 
aus grösserer Entfernung noch nicht so 
viele Kosten macht, als die Anfuhre und 
Bearbeitung der Surrogatstofle. Dennoch 
kann dieses Recept zuweilen nützen, 
indem es zwar Haidestellen mit Haide- 
kraut, aber keine oder nur ungenügende 
Erde gibt. 

Moorerde, welche wie diese zu ge- 
brauchen ist, bereitet man durch Ver- 
mischung von Torfabfällen mit 1/, Sand. 
Da Jahre vergehen, ehe guter Torf zu 
Erde zerfällt, so thut man am besten, 
die Abfälle durch Walzen oder Schlagen 
zu verkleinern und mit Sand zu vermi- 
schen. Wendet man solche Haufen oft 
genug, so ist die Erde schon nach ei- 
nem Jahre zu gebrauchen. Noch besser 
wird sie, wenn man Laub oder Nadeln 
darunter mischen kann, und selbst alter 
Pferdemist aus Mitbeeten kann benutzt 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


werden. Ich habe in vielen Gärtnereien 
Thüringens gesehen, dass man Torfab- 
fälle zum Eingraben der im Freien 
aufgestellten Topfgewächse benutzt. Aus 
diesem bildet sich ebenfalls nach eini- 
gen Jahren Erde, und man hat also 
doppelten Nutzen von der Anwendung 
dieses Stoffes. Zweckmässiger wäre es, 
wenn man auch diesen Torfabfällen so- 
gleich !/;, Sand beimischte. Dass man 
Torfabfälle, auch ehe sie erdig gewor- 
den sind, zu Erdmischungen für manche 
Pflanzen mit Vortheil benutzen kann, 
wurde schon bei der Moorerde erwähnt. 
Die ausgedehnteste Anwendung von Torf, 
namentlich Fasertorff, macht man bei 
der Cultur der Orchideen. 

Den besten Ersatz für die Haideerde 
bildet die künstliche Laub-, Nadel- und 
Holzerde, das ist Erde, welche man aus 
trocknen Blättern und Nadeln, sowie 
von verfaulenden Holztheilen bereitet. 
Grosse Gärtnereien, welehe mit einem 
Park verbunden sind, haben an Laub 
keinen Mangel, und wenn es auch bes- 
ser wäre, dasselbe in den Pflanzungen 
liegen zu lassen, so ist esdoch auf gu- 
tem Boden entbehrlich, und die Rein- 
lichkeit erfordert an vielen Stellen das 
Wegnehmen. Dasselbe gilt auch von 
den Nadeln der Coniferen, namentlich 
liefern Kiefern und Lärchen eine grosse 
Menge von Nadeln. Das beste Laub 
zu Erde kommt von weichholzigen und 
weichblätterigen Bäumen, als Linden, 
Eschen, Erlen, Kastanien, einigen Ahorn 
ete. — Weniger gut sind Eichen- und 
Buchenblätter. Besser als die einhei- 
mischen Eichen sind die meisten nord- 
amerikanischen Eichen, welche eine 
mildere, weniger an Gerbsäure reiche 
Erde geben. Die Ahorn geben viel 
Laub, welches besser ist als das von 
Eichen und Buchen. Das Laub vom 
Bergahorn (Acer Pseudoplatanus), vom 


I. Originalabhandlungen. 


Silberahorn (A. dasycarpum), und Feld- 
ahorn (A. campestre) ist weicher, daher 
besser als das von Spitzahorn (A. pla- 
tanoides) und ähnlichen hartblätterigen 
Arten. Von Nadeln sind die der Wey- 
mouthskiefern und Lärchen vorzuziehen, 
auch ziemlich in Menge zu haben. Da 
alle Nadeln Harzstoff enthalten (am 
wenigsten Lärchen), welcher, wenn er 
auch nicht schadet, doch das Zersetzen 
verzögert und keine Nahrung gibt, so 
ist es nicht zu empfehlen, reine Nadel- 
erde zu bcreiten, sondern besser, die 
Nadeln mit den Blättern zu vermischen. 
In unserem jetzigen Gärtnereibetrieb 
brauchen wir grosse Massen Decklaub, 
und dieses wird im Frühjahr zum An- 
setzen von Lauberde verwendet. Das 
Laub, welches zur Erwärmung von Mist- 
beeten und zu starken Umsätzen gedient 
hat; ist nicht so gut, als frisches, wel- 
ches noch nicht gebrannt hat. Es tritt 
durch die Fermentation eine Veränder- 
ung ein. welche ungünstig auf die Erde, 
namentlich auf die physische Beschaffen- 
heit wirkt. Dass aber auch die chemi- 
schen Eigenschaften verändert werden, 
kann man leicht aus dem scharfen sau- 
ren Geruche schliessen, welcher sich 
beim Brennen entwickelt und den man 
noch stärker beim Entleeren der Kästen 
bemerkt. Natürlich wirft man selehes 
Laub nicht weg, sollte es aber nur im 
Nothfalle zur bBereitung solcher Erde 
nehmen, welche die Stelle von Haide- 
erde vertreten soli. — Schlimmer sind 
die Handelsgärtnereien und Gärten ohne 
Park daran, weiche keine Blätter im 
Garten haben, oft nicht einmal zu kau- 
fen bekommen. Dennoch müssen diese 
alles aufbieten, um Laub zu erlangen, 
was am leichtesten und wohlfeilsten in 
städtischen Anlagen zu bekommen ist. 
Nimmt man hierzu noch Abfälle aus 
Holzställen, Sägespäne und Holzabfälle 


45 


von Zimmerplätzen und Sägemühlen, so 
lässt sich dennoch das für eine kleinere 
Gärtnerei nöthige Material herbeischaf- 
fen. Allerdings thut der Gärtner, wel- 
chem das Erlangen von Haideerde oder 
Haideerdesurrogaten so viele Mühe und 
Kosten macht, besser, die Culturen, 
welche Haideerde erfordern, auf ein Mi- 
nimum zu beschränken. — Das gewöhn- 
liche Verfahren, die Lauberde zu berei- 
ten, ist, dass man die Blätter und Na- 
deln, vermischt mit Holzabfällen auf Hau- 
fen bringt und jährlich zwei- bis dreimal 
umarbeiten lässt. Solche Erde ist schon 
im zweiten Jahre für manche Culturen, 
wenigstens zum Untermischen zu ge- 
brauchen und nimmt nach dem dritten 
schon wieder an Güte ab, denn jede 
Humuserde wirkt nur so lange günstig, 
als sie in der Zersetzung noch nicht 
weit fortgeschritten ist. Allein solche 
Erde ist kein Ersatz für die Haideerde 
und kann nur zum ÜUntermischen mit 
wirklicher Haideerde dienen. Sie sieht 
dieser gar nicht ähnlich, fühlt sich här- 
ter an und besteht genau betrachtet aus 
einer Menge von Klümpchen oder Kü- 
chelchen, vermischt mit noch unverwe- 
sten Holztheilen. Die Erde hat sich 
wie die Moorerde unter mangelndem Zu- 
fluss der Luft gebildet, die Masse hat 
gebrannt und hierbei Stoffe gebildet, 
welche in der natürlichen Laube:de 
nicht vorkommer, andere verloren, Diese 
Nachtheile werden aber dadurch gründ- 
lich beseitigt, dass man eine genü- 
gende Menge Sand sogleich un- 
ter das Laub mischt und das 
Material möglichst dünn aus- 
breitet. Man muss mindestens 1/g 
Sand darunter mischen und zwar so, 
dass eine Sandschicht anfangs zwei 
Laub- und Nadelschichten trennt und 
bedeckt, um die grosse Erhitzung zu 


vermeiden, Ist die schwache Erhitzung, 


46 


welche bei so geringer Anhäufung mög- 
lieh ist, und welche sich fast nur durch 
Austrocknung äussert, vorüber, so ar- 
beitet man Laub und Sand gründlich 
durcheinander und wiederholt dies im 
ersten Jahre recht oft. Je flacher der 
Haufen, desto besser wird die Erde. 
Hätte man Platz, so würde ich unbe- 
dingt rathen, ganz das Verfahren der 
Natur nachzuahmen. Ich würde in ei- 
ner aus den Augen liegenden dünnen 
Pflanzung oder auch frei das Laub im 
nassen Zustande kaum handhoch aus- 
breiten und stark mit Sand bestreuen 
lassen. Nach einem Jahre bildet man 
von dieser Masse flache Haufen, welche 
oft umgestochen werden müssen; oder 
noch besser, man kratzt das Laub auf 
viele kleine Häufchen zusammen, und 
kann dann den Platz wieder von neuem 
benutzen. Nach zwei Jahren werden 
die Häufchen zu einem Haufen verei- 
nigt. So bereitete Erde ist, wenn der 
Sand gut war und reichlich beigemischt 
wurde, schwarzgrau, fühlt sich mild und 
weich an, und ist kaum von Haideerde 
zu unterscheiden und wie diese zu be- 
nutzen. Man glaube mir auf’s Wort, 
dass nur die allmälige Bildung 
unter Einfluss der Luft und die 
zugleich stattfindende Untermi- 
schung mit Sand, welcher die 
Zusammenziehung der Theile in 
Klümpchen verhindert, den Un- 
terschied zwischen Haideerde 
(natürlicher Lauberde) und der 
gebräuchlichen Lauberde des Erd- 
magazins hervorbringt. Noch bes- 
ser wird die Erde, wenn man Gelegen- 
heit hat, Moos unter das Laub zu mi- 
schen, da dieses einen grossen Bestand- 
theil der meisten guten Haideerden bil- 
det. Um die Masse zu vermehren, kann 
man sogar das beim Mähen der Rasen- 
plätze gewonnene kurze Gras mit un- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


termischen, muss es aber ganz einzeln 
auf die Blätter und Nadeln streuen, da- 
mit es nicht fermentirt. 

Gegen das Recept desHrn. Bertin, 
künstliche Haideerde aus Blättern zu 
bereiten, habe ich dieselben Gründe 
geltend zu machen, welche Herr Py- 
naert in der gedachten Abhandlung 
ausspricht: dass es nicht möglich sei. 
durch ein so umständliches Verfahren 
den Erdbedarf einer nur mässigen Gärt- 
nerei zu beschaffen. Man soll harte 
Blätter von Eichen und ächten Kasta- 
nien nehmen, diese auf hartem Boden 
ausbreiten, anfeuchten und nach dem 
ersten Froste so lange mit Dreschfle- 
geln schlagen, bis sie in Staub zerflie- 
gen. Hierauf vermischt man die Masse 
sogleich mit Sand. In der Theorie ist 
das Verfahren gewiss richtig, da die 
mechanische Zerkleinerung die sofortige 
innige Vermischung mit dem Sande 
möglich macht, aber kaum ausführbar. 
Dem Einwand des Herrn Pynaert, 
dass es besser sei, die Erde im Helze 
sich selbst bilden zu lassen*), als das 
Laub dazu von dort zu holen, stimme 
ich nicht bei, weil man wohl oft Laub 
bekommen kann, aber nie Humuserde 
an solehen Stellen finden wird, z. B. in 
Gartenanlagen, Alleen, im Wald auf 
Kalkboden. In Bezug auf letzteren muss 
ich dem Verfasser jener AbhandlInng 
geradezu widersprechen, wenn er sagt: 
„Ueberall wo es Wälder gibt, gibt es 
auch vegetabilische Erde in Fülle, wel- 
che an Güte die beste (eigentliche) Hai- 
deerde (von Haiden genommen) über- 
trifft, vorausgesetzt, dass man Sand da- 


*) Die Stelle heisst: ‚„Ou chercher des 
feuilles de chene et de Chätaignier, si ce 
n’est dans les bois, et lä ne vaut-il pas 
mieux laisser le terreau se faire tout 
seul?“ 


I. Originalabhandlungen. 


runter mischt;‘“ denn ich bemerkte schon, 
dass dies in vielen Wäldern nie der 
Fall ist. 

Die 'Holzerde findet man entweder 
- schon fertig in hohlen Bäumen und an 
Plätzen, wo Stöcke in der Erde verfault 
sind, oder man bereitet sie künstlich. 
Die sogenannte Weidenerde, welche man 
in alten Weiden und Pappeln findet, 
geniesst unter den Dilettanien einen 
grossen Ruf als Erde aller Erden; aber 
man sagt ihr mehr Gutes nach, als da- 
ran ist, und Gärtner von Profession ent- 
schliessen sich wohl selten, den theuren 
Preis zu zahlen, welchen die Sammler 
der Weidenerde meistens verlangen. Da 
sie sich allmälig unter dem Zutritt der 
Luft gebildet hat, so hat sie fast die 
Eigenschaften eines guten Waldhumus, 
wenn hinreichend Sand zugesetzt wird. 
Viel geringer ist die Erde, welche faule 
Stöcke und Wurzeln liefern. Will man 
sich im Kleinen ihrer in Ermangelung 
von Haideerde bedienen, so mische man 
Sand darunter und lasse sie liegen, bis 
sie nicht mehr sauer riecht. 

Künstliche Holzerde wird jeder auf- 
merksame Gärtner bereiten, wenn er 
Gelegenheit dazu hat. Das Material 
dazu ist freilich selten genug), wenn 
man nicht Sägespäne kauft, um diese 
anstatt Lohe in Pflanzenkästen zu ver- 
wenden, was ich, beiläufig bemerkt, 
Allen dringend empfehle, die nicht an 
andern vegetabilischen Erden Ueberfluss 
haben. Man bringt Sägespäne und kleine 
Holzabfälle auf Haufen und lässt sie 
verfaulen. So entsteht eine Erde, wel- 
che etwas besser und der Haideerde 
ähnlicher ist, als die Lauberde, weil die 
dazu verwandten Stoffe sich selten er- 
hitzen, auch die Luft weniger abschlies- 
sen. Will man aber eine noch bessere 
Erde, ein eigentliches Surrogat für Hai- 
deerde, so mische man sogleich !/, Sand 


47 


darunter, mache nur flache Haufen und 
arbeite sie oft um, wobei stets die gröb- 
sten Stücken Holz ausgelesen werden. 
Wenn man nicht blos Sägespäne an- 
wendet, so finden sich so viele Holz- 
stücken dazwischen, dass diese noch nach 
3 Jahren nicht zerfallen sind. Man muss 
daher solche Erde durch einen Draht- 
durchwurf gehen lassen oder das Grobe 
mit dem Rechen (Harken) ausziehen. 

Guter Sand ist und bleibt ‘der un- 
entbehrlichste Bestandtheil jeder künst- 
lichen oder natürlich nicht sandigen so- 
genannten Haideerde, und seine Be- 
Schaffung muss selbst mit verhältniss- 
mässig grossen Geldopfern stattfinden. 
Man kann wohl zu andern Erden soge- 
nannte Coaksasche (wie man sie zum 
Auffüllen der Fussböden, zum Eingra- 
ben der Topfpflanzen und neuerdings 
auch statt Sand im Vermehrungsbeete 
braucht), nehmen, aber zu Haideerde 
dürfte dieser moderne Stoff nur nach 
sorgfältigen Versuchen benutzt werden 
können. 

Ueber die Art und Weise, wie der 
vegetabilische Humus — so will ich die 
Haideerde mit sämmtlichen Surrogaten 
nennen — auf die Pfianzenernährung 
wirkt, sind wir noch sehr ungenügend 
unterrichtet. Ueber diesen Gegenstand 
Betrachtungen anzustellen, würde zu 
weit führen, und ich will daher nur die 
Ansichten Pynaerts in dem gedachten 
Vortrage kurz andeuten. Die Nährkraft 
der eigentlichen Haideerde von Haiden 
im Verhältniss zum Blätterhumus des 
Waldes schätzt P. wie 5 zu 8, also er- 
stere ®/, niedriger. Mit Recht schreibt 
Hr. P. die günstigen Erfolge der Haide- 
erde der Porosität derselben zu, welche 
das Eindringen der Luft leichter als jede 
andere Erde gestattet. Je gröber wir 
daher die Haideerde anwenden, desto 
besser wachsen die Pflanzen darin, Die 


48 


Nährstoffe werden darin schneller löslich 
und von den Wurzeln aufgenommen, 
Unter dem beständigen Einfluss der 
Luft gibt der Humus seine dadurch auf- 
nahmsfähig gemachten Stoffe an die 
Pflanze ab, sei es Kohlenstoff, seien es 
Mineralstoffe, welche die Pflanzen, von 
denen die Erde stammt, früher in sich 
aufgenommen. Sand, obgleich keine 
Nahrung gebend , scheint für alle soge- 
nannte Haideerdepflanzen unentbehrlich, 
Sandlose Haideerde wird nur so lange 


sie sehr locker und noch frisch ist von | werden. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


den feinen Wurzeln durchdrungen , fest 
und alt geworden. nicht mehr. Bekannt- 
lich können Rhododendron sich Jahre 
lang gesund erhalten und sogar alljähr- 
lich blühen, ohne neue Wurzeln zu bil- 
den. Sie nähren sich aus dem alten 
Ballen oder von früher abgelagerten 
Stoffen aus sich selbst. Umgibt man 
aber den Erdballen mit feinem Sand, so 
bilden sich sofort neue Wurzeln, und 
durch Sand können alte Moorbeete für 
Rhododendron wieder fruchthar gemacht 
Jäger. 


3) Ueber Philadelphus undulatus A. W. nebst Bemerkungen 
über einige Philadelpheae und deren Nomenelztur in den 
deutschen Gärten. 


Schon seit längerer Zeit befand sich 
in den hiesigen Baumschulen ein Strauch 
unter der Benennung „Deutzia undu- 
lata,‘‘ über deren Ursprung wir nichts 
mehr anzugeben vermögen. Als der- 
selbe später blühte, erwies er sich durch 
seine icosandrischer Blüthen als nicht 
zu Deutzia, sondern zu Philadelphus 
gehörig, und, da wir eine Beschreibung 
desselben nieht aufzufinden vermochten, 
stellten wir ihn, mit Beibehaltung des 
Speciesnamens zu letzterem Genus. In 
dem Aboretum Muscaviense (Nr. 478) 
ist er als Philadelphus undulatus aufge- 
führt, und ich entnehme diesem Werke 
die nachfolgende Beschreibung. 

Es ist ein Strauch von mässiger 
Grösse (bis jetzt 3—4‘) und etwas spar- 
rigem Wuchse mit rothbraunen, glatten, 
etwas gefurchten Zweigen, vollkommen 
hart in unserem Klima. Die ziemlich 
lockere, hellfarbige Belaubung wird aus 
länglich-lanzettlichen, langgespitzten, et- 
was wellenförmigen Blättern gebildet. 


Dieselben sind oberhalb graugrün, un- 
terhalb blassgrün, auf beiden Seiten mit 
zerstreuten, feinen Härchen bedeckt, am 
Rande weitläufig und schwach sägeartig 
gezähnt und gewimpert. Die ziemlich 
grossen Blumen erscheinen einzeln, sel- 
tener zu 3 an den Spitzen der jungen 
Zweige. Die Corolle besteht aus4, zu- 
weilen auch 5 oder 6, gelblich weissen, 
weitgeöffneten Blumenblättern, die von 
länglich-verkehrt-eiförmiger Gestalt und 
in der Regel etwas braun sind. Der 
Kelch ist aussen glatt, innen seidenar- 
üg filzig. Staubgefässe zahlreich, Staub- 
beutel gelb. Blüht gleichzeitig mit Ph. 
coronarius oder etwas später. 

Die Blumen sind geruchlos, der 
Strauch blüht jedoch sehr dankbar und 
ist als ein schöner Zierstrauch für feine 
Strauchparthien zu empfehlen, Hinsicht- 
lich seiner Benennungen scheint der- 
selbe aber ein eigenthümliches Schicksal 
gehabt zu haben. Philadelphus chinen- 
sis Hort., im Arb. Musc. (Nr. 468) noch 


I. Originalabhandlungen. 


als zweifelhafte Species aufgeführt, hat 
jetzt gleichfalls geblüht und sich iden- 
tisch mit dem vorigen gezeigt, was da- 
rauf hinzudeuten scheint, dass das nörd- 
liche China das Vaterland dieses Strau- 
ches sei. Deutzia pulchella Hort. (A. 
M. Nr. 488) und unsere Deutzia co- 
rymbosa (nicht R. Br.) blühten beide 
jetzt zum ersten Male und zeigen sich 
ebenfalls von jenem nicht verschieden. 
Dass von D. thyrsiflora der Gärten, die 
wir noch nicht in Blüthe sahen, das- 
selbe gilt, steht fast zu vermuthen. 


Deutzia japonica Hort. (A. M. Nr. 
501) blühte hier ebenfalls und gehört 
mit den vorgenannten zur gleichen Spe- 
cies. Sie scheint eine Form derselben 
darzustellen, die sieh durch schmalere 
Blätter, einen feineren Habitus und et- 
was kleinere Blüthen unterscheidet, und 
möchte als Philadelphus undulatus var. 
japonicus zu bezeichnen sein. Auch die- 
ser Name spricht für die Vermuthung, 
dass das Vaterland dieser Species im 
östlichen Asien zu suchen sei. 


Die Familie der Philadelpheae ge- 
hört namentlich zu denjenigen, deren 
Nomenclatur, was die Gartenpflanzen 
anbetrifit, eine sehr unsichere ist. Si- 
cher ist, dass die Zahl der hierherge- 
hörigen Namen, die in den Catalogen 
der verschiedenen Baumschulen vorkom- 
men, grösser ist, als die Zahl der wirk- 
lich in den deutschen Gärten vorhande- 
nen Arten oder Formen. Dass die 
Deutzia scabra der Gärten nicht die 
ächte Thunberg’sche Pflanze d. N. sei, 


sagt Dr, Regel in dem 9. Hefte dieser 


D. 1866, 


49 


Zeitschrift (p. 158). Derselbe hält die 
genannte für die ächte D. cerenata 8. 
& Z., die D. erenata der Gärten dage- 
gen für eine schmalblätterige Form der 
gleichen Species (D. crenata angusti- 
folia Rgl.).. D. mitis Hort. (A. M. Nr. 
502) hat hier geblüht und sich wieder- 
um als identisch mit der letzteren er- 
wiesen, die wir früher auch schon als 
D. virgata erhalten haben. 


D. sanguinea Hort. (A. M. Nr. 500) 
blühte kürzlich und steht, wie sich 
zeigte, dem Philadelphus latifolius 
Schrad. sehr nahe, dem sie in der Blü- 
the bis auf die geringere Grösse der 
Blumen völlig gleicht. Sie stellt viel- 
leicht nur eine Abart dieses Straueches 
dar, die sich durch dunklere Zweige, 
einen gedrängteren Wuchs, kleinere, 
mehr breit-eiförmige, an der Basis mehr 
gerundete, nach der Spitze schärfer ge- 
Spitzte, gröber gezähnte, oberhalb mehr 
steifhaarige Blätter und kleinere Blumen 
unterscheidet, Hierher gehört auch Ph. 
globosus Hort., den wir in diesem Jahre 
aus Frankreich erhielten. Von dem 
Ph. latifolius unterscheidet sich derselbe, 
so viel wir bis jetzt urtheilen können, 
namentlich durch dicker filzige Kelche 
und mehr geschlossene Blüthen. 


Ph. Satsumi Sieb. und Ph. Roylei 
Hort. scheinen dagegen gute Arten zu 
sein, da sie jedoch nur erst unvoll- 
kommen geblüht haben, möchte ich 
eine speciellere Beschreibung noch ver- 
schieben. 

Muskau. 

G. Kirchner. 


50 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


4) Notizen über neuere oder seltenere, blühende Gehölze des 
Ahboretum zu Muskau. 


Pyrus floribunda Sieb. (A. M. 
Nr. 997). 


Ein prächtiges Ziergehölz, das durch 
den bekannten Reisenden von Siebold 
aus Japan eingeführt ist. Gehört zur 
Unterabiheilung der Aepfel (Malus), 
scheint mehr strauchartig zu wachsen 
und zeichnet sich schon durch seine 
feine Belaubung aus, die aus schmalen, 
lanzettlic®en, scharf gezähnten, zuweilen 
lappenartig eingeschnittenen, in der Ju- 
gend unterhalb feinfilzigen, später glat- 
ten Blättern gebildet wird. Sehr schön 
ist namentlich die Blüthe. Die Blumen 
erscheinen in sitzenden Dolden an fast 
1!/, Zoll langen, sehr dünnen, röthli- 
chen, feinhaarigen Stielen, Der Frucht- 
knoten ist fast glatt und roth gefärbt, 
wie ebenso die verhältnissmässig lan- 
gen, pfriemlich-lanzettlichen Kelchlappen, 
die auf der inneren Seite filzig bekleidet 
sind. Die länglich-verkehrt-eiförmigen, 
langgenagelten Petalen sind weisslich, 
stark mit karminroth getuscht. Ein reich 
mit Blüthen bedeckter Strauch, nament- 
lich aber die leuchtend karminrothen, 
ausnehmend zierlichen Knospen, gewäh- 
ren einen prächtigen Anblick. Scheint 
eine gute Art zu sein, ist vollkommen 
hart in unserem Klima und gehört un- 
streitig zu den werthvollsten, neueren 
Einführungen von schönblühenden Ge- 
hölzen. 


Ribes rigens Hort. non Mx. (A.M. 
Nr. 1440). 


Ein aufrechter Strauch, zur Unter- 
abtheilung „Ribesia“ (ächte Johannis- 
beeren) gehörig, den wir aus verschie- 


denen Quellen unter der Benennung „R. 


” 


rigens“ erhielten, der aber nach den 
Beschreibungen, die Pursh (Fl. Am. sept. 
I, 163) und Loudon (Arb, brit. II, 982) 
von dieser Species geben, mit der Mi- 
chaux’schen Pflanze d. N. nicht iden- 
tisch ist. Am nächsten steht diese Jo- 
hannisbeere dem R. atropurpureum ©, 
A. Mey. (A. M. Nr. 1416), doch zeigen 
beide noch genügende Verschiedenhei- 
ten, um eine specifische Zusammenge- 
hörigkeit derselben unwahrscheinlich er- 
scheinen zu lassen. Die alten Zweige 
der in Rede stehenden Johannisbeere 
sind graubraun und rissig. Die Blätter 
sind sehr spitz, drei- oder schwach fünf- 
lappig, stark netzadrig-runzlich und, wie 
ebenso die Blattstiele und die jungen 
Triebe mit zahlreichen, steifen Haaren 
besetzt. Die Blüthen erscheinen in hän- 
genden Trauben, die reichblüthiger, als 
die des R. atropurpureum sind, an lan- 
gen, fast glatten Stielen. Die einzelnen 
Blüthenstiele sind sehr kurz und mit 
einem sehr kleinen Deckblättchen ver- 
sehen. Der Kelch ist bauchig-glockig 
mit abgerundeten, flach ausgebreiteten 
Abschnitten und von schmutzig blass- 
röthlicher Farbe. Die weisslichen Pe- 
talen sind fast verkümmert. 

Wegen der eigenthümlichen Färbung 
der reiehblüthigen Trauben als Zier- 
strauch zu empfehlen. 


Ribes subvestitum? Hook. & Arn. 
(A. M. Nr. 1404). 


Eine Stachelbeere (Unterabtheilung 
„Grossularia“), die wir unter obigem 
Namen vor einiger Zeit aus der Baum- 
schule von $S. & J. Rinz zu Frankfurt 
a/M. erhielten. Blüthe jetzt zum ersten 
Male, doch entsprechen die Blumen 


I.  Originalabhandlungen. 


nicht völlig einer im 6. Jahrgange (8. 
180) dieser Zeitschrift gegebenen Be- 
schreibung. 

Es ist ein Strauch mit graubraunen 
Zweigen, die ringsum mit zerstreuten, 
etwas abwärts gerichteten, seharfen Sta- 
cheln besetzt sind und in den Blattwinkeln 
stärkere, unregelmässig zu 3—4 stehende 
Stacheln tragen. Blätter rundlich, herz- 
förmig, 3 — 5-lappig, mit kerbartig ein- 
geschnittenen Lappen, schwach drüsig 
behaart, an drüsig behaarten Stielen. 
Blüthen an langen, hängenden, fadenar- 
tigen, dreitheiligen Blüthenstielen, über 
den Theilungsstellen mit sehr kleinen, 
ovalen, gegenständigen, sehr fein drü- 
sig sewimperten Bracteen. Fruchtknoten 
und Kelchröhre, von denen die letztere 
länger als erster, sind hellgrün und 
sehr feinhaarig; die Kelchabschnitte sind 
linienförmig, scharf zurückgeschlagen 
und von mattpurpurgrüner Farbe. Die 
keilförmigen, weissen Petalen ragen we- 
nig vor, die Staubfäden sind lang und 
weiss, die Staubbeutel grünlich. Die 
Blüthen sind nicht gross, zeichnen sich 
durch ihre eigenthümliche Gestalt aus, 
fallen aber, ihrer fast grünen Färbung 
wegen, wenig in das Auge. 

Soll aus Californien stammen und 
ist bis jetzt von uns durch Deckung mit 
Kiefernreisig über Winter geschützt 
worden, 


Nachsehrift 


zu dem Aufsatze: „‚Ueber die Cultur 
und Verwendung der Myricaceen.“ 


In dem von mir gegebenen Aufsatze 
über die Cultur und Verwendung der 
Myricaceen machte ich auch auf die in- 
dustrielle Verwerthung der Myrica ceri- 
fera, als einer wachsbringenden Pflanze 
‚aufmerksam. 

In dem vorigen Jahrgange (XIX,) 


€ 


51 


der Hamburger Gartenzeitung von E. 
Otto (p. 381) befindet sich ein früher 
von mir übersehener, hierauf bezüglicher 
Artikel, in dem es heisst: 

„Die Myrica cerifera, schreibt Herr 
G. E. Moore in Silliman’s Amerie, Journ. 
of Science, ist eine gegen Witterungs- 
einflüsse wenig empfindliche Pflanze, 
die am besten auf magerem Boden in 
der Nähe der Meeresküste gedeiht, und 
reichliche Früchte trägt, die ein Wachs 
liefern, das als Myrthenwachs, Kerzen- 
beerwachs und Berberitzentalg eine Zeit 
lang einen, freilich nur wenig bedeu- 
tenden Handelsverkehr in den vereinig- 
ten Staaten ausmachte.‘‘ — „Um es rein 
zu gewinnen, werden die Früchte in 
Säcke von grobem Tuch gethan und in 
siedendes Wasser getaucht, bis das ge- 
geschmolzene Wachs sich auf der Ober- 
fläche sammelt; dann wird es in Pfan- 
nen gegossen, in denen es beim Ab- 
kühlen hart wird, und sich für den Han- 
del eignet. Die chemischen Bestand- 
theile sind nach Leroy : Kohlenstoff 74, 
Wasserstoff 12, Sauerstoff 14. Die 
Leuchtkraft steht der des Bienenwachses 
nicht nach, während es mit weniger als 
dem 4. Theile der Kosten des letzteren 
erzeugt werden kann, Herr Moore be- 
merkt hierzu, dass man, als Surrogat 
für Bienenwachs, dem Myricawachse 
nicht die gehörige Aufmerksamkeit ge- 
schenkt habe, und meint, es sei kein 
Grund vorhanden, anzunehmen, dass 
dieses Wachs bei ausgedehnterem An- 
bau der Pflanze nicht ein wichtiger Han- 
delsartikel werden sollte.“ 

Ich habe diesen Artikel hier wieder- 
gegeben, da er, aus dem Vaterlande der 
besprochenen Pflanze stammend, sich 
günstig für den Anbau derselben aus- 
spricht, und glaube, dass er für uns 
ganz dieselbe Gültigkeit habe, da das 
Gedeihen der Wachsmyrthe, auch was 

4 * 


52 


einen reichlichen Fruchtansatz anbetrifft, 
hier Nichts zu wünschen übrig lässt. 
Ganz besonders ist, wie schon bemerkt, 
hervorzuheben, dass dieser Strauch auf | 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


einem Boden gedeiht, der fast für jeden 
anderen Anbau verschmäht wird. 
G. Kirchner in Muskau. 


5) Sollen zu Ausstellungen besonders angekaufte Pflanzen 
prämirt werden ? 


Im Schoosse so manchen Vereins 
ist diese Frage schon disceutirt worden. 
Jetzt wo die Ausstellungen von Pilan- 
zen mehr und mehr einen grösseren 
Umfang annehmen, tritt solche immer und 
immer wieder 'von Neuem auf. Auch 
der Referent spricht heute diese Frage 
aus, desshalb, weil er dazu mehrfach 
aufgefordert wurde, — bemerkt aber 
zum Voraus, dass er gern bereit ist, 
seiner Ansicht entgegen stehende Mei- 
nungen in den Spalten dieser Zeitschrift 
aufzunehmen. — 

Der Standpunkt zur Beurtheilung 
dieser Frage wird einzig durch den 
Zweck, den Ausstellungen von Pflanzen 
und Erzeugnissen des Gartenbaues ha- 
ben, bedingt. Der Zweck derarti- 
ger Ausstellungen besteht aber ei- 
nerseits in Anerkennung der Leistungen 
der Producenten und andererseits darin, 
durch Zusammenstellung der überhaupt 
besten und neuesten Produkte des Gar- 
tenbaues, die Liebhaberei zum Garten- 
bau und die Freunde des Gartenbaues 
in allen Richtungen desselben zu meh- 
ren, um hierdurch einen Hebel zur He- 
bung des Gartenbaues zu erhalten. — 

Bei der Zuertheilung der Preise muss 
also auch beiden Richtungen des Gar- 
tenbaues Rechnung getragen werden, — 
oder es muss mit andern Worten sowohl 
das Verdienst der Producenten belohnt 
werden, wie auch das wahrhaft Neue, 


Schöne oder Nützliche nicht leer ausge- 
hen darf, komme letzteres woher es 
wolle. — 


Neuheit, Schönheit, Nutzen, 
vollkommene Cultur, Mannich- 
faltigkeit etc. sind Eigenschaften, 
die jedes Preisgericht bei der Beurthei- 
lung von ausgestellten Gegenständen 
abzuwägen hat. Es versteht sich daher 
von selbst, dass je mehr solcher Eigen- 
schaften bei zur Concurrenz ausgestell- 
ten Einsendungen zusammen kommen, 
je höher wird der ‚Preis ausfallen müs- 


sen. 


Wenn dies die Erwägungen sind, 
welehe ein Preisgericht bei Zuertheilung 
der Preise in Rechnung zu ziehen hat, 
— so ist es andererseits eine aus der 
Natur der Verhältnisse genommene That- 
sache, dass ein Preisgericht um so un- 
befangener urtheilen wird, je weniger es 
die Ahnung hat, aus welcher Quelle die 
zu beurtheilenden Einsendungen stam- 
men. Eine sehr löbliche Sitte ist es 
daher auf Ausstellungen einerseits Con- 
eurrenten nicht als Preisrichter zuzulas- 
sen und andererseits die Einsendungen 
selbst, während dem das Preisgericht 
arbeitet, nur mit Nummern und nicht 
mit den Namen der Einsender zu be- 
zeichnen. — 

Aus dem bisher Gesagten scheint 
uns zweierlei hervorzugehen, nämlich: 


I. Originalabhandlungen. 33 


1) Dass bei den Eigenschaf- 
ten, die das Preisgericht bestim- 
men, einen Preis zu ertheilen, 
das eigne Verdienst des Einsen- 
ders, wie z. B. vollkommene Cul- 
tur, Züchtung etc., — nur dann in 
die Wagschale bei der Zuerkennung der 
Preise fallen kann, wenn dieses auch 
Leistung des Einsenders selbst ist, 
indem für das persönliche Verdienst der 
Vorzüglichkeit der Arbeit — oder für 
die Erfindung, auch auf allen anderen 
Ausstellungen, nur das eigene Fabrikat, 
oder die eigene Erfindung anerkannt 
wird. Vollständigkeit der Samm- 
lung, Neuheit, Nutzen etc. scheinen 
uns dagegen Eigenschaften zu sein, die 
ganz ohne Berücksichtigung, woher sol- 
che stammen, anerkannt werden kön- 
nen, — da hier nicht die Geschicklich- 
keit und Kunst, — sondern das Kapital 
in die Concurrenz tritt und die Ausstel- 
lung und deren Zweck den Gartenbau 
durch Schaustellung der interessantesten 
Produkte zu heben, durch derartige 
Einsendungen gewinnt. Greifen wir zu 
einem speciellen Beispiele, so könnten 
2. B. 2 Sammlungen blühender Orchi- 
deen an Vollkommenheit der Cultur der 
Exemplare, an Neuheit und Seltenheit 
der Arten und Zahl der letzteren sich 
gleich stehen. Es wäre aber z. B. 
nachgewiesen, dass in der ersten Samm- 
lung alle ausgestellten Pflanzen dasPro- 
dukt der eigenen Cultur, — während in 
der zweiten wenigstens ein Theil der 
Sammlung erst vor der Ausstellung vom 
Einsender angekauft wurde. In die- 
sem Falle müsste natürlich die erstere 
Sammlung einen um eine Stufe höheren 
Preis als die andere erhalten, Würde 
aber in der ersteren Sammlung die Sel- 
tenheit der Exemplare der der zweiten 
Sammlung nachstehen, so wären wie- 
derum beide Sammlungen gleichzustellen, 


da jeder Sammlung eine Eigenschaft 
abgehen würde. 

2) Kann das Preisgericht, nach dem 
his jetzt üblichem und auch ganz zu 
empfehlendem Modus der Beurtheilung, 
ohne die Einsender zu kennen, das ei- 
gene Verdienst des Einsenders nicht be- 
rücksichtigen, da es nicht weiss, ob die 
Eigenschaften, welche das Programm 
verlangt, in Bezug auf eigene Cultur, 
directe Einführung oder eigene Züch- 
tung von Seiten des Einsenders auch 
wirklich erfüllt werden. In diesem Falle 
befand sich wenigstens das Preisgericht 
zu Brüssel und Amsterdam und könnte 
sich in seinem Urtheil also nur an die 
Sache halten. — 

Unter Berücksichtigung dieser Um- 
stände scheint es uns im Interesse der 
Sache zu liegen, wenn die Commission, 
die die Ausstellung leitet, dem Preisge- 
richt die betreffenden Winke gibt, um 
derartigen Klagen über die hohe Prämi- 
rung von Pflanzen. die für die Ausstel- 
lung kurz vor:derselben aufgekauft wur- 
den, abhelfen zu können. — 

Dies könnte einestheils durch Präei- 
sirung des Programms zu Ausstellungen 
geschehen, indem hier gesagt sein müsste, 
dass für gute Cultur ete. nur solche 
Einsender prämirt werden könnten, die 
auch die betreffenden Pflanzen seit min- 
destens so und so langer Zeit cultivirt 
hätten. Es müssten ferner die Anfor- 
derungen an Neuheiten, ob solche nur 
aus dem Auslande oder direct aus dem 
Vaterlande von dem Einsender einge- 
führt sein sollen ete., — genau präci- 
sirt sein, — und es müssten endlich 
alle Einsender fn dem Programme auf- 
gefordert werden, bei der Einsendung 
der Verzeichnisse ihrer Einsendungen 
anzugehen, — ob die zur Coneurrenz 
gestellten Pflanzen etc. kurz zuvor an- 
gekauft wurden oder schon länger in 


54 


dem Besitz des Einsenders sich befin- 
den. — Gänzliche Zurückziehung des 
Preises müsste die natürliche Folge 
überall da sein, wo unwahre Angaben 
in dieser Beziehung nachgewiesen wer- 
den könnten. — 

Auf diese Weise wäre die Commis- 
sion in den Stand gesetzt, bei allen den 
Nummern der concurrirenden Einsen- 
dungen dem Preisgerichte zu sagen, ob 
die betreffenden Einsendungen mit den 
Bestimmungen des Programms überein- 
stimmen, — oder inwiefern solche von 
demselben abweichen. — 

Bei derSchnelligkeit endlich, mit der 
die Preisgerichte zu arbeiten gezwungen 
sind, würde es die Zuverlässigkeit der 
Zuerkennung der Preise bedeutend er- 
höhen, wenn dem Preisgerichte zur Be- 
urtheilung von ganzen Coliectionen an- 
statt der weissen Zettel, ein Schema, 
ungefähr in der folgenden Form in die 
Hand gegeben würde. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Nr. 
Cultur 
Neuheit 
Schönheit der Sorten 
Manniegfaltigkeit | 


Wo nun der Preisrichter nicht in je- 
der Rubrik die erste Nummer in das 
Schema für eine betreffende Einsendung 
einschreiben kann, — oder wo eine Ei- 
genschaft, wie Cultur, weil es nicht ei- 
gene ist, ganz ausfällt, kann natürlich 
auch nicht der erste Preis gegeben wer- 
den. — 


Der Referent glaubt hiermit schlies- 
sen zu können, um so mehr als in die- 
sem Artikel gewiss von der Mehrzahl 
unserer Leser bereits wiederholt Bespro- 
Chenes zusammengestellt ist. 


(E. R)) 


6) Eine blühende RKhopala. 


Von den Blattpflanzen fürs Gewächs- 
haus hat wohl kaum eine Art die Gunst 
der Pflanzenfreunde sich in höherem 
Grade und dauernder erworben, als die 
schöne stattliche Rhopala corcova- 
densis Hort. und wenige grössere 
Gärten möchte es geben, in welchen 
sie nicht Eingang gefunden hätte. Es 
dürfte für manchen Leser Interesse ha- 
ben, zu erfahren, dass endlich diese 
Rhepala-Art auch ihre Blüthen zeigte, 
— meines Wissens hat bisher noch keine 
einzige aller cultivirtten Rhopala-Ar- 
ten geblüht, — und muss ich aber 
gleich hinzufügen, dass diese Blüthe 
nur in Folge gewalisamer Störungen 


sich entwickelte, eine T'hatsache, die 
auch schon an anderen in Cultur be- 
findlichen Pflanzen beobachtet wurde, 
welche bei gewöhnlicher Behandlung 
ebenfalls nie oder höchst selten ihre 
Blüthen zeigen. — Da dieser Vorgang 
einen deutlichen Fingerzeig gibt, wie 
man schwer blühende Pflanzen mögli- 
cherweise zur Blüthenerzeugung zwin- 
gen kann, so erlaube mir den Hergang 
kurz mitzutheilen. — Ein etwa 8—10 
Fuss hohes Exemplar der Rh. clorco- 
vadensis wurde mir zu hoch für un- 
sere Räumlichkeiten, ich löste daher in 
einer Höhe von etwa 4 Fuss einen zoll- 
breiten Rindenstreifen bis aufs Holz 


I. Originalabhandlungen. 


ringsum ab, hängte einen Topf an, der 
mit Erde und Moos gefüllt mässig feucht 
gehalten wurde. Nach etwa 15 Mona- 
ten nahm ich den Topf wieder ab, von 
Wurzelbildung war noch keine Spur, 
dagegen war die obere Schnittfläche mit 
starkem Callus bedeckt; ich hing den 
Topf wieder an, aber nach mehreren 
Monaten hatten sich noch keine Wur- 
zeln gebildet, ich machte daher nun kur- 
zen Process und schnitt unterhalb des 
Callus den Stamm durch, um den Kopf 
als Steckling anwurzeln zu lassen. Ei- 
nen Steckling von 5 — 6 Fuss Länge 
konnte ich aber nirgends gehörig placi- 
ren, ich halbirte ihn daher abermals, 
schnitt die obere Hälfte in gewöhnlicher 
Weise zu 1—2 Augen in Stecklinge, 
von welchen beiläufig bemerkt, die Mehr- 
zahl anwuchs, aber nachher nicht durch- 
treiben wollte, eine Erfahrung, die wohl 
schon die meisten Vermehrer mit diesen 
und ähnlichen hartholzigen Pflanzen ge- 
macht haben, — liess dagegen die un- 
tere noch etwa 3 Fuss lange Hälfte 
unversehrt, pflanzte sie, stellte den Topf 
in ein geschlossenes warmes Beet und 
siehe da, schon nach wenigen Wochen 
hatten sich aus dem Gallus zahlreiche 
Wurzeln gebildet; der Topf war so stark 
durchwurzelt, das ich sofort einen grös- 
seren Topf geben konnte. Dieses Ver- 
pflanzen geschah etwa im August, schon 
Ende September zeigten sich in allen 
Blattwinkeln Triebe, die jedoeh nicht, 
wie ich anfangs glaubte, zu Zweigen 
auswuchsen, sondern Blüthentrauben dar- 
stellten, und so hatte ieh das Vergnü- 
gen im Monate October und November 
den Besuchern unseres Gartens eine 
reichblühende Rhopala präsentiren zu 
können. — Nicht dass die Blüthen die- 
ser brasilianischen Proteacee irgend wel- 
chen blumistischen Werth beanspruchen 
könnten, sie sind klein und unscheinbar, 


55 


— aber es war wahrscheinlich in Eu- 
ropa die erste Blüthe einer Rhopala, 
und das gab ihr mehr als gewöhnliches 
Interesse. — Da ihr Name corcova- 
densis Gartename ist, so glaubte ich 
diese seltene Gelegenheit zu wissen- 
schaftlicher Bestimmung nicht verlieren 
zu sollen und sandte daher an Herrn 
Professor Meissner in Basel, der die 
Proteareen für De Candolle’s Prod- 
romus bearbeitet hat, mehrere Blüthen- 
trauben etc. ein. — Er hatte die Rh. 
corcovadensis als Varietät zur Rh, 
Pohlii gestellt, die Untersuchung der 
frischen Blüthenstände ergab aber, dass 
sie eine eigene gute Art bildet und er- 
laube mir, seine Antwort und Diagnose *) 
im Folgenden wörtlich mitzutheilen. 


*) Rhopala corcovadensis (Hort.) 
arborea, petiolis crassis cum ramulis pe- 
duneulisque dense fusco-tomentosis lanatis- 
ve, foliis pinnatis elongatis multijugis rigi- 
dis, foliolis oppositis v. suboppositis petio- 
lulatis oblongo-ovatis acuminatis grosse acu- 
teque incurvo-dentatis adultis glabratis, Ia- 
teralibus valde obliquis, costis subsimpliei- 
bus tenuibus nervoque subtus prominulis 
supra immersis, floralibus simpliecibus longe 
petiolatis rhombeo-elliptieis dentatis fulvo- 
velutinis, racemis folio brevioribus subsessi- 
libus simplieibus v. terminali basi paueira- 
moso, pedicellis brevissimis liberis, calyei- 
bus tenuibus clavatis ovariisque pallide ful- 
vo-villosulis, stylo brevi tenui basi pilosulo 
stigmateque parum incrassato albido. — Sy- 
non. R. Pohlii? y multijuga Meissn.! 
in Mart. Fl. Bras. fase. 14. p.89. DC. Prodr. 
14. p. 433. 

Arbuscula elegans. Folia cubitalia et 
ultra, laete viridia, 7 —9-juga, petiolo com- 
muni tereti pennae anserinae crassitie cum 
partialibus 3--5 lin. longis nervisque folio- 
lorum subtus dense rufo- v.fusco-lanatis to- 
mentosisve demum plus minus glabrescen- 
tibus; foliola 3—5 poll. longa, 1',—2 poll. 
lata, supra glabra nitida, subius diu adpres- 


56 


„Durch die gütige Zusendung der 
Blüthen von Rhopala coreovadensis ha- 
ben Sie mir eine grosse Ueberraschung 
und wahre Freude gemacht und mich zu 
lebhaftem Dank verpflichtet. Das Re- 
sultat meiner Untersuchung ist nun, dass 
sie entschieden nicht zu meiner Rh, 
Pohlii gehört, mit der sie zwar aller- 
dings in Form, Consistenz, Nervation 
und Pubescenz der Blätter genau 
übereirkömmt, von der sie aber in den 
Blüthen schon auf den ersten Blick 
sehr abweicht, und da sie, nach sorg- 


se minuteque puberula, dentibus incurvo- 
hamatis subpungentibus 1 — 2 lin. longis 
latisgue, venis primariis (costis) indivisis 
v. simplieiter furcatis vix anastomosantibus, 
venularum reti caeterum nullo; foliolum 
terminale aequilaterum, basin versus cunea- 
tum integrumque, lateralia valde inaequila- 
tera, margine inferiore ad medium usque 
integro. Folia floralia simplieia 2—1-poll. 
longa, petiolo 2 — 2!/, poll. longo, margine 
pulchre rufo-villoso infra medium integro. 
Racemi 3 — 4-poll., fere a basi floriferi, in- 
ferne subinterrupti et interdum in ramos 3—4 
eirc. pollicares divisi, superne densiores, 
rhachi bracteisque rufo-tomentosis. Pedicelli 
bracteam ovatam fugacem aquantes, 1 !in., 
flor. 3 lin. longi. — 

Differt a R. Pohlii, cui’foliis convenit, 
racemis minus densifloris, pedicellis floribus- 
que brevioribus et praeeipue duplo tenuiori- 
bus tomentoque breviore pallidiore; — a R. 
heterophylla Pohl, foliolis latioribus, 
rigidioribus, basi minus attenuatis, subtus 
diu puberulis et in nervo tomentosis, venis 
secundariis subnullis (nec laxe reticulatis) 
floribus dense pubescentibus (nec elabrius- 
eulis). Floribus proxime accedit ad R. 
Martii Meissn. ]. c., quae vero abunde 
distineta: foliis glabris, foliolis subsessilibus 
magis venosis, calyce glabrescente etc. — 
Ab omnibus reliquis speciebus huiusque 
cognitis abhorret sive foliis pinnatis, sive 
nervatione, sive pedicellorum florumgue ma- 


gnitudine et pubescentia. 
(C. F. Meissner.) 


Garteuflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


fältiger Vergleichung auch von allen 
übrigen, mir bekannten Arten, bald in 
den Blättern, bald in den Blüthen, bald 
in Beiden, verschieden erscheint, so 
muss sie nun wohl als eine eigene, 
gute Species angesehen werden, welcher 
wir wohl den in den Gärten schon gang 
und geben Namen, obgleich mir kein 
Autor dafür bekannt ist, (Rh. corco- 
vadensis Hort.) lassen müssen. Ich 
erlaube mir nun, Ihnen auf nebenste- 
hender Seite eine Diagnose nebst Bemer- 
kungen über ihre Verschiedenheit von 
den verwandten Arten zu geben, und 
kann mich nur freuen, wenn Sie diese 
Notiz in der „Gartenflora“ bekannt ma- 
chen wollen.‘ — 

Diese erste Blüthe fiel in den Spät- 
herbst 1863, wie gewöhnlich an geköpf- 
ten Exemplaren, trieb das oberste Auge 
nach der Blüthe einen Blatttrieb, der 
den fehlenden Kopf bald wieder ersetzte, 
aber seither hat auch das Exemplar 
durchaus keine Miene gemacht, wieder 
blühen zu wollen und dies scheint mir 
die vorhin gemachte Behauptung zu 
reehtfertigen, dass die Blüthenentwicke- 
lung nur durch gewaltsame Störungen 
und Eingriffe in den normalen Wachs- 
thumsgang gleichsam erzwungen wurde. 

Da noch manche der Rhopala-Ar- 
ten, die jetzt in den Gärten existiren, 
wissenschaftlich nicht festgestellt sind, 
so möchte ich Besitzer von starken Exem- 
plaren, die ihnen doch zu hoch werden, 
auffordern in ähnlicher Weise zu ver- 
suchen, dieselben zur Blüthe zu brin- 
gen und gelingenden Falls dem verdien- 
ten Bearbeiter der schwierigen Familie 
der Proteaceen, Herrn Prof. Meissner in 
Basel durch Zusendung der Blüthen die 
erwünschte Gelegenheit zu geben, wei- 
tere Lücken in der Kenntniss dieser 
schönen Gattung zu ergänzen. 


(E. 0.) 


II. Neue Zierpflanzen. 


a) Abgebildet im Illustrations hor- 
ticole. 


1) Amorphophallus nivosus Lem. Wir | 


haben diese schöne Aroidee schon erwähnt 


und zwar nach lebenden Exemplaren, ein- | 
geführt in den Garten des Hrn. A. Verschaf- 
felt, aus der brasilianischen Provinz Para, | 


durch Hrn. Baraquin. Eine knollige Art, 


welche einen bis 6 Fuss hohen Blattstengel | 
schlangenfellartig braungrün, 
weiss und röthlich gezeichnet ist und auf | 
der Spitze das handförmig 3theilige Blatt | 


treibt, der 


trägt, das bis 3 Fuss Durchmesser erhält. 


derschnittig. 
vorherrschend lanzettliche zugespitzte Ge- 
stalt. 


lyse der Gattung nach Blume. Blühend sah 
aber Lemaire die Pflanze noch nicht, es ist 
wirklich ein Amorphophallus. 
einige Arten der Gattung KEchidnium be- 
schrieben, 
nivosus so nahe, dass 


hören. (tab. 424). 


eyneae. Eine liebliche Schlingpflanze Brasi- 
liens, mit zartrosarothen Blüthentrauben, die 


schon lange bekannt ist. Besitzt eine knol- | 


lige Wurzel und gehört in Cultur zu den 
Pflanzen von Cultur, — der 
Grund weshalb diese Pflanze so selten ge- 


schwieriger 


Tab. 437 in Flore des serres von Lemaire 
nach Paxtons Magazin gegebene Abbildung 


unterm gleichen Namen ist eine verschie- | 


dene Art — Die Schwierigkeit der Cultur 
dieser prächtigen Pflanzen scheint noch nicht 


Wir bezwei- | 
teln dies sogar, denn es sind von Schott | 


| tee gestützt. 
blieben ist. — 1847 gab Ch. Morren in den | 
Annales de Gand die erste Abbildung. Die | 


57 


Neue Zierpflanzen. 


überwunden zu sein. Sollte einer unserer 


| Leser gute Resultate bei der Cultur der Di- 


pladenia- Arten erhalten haben, so würden 
wir sehr dankbar für Mittheilung der Oultur- 
methode sein. (tab. 425.) 
3) Camellia planipetala. 
weisse Camellie. (tab. 426). 
4) Robinia Pseudacacia L. var. De- 
caisneana. Eine Abart mit schönen rosaro- 


Eine schöne 


| then Blumen von unserer schönen Schein- 


akazie der Gärten. Die Scheinakazie ward 
schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts aus 
Nordamerika in Frankreich eingeführt. Im 


| Jahre 1635 pflanzte Vespasien Robin 
Jedes dieser 3 Einzelblätter ist fiederförmig | 


getheilt und die Fiederblätter abermals fie- | 
Die Blattlappen besitzen eine | 


den Baum im Garten des Museums in Pa- 
ris, nachdem Linne die Gattung zu Ehren 
des Qultivateurs beschrieb. — Die in Rede 


| stehende Abart ist von Hrn. Villevielle 
| Gärtner in Monosque zufällig erzogen wor- 

Hlustration horticole gibt auf einem Ve- | 
getationsbild die Abbildung der nicht blü- | leider nicht mehr im Freien aus, 


henden Pflanze und ausserdem eine Ana- | Steppen Südrusslands gehört sie aber viel- 


den. In Petersburg hält die Scheinakazie 


für die 


leicht zu den wenigen Pflanzen, durch wel- 


| chen deren Wiederbewaldung erzielt werden 
daher sehr fraglich, ob die betreffende Pflanze | 


kann. (tab. 427). 
5) Azalea indica Grande Duchesse de 
Bade. Eine grossblumige gefüllte Sorte mit 


| dunkelscharlachrothen Blumen. (tab. 428). 
die dem in Rede stehenden A. | 


wir glauben, es | 
könne diese Pflanze eher zu Echidnium ge- | 


6) Cypripedium Veitchianum Hort. 
Diese prächtige Art des Frauenschuhs stammt 
aus Sumatra, wo solche Lobb entdeckte und 


- | in den Garten des Herrn Veitch einführte. 
2) Dipladenia nobilis Oh.-Morren. Apo- | 


Die zweizeilig stehenden länglich - lanzetitli- 
chen Blätter sind dunkelgrün mit schach- 
brettartigen weissen Flecken auf der Öber- 
seite. Der Blüthenschait rauh behaart, braun- 
roth, 1—2-blumig. Fruchtknoten 6-rippig, 
von einer kurzen scheidigen behaarten Brac- 
Die Blätter der Blüthenhülle 
weiss, das oberste Blatt sehr breit und zu- 
gespitzt, der Länge nach braun linürt, auf 
dem Rücken und am Rande behaart, unge- 
fähr 21/, Zoll lang. Die seitlichen Blumen- 
blätter 31/, Zoll lang, länglich - lanzettlich, 
an der Spitze gedreht, der Länge nach roth- 
braun liniirt und ausserdem rothbraun ge- 


58 


fleckt und behaart. Lippe dunkelbraun. 
Eine der schönsten Arten, welche im De- 
zember blühet. Veitch hat diese Pflanze als 
C. barbatum grandiflorum vertheilt, — aus- 
serdem befindet sie sich als C. superbiens 
in den Gärten. (tab. 429). 

7) Verschaffeltia splendida A. Wendl. 
(tab. 430). 

8) Bryonopsis laciniosa var. erythro- 
carpa Naud. (tab. 431) und 

9) Abutilon vexillarıum 'Morren. (tab. 
432), sind von uns schon wiederholt bespro- 
chen worden. 

10) Phoenicophorium sechellarum MH. 
Wendl. Palmae. Es ist das die als Steven- 
sonia grandifolia J. Duncan., Artrocaryon 
Borsigianum K. Koch (Wochenschrift 1859 
pag. 401), A. aureo-pietum H. Versch. und 
Areca sechellarum in den Gärten verbreitete 
und von uns mehrfach besprochene Pflanze. 
Das schönste Exemplar derselben findet sich 
im Garten des Herrn Borsig in Berlin. Diese 
Pflanze ist der Verschaffeltia (tab. 430) nahe 
verwandt, — Wir finden es von unserem 
geehrten Freunde ein wenig gewagt, nach 
Pflanzen, deren Blumen und theils auch die 
Früchte noch unbekannt, neue Gattungen 
aufzustellen. Beide Pflanzen haben wir selbst 
schon wiederholt für die schönsten in neue- 
rer Zeit eingeführten Palmen erklärt. (tab. 
453). 

11) Verbena hybrida var. populaire. 
Eine schöne Verbene mit breit goldgelb ge- 
randeten Blättern und grossen scharlachro- 
then Blüthendolden, deren einzelne Blumen 
ein weisses Auge besitzen. Scheint ein Ab- 
kömmling der V. teucrioides Gill. et Arn. 
zu sein. Ein prächtiger Zuwachs zu unsern 
besten Florblumen für den Sommer. (tab. 
434). — 

12) Camellia Archiduc Etienne. Schöne 
fleischroth gefärbte Camellie. (tab. 435). 

13) Iriartea exorrhiza Mart. Palmae. 
Die Stelzenpalme des Amazonenstroms nach 
der Darstellung von Martius, als Vegetations- 
skizze wieder gegeben. Die Iriartea-Arten 
besitzen fiederschnittige grosse Blätter, mit 
länglichen an der Spitze gezähnten Blättchen. 
Oberhalb des Stammgrundes entspringen 
bei diesen Palmen Kreise von Luftwurzeln, 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


die den Stamm später wie ein untergesetz- 
tes Pfahlwerk tragen. Leider sind die schö- 
nen Iriartea-Arten in Cultur noch sehr dif- 
fieil. Sollte einer unserer Leser bei der Cul- 
tur derselben gute Resultate erhalten haben, 
so würden wir sehr dankbar für Veröffent- 
lichung der Cultur in diesen Blättern sein. 
(tab. 436). — 

14) Rhododendron salmono-roseum. Ein 
schönes Rhododendron aus der Gruppe von 
ponticum und campanulatum zur Cultur im 
freien Landein den mildern Gegenden Deutsch- 
lands. Die rosa-lachsfarbenen Blumen sind 
innerhalb an den obern Lappen der Blumen- 
krone dicht dunkel punktirt. (tab. 437). 

15) Caladium bicolor var. Duc Adölphe 
de Nassau. Eins der schönsten buntblätte- 
rigen Oaladien. Blatt gross, dunkelgrün, 
längs der Nerven fiederförmig und breit blut- 
roth gezeichnet und auf dem Grün grosse 
scharfe Silberflecken. Blattstiel blutroth. 
(tab. 438). 

16) Smilax ornata Lem. Smilaceae. Ein 
windender Smilax, den Ghiesbresht aus Me- 
xiko einführte. Die Blätter ziemlich gross, 
aus herzförmigem oder abgerundetem Grunde 
länglich-oval, zugespitzt, zwischen den 3 
Längsnerven schön silberfarben gezeichnet. 
Blattstiel bedornt. Verschaffelt hatte diese 
Pflanze als Smilax macrophylla maculata in 
seinem Cataloge aufgeführt. Lemaire legt 
dieser Pflanze nun provisorisch einen ande- 
ren Namen bei, da es nicht der Smilax ma- 
erophylla Roxb. ist. Geblühet hat solche 
noch nicht. Wir empfahlen diese Pflanze 
schon als schöne Decorationspflanze fürs 
temperirte Haus. (tab. 439). 

17) Telanthera ficoidea Mag. Tand. var. 
versicolor. Amarantaceae. Die Stammart 
stammt aus den Tropengegenden Asiens und 
Amerika’s. Die abgebildete Varietät zeich- 
net sich durch den niedrigen buschigen 
Wuchs und zum Theil blutroth getärbte 
Blätter aus. Eine perennirende Pflanze, die 
als schöne Decorationspflanze fürs Warm- 
haus empfohlen wird. (tab. 440). 

18) Rosa (hybride remontante) Empe- 
reur du Mexique. Eine schöne Rose von 
tief schwarzrother Färbung. (tab. 441). 

19) Camellia Giuseppe Biari. Schöne 


I, Neue Zierpflanzen. 


milchweisse regelmässig gefüllte Camellie 
mit blassrother zarter Panaschirung (tab. 
442). 

20) Hepatica angulosa Lam. (tab. 443). 
Vergl. Grtfl. 1863. tab. 419. 

21) Cypripedium concolor Batem. (tab. 
444). Nach Bot. Mag. schon erwähnt. 

22) Alternanthera spathulata Lem. Ama- 
rantacede. Niedrige buschige decorative 
Warmhauspflanze mit lang gestreckten spa- 
telförmigen rothen Blättern. Scheint wiederum 
eine Pflanze zu sein, die benannt wird, be- 
vor noch der Autor die Blumen gesehen 
hat. (tab. 445). (E. R.) 


b) Abgebildet in „Flore des Serres.“ 


23) Aplotaxis gossypina DC. Compo- 
sitae. — Eine liebliche Alpenpflanze aus den 
höchsten Regionen des Himalaya-Gebirges, 
zuerst im Jahre 1818 von E. Gardner ent- 
deckt, später von Wallich am gleichen Orte 
gefunden und zuletzt auch von Dr. Hooker 
und Thomson beobachtet, — aber nicht le- 
bend eingeführt. Da sie nur 1—2jährig ist, 
könnte sie wohl nur durch Samen einge- 
führt werden, aber auch dann ist es frag- 
lich, ob ihre Cultur gelingen würde, da ihre 
nächsten Verwandten, die Saussurea-Arten 
der europäischen Alpen, sich ebenfalls sehr 
schwierig in der Cultur zeigen. — Ein kaum 
2 Zoll hoher kurzer Stamm ist dicht be- 
deckt mit weissfilzigen Blättern, von denen 
die oberen so stark mit reinweissen zarten 
Wollhaaren bekleidet sind, dass das sitzende 
Blüthenköpfehen mit seinen violetten Biü- 
then eingebettet in einem weichen Daunen- 
neste erscheint. Vor der Blüthe erscheint 
die ganze Pflanze wie eine Kugel aus weis- 
ser zarter Wolle, nur die unteren Blätter 
zeigen das Grün ihrer Oberfläche. — Eine 
dichte Haarbekleidung bemerkt Prof. Plan- 
chon sehr sinnig, ist ein häufiges Attribut 
der nordischen und Alpenpflanzen, und die 
Annahme liegt nahe, dass sie zum Schutz 
gegen die grossen Kältegrade dienen soll, 
aber daraus ein allgemeines Gesetz herlei- 
ten zu wollen, dass dichte Behaarung auf 
ein sehr kaltes Klima schliessen lässt, oder 
dass sie allen nordischen Pflanzen unum- 


59 


gänglich nothwendig ist, wäre sehr voreilig 
und durchaus falsch. Prof. Pianchon weist 
dann nach, dass viele Pflanzen heisser trock- 
ner Gegenden ebenfalls durch dichte Behaa- 
rung sich auszeichnen, dass also ebenso wie 
gegen Kälte, die Haare auch gegen Dürre 
und Hitze schützen müssen und dass end- 
lich überall und in allen Klimaten dicht be- 
haarte unmittelbar neben ganz kahlen Pflan- 
zen vorkommen. (Taf. 1590—91). 
94) Dischidia Rafflesiana Wall. As- 
clepiadeae. — Verwandte der Gattung Hoya, 
mit der sie den gleichen rankenden Habitus 
und den doldigen Blüthenstand theilen, 
stammen die Dischidia aus den tropischen 
Regionen Asiens und Neuhollands. — D. 
Rafflesiana wurde schon in der zweiten 
Hälfte des vorigen Jahrhunderts durch den 
dänischen Missionair König nahe bei Ma- 
lacca und Sallongohr entdeckt, später von 
Dr. Wallich bei Singapore ebenfalls gefun- 
den und von ihm in seinem Prachtwerke 
über seltene asiatische Pflanzen abgebildet 
und genau beschrieben. Eingeführt wurde 
sie ganz kürzlich erst durch das Etablisse- 
ment Van Houtte, aber auch dieses besitzt 
nur ein einziges lebendes Exemplar, das im 
neuesten Verzeichniss zu 200 Franken no- 
tirt ist, und einen einzigen jungen Ableger 
zu 100 Fr. — Demnach scheint die Ver- 
mehrung durch Stecklinge bisher noch nicht 
versucht oder missglückt zu sein; wir glau- 
ben eher das erstere, und hoffen, dass bald 
durch Stecklinge eine grössere Vermehrung 
erzielt werde, um dieser durchaus nicht 
schönen, aber botanisch um so interessan- 
teren Pflanze eine grössere Verbreitung zu 
verschaffen. — Sie gehört nämlich wie die 
Nepenthes, Sarracenia und Cephalotus zu 
den Pflanzen, deren Blattorgane sämmitlich 
oder theilweise sich zu Schläuchen umbil- 
den, und die stets ein besonderes Interesse 
erregen eben dieser Sonderbarkeit wegen. 
Bei Dischidia Rafflesiana sind die eigentli- 
chen Blätter klein, von rundlich - eiförmiger 
Gestalt, uud sehr entfernt von einander an 
den langen, rankenden Stengeln gestellt, 
während die Blattschläuche weit grösser, 
bis zu 3 Zoll lang und schr gedrängt an 
den unteren Aesten der Pflanze büschelweise 


60 


zusammen stehen, Die Schläuche sind ge- 
stielt, kantig-cylinderförmig, diekwandig und 
bis auf eine kleine Oeffnung oben am Stiele 
ganz geschlossen; aussen olivengrün, innen 
schwarzbraun; sie enthalten eine Flüssig- 
keit, die nach Wallich eine kleine Ameise 
in grossen Schaaren herbeizieht und vielen 
von ihnen den Tod bringt, wahrscheinlich 
durch Ertrinken. Auch die Luftwurzeln, die 
zahlreich an den Stengeln entspringen, drin- 
gen in diese Wasserbehälter ein, zweifels- 
ohne weil sie der Feuchtigkeit nachgehen, 
und dieser Umstand scheint uns zu bewei- 
sen, dass das Wasser von aussen in die 
Schläuche dringt, also Regenwasser ist, und 
nicht in den Schläuchen ausgeschieden wird, 
wie Prof. Planchon annimmt, — denn bis 
auf geleisteten Gegenbeweis gilt doch noch 
von Pflanzen wie von Thieren das Meiden 
ihrer eigenen Ausscheidungen. 
(Taf. 1592—93.) 

25) Phoenicophorium Sechellarum H. 
Wendl. (Stevensonia grandifolia Dune., 
Astrocaryum Borsigianum K. Koch). 
Diese wunderbar schöne Palme war bis jetzt 
eine der grössten Seltenheiten in den Samm- 
lungen, — Van Houtte war so glücklich, 
von einem Correspondenten auf den Se- 
chellen-Inseln, dem Vaterlande dieser Palme 
ein grosses Quantum Samen zu erhalten, 
und kann jetzt hübsche junge Exemplare zu 
dem mässigen Preise von 25 Fr. liefern. 

(Taf. 1595 — 96.) 

26) Verschaffeltia splendida H. Wendl. 
(Stevensonia viridifolia Duncan.,. Regelia 
princeps, majestica, magnifica Hort.). — 
Eine andere sehr schöne Palme, die wie die 
vorige von den Sechellen-Inseln eingeführt 
wurde und mit ihr an Schönheit wetteifert; 
sie bildet einen schlanken geraden Stamm, 
übertrifft die vorige daher in Höhe und ele- 
ganter Tracht, aber die Wedel sind kleiner 
und steifer, daher bei mancher Aehnlichkeit 
in Blattform, Färbung und Bestachlung doch 
der Totaleindruck ein ganz anderer. Beide 
sind wunderschön und für höhere Warm- 
häuser sehr zu empfehlen. Die Blaitschei- 
den der Verschaffeltia splendida sind mit 
langen schwarzen Stacheln besetzt, der ro- 
buste Blattstiel dagegen stachellos und oran- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


gefarben, Blatt keilförmig -oboval, an der 
Spitze tief 2-spaltig, ganzrandig bis auf die 
abgestumpften und leicht ausgebuchtet ge- 
kerbten Vorderseiten. Auch hier finden wir, 
wie bei der vorigen, ausser den schwarzen 
Stacheln, den orangefarbenen Blattstielen, 
den ungetheilten tief 2-spaltigen Blattflächen, 
auch den schmalen orangerothen Blattsaum 
und die in hell und dunkelgrün marmorirte, 
je nach der Beleuchtung ändernde Blattfär- 
bnng wieder. — Hofgärtner Hermann Wend- 
land, der im kgl. Garten zu Herrenhausen 
bei Hannover wohl die grösste jetzt existi- 
rende Palmensammlung zusammenbrachte 
und als der erste Palmenkenner unserer Zeit 
gilt, dedieirte diese von ihm aufgestellte 
Gattung dem Herrn Ambroise Verschaffelt, 
der sie zuerst einführte, und der seit Jah- 
ren sich Verdienste erworben hat durch 
Einführung und Verbreitung schöner Pal- 
menarten. — In seinem Garten sowohl, wie 
im Van Houtte’schen Etablissement sieht 
man ganze Gewächshäuser dicht angefüllt 
mit jungen Palmen, die von hier aus ihre 
Wanderung durch die europäischen Gärten 
antreten. (Taf. 1597—98.) 
27) Abutilon megapotamicum St. Hi. 
(Sida megapotamica Spr., Abutilon vexilla- 
rium E. Morr.). — Eine sehr hübsche bra- 
silianische Art, die von Belgien aus neuer- 
dings als Abutilon vexillarium verbreitet 
wurde, und da sie sehr reich blühen und 
buschig wachsen soll, wahrscheinlich bald 
sich überall beliebt machen wird. Bildet 
einen hohen, reich verzweigten Strauch mit 
schlanken dünnen Zweigen, Blätter 3- fast 
5-lappig, zugespitzt, grob gesägt, fast kahl, 
Blattstiele an der Spitze dicht behaart; Blü- 
thenstiele dünn 1-blüthig, Kelch hochroth 
gefärbt, krugförmig, mit abgeplatteter Basis, 
Blumenkrone goldgelb, Staubfäden schwarz- 
braun, hervorstehend. Das Schwarzrothgold 
ist in den uiedlichen Blumenglocken dieses 
von den bekannten Arten sehr abweichen- 
den Abutilon so präsentirt, dass Prof. Mor- 
ren ihr den bezeichnenden Namen vexilla- 
rium d. h. Fahnenträger gab, ein Name, 
der jedoch dem schon früher gegebenen 
megapotamicum weichen muss. Cultur und 
Vermehrung sehr leicht, wie bei den älte- 


IT. Notizen. 


ren Arten. — Den Sommer über ins freie 
Land gepflanzt, wird man sehr bald grosse 
Exemplare erhalten, die zu Kübelpflanzen 
sich besonders eignen dürften. 
(Taf. 1599.) 

28) Cereus giganteus Engelm. — In 
Sonora, der nördlichsten Provinz Mexicos, 
angrenzend an Californien, kommt der Rie- 
sencactus vor, von dem Reisende, die jene 
bis in neuester Zeit fast gänzlich unerforsch- 
ten und meistentheils öden, steinigen Wü- 
steneien durchzogen hatten, um ins Gold- 
land zu kommen, wohl schon berichtet hat- 
ten, — allein erst in neuerer Zeit konnte 
der Botaniker Engelmann uach Materialien 
(Blüthen, Früchte, Rindenstücke ete.), die 
ihm von Hrn. Thurber und Dr. Parry mit- 
getheilt wurden, diesen interessanten Colöss 
unter den Cacteen genau beschreiben und 


Il. 


1) Zur Witterung. In Thüringen, 
wenigstens in der Nähe des Waldgebirges 
hat es im Jahre 1865 jeden Monat gefroren. 
Wie ungünstig dies auf die Vegetation ein- 
gewirkt hat, wenn man den Gegensatz einer 
unerhörten Hitze (bis gegen 30 Grad R. im 
Schatten) und beispielloser Dürrung dazu 
rechnet, bedarf kaum der Erwähnung. So 
ist auch das Obst, ausser Kirschen fast ganz 
missrathen, obschon es herrlich geblüht und 
die Blüthe nicht erfroren ist, auch keine 
Raupen oder Rüsselkäfer massenhaft aufge- 
treten sind. Die Obstbaumblüthen müssen 
geradezu von der Hitze versengt worden sein. 
In der Nacht vom 18. zum 19. Juni erfroren 
in ganz Thüringen von Halle a. d. S. an 
bis Hessen (und wohl noch weiter) überall 
die Kartoffeln, Bohnen und Gurken, natür- 
lich auch viele Blumen. Die Kartoffeln und 
Gurken haben sich fast überall so erholt, 
dass sie gute Ernten gaben, Kartoffeln so- 
gar so ausgezeichnet wie seit zwanzig Jah- 
ren nicht mehr, aber die Bohnen konnten 
sich bei der grossen Trockenheit nicht mehr 


61 


somit für die Wissenschaft gewinnen. — 
Thurber war Mitglied der Commission, die 
von der Regierung beauftragt war, jene 
Region zu durchforschen. Nach seinen Be- 
richten bildet dieser Cereus dicke, durchaus 
gerade Säulen mit wenigen candelaberför- 
migen Aesten, oder auch ohne jede Veräste- 
lung, die höchsten Exemplare hatten 40—45 
Fuss Höhe, die kleinsten blühenden Exem- 
plare waren nicht unter 10 Fuss hoch; die 
verhältnissmässig sehr kleinen weisslichen 
Blüthen sitzen oben unterhalb des Gipfels, 
die 2 Zoll langen Früchte enthalten ein 
scharlachrothes fade süssliches breiartiges 
Fleisch und zahlreiche kleine Samen. Die 
Eingeborenen sammeln die an der Sonne 
getrockneten Früchte als geschätztes zucker- 
kaltiges Nahrungsmittel. (Taf. 1600.) 
(E. O.) 


Notizen. 


erholen und wurden vollends durch die mas- 
senhaft auftretenden rothen Spinnen (die- 
selbe, welche trockene Glashäuser so ver- 
wüstet) zu Grunde gerichtet. Auch die 
schwarze Fliege (Thrips haemorrhoidalis), 
welche sonst nur in trockenen Warmhäu- 
sern schädlich wird, zeigte sich an vielen 
Pflanzen im Freien. Die weissen Schmetter- 
linge (Kohlweisslinge) flogen so massenhaft, 
wie man sich kaum zu erinnern weiss und 
die Raupen vernichteten die Kohlernten. Wo 
man aber dieselben zerstörte, bildete sich 
wegen gänzlich mangelndem Regen doch 
kein Kohlkopf, daher ist auch unser belieb- 
tes Sauerkraut jetzt ein seltener Luxusarti- 
kel. Wunderbar schön gediehen die Lev- 
cojen, welche eine Bewurzelung hatten, wie 
ich sie noch nie vorher sah, und ohne Auf- 
hören — trotz der Hitze — bis zum ÖOcto- 
ber fortblühten, dabei sich zu breiten Bü- 
schen ausbildeten. Die Erdflöhe wütheten, 
wie ich es noch nie sah, zerfrassen grosse 
hartblätterige Kohlstauden und in einigen 
Tagen sämmtliche Reseda. J. 


62 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


WW. Literatur. 


1) Karsten, die Geschlechtsthätigkeit der 
Pflanzen. Besonderer Abdruck aus den 
Annalen der Landwirthschaft. — 


Eine höchst klare und interessante Dar- 
stellung der Befruchtung der Pflanzen, wel- 
che diese Vorgänge bei den einfacheren und 
vollkommneren Pflanzen bespricht und durch 
beigegebene Holzschnitte erläutert. — 

(E. R.) 


2) R. W. A. Wörmann, der Garten-Inge- 
nieur. VI. Abtheilnng. Die Circula- 
tionswasserheizungen. Berlin 
1865 bei Ernst Schotte & Comp. — 


Eine vorzügliche Darstellung des Syste- 
mes der Wasserheizung, der Grundsätze, 
auf denen jede Wasserheizung beruht und 
all der verschiedenartigen Constructionen, 
welche bei Wasserheizungen vorkommen, 
so der Einrichtung der Feuerung, der ver- 
schiedenartigen Constructionen der Kessel, 
der Röhrensysteme und deren Verbindung, 
der Ventile und Krahnen ete. Da bei dem 
Bau der Wasserheizungen für Gewächshäu- 
ser noch vielfach gefehlt wird, so empfehlen 


wir dieses Buch allen denen, die in derar- 
tigen Einrichtungen noch nicht vollkommen 
erfahren sind, um sich vor verfehlten Ver- 
suchen zu schützen. Die in Gewächshäu- 
sern noch am häufigsten angewendete Was- 
serheizung mit offenen Reservoiren ist merk- 
würdiger Weise nicht besprochen. — 
(E. R.) 


3) Gloger, Schutz der nützlichen 


Thiere, 


Je mehr wir die Naturgeschichte der 
schädlichen Insekten kennen lernen, je mehr 
müssen wir einsehen lernen, dass alle un- 
sere Massregeln zur Abwehr derselben, um 
so weniger helfen, je kleiner die Feinde 
sind, die wir bekämpfen. Der letzte Grund 
der Ueberhandnahme dieser schädlichen 
Thierchen liegt aber in der Vertilgung der 
nützlichen Thiere. Zu diesem Zwecke em- 
pfehlen wir unsern Lesern die Schriften Dr. 
Glogers, nämlich: Ermahnung zum Schutz 
nützlicher Thiere, — die nützlichsten Freun- 
de der Landwirthschaft, — und die Hegung 
der Höhlenbrüter. — (E. R.) 


V. Personalnotizen und Neuestes etc. 


1) Dr. John Lindley, einer der um 
den Gartenbau hochverdientesten Männer 
unserer Zeit, der berühmte Monograph der 
Orchideen, der Herausgeber von Botanical 
Register, Paxton’s Flower Garden und spä- 
ter Gardeners Chronicle, der Verfasser von 
„Theorie der Gärtnerei“ ist gestor- 
ben. — 

Wir behalten uns vor eine einlässlichere 
Biographie über denselben zu geben. 


2) Roezl und Besserer hatten zur 
Importation von lebenden Pflanzen nach 


Europa, in Mexico einen Handelsgarten ge- 
gründet. Leider ist dieses Geschäft aber 
schon seit einiger Zeit eingegangen. Es 
dürfte aber manchen unserer Leser interes- 
siren, zu erfahren, dass Roezl jetzt Päch- 
ter einer Plantage in Mexico ist und nur 
das, was er zufällig von Zeit zu Zeit sam- 
melt, nach Europa sendet. 

Besserer aber, der nicht Gärtner, 
sondern Buchhändler ist, hat seit Roezl’s 
Austritt die Handelsgärtnerei gleichfalls auf- 
gegeben. 


VI. Russischer Gartenbau-Verein. 


63 


VI. Angelegenheiten des Russischen Gartenbau-Vereins 
in St. Petersburg. 


Sitzung am 14. (2.) October 1865. 


.1) Es wurde der Versammlung ein kur- 
zer Bericht über die im Frühjahr gewesene 
Blumenausstellung vorgelegt. Die Ausga- 
ben beliefen sich auf 10,560 R., namentlich 
9360 für die Einrichtung der Ausstellung 
und 1200 für die ertheilten Medaillen. Die 
Einnahme belief sich auf 8,851 R., so dass 
der Verein durch die Ausstellung einen Ver- 
lust von eirca 1700 R. zu tragen hat. — 
Der Präsident wies auf die Verhältnisse 
hin, welche der Grund zu einem so uner- 
freulichen Resultate waren, nämlich auf das 
Zusammenfallen der Ausstellung mit der 
Trauer über das frühe Hinscheiden des vom 
ganzen Volke innig verehrten Throntolgers, 
äusserte dabei aber die Hofinung, dass sich 
vielleicht Mittel werden auffinden lassen, 
das Deficit zu decken. 


2) Die kaiserl. freie ökonomische Ge- 
sellschaft erliess an den Verein die Auffor- 
derung Deputirte zu dem Congresse russi- 
scher Landwirthe, welcher bei Gelegenheit 
des 100jährigen Jubiläums der ökonomi- 
schen Gesellschaft berufen war, abzuordnen. 
Als Deputirte wurde auf Vorschlag des Vor- 
standes die Herren Dr. Regel, M. A. Aga- 
monow und P, J. Wolkenstein erwählt. 


3) Das Departement für Landwirth- 
schaft erliess an den Verein die Aufforde- 
rung sich an der im Jahre 1867 in Paris 
stattfindenden internationalen Ausstellung zu 
betheiligen. Da aus dem Gebiete des Gar- 
tenbaues nur das Gemüse mit im Program- 
me aufgenommen ist, so wurde der Gemüse- 
gärtner H. Gratschew, als Mitglied des Vor- 
standes ersucht, sein Möglichstes zu thun, 
um die in und um Petersburg thätigen Ge- 
müsegärtner zu bewegen, reiche Einsendun- 
gen für die Ausstellung vorzubereiten. 


4) In Folge Allerhöchster Bestätigung 
eines in Poltawa neu constituirten Vereins, 


der auch den Gartenbau mit in den Bereich 
seiner Thätigkeit gezogen hat, wurde be- 
schlossen, mit demselben in Verbindung zu 
treten, einen Austausch der Schriften vor- 
zuschlagen und die Hoffnung auszusprechen, 
dass ein beiderseitiges Entgegenkommen 
nicht ohne fruchtbare Resultate für die 
gemeinschaftlicken Zwecke bleiben wird. 


5) Es wurden der Versammlung ver- 
schiedene Werke vorgelegt, die als Geschenk 
dem Vereine übersandt waren; unter ihnen 
befanden sich einige Werke von Hrn. Thie- 
leus und Carriere. 


6) Als zahlende Mitglieder wurden be- 
stätigt: M. J. Bestzew, E. J. Winterkalter, 
P. P. Gardejew, D. J. Janikow, N. E. Er- 
ler. — 


7) Der 1. Secretär, H. v. Wolkenstein, 
legte der Versammlung einen Bericht über 
eine Reise nach Moskau vor, die er im verflos- 
senen Sommer gemacht, um die dortige Blu- 
menausstellung zu besuchen. 


8) Herr Gratschew theilte der Versamm- 
lung interessante Angaben über den Ertrag 
der verschiedenen von ihm in diesem Jahre 
gezogenen Gemüsearten und über die Markt- 
preise derselben mit. 


9) Dr. Regel zeigte der Versammlung 
ein blühendes Exemplar der Lapageria ro- 
sea R. et P. vor und machte einige Mitthei- 
lungen über diese Pflanze, die im Kaiser]. 
botan. Garten gezogen war. 


10) Hr. Tschernjajew wies auf den Man- 
gel eines gründlichen Handbuches für Ge- 
müsebau und Gartenbau in russischer Spra- 
che und äusserte die Meinung, dass es viel- 
leicht zweckmässiger wäre, statt des in rus- 
sischer Sprache erscheinenden Journals des 
Vereins, Handbücher herauszugeben, die dem 
Bon Jardinier oder dem Gartenkalender 


64 


Koch’s entsprechend den Verhältnissen Russ- 
lands angepasst wären. Es wurde beschlos- 
sen, die angeregte Frage zu einer vorläufi- 


Wi 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


gen Ausarbeitung dem Vorstande zu über- 
tragen und Hr. Tschernjajew wurde ersucht, 
an den Berathungen sich zu betheiligen. 


Sitzung am 21. (9.) October 1865. 


1) Der 1. Secretär legte der Versamm- 
lung ein kurzes Referat über die Resultate 
der Anzucht verschiedener Gemüsearten vor, 
welche im Garten der Petrowschen land- 
wirthschaftlichen Academie bei Moskau 
durch Herrn Schröder, Obergärtner, erzielt 
waren. 

Hr. Gratschew äusserte bei der Gele- 
genheit die Meinung, dass die im Laufe ei- 
nes Sommers erzielten Resultate nicht als 
entscheidend anzusehen sind und dass die 
Anzucht russischer Sorten nicht vernachläs- 
sigt werden darf, dass die Localität, in der 
die Samen gezogen werden, oft einen we- 
sentlichen Einfluss auf die aus ihnen gezo- 
gene Pflanze haben; so seien Gurken, die 
aus echten in Muroma erhaltenen Samen 
gezogen werden, nie bitter. 

2) Zu dem vom Vereine ausgeschriebe- 
nen Concurse für Conserven war eine Sen- 
dung aus Rjbinsk eingetroffen. 


3) Für die zur Monatsausstellung ein- 
gesandten Gegenstände waren folgende Prä- 
mien ertheilt worden: Hrn. Sewerin — 
für ausgezeichnetes Gemüse eine kleine 
goldene Medaille, Hrn. Nouvel — für aus- 


gezeichnete Cultur einer im Topfe stehenden 
reich tragenden Weinrebe — eine grosse 
silberne Medaille, Hrn. Andruschenkow 
— für Erdbeeren — eine grosse silberne 
Medaille, Hrn. Ferstatt — für Odonto- 
glossum grande — eine kleine silb. Med., 
Hrn. Rochel — für Oneidium flexuosum 
und Laelia anceps — eine kleine silb. Med. 
Herrn Lorgus — für Lilium auratum — 
eine kleine silberne Med., Hrn. Skaromny 
— für verschiedene Sommerpflanzen in Blü- 
the — eine broncene Med. — Ueber die 
ausgestellten und prämirten Gegenstände 
wurden von den Exponenten verschiedene 
interessante Mittheilungen gemacht. 


4) Hr. Brecht, Mitglied des Vereins 
hatte dem Vereine ein Päckchen Sommer- 
levcoje aus Saratow übersandt, die unter 
den Mitgliedern vertheilt werden sollten. 


5) Als zahlende Mitglieder wurden ge- 
wählt A. S. Gorkowenka, J. A. Greig, P. 
W. Karnakow, A. N. Mitzkewitsch, Fürst E. 
A. Uchtomrky, N. A. Jasjkow. 


I. driginalabhandlungen. 


1) Abgebildete Pflanzen, 


a) Daphne Genkwa Sieb. 


et Zucece. 


(Siehe Tafel 499.) 


Daphnoideae 


D. Genkwa Sieb, et Zuce. fl. jap. 1. 
pag. 137. tab. 75. — Meisn. in D, C. 
prodr. XIV. pag. 531; Foliis oppositis 
lanceolatis, junioribus ramulisque sericeis; 
faseiculis 3—7 floris; calyce sericeo-vil- 
loso, lobis ovatis obtusis tubo dimidio 
brevioribus; ovario villoso. — 

Ein niedlicher kleiner 2—3 Fuss 
hoher, stark verästelter Kalthausstrauch, 
aus den Gärten Japans von C. Maxi- 
ınowicz in neuerer Zeit lebend in Eu- 
ropa importirt. Die hübschen lilafarbe- 
nen duftenden Blumen erscheinen im April 
vor der Entwicklung der Blätter, in 3—7 
blumigen fast sitzenden Bündeln, längs 
der blattlosen Aeste. 

Cultur im Kaltbause in Heide- oder 


UL 1866. 


Lauberde, zu der etwas lehmige Erde 
beigemischt wird. Vermehrung vermit- 
telst Veredlung auf D. Mezereum, Lau- 
reola etc. 

Ist mit D. Fortonei Lindl. (Flore des 
serres tab. 268) nahe verwandt und ver- 
dient gleich dieser allgemeine Cultur im 
niediigen Kalthause. 

(E. R.) 


Erklärung der Tafel. 


a. Blumenkrone mit aufgeschlitzter Blu- 
menröhre, dem Fruehtknoten und den 
mit der Blumenröhre theils verwachsenen 
8 Staubfäden. b. Der Fruchtknoten, 
Griffel und Narbe. a. u. b. vergrös- 
sert. 


66 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


bp) Hemerocallis fulva . var Kwanso. 


(Siehe Tafel 500.) 


Liliaceae 


H. fulva L. spec. 462. — Knth. 
emun, IV. 488.— Bot. Mag. tab. 64. — 
Red. Lil. tab. 16. — 

Unter den von Siebold aus den Gär- 
ten Japans eingeführten Pflanzen, be- 
findet sich jetzt auch in den Gärten des 
Continents eine Hemoerocallis, unter 
dem Namen H. Kwanso flore pleno. 
Es ist das eine Abart unserer gemeinen 
H. fulva L., einer der ältesten Bewoh- 
ner unserer Gärten, — mit gefüllten 
Blumen und Blättern, die meist mit 


weissen silberfarbenen Streifen gezeich- | 


cd Anthurium pedatifidum Rgl 


net sind. Die H. fulva ist in dem gan- 
zen kalten gemässigten Gürtel Europas 
und Asiens zu Hause und geht selbst 
bis Japan. wo die beistehend abgebildete 


Form, vielfach in den dortigen Gärten 
eultivirt wird. Dieselbe ist als eine 
wirklich schöne perennirende Pflanze 


zu empfehlen, die noch in Petersburg 
ohne alle Deckung im freien Lande 
ausdauert. Gedeihet in jedem Garten- 
boden und blühet im Juli. Vermehrung 
durch Theilung, — (E. R.) 


etLinden. 


(Siehe Tafel 501.) 


Aroideae 


Affıne A. pedato - radiato 
(Prodr. Ar. pag. 539. Grex. 27. Schizo- 
pleurum). Subacaule, petiolis elongatis 
teretibus, esulcatis, geniculo tereti ab- 
breviato; fol. laminibus magnis , eircuitu 
reniformi-subrotundis, ultra medium pal- 
mato 9—11 fidis: lobis anguste lanceo- 
latis, acuminatis. omnibus integris, inter- 
mediis rectis, lateralibus falcato-incurvis; 
eostis 5 intermediis et basin liberis, basi- 
laribus basi eoncretis; pedunculo petiolo 
subduplo breviore; spatha coriacea, vi- 


Schott. | dete Anthurium, 


das zur Abtheilung 
Schizopleurum (Schott Prodr. Ar. 
pag. 538) gehört, und mit A. pedato- 
radiatum Schott (l. ce. pag.539) zunächst 
verwandt ist, aus den reichen Samm- 
lungen des Herrn J. Linden in Brüssel 
erhalten, der solches, soviel uns be- 
kannt, aus Brasilien einführte. Dasselbe 
gehört zu den stengellosen Arten vom 
Wachsthum des A. pseudo-podophyllum 
Schott. (A. membranuliferum Hort.) 
Es ist durch die kürzere knieförmige 


ridi. anguste lancevlata, acuminata, fal- | Anschwellung an der Spitze des Blait- 
cata; spadice subeylindrico recto, spatha | stiels, durch die bis zum Grunde freien 


breviore, fusco purpureo colorato. — 


5 mittleren Blattrippen und durch nur 


Wir haben das beistehend abgebil- | 9—11 lappige Blätter von A. pedato-ra- 


I. Originalabhandlungen. 


diatum Schott verschieden. Von letzte- 
rem sind Blumen noch nicht bekannt, 
so dass auch im Blüthenstand sich noch 
fernere Unterschiede finden dürften. — 

Die in Rede stehende Pflanze „ist 
eine der ansehnlichsten Arten“, die Blät- 
ter unseres noch jungen Exemplares 
halten doch schon bis 11/;, Fuss im 
Durchmesser, die Blattstiele sind mehr 
als ein Fuss lang und die Blumen sind 
dunkelbraunroth gefärbt. Die mächtigen 
lederartigen Blätter besitzen eine helle, 
glänzend grüne Farbe. 

Ist ein würdiger Rivale von A. pseu- 


67 


dopodophyllum und podophyllum, scheint 


noch üppiger als beide zu wachsen und 


ist als eine ganz vorzüglich schöne und 
auch haltbare Decorationspflanze fürs 
Warmhaus und Zimmer zu empfehlen. 
Befindet sich noch im Alleinbesitz des 
Herrn Linden. Unser Exemplar ent- 


wickelte im September seinen ersten 
Blüthenstand. — 

a. Die Pflanze verkleinert. b. Der 
Blüthenkolben in natürlicher Grösse. 


c. Eine Blume von oben, vergrössert. 
d. Ein Theil des Blatttes in natürlicher 
Grösse. (E. R.) 


2) Besprechung einiger neuer Pflanzen. 


a) Caliphruria Hartwegiana|in den Gärten verwechselt wird, unter- 


Herb. (Herb. in Bot. Reg. 1844. mise. 
Nr. 83.) — Knth. enum, IV pag. 692). — 
Amaryllideae, — Ein Zwiebelgewächs 
aus Neugranada, das im Habitus der 
Gattung Eucharis nahe kommt, Biumen- 
krone weiss, röhrig, mit ausgebreitetem 
6theiligem Saum, dessen 3 äussere 
Blättehen linear-lanzettlich, dessen in- 
nere aber etwas breiter. Eigenthümlich 
sind die der Röhre verwachsenen Staub- 
fäden, von denen jeder oberhalb der 
Einfügungsstelle breit und in 2 linear- 
pfriemliche Lappen ausgeht, zwischen 
denen der fädliche Träger steht. Anthe- 
ren linear, auf dem Rücken befestigt. — 
Blätter länglich-elliptisch , ziemlich dick 
und lang gestielt. Der Blüthenschaft 
weiss bereift, trägt auf der Spitze die 
mehrblumige Blumendolde, deren ein- 
zelne Blumen von einem ungefähr 6 
Linien langem Stiel getragen werden. 
Linien - lanzettliche häutige Bracteen 
stützen die Blumendolde. — Von Cali- 
prora, mit welcher diese Pflanzengattung 


scheidet sich solche durch von einem 
fädlichen Träger gestützte und nicht 
sitzende Antheren. Bei Eucharis, die noch 
näher verwandt, ist der breite Grund 
der Staubfäden in eine corona verwach- 
sen. Ein empfehlenswerthes Zwiebel- 
gewächs fürs Warmhaus. Blühet im 
December und Januar. Der Geruch 
der Blume ist sehr angenehm. 
(E. R.) 

b) Duranta Plumieri Jacg. 
var. fol. aureo-variegatis.— Ver- 
benaceae. Es liegt uns aus dem Garten 
des Herrn Winterstein in Alexan- 
drien die Abbildung und einige Blätter 
einer buntblätterigen Duranta vor, die 
Hr. Winterstein, D.Branitzki genannt 
hat. Nach dem uns zu Gebote stehen- 
dem Material, halten wir solche für eine 
der vielen Formen von D. Plumieri, da 
solche kahle zugespitzte und oberhalb 
des Grunde> scharf gezähnte Blätter, so 
wie achselständige Trauben blauer Blu- 
men besitzt, die an der Spitze des 

5% 


68 


Zweiges rispenartig zusammengedrängt | 


sind. Die Blätter sind auf der Scheibe 
glänzend goldgelb gefärbt mit unregel- 
mässiger grüner Randung. Es macht 
diese, noch im alleinigen Besitz des 
Hrn. Winterstein befindliche Pflanze, 
unzweifelhaft eine brillante Erscheinung 
durch die lebhafte Färbung des Laubes 
und dürfte solche daher bald als schöne 
decorative Warmhauspflanze, sich in 
unsern Gärten verbreiten. Im Klima 
Aegyptens bildet solche einen im Sommer 
mit Massen von blauen Blumen prangenden 
Bosquetstrauch. In unsern Warmhäu- 
sern gehört es aber zur grossen Selten- 
heit, wenn eine Duranta zur Blüthe 
kommt. — 

Wir wollen noch bemerken, dass 
diese Duranta, von der in letzter Zeit 
als D. Baumgartneri in unsern Gärten 
verbreiteten Pflanze verschieden ist, so- 
wie dass Hr. Winterstein bereit ist, die- 
selbe irgend einem Handelsgarten Eu- 
ropas zum Verkauf und zur Verbreitung 
zu überlassen. — 

Hr. Winterstein war früher Gärtner 
bei Said Pascha, jetzt ist er Eigenthü- 
mer einer Handelsgärtnerei Alexandriens, 
Von seltenen tropischen Pflanzen kann 
man von demselben Samen zu billigen 
Notirungen beziehen und wird solcher 
sein Samenverzeichniss jedem darum 
Bittenden gerne zusenden. (E. R.) 

e) Acontias diversifolius Rgl. 
et Linden. So nennen wir eine Aroi- 
dee mit knolliger Wurzel, die wir als 
Dracontium spec. von unserm geehrten 
Freunde, Hrn. Linden empfangen. Das- 
selbe zeichnet sich durch die wechselnde 
Form der wurzelständigen Blätter aus, 
die bald einfach und aus herzförmigem 
oder fast speerförmigem Grunde oval und 
etwas zugespitzt, — bald am Grunde 
2 fast ohrförmige Seitenblättchen tragen, 
bald 3theilig mit nur am Grunde ver- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


wachsenen Blättern werden, — bald 
endlich ein fussförmig getheiltes 5 blätte- 
riges Blatt darstellen, dessen Blättchen 
länglich-oval oder länglich - lanzettlich, 
dessen Mittelblättchen sitzt und wo die 
beiden Seitenblättchen sich am Grunde 
in ein gemeinsames Blattstielchen ver- 
schmälern. 

Der allgemeine Blattstiel ist gestreift, 
unter der Lupe mit sehr kurzen papil- 
lenförmigen Härchen besetz!, grün und 
am Grunde bleifarben oder mit unter- 
brochenen bleifarbenen Strichen ge- 
zeichnet. Die Röhre der Blüthenscheide 
grün, fast kugelig aufgeblasen und den 
untersten weiblichen Theil, sowie den 
folgenden sterilen Theil des Kolbens 
umschliessend, während der oberste die 
männlichen Blumen tragende Theil her- 
vorragt und fast so lang als die gelb- 
grüne länglich-elliptische Platte der 
Scheide ist. 

Ist nahe mit dem in der Flora Flu- 
minensis (tab. 104 tom. IX) abgebildeten 
Arum pentaphyllum verwandt. Letzte- 
ist aber mit nur 5blätterigen Blät- 
tern, mit einem vor dem Rande der 
Blätter hinlaufenden Nerven (die Nerven 
unserer Pflanze anastomosiren vor dem 
Rande) und mit weniger stark aufgebla- 
sener Köhre der Blüthenscheide abge- 
bildet. Wenn wir nun deshalb unsere 
Pflanze nicht mit dem A. pentaphyllus 
Schott der Flora Fluminensis vereini- 
gen können, so halten wir es dennoch 
für möglich, dass sie zu diesem gezogen 
werden müsste da ausser der man- 
gelhaften Abbildung von letzterer Art 
nichts Näheres bekannt ist. Auch 
sind die den Blüthenstiel umgeberden 
Blätter stets 5blätterig und der starke 
Nerv vor dem Rande der Blätter kann 
auf der erwähnten Abbildung überhaupt 
Folge der rohen Art, mit der die Zeich- 
nungen dieses Werkes angefertigt sind, 


res 


I. Originalabhandlungen. 


69 


sein. — Bildet bis 1!/, Fuss hohe Blät- | ceolatis; pedieellis gracilibus, eirciter bi- 


ter, ist im tropischen Amerika zu Hause 
nnd wird ähnlich wie andere im Winter 
zurückziehende Aroideen mit knolliger 
Wurzel behandelt. — (E. R.) 
d) Oeceoclades falcata Thbg. 
Orchideae. Caulescens, humilis; fo- 


liis distichis, canaliculafis, lineari-ensi- | jap. pag. 26. — 


polliearibus ; sepalis petalisque oblongis, 
recurvato-palentibus; labell oblongo, 
eucullato, leviter trilobo, lobis lateralibus 
brevibus dentiformibus, basi in calcar 
eurvatum subfiliforme eireiter bipollicare 
exeurrente. — Orchis faleata Thbreg. fl. 
Limodorum falcatum 


formibus, acutis; racemis axillaribus, la- | Thbrg. ie. pl. jap. tab. 6. — 


xis, paucifloris, folia saperantibus; brac- 


| Die Orchidee, von der der beiste- 


teis brevibus, membranaceis, lineari-lan- | hende Holzschnitt die Abbildung giebt, 


blühete in dem Garten des Dr. Lauren- 
tius in Leipzig. Dieselbe stammt aus 
Japan und dürfte in Deutschland sich 
nur im Garten des Dr. Laurentius 
finden. 


| Dr. Laurentius hatte die Freundlich- 
| keit, uns die beistehende Abbildung, be- 
| gleitet von interessanten Bemerkungen 
| zuzusenden. Die genaue Untersuchung 
| zeigte, dass solche zur Gattung Oeceo- 


70 


clades Lindl. (Lindl. gen. et spec. Or- 
chid. pag. 233) gehört, eine zur Gruppe 
der Vandeen gehörige Gattung, die mit 
Angraecum zunächst verwandt ist, von 
Angraecum sich aber noch durch die 
kappenförmig gehölte Lippe mit 2 seit- 
lichen flachen Lappen unterscheidet. 
Unter den von Lindley beschriebenen 
Arten, steht solche der Oeceoclades fal- 
cata (Dec. falcata /Lindl. nee Thbrg. gen. 
et spec. pag. 235. — Limodorum fal- 
catum Bot. Mag. tab. 2097.) zunächst, 
welche in China heimisch und die so- 
wohl nach Lindley’s Beschreibung, wie 
auch noch der citirten Abbildung, sich 
durch achselständige einblumige 
Blüthenstiele, die nebst der 
Blume kürzer als die Blätter, 
von unserer Pflanze sofort unterscheidet. 
Dagegen ist unsere Pflanze mit Orchis 
faleata Thbrg. fl. jap. identisch, einer 
Pflanze von der Thunberg später in 
seinen Abbildungen der Flora japonica 
unter dem Namen Limodorum fal- 
catum eine gute, mit unserer Pflanze 
ganz übereinstimmende Abbildung giebt, 
eine, wie es scheint, Lindley unbekannt 
gebliebene Abbildung. — 

Da nun Lindley den Namen Oeco- 
clades falcata schon für die ver- 
wandte aus China stammende Art mit 
einblumigen Blüthenstielen verwendet 
hat, so nennen wir diese zuerst von 
Thunberg beschriebene Pflanze, nach 
ihrem ersten Entdecker. — 

Nach dem allgemein gültigen Gesetz 
der Priorität haben wir der in Rede 
stehenden Orchidee, den von Thunberg 
gegebenen Trivialnamen gelassen. — 

Die von Lindley O. falcata ge- 
nannte Pflanze, muss in Folge dessen 
einen neuen Namen erhalten und als 
solchen schlagen wir O. Lindleyi vor. 
Die Diagnose zwischen beiden Arten 
würden lauten: 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Oeceoclades faleata Thbrg.— 
Vergl. die oben gegebene Diagnose und 
Synonymie. Vrtld. Japan. — 

ODeceoclades Lindleyi. Blumen 
auf einblumigen langen Blüthenstielen 
achselständig. — O. falcata Lindl. gen. 
et spec. Orch. pag. 235. — Limodo- 
rum falcatum Bot. Mag, tab. 2097. (nec. 
Thbrg.). — 

Vrtid. Japan. — Lindley zitirt als 
ferneres Synonym Angraecum fal- 
ceatum Lindl. Colleet. bot. tab. 15.— 
Auf jener Tafel ist aber A. maculatum 
abgebildet und auch im Text, wie über- 
haupt im eitirten Werke, findet sich 
nichts über A, faleatum. — Schliess- 
lich wollen wir noch eine Bemerkung 
machen. Es will uns nämlich scheinen, 
dass Lindley, die von ihm beschriebene 
O. faleata, nur nach der Abbildung des 
Botanical Magazine kannte. Es könnte 
nun recht wohl sein, dass diese Abbil- . 
dung nur eine unrichtige Darstellung 
des Blüthenstandes giebt, und dann 
würde auch O. falcata Lindl. zur Pflanze 
Thunbergs gehören. — 

Die O. falcata Thbrg. bildet einen 
kurzen I—2!/, Zoll hohen Stengel, der 
mit zweizeilig stehenden gekielten linear- 
schwertförmigen spitzen 2—4 Zoll lan- 
gen Blättern dicht besetzt ist. Aus 
einer der Blattachseln erhebt sich ein 
1—21/, Zoll langer Blüthenschaft, der in 
einer losen Traube, 3—8 Blumen trägt. 
Am Grunde der bis 2 Zoll langen dün- 
nen Blüthenstielchen stehen kleine häu- 
tige linear-lanzettliche Bracteen, ausser- 
dem auch einzelne am Blüthenschaft 
und am Grund desselben eine scheidige 
oben schief abgestutzte Bractee. Die 
Blumen besitzen eine rein schneeweisse 
Farbe, nur die Spitze der Griffelsäule 
ist heilgelb, und zeichnen sich ausser- 
dem durch einen köstlichen, den Mai- 
blumen ähnlichen Geruch aus. Kelch- 


I. Originalabhandlungen. 


und Blumenblätter etwas zurück ge- 
krümmt abstehend, länglich, spitzlich, 
ungefähr 1/, Zoll oder etwas weniger 
lang. Die gehölte Lippe gleichfalls 
 länglich und so lang als die Blumen- 
blätter, nahe dem Grunde beiderseits 
je einen kurzen zahnförmigen Lappen 
tragend. Am Grunde geht die Lippe in 
einen fast 2 Zoll langen fädlichen ge- 
krümmten Sporn aus. 

Thunberg gibt als Standort für diese 
Pflanze die Gebirge bei Nagosaki an, 
wo solehe an der Erde zwischen Sträu- 
ehern wachsen soll. Er. C. Maximowiez 
sah solche aber in Japan nicht wild, 
sondern nur in Cultur und vermuthet, 
dass solche von einer den Inseln süd- 
lich von Japan stamme. Die Japanesen 
eultiviren solche in 1'/, zölligen kleinen 
Töpfehen in Moos und halten nach Mit- 
theilung des Hrn. Maximowiez für die- 
selbe noch ziemlich hohe Preise. Nach 
der Wurzelbildung zu schliessen, wächst 
solche auf den Stämmen anderer Pflan- 
zen. — 

flr, Dr. Laurentius, bei dem diese 
Pflanze zum ersten Male in Europa 
blühete, theilte uns freundlichst über 
die bei ihm befolgte Culturmethode das 
Folgende mit: 


1 


„Im warmen Gewächshause mit den 
andern Vanda-Arten cultivirt, kommt 
dieselbe nicht zur Blüthe. Ich halte 
solehe an der kühlsten Stelle meines 
temperirt warmen ÖOrchideenhauses, wo 
im Winter nur eine Temperatur von 
7° R. unterhalten wird,“ 


Nach Dr. Laurentius besitzt auch 
Linden diese merkwürdige, ebenso ei- 
genthümliche, wie durch den Wohlge- 
ruch der weissen Blumen empfehlens- 
werthe Art und hat ihr vorläufig den 
Namen Vanda pulchella beigelegt. 


Ausser der beistehend wiedergege- 
benen Abbildung, die nach der lebenden 
Pflanze in natürlicher Grösse in Leipzig 
gemacht ward, lagen uns zahlreiche 
getrocknete Exemplare vor, die Hr. C. 
Maximowicz aus Gärten Japans einlegte. 
Die Gärtner Japans nennen solche Fu- 
Rang. (Winter-Orchidee). Wir sahen 
Exemplare mit 4 Zoll langen Blättern 
und 2 gleichzeitig entwickelten Blüthen- 
ständen, jeder mit 7—8 Blumen. Es 
dürfte diese Orchidee deshalb zu den 


'schätzbarsten Einführungen aus Japan 


gehören. (E. R.) 


a 


3) Die Wirkungen des Winters von 186364 in dem Pinetum zu 
Muskau. 


Schon öfter ist in diesen Blättern |um im Freien stehende Pflanzen gegen 
über die Ueberwinterung zarterer Ge- | die Einflüsse des Winters zu schützen, 


hölze im Freien gesprochen und dieser 
Gegenstand ausführlicher behandelt. 
Dass eine Akklimatisation der Pflanzen 
im strengen Sinne des Wortes nicht 
möglich ist, steht fest. ebenso, dass die 
Mittel, welche wir anwenden können, 


| 


immer auf ein ziemlich geringes Maass 
beschränkt bleiben werden. Unsere 
Hauptaufgabe wird daher immer bleiben, 
zu ermitteln, welche Pflanzen vermöge ihrer 
Organisation im Stande sind, bei geringem 
Schutze unsern Winter zn überdauern. 


12 


Den wesentlichsten Anhalt für die 
Beantwortung dieser Frage bietet natur- 
gemäss die Pflanzengeographie. Da 
aber auch die Kenntniss dieser nicht 
immer ausreicht, bleiben wir dieser 
Frage gegenüber oft auf ein reines Ex- 
perimental-Verfahren angewiesen, und 
möglichst zahlreiche Versuche, an ver- 
schiedenen Orten angestellt, werden am 
meisten dazu beitragen, unsere Kennt- 
nisse in dieser Beziehung zu vervoll- 
ständigen. 

Es wird daher auch vielleicht von 
einigem Interesse sein, wenn ich in 
Nachfolgendem specieller die Wirkungen 
des letztverflossenen Winters im hiesigen 
Pinetum bespreche, die um so eher für 
maassgebend gelten können, als der 
letzte Winter ein für die hiesige Gegend 
ungewöhnlich strenger genannt werden 
muss. Die lange andauernde, heftige 
Kälte hat allerdings den ganz niedrigen 
oder niedergelegten Pflanzen weniger 
geschadet, da während der Dauer der- 
selben der Boden durch eine dicke 
Schneedecke geschützt war. Einzelnes, 
was der Winter verschont hatte, hat 
noch nachträglich durch die 
Spätfröste gelitten. 

Von den ächten Kiefern (Pinus) kön- 
nen natürlich die auch im mittleren und 
nördlichen Deutschland einheimischen 
Arten und Formen unerwähnt bleiben. 
Ebensowenig haben P. Cembra, P. au- 
striaca, P. Pinaster und P. Pallasiana 
gelitten. Pinus Laricio? Poir., ein von 
der Küste des mittelländischen Meeres 
stammender Baum, der durch seine fei- 
nen und langen, etwas hängenden Na- 
deln und seinen leichten, schlanken 
Wuchs in der Jugend leicht kenntlich 
ist, ist dagegen in einigen Exemplaren 
bis zum Schnee erfroren; nur eins der- 
selben, das gleichfalls getödtet schien, 
hat trotzdem wieder ausgetrieben. Schon 


starken 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


in früheren Wintern hatten sich die 
Pllanzen dieser Species stets mehr oder 
weniger zärtlich gezeigt, und somit wäre 
wohl dieselbe als nicht geeignet zur 
Cultur bei uns zu bezeichnen. Uebrigens 
sollen nach mündlicher Mittheilung des 
Herrn Hofgärtner Effner in München 
die Bestände, aus grösseren Exemplaren 
dieser Baumart in Italien gebildet, gra- 
dezu unschön, und dieselbe auch in 
landschaftlicher Beziehung keineswegs 
empfehlenswerth sein. 

In den deutschen Baumschulen und 
Samenhandlungen wird diese Kiefer 
ziemlich allgemein als P. Laricio oder 
P. maritima, geführt; die in England 
unter ersterem Namen verbreitete soll 
eine andere und härtere sein. Zwei- 
jährige Sämlinge von P. Larieio, die 
aus der Elvaston-Baumschule bei Derby 
von W. Barron stammen, und leicht mit 
Nadelstreu umgeben waren, zeigen aller- 
dings auch keine Spur eines durch den 
Winter erlittenen Spadens, während 
Sämlinge der vorigen, auf gleiche Weise 
behandelt, stets theilweise und in die- 
sem Winter fast sämmtlich zu Grunde 
gegangen sind. 

P. Laricio banatica Schenk und P. 
Laricio calabrica Delam. ‚ die wir beide 
durch den Professor Schenk in Würz- 
burg erhielten, sind gänzlich unversehrt 
geblieben. Ausser der Verschiedenheit 
im Habitns spricht auch die entschieden 
grössere Härte dafür, dass eine speci- 
fische Zusammengehörigkeit dieser bei 
den mit unserer P. Laricio zu bezwei- 
feln ist. 

P. Halepensis Pityusa (Stey.) die 
aus der Baumschule von Ohlendorff in 
Hamm stammt, hat nicht gelitten, wäh- 
rend eine P. abehasica (Fisch.), die wir 
früher durch den Prof. Schenk in Würz- 
burg erhielten, und die nach Gordon 
(The Pinetum) mit jener identisch sein 


I. Originalabhandlungen. 


soll, in dem viel gelinderen Winter von 
1861—62 erfroren ist. P,. Halepensis 
Ait, hält, wie mehrfache Versuche er- 
geben haben, hier nicht im Freien aus. 
Dreijährige Sämlinge von P. menspelien- 
sis Hort. (pyrenaica Lap.) haben, durch 
eine Nadelstreudecke geschützt, sich gut 
gehalten, 

Pinus Imeretina Booth Cat., 
neueingeführte, dreinadelige Kiefer, und 
P. mandschurica Booth Cat., fünfnadelig, 
sind, gänzlich ungeschützt, unversehrt 
geblieben. P, gigantea Hort., eine uns 
völlig zweifelhafte Species, mit langen, 
hellfarbigen, zu 2 stehenden Nadeln, 
die wir im vorigen Jahre in einem klei- 
nen Exemplare erhielten, ist erfroren. 

Die nordamerikanischen Arten: P. 
inops, P. resinosa, P. mitis, P. Taeda, 
P. rigida haben gar nicht gelitten, P. se- 
rotina Mx., die in schönen, schon ziem- 
lich starken Exemplaren vertreten ist, 
und sich bisher stets vollkommen hart 
gezeigt hatte, ist auch diesmal grössten- 
theils gesund geblieben, nur sind die 
obersten Spitzen des grössten Exempla- 
res abgestorben. Ob dies sicher für 
eine Wirkung der Kälte zu erklären ist, 
muss ich allerdings dahingestellt lassen. 
Die Härte von P. Strobus L. ist längst 
genügend constatirt; von P. Strobus 
compressa Hort. befanden sich jedoch 
zwei Pflanzen im Arboretum, von denen 
die eine die Nadeln gelblich gefärbt hat, 
die andere gänzlich zu Grunde gegangen 
ist. Auch hier scheint es aber zweifel- 


eine 


haft, ob der Frost überhaupt, oder we-| 


nigstens als alleinige Ursache zu be- 
trachten ist. 

Die californischen Kiefern sind durch 
P. ponderosa Dougl. und P. Lambertiana 
Doug]. vertreten, welche beide durch 
Einbinden mit Kiefernreisig etwas ge- 
schützt waren, Letztere zeigte einzelne, 


73 


geblieben, erstere ist gänzlich unver- 
sehrt. Beide scheinen daher hart zu 
sein; namentlich wird die schöne P. pon- 
derosa, die auch als P. Beardsleyi in 
den deutschen Gärten vorkommt, wohl 
ohne allen Schutz unsern Winter er- 
tragen, 

Pinus excelsa Wall. vom Himalaya, 
die seit 4 Jahren im Freien steht, und 
wie die vorige geschützt war, hat keinen 
Schaden gelitten. 

Von den Fichten (Abies) sind die 
europäischen (A. excelsa mit: ihren For- 
men) und die sämmtlichen nordamerika- 
nischen bekanntlich vollkommen hart. 
Ab. orientalis Poir., die früher nie ge- 
litten hatte, zeigte einige Zweige mit 
starkgebräunten Nadeln, die aber trotz- 
dem ihre Knospen kräftig entwickelt 
haben; bei A. obovata Led. war. dies 
ähnlich aber schwächer der Fall. 

Die Schierlingstanne (A. canadensis 
Mx.) ist längst hier eingebürgert und 
braucht daher kaum erwähnt zu wer- 
den. Die ihr sehr ähnlichen A. Merten- 
siana (?Lindl.) und A. Williamsonii Hort. 
(beide wahrscheinlich identisch) waren 
schon durch den vorletzten Winter be- 
schädigt (vermuthlich weil sie damals 
noch nicht genügend angewurzelt wa- 
ren); der diesmalige Winter scheint ih- 
nen jedoch keinen weiteren Schaden 
zugefügt zu haben. A. Menziesii Loud., 
die namentlich auf den Sitcha- Inseln, 
also im hohen Norden des westlichen 
Amerika einheimisch ist, hat, so weit 
sie über den Schnee herausragte, die 
sämmtlichen Nadeln abgeworfen, die 
Knospen haben aber trotzdem mit we- 
nigen Ausnahmen wieder ausgetrieben. 
A. Douglasii Lindl. aus Californien war 
allerdings durch Umlegen von Kiefern- 
reisig geschützt, steht aber ausnehmend 
kräftig und wird wohl diesen Schutz ent- 


gebräunte Nadeln, ist aber sonst gesund | behren können, 


74 Gartenflora Deutschlands, 
Von den Tannen (Picea) waren gänzlich 
unversehrt: die einheimische, die nord- 
amerikanischen, und die vom Altai und 
Kaukasus stammenden P. Pichta und P. 
Nordmanniana (von denen die erstere 
selbst härter als unsere einheimische 
P. pectinata sein soll.) Am Morgen des 
26. Mai’s trat ein starker Spätfrost ein, 
der ganz besonders den Tannen gescha- 
det hat, indem er die schon ziemlich 
entwickelten Triebe dieses Jahres ver- 
nichtete. Am meisten haben hierdurch 
die gemeine Weisstanne, sowie die übri- 
gen europäischen und asiatischen Arten 
gelitten, gar nicht dagegen die ameri- 
kanischen. 

Die aus Kleinasien stammende P. ci- 
lieica Hort., nach Endlicher nur eine Form 
der Weisstanne (P. peetinata leioclada 
Endl.) zeigte keine Beschädigung durch 
den Winter; allerdings war sie noch 
klein und daher durch den Schnee ge- 
deckt. DasGleiche gilt von den griechi- 
schen P. Reginae Amaliae (pelopone- 
sica Hort.) und P, Apollinis. Beide 
fangen sehr früh, am ersten von allen 
Tannen, zu treiben an, und es hatten 
die austreibenden Knospen schon durch 
die Fröste des ersten Frühjahrs etwas, 
doch unerheblich, gelitten; durch den 
erwähnten, letzten Frost sind die Triebe 
fast gänzlich zerstört. Bekanntlich wer- 
den P. cephalonica Loud. und P. (Ab.) 
Apollinis Rauch. gewöhnlich für iden- 
tisch gehalten, während Dr. v. Heldreich 
(Gartenfl. X. 286.) die Identität beider 
bestreitet. DiePflanzen, die wirunterbeiden 
genannten Namen erhalten haben, schei- 
nen übereinzukommen. Unsere P. ce- 
phalonica waren durch Umlegung von 
Kiefernreisig geschützt und haben über 
Winter gut ausgehalten , später aber 
ebenso, wie die vorigen, gelitten. 

Die prächtige P. Pinsapo Loud., in 
Spanien einheimisch, hatte bereits meh- 


Russlands und der Schweiz. 


rere Winter gut ertragen. Dieses Jahr 
sind an sämmtlichen Exemplaren die 
oberen Zweige stark beschädigt, und sie 
werden den ihnen zugefügten Schaden 
wohl schwer wieder verwinden, 

Die kalifornischen Tannen sind, was 
die Nomenklatur der Gartenpflanzen an- 
betrifft, keineswegs recht klar. Im 
Aprilhefte dieser Zeitschrift ist ein kur- 
zer Aufsatz über dieselben nach A.Mur- 
ray gegeben, doch ist hier, wie be- 
kanntlich bei allen Coniferen, die Be- 
stimmung kleiner Pflanzen sehr schwie- 
rig. Alle hier vorhandenen waren durch 
Umbinden mit Kiefernreisig geschützt. 

Picea grandis A. M. Nr. 2650., die 
wir aus den Flottbeeker Baumschulen 
von J. Booth u. Söhne erhielten, wahr- 
scheinlich dieselbe, dieLoud. (Arb,. brit. 
IV, 2341.) beschreibt, und die von al- 
len unserer einheimischen Tanne am 
ähnlichsten ist, scheint die härteste zu 
sein und möchte vielleicht ohne Schutz 
unsern Winter aushalten. P. Parsonsi 
Hort. angl., mit der eine P, grandis, 
aus der Laurentius’schen Gärtnerei zu 
Leipzig stammend, übereinkommt, hatte 
sich in früheren Jahren stets sehr gut 
gehalten, während diesmal die Nadeln 
grossentheils gebräunt waren. P. ama- 
bilis ? Murr., der vorigen äknlich, die 
sich schon früher empfindlich gezeigt 
hatte, hat fast alle Nadeln verloren, 
doch haben die Knospen ungestört aus- 
getrieben. P. nobilis Loud. und eine 
P. amabilis, die aus der Elvaston-Baum- 
schule bei Derby stammt, und von der 
vorgenannten verschieden ist (? vielleicht 
grandis Lamb.) sind unversehrt. 

Die hier vorhandenen Lärchen sind 
hart, 

Die Cedern (Cedrus atlantica, C. Li- 
bani und C. Deodara) waren mit Laub 
umsetzt und haben sich gut gehalten. 
Dass wir dieselben zu einer solchen 


I. Originalabhandlungen. 


Vollkommenheit bringen werden, wie 
dies z. B. in der Rhein- und Weser- 
gegend möglich ist, dürfen wir allerdings 
kaum hoffen. 

Cupressus Nutka@nsis Lamb. hat sich 
auch in diesem Winter als völlig hart 
bewährt. C. Lawsoniana Murr. war mit 
Laub umsetzt, dürfte aber vielleicht 
dieses Schutzes entbehren können. (Die 
neu eingeführte, buntblättrige Spielart 
scheint allerdings zärtlicher zu sein). 
:C. funebris Endl., die, wie die vorige 
geschützt, einige Winter überdauert 
hatte, ist erfroren. Cryptomeria japo- 
nica, in gleicher Weise behandelt, hat 
nicht erheblich gelitten, wird sich aber 
hier, im Freien stehend, doch wohl nie 
zu schönen Pflanzen entwickeln. 

Von Wellingtonia gigantea waren 
hier 2 sehr schöne Exemplare vorhan- 
den, die seit einigen Jahren im Freien 
standen. Sie waren mit Bügeln 'über- 
spannt, die dick mit Kiefernreisig über- 
deckt waren, aber trotzdem haben sie 
ihre sämmtlichen Seitenzweige bis zum 
Stamme eingebüsst. Auffallender Weise 
sind bei beiden die Gipfel und die die- 
sen zunächststehenden kleinsten Zweige 
gesund geblieben, und aus den Stäm- 
men brechen überall neue Triebe her- 
vor, eine mir nicht erklärliche Erschei- 
nung, die in direktem Widerspruche mit 
der allgemeinbekannten Erfahrung steht, 
dass bei einem empfindlichen Gehölz die 
obersten Spitzen stets zuerst leiden. Für 
jetzt haben natürlich die Exemplare an 
Schönheit wesentlich verloren, und wenn 
sie sich auch vielleicht wieder erholen, 
so ist doch unsere Hoffnung, diese 
prächtige Conifere hier ohne Schutz 
eultiviren zu können, bedeutend herab- 
gestimmt, 

Retinispora ericoides Sieb., aus Ja- 
pan, hat auch diesen Winter ohne allen 
Schutz sehr gut ertragen, nur sehr ver- 


15 


einzelte, kleine Zweige an der Nordseite 
der Sträucher sind der Kälte unter- 
legen. Von Chamaecyparis sphaeroidea 
Spach, hat auch die buntblättrige Form, 
die zuweilen für empfindlich gehalten 
wird, nicht gelitten. 

Von Taxodium distichum Rich, be- 
finden sich in der Nähe des hiesigen 
Schlosses 2 starke Bäumen von 36 Fuss 
Höhe und 30 Zoll Stammdurchmesser, 
die sich vollkommen unempfindlich gegen 
die Kälte unserer Winter zeigen; die 
kleinen Exemplare der Baumschule und 
des Arboret’s leiden dagegen, trotzdem 
sie geschützt werden, alljährlich an den 
Spitzen der Zweige. T. sinense Nois. 
war, wie bisher, auch diesen Winter 
durch Einbinden mit Kiefernreisig ge- 
schützt, hat sich aber stets so gut ge- 
halten, dass dieser Schutz vielleicht über- 
flüssig sein dürfte, 

Von den ächten Thuja stand hier 
ausser den längst als vollkommen hart 
bekannten Th. oceidentalis. Th. plicata 
und Th. Warreana nur Th. gigantea 
Nutt., aus Nordwestamerika, seit längerer 
Zeit im Freien. Die noch kleinen Exem- 
plare waren über Winter durch Umbin- 
den mit Kiefernreisig geschützt, und 
haben sich gehalten, doch stehen sie 
noch zu kümmerlich, um ein Urtheil zu 
erlauben. Eine Th. plicata pendula, 
welehe wir aus England erhielten, ist 
etwas gebräunt, und scheint daher nicht 
ganz so hart, wie die ächte Th. pli- 
cata Don, zw Th. Menziessii 
Dougl. ist erst jetzt in das Freie ge- 
bracht. 

Biota orientalis mit ihren zahlreichen 
Formen undB, tatarica sind bekanntlich 
etwas empfindlich unser Klima. 
Sie waren zum Theil durch Einbinden; 
theilweise gar nicht geschützt, der Fr- 
folg ist aber bei allen derselbe gewesen, 
d. h. einzelne. kleine Zweige der sonst 


sein, 


gegen 


76 


gesund gebliebenen Pflanzen haben durch 
die Kälte gelitten. Eine Biota Wallichii, 
die wir im vorigen Jahre aus der kgl. 
Landesbaumschule zu Sanssouci erhiel- 
ten, 


andere, als B. Skinneri bezeichnet, ist 
bis auf das alte Holz erfroren. B. pen- 
dula Endl. ist, geschützt, gut geblieben. 
B. Meldensis Laws. war mit Laub um- 
setzt, da sie schon in früheren Wintern 
stets gelitten hatte, ist aber trotzdem 
zu Grunde gegangen. 

Von den hier vorhandenen Juniperus- 
Arten waren nur J. hemisphaerica Presl., 
aus Südeuropa, und J. recurvaDon, von 
Nepal, mit Kiefernreisig gedeckt, die 
sich beide gut gehalten haben. J. ri- 
gida Sieb., aus Japan (syn: J. oblonga 
pendula Hort.) mit gleichem Material 
umbunden, ist, wie bereits früher, auch 
dieses Jahr bis zum Schnee erfroren, 
und es dürfte daher seine Cultur im 
Freien hier aufzugeben sein. 

Alle übrigen waren nicht geschützt. 
J. Schottii, A. M. Nr. 2739 und J. mon- 
golica Booth Cat. haben stark gelitten, 
doch ohne gänzlich erfroren zu sein; 
Juniperus squamata Don, aus Nepal, und 
J. japonica Carr. aus Japan haben ein- 
zelne Zweige verloren, sind aber sonst 
gut geblieben. Von J. Oxycedrus sind 
wenige kleine Zweige erfroren und die 
bereits ausgetriebenen Knospen theil- 
weise durch die Spätfröste beschädigt. 
Eine ähnliche Beschädigung einzelner 
Zweige zeigen: J. virginianaglauca und 
J. virginiana fol. varieg. Als vollkom- 
men hart haben sich, ausser den älte- 
sten und verbreitetsten, als hart be- 
kannten, bewährt. J. nana Willd. J. ru- 
fescens Lk., J. thurifera H. b. Hal., J. 
hispanica H. b. Hal., J. oblonga Bich., 
J. caesia H.Petrop., J. sphaerica Lindl., 
J. chinensis mas et. foem., J. Struthiana 


hat, eingebunden. einige Zweige | 
verloren, die Spitze aber behalten, eine | 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Rinz. Cat,, J. virginiana pendula Hort., 
J. sabinuoides, Gord. J. prostrata Pers. 

Verhältnissmässig am meisten haben 
die Taxineen durch den letztverflossenen 
Winter gelitten. Taxus canadensis Willd., 
wie ebenso T. baccata und seine sämmt- 
lichen Formen sind in den oberen Thei- 
len stark beschädigt; am meisten T. b. 
fastigiata Loud. (hibernica Hook.), T. b. 
erecta Loud. und T. b. pendula (Dova- 
stonii Hort.) Alte Taxus an geschützte- 
ren Stellen des Parkes zeigen wiederum 
keine Spur eines erlittenen Frostscha- 
dens. 

Taxus adpressa Knight, von den Ge- 
birgen Japans, der schon einige Winter 
beschützt ausgehalten hatte, war mit 
Bügeln überspannt und stark mit Kie- 
fernreisig überdeckt, ist aber trotzdem 
erfroren. 

Von den ebenso beschützten Cepha- 
lotaxus ist C. drupacea gänzlich zu 
Grunde gegangen, C. Fortunei starb, 
C. coriacea Hort. Sanss. nur wenig be- 
schädigt. Von €. pedunculata Sieb. 
(Taxus Harringtonii Hort.) hat ein Exem- 
plar unbeschützt ausgehalten. Torreya 
nucifera, nur erst durch kleine Exem- 
plare, die bedeckt waren, vertreten, hatin 
den Spitzen gelitten. 

Die Salisburien waren über Winter 
unversehrt geblieben; erst die letzten 
Spätfröste scheinen ihnen einigen Sche- 
den zugefügt zu haben. Die Meerträu- 
bel (Ephedra) haben den Winter aus- 
gehalten. 

Durchschnittlich besser als die Co- 
niferen sind die Laubhölzer durch den 
letzten Winter gekommen; auch auf 
alle diese specieller einzugehen, würde 
jedoch den Raum dieses Artikels weit 
überschreiten. 

G. Kirchner. 
NB. Wir veröffentlichen diesen 
Aufsatz unseres geehrten Freundes erst 


I. Originalabhandlungen. 7; 


jetzt, weil solcher zufällig verlegt wor- |reichen Freunde der Familie der Coni- 
den war. Derselbe hat aber noch jetzt | feren, — (E. R.) 
das gleiche Interesse für alle die zahl- 


4) Anzucht der Verbenen aus Samen und eine Verbenen- 
Aussaat, 


Ausser meinen Special-Culturen von | Sommer auf freiem Feld nur langsam 
Rosen und Nelken, beschäftige ich mich | entwickelten, bei alledem aber im Herbst 
mit besonderer Vorliebe in der Anzucht | einen schönen und reichen Flor bildeten. 
neuer Sorten von Petunien und Verbe- | Das Resultat dieser Samenaussaat ist 
nen aus Samen. Die Verbena als eine | gewiss für manchen Blumenfreund und 
unserer dankbarsten Freilandpflanzen all- | Gärtner interessant und gewährt ohn- 
bekannt, wurde in den letzten 5 Jahren | gefähr folgenden Ueberbliek: von eirca 
durch wahrhaft prachtvolle Neu-Züch- | 6000 Stück Sämlingen waren 
iungen bereichert, und durch die be- | 250 mit italienisch gestreiften Blumen, 


kannten italienischen gestreiften Sorten | 750 ,, blassrothen Färbungen, 

entstand ein vollständigneues Geschlecht, | 400 ,„ dunkel- und scharlachrothen 

das von den Blumenfreunden mit grosser Färbungen, 

Freude aufgenommen wurde. 150 , weiss und weisslichen Fär- 
Aber immer weiter wird die Vervoll- bungen, 

kommnung solcher Modeblumen ange- | 800 ‚, blauen und dunkelblauen Fär- 

strebt und gewiss nicht olıne Erfolg, bungen, 

das beweist meine im vergangenen Jahre | 500 ,‚, lillaundaschblauen Färbungen, 

gemachte grössere Aussaat von Verbe- | 500 ‚, diversen Grund und Zeich- 

nen-Sämlingen, nungsfarben, 


Um einen sichern Erfolg von meinen | 2000 ohne blumistischen Werth, 
Verbenen- Aussaaten zu haben, bediene | 500 kamen nicht zur Blüthe, 
ich mich auch hier künstlich befruchteten | 50 ausgewählte Prachtsorten. 
Samens von den anerkannt besten | Aus den letztgenannten 50 ausge- 
Sorten. wählten Prachtsorten sollen 12 Stück 
Den Samen säe ich Ende März oder | der besten herausgenommen und dem 
Anfang April in ein halbwarmes oder | Handel übergeben werden und erlaube 
warmes Mistbeet, schliesse den Kasten | ich mir schon jetzt Blumenfreunde wie 
8 Tage lang vom Licht ab, wodurch der | meine Collegen auf diese gewählte Col- 
Keimungsprocess sehr befördert wird, | lection gefälligst aufmerksam zu machen. 
später an Licht und Luft gewöhnt, wach- Blumenfreunde, welche gesonnen 
sen die jungen Pflanzen kräftig vor- | sind, Verbenen aus Samen zu ziehen, 
wärts, verweise ich auf meine darauf bezügliche 
Von den gewonnenen Verbenen- | Annonce. 
Samen-Pflanzen wurde circa ®/4 Acker | Bernhard Thalacker, Kunst- und Handels- 
bepflanzt, die sich in den ungünstigen | gärtner in Erfurt. 


78 


5) Sanvitalia procumbens 


Auf der grossen Ausstellung, wel- 
che vom 9.— 17. September vorigen 
Jahres in Erfurt abgehalten wurde, war 
eine von vielen Tausenden wohl über- 
sehene, aber gewiss von jedem Gäfrt- 
ner mit Freuden begrüsste Erschei- 
nung die Sanvitalia procumbens mit ge- 
füllten Blumen. Diese Pflanzen standen 
in Töpfen, und zeigten noch ihre ganze 
Frische, während die Beete im Garten 
des Ausstellers, Herrn Volkmar 
Döppleb, Handelsgärtner in Erfurt, 
schon verblüht waren. Die Pflanze ist 
wirklich reizend. Die ganze Scheibe, 
welche bei der Stammart schwärzlich ist, 
hat sich in breite, schuppenartig über- 
einanderliegende Blätter verwandelt, so 
dass die Blumen einem Goldpanzer glei- 


chen. Mir schien sogar, als sei die 
Farbe ein lebhafteres Orangegelb ge- 
worden. War schon die gewöhnliche 


Sanvitalia eine überall gern gesehene 
Blume, so ist die gefüllte Spielart von 
mehr als noch einmal so grossem Werth 
und nach meiner Ausicht die beste aller 
niedrigen gelben Blumen zu Teppigbee- 
ten und breiten Einfassungen. Ich kenne 


6) Beitrag zur Cultur 


Es unterliegt keinem Zweifel mehr, 
dass Lilium giganteum eine Pflanze des 
freien Landes ist, eine Erfahrung, die 
man wohl in den letzten Jahren vielfach 
gemacht haben mag. Die Cultur ist 
sehr einfach, und die Schwierigkeit be- 
steht nur darin, dass man jedes Jahr 
blühende Pflanzen hat, was nur beieiner 
grössern Anzahl von Zwiebeln der 
Fall ist. 


| lich spasshaft. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


fl. pleno, und ihre Cultur, 


kaum eine Blume, ausser Astern und 
Levcojen, wo die Füllung (hier eigent- 
lich blos Veränderung der Scheibenblüm- 
chen) eine so auffallende, vortheilhafte 
Veränderung hervorgebracht hätte. 

Die Cultur ist die aller einjährigen 
Blumen. Sorgfalt beim Sammeln des 
Samens und Absonderung der gefüllten 
Pflanzen von den einfachen ist wohl 
das Wichtigste. Nach den Beeten im 
Garten des Herrn Döppleb zu urtheilen, 
müssen die Blumen sehr gut in’s Ge- 
füllte fallen, und sie werden immermehr 
an Beständigkeit gewinnen. 

Man hat dieser neuen Spielart den 
Namen Sanvitalien-Röschen gege- 
ben, was der Züchter (nach einer münd- 
lichen Aeusserung gegen mich) nicht 
billigt. Und darin hat er vollkommen 
Recht. Herr Deegen konnte wohl 
seine gefüllten Portulaca ,‚Patulakröschen“ 
nennen, da sie in der That wie Röschen 
aussehen; aber dieses Röschen noch 
weiter in die Blumensprache für gefüllte 
Blümehen einzuführen, wäre doch eigent- 


J. 


von Lililum giganteum. 


| Im Mai 1864 pflanzte ich eine etwa 


6° lange Zwiebel, nachdem sie vorher 
im Kalthause im Topfe nur schwach 
getrieben hatte, in das freie Land, in 
eine Mischung von grober Haideerde 
mit humosem Lehm (Rasenabstich aus 
Sumpfgräben) und Sand, und zwar so, 
dass die Zwiebel reichlich halb über der 
Erde zu stehen kam. Der Platz war 
so beschaffen, dass in 10° Entfernung 


I. Originalabhandlungen. 


dichte Pflanzungen von Thuja den West- 
wind abhalten und so hbeschatten, dass 
die Sonne nur früh bis 8 Uhr, dann 
wieder von 11—-12 Uhr auf die Pflanze 
schien. Der Boden umher wurde mit 
Moos belegt. Die Umgebung bestand 
meist aus Epheu, welcher den Boden 
bedeckt, und Moos. Ende Juni waren 
alle Blätter ausgebildet, aber es bildete 
sich kein Blüthenschaft. Die Blätter 
sind ebenso schön, dass auch nicht 
blühende Pflanzen eine Zierde des Gar- 
tens sind. Nachdem die Blätter voll- 
kommen ausgebildet waren, liess ich 
nur wenig mehr giessen. Die Blätter 
starben erst im October ab. Im Novem- 
ber wurden sie glatt abgeschnitten und 
nach einigen Tagen liess ich die Be- 
deckung vornehmen. Dies geschah ein- 
fach dadurch, dass ich ein Häufchen 
Tannennadeln etwa 2‘ breit und 1!/,‘ 
hoch über die weit aus der Erde vor- 
stehende Zwiebel schütten liess. Darüber 
wurde, um das Wasser abzuhalten, ein 
Strohschirm gestellt. Dies ist beiläufg 
gesagt, die beste Bedeckung gegen 
Nässe und Kälte. Man bindet einen 
Büsehel Stroh so zusammen, als wollte 
man Bäume zum Versenden einpacken, 
und breitet das Stroh gieichmässig nach 
allen Seiten aus. Anstatt Nadeln kann 
man zur Bedeckung auch alte trockne 
Gerberlohe nehmen, die ich überhaupt 
als gutes Deckmittel, namentlich auch 
für niedergelegte Gehölze kennen lernte. 

Der Winter von 1864/65 war be- 
kanntlich überaus lang und hart. Erst 
am 6. April trat das Thauwetter voll- 
ständig ein. Die erste Pflanze, welche 
ich untersuchte, war meine Lilie. Der 
Platz war noch nicht viel vom Thau- 
wetter berührt worden und ich fand den 
Strohschirm auf einer Seite noch ange- 
froren. Als ich 


die Nadelbedeckung | Grad R. 


79 


Blattstiele und die Zwiebeldecke (Ober- 
haut der Zwiebel) gefroren, so dass 
beim Drücken Eis hervortrat. Ich fürch- 
tete, dass die ganze Zwiebel verloren 
sein möchte, aber als ich weiter unter- 
suchte, zeigte sich bereits die Spitze 
des neuen Triebes der Zwiebel zwischen 
den Blattstielresten, und zugleich fand 
ich am Fusse der Zwiebel 4 junge 
Triebe aus Brutzwiebeln. Und dies war 
der Zustand der Zwiebel, als der Boden 
ringsumher noch gefroren war, — sicher 
ein Beweis, dass Lilium giganteum eine 
Pflanze kalter Gegenden ist. 

Ende April war die Lilie schon 1’ 
hoch und zeigte den Anfang zur Bildung 
des Blüthenschaftes. Dieser entwickelte 
sich so rasch, dass im Juni schon die 
Knospen erschienen. Die Blätter blieben 
viel kleiner, als im Jahre vorher. Als 
der Stengel sich eniwickelte, liess ich 
wöchentlich einmal mit einer schwachen 
Guanolösung giessen, überhaupt stark 
giessen, indem das Wasser durch Lö- 
cher auch in die Tiefe geleitet wurde. 
An der Oberfläche des Bodens traten 
die Wurzeln zu Tage, und zeigten an, 
dass eine Auffüllung nöthig sei. Ich 
bedeckte sie aber nur stark mit Moos. 
Schon in den ersten Tagen des Juli 
oder gar ‘Schon im Juni öffnete sich 
bei 8° Schafthöhe die erste oberste 
Blüthe und nach 5—6 Tagen standen 
alle 13 Blumen in Blüthe. Sie waren 
besonders prachtvoll zwischen 11 und 
12 Uhr, we sie von der Sonne getrof- 
fen wurden. Der Duft verbreitete sich 
mehrere hundert Schritte weit und wurde 
sal herrlich gepriesen, sagte aber mei- 
nem individuellen Geschmack nicht zu, 
und glich am meisten dem der Azalea 
pontica. Leider fiel die Blüthezeit in 
die heissesten Tage des Sommers (39 
im Schatten), und nachdem 


beseitigte, fand ich die Ueberreste der ! erst einzelne Blumenblätter gefallen, war 


30 


die Pracht in einem Tage vorüber. 
Blüthezeit hat diesmal nicht über 10 
Tage gedauert, vom Aufbrechen der 
ersten obersten Knospe gerechnet. 
Meine Bemühung die Blumen zu be- 
fruchten, war vergeblich. So oft ich 
auch untersuchte, ich fand keinen Pol- 
len auf den Antheren und diese so hart 
und trocken wie Holz. Gleichwohl ha- 
ben fast alle Blumen Samen angesetzt 
und, wie ich glaube, gut zur Reife ge- 
bracht, ein Beweis, dass die Befruch- 
tung vor Oeffnung der Blüthen vor 
sich gegangen sein muss. Der Blüthen- 
schaft hatte die alte Zwiebel vollständig 
aufgezehrt, förmlich mechanisch in die 
Länge gezogen, denn sie war viel dün- 
ner geworden, und es blieb nichts übrig, 
als die Oberhaut der Zwiebel um den 
Fuss des Schaftes. Als im October der 
Schaft noch keine Anstalten zum Ein- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Die | trocknen machte, liess ich ihn einpflan- 


zen und in ein luftigs Haus stellen. Er 
wurzelte natürlich nicht an, und der 
Erfolg wäre wohl derselbe gewesen, 
wenn man den Schaft abgeschnitten und 
aufgehangen hätte. Die Samen sind an 
einem 'mässig warmen Orte am Stengel 
nachgereift, und scheinen zum grossen 
Theil keimfähig. Glückt die Aussaat, 
so werde ich die jungen Pflanzen schon 
im ersten Jahre in das freie Land brin- 
gen. Die Brutzwiebeln liess ich ein- 
pilanzen, da sie an dem alten Platze 
doch nicht stehen bleiben konnten. Sie 
sollen nach kühler Ueberwinterung in’s 
Freie gepflanzt werden. Die Herbst- 
pflanzung ist durchaus nöthig, und es 
ist vortheilhafter, dieselbe in Töpfen zu 
bewirken. Lässt man die Zwiebeln un- 
getheilt, so bilden sich mehrere schwa- 
che Blüthenschafte, J. 


. 


%) Einfluss der Sommerwärme auf die nächstjährige Blüthe der 
Zwiebelgewächse. 


Ich habe schon mehrmals, nament- 
lich 1861 die Bemerkung gemacht, dass 
in Folge des vorhergegangenen unge- 
wöhnlich kühlen Sommers die Kaiser- 
kronen (Fritilaria imperialis), sowie auch 
einige Lilien schwach oder gar nicht 
blühten. Es ist dies besonders auffal- 
lend bei einer Pilanze, welche eine so 
kurze Vegetationszeit hat und im Mai 
schon abgestorben ist. Gegenwärtig 
glaube ich die gegentheilige Erfahrung 
gemacht zu haben, nämlich, dass die 
ungewöhnlich hohe Sommerwärme von 
1865 auf die Zwiebeln Einfluss gehabt hat. 
Ich setze gewöhnlich dieerstenTreibhyazin- 
then Mitte November warm, und bin zufrie- 
den,wennich sieW eihnachten oderNeujahr 
zur Blüthe gebracht habe, da man diese 
ersten Zwiebeln nicht zu warm stellen 


| zinthen (Homerus und Görres). 


| darf, Dieses Jahr (November 1865) fand 


ich die Zwiebeln um diese Zeit auffal- 
lend im Tried und den Wurzeln zurück, 
was ich auf die ungewöhnliche Trocken- 
heit der Erde, in welche die Töpfe ein- 
gegraben waren, schiebe, indem Niemand 
an Begiessen gedacht hatte, weil dies 
sonst nicht nöthig war. Die Zwiebeln 
wurden daher aus Vorsicht nur mässig 
warm gesetzt. Gleichwohl hatte ich am 
10. oder 12. December blühende Hya- 
Sollte 
dies nicht eine Folge der ungewöhn- 
liehen Wärme des vergangenen Früh- 
jahrs sein? Und liess sich nicht eine 
dieselbe Wirkung hervorbringende Cul- 
tureinrichtung treffen, etwa ein Bedecken 
der Hyazinthenbeete im Freien mit Glas- 
kästen ? J. 


H- 
CP URT DEF Lo IHRE, he vo 12081039 IDG 
PER ai 


7 


II. Neue Zierpflanzen. 


Si 


1. Neue Zierpflanzen. 


a) Abgebildet in Illustrations hor- 
ticole. 


1) Miltonia cereola Lem. Orchideae. — 
Eine sehr schöne Pflanze, die Hr. Gauthier 


entdeckt, und an das Etablissement von 


Verschaffelt eingesendet hat. Blumen in 


einer Traube, milchweiss, ungefähr 3 Zoll 


im Durchmesser. Die äussern Blätter 
Blüthenhülle schmal lanzettlich , 
breiter. 


der 


Die Lippe bildet ein längliches 
Viereck, vorn ausgerandei und mit kurzer 


hornförmiger Spitze in der Ausrandung auf 


der Scheibe mit zonenförmiger, violett strah- 


stiel. — (tab. 446). 

2) Althernanthera sessilis R. Br. var. 
amoena. Amarantaceae, — Eine niedrige, 
vom Grunde aus stark verästelte einjährige 
Pflanze, die in den Tropen der alten und 
neuen Welt heimisch ist. 
wig verkehrt-oval und bei der von Lemaire 


Eine hübsche einjährige Decorationspflanze, 
die gleich dem Amarantus tricolor im war- 


zogen wird. — (tab. 447). 

3) Camellia Adriana. : Schr 
Camellie, mit sehr grossen rosa-kirschrothen 
' regelmässig gefüllten Blumen. — (tab. 448). 


splendens Lem. — 
im tropischen Amerika heimisch. Die schöne 


Abart, von der tab. 449 der Ill. horticole | erwähnt worden. — (tab. 535.) 


eine Abbildung giebt, stammt aus Mexiko. 
Grünliche Blumenblätter mit braunen Quer- 
binden und eine rosenrothe Lippe zeichnen 
solche aus. — 

5) Rhododendron Duchesse de Nassau. 
Diese schöne, in Belgien und den mildern 
Gegenden Deutschlands ausdauernde Abart, 


trägt grosse kugelförmige Dolden schön ro- | 


II. 1866. 


| Esther 


| stand 
schöne | 
| sich 
| Arten aus. 
4) Odontoglossum bictoniense Lindl. var. | 
Das O. bietoniense ist | 


sarother, im Schlunde weisser und roth ge- 
tupfter Blumen. — (tab. 450). 

6) Pyrethrum (Chrysanthemum) sinense 
Cass. Liliput-Varietäten. — Die Tafel 451 


| giebt die Darstellung von 5 neuen Liliput- 
in der Brasilianischen Provinz St. Catherine | 


Chrysanthemum, die von der Wittwe Lebois 
in Toulouse erzogen worden sind. Es sind 
alle nach der Abbildung zu schliessen, vor- 
züglich schöne Sorten. Die kleinen Köpfe 


| bestehen aus dicht dachziegelförmig überein- 
die innern | 


ander liegenden Bandblumen. Davon sind 
Himmer dunkelroth mit weiss, — 
Md. Schmidt, Ami Feille und Mimi Crouzat 


gelb mit roth, Justine Tessier hat weisse 


| Scheiben und rosa Randblumen und Paques 
liger Zeichnung. Der M. Regnelli Rchb. fil. | 


nahe verwandt, aber verschieden durch stiel- | 
runden nicht eckigen Schaft und sehr kleine | 
Bracteen, die 6mal kürzer als der Blüthen- | 


Fleuries ist rein weiss. 


b) Abgebildet im Botanical 
zine. 


Maga- 


7) Calathea Veitchiana J. Vertch. Ma- 
rantaceae. — Es ist das die prächtige 


| Pflanze, die von uns mehrfach (Grtf. 1864. 
| pag. 239) als die schönste in neuerer Zeit 
| eingeführte Blattpflanze, 
Blätter spateltör- | 


als Maranta Veit- 
ehii, erwähnt worden ist. Ward von Pearce 


| aus dem südwestlichen tropischen Amerika 


abgebildeten Form theils schön roth gefärbt- |in den Garten von Veitch eingeführt und 


von J. Veitch 


zum Andenken seines Va- 


| ters benannt. Mit ©. zebrina nahe verwandt 
men Treibbeete oder im Warmhause ange- | 


in Blatt- und Blumenbildung. Der Blüthen- 
trägt der Spitze einen klei- 
nen Schopf steriler Bracteen und zeichnet 
hierdurch von allen andern bekannten 
Die prächtige Zeichnung der 
oval-elliptischen stumpfen dunkelsammetgrü- 
nen Blätter mit 3 smaragdgrünen unregel- 
mässigen Längsbinden, ist von uns schon 


auf 


8) Dianthus chinensis laciniatus. — 
Vergleiche Grifl. 1858 pag. 219. — (tab. 
5536). Wir bemerken hierzu noch, dass 
dies die gleiche Pflanze ist, die Lemaire in 
Ilustrations horticole tab. 388 und Morren 
in Belgique horticole 1865 pag. 161. als D. 
eircinatus abbilden. 

9) Stachytarpheta bicolor J. Hook. Ver- 

6 


82 


Stachytarpheta 
aus Brasilien. Halbstrauchig. Blätter oval 
oder oval-lanzettlich, spitz, gesägt, am 
Grunde in einen kurzen Blaittstiel verschmä- 
lert, kahl. Blumen in Aehren lose gestellt. 
Bracteen pfriemlich, Blumenkrone röhrig- 
trichterförmig, fast noch einmal so lang als 
der Kelch. Blumenröhre oberhalb des Grun- 
des knieförmig gebogen himmelblau, Biu- 
mensaum kurz zurück gebogen, Fruchtkno- 
ten am Grunde höckerig. Eine hübsche 
Pflanze, aber doch mehr nur für Botanische 
Gärten. — (tab. 5538). 

10) Mesembrianthemum acınacıforme L. 
Crassulaceae. — Das bekannte Mes. acina- 
eiforme mit grossen violetten Blumen, vom 
Vorgebirge der guten Hofinung. — (tab.5539). 

11) Dendrobium Johannis Rchb. fil. Or- 
chideae. — Unser geehrter Freund H. G. 
Reichenbach hat im Gardeners Chroniele 
(Sept. 1865), dieses neue ausgezeichnete 
Dendrobium, das Veitch von der Nordküste 
Australiens kürzlich eingeführt hat, kürzlich 
beschrieben. D. Hooker giebt nun die Ab- 
bildung. Stengel gestreckt, beblättert. Blu- 
men in aufrechten langen achselständigen 
Trauben. Blumenblätter bandförmig, wellig 
braun. Lippe am Grunde mit Nagel, läng- 
lich und nach vorn keillörmig ausgebreitet, 
3lappig, gelb und roth gezeichnet. Eine 
sehr ausgezeichnete neue Art mit reichblu- 
migen Trauben, deren einzelne Blumen aber 
gegenüber den andern prächtigen Arten die- 
ser Gattung unbedeutend sind. — 

12) Jonopsis paniculata Lindl. Orchi- 
deae. — Eine reizende Orchidee Brasiliens, 
eingeführt von Hugh Low u. Comp in Clap- 
ton bei London. Stengel kurz, ohne Schein- 
knollen und linear-lanzettliche gekielte Blät- 
ter tragend. Aus den Achseln der Blätter 
entspringt der gracile rispig verästelte Blü- 
thenschaft, der gleichzeitig eine Masse zier- 
licher schöner zart weisser Blumen in Trau- 
ben trägt. Die Kelchblätter aufrecht, lan- 
zettlich, spitz, die beiden seitlichen am Grund 
in einen sackförmigen kurzen Sporn ver- 
wachsen. Blumenblätter etwas breiter, an 
der Spitze abgerundet, mit kurzem aufge- 
setztem Spitzchen. Lippe bedeutend grösser 
als die Blumenblätter, *%, Zoll lang; der 


benaceae. Eine neue 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Lippengrund nagelförmig mit 2 ohrförmigen 
Läppchen, der Vordertheil der Lippe ist ein ein 
bis fast ein Zoll breiter und /, Zoll langer, 
vorn flach abgerundeter und herzförmig ge- 
kerbter Lappen, der am Grunde ein rothes, 
Fleck trägt. Die Grifielsäule kurz, flügellos. 
— Diese wahrhaft reizende Orchidee, ward 
gleichzeitig in mehreren Abarten eingeführt, 
von denen. die einzelnen Blumen von rein. 
weisser Farbe, die andere wie die in Rede 
stehenden weiss mit rothem Fleck auf der: 
Lippe, wieder andere weiss und gelb gefärbt 
waren. Prof. Reichenbach hält diese J. pe- 
nieulata nur für eine Form von J. utrieu- 
larioides. — (Tab. 5541). 

15) Calathea tubispatha D. Hook. Ma- 
rantaceae. — Eine neue sehr beachtens- 
werthe Einführung aus dem südwestlichen 
Amerika, entdeckt vom Sammler der Herren 
Veitch, Hr. Pearce.— Stengellos, durchaus kahl. 
Blätter verkehrt oval-elliptisch, kurz zuge- 
spitzt, am Grunde abgerundet oder leicht 
herzförmig, freudig grün, auf der obern 
Seite beiderseits mit einer unregelmässigen 
hellgrünen Zone und in dieser Zone zwi- 
schen den Seitennerven mit einem braunro- 
then Fleck gezeichnet. Der graeile Blüthen- 
schaft trägt eine kurze Blüthenähre, die 
von 2 dütenförmig die Blüthenähre umhül- 
lenden Braeteen gestützt ist. Blumen gelb. 
Diese ausgezeichnete neue Dekorationspflanze 
fürs Warmhaus, erinnert so lebhaft an die 
von Linden in Amsterdam ausgestellte (ala- 
thea pavonina C. Koch, dass wir solche für 
identisch mit letzterer halten möchten, der 
von Koch gegebene Name würde dann die 
Priorität haben. — (tab. 5542) 

14) Pachypodium sueculentum A. D. €. 
Apocynaceae. — (D. C. prodr. VIII pag. 
423). Eine eigenthümliche und schöne Pflanze 
Südafrikas. Aus einem diekem suceulentem 
knollenförmigem Stock erheben sich be- 
blätterte Stengel, die auf ihrer Spitze die 
doldenförmige Blüthentraube und zwischen 
den Blätter gepaarte Stacheln tragen. Blät- 
ter lanzettlich, spitz, ganzrandig, unterhalb 
behaart. Blumen gross, 2 Zoll im Durch- 
ınesser, von aussen lebhaft rosarotlı, und 
gestreillem Saum und 


mit weissem rosa 


‚Sehlund, (tab. 5543.) 


II. Neue Zierpflanzen. 


15) Abtonia fragrans Nurt. Nyetagt- 
neae. (Nuit. in Kew Journ. of Bot.V. pag. 
261. — Torr. et Gray, in Bot. of Gunni- 
son’s exped. pag. 14 tab. X.) — Diese 
schöne Pflanze wächst auf Sandhügeln im 
Gebiete des Missouri an der westlichen Seite 
des Felsengebirges. Stengel niederliegend, 
aufsteigend. Blätter gegenständig gestielt, 
länglich-oval, stumpf, lax behaart oder kahl. 
Blüthenstiele länger als die Blätter, achselstän- 
dig, tragen eine grosse kopfförmige dichte 
Dolde weisser Blumen, die am Grunde von 
einer Hülle breit-ovaler Bracteen gestützt 
ist. Die Lappen der weissen Blumenkrone 
abgerundet und zweispaltig. Nach dem Na- 
men zu schliessen sind die Blumen wohlrie- 
chend. Hooker sagt nicht, ob es eine pe- 
rennirende oder einjährige Pflanze ist. Sollte 
es, wie wir vermuthen, eine perennirende 
Pflanze sein, so dürfte sie noch im Klima 
von Deutschland zu den im freien Lande 
ausdauernden Perennien gehören und eine 
Acquisition von grossem Werth für unsere 
Gärten sein. — (tab. 5544). 

16) Begonia Pearcii Hook. Begonia- 
ceae. — Eine schöne neue Begonia, die 
Pearce in La Paz sammelte und Veitch ein- 
sendete. Stengel aufrecht, beblättert, weich- 
haarig. Blätter ziemlich gross, schief herz- 
förmig oval, zugespitzt ‚doppelt gekerbt-ge- 
sägt, oberhalb metallgrün und mit hellern 
Nerven gezeichnet, unterhalb röthlich. Blü- 
thenstiele achselständig, länger als die Blät- 
ter, zweiblumig. Blumen gross schwefel- 
gelb. — Der B. cinnabarina verwandt. Ge: 
hört als Dekorationspflanze mit scbönen 
Blättern und ebenso wegen der grossen gel- 
ben Blumen, zu den sehr beachtenswerthen 
Neuheiten fürs Warmhaus. — (tab. 5545). 


e) Abgebildet in Belgique horti- 
cole. 


17) Billbergia pallescens C. Koch. Bro- 
meliaceae. — C. Koch in app. ind. sem. 
horti Berol. 1836. — Beer Brom. pag. 122. — 
Eine mit B. amoena nah verwandte Art. — 
(tab. 5—6 pag. 65. 1865.) 


18) Aphelandra ornata T. Anders. (Journ. 


ot Bot. 1864. pag. 269 cum ie. — Lagochi- 
lium ornatum N. ab. Esb. in D. C. prodr. 


) 


3 


\ 


reg. veg. tab. XI. pag.”291). — Acantha- 
ceae. — Eine sehr schöne Pflanz® fürs 
Warmhaus, die Porte im Jahre 1858 aus 
Bahia an Linden sendete , die länglich-ellip- 
tischen Blätter, tragen längs der Mittelrippe 
eine breite silberweisse Binde — Blumen 
gross, orangefarben, in einer Aehre, zwi- 
schen den grossen fast ziegeldachförmig über- 
einander liegenden Bracteen, hervortretend. 
Stengel, Blätter"und Bracteen behaart. — 
(tab. 3. pag. 33. 1865.) 

19) Hoplophytum calyculatum Morr. 
Bromeliaceae. — Eine von Libon in St. Ca- 
therine (Brasilien) gesammelte Art, die das 
Etablissement von Linden besitzt. Blätter 
schwertförmig, am Grunde ganzrandig vorn 
gezähnelt, an der Spitze zurückgedrückt und 
mit aufgesetzter scharfer Spitze. Schaft 
aufrecht, weissfilzig , lose mit häutigen lan- 
zettlich pfriemförmigen Braeteen besetzt, die 
gelben Blumen in einem dichten ovalen 
kopfförmigen Blüthenstand, am Grunde nur 
von linear-pfriemlichen purpurrothen und 
lose gestellten Bracteen gestützi. Durch 
den Blüthenstand eine sehr ausgezeichnete 
Art. Blumen sitzend, von kleinen Brac- 
teolen gestützt, die viel kürzer als die Blu- 
men. Nach der kelchförmigen Stellung die- 
ser Bracteolen, ist der Name gewählt. 
(1865 pag. 162) *). Eine andere von Lin- 
den eingeführte Art der gleichen Gattung, 
die sich durch höhern Wuchs, an der Spitze 
weniger zurückgedrückte Blätter, zahlrei- 
chere Bracteen von weisserFarbe und mehr 
verlängerten ährentörmigen Blüthenstand un- 


terscheidet, nennt Morren „Hoplophytum 
Lindeni“ und giebt S. 164, die Beschrei- 
bung. — 


20) Bertolania guttata Hook. — Schon 
besprochen. (1865. pag. 225). 


*) Wir würden es für sehr nützlich halten, 
wenn unser geehrter Freund, Hr. E. Mor- 
ren, der jetzt einen Theil der vielen 
neuen Pflanzen Belgiens, in seinem ge- 
achteten Journal zu veröffentlichen be- 
einnt, — seinen Tafeln eine tortlaufende 
Nummer, behuis 
eeben würde, — 


des leichtern Citats, 


6* 


84 


21) Franeiscea Lindeniana Pl. (S. pag. 
226. «Mehrfach von uns erwähnt). 

22) Oypripedium Crossü. — Wir erhal- 
ten hier die Abbildung eines schönen Cy- 
pripediums Ostindiens, jedoch ohne Be- 
schreibung. Blätter hellgrün und dunkler 
gefleckt, gestreckt-lanzettlich. Blüthenschafte 
blattlos, behaart, röthlich, einblumig. Blu- 
men gross. Von den Kelchblättern ist das 
obere rundlich-oval, breit, ungefähr 2 Zoll 
lang, auf weisser Grundfarbe am Grunde 
grünlich gestreift und oberhalb der Mitte 
mit einer rothen gestreiften Querbinde, das 
untere bedeutend kleiner und auf weissem 
Grunde grün und blassroth gestreift. Die beiden 
seitlichen Blumenblätter länglich, auf weis- 
sem Grunde grün gestreift mit lichtrother 
Spitze. Lippe kirschroth. Eine sehr schöne 
Art. 

Herr Riviere in Paris sagt zu dieser Ab- 
bildung einige Worte über seine Cultur des 
C. insigne. Während des Winters giebt er 
solchem eine Temperatur von 6!/z—8° R. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


tagsstunden vor der Sonne durch leichte 
Beschattung. Im September bringt er die 
Pflanzen in das Camellien-Haus und erhöht 
die Temperatur erst, wenn die Pflanzen 
iu Blüthe kommen sollen. Hr. Riviere er- 
hält auf diese Weise einen reichen Flor von 
C. insigne und bemerkt, dass die zu hohe 
Wärme, in der man diese Pflanze gemei- 
niglich ceultivire, der Grund sei, weshalb 
solche gemeiniglich wenig: blühe. 

23) Disemma coceinea D. 0. Passiflo- 
reae. (D. C. prodr. III. 353). — Eine 
Schlingpflanze Neuhollands mit scharlachro- 
then Blumen, die denen einer Passiflora 
sehr ähnlich sehen. Blätter kahl, stumpf, 
3lappig. Kelchröhre sehr kurz. Blumen- 
blätter schmal, scharlach. Fadenkrone gelb, 
in 2 Reihen. Ist schon lange in Cultur 
eingeführt und blühet am besten, wenn 
solche in einem niedrigen Kalthause in den 
freien Grund gepflanzt und unter dem Fen- 
ster hingezogen wird. — (S. 289). 

24) Hypoestes sanguinolenta Hook, (8. 


Von Mitte Juni an stellt er die Pflanze ganz | 290). — Schon erwähnt nach Bot. Maga- 
ins Freie und schützt solche nur in den Mit- | zine. — (E, R.) 
m. Notizen. 


1) Cultur der Anoecochilus. Wir | weissen Sand, iaseriger Torferde und Fa- 


dass die 
Zeit 


haben schon wiederholt erwähnt, 
Cultur der Anoecochilus in neuerer 
in 
schritte, sondern Rückschritte gemacht hat. 
Wir haben in Folge dessen die Culturme- 
thode verschiedener Cultivateure mitgetheilt, 
um das unsrige dazu beizutragen, dass diese 
lieblichen kleinen buntblätterigen Orchideen, 


glücklicher cultivirt werden möchten. Heute | 


theilen wir die vom Hrn. E. Mitchell in 
Gardeners Chronicle mitgetheilte Culturme- 
thode mit, welche auch der Cultur am mei- 
sten entspricht, unter deren Anwendung die 
Anoecochilus im hiesigen Garten am besten 
gediehen. 

Erst im März, 


Anoecochilus umgepflanzt. Als 


Compost 


wähle man gleiche Theile von Sphagnum, | 


den meisten Gärtnereien keine Fort- 


nie früher, werden die | 


| 


sern*) von den Abfällen der Cocosnüsse. 
In kleine gut drainirte Töpfe von 1 Zoll 


Durchmesser, werden die Pflanzen gesetzt 


| und nun in flache mit lebendigem Sphagnum 


| 
N 


| gefüllte Näpfe eingesenkt. 


Ueber die Pflan- 
zen wird nun eine Glocke in der Weise ge- 
deckt, dass noch 
einströmen kann. Das Glas der Glocke soll 
stets so rein als möglich gehalten werden 
und namentlich muss die Feuchtigkeit, so 
oft sich solche ansetzt abgetrocknet werden, da 
diese zarten Pflänzchen vor dem abtropien- 
den Wasser sehr sorgfältig behütet werden 


äussere Luft von unten 


*) Letztere werden nicht überall zu erhal- 
ten sein. Siekönnen durch Kohlen er- 
setzt werden. 


IT. Notizen. 


müssen. Man stellt sie nun auf einen Tisch 
der wärmsten Abtheilung des Orchideenhau- 
ses dieht unter das Fenster, wo sie helles 
Licht aber kein Sonnenlicht, empfangen. 
Während des Wachsthums im Sommer wer- 
den sie reichlich begossen, im Winter aber 
nur so viel. um sie frisch zu erhalten. 

Das Problem der Cultur besteht im richti- 
gen Verhältniss der Feuchtigkeit. Zunass gehal- 
ten, faulen die Triebe ab, -- zu trocken 
gehalten, rollen sich die Blätter zusammen 
und sterben ab — und dann dauert es sehr 
lang, bis diese zarten Pflänzchen sich wie- 
derum erholen. Man soll sie im Winter, so 
viel als möglich in frischem ruhendem Zu- 
stande erhalten. Die Blätter der Anoecochilus- 
Arten sollen überhaupt nie benetzt werden, da 
jede Benetzung die Oberfläche derselben ver- 
dirbt und den Pflanzen schadet. 

Auf diese Weise behandelt, werden diese 
Pflanzen im März in einem kräftigen Zu- 
stande sich befinden. Man schneidet nun 
behufs der Vermehrung die Triebe unterhalb 
der - obersten Wurzel ab, pflanzt diese auf 
die oben bezeichnete Art ein und lässt die 
untere Parthie der Mutterpflanzen übrigens 
unversehrt. Diese bilden nun wieder einen 
oder mehrere Triebe, welche jedoch nicht 
später als im Juli, zur nochmaligen Ver- 
mehrung abgenommen werden dürfen, da 
später abgenommene und cingepflanzte sich 
vor Winter nicht mehr genugsam bewurzeln 
und den Winter weniger gut überdauern. — 

Also stete Ueberwachung, Aufmerksam- 
keit und Pflege, sind auch bei diesen, wie 
bei andern zärtlichen Pflanzen, die Haupibe- 
dingung glücklicher Cultur. Liebe zu den 
Pflanzen, die man cultivirt, anfmerksame 
Beobachtung und Abhülte, wo man sieht, 
dass etwas fehlt, das ist der sicherste Bo- 
den jeder Cultur. Wo auf dem aufgebaut 
wird, da muss man stets zum Ziele kom- 
men. (E. R.) 

2) Schutzmittel für Spaliere — 
Wie die Hausthiere durch die Domestication, 
durch sorgfältige Pflege u. s. w. veredelt 
und verfeinert, aber auch gegen äussereEin- 
flüsse empfindlicher geworden sind, so sind 
auch die Culturpflanzen nicht nur vielfach 
veredelt, sondern auch ebenso verzärtelt 


85 


worden. Thiere wie Pflanzen gewöhnen 
sich nach und nach an eine ihnen aufge- 
drungene, gekünstelte Lebensweise; — aber 
je mehr sich diese von der natürlichen ent- 
fernt, um so mehr werden Thier wie Pflanze 
verzärtelt und des fortgesetzten Schutzes 
und der gleich guten Pflege bedürftig, wenn 
sie nicht verkümmern sollen. — So sind 
fast alle unsere alten Sorten von Obst durch 
eine langjährige Cultur am Spalier so ge- 
schwächt worden, sie haben sich so sehr 
an den Schutz und die grössere Wärme, die 
das Spalier ihnen bietet, gewöhnt, dass sie, 
dieses Schutzes beraubt, nicht mehr ge- 
deihen wollen. Freistehend widerstehen sie 
den Witterungseinflüssen nicht mehr, ihre 
Blüthen setzen keine Früchte mehr an, wenn 
dies ausnahmsweise doch geschieht, so blei- 
ben die Früchte klein, oder werden rissig 
und bleiben unansehnlich, und man kann 
sie mit Recht jenen englischen Vollblutpfer- 
den vergleichen, die seit vielen Generatio- 
nen beständig im Stall gehalten, nicht mehr 
einen längeren Aufenthalt im Freien ertra- 
gen können. So zeigt sich die Wirkung 
einer langjährigen Spaliercultur wenigstens 
sehr deutlich an unsern besten Kernobst- 
sorten, eine Wirkung, die von manchen 
Autoren als ein Degeneriren dieser Sorten 
betrachtet wird, beim Steinobst zeigt sich 
diese Wirkung äusserlich noch nicht so 
deutlich, aber eine wirkliche Abschwächung 
besteht auch hier. Zum Beweis dessen dürfte ein 
einziges Beispiel genügen: wir haben in Bel- 
gien einige Pfirsichsorten, die sich in gün- 
stigen Lagen noch als freistehende Hoch- 
stämme cultiviren lassen, aber nur wenn 
sie aus Kernen erzogen sind, oder wenn ver- 
edelt, mussten die Edelreiser von einem 
ebenfalls als Hochstamm cultivirten Exem- 
plare genommen sein. Nahm man die Rei- 
ser von der ganz gleichen Sorte, aber von 
einem am Spalier cultivirten Exemplare, so 
wird der Hochstamm sich als untauglich für 
seine Bestimmung erweisen. 

Dies gilt uns als schlagender Beweis 
für die durch Spaliercultur entstandene Ver- 
zärtelung, wir könnten noch eine Menge 
anderer Beweise anführen, aber es würde 
uns zu weit führen. Diese allmälig 


86 


aberstetig zunehmende Abschwächung unserer 
besten, feinst en Tafelobstsorten, und zwar ge- 
rade dieser, weilsie vorzugsweise in der Cultur 
am meisten gehätschelt;werden, mag bedauert 
werden aber sieist eben die nothwendige Schat- 
tenseite der vervollkommnetenCulturmethoden. 

Die praktische Folgerung aus dem Vor- 
hergehenden ist, dass der Gebrauch von 
Schutzmitteln für Spalierbäume immer noth- 
wendiger wird. Schon sehr viele belgische 
Gartenbesitzer, überhaupt von der Unsicher- 
heit, Pfirsich- und Weinspaliere ohne wei- 
teren Schutz, als ihn die Spalierwand ge- 
währt, ferner beizubehalten, haben den Eng- 
ländern nachgeahmt und schützen ihre Spa- 
liere durch Fenster, die nicht nur während 
der eigentlich kritischen Zeit, der Blüthe 
und des Frucht ansetzens. sondern vom Aus- 
treiben an bis zur vollendeten Fruchtreife 
stehen bleiben. Dieses Verfahren ist aus- 
gezeichnet und giebt wunderbar günstige 
Resultate, aber ist doch für Viele zu kost- 
spielig, um allgemein Eingang zu finden. — 
Für Klimate, wie das von Belgien, Deutsch- 
land ete,, wo zur Blüthezeit des Spalierob- 
stes noch Nachtfröste vorkommen, ist ein 
Schutz der Spaliere durchaus erforderlich, 
aber glücklicher Weise lässt sich dieser auch 
auf billigere und doch vollständig genügende 
Weise herstellen. Sehr empfehlenswerth ist 
zur Deckung ein grobes, weitmaschiges 
Packleinen, das storenartig vor den Spa- 
lieren so ausgespannt wird, dass es unten 
3 Fuss von der Mauer und etwa 1 Fuss 
von der Erde absteht, man befestigt es kurz 
vor Beginn der Blüthe und entfernt es erst 
gegen Ende Mai bei trübem Regenweiter. 
So leicht dieser Schutz scheint, so wirksam 
hat er sich bewährt auch bei den strengsten 
Spätfrösten. Statt der Leinwand kann man 
auch Strohdecken auf Latten nageln, und 
mit diesen die Spaliere decken, indem man 
sie schräg gegen die Mauer lehnt, und eben- 
talls stehen lässt bis Ende Mai. — Haupt- 
sache ist, dass die Decke nicht anliegt, 
sondern freien Zutritt der Luft gewährt; 
durch den permanenten Schatten wird die 
Blüthe verzögert, die Blüthezeit verlängert 
und dadurch auch der Fruchtansatz wesent- 


| 


Gartenflora Deu tschlands, Russlands und der Schweiz. 


zur Blüthezeit nachtheilig wirkt, dadurch, 
dass der Blumenstaub sich zu vorzeitig ent- 
wickelt, ehe die Pistille zu seiner Aufnahme 
befähigt sind. — Es ist daher ein dureh- 
aus falsches Verfahren, wenn man am Tage 
die Decke entfernt in der Meinung, den Bäu- 
men volles Licht und Wärme nicht entziehen 
zu dürfen; die durch die Beschattung be- 
wirkte Verzögerung im Wachsthum wird 
später sehr rasch wieder ausgeglichen, je 
dichter die Beschattung war, je nothwendi- 
ger wird es aber, zu ihrer Beseitigung trü - 
bes Wetter abzuwarteu, um den Uebergang 
vom Schatten zum vollen Lichte nicht plötz- 
lich eintreten zu lassen. 
(Nach Flore des Serres. — E. O.) 

3) Vermehrung der perenniren- 
den Papaver Arten durch Wurzel- 
stecklinge. Nach Carriere lassen sich 
die prächtigen Papaver bracteatum und 
orientale ebenso leicht als sicher durch 
Wurzelstecklinge vermehren. Man nimmt im 
September die Stöcke mit ihren langen, flei- 
schigenWurzeln behutsam aus der Erde, schnei- 
det die stärksten Wurzeln ab, und zerschnei- 
det sie in etwa 2 Zoll lange Stücke, die so in 
kleine mit sandiger Erde getüllte Töpfe ge- 
stekt werden, dass das obere Wurzelende 
etwas hervorragt; in’s kalte Vermehrungs- 
beet gebracht und eben feucht gehalten, 
werden sich nach etwa 4 Wochen an der 
obern Schnittfläche Knospen (Ad ventivknos- 
pen) bilden, die bald zu Pflänzchen sich 
entwickeln, und auf diese Art erzieht man 
müheloser und schneller blühbare Stöcke, als 
durch Aussaat. Besonders wichtig wird 
diese Vermehrungsart jedoch dann, wenn 
es sich darum handelt, Varietäten fortzu- 
pflanzen, die bekanntlich durch Aussaat häu- 
fig auch unter hunderten von Sämlingen, 
die alle zur Stammart zurückgeschlagen, 
nicht wieder zu erhalten sind. — Eine sol- 
che morphologisch sehr interessante Varie- 
tät, Papaver bracteatum monopeta- 
lum, war es auch, die Herrn Carriere ver- 
anlasste, die Vermehrung durch Wurzeln 
auch bei dieser Gattung zu versuchen, und 
sie glückte so vollkommen, dass er aus 


jedem Wurzelstück eine Pflanze erhielt. — 


lich gefördert, während heller Sonnenschein | Wie der Name mon opetalum andeutet, 


IT. 


tritt bei dieser Varietät der seltene Fall ein, 
dass durch Verwachsung der Ränder der 
5. grossen Blumenblätter eine einblätterige 
Blumenkrone entsteht, also in diesem Falle 
ein sehr grosser Becher vom feurigsten 
Roth, im Grunde mit grossen dunkelpur- 
nen Flecken. Wie es häufig der Fall ist 
bei solchen anormalen Bildungen, so ist 
auch hier das Zusammenwachsen der Peta- 
len nicht ohne Ausnahme, es kommen ein- 
zelne Blumen vor, deren Petalen nur theil- 
weise verwachsen, andere deren Petalen 
ganz irei geblieben sind. — Wahrschein- 
lich wird auch durch dieses Verwachsen 
die Dauer der einzelnen Blumen verlängert 
und jedenfalls ihre schöne Becherform bes- 
ser eonservirt werden, da die verbundenen 
Petalen den Winden und dem Regen besser 
widerstehen werden, als die nicht verwach- 
senen. — (Bei dieser Gelegenheit möchte ich 
auch noch daran erinnern, dass die zahlrei- 
ehen und so schönen gefüllten Varietäten 
der krautartigen Päonien (von Paeonia al- 
biflora oder edulis, offieinalis, tenuifolia ete.) 
ebenfalls in ähnlicher Weise vermehrt wer- 
den können. Zu diesem Zweck nimmt man 
im Nachsommer die Stöcke auf, nimmt 
ihnen eine Anzahl der knolligen Wurzeln, 
am besten indem man die Stöcke selber 
gleich theilt, da ohnehin beim Zertheilen 
manche Wurzeln abgebrochen werden, die 
ganz füglich zur Vermehrung dienen kön- 
nen. Das Kopfende der Wurzelstücke wird 
glatt abgeschnitten , und vor dem Einpflan- 
zen lässt man die Schnittflächen einige 
Stunden eintrocknen. Jedes Wurzelstück 
wird einzeln in Töpfchen gepflanzt, oder 
auch mehrere zusammen in einen grössern 
Topf in sandige nahrhafte Erde, die Töpfe 
werden in ein flaches kaltes Fensterbeet 
gestellt oder besser noch eingesenkt und 
schattig, geschlossen und mässig feucht ge- 
halten. Sie bleiben hier auch den Winter 
über ruhig stehen, das Beet kann vom De- 
cember bis März ganz zugedeckt gelassen 
werden, da es lange dauert, bis sich an den 
Wurzelstücken Adventivknospen und damit 
Triebe bilden. Erst im Mai werden die er- 
sten Blättchen bei einzelnen Exemplaren 
sichtbar werden, andere werden im Laufe 


Notizen. 


8 


| des Sommers und Herbsies erst erscheinen; 


man nimmt nun die getriebenen heraus, 
pflanzt sie in grössere Töpfe und stellt sie 
in einen Kasten, der luftiger und sonniger 
gehalten wird, oder auch ganz in’s Freie. — 
Den 2. Winter lässt man sie ebenfalls noch 
im kalten Fensterbeet überwintern und pflanzt 
sie erst in’s Freie aus, wenn die Töpfe gut 
durchwurzelt und offenbar zu klein gewor- 
den sind für die mittlerweile erstarkten Pflan- 
zen. Für Versendungen eignen sich ganz 
besonders diese in kleinen Töpfen herange- 
zogenen Exemplare, und daher ist diese 
Vermehrungsweise vorzugsweise Handels- 
gärtnern anzuempfehlen. —) 
(Nach Flore des Serres etc. E. O.) 

4) Schlesische Gesellschaft für 
vaterländische Cultur. Section für 
Obst- und Gartenbau. Sitzung am 12. 
Juli d. J. Aus dem Obst-Baumschul- und 
resp. Versuchsgarten der "Section wurde 
durch deren Gärtner ein Sortiment Johannis- 
beeren zur Ansicht und Prüfung vorgelegt; 
unter den Rothfrüchtigen zeichneten sich 
durch Grösse der Frucht, Geschmack und 
reiche Tragbarkeit, als besonders empfeh- 
Gonduin, Du Caucase, Ver- 
saillaise und die etwas später reifende 
„Kirsch-Johannisbeere‘, welchen aber die 
A’Angleterre und die „Langtraubige“ mit 
reichlichem Fruchtansatz, letztere an bis 3 
Zoll iangen Trauben, jedoch nur in Bezug 
auf Grösse der Frucht wenig nachstehen, 
während die „Süsse Beste‘ bei nur kleiner 
Frucht aber ebenfalls reicher Tragbarkeit, 
ihrem Namen vollständig entspricht, die 
„Ahornblätterige‘“ jedoch wenige und kleine 
Früchte trägt, deshalb nur für Sammlungen 
geeignet ist; von den Weiss- und Buntfrüch- 
tigen nimmt macrocarpa (weiss) durch 
Grösse und Wohlgeschmack der Frucht so- 
wohl, als durch ausserordentlich reichen 
Ertrag ohne Zweifel die erste Stelle unter 
den empfehlenswerthen Sorten ein, und 
möchten wir dieser die längst bekannte 
„holländische grosse weisse‘ folgen lassen; 
die „grosse fleischfarbene Champagner“ mit 
ziemlich grosser, blassrother Frucht, em- 
pfiehlt sich weniger durch reiche Tragbar- 
keit, als durch milden, guten Geschmack, 


lenswerth aus: 


88 


die neue Varietät „Gloire de Sablon‘“ mit 
mittelgrosser, roth und weiss panaschirter 
Frucht, ist durch diese recht zierend, scheint 
auch übrigens empfehlenswerth zu sein, es 
hat jedoch ihr wahrer Werth, besonders in 
Bezug auf Ertragfähigkeit, noch weiterer 
Prüfung zu unterliegen. 

Herr Stadtrath a. D. Rahner hatte die 
Güte, durch Herrn Stadt-Schulrath Dr. Wim- 
mer die hier wohl noch wenig bekannte Va- 
rietät der Vogelkirsche (Prunus avium) vor- 
legen zu lassen, von welcher an einem 
Stiele, ohne dass dieser ein Verwachsen 
mehrerer Stiele,. oder nach dem Fruchtansatz 
hin eine Verästelung in mehrere Frucht- 
stielehen zeigte. stets 2 bis 4 vollständig 
ausgebildete, auch keinesweges im Fleische 
miteinander verwachsene Kirschen mit je 
einem ganz normalen Steine vorhanden wa- 
ren, es stammte diese Kirsche aus der Ge- 
gend von Goldberg, und soll der betreffende 
Baum nur solche Früchte tragen, ob alljähr- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


lich? konnten wir bislang noch nicht ermit- 
teln. Es soll versucht werden, zu erfahren, 
ob diese Spielart durch Aussaat, und da 
uns Hr. Rahner auch Reiser versprochen 
hat, durch Piropfung sich erhält. 

Der Sekretär theilte zwei Aufsätze aus 
| der „Regensburger Flora“ mit. der eine 
über Obsteultur auf den normannischen In- 
seln, der andere über das Vorhandensein 
kochend heisser Quellen am Fusse eines 
| Gletschers der „blauen Berge‘‘ welche sich 
| nach kurzemLaufe in einen Bach und durch 
diesen alsbald in den Stekin-Fluss im briti- 
schen Nordamerika ergiessen und deren 
| Umgebung in weiter Ausdehnung eine so 
hohe Bodenwärme und üppige Vegetation 
zeigt, dass, wenn mit einem Glashause 
überbaut, man in demselben bei tropischem 
Klima Angesichts der nahe gegenüber ge- 
legenen Eismassen in den Schönheiten einer 
tropischen Vegetation 
möchte 


zu schwelgen ver- 
E. H. Müller. 


N Lit 


eraliur. 


1) Carl Schickler, die beliebtesten Nutz- | nützliches Büchlein. Schade dass die Na- 


und Ziergewächse, deren Cultur und 
Fortpflanzung durch Aussaat. Metzler- 


sche Buchhandlung in Stuttgart. 


Es ist das eigentlich ein Verzeichniss 
derjenigen Nutz- Zierpflanzen, 
welche gegenwärtig vorzugsweise von den 
Handelsgärtnereien in den Samenverzeich- 
nissen angeboten werden, begleitet von kur- 
zen und guten Bemerkungen über deren 
Aussaat und Cultur. Dasselbe hält die glei- 
che Eintheilung wie die meisten Samenver- 
zeichnisse ein, nämlich: 1) Gemüse. 2) Ein- 
jährige Florblumen, 3) Stauden. 4) Gewächs- 
hauspflanzen, 5) Bäume und Sträucher. An- 
gehängt ist noch die Anleitung zur Cultur 
von Spargeln, der Blumenzwiebeln und des 
Beerenobstes. Es ist dies mit andern Wor- 
ten ein Katalog aller dieser Pflanzen mit 
angehängten Erläuterungen und Culturan- 
gaben; also ein für den Pflanzenfreund sehr 


und 


ı men nicht auf die richtigen zurückgeführt, 

sondern all die von Gärtnern gegebenen 
Gartennamen neben den richtigen wissen- 
schaftlichen aufgeführt sind. (E. R.) 


2) Ruprecht, die Zeitdauer, welche zur 
Sumpf- und Torfbildung nothwendig. — 


Hr. Akademiker Ruprecht hat die Moos- 
sümpfe des Petersburger Gouvernements 
stadirt und kommt unter Vergleichung be- 
kannter Thatsachen zu dem Schluss, dass 
solche theils noch vor 300 Jahren, theils 
noch in späterer Zeit Seen waren, die jetzt 
durch Torfbildung ausgefüllt sind. — 


3) Ruprecht, der 
Tschornosjom. 


Ursprung der 


Als Tschornosjom wird die schwarze 
fruchtbare Erde bezeichnet, welche im miittle- 
ren und südlichen Russland einen Flächenraum 
von 87 Millionen Disjätinen (1 Disjatin = 4" 


IV. Literatur, 


Morgen) einnimmt. Dieser Boden ist noch 
jetzt so fruchtbar, dass er Erndte aut Erndte 
ohne Düngung trägt. Ruprecht zeigt nun, 
dass es weder angeschwemmter Boden, noch 
Moorboden, noch Waldboden sei, — son- 


dern dass er in Jahrtausenden sich als Ra-| nt a i 
| sich derselbe auf einen ihm theils fremden 


 senerde gebildet hat, also ganz so wie sich 
auch auf den hohen Alpen der schwarze Hu- 
mus auf telsiger Unterlage gebildet hat. 


Hiernach wären die bedeutenden Flächen, | 
welche jetzt im Innern Russlands Tschornos- | 
jom als Oulturschicht besitzen, in früheren | 


Zeiten Steppen gewesen. — 


4) H. Jäger, die Ziergehölze der Gärten | 
für | 
Gärtner, Baumschulen- und Gartenbe- | 


und Parkanlagen, ein Handbuch 


sitzer. Weimar bei Voigt. — 


können dieses Buch, das es sich eben nur 
zur Aufgabe macht, dem Gärtner, Garten- 


alle diese Pflanzen fleissig zusammengestellt 
und kurze Beschreibungen derselben nach 
den dem Verfasser 


merkungen über Cultur und Ausdauer hin- 
zugefügt hat. Das ist alles was der Gärt- 


ner und Gartenfreund verlangt, wenn er | 


über die eine oder andere Pflanze sich be- 


Jägers Buch. — 
diesen Andeutungen, denn dass sein Buch 
in botanischer Beziehung noch manches zu 
wünschen übrig lässt und dass die wissen- 


schaftlichen Schwierigkeiten für den Vertas- | 


ser nicht zu besiegen waren, das sagt der- 
selbe in seiner Vorrede selbst. Viele der 
aufgeführten Pflanzen sah der Vertasser of- 


fenbar selbst nie und manche Art, die wirk- | 


lich nicht zu den Holzpflanzen gehört, wie 
Sedum populifolium ist von ihm nur in 
Folge von den Versehen anderer Schriftstel- 
ler mit aufgenommen worden. Eine wis- 
senschaftliche Sichtung würde endlich viele 
der aufgeführten Arten, einfach als Syno- 
nyme zu andern stellen, — aber dassind Ge- 


freund und Forstmann, — die in Deutsch- | son LENUzENL ‚dm nasan GENnen 


land ausdauernden Ziergehölze vorzuführen, Baumes Im gelaia, dla In enentteme 


ganz j unbedingt empfehlen, indem solches | treten und hier das ganze Jahr die Küche 
| versorgen sollen, ist das in Rede stehende 


| Buch ein praktischer Rathgeber. 


zu Gebote stehenden | 
Quellen gegeben hat, — sowie endlich Be- | 


89 


genstände, die der Botaniker zu lösen hat. 
wozu Jäger demselben in seinem Buch ein 
schönes Material geliefert hat. — 


Mit voller Ueberzeugung empfehlen wir 
daher auch dieses Buch Jäger’s, mit dem 


Boden gewagt hat. zur allgemeinen An- 
schaffung. (E. R.) 


5) J. Hartwig, die Gemüsetreiberei. 
Weimar 1866 bei B. F. Voigt. 


Dieses Buch gehört zu der Sammlung 
von Gartenschriften, die der Verfasser in der 
letzten Zeit zu veröffentlichen begonnen hat. 
Wie den frühern, so könner wir auch dieser 


| Schrift, die Empfehlung eines brauchbaren 


Eine sehr fleissige Arbeit unseres ge- | Handbuchs für Gärtner und Gartenfreunde 


ehrten Mitarbeiters an der Gartenflora. Wir | 
| praktischen Rathschlägen manchen Fehltritt 


mit auf den Weg geben, das mit seinen 


verhüten wird. Gemüsetreiberei ist der gros- 
iremd. 


Ueber Russland scheint der Verfasser 
eine gar zu schlechte Meinung zu haben, 


| wenn er pag. 117 sagt, dass die Gurken in 


Russland nur in Gewächshäusern gezogen 
würden. Wenn derselbe die weiten Strecken 


| Landes, die noch um Petersburg mit Gurken 
lehren will, — und diese Belehrung giebt | 


Wir begnügen uns mit | 


in Sommer bebaut werden, die gleich ins freie 
Land ausgesäet werden, — wenn er ferner 
die Reihen der Mistbeete sehen würde, die 
hier mit denselben bebaut werden, dann 
würde er auf eine andere Ansicht kommen. 
Die Russische Gurke, die hier zur Treiberei 
und zum Anbau in freiem Lande vorzugs- 
weise benutzt wird, braucht freilich vom 
Tag der Aussaat bis zur Reife der ersten 
Früchte unter günstigen Conjuneturen keine 
3 Monate, (Hartwig giebt diesen Zeitpunkt 
überhaupt an), sondern nur etwas über 2 
Monate. Allerdings baut man hier auch 
Gurken in besondern Gewächshäusern, — 
das sind aber nur solche, die im Februar, 
März und April Früchte liefern müssen. 
(E. R.) 


90 


6) Protokollauszüge der Garten- 
baugesellschaft Flora in Frank- 
furt a. M. Im Selbsiverlag der Gesell- 
schaft. Frankfurt und Mainz bei H. 
Keller. . 1865. 


Enthält wie die früheren Jahrgänge das 
reiche Material der im Schoosse dieser Ge- 


sellschaft verhandelten Gegenstände. Neben 


einigen grösseren Vorirägen, welche die 
Wunder der Pflanzenwelt 
und Rundschau von den Knollen- und Zwie- 


beigewächsen von F. J. B. Pfister, enthalten: 


diese Verhandlungen eine Masse anderer in- 
teressanterer Notizen. Heben wir, da 
wir so eben von Gurkencultur sprachen, 
eine hervor über Gurkentreiberei von J. Eu- 
ler. — Hr. Euler wählt zur frühen Trei- 
berei folgende Sorten: Arnstädter Riesen- 
gurke, neue belgische Treibgurke, frühe 
Gurke von Grusien, neue allerfrüheste voll- 
tragende, kleine frühe Treibgurke. — Zur 
späteren Treiberei wendet er dagegen 
an Non plus ultra, weisse Gurke von Ba- 
bylon, neue blassgrüne chinesische, Schlan- 
gengurke von Athen, frühe Gurke vom Cap, 
westindische grüne Gurke vom Himalaya, 
Constantinus Incomparable, Snow’s neue 
hellgrüne, weisse holländische, Vietory of 
Bath, Roman Emperor, Wonder Frame, 
blassgrüne brasilianische Treibgurke, Chi- 
nesische Treibgurke. 

Die ersten Beete zur frühen Trei- 
berei legt er Ende Januar an. Die Samen 
werden im Gewächshause ausgesäet und 
nachdem die Pflänzchen ihre Samenblätter 
gebildet, werden unter jedes Fenster 2 Pflänz- 
chen bis an die SamenblJätter eingepflanzt 
und zwar so, dass jede Pflanze unter die 
Mitte einer Scheibe nahe dem Glase zu 
stehen kommt. Man lässt ungestört fort- 
wachsen, hakt nur die Ranken da nieder, 
wo solche ans Glas anstossen und lüftet so 
oft es die Witterung zulässt, reichlich. Zur 
Zeit der Blüthe ist das Lüften unbedingt 


nothwendig. 
Zur späteren Treiberei werden kalte 
Fensterbeete (d h. nicht frisch angelegte 


Mistbeete) gewählt. Die Aussaat wird in 
ein warmes Mistbeet gemacht. Nachdem 


von K. Faust 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


sich die ersten Samenblätter gebildet, wird 
jedes Pflänzchen in ein kleines Töpfehen 
gepflanzt. Mitte April wird je eine derartig 
vorgezogene Pflanze auf die Mitte eines je- 
den Fensters gepflanzt. — Wir möchten 
dem noch hinzu setzen, dass bei sehr früher 
Treiberei die ersten weiblichen Blumen wo 
möglich künstlich befruchtet werden sollten 
und dass wenn bei wenig sonnigem Wetter 
und Mangel an Lüften ein zu starkes Wachs- 
thum ins Kraut eintritt, ein Einkneipen der 
Spitzen der Triebe anzurathen ist. — 

; (E. R.) 


7) Carriere, culture de la vigne. 
Paris, librairie agricole de la maison 
rustique. 

Herr Carriere nimmt in dieser Schrift 
sehr warme Parthei für die von Hoibrenk 
anempfohlene Culturmethode des Weines. 
Er sagt von derselben, dass solche den 
Vortheil der ohlfeilheit, mit möglichst 
hohem Ertrag 
anderen bekannten 


vereine und deshalb allen 
Methoden vorzuziehen 


sei. 


Die Hoibrenk’sche Methode versinnlicht 
beigehende Zeichnung. Bei derselben bleibt 
nur eine einzige Fruchtrebe stehen, die so 
lang bleibt, als solche gesund und kräftig 
ausgebildet ist und die noch ungefähr 12° 
oder mehr unter die horizontale Linie her- 
abgebeust wird. Natürlich muss jährlich 
eine neue Fruchtrebe gezogen und die vom 
vergangenen Jahre ganz weg geschnitten 
werden. sollte jedoch die Erziehung einer 
neuen Fruchtrebe fehlschlagen, so kann man 
auch die alte stehen lassen und nur deren 
Seitenäste auf I—2 Augen kürzen. Es ver- 
steht sich, dass dieses System auch für 


IV 


Spaliere angewendet werden kann, wo man 
nur mehre Etagen‘, übereinander mit unter 
die Horizontallinie herabgebeugten Zweigen 
erzieht. Herr Carriere erklärt Hoibrenk’s 
Methode für noch vortheilhatter, als die 
schon länger angewendete Methode, eben- 
falls eine einzige Fruchtrebe stehen zu las- 
sen, die aber horizontal angeheftet wird. 
Um Paris soll sich Hoibrenks Methode schon 
vielfach eingebürgert haben. Auch von ra- 
tionellem Standpunkt aus betrachtet, scheint 
diese Methode in Wahrheit sehr empfehlens- 
werth zu sein. Wir geben diese Erklärung 
gerne, da wir Hoibrenk’s Schwindelei mit 
der Befruchtung der Getreide in diesen 
Blättern genugsam gekennzeichnet haben. — 
Zugleich wollen wir aber auch unsere Leser 
auf Carrieres vorzügliche Schrift „La Vig- 
ne“ (Paris, librairie agricole dela maison rusti- 
que) aufmerksam machen, in welcher alle 
die verschiedenen Methoden der Cultur des 
Vereines, einsichtig besprochen sind. 
(E. R. 


8) H.,Graichen, Landwirthschattliche Be- 
richte etc. Leipzig bei Oscar Leiner. 


» Von diesen landwirthschattlichen Be- 
richten kostet der Jahrgang nur 5 Sgr., ist 
aber, freilich keinen Heller werth. Der Le- 
ser bekommt eine Art von Katalog, dem 
der blasseste Unsinn mit einzelnen Wahr- 
heiten wild gemengt, in Form von Recepten 
zu Düngerpulvern etc. voraus gesendet wird. 
Dann folgt ein Verzeichniss der abgebbaren 
Sämereien. Die Namen in einer theils schau- 
derhaften Orthographie. Da wird Ascle- 
pias syriaca in Samen und Pflanzen empioh- 
len, 1) als Bienenweide, 2) Seide der Sa- 
menwolle zum Verspinnen von Baumwolle, 
3) Stengel zur Flachsbereitung, 4) Blumen 
zur Honigbereitung, 5) Blätter als Gemüse. — 


Für 3 Sgr. kann man die Prise Samen und 
1 Rthlr. 1 Dutzend Pflanzen von dieser Nutz- 


. Literatur. 


91 


| dient, während alles andere Schwindel ıst 
‚ Da paradirt auch die Wunder- Bohne von 
ı Navao&, unsere Mäusegerste als neues Fut. 
| terkraut mit 5 Sgr. das Loth. — Wir 
denken, wir können unseren Lesern fernere 
| Proben dieser landwirthschaftlichen Berichte 
des Hrn. Graichen ersparen. 
(E. R.) 


9) Karl Koch. Agaven-Studien., 


Es ist das ein Extraabdruck aus der Ber- 
liner Gartenzeitung, ein Beitrag zur besseren 
Kenntniss der Agaven der Gärten. 

Wir theilen vollständig des ebenso thä- 
tigen als einsichtigen Verfassers Ansicht, 
der von der Ansicht ausgeht, dass über die 
Arten und deren Stellung, erst dann end- 
gültig abgeschlossen werden kann, wenn 
auch deren Blumen bekannt sind. Koch 
giebt daher in dieser Arbeit nur eine vor- 
läufige Beleuchtung der jetzt in den Gärten 


befindlichen Arten. (E. R.) 
&3 && 
10) Henkel, J. B. und Hochstetter, W, 


Synopsis der Nadelhölzer Stuttgart 
1865. — De 


Die Autoren dieses Buches geben in 
demselben eine wissenschaftlich ‘geordnete 
Aufzählung aller bekannten Nadelhölzer, mit 
den Charakteren der Gattungen und Arten 
in deutscher Sprache, — ferner die Autzäh- 
lung der Synonymie, die Standorte, Eigen- 
ı schaften und Benutzung, denen sich endlich 
die Bemerkungen anreihen, wann solche in 
Europa eingeführt wurden und wo solche 
‚im ireien Lande cultivirt werden. — Den 
einzelnen Gruppen Nadelhölzer sind 
gute Beobachtungen über deren Cultur an- 
gehängt. Für Gärtner, Gartenfreunde und 
alle Freunde der Nadelhölzer ein trefiliches 
Buch, um sich in demselben Rath zu holen. 

(E. R) 


der 


pflanze kaufen, die eben nur als Bienenfutter 


92 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


V. Personalnotizen und Neuestes etc. 


1) Sir William Jackson Hooker. | ten zu Kew berufen ward. — Was Hooker 
Die Gartenflora gab schon eine kurze Bio- | für Kew gethan, welch eigentlich dem gan- 


graphie dieses ausgezeichneten Mannes. Dem 
Gardener’s Chronicle entnehmen wir aber 
noch die folgenden Mittheilungen. 

W. J. Hooker ward den 6. Juli 1785 zu 
Norwich geboren. Seine erste Erziehung 
erhielt er auf der hohen Schule zu Norwich. 
Nach Beendigung des Schulunterrichts be- 
schäftigte er sich privatim mit dem Studium 
der Naturwissenschaften und speciell der 
Botanik und Entomologie. Im Jahre 1805 
ward Hooker in Folge des Auffindens der 
Buxbaumia aphylla (ein auch in Deutschland 
einheimisches Moos) mit dem bekannten Bo- 
taniker J. E. Smith bekannt. Im Jahre 1806 
machte er Touren in die wildesten Gegen- 
den Schottlands bis zu den Orkney-Inseln 
und ging dann nach London, wo er mit 
J. Banks, R. Brown, Solauder und Dryan- 
der befreundet ward. Im Jahre 1809 be- 
suchte er Island und machte dort bedeutende 
Sammlungen aus allen Theilen des Natur- 
reiches. Leider gingen aber diese sämmtlich 
verloren, indem das Schiff. mit dem er die 
Rückfarth machte, dem Meere ver- 
brannte. Seine eigne wunderbare Rettung 
beschrieb er selbst in einer kleinen Schrift 
„Recolleetions of Iceland“. Im Jahre 1814 
unternahm er eine Botanische Reise nach 
Frankreich und der Schweiz. Im Jahre 1815 
verehelichte sich Hooker mit der ältesten 
Tochter von D. Turner, liess sich in Hales- 
worth in Suffolk nieder und begann mit der 
Sammlung seines grossen Herbars. das er 
als das reichste der Welt zurückgelassen hat. 
Hier schrieb er im Jahre 1816 sein erstes 
Botanisches Werk, The British Jungerman- 
niae. 

Wir unterlassen es hier, über seine an- 
dern zahlreichen Werke zu referiren. da wir 
dies schon in unserm ersten Nekrologe tha- 
ten. 
fügen wir nur noch hınzu, dass er 1820 als 
Professor der Botanik nach Glasgow. 
1841 als Director an den Botanischen Gar- 


auf 


In Bezug auf seine fernere Carriere 


und 


zen Volke gewidmetes Institut er hier ge- 


gründet, geht am ehesten daraus hervor, 
dass Kew im ersten Jahre nach seinem Ein- 
tritt als Director von 9000 Personen im Jahre 
besucht wurde. während 1864 die Zahl der 
Besucher aui 473,307 Personen pr. Jahr ge- 
stiegen war. Hooker starb am 12. August 
1865 und hinterlässt seine Wittwe, 2 ver- 
heiraihete Töchter und seinen Sohn Dr. Jo- 
seph Dalton Hooker, welcher an der Stelle 
seines verstorbenen Vaters, als Director des 
Botanischen Gartens und Museums zu Kew 
ernannt worden. — 

3) Heinrich Wilhelm Schott. Wir 
haben schon den Tod Schotts angezeigt, 
wir entnehmen einer von Fenzl verfassten 
Biographie noch die folgenden Daten. H. 
W. Schott wurde am 7. Januar 1794 zu 
Brünn in Mähren geboren. In seinem 7. Jahre 
zog er mit seinem Vater, der damals 
die Stelle als Obergärtner am Botanischen 
Garten zu Wien erhielt, nach Wien. Nach- 
dem er den Schulkursus absolvirt, trat er 
von 1809—1813 zu seinem Vater in den 
Botanischen Garten ein, um die Gartenkunst 
praktisch zu erlernen. 1813 ward er Assi- 
stent am Botan. Garten und 1815 erhielt er 
auf Verwendung seines Lehrers und Gön- 
ners J. v. Jacquin die Stelle als Hofgärtner 
im Kais. Garten der Flora. Hier beschäf- 
tigte er sich gleichzeitig mit dem wissen- 
schaftlichen Studium der Botanik und schrieb 
eine Monographie der Gattung Silene, die 
jedoch nicht publieirt ward. Im Jahre 1817 
ward Schott als Gärtner zum Sammeln von 
lebenden Pflanzen, Samen und Früchten der 
Expedition nach Brasilien beigesellt, welche 
von Mikan, Natterer und Pohl geleitet, zur 
Erforschung Brasiliens von Franz I abgesen- 
det wurde. Dieser Expedition schlossen sich 
ausserdem Martius, Spix und Raddi als Na- 
turforscher an In Rio Janeiro angekommen, 
legte er dort einen Garten an. in dem die 
nach Wien überzusiedelnden Pflanzen zuerst 


VW 


eultivirt und eingefangene Thiere gepflegt | 
wurden. Nachdem diese Vorarbeiten been- 
det, unternahm er allein im Jahre 1819 und 
1820 wissenschaftliche Expeditionen in das 
Innere Brasiliens. Nach fast 4jährigem Auf- 
enthalte in Brasilien kehrte er 1821 nach 
_ Wien zurück und brachte 76 grosse Kisten 
lebender Pflanzen, ein Herbar von 2000 Ar- 
ten und 773 Arten Pflanzen 


in Samen mil. 


Personalnotizen. 


Jetzt ward er zum Direktor-Adjuncten in 
Schönbrunn, 1828 zum K. K. Holgärtner 
und 1845 zum Hofgarten - und Menagerie- 
Direktor in Schönbrunn bei Wien ernannt. 
Der Gartenwelt ist seine schöpferische Thä- 
tigkeit genugsam bekannt. Mit besonderer 
Vorliebe pflegte er die Alpenpflanzen und 
eultivirte eine der voliständigsten Sammlun- 
gen derselben. Seine wissenschaftliche Thä- 
tigkeit begann im Jahre 1852 mit der Her- 
ausgabe der Meletemata im Verein mit 
dem berühmten Endlicher. 1834 toigten 
seine Fragmenta botanica, dann die Genera 
Filicum. Nun begannen seine Studien über 
die Familie der Aroideen, als deren tüch- 
tigsten und genialsien Monographen wir 
Schott wiederholt in diesen Blättern bespro- 
chen haben. Ausser den von ihm publieir- 
ten Werken über diese Familie, fertigte er 
noch mit bedeutendem Kostenaufwande, 
eine Sammlung von 3282 Folio-Tafeln-Ab- 
bildungen,, über alle ihm bekannt geworde- 
nen Arten dieser Familie an, welche er als 
eine werthvolle wissenschaftliche Sammlung 
hinterlassen hat. Er starb am 5. März vo- 
rigen Jahres, nachdem er noch kurz zuvor 
die von Welwitsch gesammelten Aroideen 


bestimmt und in Dr. Seemanns Journal be- 
schrieben hatte. — 

3) Das Hundertjährige Stiltungs- 
test der K. Freien Oekonomischen 
Gesellschatt in St. Petersburg. Am 


Oekonomische Geseilschaft in St. Petersburg, 
unter dem Vorsitz des Ehren-Präsidenten 
derselben. Sr. K. Hoheit des Grossfürsten 
Niecolai-Nicolajewitsch und unter Beisein der 
Hrn. Minister der Domänen, des Innern, 
Sr. K. Hoheit des Prinzen von Oldenburg, 
und anderer hoher Würdenträger, beglück- 
wünscht von den gelehrten Körperschaften 


31.Oct. vorigen Jahres beging die Kais. Freie 


93 


aller Theile des Reichs, — ihr hundertjöäh- 
Nach 
öffnungsrede von Seiten des Ministers der 
Domainen und des Präsidenten der Gesell- 
schaft, des Herın v. Kawalowsky ward ein 
Schreiben Sr. Majestät des Kaisers an die 
Gesellschaft verlesen. Dann folgten die 
Adressen von nah an 60 Instituten und Ge- 
sellschaften durch deren Deputirte, — und 
zum Schluss hielt der Hr. Sekretär der Ge- 
sellschaft eine geistvolle und lebhafte Rede 
über die Geschichte der Gesellschaft. 
Jahre 1765 den 31. October ward solche 
durch ein Rescript von der Kaiserin Katha- 
rina ll. ins Leben gerufen und wirkte seit 
jener Zeit segensreich für Russland, durch 
Beispiel, Einführung von Maschinen, Ver- 
theilung von Preisen und die zahlreichen 
Publikationen in russischer und deutscher 
Sprache. Möge sie unter den jetzt verän- 
derten Besitzverhältnissen, fernere hundert 
Jahre zum Segen des weiten Reiches wir- 
ken. (E. R.) 

4) Am 13. Nov. 1865 starb F. W. Bett- 
zich, Hofgärtner Sr. Kais. Hoheit des Gross- 
fürsten Nicolai-Nicolajewitsch, — einer der 
tüchtigsten und intelligeniesten Gärtner Russ- 
lands. Er wurde 1814 zu Dessau geboren. 
Seine Schulbildung erhielt er in Dessau und 
in der Klosterschule in Berlin. Im Jahre 
1826 trat er in Berlin beim Handelsgärtner 
Fuhrmann in die Lehre. Während seiner 
Lehre und einer späteren Öondition in Ber- 
lin besuchte er die Zeichnenacademie daselbst 
und machte so bedeutende Fortschritte, dass 
er mit mehreren Medaillen belohnt wurde. 
Nachdem er später noch iu Potsdam, Kö- 
nigsberg und auf dem Gute Röhrchen con- 
ditionirt, ging er mit einem Empfehlungs- 
schreiben der Herzogin von Dessau an Ihre 
Majestät die verstorbene Kaiserin versehen, 
im Jahre 1832 nach Petersburg. Wie so 
mancher der älteren deutschen Gärtner, die 
jetzt noch in Russland leben, machte er diese 
Reise noch zu Fusse. 

Bettzich erhielt noch im Jahre 1832 
auf Befehl Ihrer Majestät eine Stelle in Pe- 
terhof. Fleiss, Treue und Umsicht verschaft- 
ten ihm bald das Vertrauen seiner Vorge- 
setzten und so erhielt er erst die Stelle als 


riges Stiltungstest. einer kurzen Er- 


Im 


94 


Hotgärtner in Alexandrinen bei Ihrer Maje 
stät der Kaiserin und dann auch noch auf 
der Sommerresidenz Sr. K. H. des Gross- 
fürsten Nicolai - Nicolajewitsch Sna- 
minsk. — Wie sein hoher Herr und dessen 
Gemahlin, unsern Bettzich liebten und 
achteten, das geht am besten daraus hervor, 
dass Bettzich, der gesund und wohl am 13. 
November nach Petersburg kam, in Folge 
eines Schlaganfalls in den Armen ‚seines 
Hohen Herrn und dessen Gemahlin, starb. 


in 


Sr. Kaiserliche Hoheit und dessen Gemahlin | 


folgten zu Fusse dessen Sarg durch die 
Stadt und begleiteten die Leiche bis Sna- 
minsk. — 

Wir haben wiederholt in diesen Blättern 
der vorzüglichen Culturen und der muster- 
haften Einrichtung, des unter Bettzichs Lei- 
tung stehenden Gartens zu Snaminsk ge- 
dacht. 
zuverlässigen Freund verloren, während un- 
ser Gartenbauverein in ihm, eins seiner fä- 
higsten und intelligentesten Mitglieder ver- 
lor. — (E. R.) 

5) Blumenausstellung der Gar- 
tenbaugesellschaft Flora zu Frank- 
furt a. M. vom 29. März bis zum 4. April 
1866. — Einsendungen müssen schon zum 
298. März eingehen und können;am 4. April 
wieder abgeholt werden. Bei von auswärts 
eineehenden Einsendungen trägt die Gesell- 
schaft die Fracht, übernimmt 
und Rücksendung. Letztere geht aber auf 


Kosten des Ausstellers, der auch die Anzeige 


der Einsendung, 14 Tage zuvor zu machen 


hat, — 


Es sind zahlreiche Preise von 1—15 Du- | 


katen ausgesetzt, darunter auch Preise für 
im ‘Zimmer cultivirte Pflanzen. Prog- 
vamme können bezogen werden durch die 
„Verwaltung der Gartenbaugesell- 
sehaft Flora zu Frankfurt a. M.“ 

6) Georg Schnittspahn, Direktor 
des Botanischen Gartens zu Darmstadt starb 
am 22. December 1865 im Alter von 56 
Jahren. Als Gärtner bei seinem Vater ge- 
bildet, trat.er als Lehrer der Botanik 1831 
in die Landwirthschaftliche Lehranstalt des 
Dr. Pabst in Darmstadt ein. 1838 wurde 
ihm die Vergrösserung und Veränderung des 


Wir haben in ihm einen treuen und 


die Pflege | 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


mit der Gewerbeschule zu Darmstadt in 
Verbindung stehenden Botanischen Gartens 
überwiesen. Seit jener’Zeit war Schnittspahn 
Direktor des Botanischen Gartens und von 
1841 an, auch Lehrer der Botanik, Zoologie 
und Waarenkunde an der Gewerbschule. 
1835 half er den Gartenbauverein zu Darm- 
stadt gründen und fungirte bis zu seinem 
Tode als}; Sekretär desselben. — Als blei- 
bendes Andenken an ihn wird seine Mono- 
graphie der Semperviven dienen. 
(Nach Kochs Wochenschrift). 
7) Lenn&, General-Gartendirek- 
tor in Potsdam, starb daselbst am 23. Ja- 
nuar. Er ist es, dem Berlin und Potsdam 
alle die neuern Anlagen aus den letzten 
ı Jahrzehnten dankt, er ist es, der als gedie- 
genster Neister der ästhetischen Gartenkunst 
einen weit verbreiteten und wohl verdienten 
Ruf besass. Seine letztere grössere Schöpf- 
ung war noch der Flora-Garten zu Cöln. 
' Wir hoffen unsern Lesern später einen ein- 
lässlichern Bericht über das Leben dieses 
‚ ausgezeichneten Mannes geben zu können, 
der auch die Gärtner-Lehranstalt in Potsdam 
und die Landesbaumschule bei Potsdam ins Le- 
ben gerufen hat. (E. R.) 
8) Dr. G. Schweinfurth. Dr. Kotschy 
‚hat einen Brief des Dr. Schweinfurth aus 
Kosser in Oberägypten veröffentlicht, der 
| den 30. Januar 1865 geschrieben ist. 
Schweinfurth machte von Kosser aus ver- 
schiedene Excursionen zur Erforschung der 
Flora. Die Wüste bekleidete sich um diese 
Zeit mit neuer Vegetation. Wir erwähnen 
| der Pulicaria undulata D. C., die einen star- 
| ken Geruch, ähnlich dem Camıpher und der 
| Pfeffermünze verbreitet. Das üppige Grün, 
jin welches die Felsenthäler gekleidet, bedingt 
vorzugsweise Zilla micerocarpa Vis., die auch 
| den Kameelen zur Nahrung dient. 
| Auf einem Ausflugnach den südlich von 
ı Kosser gelegenen Gebirgen des Gebel Abu 
Tiur und Gebel saubah fand 5. das Zygo- 
phyllum desertorum und portulacoides in 
| der Ebene; bevor er das mannigfache geo- 
| logische Formationen zeigende Gebirge be- 
| stieg. An den Felsen des Gebirges kletter- 
‚ten mit Früchten reichlich besetzte Colo- 
quinten umher. Er passirtenun das Waddy 


| 


V. Personalnotizen. 


Hendösse, den Brunnen, von dem Kosser 
sein Wasser bezieht, was in der Stadt mit 
5 Piaster pr. Schlauch verkauft wird. Von 
dort aus im Gebirge aufsteigend, sammelte 
er 35 Arten verschiedenartiger blühender 
Pilanzen, von denen wir den Balanites ae- 
gyptiaca, einen Baum, 
Den schönsten Schmuck bildete aber Lavan- 
dula spicata und der zwischen Sträuchern 
von Lycium an Moringa aptera emporschlin- 
gende Ochradenus baccata. Die Moringa- 
Bäume mit ihren gracil herabhängenden 
Aesten, haben ungefähr die Tracht einer 
Casuarina.. Nun bestieg unser Reisender 
den Gipfel des Abu Tiur, der sich 4000' 
über das Meer erhebt und der vor ihm 
schwerlich von einem Europäer erstiegen 
war. Nacktes und kahles Gestein, auf dem 
kein Strauch, keine Staude und nicht einmal 
eine Flechte wuchs, machte diese Bestei- 
gung, ausserordentlich schwierig. Der Blick 
auf dasMeer, auf diezerklüfteten Gebirge und 
dieWüste, belohnte aber dieMühe. (E.R.) 

9) Aus Dresden, In der letzten Zeit 
fand hier ein grosser Wechsel in Besetzung 
der königl. Hofsärten statt. Die bejahrten 
Hofgärtner Terschek und Seidel vom Palais- 
und Orangengarten sind pensionirt worden 
und ihre Stellen sind insofern eingezogen, 
als künftig keine Hofgärtner mehr an diese 
Gärten angestellt werden sollen, sondern 
Obergehülfen, die unter einer neu creirten 
Direction der königl. Gärten, soweit solche 
zur Civilliste gehören, stehen. Der bishe- 
rige Inspector des botanischen Gartens, Hr. 
Krause, hat die Oberleitung der königlichen 
Gärten erhalten, mit dem Titel eines Königl. 
Gartendireetors, während der bisherige Ober- 
gehülfe des botanischen Gartens, Herr Po- 
scharsky, ihn als Inspector am botanischen 
Garten ersetzt. Auch der Herr Hofgärtner 
Terschek in Pillnitz ist pensionirt und Hr. 
Wenzel an seine Stelle ernannt worden. Be- 
sonders erfreulich ist auch, dass man ernst- 
lich daran denkt, den alten, mitten im 
Häusermeere der Stadt höchst ungünstig ge- 
legenen und viel zu beschränkten botani- 
schen Garten zu verlegen. Als neue ungleich 
günstigere Localität ist die bisherige König]. 
Baumschule am Eingange in den grossen | 


erwähnen wollen. 


9 


[1 


Garten und vis a vis dem zoologischen Gar- 
ten ausersehen. Im Auftrage des Ministe- 
riums des Innern hat bereits der bisherige 
Inspector Krause mit einem Landbaumeister 
die Gewächshausbauten der Neuzeit in den 
grössten deutschen und belgischen Gärten 
auf einer 5 wöchentlichen Rundreise besich- 
tigt, um die zweckmässigsten Neuerungen 
bei den Bauten im neuen botanischen Garten 
in Anwendung bringen zu können, und 
schon der nächste Landtag im Frühjahr 1867 
wird darüber zu entscheiden haben, ob er 
die Mittel zur Ausführung dieses Projectes 
(etwa 80,000 Thaler) bewilligen will oder 
nicht, Hoffen wir, dass auch hier der Land- 
tag den Forderungen der Neuzeit volle 
Rechnung tragen werde! — (E. ©.) 


10) Versammlung deutscher Land- 
und Forstwirthe in Wien. Im Jahre 
1866 werden in Wien tagen die deutschen 
Land- und Forstwirthe und auch die Vor- 
stände der deutschen Ackerbauschulen. Der 
Empfang derselben wird sich Oesterreichs 
würdig zeigen. Die Niederösterr. K. K. 
Landwirthschafts-Gesellschaft und die K. K. 
Gartenbau-Gesellschaft werden grossartige 
österreichische Blumenausstellungen veran- 
stalten. (S —-r.) 


11) Tiflis. Die Gärten sahen letztes 
Jahr traurig aus. Der Wein hat in Folge 
des kalten Frühjahrs und der Krankheit, gar 
keine Erudte gegeben. Steinobst gab es gar 
nicht, Kernobst wenig. Gemüse und Kartoffeln 
gaben mittelmässige Erndte. Auch Korn und 
Heu sind schlecht gerathen, so dass die Preise 
aller Lebensmitte! sehr hoch stehen. So zahlt 
man für das Pud (ungefähr 55 Pfund Zollge- 
wicht) Kartoffeln 75 K. (*/, Rthlr.) und für das 
Pud Mehl 2 Rbl. Die ersten Nachtfröste fielen 
schon auf den 25. Sept. (7. Oet. n.St.), dann 
aber trat im October noch einmal fast uner- 
trägliche Hitze ein und Mitte Okt. (Ende Oct 
n. St.), erfrischte nach einem Zeitraume von 
2 Monaten der erste Regen Gärten und Fel- 
der. Das Erdreich war so trocken gewor- 
den, dass selbst die immergrünen Bäume, 
das Laub zu werfen begannen. 

(Scharrer). 


I6. 


12) Internationale Ausstellung 
und Gartenbaucongress zu London. 
Die Ausstellung in London wird zwischen 
dem 22. bis zum 25. Mai stattfinden. 

Die Ausstellung selbst findetin So uth- 
Kensington, in dem Garten der Royal 
Hortieultural Society statt und werden da- 
bei für 2500. L. Strig. Preise vertheilt wer- 
den. 

Der Congress wird durch Herrn Alph. 
Decandolle präsidirt werden und soll in 2 
Zusammenkünften während des Tages statt- 
finden. 

Alle grössern Gärten Englands sollen 
den Besuchern der Ausstellung offen 
stehen. 

Wer Vorträge im Congress halten will, 
muss solche bie spätestens den 1. Mai dem 
Comite eingeben. Diese Eingaben sollen 
vorher in Englischer, französischer und 
deutscher Sprache gedruckt werden, so 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


dass jeder Besucher des Congresses, an der 
Discussion Theil nehmen kann. — 

Am Banquet können auch Damen Theil 
nehmen. Das Couvert zu solchen kostet 8 
Guineen. 

Eingaben und Einsendungen werden 
an einen der 3 Herren Sekretäre, an Th. 
Moore, F. L. S., Botanie Garden Chelsea. 
S W., in Betreff der Ausstellung, und an 
Dr. B. Seemann, F. L. S., 57, Windsor 
Raod. N. in Betreff der Ausstellung ge- 
macht. Dr. R. Hogg, F.L. S., 29 St. Ge- 
orge's Raod. 5. W., nimmt Anmeldungen 
aller Art an. — 

HerrDr. B. Seemann schreibt uns, dass 
die Ernennung von A. De Candolle zum 
Präsidenten des Congresses, allgemein als 
eine sehr geeignete Wahl, von allen Jour- 
nalen begrüsst werde. — 


(E. R.) 


I. Originalabhandlungen. 


1) Abgebildete Pflanzen. 


a) Franceiscea calyeina Benth 


(Siehe Tafel 502.) 


Serophularinmzae. 


Brunfelsia calyeina Benth. in D. C. 
prodr. X. pag. 199. — Franeiscea caly- 
cina Hook. in Bot. Mag. tab. 4583. — 
Foliis oblongo-lanceolatis, plus minus 
acuminatis, subcoriaceis, cauleque gla- 
berrimis; cymis 2—3 floris; calyce tu- 
buloso, elongato, paullo inflato, glabro; 
eorollae tubo calycem breviter superante, 
puberulo, apice curvato inflatoque: 
limbo maximo, profunde quinquelobo: 
lobis undulatis. — 

Die Gattung Franciscea, die Bentham 
wieder mit Brunfelsia vereinigte, ist in 
zahlreichen Arten in unseren Gewächs- 
häusern repräsentirt. 

Alle Arten bilden niedrige Sträucher, 
die im tropischen Amerika heimisch 
sind. 

Wegen ihres angenehmen Geruchs 
der Blumen, ist schon lange die Fran- 


ciscea Hopeana Hook., ein allge- 
mein verbreiteter Bewohner unserer 
Warmbhäuser. 

IV. 1866. 


Viele andere seitdem eingeführte 
Arten, wie Fr. acuminata Pohl, 
ceonfertiflora Pchl, hydrangeae- 
formis Pohl, wurden wohl anfangs 
stark verbreitet, werden jetzt aber von 
Gartenfreunden wenig eultivirt, — wäh- 
rend Fr. eximia Scheidw., latifo- 
lia Pohl, und besonders die beistehend 
abgebildete Fr. calycina die allge- 
meinste Cultur verdienen. 

Diese letztere Art ist schon im 
Jahre 1849 in den Gärten Belgiens aus 
Brasilien eingeführt worden und wurde 
1851 von Hooker im Bot, Magazine ab- 
gebildet. Sie bildet einen niedrigen 
stark verästelten Strauch, der schon bei 
ı Fuss Höhe auf den Spitzen aller sei- 
ner Aeste, die grossen violetten Blumen, 
deren tellerförmiger Saum 21/, Zoll im 
Durchmesser besitzt, entwickelt. Ein 
angenehmer, wenn gleich schwacher 
Geruch, zeichnet ferner diese Pflanze 
vortheilhaft aus. Dieselbe ist mit Fr. 

7 


98 


eximia, besonders aber mit der von 
Linden kürzlich eingeführten Fr. Lin- 
deniana Pl]. nah verwandt. 


Man pflanze solche in eine nahrhafte 
lockere, nicht zu leichte Erde, (Mischung 
lehmiger Wiesenerde mit !/; lockern 
Humus und etwas Sand) und sorge für 
guten Abzug des Wassers. Den Topf 
senke man zur Zeit des Triebes in: ein 
erwärmtes Beet des niedrigen Warm- 
hauseg ein, und stelle die Pflanzen nach 
vollendetem Trieb, also von Mitte Som- 
mer bis zur Mitte des Monats Februar 
auf einem der Tische oder auf einem 
Sandbeete des Warmhauses auf. Die 
Blumen erscheinen vom ersten Frühlinge 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


bis Mitte Sommers. Um einen kräftigen 
Trieb zu befördern, wird bei mildem 
Wetter gelüftet, bei sonnigem Wetter 
bespritzt und leicht beschattet und wäh- 
rend des Triebs ein bis zweimal je nach 
Bedürfniss ohne Beschädigung des Bal- 
lens vorsichtig grösser gepflanzt. Ein- 
kneipen der Spitzen der längsten Triebe 
und ein wiederholter Dungguss, sind 
fernere Mittel zur Formirung und Er- 
ziehung eines schönen kräftigen Exem- 
plars. — 

Vermehrung durch Stecklinge, wel- 
che fast zu jeder Zeit im Warmbeete 
des Vermehrungshauses leicht und si- 
cher Wurzeln bilden. (E. R.) 


b) Echidnium Spruceanum Schott. 


(Siehe Tafel 503.) 


Aroidezaze, 


Echidnium Schott. Spatha basi | 
convoluta, apice acuminata. Spadix cy- 
lindricus, stipitatus: stipite pro parte 
spathae accretus. Flores hermaphroditi. 
Sepala 4—5, irregulariter imbricata. | 
Ovarium hemiphragmate angusto instruc- 
tum. Stylus eylindrico-conoideus. Stig- 
ma punctiforme, minutum, in centro 
styli verticis. Ovula 2, e hemiphrag- 
matis acie, hemianatropa, breviter 
funiculata. — Folia radicalia, petiolo 
tereti, lamina pedato-tripartita. — Schott 
genera Aroidearum tab. 88. 

E. Spruceanum Schott, in 
Oestr. Bot. Zeitschrift 1858 pag. 350. 
Schott Prodr. Aroid. pag. 418; foliis 


foraminibus instruetis, plus minus acu- 
minatis. — 

Die Blüthenscheide. dieser ausge- 
zeichneten Aroidee, die Hr. Appun dem 
Kais. Botanischen Garten als Arum fili- 
folium aus Brasilien einsendete, erschien 
im Juni des Sommers 64. Dieselbe wird 
von einem dicken 1!/, Zoll langen 
Stiele, der aus der Knolle hervortreibt 
und eine bräunlich rothe Farbe besitzt, 
getragen. Am Grunde desselben stehen 
4—5 Bracteen, von denen die untersten 
klein, häutig, oben abgerundet und mit 
aufgesetzter Spitze, die oberste dagegen 
braunroth, mit scheidigem Grunde und 
mit lanzettlicher zugespitzter abstehen-" 


triseetis, partitionibus trifidis v. pinna- | der Spitze, die länger als der Stiel der 
tiidis, pinnis decurrentibus ovatis v. | Blüthenscheide und an den Rändern 
ovato-oblongis v. late ovatis, interdum | eingerollt. Die Blüthenscheide ist kaum 


I. Originalabhandlungen. 


4 Zoll lang, von ziemlich fester Consi- 
stenz, schwarzbraun, innen glänzend, 
von 9 stärkeren, auf der Aussenseite 


etwas hervortretenden Längsnerven durch- | 
zogen, am Grunde becherförmig zusam- | 


mengerollt, in einen ovalen aufrechten 
concaven vorn zugespitzten Lappen aus- 
gehend. Der Blüthenkolben walzlich, 


mit der Blüthenscheide verwachsenen 
Stiel gestützt. Jede einzelne Blume be- 
steht aus 5 keilförmigen, an der Spitze 
verbreiterten und hier einwärts geboge- 
nen Blüthenhüllblättchen. 
denselben alternirend, theils unregelmäs- 


sig zwischen gestellt, stehen am inneren | 


Grunde der Blüthenhüllblättehen 7—9 
Staubfäden, deren Träger breit. 


länglich und sich mit einer ovalen 
Längsspalte öffnend.. Der dreiseitig- 


walzliche, nach oben kegelförmige Frucht- | 


knoten nimmt das Centrum der Blume 
ein, und überragt mit seiner Spitze die 
Blüthenhüllblätter etwas. 


kurzen Stiele getragen werden und am 
untern rückwärts gebogenen Ende den 
Eimund tragen. Die Narbe klein, aus 


vielen kleinen Papillen bestehend und | 
die Spitze des Fruchtknotens einneh- | 


mend, 
Die Blätter 


gestielt. Die Blattstiele sind 11/, bis 3 
Fuss hoch, ganz stielrund, kahl. 
genthümlich ist die Zeichnung derselben, 


Theils mit | 


Im Grunde | 
des Fruchtknotens finden sich auf der | 
grundständigen Placenta 2 zusammen- | 
gebogene Samenknospen, die von einem | 
| Blüthenscheide und dem Blüthenkolben 


erscheinen nach der | 
Blüthe aus dem Knollen und sind lang | 


Ei- | 
| vergrösserten Fruchtknotens mit 
indem auf schmutzig weisslicher Grund- | 


99 


farbe, braune oder braungrüne oder 


| auch ins Rothe übergehende breite flam- 


mige und unregelmässige Querbinden 
auftreten, die dem Blattstiele eine 
schlangenfellartige Zeichnung geben und 
die Grundfarbe grossentheils decken. Die 
grosse, fast 11), Fuss im Durchmes- 


|ser haltende Blattfläche kahl und in 3 
wenig länger als der becherförmige zu- | 
sammengefaltete untere Theil der Blü- | 
thenhülle, mit dicht gedrängten Blumen | 
besetzt, von einem kurzen am Grunde | 


auseinander tretende Theilblätter ge- 
theilt. Jedes der letzteren ist wiederum 
entweder in 3 oder 2 Blättchen getheilt 
oder  finderschnittig.. Die einzelnen 
Blättchen wechseln sehr in der Form, 


|sind oval, breit-oval oder länglich-oval, 
| vorn stumpf oder zugespitzt, ganzrandig 


oder mit einzelnen eine neue Theilung 
andeutenden Lappen. Ausserdem treten 
in der Fläche der Blättehen selbst, in 
der Nähe der Mittelrippe einzelne Lö- 


| cher oder grössere Oeffnungen auf. 
Die | 
Antheren zweifächerig und die einzelnen | 
Fächer der inneren Fläche der Spitze | 
des Trägers angewachsen, jedes Fach | 


Gehört zu den schönsten decorativen 
Arten der knolligen Aroideen ; fürs 
Warmhaus. Die von Verschaffelt als 
Amorphophallusnivosus verbreitete Pilan- 


|ze, von der tab. 424 der Illustr. hor- 


ticole eine Abbildung nach einer Pflan- 
ze, die noch nicht geblühet hat, giebt, 
dürfte vielleicht mit unserer Pflanze 
identisch sein. (E. R.) 


Erklärung der Abbildung. 


Fig. 1. Ein Blüthenschaft mit der 


in Lebensgrösse. 

2. Eine einzelne Blume von oben 
gesehen, etwas vergrössert. 

3. Eine stärker vergrösserte Blume 
mit den ausgebreiteten Blüthenhüllblätt- 
chen und Staubfäden. 

4. Ein Fruchtknoten von der Seite, 
schwach vergrössert. 

5. Der Durchschnitt eines stärker 

den 
beiden Samenknospen, 
7 E35 


100 


6. Ein Staubfaden, 
sert. 

7. Einzelne Blätter in !/,; der na- 
türlichen Grösse. 


stark vergrös- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


8. Ein Stück des Blattstiels in na- 
türlicher Grösse. 


9 Das Spitzenblatt in natürlicher 
Grösse. 


co Dibrachion peltatum Rgl. 


(Siehe Tafel 504.) 


Euphorbiaceae 


Dibrachion Rgl. in ind, sem. hort. 
Petrop. 1866. — Flores monoiei in 
spicas terminales dispositi; Flores 
masculi Jaxe subfasciculati, basi brac- 
teis parvis glandulaque suffulti, pedun- 
culati, calyce bipartito, staminibus plu- 
ribus (10), filamentis liberis, antherarum 
bilocularum loculis globosis basi diver- 
gentibus dorso rima longitudinali dehis- 
centibus. Flores foeminei ad basin 
spicarum pauci, solitarii pedunculati, 
ebracteati, calyce brevi cupuliformi bi- 
crenato, eglanduloso, ovario biloculari 
laevi, localis uniovulatis, stylis duobus 
sigmoideo v. subspiraliter eurvatis crassis 
et intus stigmatiferis. — Arbusculus ex 
insulis Philippinis a el, Lindenio intro- 
ductus. Folia alterna, longe peduncu- 
lata, peltata, subintegerrima. — Mappa 
fastuosa Linden cat. 1865. pag. 4. 

Die beistehend abgebildete Euphor- 
biacee, ist von Linden von den Philippi- 
nen eingeführt und gehört zu der Zahl 
der interessantesten Blattpflanzen; die 
von unserem, um den Gartenbau so ver- 
dientem Freunde in den Handel gebracht 
worden sind. Die beistehende Abbildung 
ist kaum in der Hälfte der natürlichen 
Grösse angefertigt, und zwar nach einem 
kleinen, kaum 1!/, Fuss hohem kxem- 
plar, das im November 1865 im hiesigen 
Garten blübete, 


Die Untersuchung zeigte, dass es 
eine Pflanze ist, welche den Gattungen 
Mappa Juss. und Claoxylon Juse. ver- 
wandt, während sie andrerseits zwischen 
den Gattungen Omalanthus Juss. und 
Stillingia Gard. gerade in der Mitte 
steht und die auch bis jetzt noch nicht 
beschrieben worden ist. Die Gattung 
Mappa unterscheidet sich von unserer 
neuen Gattung durch achselständige 
verästelte Blüthentrauben, in den Ach- 
seln grosser gezähnter Bracteen sitzen- 
de oder fast sitzende Blumen, die 
stets kürzer als die eine stützende Brac- 
tee sind, ferner durch wagerecht ab- 
stehende Antherenfächer und endlich 
durch die weiblichen Blumen, die gleich- 
falis zu 1 his ınehreren in den Achseln 
grosser Bracteen sitzen und deren Frucht- 
knoten mit langen einzelnen stachelför- 
migen krautigen Auswüchsen bewehrt 
sind. — 

Claoxylon stimmt in der Blumen- 
bildung mit unserer Pflanze mehr über- 
ein, unterscheidet sich aber noch durch 
achselständige Blüthenähren, männliche 
Blumen mit 3—4theiligem Kelche, kleine 
Schuppen am Grunde der Staubfäden, 
sowie durch weibliche Blumen mit 3- 
theiligem Kelche, der innerhalb abwech- 
selnd mit den Lappen desselben 3 ge- 
färbte Drüsen trägt, — und endlich 


L Originalabhandlungen. 


durch gesägte nie schildförmige Blät- 
ter. —— 
Am nächsten 


Omalanthus Juss. 


sind die Gattungen 
und Stillingia Gard. 


verwandt, und zwar theilen solche den | 
| Länge von 5 Zoilen. Fig. 1 und 2 ge- 


Blüthenstand und sind überhaupt so 


nahe verwandt, dass wir erst zweifel- | 
| männlichen Blumen, 


baft waren, ob wir nicht unsere Pflanze 
zu Omalanthus rechnen sollten. 
den Grundsätzen aber, nach denen jetzt 


die Gattungen der Euphorbiaceen auf- | 
dem noch 


gestellt sind, bildet unsere Pflanze eine 


neue Gattung. Sollten die Euphorbia- | 
| förmige Drüse. 


ceen-Gattungen jedoch noch mehr nach 


natürlichen Charakteren in der Zukunft | 
dann | 


zu Gattungen vereint werden, 


müssten Omalanthus und unser Dibra- | 


chion, wieder zu Stillingia als Unterab- | 
lin deren Innern meist 10 Staubfäden 


theilungen fallen. 


Von Omalanthus und Stillingia ist | 
natürlich durch die | 
schildförmigen Blätter getrennt. Ausser- | 
| solche stehen einzeln, 


unsere Pflanze 


dem unterscheidet sieh Omalanthus durch 


theils mit einander verwachsene Staub- | 
fäden, durch ebenfalls einzeln stehende | 
| Kelch. Fig. 4 giebt die starke Vergrösse- 
|rung einer solehen weiblichen Blume. 


weibliche Blumen, deren Blüthenstiele 
aber am Grunde durch Bracteen gestützt 


sind, deren Kelch eine kurze Röhre | 
| brachion(Zweiarm, nach dem Verhalten der 


bildet mitabgestutztem, unmerklich durch 


2 kerbige Einbuchtungen in 2 Lappen | 
| züglich schöne und durch die Blattform 


getheiltem Saum und deren Narben dem 
Griffel aufgewachsen und 
unten eingekerbt, 


lichen nur 2 Staubfäden tragenden Blrx- 
men und durch 3lappigen Kelch der 
weiblichen Blumen, 3 Griftel ete, — 


Unsere Pflanze bildet einen kleinen | 


Baum, dessen Blätter abwechselnd stehen, 
mit 6 Zoll langen röthlichen, an der 
Spitze 2 Drüsen tragenden Blattstielen 
gestützt, und wie die ganze Pflanze 


Nach | 


oben und| 
Stillingia unterschei- | 
det sich bei ähnlicher Tracht durch ei- | 
nen becherförmigen Kelch der männ- | 


101 


durchaus kahl sind. Die schönen schild- 
förmigen hellgrünen Blätter, erreichten 
bei unserer Pflanze einen Durchmesser 
von 5 Zoll, dürften aber noch grösser 
werden. Die Blüthenähre erreicht eine 
ben die Ansicht von je 2 vergrösserten 
welche die Aehre 
fast ausschliesslich bilden; am Grunde 
derseiben stehen 2 kleine Bracteen, die 
kürzer als die Blüthenstiele und ausser- 
seitlich am Grunde eine 
knopfförmig zusammengedrückte kreis- 
Jede der männlichen 
Blumen, (die eigentlich richtiger als 
Blüthenstände und jeder Staubfaden als 
Blumen zu deuten sind), besteht aus 2 
gegenständigen nierenförmigen Blättchen, 


stehen. Fig. 3 ist ein stark vergrösser- 
ter Staubfaden. Der weiblichen Blumen 
fanden sich nar 2 am Grunde der Aehre, 
sind von keinen 
Bracteen gestützt und haben einen sehr 
kurzen, nur mit der Lupe sichtbaren 


Wir haben schon gesagt, dass Di- 
weiblichen Blumen so genannt), eine vor- 


ausgezeichnete Decorationspflanze ist, 
Dieselbe scheint durchaus nicht zu den 
zärtlichen Pflanzen zu gehören, Wir 
eultivirten solche in einer lockeren leh- 
migen Erde, im niedrigen Warmhause, 
wo solche auf einem Tische nicht zu 
fern vom Fenster aufgestellt, gut und 
kräftig vegetirte, — (E. R.) 

Nr. I u. 2. Je2 männliche Blumen. 

3. Ein Staubfaden. 

4. Eine weibliche Blume, alle ver- 
grössert. — 


102 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


2) Nachtrag zu dem Artikel über Kartoffeleultur und verglei- 
chende Versuehe mit 440 Sorten. 


Der Referent hat auch im Jahre 1865 


Da unsere Versuche mit den zahl- 


seine Versuche, mit den 440 Kartoffel- | reichen Sorten nur darauf gerichtet wa- 
sorten fortgesetzt, um durch solche ein | ren, um die für ein kaltes Klima ge- 


um so sichereres Resultat für das nörd- 
liche Klima St. Petersburg zu erhalten. 

Der letzte Sommer war für die Kar- 
toffeleultur anfänglich günstig, dann aber 
tödtete den 10. (22.) August ein Frost 
von — 2° R. das Kartoffelkraut rings um 
Petersburg, Die Folge dieses Frostes 
war, dass die Knollen von diesem Zeit- 
punkt an, fast gar nicht mehr wuchsen, 
so dass die Erndte nur von den frühen 
Sorten eine gute war, während alle 
späten Sorten vollständig missriethen, ja 
theils kaum die Aussaat lieferten, 

Während der heissen und trockenen 
Witterung im Juli hatte sich die Kar- 
toffelkrankheit gar nicht gezeigt. und 
erst als gegen Ende Juli und in der 
ersten Woche des August, wiederholt 
Regen eingetreten war, zeigten sich die 
ersten Spuren der Krankheit, ja manche 
niedrig und feucht liegenden Felder 
hatten Anfang August schon in Folge 
der Krankheit ganz krankes Kraut. Auf 
unsern Versuchsfeldern sahen wir eben- 
falls Anfangs August die ersten Spuren 
der Krankheit, obgleich im Allgemeinen 
das Kartoffelkraut auf denselben so 
schön und gesund stand und so reich- 
lich blühete, wie wir dies schon man- 
ches Jahr nicht mehr gesehen hatten, — 
Nach dem Erfrieren des Krautes, wobei 
allerdings die Stengel meist nicht bis 
zum Grunde erfroren waren, stellte sich 
nasses Wetter ein und unter Einfluss 
desselben, zeigte sich die Krankheit 
gegen das Erwarten des Referenten, doch 
bei manchen Sorten noch in sehr hohem 
Grade. — 


eignetsten Sorten aus denselben auszu- 
wählen, so geben wir auch, von diesem 
Standpunkte ausgehend, das Resultat 
unserer in diesem Jahre gemachten Ver- 
suche. Dieselben umspannten noch ein- 
mal alle die im letzten Jahre schon 
eultivirten Sorten. Es bestätigte sich 
dabei unsere schon im letzten Jahre ge- 
machte Erfahrung in Bezug auf dieje- 
nigen Sorten, welche wir, als der Krank- 
heit stärker ausgesetzt, schon im letz- 
ten Jahre ausrangirt hatten. Nach un- 
sern diesjährigen Erfahrungen, welche 
eben im Verein mit den im letzten Jahr 
gemachten nur dazu benutzt werden 
sollten, um eine kleinere Zahl 
von Sorten auszuwählen, die 
sich als die geeignetsten für ein 
kaltes Klima, in dem selbst im 
August schon Fröste eintreten 
können, erwiesen hatten, indem 
sie erstens der Krankheit nicht, — oder 
doch im Verhältniss zu den Vortheilen, 
die sie bieten, nur wenig ausgesetzt, — 
zweitens auch in ungünstigen Jahren 
einen sichern Ertrag geben, — und 
drittens im Geschmack oder Stärkege- 
halt vorzüglich, — ist nun unsere Samm- 
lung auf die Zahl von nur 48 Sorten 
beschränkt worden. Aus den im letzten 
Jahre unter Nummern aufgeführten und 
noch beibehaltenen Sorten, wurden aus- 
rangirt. 


I. Als der Krankheit noch zu sehr 
ausgesetzt. 


Nr. 3, 3.6, 7,8, 1 BIS 
15, 17b, 18b, 20, 21, 22, 22b, 26, 29, 


1. Originalabhandlungen. 


30, 31, 32,34, 36, 40, 41b, 42b, 44, 
47, 54, 55, 56, 59, 61. 62, 65, 67, 68, 
69, 71, 72, 74, 75, 76, 77, 79, 80, 83, 
85, 87, 88, 91, 92, 93, 95, 96, 99, 102, 
103, 104, 106, 107, 111, 113, 115, 116, 
117, 119, 121, i22, 123, 124, 126, 128, 
129, 130, 134, 138, 139, 144, 161, 174, 
179, 187, 191, 194, 196, 207, 211,212, 
213, 224, 226, 227, 228, 229, 235, 241, 
255, 261, 272, 278, 279, 280, 282. 


II. Als Sorten, die überhaupt einen 

schlechten Ertrag geben, — oder die 

als zu späte Sorten im Klima von Pe- 

tersburg in ähnlich ungünstigen Som- 

mern wie in dem vergangenen eine 

sehr geringe Erndte geben, — wurden 
ausrangirt. 


(Die mit * bezeichneten sind späte 
Sorten, die in Folge dieses Jahr nur 
kleine Kartoffeln. und darum einen ge- 
fingen Ertrag lieferten.) 

Nra:l;. 2%,.9*,,10#,.16,517%,,21; 23, 
25, 27, 28*, 33, 35*, 42b*, 43, 44, 45, 
46, 49, 51*, 52, 53, 58, 62,63, 64, 72, 
73*, 78, 87, 89, 90, 94, 98, 101, 105, 
108*, 110, 114, 120*, 125, 126, 128, 
132, 133, 134, 135%, 136%, 137%, 142, 
144, 145*, 146%, 147, 148*, 149, 154, 
155, 156, 157*, 158*, 159, 160, 162, 
163*, 164*, 165, 167*, 168, 171, 172, 
174, 175%, 176%, 177, 178, 179, 180, 
181, 183, 184, 185*, 186, 187, 188, 
189*, 190%, 191°, 193*, 195, 196, 199, 
201, 202, 205, 206, 207, 208, 209%, 
210, 211, 214*, 215*, 219, 221, 222, 
223, 225*, 228, 230, 231, 232, 233%, 
234, 235, 236, 237*, 238%, 239, 249, 
241, 242, 243*, 244*, 245, 248, 249, 
250, 251*, 252, 253%, 254, 255, 256, 
257, 258, 259, 260*, 261, 262, 264, 
265, 267, 268, 270, 271, 272, 273*, 
274, 275, 276, 277, 278, 279, 283*, 
287. 


103 


II. Der Krankheit nicht unterworfene 

volltragende Sorten, die aber wegen 

nicht guten Geschmacks oder Nässe 
beim Absieden ausrangirt wurden. 


Nr. 4, 14, 141, 152, 166, 180, 203, 
217, 218, 2235, 


IV. Beibehaltene Sorten, die als 
frühe Sorten stets sichern Ertrag ge- 
ben, der Krankheit nicht oder wenig 
unterworfen sind, und einen reichen 
Ertrag liefern. Die weissen und gel- 
ben Sorten sind beim Abkochen ange- 
nehm mehlig und platzend, — die ro- 
then und blauen Sorten sind reich an 
Stärkemehl, beim Absieden trocken 
und von kräftigem Geschmack und 
daher zum Wirthschaftsgebrauch, zur 
Aufbewahrung bis zum kommenden 


| Frühjahr und zur Branntweinbrennerei 


vorzüglich. — 


I. Gelbe und weisse Sorten. 


Nr. 18. Pomme de terre sans 


ıfleurs. Französische Sorte. 


Nr. 19, Runde gelbe rauh- 
schaalige. Russische Sorte, 

Nr. 24. Bisquit runde dotter- 
gelbe. Russische Sorte. 

Nr. 37. Thüring’sche Kartof- 
fel. Deutsche Sorte, die dies Jahr im 
Geschmack gut war, 

Nr. 38. Weisse Riesen. Eng- 
lische Sorte vom Admiral Greig. Eine 
ganz vorzügliche Kartoffel im Geschmack, 
im Ertrag und gar nicht der Krankheit 
unterworfen. 

Nr. 39. Lima Kartoffel, Be- 
währte sich auch in diesem Jahre als 
eine vorzügliche Sorte im Geschmack 
und Erirag. Allerdings der Krankheit 
unterworien, ist aber nach Abzug der 
kranken Knollen der Ertrag noch genug- 
sam reich, — auch erkrankt solche, nicht 


104 Gartenflora Deutschlands, 


zu früh aufgenommen, im Keller nicht 


weiter, während unsere Nr. 59, (Frühe 


runde Marjolaine), die wir im letzten 
Jahre als eine der besten Sorien zum 
Anbau im Grossen empfahlen, allerdings 
auch in diesem Jahre sich durch reichen 
Ertrag und guten Geschmack auszeich- 
nete, — aber weil sie die Untugend 
besitzt, nachträglich im Keller noch 
stark zu erkranken, von uns dennoch 
jetzt ausrangirt wurde. — 

Nr. 41. Early London. Eine 
englische, in jeder Beziehung ganz vor- 
zügliche Sorte, die der Krankheit gar 
nicht unterworfen war und im Geschniack 
und Ertrag der Lima - Kartoffel gleich 
kommt. — 

Nr. 48. Matschless Kidney. 
Gleichfalls eine vorzügliche englische 
reichtragende Sorte, von vorzüglichem 
mehligem Geschmack, die dies Jahr 
gar keine kranken Knollen hatte, — 

Nr. 50. Englische Farinosa. 
Eine englische Sorte, die in ihren Ei- 
genschalten sich den beiden vorhergeh- 
enden Sorten anschliesst, — nur sind 
die Kartoffeln nicht gross. — 

Nr. 5lb. Peruanische weisse. 
Vorzügliche Sorte von feinem mehligem 
Geschmack. Früh, reichtragend und 
der Krankheit nicht unterworfen. 

Nr. 60. St. Jean de Segonsac. 
Eine feine und gute französische Sorte, 
Lieferte grosse Knollen, reichen Ertrag 


und war der Krankheit nicht unter- 
worfen. 
Nr. 66. Frühe gelbe. Eine rus- 


sische Sorte, die im Geschmack aber 
den vorhergehenden nachsteht, zum An- 
bau im Grossen auf dem Felde als 
reichtragende Sorte zu empfehlen ist. — 

Nr. 70. Algir’sche Kartoffel. 


Russische Sorte, die alle ihre guten Ei- | 
genschaften beibehielt und der Krank- 


heit gar nicht unterworfen war. — 


Russlands und der Schweiz. 


Nr. 71. Frühe Johannis, Rus- 
sische Sorte, die als frühe Sorte zur 
weitern Erprobuug beibehalten wurde. 

Nr, 81. Frühe Herzogin. Eine 
sehr volliragende deutsche Sorte von 
gutem mehligem Geschmack. 

Nr. 82, Französische längli- 
che Biseuit. Frühe vorzügliche sehr 
reichtragende Sorte von feinem mehli- 
gen Geschmach. War der Krankheit 
gar nicht unterworfen. 

Nr. 84. Amerikanische weisse 
Kartoffel. Weniger reichtragende 
Sorte, die aber schöne grosse Knollen 
liefert, schwach mehlig ist und der 
Krankheit gar nicht unterworfen. 

Nr.86. Englische ächte weisse. 
Aehnlich der vorhergehenden, aber von 


vorzüglichem feinem mehligem Ge- 
schmack. Mittlerer Ertrag und der 
Krankheit nicht unterworfen. 

Nr. 97. Gelbe Peruanische. 


Fein mehlige platzende Sorte, die sich 
als frühe reichtragende Sorte bewährte. 

Nr. 100. Frühe Kocekny. Eine 
frühe Sorte von mittlerem Ertrag und 
gutem mehligem Geschmack. — 

Nr. 109. Mpyatts prolific. Frühe 
englische Sorte, die sehr voll trägt, der 
Krankheit nicht unterworfen ist und 
auch einen guten mehligen Geschmack 
besitzt. 

Nr, 112. Englische Fluke’s. Be- 
währte sich als vorzügliche reichtra- 
gende Sorte, war aber etwas der Krank- 
heit unterworfen. 

Nr. 116. Sandkartoffel. Der vor- 
hergehenden in ihren Eigenschaften 
ähnlich. 

Nr. 118. White Blassornet’s. 
Volltragend, keine krank, Geschmack 

'fein und mehlig. — 

Nr. 131. Stevensons kidney. 
Einzelne krank. Ertrag und Geschmack 
| vorzüglich. — 


I. Originalabhandlangen. 


Nr. 140. Provencer 


105 


weisse. | der besten blauen Sorten im Geschmack, 


Eine schöne grosse, der Krankheit nicht | reichtragend und der Krankheit nicht 


unterworfene reichtragende Sorte. Ge- 

schmack gut, aber der innere Kern der 
9 PD 

grossen Kartoffeln oft fest, — 


II. Rothe Sorten. 


Alle folgenden reichtragend, der 
Krankheit gar nicht unterworfen, reich 
an Stärkmehl, von gutem kräftigem Ge- 
sehmack und beim Abkochen trocken. 

Nr. 143. Englische Rosette 
kidney. Eine der besten Sorien. 

Nr. 150. Bunte rothe Morgen- 
rock. 

Nr. 151. Preis von Holland. 
Die letztes Jahr unter Nr. 152 „Aschers- 
lebner späte rothe‘ aufgeführte Sorte, 
ist mit dieser identisch, — 

Nr. 153. Dunkelrothe. 

Nr. 169. Peruanische rothe. 


Nr. 170. Schottische aller- 
früheste rothe. 

Nr. 173. Frühe niedrige rothe. 

Nr. 182. Dunkelrothe preussi- 
sche. 

Nr. 192. Rothe gelbfleischige. 

Nr, 197. James rothe. 

Nr. 198. Rothe Schwaben, 

Nr. 200. St. Louis pr&eoce, 

Nr. 204. D’Osterode. 

UI. Blaue Sorten. 
Nr. 232. Frühe Champion. Eine 


krank. — 


unterworfen. 


Nr. 246. Pomme de terre bieu 
d’Holiande. Bewährte sich auch 1865 
als eine vorzügliche Sorte, 


Nr. 247. Neue frühe Zwiebel. 
Gleichfalls vorzügliche Sorte und der 
Krankheit nicht unterworfen, 


Nr, 263. Blaue runde glatte, 
Vorzügliche russische Sorte von hohem 
Ertrag und gutem Geschmack. 

Nr. 266. Cork red, Vorzüglich im 
Geschmack und allen anderen Eigen- 
schaften. 

Nr, 268 Rothe Liverpooler. 
In jeder Beziehung empfehlenswerthe 


| Sorte, 


IV, Blaumarmorirte Sorten. 


Nr. 281. Marmorirte Zwiebel- 
kartoffel. Volltragende Sorte mit 
schönen grossen Knollen. Im Geschmack 
gut und mehlig, Einzelne Knollen 
krank, wie überhaupt aus dieser Sippe, 
nur wenige sich unsern Verhältnissen 
anpassen wollten. 

Nr. 284. Gray’s Dikeman. Voll- 
tragende Sorte mit grossen Knollen. Gut 
und mehlig im Geschmack, aber einzelne 
(E. R.) 


3) Berliner Culturen. 


1V. Anzucht der Blumenzwiebeln. 


Kein Zweig der Pflanzencultur hat | che an Grösse der Blume sich mit den 
soviel zur Verbreitung des guten Rufes | holländischen vollständig messen können, 


der Berliner Gärtnerei beigetragen, als 


Einen Begriff von der Ausdehnung 


die Anzucht der Blumenzwiebeln, wel- | dieses Zweiges wird man sich am leich- 


106 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


testen dadurch verschaffen können, wenn | hebung des Ediets von Nantes, wodurch 


man dıe folgenden, durch möglichst ge- 
nau zusammengestellte Notizen erlang- 
ten statistischen Resultate berücksich- 
tigt. Berlin baut jetzt nahe an 25 
Morgen mit Blumenzwiebeln an; auf 
diesem Lande liegen ungefähr 4,500,000 
Hyacinthen, welche den dritten Theil 
durehsehnittlich alle Jahr verlieren und 
durch junge Anzucht ersetzt werden. 
Man rechnet 200,000 Zwiebein auf den 
Morgen. Mag der Durchsehnitispreis 
pro Hundert nur 5 Thlr. betragen, was 
allerdings der niedrigste Preis ist, wo- 
von aber auch am meisten verkauft wird, 
so erhalten wir die respectable Summe 
von mindestens 75,000 Thlr. als Maass- 
stab für die jährlichen Berliner Zwie- 
belgeschäfte. Dazu kommt noch eine 
Summe von einigen tausend Thalern 
für Tulpen, die in einer Anzahl von 
ungefähr 2 Millionen auf 3 bis 31/, 
Morgen Land um Berlin gezogen wer- 
den. 

Die Zwiebeleultur hängt weniger 
von der augenblicklichen Geschicklich- 
keit des Züchters, als vielmehr von des- 
sen Aufmerksamkeit bei der Wahl des 
Bodens, der Düngung, der Zeit des Le- 
gens und Herausnehmens und des Bo- 
denraumes ab, auf welchem die Zwie- 
beln während des Sommers liegen. Vor 
allen Dingen muss der Boden sandig 
sein und dabei einen feuchten Unter- 
grund besitzen. 

Wo die letztere Bedingung fehlt, ist 
auch um Berlin diese Cultur unmöglich, 
desshalb sehen wir dieselbe fast allein 
auf die Südostseite der Stadt beschränkt, 


welchen Ort sie seit dem Beginn der 
hiesigen Anzucht niemals verlassen 
hat. 


Diese Cultur begann höchst wahr- 


auch die damals in Frankreich herr- 
schende Geschmaeksrichtung für glän- 
zerde Blumen, die der architektonische 
Styl erforderte, hier sehr schnell eine 
weitere Verbreitung und ausgedehnte 
Pflege fand. 

Auch in Holland scheint die im 
Grossen betriebene Cultur der Zwiebel- 
gewächse kaum über das Ende des 16. 
Jahrhunderts zurückzugehen und die 
ersten Zwiebeleulturen in . Deutschland 
selbst finden wir in Wien, wo sich ge- 
gen Ende des sechzehnien Jahrhunderts 
durch den direeten Verkehr mit dem 
Morgenlande ein Centralpunkt für Zwie- 
belzucht gebildet hatte. Merkwürdiger- 
weise war in früherer Zeit die Tulpe 
weit geschätzter als die Hyaeinthe. Er- 
stere kam nach Gessner um die Mitte 
des 16. Jahrhunderts durch Auger Gis- 
leım Busbeeg , dem Gesandten des Kai- 
sers Ferdinand I, am türkischen Hofe, 
nach Europa. Die Türken eultivirten 
damals diese Pflanze schon sehr lange; 
in Europa blühte dieselbe zum ersten 
Male in Augsburg , wo sie Gessner be- 
schrieb. Im Jahre 1573 erhielt sie 
Clusius in Wien, 1577 wurde sie in 
England eingeführt; einige Jahre später 
taucht sie im Grossen in Holland auf, 
wo sie bekanntlich bald das Lieblings- 
kind und ein Gegenstand der wahnsin- 
nigsten Speculation wurde, wo man, 
wie Linne erzählt, eine Zwiebel für 
6700 holländische Gulden verkaufte. — 
Die Hyacinthe erschien ziemlich um die- 
selbe Zeit, wie die Tulpe, aber fand 
sehr wenig Beachtung und im Jahre 
1614 kannte man in Deutschland erst 


i3 einfache und eine gefüllte Varietät. 


Der Culminationspunkt für die Hyaein- 
theneultur bei uns war der Anfang und 


scheinlich mit der Einwanderung der Mitte des 18. Jahrhunderts; bei den 
französischen Flüchtlinge nach der Auf- Holländern muss dagegen dieser Zeit- 


I. Origimalabhandlungen. 


107 


punkt schon früher eingetreten sein, | nahm die Berliner Cultur in den dreis- 
wenigstens war im Jahre 1633 die lei- | siger und vierziger Jahren dieses Jahr- 


denschaftliche Jägerei nach Raritäten 
schon in bester Blüthe. Wir ersehen 
dies aus einem Berichte des holländi- 
schen Geschichtsschreibers Meuley, der 
uns von der Hyacinihe „Admiral Lief- 
ken“ die Summe von 4400 Gulden als 
Kaufpreis angiebt; Admiral van der 
Eyck soll 1620 und Semper Augustus 


5500 holländische Gulden in den Jah- | und besass von ersteren allein mehr als 
|2 Millionen, von denen er jährlich un- 
| gefähr 600,000 Stück verkaufte. 

der | 
grössten Blüthe dieser Cultur vorhanden | 
führte zu dem Bestreben einer | 


möglichst vollkommenen und schnellen | 


ren von 1633-——37 gegolten haben. 
Die aussergewöhnliche Nachfrage 
nach Zwiebeln, die um die Zeit 


war, 


Vermehrung. Man wendete das Aus- 
bohren des Herzens, das Einschneiden 


des Zwiebelbodens, oder das fast gänz- | 


liche Vernichten desselben an, um die 
in den Achseln der Zwiebelschuppen 
gebildeten Augen 'zu wecken und zur 
Zwiebelbrut heranzuziehen, 
schnitt zuweilen die 


ja man 


beln, Jetzt werden diese Vermehrungs- 
methoden nur noch selten in Anwen- 


dung gebracht und nur dann und wann | 


zur schnellen Vervielfältigung neuer Sor- 
ten gebraucht, 

Es lässt sich in der Geschichte der 
Hyacinthencultur wie in der der mei- 
sten anderen Pflanzen von dauerndem 
ein wellenförmiges Steigen und Fallen, 
ein Zunehmen und wiederum ein mo- 
mentanes Nachlassen in der Zuneigung 
des Publikums zu der Pflanze erkennen 
und dem entsprechend auch ein Schwan- 
ken in der Ausdehnung der Culturen. 
Den letzten bedeutenden Aufschwung 


|che wurden 30,000, Acteur, 
| coeur 
| Stück jährlich abgegeben. Die bekannte 
| La jolie blanche ist eine ächte Berliner 
Zwiebel quer | 
durch und setzte die obere Hälfte mit | 
der Schnittfläche in Sand; binnen kur- | 
zer Zeit bildeten sich an den Schnitt- | 
flächen der Zwiebelschuppen neue Zwie- | 


hunderts. In dieser Zeit war Moeves 


| einer der bedeutendsten Zwiebelzüchter, 


der grossartige Ausstellungen von Blu- 


| menzwiebeln veranstaltete ; er hatte nach 


den Aufzeichnungen, die sich in der 


| Gartenzeitung von Otto und Dietrich 


finden, gegen 2000 U] Ruthen allein 
mit Hyacinthen und Tulpen bedeckt 


Die meisten der damals eultivirten 
gangbarsten Sorten sind auch jetzt bei 
unseren Zwiebelzüchtern noch anzutref- 
fen und wir nennen davon nur: la bien 
aimee, von denen Moeves zu jener Zeit 
gegen 40,000 Stück jährlich verkaufte; 
von Henri le grand und La jolie blan- 
Pami du 


und Gellert wurden zu 20,000 


Züchtung von David Bouche, der einer 
der eifrigsten und ersten Zwiebeleulti- 
vateure, welcher 1740 die erste grossartige 
Hyacinthenausstellung in’s Leben rief, 
und dessen heutiger Nachfolger noch 


| durch seine Amaryllis in weiteren Krei- 


sen bekannt ist. 

Die Gärtnereien, welche jetzt vor- 
züglich durch ausgedehnte Zwiebeleul- 
turen bekannt, sind die von Späth, Ma- 
thieu, Friebel, Chone, Christoph, de la 


| Croix, Limprecht, George, Schultz und 
| Huek. 
Werthe und allgemeinster Verbreitung | 


Das Culturverfahren selbst besteht 
vor Allem in einer sorgfältigen Boden- 
lockerung durch tiefes Umgraben oder 
Rigolen, das nebst starker Pferdemist- 
oder besser noch Kuhmist-Düngung ei- 
nige Monate vor dem Legen der Zwie- 
beln vorgenominen wird, Gegen Ende 
September oder im Laufe des Monats 


108 


October beginnt das Legen auf 5füssige, 
durch 1 Fuss breite Wege abgetheilte 
Beete. Diese Beete werden einen kur- 
zen Spatenstich tief ausgegraben und 
die dadurch ungefähr 6 Zoll tiefer lie- 
gende Fläche derselben sauber mit der 
Harke geebnet und durch Längs- und 
Querlinien von je 4 Zoll Entfernung in 
Quadrate getheilt, auf deren Endpunkte 
eine blühbare Zwiebel gesetzt wird. 

Diese Maasse gelten nur als Norm 
für blühbare Hyacinthen; jüngere Zwie- 
beln, sowie Tulpen werden selbstver- 
ständlich enger gelegt. Diese Arbeit 
wird schnell ausgeführt und während 
zwei Personen mit dem Legen beschäf- 
tigt sind, graben zwei andere das 
nächste Beet aus und werfen die hier 
weggenommene Erde auf die eben ge- 
legten Zwiebeln, die deshalb bei dem 
Legen ziemlich fest eingedrückt werden 
müssen, weil sie sich sonst leicht durch 
die Kraft des Wurfes verschieben wür- 
den. Auf diese Weise ist das nächste 
Beet zubereitet und darf nur abgeschnürt 
werden, wenn das erste belegt ist; da- 
durch erleidet die Arbeit trotz der we- | 
nigen Leute keinen Aufschub. 

Zur Bezeichnung der verschiedenen 
Sorten dienen fusslange, einen Quadrat- 
zoll starke Etiquetten, welche Nummern 
nach einem ausgeraden Strichen zusam- 
mengesetzten Zahlensatze eingeschnit- 
ten erhalten. Diese Hölzer werden so 
tief in den Boden gesteckt, dass sie nur 
etwa 1 bis 2 Zoll hoch aus dem zuge- 
deckten Beete herausstehen. Die ein- 
geschnittenen Nummern correspondiren 
selbstverständlich mit einem Hauptkata- 
loge des Züchter. Wenn nun im Juli 
die Zwiebeln abgereift sind, beginnt das 
Herausnehmen derselben mit der gröss- 
ten Genauigkeit, damit keine im Boden 
liegen bleibt und hierbei giebt die re- 
gelmässige Ordnung, in der sie gelegt 


a Te EEE EEE EEE EEE PEEEEEEEEEEEEEEEEESEESEREREERSEEE EEE 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


sind, die Controle ab. Bevor das Auf- 
heben der Zwiebeln beginnt, wird das 
Beet leicht abgeschippt und nun knien 
am Ende des Beetes zwei Arbeiter mit 
kurzstieligen Handspaten und beginnen 
die Erde vorsichtig bis auf das Niveau 
der Zwiebel hinwegzuräumen. Die bloss- 
gelegten Zwiebeln werden dann in ein 
Sieb gelegt, das immer vor dem Arbei- 
ter hergestossen und nicht eher entleert 
wird, als bis eine Sorte herausgenom- 
men worden ist. Durch Srhütteln der 
Zwiebeln im Siebe wird die anhaftende 
Erde entfernt, und nun die Sorte in be- 
reitstehende Mulden oder Körbe geschüt- 
tet, um bald darauf auf den Zwiebel- 
boden gebracht zu werden. 

Nur die Sämlinge haben in den er- 
sten Jahren eine andere Behandlung. 
Man säet natürlich immer nur Samen 
von solchen Pflanzen, die die Eigen- 
schaften, welche man bei den Sämlin- 
gen besonders vollkommen sehen will, 
am meisten zeigen. Will man also bei- 
spielsweise recht grossblumige Glocken, 
sucht man den Samen von solchen Pflan- 
zen zu gewinnen, die jetzt schon recht 
grosse Glocken zeigen. Dieser Samen 
wird nun im Herbste ins freieLand ge- 
säet und ganz wenig mit Erde bedeckt. 
Als Winterdecke giebt man etwas kur- 
zen Dünger, der bei dem Abdecken der 
anderen Hyacinthen auch hier entfernt 
wird. 

Der Dünger soll eigentlich nur den 
keimenden Samen vor den verderblichen 
Einflüssen der wechselnden Frühjahrs- 
temperatur schützen, denn der ruhende 
Samen erfriert nicht. Die junge Pflanze 
bleibt 3 Jahre hindurch unberührt in 
der Erde an demselben Orte und die 
einzige Pflege, die man denselben an- 
gedeihen lässt, ist das von Jahr zu 
Jahr nöthiger werdende Verstärken der 
deckenden Erdschicht, die im dritten 


IL. Originalabhandlungen. 109 


Jahre etwa 1 Zoll stark sein kann. , Namen Bodenkrankheit bekannt; 
Sonst deckt man mit Dünger, wie man | sie besteht in einem Faulen des äus- 
die andern Zwiebeln deckt. Wir er- 
wähnten oben, dass während der ersten 
drei Jahre die Zwiebeln unberührt im 


Boden blieben; die Ursache dieses Ver- 


| sersten, die Saugwurzeln erzeugenden 
Randes des Zwiebelbodens, der dabei 
unnatürlich concav wird; das Blatt hat 
eine matte Färbung und stirbt früher 
fahrens ist die Erfahrung, die man ge- | ab, als die normal wachsenden Blätter; 
macht hat, dass das frühere Herausneh- | die Zwiebel, die bekanntlich erst nach 
men der jungen Pflanzen sich als un- | der Blüthe zu wachsen anfängt, bleibt 
zweckmässig und störend erwiesen hat. | klein, wird saftloser und die Wurzelfa- 
Im vierten Jahre dagegen werden sie | sern sterben endlich ab, 
ganz ebenso wie Brutzwiebeln behandelt Bringt man solche kranke Zwiebeln 
und wandern mit diesen auf den Boden, | im nächsten Jahre auf guten Boden, hei- 
Der Zwiebelboden, der zur Zeit der | len sie sich grösstentheils wieder aus 
Herbstversendung wirklich einen interes- | und merkwürdiger Weise kann dasselbe 
santen Anblick gewährt, ist ein zwar | Land, das in diesem Jahre kranke 
luftiger, aber nöthigenfalls fest ver- | Zwiebeln zeigte, im nächsten Jahre 
schliessbarer Raum, welcher rohe, I!/, | ganz kräftige Exemplare erzeugen. 
—2 Fuss von einander entiernte Latten- Die Hautkrankheit hängt aller 
stellagen enthält, auf denen die Zwie- | Wahrscheinlichkeit nach mit der drit- 
bein neben einander ausgebreitet liegen. |ten, dem Schwamme zusammen, der 
Bei schlechter* Witterung, die keine | unbedingt die gefährlichste Erscheinung 
Arbeit im Freien erlaubt, geht dann |ist. In den ersten Stadien erkennt man 
die ganze Manuschaft des Gartens Zwie- | an den oberen Theilen der Zwiebeln 
beln putzen, d. Iı. die ältesten, schlecht | keine Veränderung; die Blätter sind 
gewordenen Hüllen entfernen. Geübtere | frisch und gesund, das Wachsthum nor- 
untersuchen den Zwiebelboden und durch | mal; tritt aber nach anhaltender Tro- 
einen kurzen kreisförmigen Schnitt auch | ckenheit plötzlich feuchte Witterung auf, 
den Zwiebelhals, ob sich etwa Spuren (50 zeigtsich in sehr kurzer Zeit eine krank- 
der Ringelkrankheit zeigen. Ein wei- | hafte Veränderung in den oberirdischen 
cher Boden oder ein schwarzer Ring im | Theilen einiger Pflanzen; diese Verän- 
angeschnitsenen Halse zeigen schon | derung ergreift alsbald die benachbarten 
einen hohen Grad der Krankheit an, die | Zwiebeln und ist im Stande, die gröss- 
bis jetzt wohl noch keiner genaueren | ten Verheerungen anzurichten. Die 
wissenschaftlichen Untersuchung unter- | Zwiebel ist dabei faulig und schmierig 
worfen worden ist. | geworden und wird in kurzer Zeit ganz 
Auch die Practiker sind über die Ent- | zerstört. Jedenfalls ist hier ein pflanz- 
stehung und mögliche Verhütung der | licher Schmarotzer von mikroskopischer 
Krankheit nicht gleicher Meinung und | Kleinheit die Ursache. Der Beginn der 
unterscheiden zum Theil nur zwei, zum | Krankheit, der sich durch Faulen der 
Thel 3 und 4 verschiedene Krank- ‚ äusseren Zwiebelschuppen kund giebt, 
heiten. ist unter dem Namen der Hautkrankheit 
Die am wenigsten gefährliche, die | bekannt. 
von einigen eben nicht als besondere Die Ringelkrankheit steht zu den 
Krankheit betrachtet wird, ist unter dem ! vorigen Erscheinungen in keiner Be- 


110 


ziehung; sie zeigt sich als ein schwarzer 
Ring oder Kreisbogen im (Querschnitt 
der Zwiebel und besteht in einem An- 
faulen einer oder mehrerer Zwiebel- 
schuppen zwischen ganz gesunden. 
Diese Zersetzung bleibt aber stets im 
Innern einer ergriffenen Schuppe. die 
sie von unten nach oben oder auch in um- 
gekehrier Richtung vernichtet. Nie aber 
wird die Oberhaut der Schuppe ange- 
griffen und diese bleibt zuletzt der ein- 
zige Ueberrest der kranken Schuppe. 
Oft zeigt sich die Krankheit erst, wenn 
die Zwiebeln herausgonommen und zum 
Trocknen auf den Boden gebracht wor- 
den sind. Gerade die kräftigsten und 
aufgeschwemmtesten Zwiebeln werden 
am meisten davon heimgesucht und alle 
bis jetzt angewandten Gegenmittel sind 
im Grossen und Ganzen erfolglos ge- 


einfach rosenrothe Blume, mit sehr üp- 
! 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


verschont blieben, hat sich als unwahr 
denn beispielsweise ist 


herausgestellt, 
L’honneur de Sassenheim, eine grosse, 
piger, oft platzender Zwiebel der 
Krankheit sehr ausgesetzt; andere, die 


besonders stark von der Ringelkrankheit 


heimgesucht werden, sind: Anne Ma- 
rie, doppelt weiss, Orondates einfach 
blau und Heroine einfach gelb. 
Natürlich hat es bei einer solchen 
| Krankheit nicht an Hypothesen zur Er- 
klärung der Ursachen gefehlt; allein 


eben nur Vermuthungen sind. Das lei- 
der nur zu wahre Factum dabei ist, 
dass sowohl die Holländer wie die Ber- 
liner Zwiebelzuchten, die sonst einen 
ausserordentlich reichen Reinertrag lie- 
fern, durch diese Krankheiten zuweilen 


Hi 
£ führen keine derselben an, weil es 


blieben; auch die Behauptung, dass die | enorme Verluste erleiden. 


geplatzien Zwiebeln von der Krankheit | 


Paul Sorauer. 


4) Vertilgung von Würmern in dem Bollen der Pflanzen. 


Inseecten und Würmer, 
Gärtners und des Blumenfreundes, brach- 
ten mich auf den Gedanken, Mittel zur 
Vertilgung derselben ausfindig zu ma- 
chen. Da verfiel ich auf persisches In- 
sectenpulver, dessen Benutzung den 
glänzendsten Erfolg hatte. 

Ich bebrühte ein wenig Inseetenpul- 
ver und goss die erkaltete bräunliche 
Flüssigkeit auf diejenigen Töpfe, welche 
mir am verdächtigsten vorkamen; un- 
mittelbar darauf entstand auf der Ober- 
fläche der Erde ein reges Leben von 
Maden, Erdläusen und miscroscopischen 
Thierchen, die bestrebt waren, den Blu- 
mentopf zu verlassen. Nach fortgesetz- 
ter Beobachtung kroch aus der Erde 


| mit 
| 


Plagen des | ein langer fetter Regenwurm heraus, der 


einem Satz auf dem Fensterbeet 
liegen blieb; ich hatte also meinen 


| Zweck erreicht. 


Eine Veränderung an den Pflanzen 
selbst habe ich in der kurzen Zeit noch 
nicht wahrnehmen können. Das Laub 


1a dieser Flüssigkeit bespritzt, wird 


ebenfalls von Blattläusen gereinigt. — 

Sollten angestellte Versuche und 
Beobachtungen Sachkundiger zu guten 
Resultaten führen, so dürfte die Veröf- 


fentlichung dieses einfachen und billigen 


Mittels einen hoben Werth für Orange- 
riebesitzer und Blumenfreunde haben. 
(A. Rechenberg.) 


Postsceript. Der Referent legte 


I. Originalabhandlungen. 


obige Mittheilung in der Januarsitzung 
der Petersburger Gartenbaugesellschaft 
vor. Es wurde von einigen Herren ge- 
sagt, dass sie sich erinnerten, einen Ab- 
sud vom Insectenpulver schon gebraucht 
“ zu haben und zwar mit ähnlichem Er- 
folge. Man vereinigte sich im Uebrigen 
dahin, dass dieses Mittel für den Blu- 
menfreund, der seine Pflanzen im Zim- 
mer cultivirt, da wo sich Würmer in 
den Topfballen eingenistet, ganz vor- 
trefflich sei, dass es in Gewächshäusern 
im Allgemeinen als zu kostspielig keine 
Anwendung finden könne, aber auch da 
für einzelne bessere Pflanzen , vortrefi- 
liche Dienste leisten könne. — 

Der Referent wies ferner darauf hin, 
dass ein anderes vortreffliches Mittel, 
Regenwürmer aus den Töpfen zu ent- 
fernen, darin bestehe, solche bis unge- 
fähr 1 Zoll unter dem Rand, in ein Ge- 
fäss mit heissem Wasser zu stellen. Die 
Würmer ziehen sich sofort, wie die höhere 
Wärme von unten eindringt, alle nach 
oben und kommen an die Oberfläche 
des Topfes, wo sie abgelesen und ge- 
tödtet werden können. 

Dieses Mittel hat zugleich noch den 
anderen Vortheil, dass solches auch in 
der Erde gebildete schädliche Säuren 
entfernt. 

Ein Absud von frischen Blättern des 
Nussbaumes (Juglans regia) ist gleich- 
falls ein gutes Mittel zur Entfernung 
der Regenwürmer in Töpfen und Blu- 
menbeeten, — 


Von einigen der anwesenden Mit- 
glieder ward endlich eine alte, schon 
vielfach ausgesprochene Ansicht ver- 
treten, nämlich die, dass der Regenwurm 


111 


gar nicht schädlich sei, denn er fresse 
keine Wurzeln und trage zur Lockerung 
der Erde bei. — 


Diese Ansicht kann sich nur an sol- 
chen Orten gebildet haben , wo es sehr 
wenig Regenwürmer giebt, so dass de- 
ren Vorhandensein kaum beachtet wird. 
Wo in schweren Bodenarten der Regen- 
wurm häufig, da zieht sich solcher vor- 
zugsweise in die mehr gelockerte Cul- 
turschicht, oder in die lockere Erde 
der Blumentöpfe und richtet oft gräu- 
liche Verwüstungen an, indem er die 
Erde theils frisst und als fest zusam- 
mengeballte Masse wieder von sich 
giebt, theils durch den von ihm aus- 
gesonderten Schleim auch die Erde um 
die von ihm gebildeten Gänge fest und 
käsig macht, — theils die lockere Erde 
um die Wurzeln zarter Pflanzen oft 
so entfernt, dass diese ganz entblösst 
werden, — theils endlich in Töpfen die 
Abzugslöcher derselben mit von ihm 
fest und breiig gemachter Erde so ver- 
stopft, dass das gegebene Wasser nicht 
abtliessen kann und so die Erde ver- 
säuert und zarte Pflanzen bald ganz zu 
Grunde gehen. Im freiem Lande, wer- 
den ganz besonders Beete mit Heide- 
oder Lauberde oder anderen leichten 
lockeren Erdarten aufgelüllte Beete, 
wie man solche zur Cultur der zarteren 
Stauden, der Ericeen etc. benutzt, vom 
Regenwurme oft arg heimgesucht. Ab- 
sud von Nusshlättern oder vom Insecten- 
pulver, mit dem begossen wird, bringt 
hier dieRegenwürmer gleichfalls an die 
Oberfläche. 


(E. R.) 


112 


5) Noch Etwas üher 


Im Octoberhefte v. J. dieser Zeit- 
schrift werden diese netten, überaus dank- 
baren, gut verwendbaren Blumen em- 
pfohlen und ihre Cultur besprochen. 


Ich möchte diesem Artikel Einiges 
zuzufügen mir erlauben, vorzüglich, da 
Referent am Schlusse einen Wunsch 
ausspricht, der von Jedem, gleichviel 
ob Gärtner oder Dilettant , leicht erfüllt 
werden kann, nämlich reine Farben zu 
ziehen, um damit effeetreichere Beete 
zu bepflanzen, 


Da der Same theuer und auch et- 
was difficiler ist, als vom einfachen Por- 
tulac, so rathe ich steis zur Aussaat 
in Mistbeet, Näpfen oder Kästen und 
zwar schon zu Anfang Februar auf 
warmen Fuss, In Zeit von 8—14 Ta- 
gen keimen die Samen. Es hat die 
frühe Saat noch den Vortheil, dass die 
Pflanzen schon blühen, wenn der in’s 


Gartenfiora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


die Portulaerösechen. 


| Farben bezeichnet wurden, die jungen 
Triebe in der Länge eines Zolles ab, 
und stecke sie in einen mit sandiger 
Erde gefüllten Kasten, begiesse sehr 
mässig, halte sie geschlossen unter 
Fenster, der Sonne aber preisgegeben. 
| Binnen 8 Tagen machen sie Wurzeln 
und haben deren in 14 Tagen hinrei- 
chend genug, um sie auf die bestimmten 
Beete zu pflanzen, wo sie alsbald zu 
blühen anfangen, sich üppig wie die 
Samenpflanzen entwickeln und bis spät 
in den Herbst blühen, wo ihnen selbst 
| leichte Nachtfröste noch nichts schaden. 
Die Mutterpflanzen halten ihre Schön- 
heit blos bis Ende August. 


| 


Zur Samenzucht ist es nothwendig, 
die Portulacröschen unter Glas zu cul- 
tiviren. Abgetriebene Mistbeetkasten eig- 
|nen sich am besten dazu. Die Fenster 
| bleiben stets darauf liegen, ein wenig 


Freie gesäete Samen erst aufgeht. So- 
bald die Pllänzchen zu fassen sind, wer- | Hauptbedingungen und zu Zeiten ein 
den sie pikirt, stets in leichte sandige | tüchtiger Guss. Ohne Beihülfe in der 
Erde, wo sie ohne zu trauern, fort- | Befruchtung würde man sehrungünstige 
wachsen. Wenn die Pflanzen 2 —3‘ | Resultate gewinnen. Alle etwa erschei- 
hoch sind, werden sie dann entweder in | nenden einfachen Blumen müssen sofort 
dreizöllige Töpfe, oder in ein Mistbeet | entfernt werden, da sie auf Verschlech- 
gepflanzt und zwar in humusreiche, mit | terung der Samenerndte Einfluss haben, 


Luft und reichliche Sonne sind die 


Sand vermischte Erde. Die Vegetation 
entwickelt sich nun üppig und aus je- 
den Blattwinkel erscheinen Nebenzweige. 
In den ersten Tagen nach dem Pflan- 
zen wird der Kasten geschlossen ge- 
halten, die Einwirkung der Sonnenstrah- 
len aber nicht gehindert, da sie, als 
suceulente Pflanzen, diese im höchsten 
Maasse lieben. 

Will man nur Beete mit einer 
Farbe bepfianzen, so nehme man von 
denen, die bereits geblüht und deren 


Es sind höchstens 50), Blumen an den 
Portulaeröschen , welche als halbgefüllt, 
eine Narbe zeigen, die meisten sind so 
gefüllt, dass sie zwar Antheren mit 
Pollen, aber kein Pistil haben. Von 
letzteren wird nun vermittelst eines 
feinen Pinsels derStaub auf die Narben 
der halbgefüllten übertragen und zwar 
während der Mittagszeit, weil da die 
Blumen am weitesten geöffnet sind und 
die Befruchtung am leichtesten anneh- 
men. Vorzüglichen Effeet machen die 


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/ 


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LATE Nar 


II. Neue Zierpflanzen. 


Portulacröschen, wenn sie mit Lobelia 
erinoides zusammen gepflanzt werden. 
Erfurt, December 1865. 
Ernst Metz, 
Rosengärtnerei, Samen- und Pflanzen- 
Handlung. 


Postseript. Mit der Aussaat der 
Postulaca-Arten in’s freie Land, dürfte 
wohl selten ein guter Erfolg verbunden 
sein, wir würden deshalb stets der An- 
zucht in Töpfen den Vorzug geben. In 


einer Sitzung des Petersburger Garten- | 


113 


bau-Vereins, wo die Cultur der Portula- 
cen besprochen wurde, bemerkte Herr 
Ruck, Hofgärtner in Strelna, ganz 
übereinstimmend mit unseren Erfahrun- 
gen, — dass einerseits solche in einer 
sandigen lehmigen Wiesenerde, noch 
besser als in leichten Humuserden ge- 
deihen, und dass solche in’s freie Land 
ausgepflanzt, in einer sonnigen, ge- 
schützten Lage, zwischen Tuffsteine 
ausgepflanzt, zu höchster Vollkommen- 
heit und Schönheit sich entwickeln. 
(E. R.) 


ll. Neue Zierpflanzen. 


1) Telanthera Bettzichiana Rgl. (Grifl. 
1862 pag. 178). — Pag. 4 dieses Jahrgan- 
ges der. an interessanten Beobachtungen rei- 
chen Wochenschrift, bespricht unser geehrter 
Freund, Hr. Dr. C. Koch, die Amaranta- 
ceen der Gärten. Er bespricht hier auch 
die von Lemaire in Illustrations horticole 
kürzlich beschriebene Alternanthera ses- 
siis amoena und zeigt, dass dieses 
die gleiche Pflanze sei, die schon lange in 
Berlin als niedliche kleine buntblätterige 
Pflanze des Warmhauses als Amarantus 
spec. , Alternanthera paronychioides und als 
Telanthera polygonoides cultivirt werde. 
Passerini habe solche in Giardi 1862 pag. 515 
als Achyrenthes picta beschrieben. Nach- 
dem nun unser gelehrter Freund die Fami- 
lie der Amarantaceen einer kurzen Revue 
unterworfen hat, spricht er sich dahin aus, 
dass diese fragliche Pflanze eine besondere 
Art bilde, die den von Passerini ge- 
gebenen Namen Achyranthes picta tragen 
müsse, — die er aber, weil solche zu Te- 
lanthera gehört, 7. picta nenne. — 

Wir sahen diese Pflanze in dem Garten 
Seiner K. H. des Grossfürsten Nicolai zu 
Snaminsk im Jahre 1861 zum ersten Male 
und beschrieben solche noch vor Passe- 

IV. 1866. 


rini (Grtfl. 1862 ‘pag. 178. — Index sem. 
h. Petr, -1862) als Telanthera Bettzichiana, 
indem wir dieser Pflanze den Namen unseres 
dahingeschiedenen verehrten Freundes, des 
Hofgärtners Bettzich beilegten. Der von uns 
gegebene Name hat sowohl in Bezug auf 
Zeit der Veröffentlichung als auf Stellung 
zur richtigen Gattung die Priorität, und so 
muss denn diese Pflanze fortan 7. Bettzi- 
chiana heissen. Herrn Prof. C. Koch und 
Hr. Prof. Lemaire bitten wir eben deshalb 
davon Notiz zu nehmen, weil diese Pflanze 
einem vor Kurzem hier verstorbenen, um 
den Petersburger Gartenbau hochverdienten 
Mann gewidmet ist. Auch wir haben solche 
am angezogenen Orte mit T. polygonoides 
verglichen und die Unterschiede hervorge- 
hoben. Als eine liebliche, in kleinen dich- 
ten Büschen wachsende Pflanze mit grün 
roth und gelb gezeichneten Blättern, em- 
pfehlen wir solche von Neuem zur Cultur 
im Warmhause, wo solche ähnlich wie 
Selaginellen, in kleinere Töpfe gepflanzt, zu 
reizenden Borduren verwendetwerden kann. — 
Synonyme von Telanthera Bettzichiana 
sind: Achyranthes picta Pass. Alteranthera 
paronychioides Kl. — A. sessilis amoena 
Lem., Telanthera picta C. Koch und fol- 


8 


114 


gende Gartennamen: Amarantesia brasi- 
liensis,, Jeilium tricolor, Alterantera varie- 
gata. (E. R.) 


Vom Comite für Beurtheilung der 

in den Sitzungen der Londoner Gar- 

tenbau-Gesellschaft ausgestellten 
Pflanzen, empfohlene Neuheiten. 


2) Aucuba japonica macrophylla. Wird 
als eine der schönsten aus Japan eingeführ- 
ten immergrünen Pflanzen empfohlen. Blät- 
ter flach, gross, grün, mit flachen breiten 
Zähnen. 

Als- andere schöne von Siebold einge- 
führte Formen werden empfohlen: A japo- 
nica foemina latifolia, A. jap. mascula ele- 
gantissima, und A. jap. mascula elegans. 

3) Camellia japonica Reine des Beau- 
tes. Schöne rosafleichfarben gefärbte Blume, 
von regelmässigem, dachziegelförmigem Ban. 

4) Oypripedüumlaevigatum Batem. Neue, 
aus Manilla durch Veitch eingeführte Art. 
Blätter grün, riemenförmig, spitz. Blumen 
mit langen gedrehten purpurfarbenen Petalen 
und einem breitem „ weissem, spitzenständi- 
gem Kelchblatt, das purpurfarben gestreift 
ist. Lippe gelbgrün. Schöne neue Ari. 
Schon nach dem Bot. Mag. erwähnt. 

5) Laelia Lindleyana Keichb. fil. Von 
Veitch aus Amerika eingeführte neue schöne 
Orchidee. Die zahlreichen kurzen Stengel 
tragen ein jeder ein paar fleischiger, rinnen- 
förmiger, spitzer Blätter. Blumen mittel- 
gross, weiss. Kelchblätter auf der Aussen- 
seite rosa gestreift und die Lippe rosapurpur 
getupft. Eine willig blühende schöne Art. 

6) Odontoglossum Pescatorei splendens. 
Orchideae. Von Veitch aus Bogota einge- 
führte schöne Abart mit weissen, licht rosa- 
roth nüancirten Blumen. Blumenblätter und 
die am Grunde gelbe Lippe gefleckt. 

7) Phalaenopsis Schilleriana 
Eine Form mit grösseren, rosa nüancirten 
Blumen, von dieser reizenden Orchidee. 

8) Sonchus Saundersü. Ausgestellt vom 
Herrn Green, Gärtner beim Hrn. Saunders. 
Eine schöne grazile Pilanze, die vorzüglich 
zur Decoration der Tafeln bei Diners em- 
pfohlen wird. Blätter durchsichtig; beson- 
ders bei künstlichem Licht. Soll ein Bastard 


Major. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


zwischen Senecio gummifer und $. arbo- 
reus (?) sein. Ein aufrechter Halbstrauch 
mit langen grazil überhängenden, lichtgrü- 
nen Blättern, die bis zur Mittelrippe fieder- 
schnitüig und mit entfernt stehenden läng- 
lichen, sparsam gezähnten Lappen. 

Nach dieser Beschreibung erlauben wir 
uns zu schliessen, dass dieser Sonchus kein 
Bastard, sondern der in Deutschland allge- 
mein verbreitete und als Einzelpflanze für 
Rasenplätze beliebte 8. pinnatus L, ist. 
S. arboreus, der als eine der Elterpflanzen 
angegeben wird, ist uns als Art nicht be- 
kannt. — 


9) Violet the Czar. Ein tief violettfar- 
benes Veilchen zur Cultur im Freien. 


10) Cattleya Pilcheri (Veitch). Bastard 
zwischen Cattleya crispa und Laelia Perrini, 
mit Scheinknollen und Blättern der ersteren 
und dem Blüthenstand der letzteren. Blu- 
mit flachen Kelchblättern 
und krausen Blumenblättern. Lippe weiss 
mit tief rosa Fleck. “ 


men fleischfarb , 


11) Dieksonia Youngü Moore. Ein 
neues Baumfarn aus Australien, eingesendet 
C. Moore, Dierctor des botanischen 
Gartens zu Sidney. Die grossen zusammen- 
gesetzten Wedel ähneln denen vonD. squar- 
rosa, aber nicht mit schwarzem Stiel und 
Rhachis wie bei der letzteren. 

12) Lomaria L’Herminieri (Veitch) 
Farn fürs Warmhaus, das einen niedrigen 
Stamm bildet. Wedel fiederschnittig, die 
fruchtbaren zusammengezogen, die jungen 
röthlich. — 

13) Primula chinensis Glen-Eyre. Form 
von niedrigem Wuchs und gefüllten tief 
purpurrothen Blumen. 

14) Primula chinensis kermesina splen- 
dens nana. Niedrig, Blumen gefüllt, dunkel- 
karmoisinroth. — 

15) Primula chinensis Stewarti. Blumen 
einfach, gefranzt, weiss, rosa gestreift und 
mit gelbem Auge. 

16) Chytroglossum Maria Leonis. (Pil- 
cher). Eine kleine Orchidee Brasiliens. 
Blätter schmal lanzettlich. Blüthentraube 
nickend. Blumen gelbgrün, Lippe breit mit 
2 gespreizten grossen weissen Seitenlappen, 


von 


II. Neue Zierpflanzen. 


deren jeder mit einem braunem Fleck ge- 
zeichnet ist. 

17) Colocasialongiloba (Williams). Knol- 
lige Aroidee fürs Warmhaus. Blätter grün, 
pfeilförmig und schwanzförmig zugespitzt. 
Blattstiele purpur und weiss gezeichnet — 

18) Miconia flammea (Green). Schöne 
Blattpflanze; eingeführt vom Herrn Weir 
aus Südamerika, mit der- Tracht von einem 
Cyanophyllum. Stamm vosifarbenen 
Haaren bekleidet. Blätter gross, 3nervig, 
runzelig und glänzend, elliptisch, zugespitzt 
und dem Blattstiel nach herab laufend. 

19) Odontoglossum gloriosum (J. Day). 
Scheinknollen zusammengedrückt. Blumen 
in verästelten Trauben, milchweiss und roth- 


mit 


braun gefleckt. 

20) Odontoglossum Lindleyanum (Pil- 
cher). Scheinknollen flach. Blätter lanzeitt- 
lich. Blumen in Trauben, gelb; Kelch und 
Blumenblätterlinien-lanzettlich, gespreizt, wit 
einer centralen Reihe brauner Flecken gezeich- 
Lippe weiss und eigenthümlich geiappt. 
21) Bertolonia margaritacea (Bull). Eine 
von Weir aus Südamerika eingeführte Me- 
lastomacee von niedrigem Wuchs. Blätter 
grün broncirt und seidenartig glänzend, ge- 
zeichnet mit mehreren Reihen weisser perl- 


net. 


förmiger Punkte. 

22) Dahlien. Als ausgezeichnetste Neu- 
heiten werden genannt: 

Orimson Gem. (Turner). 2 Fuss hoch, 
Blumen gross, tief sammetroth. 

Gem of the dwarfs (Bull). 21, Fuss 
hoch. Blumen tief roth und weiss gespitzt. 

Sacramento (Henderson). 5 Fuss hoch. 
- Blumen klein, gelbund licht scharlach gespitzt. 

Neben diesen 3 Dahlien englischer Zucht 
sind 2 deutscher Zucht, nämlich: Kleines 
Liebchen und Kleiner Preusse unter 
die ausgezeichnetsten Neuheiten gestellt. 


23) Scarlet- Pelargonien. Von den 
Scarlet -Pelargonien bildet Dr. Moore, 
der Referent des Comites zur Beurthei- 


lung der Florblumen, mehrere Unterabthei- 
lungen. Wir führen solche ebenfalls auf, 
begnügen uns aber von den bespro- 
chenen Sorten, wie bei den Dahlien, 
nur die Sorten zu nennen, welche 
als ausgezeichnetste und bestein 


115 


in den ersten Rang gestellt wer- 
den”). 


I. Sorten mit einfarbigen Blättern. 
1) Blumen scharlach. 


Eleanor 
vollblumie. 


(Bull). Niedrig, gross und 
Auch bei Topfeultur unter Glas 
vorzüglich. 

Faust (Bull). Kräftig im Wuchs. Blu- 
men gross und besonders feuernd. 

Lady Rokeby (Bull). Wuchs mittel- 
stark, Blumen hellscharlach. Wird 
Topfe schöner als im freien Lande. 

Little Major (Turner). Wuchs niedrig. 
Blumen licht scharlach. Vorzüglich als nie- 
drige Gruppenpflanze 

Punch (Fraser) Wuchs kräftig. Blu- 
men gross, glänzend scharlach, in grossen 
effeetvollen Dolden. Die schönste Sorte von 
kräftigem Wuchse. 

Trentham Scarlet (Fraser). Ziemlich 
niedriger Wuchs. Blumen licht scharlach, 
in schönen Dolden. Eine der besten nie- 
drigen Sorten. 

Waliham Pet. (W. Paul). Sehr niedri- 
ger diehter Wuchs. Blumen licht scharlach, 


im 


mit kleinem weissem Auge. Schöne niedrige 
Gruppenpflanze. 


3) Blumen kirschroth, rosaroth etc. 


Visitor (Br). Wuchs mittelhoch. Blu- 
men rosa-scharlach. 

Christine (Kinghorn). Mässig kräftiger 
Wuchs. Blumen rosarotli. Nebst der fol- 
genden Sorte, als rosaroth blühende Grup- 
penpflanzen die empichlenswerthesten. 

Rose (Queen (Kinghorn). Wie vorher- 
gehende Sorte. 


*) Das zur Beurtheilung niedergesetzte 
Comite hat 4 Olassen gebildet, je nach 
dem grösseren oder geringeren blumi- 
stischen Werth, der zahlreichen zur 
Concurrenz eingesandten Varietäten. Wir 
heben nur die der ersten Classe her- 
vor. — 


8 * 


116 


U. Sorten, deren grüne Blätter eine an- 
dersfarbige Zone tragen. 


1) Blumen scharlach. 


Adonis (Hally). Niedrig. Blumen licht- 
scharlach mit weissem Auge. Blätter mit 
dunkler, fast randständiger Zone. 

Amiral Protet (Van Houtte). 
gross. Blätter mit schwacher Zone. 
men gross, glänzend scharlach. 

Attraction (Turner). Mittelgrosse Blät- 
ter mit schwacher Zone. Blumen leuchtend 
scharlach. Diese Sorte geht auch als Scarlet 
Perfection, Sulton’s Perfection, Old Perfec- 
tion, Boule de feu und Montfordi. — 

Clipper (Bull). Mittelgross. Blätter mit 
breiter dunkler Zone. Blumen gross, glän- 
zend scharlach. 

Garibaldi (W. North). Sehr niedrig. 
Blätter klein mit breiter Zone. Blumen 
glänzend scharlach. Schön für kleine Grup- 
pen und Borduren. 

Martin Gireau (Rollison).. Wuchs üp- 
pig. Blätter mit breiter dunkler Zone. Blu- 
men gross, licht scharlach. 

Victor Emanuel (Clarke). Wuchs üppig. 
Blätter mit breiter dunkler Zone. Blumen 
gross, in grossen Dolden. Eine der besten 


Mittel- 
Blu- 


Sorten. 
Vivid. (G. Smith.) Mittelgross. Blätter 


mit breiter dunkler Zone. Blumen leuch- 
tend scharlach, von sehr schöner Form. 

Volcano (Wills). Mittelgross. Blätter 
mit undeutlicher Zone. Blumen licht orange- 
scharlach. 


2) Blumen kirschroth oder rosaroth. 


Hector (Bull). Mittelgross. Blätter mit 
dunkler Zone. Blumen leuchtend kirsch- 
roth, in dichten Dolden. 

Herald of Spring. (Turner). Wuchs 
üppig. Blätter mit breiter dunkler Zone. 
Blumen kirschroth-scharlach, gross, in dich- 
ten Dolden. 

Monsieur Martin. (Rollison). Mittel- 
gross. Blätter mit dunkler Zone. Blumen 
gleich vorhergehender Sorte. Zur Topfcul- 
tur. — 

Nora (Bull). Wuchs üppig. Blätter mit 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


breiter dunkler Zone. Blumen rosa-schar- 
lach, gross, in dichten Dolden. 

Roi d’Italie (Low and Comp.). Niedrig. 
Blätter mit dunkler Zone. Blumen gross, 
lachsroth. Schön zu allen Zwecken. 

Umpire (Bull). Wuchs üppig. Blätter 
mit undeutlicher Zone. Blumen rosa-schar- 
lach. 


3) Blumen lachs- oder fleischfarben. 


Aurora (Hally). Niedrig. Blätter dun- 
kelzonig, Blumen fleischfarb. 

Princess Mary. Wuchs üppig. Blätter 
mit sehr breiter dunkler Zone. Blumen 
lachsroth. 

St. Fiacre (Salter): 
mit dunkler Zone. 
dunklerem Oentrum. 


Niedrig. Blätter 
Blumen lachsroth mit 
Zur Topfeultur. 


4) Blumen weiss. 


Madame Vaucher (Low et Comp.). 
Wuchs üppig. Blätter mit dunkler Zone. 
Blumen weiss, später röthlich. Als beste 
Sorte empfohlen. 

White Perfection (Chater). Wuchs üp- 
pig. Blätter mit breiter mattbrauner Zone. 
Blumen röthlich-weiss. 


5) Blumen weiss oder fleischfarb mit lachs- 
farbenem Auge. 


Amblina Griseau (Salter). Mittelgross. 
Blätter mit breiter dunkler Zone. Blumen 
gross, weiss, mit lachsfarbenem Auge. 

Beauty (Henderson). Mittelgross. Blät- 
ter mit dunkler Zone. Blume weiss mit 
lachsfarbenem Auge. Vorzüglich. 

Eugenie Mezard (Salter). Aehnlich der 
vorhergehenden Sorte. Auch als Madame 
Rudersdorff gehend. Vorzüglich. 

Frangois Desbois (Henderson). Vor- 
züglich schöne Sorte, die ähnlich Beauty. 

Leonie Nivelet (Van Houtte). Gleich- 
falls dem vorhergehenden ähnelnd und zur 
Topfeultur empfohlen. 


6) Blumen rosaroth. 


Eve (Bull). Wuchs kräftig. Blätter mit 
breiter matter Zone. Blumen gross, in 
grossen Dolden, tief rosa mit weisser Basis. 
Vorzüglich. — 


II. Neue Zierpflanzen. 


Flora (Van Houtte). Mittelgross. Blät- 
ter mit undeutlicher Zone. Blumen blass- 
rosa mit weissem Auge. 

Helen Lindsay (Carter). Wuchs üppig. 
Blätter mit breiter undeutlicher Zone. Blu- 
men tief rosaroth. — 

Rose Rendatler (Downie). Mittelgross. 
Blätter mit dunkler Zone. Blumen schön 
rosaroth mit weissem Auge. 


I. Marmorirtblättrige. 


Sheen Rival (Kinghorn). Mittelgross. 
Blätter mit dunkler Zone und lichtgrün mar- 
morirt. Blumen licht scharlach. 


IV. Nosegay -Sorten. 


Cybister (Carter). Wuchs üppig. Blätter 
mit matter olivengrüner Zone. Blumen 
scharlach, mit schmalen Petalen. 

Merrimac. (Salter.. Wuchs mittelgross. 
Blätter mit breiter matter Zone. Blumen 
in enorm grossen Dolden, dunkel karmin- 
rosa. 

Stella (Henderson). Wuchs üppig. Blät- 
ter mit dunkler Zone. Blumen tief schar- 
lach. Eine der effectvollsten aller Pelargo- 
nien. — 

Variegated Nosegay (Turner), Mittel- 
gross. Blätter an dem Rande weiss. Blu- 
men kirschroth. — 


V. Sorten mit silberfarbem gezeichneten 
Blättern. 


Argus (G. Smith). Mittelgross. Blätter 
weissrandig und mit schwacher rother Zone, 
Blumen glänzend licht scharlach. 

Fontainebleau (Henderson). Niedrig. 
Blätter weissrandig und mit rother Zone. 
Blumen kirschroth. — 

Pieturatum (Turner). Niedrig. Blätter 
weissrandig und mit rother Zone. Blumen 
hellscharlach. — 

St. Olair (Scott). Mittelgross. 
weissrandig und mit matter Zone, 
kirschroth. 

Silver Chain (Scott). Niedrig und dicht 
von Wuchs. Blätter mit breitem weissem 
Rande und undeutlicher Zone. Blumen glän- 
zend rosa-kirschfarben. 

Alma (Scott). Mittelgross. 


Blätter 
Blumen 


Blätter mit 


117 


breiter weisser Randung ohne Zone. Blume 
tief scharlach. 

Bijou (Low). Mittelgress. Blätter weiss- 
randig. Blumen scharlach. 

Jane (Turner). Aehnlich dem vorher- 
gehenden. 

Queen of Queens (Bufl). Niedrig; sonst 
gleich Bijou. 

Flower of Spring (Turner). Mittelgross, 
dichtwuchsig. Blätter breit weissrandig. 
Blumen tief kirschroth-scharlach. 

Siwer Queen (Taylor). Wuchs üppig. 
Blätter etwas gelappt, mit breitem weissem 
Rand. Blumen rosaroth. — 

Vl. Sorten mit goldgelb gezeichneten 
Blättern. 


1) Blätter goldfarben gerandet und gezont. 


Mrs. Pollock (Henderson). Zone breit 
und roth. Blumen scharlach, Wir haben 
dieser schönsten der buntblätterigen Sorten 
schon wiederholt gedacht. 

Sunset (Henderson). Blumen kirschroth- 
scharlach. Zone licht orangeroth. Ist der 
Rivale von Mrs. Pollock. 


2) Blätter gerandet und ohne Zone. 


Cloth of Gold (Veitch). Wuchs niedrig. 
Die goldfarbene Randung nimmt den gröss- 
ten Theil des Blattes ein. Blumen tief 
scharlach. 

Golden Chain (Scott). Blätter mit brei- 
ter glänzend goldgelber Randung, Blumen 
tief kirschroth scharlach. 

Golden Fleece (Veitch). 
ter goldgelb mit grüner Scheibe. 
leuchtend scharlach. 

Golden Harkaway (Henderson). Niedrig. 
Blätter gelappt, goldrandig. Blumen orange- 
scharlach. 

(Anmerkung). Da wir den buntblätte- 
rigen Pelargonien einen besonderen Artikel 
gewidmet haben, so haben wir solche hier 
nur kurz erwähnt. — 

24) Verbenen. Unter diesen ist nur eine 
in den ersten Rang gestellt. Es ist dies: 

Nec plus ultra (Turner). Sehr reich- 
blumig. Blumen tief rosa. Vom 
Gruppenpflanze. 


Niedrig. Blät- 
Blumen 


118 


il. 


Garteuflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Notizen. 


1) Auswahl von Pflanzen für wissenschaftliche Zwecke. 


(Fortseizung.) 


Trib. Paniceae. 


Trib. Stipaceae. 


Paspalum membranaceum, Lam.Ene. t. 43. Piptatheram paradoxum, P. Bv. (Milium 


(Ceresia elegans. Pers.) ’| Peru. (Auch 
P. Walterianum verdient statt der vori- 
gen Art cultivirt zu werden). 
scrobiculatum, L. (P. Kora, W.) Trin. 
spec. gr. t. 143. ?|. Asien und Afrika. 
variegatum, Lk. ?|. Vaterland? Zierlich- 
keit. 
Olyra latifolia L. Lam. Ence. 751. 
Panicum gongylodes, Jacq. Eelog. Gr. 
21. ?|. Vaterland? Grosse Knollen am 
Grund. 
Teneriffae, R. Br. (Saecharum . .. L.) 
Jacq. Ecl. Gr. S. Europa und Afrika. 
jumentorum, Pers. (P. maximum Jacq. 
ie t.13). ?]. Aftika. In S. Amerika an- 
gebaut. 
plieatum, Lam. Jacq. Eel: gr. t. 1. 
. Ostindien. Blätter sehr breit; Blüht 
im Winter. 
sulcatum, Aubl. ?j. S. Amerika. Blätter 


Jamaica. 


noch breiter als bei voriger Art (9 D. | 


cim.) Blüthenstand aber weniger reich. 
Oplismenus fiıumentaceus, Kth. (Panicum.... 


Roxb. Echinchloa. Lk.) Trin. sp. gram. | 


II. 164. ?|. O.-Indien. Nutzen. 


Pennisetum macrochaetum, Jacq. Eel. gr. t. | 


Ik. Setaria . 
Grosse Rispe mit 


25. (Panicum 

Spre.) &) O0.-Ind. 

langen Borsten. 
Pennicillaria spicata, Willd. (Holeus.. . 


fel Jang mit 3 Narben. 

Cenchrus tribuloides, L. Carolina Elliot. 
t. 4. An verschiedenen Theilen be- 
haart. 

Anthephora elegans, Schrb. (Tripsacum her- 
maphroditum L. hort. ups. 9.) Schk. t. 


1 
Jacq. Ecl. gr. 17. @) O.-Indien. — Grif- | 


.... L.) Host. Gram. t. 23. ?[. S.-Euro- 
pa. Rpr. G. Schreb. Gr. t« 28. Rehb.D. 
El. f. 74. 


Trib. Agrostideae. 


Sporobolus tenacissimus, Palis B. (Agro- 
stis . .. Jacdq. ie. 16.)% 2]. Trop. Amerika. 
Rpr. G. 


Trib. Arundinaeeae. 


Arundo Donax, L. Rehb. D. Fl. 109. Host, 
Gram. 338. ?|. S.-Europa. Hält an vie- 
len Orten zwar aus und wird viel erös- 
ser als im Topf, doch ist es in ungün- 
stigen Gegenden auf beide Art zu cul- 
üviren. 

Ampelodesmos tenax, Lk. (Arundo ... 
Vahl. Rehb. D. Fl. 81. ?| N.-Afrika. 


| Gynerium argenteum. Nees. v. Houtte. fl. 


d. s. ?|. Montevideo. Schöner Wuchs 
der sehr grossen Blüthenrispe besonders 
der weiblichen Stöcke. Kann in man- 
chen wärmeren Gegenden im Freien 
ausdauern. 


Trib. Chlorideae. 


Chloris eiliata, Sw. Jaeg. Fragm. 121. © 

S.-Amerika. Blüthenstand. 

barbata, Sw. Jacq. Ecl. 8. Schk. 343. 

O.-Indien. Blüthenstand. 

Chloris truncata, &. Br. Humb. Gram. 178. 
(& Philipp. Ins. Australien. Aehren 
des Blüthenstandes sehr lang. 

Leptochloa dominguensis, Lk. (Eleusine.... 
Prs. Cynosurus ... . Jacq. 16. 22). 


W.-Indien. Mexico. 


284. Colladia monostachya, Pers). () | Eleusine Tocusso, Fres. @) Abyssinien.— 


Jamaica Mexico. Rpr. Gen. 


Nutzen. 


II. Notizen, 


Eleusine Coracana, Gärten (Cynosurus . .. 
L.) Schreb. Gr. t. 35. Trinius Sp. 1. 70. 
© 0.-Indien. Japan. Nutzen. 


Trib. Festucaceae. 


Schismus marginatus, Beauv. (Fesiuca caly- 
eina, L.) Cav. ic. I. t. 44. Lam. Ene. 
46. (e) Spanien. Cap. d. g. H. Blätter 
behaart, doppelgestaltig, 

Poa abyssinica Jacg. ic. t. 17. 
stis .... Lk.) (&) Nutzen. 

Calotheca elegans, Beauv. (C. dilatata, Lk. 
Bromus brizoides, Lam). Humb. Gram. 
88. h. Montevideo. 


(Eragro- 


Trib. Bambuseae. 

Phyllostachys bambusoides, Sieb. Zuce. 
in Abh. d. Münch. Ak. Ill. t. 6. h. Ja- 
pan. Breitblätterig, blüht leicht. 

Arundinariamacrosperma, Michx. (Arundo 
tecta., Walt. A.bambusina, Tin. Arundo 
gigantea Walt.) Elliot. Carol. 4. Arun- 
dinaria bambusina, Trin. h. Virginien. 
Schöner Wuchs, blüht aber nicht. 

— faleata, Nees. ?j. O.-Indien. Schöner 
Wuchs; verträgt selbst den Frost. 

— glaucescens, Palis. (Panicum arbores- 
cens, L.) Ludolfia..... Willd. h. O.-In- 
dien. Breitblätterig; blüht fast nie. 

Bambusa vertieillata, Willd. ?[. Molukk. 
Ins. Wuchs, nichtallzuhoch, breite Blätter. 

— .arundinacea Willd. (Arundo Bambos, 
L.) R. O.-Indien. Wuchs gross *). 

— Metake, Sieb. h. Japan. Blüht leicht. 

Nastus borbonicus, Gmel. (Bambusa alpina 
Bory. H. t. 12. N. paniculatus, Sm. 
Lamark. ill. 264. Ins. Bourbon. Wuchs. — 


Trib. Rottboelliaceae. 


Rottboellia exaltata, L. ?|. Roxb. Corom. t. 
157. ?]. O.-Indien, Austral. 

Ratzeburgia pulcherrima, Kth. Gram. t. 158. 
(Aikinia elegans, Wall., pl. as. var. t. 
273. ?| Das schönste aller Gräser, wie 
Rob. Brown. sagt, verdiente sehr aus 
Ostindien eingeführt zu werden. 

Tripsaeum dactyloides, L. Lamark. ill. 
750. ?|. Carolina, Mexico. Wuchs. Mo- 
nöcie. 


*) 5. Regel, Gartenflora 1864. p. 331. 


119 


Manisuris Myurus, L. Schreb. Gr. t. 43. 2]. 
O.-Indien. Repr. Gen. 


Trib. Andropogoneae. 


Perotis latifolia, Ait. (Anthoxanthum indi- 
cum L. et Saccharum spicatumL.) Kth. 
Gram. t. 92. ?|. O.-Indien. Cap. d. g. 
Hoff. Japan. Stamm ästig. Blätter 
kurz. 

Saccharum offieinarum, L. Tussac. An- 
till. 23. Nees, Arzneipfl. t. 33. 2]. O.- 
Indien. 

Imperata arundinaces, Cyrill. (Saccharum 
eylindrieum, Lam. Lagurus ...L.) 
Rchb. D. Fl. t. 173.£. 455.7]. S.-Europa. 
Rp. Gen. 

Erianthus Ravennae, P. Beauv. (Saccharum 

EHRechbD: EINI73027456: 2]. 
S.-Europa. Rpr. gen. 

Apluda aristata, L. Schreb. Gr. t. 42. ?1. 
O.-Indien. Rpr. gen. 

Andropogon pertusus, Willd. (Holeus.... L.) 
?]. Australien. Grübchen auf d. äusseren 
Spelze. 

— halepensis, Sibth. (Holcus ...L.) 
Schreb. Gr. t. 18. Sturm. D. Fl. 13. 
52. ?|. Kl.-Asien, Griechenland. 

— Nardus, L. (A. citriodorus, Hort.) 
Rumph. Amb. 4. 6. %). O.-Indien. — 
Geruch. 


Fanf. Cyperaceae. 


Carex Fraseri, Lodd. (C. latifolia Schk. 
tab. K. k. k. k. 195.) Bot. mag. 1391. 
’i. Gebirge von Carolina. Blätter sehr 
breit. Deckblatt und Schläuche weiss. 

— plantaginea Lam. non Mühlbg. Schk. K. 
k. k. k. 286. ?|. Virginien, Carolina. 
Breite Blätter. 

— indica L. non Schk. O.-Indien. Blät- 
ter 3° lang. Schläuche hochroth, in 
Rispen. 

Uneinia jamaicensis, Pers. Schk. t. @. £. 
286. (Carex hamata, Sw.) ?|. W. Ind. 
Steriler Zweig aus dem Schlauch her- 
vortretend. Morphol.! 

Fuirena umbellata, Rottb. act. Leop. 17. 
l. t. 4 ?[. O.- und W.-Indien. Rpr. 
Gen. 


120 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Scleria triglomerata, Mich. ?J. Virginien. 

Hypelytrum argenteum, Vahl. ?|. O.-Indien. 
W.-Afr. Rpr. Gen. 

Cyperus vulgaris, Sieb. (C. globosus, All., 
C. conglomeratus, Rottb. ete.) Rchb. 
ic. erit. II. 229. u. D. Fl. £. 279, 2. S.- 
Europa, Kl.-Asien. — Hübscher Wuchs. 


Willdenowia teres, Thunbg. Svensk. Akad. 
1790 t. 2. ?|. Cap. d. g. H. Rpr. gen. 

Elegia deusta. Endl. (Restio tectorum, L.) 
Schnizl. Icon. I. 45. Rottb. Dese. t.3. 2]. 
Cap. d. g. H. Nutzen. 

Mehrere andere Arten dieser Familie, be- 

sonders aus der Gattung Paepalan- 


— vegetus, Willd. (C. monandrus, Roth, 


C. compressus Jacq. h. Vind. t. 12. C. 
Eragrostis, Lam.) ?]. Carolina. Nur 1 
Staubfaden,, Hülle sehr lang, Köpfchen 
zahlreich, gross. 


thus, z. B. P. flavidus, Kth. aus Vir- 
ginien, und noch mehr die schönen 
brasilianischen Arten, verdienen sehr 
eingeführt zu werden. Das europäische 
Eriocaulon septangulae wird kaum bei 


— alopecuroides, Rottb. (C. Dives Delile 
Descr. t.4.) ?|. Aegypten. Vieleschmale 
Aehrchen auf langen Stielen. 

— Paramatta, Mart. ?|. Australien. Aehr- 
chen zu Aehren zusammengedrängt, 
sehr abstehend, schmal, lang, vielblätte- 
rig; untere Klappen von einer Art Bal- 
sam überzogen. 

— latifolius, Pod. Hübscher Wuchs. Blü- 
thenstand. Noch nicht in Gärten. 

— ferax, Rich. ?|. S.-Amerika. Rudg. 
Guj. t. 20. S.-Amerika. Blüthenstand 
sehr reich, Aehrchen zierlich, schmal, 
strahlig abstehend. 

— alternifolius, L. Jacqg. ic. t. 298. 
Madagascar. Schöner Wuchsmit reichem 
Blattschopf am Gipfel. 

Papyrus antiquorum, Willd. (Cyperus 
Papyrus, L.) ?|. N.-Afrika. Henkel v.D. 
tab. 1. 

Mariseus capensis, Schrad. ?|. Cap. d. g. 
Hoff. 

Kyllingia triceps, L. Rottboel. Desc. 4. Le- 
mark. Emc. 38. 


uns zu cultiviren möglich sein, Exem- 
plare, welche ich in Edinburgh sah, 
hatten ein schwächliches Ansehen und 
müssen öfter von ihrem Standort auf 
Insel Sky ersetzt werden. 


Fam. Xyrideae. 


Es ist mir noch keine Art aus dieser Fami- 
lie in Gärten bekannt geworden, ihre 
Einführung ist aber ein Bedürfniss. 
Xyris caroliniana, Walt, aus Virgi- 
nien, dürfte am ehesten erlangt werden 
können. 


Fam. Commelinaceae. 


Commelina africana, L. Bot. mag. 1431. 
Schmidl. ie. 30. ?|.. Cap. d. g. H. Blu- 
men gelb. 

—  coelestis, Rm. Sch. Sweet. fl. Grd. 3. 

— Ehrenbergiana Lk. Kl. ie. III. t. 30. 
Mexico. Blumen braun. 

Tradescantia cirrhifera, Mart. Auswahl t. 7. 

. Mexico. Wuchs mit Ausläufern. 

— discolor, Herbt. Sertum t. 12. Bot. 
Mag. 1192. Blätter unterseits purpurfar- 
big. ?|. Mexie.-Busen 

— fuscata, Lodd. Cab 374. Bot. mag. 
2330. Bot. reg. 482. ?|. Brasilien. 

— iridescens, Lindl., Bot. reg. 26. t. 34. 
Schldl. hort. Hal. 11. Dicke Blätter. 
?L. Mexico. 

— tuberosa, L. Bot. mag. 1695. Schmi- 

del ie. 49. M}. Mexico. Knollen. Azur- 

farbige Blumen. 
(Fortsetzung folgt.) 


Fam. Centrolepideae. 


Einführung einer der Arten aus Australien 
wäre zu wünschen. 


Fam. Restiaceae. 


Thamnochortus diehotomus, Rottb. (Re- 
stiv..... Rottb. Dese. t. 1. Gärtn. d. fr. 
82. R. vimineus, L.) ?[. Cap. d. g. H. 
Wuchs, ohne Laubblätter. 


IV. 


Literatur. 


121 


IV. Literatur. 


1) Carl Nägeli, Botanische Mittheilun- 
gen. Besonderer Abdruck aus den 
Sitzungsberichten der K. Academie zu 
München. München bei Straub. — 

1) Reaction von Jod auf Stärke- 
körner und Zellenmembranen. Der 
Verfasser giebt hier das Resultat seiner Be- 
obachtungen und Untersuchungen, welchen 
Einfluss in Bezug auf Färbung Jod in Ver- 
bindung auf Jodwasserstoffsäure und andere 
Jodverbindungen, ferner mit Schwefel- 
säure und Phosphorsäure, auf die Stärke 
und auf die Pflanzenmembran verschiedener 
Pflanzen und der verschiedenen Gewebs- 
theile, ausübt. — 

2) Ueber die chemische Zusammensetzung 
der Stärkekörner und Zellenmembrane. Die 
Schwierigkeit der Untersuchung besteht da- 
rin, dass Stärke und Zellenmembranstoff 
(Cellulose) ohne tremde Einlagerung nicht 
herzustellen ist. Die reine Cellulose ist ein 
der Stärke so nah verwandter Stoff, dass 
er wie diese entgegen der gewöhnlichen 
Annahme gelöst wird. Sie unterscheidet 
sich aber stets noch dadurch von der Stärke, 
dass die Stärke von Jod blau gefärbt wird, 
— während die Zellenmembran, die zuvor 
der Einwirkung der Schwefelsäure ausgesetzt 
war, nicht gebläuet wird. Wo aber Zellen- 
membranen bei Einwirkung von Jod bläu- 
liche Färbungen zeigen, kommt dies auf 
Rechnung der in die Membran eingelagerten 
Stoffe. — In der zuvor angezogenen Ab- 
handlung hatte Nägeli schon gezeigt, dass 
die blaue Färbung derartiger Zellenmembra- 
nen verschwindet, sobald solche durch an- 
dere Reagenzien von den fremden einge- 
lagerten Stoffen befreiet sind. — 

3) Ueberdie chemische Verschie- 
denheit der Stärkekörner unter ein- 
ander. Hier wird gezeigt, dass die Stärke 
verschiedenartige chemische Zusammensetz- 
ung zeigt, — ja dass selbst solche Ver- 
schiedenheit zwischen den grossen und klei- 
nen Stärkekörnern der Kartoffel auftritt -.. 


4) Ueber die ungleiche Verthei- 
lung gelöster Stoffe indem Wasser- 
tropfen eines microscopischen Prä- 
parates. Nägeli constatirt hier eine für 
microscopische Untersuchungen sehr wich- 
tige Thatsache. — 

5) Ueber den inneren Bau der 
vegetabilischen Zellmembrane. Es 
ist das eine Reihe höchst interessanter und 
gründlicher Untersuchungen über den Bau 
der Zellwand und den Einfluss verschieden- 
artiger Stoffe, die deren Aufquellung oder 
auch Zerfallen bedingen, wie namentlich 
mit Schwefelsäure. Bei Zellen mit gestreif- 
ten oder geringelten Wandungen etc., wird 
stets die Ringfaser etc., früher oder später 
durch die Aufquellungsmittel gelöst, was 
ebenfalls wieder Folge der verschiedenen 
chemischen Zusammensetzung der Schichtun- 
gen der Zellenmembran ist. Eine Reihe 
von Tafeln giebt das Resultat der Aufquel- 
lung ‚der Zellenmembran verschiedenartiger 
Pflanzen, nach microscopischen Bildern. — 

Wir können diese kurzen Bemerkungen 
über die gediegenen Arbeiten unseres ge- 
lehrten Freundes nicht schliessen, — ohne 
darauf hinzuweisen, dass die Wunder des 
Baues der Pflanzen so mannichfach sind, — 
dass je mehr unsere Instrumente und Beo- 
bachtungsmethoden verbessert werden, — 
je mehr wir neue Thatsachen dafür finden 
werden, — dass die anscheinend gleichar- 
tigste Materie eines organisirten Stoffes, — 
doch noch mannichfache Verschiedenheiten 
zeigt. Das ist eben die unserem Fassungs- 
vermögen unfassbarste Wahrheit, — dass 
nämlich das Weltall in die unendliche Ferne 
des Sternenhimmels hinaus, ebenso unbe- 
gränzt gross ist, — wie auch der Raum 
nach dem Kleinen hin, in Wahrheit unbe- 
gränzt gross ist. — 

Unser Microscop zeigt uns den kleinen 
Wassertropfen als einen kleinen, von ver- 
schiedenartigen Wesen bewohnten Sce. Da 
bewegen sich die kleinen Infusorien anschei- 
->nd schnell, weil deren Schnelligkeit der 


122 


Bewegung, um ebenso viel schneller er- 
scheint, als das Microscop vergrössert, — 
da zeigen die Schwärmsporen ihr eigenthüm- 
liches Leben, — da zeigt es sich, — dass 
sowie Nägeli zeigt, — dass zwischen Stärke 
und Stärke, zwischen der Zusammensetzung 
der Theile der Pflanzenmembran der glei- 
chen Zelle ein grosser Unterschied ist. Dass 
andererseits auch zwischen den Millionen 
kleinen Blutkügelchen, die in den Gefässen 
unseres Körpers dahin strömen, ganz merk- 
würdige Unterschiede auftreten, ja dass es 
eine Form derselben (die weissen) giebt, 
die gleichsam für sich ein eigenthümliches, 
gleichsam nomadenartiges Leben zeigen. — 
Was aber fragen wir, würden wir sehen, 
wenn wir abermals millionenmal mehr ver- 
grössern würden, wenn die Zellen und Blut- 
kügelchen zur Grösse unseres Erdballs sich 
ausdehnen würden. Wir können uns aber 
diese kleinsten Gebilde nicht blos so vielmal 
vergrössert denken, — sondern wir müssen 
uns solche ins Unendliche vergrössert den- 
ken, um eine richtige Auffassung zu be- 
kommen, — denn der Raum ist nach dem 
Kleinen hin ebenso unendlich, — wie nach 
dem Grossen. (E. R.) 


2) Jahresbericht des Vereins für 
Pomologie und Gartenbau in 
Meiningen. IX. Heft. 1864 — 1865. 


Die Jahresberichte dieses kleinen Gar- 
tenbauvereins in einer kleinen Stadt sind 
von jeher von besonderem Interesse gewesen, 
indem sie stets eine Menge des Belehrenden 
im Fache der practiischen Gärtnerei bringen. 
Auch das vorliegende Hettchen enthält wie- 
der recht brauchbare Dinge. So über die 
Erziehung und Pflege der Fuchsien von G. 
Abesser, ganz für den Dilettanten berech- 
net und zeigend, auch beschränkte 
Hilfsmittel leisten können. Noch ausführ- 
licher ist eine Abhandlung: „Beitrag zur 


was 


Cultur der Erdbeeren“ von M. Sell, .Hof- | 


särtner in Sinnershausen. Nicht allgemein 
bekannt dürfte die darin ausgesprochene 
Erfahrung sein, dass die weit vom Mutier- 
stock entfernten Ausläufer zur Fortpflanzung 
benutzi, weniger gute Fruchtpflanzen geben 
und später tragbar werden. Ferner wird 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


daran erinnert, dass das Abreissen der Ran- 
ken (Räuber) oft die alten Pflanzen beschä- 
dige, dass man daher dieselben abschneiden 
oder wenigstens nicht ausreissen möge. 

J. 


3) Die Gartencultur im Regierungs- 
bezirke Erfurt bis zum Jahre 
1860. Vom Regierungsassessor 
von Uckro. 


Die Statistik gewinnt immer mehr an 
Wichtigkeit, und von verschiedenen Seiten 
hört man von Beiträgen. Für den Garten- 
bau waren sie bisher sehr spärlich, und als 
wir vor fünf Jahren die Abhandlungen für 
das grosse von Viebahn’sche Werk schrie- 
ben, fehlte es noch ganz an Material. Die 
kleine vorliegende Schrift schildert uns den 
Gartenbau einer Gegend, wo derselbe schon 
seit Jahrhunderten schwunghaft betrieben 
und wegen dessen die Stadt Erfurt schon 
lange berühmt war. Wie partheilos der 
Verfasser urtheilt, geht aus den Worten her- 
vor: „im Allgemeinen übertrifft jedoch den 
Ruf, den der Regierungsbezirk Erfurt im 
Bezug auf Gartenbau geniesst, die Wirk- 
lichkeit“ u. s. w., was sich jedoch nicht auf 
die Stadt Erfurt und die nächste Umgebung 
bezieht. J. 


4) Erfurts Land- und Gartenbau in 
seinen wichtigsten Entwickelungsmo- 
menten. Eine Festgabe für den zweiten 
Congress Deutscher Gärtner, Botaniker 
und Gartenfreunde etc. Von Theo- 
dor Rümpler, Secretär des Erfurter 
Gartenbauvereins, Herausgeber der All- 
gemeinen Deutschen Gartenzeitung etc. 
Verlag von Gerhardt und Schreiber in 
Erfurt 1865. 


In ähnlicher Weise wie die vorerwähnte 
Schrift giebt die vorliegende einen geschicht- 
lichen Abriss der Entwickelung des Erfurter 
Gartenbaues von den ältesten Zeiten bis 
1865. Diese Mittheilungen sind ausführlicher 
und mehr für den Gärtner und Gartenfreund 
berechnet. und erstrecken sich auf Einzeln- 
heiten von Erfurter Culturen, welche das 
Schriftchen für jeden Fachgenossen brauch- 
bar machen. Wir erfahren unter anderen, 


IV. Literatur. 


wohin Erfurts Gärtner Absatz haben und in 
welchen Dingen, ebenso, was sie vom Aus- 
lande beziehen und von wo. Interessant 
ist es dabei zu erfahren, dass der Absatz 
nach den Oesterreichischen Staaten (beson- 
ders den östlichen) 58 Procent des ganzen 
Umsatzes im Kleinhandel beträgt. Für die 
Besucher der Ausstellung und des Congres- 
ses im September 1865 war das kleine Buch 
ein wahrer Schatz, denn es zeigt auf einem 
Stadtplane die genaue Angabe der Gärten- 
plätze von 38 Handelsgärten. so daes man 
dieselben leicht auifinden kann, ebenso den 
Plan des „Dreienbrunnens‘‘ (Erfurts Brun- 
nenkresse- und bestes Gemüseland), sowie 
Ansichten von 10 der grösseren Handels- 
gärtnereien Dieses Büchelchen 
sollte jeder Erfurt besuchende Gärtner sich 
vorher anschaffen. J. 


Erfurts. 


5) Geschichte der Ziergärten und 
Ziergärtnerei in Deutschland, 
während der Herrschaft des re- 
gelmässigen Gartenstyls. Von 
"Oscar Teichert, von Schlemm’scher 
Obergärtner in Malkowiz bei Marien 
werder. Berlin, Verlag von Wiegandt 
und Hempel. 1865 


Ganz allmählig scheint man sich auch 
in dem Gartenwesen klar zu werden, wie 
wichtig es ist, unsere Kunst und Wissen- 
schaft in ihrer Entwickelung kennen zu ler- 
nen, um daraus für die Gegenwart Nutzen 
ziehen. Recht in’s Blut ist allerdings 
diese Ueberzeugung noch nicht gegangen, 
sonst würde man in Fachschriften mehr ge- 
schichtliche Thatsachen finden. Man kann 
in, manchen Zeitschriften alljährlich zwan- 
zigmal lcsen, wie man Fuchsien, Erdbeeren 
ete. eultivirt, was eigentlich Jeder weiss, 
ehe nur cinmal eine geschichtliche Thatsache 
angeführt wird. Der Verfasser dieses Bu- 
ches hat darin schon lange eine Ausnahme 
gemacht, und von Zeit zu Zeit in der „Ham- 
burger Gartenzeitung‘* Nachrichten über alte 
Gärten und Gärtner gegeben. Unser Vater- 
land hat altfranzösische Gärten an jedem 
kleinen Fürstenhofe in Menge entstehen se- 
hen; und es wäre interessant zu wissen, in 
welchen Jahren und unter welchen Neben- 


zu 


123 


verhältnissen begleitet diese Gärten entstan- 
den, von wem sie angelegt sind. Wie viele 
Gärten sind es, von denen wir solche Nach- 
richten haben? 

Und doch finden sich in jedem fürst- 
lichen oder altadeligen Archive solche Nach- 
richten, wenn man nur an die rechte Quelle 
gehen will. Noch viel interessanter ist die 
Geschichte der darauf folgenden Zeit, von 
der wir nicht viel mehr wissen. Nur für 
einige Länder haben wir geschichtliche Quel- 
len, welche in die Oeffentlichkeit gelangt 
sind, z. B., die Königlichen Schlösser und 
Gärten in Preussen von Kopisch, die König]. 


Gärten Hannovers von Wendland, die 
Königl. Bayerischen von Karl Sckell und 
einige andere. Schätzenswerth in dieser 


Hinsicht sind die alten Gartenkalender von 
Hirschfeld, Becker ete., welche zu Ende 
des vorigen und Anfang dieses Jahrhunderts 
herauskamen. Damals waren noch we- 
nige Gärtner der Feder mächtig und die 
Fachschritten wurden von classisch gebil- 
deten Männern geschrieben. Unterlief auch 
viel unnützes, breites Gewäsch, so leuchtete 


‚doch der gebildete Geist durch Der Schrei- 


ber dieses fühlte schon lange die Nothwen- 
digkeit einer kritischen Geschichte der Gar- 
tenkunst und ist nun nach vielen Jahren so 
weit gelangt, dass das Material fertig vor- 
liegt und grossentheils verarbeitet ist; aber 
wie wenig Interesse unter den Fachgenossen 
für die Geschichte unserer Kunst — die 
höchste Schule derselben — zu finden war, 
beweist der Umstand, dass trotz wiederhol- 
ter öffentlicher Bitten nur einige Collegen, 
darunter auch Herr Oscar Teichert, der 
Verfasser des in Rede stehenden Werkes, 
meine Bitte um Beiträge erfüllten. Schon 
dieser Umstand beweist, mit welchem Eifer 
der Verfasser sich dieses Gegenstandes be- 
mächtigt hatte, und jede Seite des Buches 
giebt davon Zeusniss Wir haben in der 
That eine Geschichte der Ziergärten und 
Ziergärtnerei aus der Zeit vom 15.—18. Jahr- 
hundert vor uns, mit einem Rückblick auf 
den Zustand des Garlenbaues vor dieser 
Zeit. Man braucht nicht selbst Schriftsteller 
zu sein, um beim Durchlesen von Teicherts 
Buch die Ueberzeugung zu gewinnen, dass 


124 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


es mit grossem Fleiss, mit grosser Sorgfalt 
und Genauigkeit gearbeitet ist; aber nur 
der Schriftsteller und Arbeiter in diesem 
Fache kann die unendliche Mühe beurthei- 
len, welche sich der Verfasser gegeben hat, 
um ein Stück Vergangenheit aufzurollen. 
Das ist eine lange, schwere Arbeit gewe- 
sen, und ausser der Selbstbelehrung hat 
der fleissige Verfasser wahrscheinlich nur 
das Gefühl, etwas Gutes gethan zu haben, 
zum Lohne, denn von entsprechendem ma- 
teriellem Vortheil kann bei einem so mühe- 
vollen Werke nicht die Rede sein. Die Art 
des Buches erlaubt nicht ein Eingehen auf 
Einzelnheiten, ohne selbst ein Stück Ge- 
schichte zu schreiben, und wir sprechen 
daher nur ganz kurz aus: dieser geschicht- 
liche Abriss ist ein vortreffliches Buch, wel- 
ches jeder gebildete Gärtner studiren sollte, 
und jedenfalls die gewissenhafteste, reich- 
haltigste Abhandlung über den umfassenden 
Zeitraum. — Das Buch zerfällt in drei 
Abschnitte. Nach einer Einleitung über die 
Anfänge der Gartenkunst in Deutschland, 
bringt der erste Abschnitt „Rückblicke auf 
die Theorie und Praxis in der deutschen 
Gartenkunst zur Zeit des geometrischen 
Styls“. Dann folgt als zweite Abtheilung 
die specielle Geschichte deutscher Ziergärten 
aus dieser Zeit, und als dritter eine chrono- 
logische Darstellung. Ereignisse im Garten- 
wesen Deutschlands seit dem 16. Jahrhun- 
dert. Wir bemerken ausdrücklich, dass es 
auch die Geschichte der Pflanzengärten und 
Einführung der wichtigsten Zierpflanzen ent- 
hält. Die Ausstattung des Buches ist eine 
höchst ansprechende und selbst nach jetzi- 


gen Begriffen gut gedruckter Bücher „no- 
bel‘ zu nennen. d. 


6) Ernst Krause, die Botanische Syste- 
matik, in ihrem Verhältniss zur 
Morphologie, — oder Kritische Verglei- 
chung der wichtigsten älteren Pflanzen- 
systeme, nebst Vorschlägen zu einem 

natürlichen Pflanzensysteme nach mor- 

phologischen Grundsätzen. — 


1866, bei Fr. Voigt. — 


Weimar 


Der Gegenstand, den dieses Buch be- 
handelt, ist zu sehr rein botanischer Nat” 


als dass wir solches hier einlässlicher be- 
sprechen könnten. Wir haben mit Vergnü- 
gen einen Einblick in den Theil des Buches 
genommen, der die älteren Systeme mit Ein- 
sicht und Sachkenntniss bespricht. Die Vor- 
schläge, die hier der Verfasser auf die mor- 
phologische Entwiekelung gestützt, für den 
Aufbau eines neuen Systems macht, — ent- 
behren nach unserer Ansicht viel zu sehr 
einer soliden Grundlage , als dasss sie bei 
den Systematikern je zur Geltung kommen 
könnten. — 

Wir können aber andererseits das vor- 
liegende Buch mit voller Ueberzeugung zum 
Studium empfehlen, da es manche Frage 
anregt, manchen guten Wink giebt, sowie 
wir, wenn gleich wir der Ueberzeugung 
sind, dass zur systematischen Aufzählung 
der Pflanzen ein derartiges System niemals 
sich Bahn brechen wird, — doch anderer- 
seits mit dem Verfasser — in so ferne einig 
gehen, dass ein natürliches System gleich 
den sich verzweigenden Aesten eines Bau- 
mes, in vielen besonderen Entwickelungs- 
reihen gedacht werden muss, und nicht in 
einer stetig aufsteigenden Reihe vom Ein- 
fachsten zum Vollkommensten. (E. R.) 


7) Dr. Alois Pokorny, Oesterreichs 
Holzpflanzen, eine auf genaue Be- 
rücksichtigung der Merkmale der Laub- 
blätter gegründete Floristische Bearbei- 
tung aller im Oesterreichischen Kaiser- 
staate wild wachsenden oder häufig 
eultivirten Bäume, Sträucher und Halb- 
sträucher. Mit 1640 Blattabdrücken in 
Naturdruck. Wien 1864. Druck und 
Verlag der K. K. Hof- und Staats- 
druckerei. — 


Durch eine Verzögerung bei der Ueber- 
sendung, haben wir dieses vorzügliche Buch 
erst jetzt erhalten und können daher erst 
jetzt unsere Leser auf dasselbe aufmerksam 
machen. Dasselbe ist in elegantester Aus- 
stattung in Folio erschienen und bringt die 
systematische Aufführung der Oesterreichi- 
schen Holzgewächse. Gute Charactere der 
Familien- und Gattungen, — sowie bei den 
grösseren Gattungen übersichtliche Zusam- 

der Gruppen und Arten, ist 


IV. Literatur. 


vorausgeschickt. Bei jeder Art ist die wich- 
tigste Synonymie, dann eine genaue Be- 
schreibung der Blattorgane, der Nervatur 
der Blätter und endlich eine allgemeine Be- 
schreibung der Pflanze nebst Aufzählung der 
Formen und Standorte, gegeben. 


Das Characteristische dieses Werkes 
ist die genaue Beschreibung der Blätter, die 
ausserdem in einer so vorzüglichen Weise 
in Naturselbstdruck dargestellt sind, dass 
der Verlauf der Nerven bis in die kleinsten 
Nüancen des .Adernetzes so treu und gut 
wieder gegeben ist, dass man solchen wie 
bei den lebenden Blättern noch mit der 
Lupe in seine feinsten Verzweigungen ver- 
folgen kann. — 


Es liegt auf der Hand, dass dieses Werk, 
namentlich in Bezug auf Palaeontologie 
einen hohen wissenschaftlichen Werth hat. 
Die Pflanzen der Vorwelt müssen nach theils 
oft sehr unvollkommenen Abdrücken der 
Blätter classificift und bestimmt werden. 
Derartige Bestimmungen sind aber nur dann 
mit annähernder Bestimmtheit möglich, 
wenn solche mit den Blättern jetzt lebender 
Pflanzen verglichen werden, da von den 
letzteren Stellung im Systeme, Blüthenor- 
gane etc. hinlänglich bekannt sind, die nur 
in sehr vereinzelten Fällen bei den Pflan- 
zenabdrücken der Vorwelt am gleichen 
Zweig zugleich mit den Blättern, meistens 
aber gar nicht oder doch ohne Blattorgane 
und undeutlich aufgefunden werden. 

Die 1640 Abdrücke von Blättern, die 
das in Rede stehende Werk als Naturdruck 
liefert, sind das vollkommenste was in die- 
ser Beziehung bis jetzt geleistet worden ist. 
Wahrscheinlich ist man bis jetzt nur in 
Wien im Stande, eine derartige so ausge- 
zeichnete Arbeit zu leisten, die für palaeon- 
tologische Untersuchungen die Vergleichung 
natürlicher Blätter ganz unnöthig macht. 
Es sind diese Naturselbstdrucke aber auch 
mittelst eines neuen sehr vereinfachten Ver- 


125 


fahrens geliefert worden, indem solche durch 
Umdruck und Hochätzung auf Zink er- 
zeugt sind, so dass es positive Bilder sind, 
die mit der Buchdruckerpresse theils sogar 
in den Text gedruckt worden sind. Von 
einzelnen besonders grossen zusammen ge- 
setzten Blättern, sind, — um den Raum 
nicht zu sehr in Anspruch zu nehmen, pho- 
tographisch verkleinerte Darstellungen des 
nach der Natur gemachten Naturdruckes, 
gegeben. 


Um aber den Herren Palaeontologen 
die Benutzung dieses Werkes zur Bestim- 
mung der Blattabdrücke fossiler Pflanzen 
noch zu erleichtern, hat der Verfasser 
ausser der systematischen Aufzählung von 
Oesterreichs Holzgewächsen, noch eine Zu- 
samınenstellung derselben nur nach den 
Typen der Blattformen gegeben. Hier wer- 
den unterschieden: Zuerst die Gruppen der 
blattlosen, der ganzblätterigen und 
der getrenntblätterigen. Die Verthei- 
lung der Nerven des Blaitscelettes giebt die 
Charactere zur Gruppenbildung bei der 
grossen Gruppe der ganzblätterigen Pflan- 
zen, — und die Art der Theilung bestimmt 
die Gruppenbildung bei den getrenntblätte- 
rigen oder den Pflanzen mit zusammenge- 
setzten Blättern. 


Wir empfehlen daher dieses auf gründ- 
lichem Studium beruhende Werk allen de- 
nen, die sich für Dendrologie oder für Pa- 
läontologie interessiren und machen schliess- 
lich noch darauf aufmerksam, dass ein Werk 
mit derartiger Ausstattung und so vollkom- 
men ausgebildeten Darstellungen des Natur- 
selbstdruckes, wodurch das Blattscelett noch 
klarer als durch das natürliche Blatt dargestellt 
wird, bis jetzt nur in Wien hergestellt werden 
kann, wo durch den Director der dortigen 
Hot- und Staatsdruckerei, Herr A. von 
Auer, der Naturdruck entdeckt und auf so 
hohe Stufe ausgebildet ward. 


(E. R.) 


126 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


V. Personalnotizen und Neuestes eie 


1) Gartenbau-Verein in Cöthen. 
In Cöthen hat sich ein Gartenbau- Verein 
gebildet, der im Laufe des Jahres 12 Sitzun- 
gen hielt. Der Vorsitzende ist Major von 
Mai. Secretär Hr. Kunstgäriner Göschke. — 


2) John Lindley. Wir vervollstän- 
digen unsere irühere Anzeige von Lindley’s 
Tod durch folgende Mittheilungen. Derselbe 
wurde am 5. Februar 1799 in Catton bei 
Norwich geboren. Er widmete sich der 
Gärtnerei und erhielt seine ersien Unterwei- 
sungen in der Botanik durch W. Hooker. 
Durch Hooker’s Vermittelung ward er 1818 
an der Bibliothek von J. Banks angestellt. 
Im Jahre 1820 veröffentlichte er sein erstes 
Werk, die Monographie der Rosen. im 
Jahre 1821 folgten seine Collectanea bota- 
nica, in denen er die selineren Pflanzen 
des Gartens von Herrn Cattley beschrieb. 
Schon 1822 ward Lindley am Garten der 
Londoner Gartenbau -Gesellschaft zu Chis- 
wick angestellt, 1829 wurde er als Profes- 
sor der Botanik an der Universität zu Lon- 
don angestellt und ein Jahr später begann 
er seine Vorlesungen an dem Apotheker- 
Garten zu Chelsea. — Während so seine 
Thätigkeit verschiedene Richtungen erhielt, 
blieb er mit warmer Liebe bis zu seinem 
Tode den Interessen der Gartenbau-Gesell- 
schaft zugethan und war immer mit ener- 
gischer Thätigkeit zur Hand, wo es zu ar- 
beiten gab. Zahlreich sind die von ihm 
veröffentlichten Werke: Botanical Register 
führte er fort, bis dieses Unternehmen ein- 
ging. Ausserdem gründete er 1841 Garde- 
ner’s Chronicle und führte dieses wichtige 
Journal bis zu seinem Tode fort, er bethei- 
ligte sich als Mitarbeiter an dem Journal 
der Horticultural Society und an Paxton’s 
Flower Garden. 1840 gab er sein berühm- 
tes Werk, Theorie der Gärtnerei her- 
aus und 1846 ein anderes bedeutendes und 
berühmtes Werk, the Vegetable Kingdom. 


Zeit die einzige Autorität. Genera and Spe- 
eies of Orchideous plants, — die zahlrei- 


ı chen in Botanical Register, in Paxton’s Flo- 


wer garden und Gardener’s Chronicle von 
ihm beschriebenen und theils abgebildeten 
neuen Arten dieser Familie und endlich sein 
leider nicht mehr beendetes Werk „Folia 
Orchidacea“ , legen für seine Arbeiten in 


dieser Beziehung das rühmlichste Zeug- 
niss ab. 
Lindley besass eine durch gute Ge- 


sundheit unterstützte ausserordentliche Ener- 
gie und ein freimüthiges offenes Wesen. 
Wegen allmäliger Abnahme der Kräfte legte 
er j858 sein Amt als Secretär der Garten- 
baugesellschaft, 1861 sein Amt als Professor 
nieder. Im vergangenen Jahre hatte er 
schon am andauernden Kopfschmerzen ge- 
litten, bis am 1. November 1865 ein Schlag- 
fluss seinem thätigen Leben ein Ziel setzte, 
nachdem Paxton und Hooker ihm vor- 
ausgegangen waren. 


(E. R.) 


3) Ein Mammuth in Sibirien. Die 
überraschende Nachricht „ dass in dem ho- 
hen Norden Sibiriens wiederum ein Mam- 
muth, noch mit Fleisch und Fell aufgefun- 
den worden sei, ist durch die Journale Eu- 
ropas gegangen. 

Da auch wir der Vorwelt und zwar in 
besonderer Beziehung auf Sibirien, in diesen 
Blättern mehrfach gedacht, so wollen wir 
auch dem Mainmuth einige Worte widmen. 

Das Mammuth war in der Tertiärzeit 
ein über den grössten Theil der alten Welt 
verbreitetes Thier, das aber in Sibirien be- 
sonders häufig war, wie dies die Massen 
der Mammuth Zähne bewiesen, die noch 


jährlich in Sibirien gesammelt und in den 


Handel gebracht werden. In Europa starb 
das Mammuth, mit dem Ende der Tertiär- 
zeit aus, und zwar, während der Diluvial- 


Als Monograph der Orchideen war er lange | zeit, gleichzeitig mit den Bäumen des Wal- 


V. Personalnotizen. 


des eines wärmeren Klimas. In Sibirien 
scheint das Mammuth aber noch während 
der Diluvialzeit und selbst zu Anfang der 
Jetztwelt, zugleich mit dem Menschen ge- 
lebt zu haben und erst als mit dem Durch- 
bruch der Behringsstrasse, das Eismeer 
“ seine Wassermassen längs der Ostküsten 
Asiens senden konnte, scheint mit der zu- 
nehmenden Erkaltung des Klima’s, dort das 
Mammuth ausgestorben zu sein. 


Wie aber kann aus jener immerhin gar 
fernen Zeit, auf unsere Zeit ein Mammuth 
mit Fleisch und Haut aufbewahrt werden ? 
Das ist die Frage, die da mancher stellen 
wird. Die Antwort darauf ist: Im Norden 
Sibiriens thaut der Boden im Sommer höch- 
stens 1—2 Fuss tief auf, 
ten so tief gefroren, dass mehrere hundert 
Fuss tief geschlagene Schachte, dort noch 
nicht durch die gefrorne Schicht hindurch 
reichten. Wird z. B. in Jakutzk ein Haus 
gebant, so wird mittelst Feuer der Boden 
etwas tiefer aufgethaut, um unter dem Hause 
einen Keller anzulegen, der nicht von Mau- 
ern, sondern nur von der felscenfest gefrore- 
nen Erde begränzt ist. Im höchsten Som- 
mer bleibt das in einem solchen Kelier auf- 
bewahrte Fleisch und andere Gegenstände 
geiroren. — 


und ist nach un- 


Zu diesem Verhältniss tritt ein zweites. 
Die mächtigen, Sibirien durchsetzenden und 
in das Eismeer mündenden Ströme haben 
im Sommer weniger Wasser, im Frühlinge 
wachsen sie aber in einer Weise an, wie 
dies in Europa nicht bekannt, so dass ihr 
Niveau je nach der Breite des Flussgebietes 
10—40 Fuss höher steht und weite Gebiete 
unter Wasser gesetzt werden. Dass die em- 
pörten Fluthen dann auch Geschiebe am 
Ufer absetzen, ist ganz natürlich. — 


In den Strom gerathene Leichen des 
Mammuth, von demselben fortgetragen und 
weiter nach Norden in das neben dem Strom- 
bett aufgehäufte Geschiebe eingesenkt und 
hier nach dem Verlaufen des Wassers dem 
Einfluss des Erstarrens durch Gefrieren des 
Bodens ausgesetzt, sind es dann, welche 
noch mit Fleisch und Haut, aus einer fernen 


127 


Zeit in die starr gefrorene Erde eingebettet, 
auf unsere Tage kommen können. 


Es sind schon einige Beispiele des 
Auffindens solcher Mammuth-Leichen bekannt, 
die gleichfalls durch die Fluthen wieder 
blossgelegt, aus dem Geschiebe des Fluss- 
bettes herausfielen. — Das letzte derartige 
aufgefundene Mammuth wurde 1803 gefun- 
den. Von demselben befinden sich im Zoo- 
logischen Museum zu Petersburg noch einige 
Stücke Haut mit Haaren und das ganze 
Skelett, das Adam s im Jahre 1807 nach 
Petersburg brachte. Das Mammuth, zu des- 
sen Auffindung in diesen Tagen der Ma- 
gister Schmidt, der gleiche, der den Amur 
und Sachalin bereist hat. — von der Kais, 
Academie der Wissenschaften abgesendet 
worden ist, soll am Tasow-Busen, zwi- 
schen dem Meerbusen die der Ob und Jeni- 
sei bei ihrem Ausfluss in das Eismeer bil- 
den, von einem Samojeden unterm 750 N. 
Br. aufgefunden sein. Sicher ist nur, dass 
dieser Samojede einen aus dem Boden hervor- 
ragenden Zahn mit noch etwas Haut. am 
Grunde desselben, gefunden hat, Herr Ma- 
gister Schmidt hat nun die schwierige Auf- 
gabe erhalten, den noch im Boden verbor- 
genen Leichnam aufzufinden. 


(E. R.) 


Wien. DieK.K. Gartenbaugesellschaft 
in Wien hat ihre Statuten verändert. Sie 
besteht uun aus Ehren -Mitgliedern, Corre- 
spondirenden Mitgliedern und wirklichen 
Mitgliedern. 


Die Wirklichen Mitglieder theilen sich 
wieder in 3 Klassen, nämlich in solche die 
20 fl., 10 fl. und 5 ll. Jahresbeitrag zahlen 
und haben dafür verschiedene Berechtigun- 
Ein Präsident, 2 Vicepräsidenten und 
12 Verwaltungsräthe, die auf 3 Jahre ge- 
wählt werden, leiten die Geschäfte der Ge- 
sellschaft, — die sich wieder in 4 Sectionen 
theilt, nämlich in eine für den wissenschaft- 
lichen Theil der Gartenkunde; eine für Cul- 
tur und Acclimatisation; eine für Obsteultur 
und eine für Cultur der Zierpflanzen, Die 
Erzeugnisse des Gesellschaftsgartens, wer- 
den an die Mitglieder der Gesellschaft ver- 


gen. 


128 
theilt. Das der Gesellschaft gehörige Aus- 
stellungsgebäude scheint derselben noch 


schwer aufzuliegen. Vorläufig werden auch 
Conzerte und Bälle etc. in demselben gege- 
ben, um durch deren Einnahme Zins und 
Kapital zu decken. Aber auch wissenschaft- 
liche Vorträge werden im Laufe des Winters 
in demselben gehalten. 

Von Seiten der Gesellschaft werden im 
Laufe des Frühlings zwei grosse Ausstel- 
lungen veranstaltet, nämlich die erste vom 
20. bis zum 26. April. 

Bei dieser kommen zwei von Sr. Maje- 
stät dem Kaiser bewilligte Prämien, dann 
viele von Freunden des Gartenbaues ausge- 
stellte Prämien und endlich viele von Seiten 
der Gesellschaft ausgeschriebene Prämien 
zur Vertheilung. Das Programm kann durch 
den Herrn General-Secretär der Gesellschaft, 
Hrn. J. G. Beer bezogen werden. 

Die zweite Ausstellung findet vom 15. 
bis zum 23. Mai statt und zwar gleichzeitig 
mit einer Land- und Forstwirthschattlichen 
Ausstellung. — 


4) Zanzibar, 2. Decbr. Der Tod des 
Afrikareisenden, Frhrn. v. d. Decken hat 
sich leider bestätigt. Am 1. Octbr. wurde 
das Lager des kühnen Reisenden von einer 
Truppe Samalis angegriffen; ein Maler und 
ein Mechaniker, die mit an seiner Expedition 
theilnahmen, wurden getödtet. Der Baron 
selbst, welcher noch von den Folgen der 
Cholera, an der er in Juni darniedergelegen, 
sehr erschöpft war, hielt anfänglich die ihn 
umringenden Wilden mittelst seines Revol- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


vers in Respect, aber als er sich einen Au- 
genblick bückte, um seine Waffen zu neh- 
men, drang die Menge auf ihn ein, schleppte 
ihn an das Ufer des Flusses, wo er erdolcht 
wurde. Sein Arzt Dr. Link hatte am näch- 
sten Tag dasselbe Schicksal. 

(A. A. Z.) 


5) London, 9. März. Dr. Berthold 
Seemann, welcher bei der bevorstehenden 
allgemeinen Gartenbau-Ausstellung als Se- 
eretär für das Ausland fungiren sollte, hat 
auf diese Ehre verzichten müssen, da er 
sich veranlasst sah, eine längere Reise nach 
Amerika anzutreten. Für die Ausstellung 
selbst werden umfassende Vorbereitungen 
getroffen. In den Räumen der „Horticultu- 
ral-Gardens“, die allen Besuchern der gros- 
sen Ausstellung von 1862 wohl bekannt 
sind, wird ein riesiges Zelt aufgeschlagen, 
um die Ausstellungsgegenstände, welche aus 
allen Erdtheilen zahlreich angekündigt sind, 
in sich aufzunehmen. Für die Plenarsitzun- 
gen ist der neugebaute Saal des Kensington- 
Museums bestimmt, in welchem die früher 
in Hampton-Court aufbewahrten berühmten 
Rafael’schen Cartons jetzt eine würdige 
Stätte gefunden haben. Auch für die fest- 


| liche Bewirthung der fremden Gäste wird 


Vorsorge getroffen; der Glanzpunkt dersel- 


| ben dürfte ein grosses Bankett in der re- 
 staurirten festlich geschmückten Stadthalle 


der City (Guildhall) werden, zu welchem 


jetzt schon die meisten Plätze vergriffen 


sind. (A. A. Z.) (N.) 


I. Originalabhandlungen. 


1) Abgebildete Pflanzen. 


a) Jacequinia mexicana H Petrop. 


(Siehe Tafel 505 Fig. 1.) 


Theophrasteae. 


J. mexicana; ramis teretibus, junio- 
ribus sub lente brevissime puberulis; 
foliis coriaceis, sparsis v. oppositis, bre- 
viter petiolatis, elliptico-lanceolatis in 
mucronem pungentem acuminatis, basin 
versus attenuatis, margine integerrimis 
subrevolutis, utrinqgue glaberrimis; ra- 
cemis terminalibus, folio duplo brevio- 
ribus; pedicellis flore longioribus, supra 
basin bractea minima ovata acuminata 
ciliata stipitatis; tubo corollae ealyce 
subduplo longiore. — 

Die in Rede stehende Pflanze bil- 
det einen schönen, oft quirlich verästel- 
ten, 3—8 Fuss hohen Strauch des 
Warmhauses, mit immergrünen elliptisch- 
lanzettlichen ganzrandigen, in eine ste- 
chende Spitze ausgehenden Blättern, 


V. 1866. 


Die Blüthentrauben erscheinen auf 
den Spitzen der Aeste, in den Achseln 
der Blätter und Aestchen und sind stets 
bedeutend kürzer als die Blätter. 

Schon durch diesen letzteren Cha- 
racter unterscheidet sich dieselbe von 
J. aurantiaca Ait., J. macrocarpa Cav., 
und J. racemosa D C. fill. — Die schö- 
nen tief orangerothen Blumen erschei- 
nen im Juli und August in reichlicher 
Menge und blühen unausgesetzt lange 
Zeit hindurch, 

Diese Art wird schon lange im hie- 
sigen Botanischen Garten als J. mexi- 
cana cultivirtt und ward höchst wahr- 
scheinlich von Karwinsky aus Mexico 
eingeführt und von Fischer vorläufig 
benannt. 


130 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


pb)Rhodotypus kerrioides Sieb et Zuee. 


(Siehe Tafel 505 Fig. 2—3.) 


Rosaceae 


Rh. kerrioides Sieb, et Zuce, fl. jap. 
tab. 90. pag. 185—188. 

Dieser schöne neue Strauch ist in 
den Gebirgen Japans zu Hause und 
wird häufig in den Gärten der Japane- 
sen angebaut. Derselbe dürfte ähnlich 
der verwandten Kerria japonica in den 
Gärten Deutschlands und den westlichen 
Provinzen des mittleren Russland im 
freien Lande aushalten. In Petersburg 
muss solcher aber als Strauch des Kalt- 
hauses gehalten werden. Im Wuchs 
und Blatt ähnelt er sehr derKerria. Die 
Blätter gegenständig, gestielt, aus ab- 
gerundetem oder fast herzförmigem 
Grunde oval, zugespitzt, faltig und scharf 
doppelt gesägt. 

Der Kelch vierspaltig, mit grossen 
blattartigen, ovalen zugespitzten gesäg- 
ten Lappen, zwischen denen am Grunde 


menblätter 4, weiss, fast kreisförmig, 
deın Kelchrande eingefügt und ungefähr 
so lang als die Kelchlappen. Viele 
Staubfäden, die dem mit dem Kelche 
verwachsenen Blüthenboden eingefügt 
sind. Fruchtknoten 4, jeder einen Grif- 
fel tragend und in einen kelchförmigen 
4lappigen Becher des Fruchtbodens 
eingesenkt. Vermehrung durch Steck- 
linge und Samen. Im Topfe eultivirt, 
verliert dieser Strauch den Winter das 
Laub und kann in dunkeln frostfreien 
Lokalitäten bis zum Beginne des neuen 
Triebes durchwintert werden. Einge- 
führt durch den Herrn Maximowicz. 

Fig. 2. Zweig mit 3 Aesten, in na- 
türlicher Grösse. 

Fig. 3. Der Fruchtboden mit den 
4 Fruchtknoten, die von dem 4 lappi- 
gen Becher umgeben sind. Vergrös- 


4 kleine lineare Bracteen stehen, Blu- | sert. 


) Coreopsis aurieulata L y. pubescens 
Asa 6ray. 


(Siehe Tafel 506 Fig. 1—3.) 


Compositze. 


C. auriculata Schk. Handb. III. tab. 
260. Willd. spec. III pag. 2256. D. C. 
prodr. V. pag. 571. C. auric. y. Torr. et 
Gray. Fl. of. N. Am. II pag. 343. 


zu der Zahl jener Perennien, die in un- 
seren Gärten sicherer und mit mehr Er- 
folg als einjährige Pflanzen behandelt 
werden, Bei zeitiger Aussaat in Töpfe 


Die beistehend abgebildete Coreop- | oder das zur Anzucht der annuellen 
sis stammt aus den Staaten Virginien , Sommerpflanzen bestimmte Beet und 
und Carolina Nordamerikas und gehört | späterem Verpflanzen in Töpfe, — oder 


I. Originalabhandlungen. 


auch in das freie Land, blühet sie gleich 
der bekannten Calliopsis tinctoria schon 
im Juli und von da an fast unaufhör- 
lich fort bis zum Herbste. Von deut- 
schen Handelsgärtnereien, so z. B. von 
. der von F. A. Haage jun. ward der Sa- 
ne dieser Pflanze als Coreopsis longipes 
vertheilt. C. longipes Hook. (Bot. Mag. 
tab. 3586), ist allerdings eine verwandte 
Art, die sich aber durch schmalere 
Blattlappen, breitere Bandblumen des 
Strahls und 2 längere Spreublättchen 
auf der Spitze der Früchtchen unter- 
scheidet, A,Gray zieht solche als Form 
zu Cor. grandiflora Nutt. (Torr. et Gray. 
l. e. pag. 345.) 

Von C. auriculata L. (L. spec. pag. 
908), giebt es zahlreiche Formen, die 
sich durch breitere und schmalere, mehr 
oder weniger getheilte Blattlappen, sowie 
ferner durch Fehlen oder Dasein von 
Behaarung und s, f, unterscheiden. Die 
vorliegende Form hat die schmalsten 
Blattlappen und ist an Stengel und Blät- 
tern kurzhaarig. Die Stengel werden 


dd Coreopsis 


131 


2 Fuss und darüber hoch, sind stiel- 
rund und nur schwach gefurcht. Blätter 
meist 3theilig, nur selten die untersten 
ungetheilt, der Spitzenlappen am gröss- 
ten und hreitesten, von länglich-lanzett- 
licher Gestalt und selten abermals einen 
Lappen tragend. Die äusseren Schuppen 
des Hüllkelchs länglich-lanzettlich, krau- 
tig, wagerecht abstehend und fast so 
lang, als die inneren angedrückten läng- 
lichen, mehr häutigen Schuppen. Die 
Bandblumen des Strahls länglich - keil- 
förmig, glänzend goldgelb und an der 
Spitze meist in 4 grosse Zähne aus- 
gehend. Die Früchtchen länglich -oval 
oder auch im reifen Zustande mehr 
kreisrund, an der Seite schwach geflü- 
gelt und auf der Spitze 2 sehr kleine 
gezähnte Spreublättchen tragend. 

Fig. 1 ist der obere Theil eines 
Stengels mit den Blumen und Fig. 4 
der untere Stengeltheil , 
türlicher Grösse. 

Fi. 2 und 3 sind vergrösserte 
Früchtchen. 


beide in na- 


coronata Hook und Calliop- 


sis tinetoria Nutt. 


(Siehe Tafel 506 Fig. 5. 6. 7. 8. 9.) 


Aroideae. 


Wir geben nur zur Vergleichung | verbreitet ist. 


noch die Abbildung von 2 nah ver- 
wandten Pflanzen und zwar ist Fig. 5 
eine Blume, Fig. 6 ein unteres Blatt 
und Fig. 7 ein vergrössertes Früchtchen 
der C. coronata Hook. (Bot. Mag. tab. 
3460), die vollständig einjährig, aus 
Texas stammt und in unseren Gärten 
als schöne annuelle Pflanze schon mehr 


Sie ist der in Rede 
stehenden Art nahe verwandt, aber 
durch breitere stumpfere Blaitlappen, 
viel breitere Strahlenblumen und 2 län- 
gere Schüppchen auf der Spitze der 
Früchte unterschieden. Von C. Drum- 
mondi, einer in unsern Gärten als C. 
basalis und diversifolia verbreiteten 
Pflanze, unterscheidet sie sich durch 
g* 


132 


schmal geflügelte Früchtichen, indem 
der letzteren Art die Fruchtflügel 
fehlen. 

Fig. 8 ist endlich eine Blume der 
bekannten Calliopsis tinctoria 
Nutt. (Call. bicolor Reichb.), von der 
in unseren Gärten viele Spielarten ge- 
zogen werden, die sich durch Färbung 
und Bau der Strahlenblumen und Höhe 
des Wuchses von einander unterscheiden 
und mit Recht schon seit langer Zeit 
zu den beliebtesten Sommerblumen des 
Blumengartens gehören. Habituell un- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


terscheidet sich solche von den bis jetzt 
besprochenen Arten, durch die schmalen 
fast linearen Theilblättehen, ausserdem 
durch die äusseren Blättchen des Hüll- 
kelchs, die viel kürzer als die inneren, 
und endlich unterscheidet sich Calliopsis 
als Gattung von Coreopsis, durch die 
Früchtchen, die auf ihrer Spitze durch- 
aus kahl sind und keine Spreublättchen 
tragen. Fig. 9 ist ein vergrössertes 
Früchtchen von C. tinctoria. 
(E. R.) 


e) Hypophyllanthus Lindeni Rgl. 


(Siehe Tafel 507.) 


Röurt are erare 


Hypophyllanthus. Calix magnus, 
tubulosus, albidus, vix angulatus, paullo 
inflatus, apice inaequaliter 3—4 lobus, 
subbilabiatus, lobis acutis. Corollae tu- 
bus, longus, calycem aequans; limbus 
5—6 parfitus, lobis erectis v. erecto- 
patentibus. Annulus perigynus (discus) 
urceolatus, ovarium superans. Stamina 
5—9, quorum 2—3 fertilia, 3—6 ste- 
rilia, filamentis complanatis, tubo adglu- 
tinatis, apice tantum liberis; staminum 
fertilium antherae lineares, erectae, bi- 
loculares, basi subsagittata filamenti parti 
superiori libero brevi adnatae; staminum 
sterilium filamenta supra faucem magis 
elongata et apice in processum lineari- 
elongatum excurrentia. ÖOvarium supe- 
rum, 5—6 lobum, 5—6 loculare, stylus 
terminalis simplex; stigma peltato-capi- 
tatum, vix conspieue lobatum. Capsula 


rzah: 


Can par Irerare 


versus apicem caulis congesta, alterna 
petiolata, elongato obovato-oblonga, circa 
1!/, ped. longa, penninervia, integerrima. 
Flores hypophylli, eymosi; cymae I— 
pauciflorae, e corta media in folii pa- 
gina inferiori enatae. — 

H. Lindeni Rgl. Habitat in Nova 
Granata. — Erythrochiton hypophyllan- 
thus Pl, et Linden in Ann. des sc. nat. 
ser. III. tom. 19 pag. 75. — Walp. 
Ann. IV. pag. 410. — 

Wir haben die beistehend abgebil- 
dete ausgezeichnete Pflanze, zu einer 
neuen Gattung erhoben, da Erythrochi- 
ton mit der solche von Planchon und 
Linden vereinigt wird, nur fruchtbare 
Staubfäden besitzt und die Blumen in 
achselständigen Trauben trägt. Die 
Stellung der Blumen ist bei Hypophyl- 
lanthus ein so ausgezeichneter Charac- 


56 cocca, coceis bivalvibus, 1—2 sper- |ter, dass dieser schon allein genügt, um 


mis. — 


Frutex glaber, subsimplex, 


eine gute natürliche Gattung zu be- 


Folia | gründen. 


I. Originalabhandlungen. 


Die H. Lindeni gehört zu den schön- 
sten Decorationspflanzen des Warmhau- 
ses. In seiner Tracht ähnelt er einer 
Theophrasta. Die Blätter werden bis 
. 1!/, Fuss lang und bis 41/, Zoll breit, 
sind spitz und in den kurzen geglieder- 
ten Blattstiel verschmälert. Die Blumen 
stehen einzeln oder in 2—3 blumigen 
Trugdolden unterhalb des Blattes am 
Mittelnerven, — am Grunde des Blü- 
thenstandes steht eine lineare, bald ab- 
fallende Bractee. Die Blumen weiss, 
kurz gestielt, Kelch weiss. Blumen- 
krone mit einer Röhre, die so lang als 
der zolllange Kelch und mit weissem 
5—6lappigem Saum. Staubfäden 5—9, 
von denen 2—3 fruchtbar und 3—6 
steril. Die Träger der Staubfäden mit 
der Blumenröhre verwachsen und nur 
vom Schlunde an frei. Bei den frucht- 
baren Staubfäden ist der obere freie 
Theil sehr kurz und trägt eine lange 
lineare Anthere, die halb so lang als 
die Blumenblätter. Bei den sterilen 
Staubfäden ist der freie Theil der Trä- 
ger viel länger, aber oft wieder mit den 


133 


nebenstehenden verwachsen und anstatt 
der Anthere findet sich ein fädlicher 
Fortsatz, der fast so lang als die Blu- 
menblätter. — 

Diese ebenso interessante als schöne 
Pflanze, ward von Schlim in Neu-Gra- 
nada, in einer Höhe von 2500’ überm 
Meere entdeckt und von dem Etablisse- 
ment Lindens in Cultur eingeführt. De- 
corative Blattpflanzen fürs Warmhaus, 
die mit Galipea, Crescentia, Theophrasta 
ete., die Cultur theilt. 


(E. R.) 
Nr. 1. Die ganze Pflanze in 1], 
der natürlichen Grösse. Fig. 2. Ein 


Theil des Blattes von unten, mit einem 
einblumigen Blüthenstand. Die stützende 
Bractee ist schon abgefallen. Natürliche 
Grösse. — 3) Ein Kelch. — 4) Eine 
Blume ohne Kelch. — 5) Griffel mit 
dem becherförmigen Nectarium um den 
Fruchtknoten. — 6) Fruchtknoten und 
Griffel nach Entfernung des Nectariums. 
7) Fruchtbare Staubfäden. — 8) Ein 
unfruchtbarer Staubfaden. — Nr. 3—8 
vergrössert. 


2) Cultur der Topfrosen des Herrn Hofgärtners Freundlich. 


Als Ergänzung zu dem in der Ru- 
brik Literatur über die Rosencultur des 
Herrn Metz für das Klima von Deutsch- 
land mitgetheilten Artikel erlauben wir 
uns die Culturmethode unseres tüchtig- 
sten Rosenzüchters in Petersburg, des 
Hrn. Hofgärtners Freundlich in Zars- 
koe-Selo zu geben, 

Wir bemerken zum Voraus, dass im 
Petersburger Klima nur die Rosa pim- 
pinellifolia mit ihren schönen ge- 
füllten Abarten, sowie ferner die Rosa 
gallica zur Cultur im freiem Lande 


allgemein zu empfehlen ist. Allerdings 
können auch die Rosa centifolia, und 
selbst die härteren Sorten der Remon- 
tirenden Rosen, wie R. la Reine, 
noch in wurzelächten Exemplaren im 
freien Lande eultivirt werden, wenn im 
Winter beim Eintritt der Fröste die 
Triebe niedergelegt und mit Erde be- 
deckt werden, — es ist,aber Erfahrungs- 
sache, dass man mittelst jährlichen Aus- 
pflanzens von im- Topfe vorgezogenen 
Exemplaren einen reichlicheren Flor in 
unserem kalten Klima erhält. 


134 


Die Bemerkungen, welche wir im 
Folgenden über die Roseneultur des 
Herrn Freundlich geben, beziehen sich 
ausschliesslich auf die Topfeultur und 
Treiberei der Rose, 

In früheren Jahren wurde die grosse 
Mehrzahl der in Petersburg cultivirten 
Rosen jährlich aus dem Auslande ver- 
schrieben. Ein anderer Theil ward in 
den hiesigen Handelsgärtnereien entwe- 
der aus Stecklingen angezogen oder auf 
aus hiesigen Waldungen entnommenen 
Wildlingen veredelt. Um Petersburg 
kommt aber R. canina nur selten vor, 
R. rubiginosa und einnamomea sind die 
hier verbreiteten wilden Rosen. Abge- 
sehen davon, dass die aus den Wäldern 
entnommenen Wildlinge wegen schlech- 
ter Bewurzelung keine guten Resultate 
geben, sind andererseits die beiden ge- 
nannten hiesigen wilden Rosen als 
Wildlinge für die Mehrzahl der Rosen- 
Sorten nicht zu empfehlen, da solche 
theils weniger dauerhafte, theils nicht 
genügend kräftige Exemplare liefern. 

Es war daher ein grosses Verdienst 
des Herrn Hofgärtners Freundlich , dass 
solcher als erster in den Kaiserlichen 
Baumschulen zu Zarskoe-Selo die An- 
zucht der Rosa canina zu Wildlingen 
begann und dass derselbe damit nun 
schon seit mehreren Jahren ganz aus- 
gezeichnete Resultate erhalten hat. Die 
Samen werden im Herbste oder Winter, 
nachdem sie gereinigt, zwischen Sand 
in Kisten eingeschichtet und in einem 
Keller aufbewahrt. Im Frühlinge, so- 
bald der Boden aufgeht, werden solche 
auf Beete ausgesäet, die schon im vor- 
hergehenden Herbste vorbereitet wur- 
den. Sollten die Samen im gleichen 
Frühjahre nicht aufgehen, dann müssen 
die Samenbeete von Unkraut rein ge- 
halten und bis zum nächsten Jahre 
liegen bleiben, indem sie häufig erst 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


ein Jahr 
gehen. 

Sobald die jungen Pflanzen das 
zweite Blatt bilden, werden sie vorsich- 
tig ausgehoben und reihenweise auf an- 
dere Beete verstopft. Die Pflanzenbeete 
werden rein von Unkraut gehalten und 
erhalten im Winter keinerlei Schutz. Im 
folgenden Frühjahr wird abermals ver- 
pflanzt, wobei man den Pflanzen eine 
bedeutend grössere Entfernung von ein- 
ander als vorher giebt. Auch im zwei- 
ten Winter erhalten die Pflanzen kei- 
nerlei Schutz. Im Frühlinge des dritten 
Jahres schneidet man von den einzel- 
nen Exemplaren alle schwächeren Triebe 
fort und lässt nur den stärksten dersel- 
ben zur Stammbildung stehen. Die ge- 
nugsam starken Wildlinge werden nun 
im Juli und Anfang August zu Hoch- 
stämmen, Halbstämmen oder niedrigen 
Rosen, je nach der Stärke derselben, 
mittelst Oculirens veredelt, — oder man 
lässt das Beet noch ein Jahr stehen, 
um noch stärkere Stämme vorzuziehen. 
Im letzteren Falle müssen die Wild- 
stämmchen im Herbste niedergelegt 
werden. Deckung erhalten sie gar 
nicht oder nur eine leichte Deckung 
mit Erde, 

Die Exemplare, an denen die Ver- 
edlung angenommen hat, werden im 
Herbste aus dem Boden genommen und 
in Töpfe gepflanzt und zwar in eine 
lehmige Wiesenerde, die mit ungefähr 
1, Kuhdüngererde vermischt wird. 
Ueberwintert werden diese Rosen in 
einem Erdkeller oder überhaupt an 
einem frostfreien Standort, wo sie von 
0— 11/,0 R. erhalten, damit im Winter 
der Trieb nicht beginnt. Im Frühjahr, 
wenn keine starken Fröste mehr zu 
besorgen, bringt man die Töpfe ins 
Freie und gräbt sie hier mit dem Topfe 
in ein Sandbeet oder Erdbeet dicht ne- 


nach der Aussaat auf- 


I. Originalabhandlungen. 


ben einander ein. Sobald das Edelauge 
schwillt, wird der Verband gelöst, und 
mit Beginn des Triebes entfernt man 
alle wilden Triebe bis auf einen Zug- 
ast, bis man endlich den Wildstamm 
über dem Edelauge abschneidet. 

Den Sommer hindurch müssen alle 
wilden Triebe wiederholt entfernt wer- 
den. Nach der Blüthe schneidet man 
nur den Blüthenstand aus und im 
Herbste wird je nach der Sorte und 
dem Verhalten des Exemplars geschnit- 
ten. Je üppiger der Wuchs, desto länger 
wird geschnitten, — je dürftiger solcher, 
desto kürzer wird zurück geschnitten. Ver- 
pflanzt wird nicht. — 

Im Spätherbst wintert man wieder 
auf ähnlichem Standorte, wie im ver- 
gangenen Jahre ein und benutzt dann 
später die kräftigsten Exemplare zur 
Treiberei, indem man solche im De- 
cember, Januar und Februar allmälig 
zum Treiben ins Gewächshaus bringt. 
Schwächlichere Exemplare bleiben aber 
noch einmal den Winter hindurch im 
Ruhezustand stehen, um dann im fol- 
genden Sommer aus ihnen genügend 
kräftige Exemplare zum Treiben zu er- 
ziehen. Dagegen werden solche gute 
Dienste für den Flor im Sommer lei- 
sten. Ebenso muss, nachdem die Ro- 
sen 1!/, Jahre im Topfe standen, ver- 
pflanzt werden. 


Das Antreiben geschieht in einem 
niedrigen Gewächshause mit der Lage 
nach Süden. Man unterhalte hier zur 
Vermeidung des verderblichen -Rosen- 
weisses oder Schimmels, der alle Aus- 
sichten auf schönen Flor vernichten 
würde, eine trockene Luft, gebe keinen 


135 


Schatten, spritze nicht und lüfte so oft 
dies die Temperatur erlaubt. Wenn 
man Exemplare treibt, die früher den 
Schimmel gehabt haben, dann bürste 
man solche vorm Einstellen zum Trei- 
ben mit einer Tabakslauge ab. — 


Herr Freundlich hat auf den 
Monats- Ausstellungen, wie auf den 
grossen Ausstellungen der Petersburger 
Gartenbaugesellschaft,, wiederholt Rosen 
im ausgezeichnetsten Culturzustande 
ausgestellt. Als zur frühen Treiberei 
am geeignetsten empfiehlt, derselbe die 
folgenden Sorten: 


Rosa Remontante Anna Ale- 
xeieff, welche den Vorzug hai, dass 
jede Knospe eine vollkommene Blume 
liefert. 

Rosa Remontante Ge&ant de 
bataille. 

Rosa Remontante Duchesse 
de Norfolk. Ist dem Schimmel gar 
nicht unterworfen. 

Rosa Remontante La Virgi- 
nale. 

Rosa Bourbon Modöle de per- 
fection. 

Rosa Bourbon Mistress Bo- 
sanquet. 

Rosa Bourbon La parfaite. 

Rosa Thea Comtesse Ouwa- 
row. 

Rosa Thea devoniensis. 

Rosa Gloire de Dijon, hat die 
Eigenschaft auf dürftigen Wildlingen 
besser als auf kräftigen Pflanzen zu 
blühen. 


(E. R.) 


136 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


3) Vorrichtungen zur Verbesserung des zu kalten und harten 
Giesswassers. 


Ohne zum eigenen Bedarf an eine 
Verbesserung des Giesswassers denken 
zu müssen, indem ich mit sehr gutem 
beglückt bin, hörte ich doch so oft 
Klagen über schlechtes Wasser, dass ich 
immer auf Abhilfe sann. Die chemischen 
Mittel zur Verbesserung des Wassers 
können nur chemische Veränderungen 
hervorbringen, sind zu unsicher (wenig- 
stens bei unserer jetzigen Kenntniss) 
und wirken natürlich nicht auf die Tem- 
peratur ein. Gleichwohl thut die Be- 
nutzung von zu kaltem Brunnenwasser 
den beträchtlichsten Schaden. 


Das gebräuchlichste Verbesserungs- 
mittel ist, dass man das Wasser in 
offenen Behältern stehen und Luft und 
Sonne darauf einwirken lässt. Hierdurch 
nimmt es die Temperatur der Luft an, 
der Sauerstoff der Luft wirkt darauf und 
die mineralischen Theile, welche sich 
grossentheils nur in mechanischer Ver- 
bindung darin befinden, werden bei län- 
gerem Stehen zu Boden gesetzt. Ist 
ein solcher Behälter gross genug, um 
Wasser für längere Zeit zu liefern, so 
genügt dies, denn es ist davon immer 
Brauchbares vorhanden, muss eben täg- 
lich so viel zugelassen oder gepumpt 
werden, als man zu brauchen gedenkt, 
so steht es schlimm, und man muss, je 
nach der Grösse 2—3 Behälter haben, 
damit das Wasser wenigstens 2—3 Tage 
steht. Ich würde in allen Fällen ra- 
then, einen möglichst grossen Behälter 
anzulegen und in diesen stets Düng- 
stoffe werfen. Hierdurch werden in Ver- 
bindung mit dem längeren Stehen man- 
cbe schädlichen Eigenschaften des Was- 
sers aufgehoben, und die Wirkung die- 


ses dabei gehörig durchwärmten Was- 
sers ist bei fortwährender Anwendung 
eine wahrhaft wunderbare auf die mei- 
sten Pflanzen. Ausser Haiden und viel- 
leicht einigen anderen capischen und 
neuholländischen Pflanzen, können alle 
Pflanzen mit bestem Erfolg mit so 
schwachem Düngerwasser gegossen wer- 
den. 

Aber man hat oft, ja meist in klei- 
neren Gärten nur einen Wasserbehälter 
zum Begiessen, dabei einen kalten Brun- 
nen. Hier kommt es darauf an, das 
Wasser schon beim Einfliessen oder Ein- 
schütten in den Behälter so viel als 
möglich mit der Luft in Berührung zu 
bringen. Hierzu giebt es verschiedene 
Mittel. Durch eine bei der Cultur ge- 
wisser tropischer Wasserpflanzen ge- 
bräuchliche Vorrichtung, wo beständig 
Wasser auf ein Rädchen tropft und da- 
durch dieses zur Umdrehung bringt, 
was wiederum eine schwache Bewegung 
des stehenden Wassers bewirkt, kam 
ich auf den Gedanken, alles Wasser 
aus dem Brunnen über ein Schöpfräd- 
chen in denGiessbehälter zu leiten, wo- 
durch es sehr mit der Luft in Berührung 
kommt, und veranlasste auch einen Gar- 
tenfreund zu einer solchen Vorrichtung. 
Allein weiteres Nachdenken brachte 
mich auf viel bessere und einfachere 
Einrichtungen, die ich nun für solche 
Fälle empfehlen will, wo man ein an 
und für sich gutes, aber frisch zu kal- 
tes Wasser schnell brauchbar machen 
will. Hat das Wasser einen kräftigen 
Druck, welcher übrigens überall künst- 
lich herzustellen ist, so lässt man es 
dureb ein durchlöchertes, wie ein Kaffee- 


I. Originalabhandlungen. 


sieb gestaltetes Blechgefäss laufen, so 
dass es nach allen Seiten spritzt und 
schon beim Eingiessen von der vielfachen 
Berührung mit der Luft die Eigenschaf- 
ten eines Tage lang gestandenen Was- 
sers enthält. Zu gleichem Zwecke kann 
man das Wasser, wenn es langsam 
fällt, über einen Büschel feiner Aeste 
(Dornwellen wie in den Gradirhäusern 
der alten Salinen) oder einen mit Hobel- 
spänen oder Stroh gefüllten Korb lei- 
ten, So dass es nur tropfenweise in den 
Giessbehälter fallen kann. 


137 


leicht herausfinden, welche von diesen 
Vorrichtungen am passendsten und 
zweckmässigsten ist. 

Indem ich Gartenfreunden diese 
Winke zur Verbesserung des Giesswas- 
sers gebe, richte ich an Sachverstän- 
dige die freundliche Bitte, um Angabe 
chemischer Mittel, welche im Stande 
sind, schädliche chemische Eigenschaften 
des Wassers unschädlich zu machen, 
dabei leicht anwendbar und vor allem 
wohlfeil genug für die Anwendung im 


Man wird | Grossen sind. J. 


4) Rücksehritt im Fortschritt. 


Bei der so rührigen Bewegung, 
welche in der modernen Blumenzucht 
auf dem Gebiete der Erzeugung von 
Mischlingen und Spielarten herrscht, 
kommt es nicht selten vor, dass man 
aus dem Vollkommenen weniger Voll- 
kommenes erzeugt, welche Pflanzen — 
weil sie neu sind — dennoch ihren 
Weg in fast alle Gärten finden. Ein 
solcher Fall liegt jetzt recht auflallend 
in Mimulus cupreus vor. Die eigen- 
thümliche Farbe der Blumen dieser Art, 
der niedrige rasenartige Wuchs, das 
reiche Blühen hat sie schnell zum all- 
gemeinen Liebling gemacht. Aber schon 
1 Jahr nach der Einführung kam man 
mit „Sorten“, welches wohl nur Varie- 
täten waren, aber schon weniger schön 


die Pracht der Farbe veränderten, 
Schlimmer wurde es aber, als man den 
M. cupreus mit den braungefleekten, 
grossblumigen Varietäten von Mimulus 
luteus und guttatus befruchtet hatte. 
Man erzog dadurch Spielarten, welche 
denen der vorgenannten, den alten Mi- 
mulus glichen,- aber bei weitem nicht 
so schön sind. Dies ist offenbar ein 
Rückschritt. Die reine Art von M. 
cupreus ist schöner als die neuen 
Varietäten. Durch solche Fehlversuche 
darf man sieh aber nicht abschrecken 
lassen, denn möglicherweise konnte oder 
kann noch eine Sorte fallen, welche die 
Schönheit der einen Art, aber viel grös- 
sere Blumen besitzt. Man sollte eben 
von solehen Neuheiten nicht so viel 


als die Art, indem die hellen Punkte | Rühmens machen. J. 


5) Die Farn des freien Landes. 


Wir haben schon wiederholt darauf | jetzt die gesuchtesten Modepflanzen sind, 
hingewiesen, dass die Farn in England | Auch in Deutschland und Frankreich 


138 
haben sie schon zahlreiche Verehrer ge- 
funden. 

Die für unsere Gärten wichtigsten 
Arten, das sind die Farne, welche im 
freien Lande aushalten. Wir haben in 
mehreren Gärten auch schon besondere 
zur Cultur derselben bestimmte Parthien 
gesehen. Nur auf solchen werden sie 
gut gedeihen, da die Farnkräuter in 
ihrer grossen Mehrzahl im Schatten der 
Waldungen oder an nach Norden abfal- 
lenden Bergabhängen und Felsen, oder 
in Sümpfen, in der freien Natur vor- 
kommen. 

Zur Cultur derselben im freien Lande 
wähle man daher eine Lage, wo solche 
gegen den Einfluss der Sonne geschützt 
sind, ohne jedoch der Traufe von Bäu- 
men ausgesetzt zu sein. Eine Lage mit 
Morgensonne ist noch besser als tiefer 
Schatten. Hier bildet man am besten, 
um die zierlichen Formen der Wedel 
derselben dem Auge näher zu bringen, 
einen kleinen Hügel, dessen Abhänge 
durch grössere und kleinere Steine von 
unregelmässiger Form unregelmässig ter- 
rassirtt werden. Als Erde zur Cultur 
wähle man eine fusstiefe Lage von 
Laub- und Haideerde, — oder von lo- 
ckerer Torferde, die noch etwas mit 
lehmiger Wiesenerde vermischt ist, wel- 
che erst aufgebracht wird, nachdem der 
Untergrund mit einer einige Zoll dicken 
Lage von Moos bedeckt wurde. Dieses 
Moos im Untergrund trägt einmal dazu 
bei, eine gleichmässige Erdfeuchtigkeit, 
welche die Farne sehr lieben, zu unter- 
halten, wie es auch verhindert, dassdie 
aufgebrachte Erdmischung in den Un- 
tergrund eingespült oder von solchem 
schnell zersetzt wird, was in rohen Bo- 
denarten von hohem Kaligehalt sonst 
häufig verhältnissmässig schnell ge- 
schieht. 

Die Bepflanzung solcher für die Farne 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


hergerichteter Parthien, muss mit Um- 
sicht geschehen, und dabei müssen drei- 
erlei Umstände beobachtet werden, näm- 
lich, 1) dass die ganze Parthie zweck- 
mässig decorirt wird, 2) dass die grös- 
seren üppigeren Arten soweit von den 
zarteren entfernt gepflanzt werden, da- 
mit sie solche nicht beeinträchtigen oder 
unterdrücken und 3) dass die zwischen 
Steinen und Felsenritzen wachsenden 
Arten einen Standort zwischen den Stei- 
nen, — und die, welche vorzugsweise 
an lichteren auch dem Einfluss des Son- 
nenlichtes ausgesetzten Standorten vor- 
kommen, auch an eine enisprechende 
Stelle kommen. 

Nach dem Bepflanzen der Parthie 
wird es sehr gut sein, die ganze Ober- 
fläche des Bodens mit einer Lage Moos 
zu belegen, welche wiederum zur Un- 
terhaltung einer gleiehmässigen Erd- 
feuchtigkeit beiträgt, wie sie auch die 
Oberfläche stets locker unterhält. Diese 
Moosdecke wird nicht fortgenommen, 
denn die Farne gehen mit den Wurzeln 
gerne in dieselbe, sondern man legt ge- 
gentheils noch jährlich im Herbst eine 
neue Moosdecke über solche, welche 
dann auch in schneelosen Wintern die- 
sen Pflanzen einen entsprechenden 
Schutz gewährt. — 

Die Unterhaltung einer solchen Farn- 
gruppe beschränkt sich auf Reinhaltung 
von Unkraut und bei trockenem Wetter 
auf von Zeit zu Zeit wiederholtes Star- 
kes Begiessen. — 

Nach diesen Vorbemerkungen wollen 
wir zum Schlusse die in der Revue hor- 
ticole von Verlot veröffentlichte Liste 
der im Garten des Museums zu Paris 
auf einer solchen Parthie eultivirten Ar- 
ten geben und einzelne Arten mit Be- 
merkungen begleiten. Die bei Peters- 
burg noch harten Arten, bezeichnen 
nur mit einem Stern. (*) 


I. Originalabhandlungen. 


Gymnogramme Ceterach 
Sprgl. (Ceterach offieinarum Willd.) 
Liebt einen freien, auch etwas der Sonne 
ausgesetzten Standort zwischen Steinen. 
_Wächst in den niedrigeren Gebirgen des 


mittleren und südlichen Europa. Ein 
kleines Farn. 
* Struthiopteris germanica 


Willd. Pflanze von üppigem Wuchs, 
die in den Sümpfen Europas wächst 
und sogar noch bei Petersburg häufig 
ist. ze; 


* Polypodium vulgare L. In 
Waldungen undan Felsabhängen von ganz 
Europa häufig und gleichfalls noch bei 
Petersburg vorkommend. Zahlreiche 
Schöne Abarten sind von dieser Art be- 
kannt, die sich durch monstrose Thei- 
lung der Wedel auszeichnen. Ein Theil 
derselben ist erst in neuerer Zeit in 
England gewonnen und von da aus ver- 
breitet worden. Als Abarten sind zu 
nennen: var. serratum, cembricum, Kar- 
winskyanum, virginianum, semilacerum, 
serrulatum, auritum, acutum und bifi- 
dum. 


* Polypodium Phegopteris L,, 
* P. Dryopteris L. und * P. caleca- 
reum Sm. (P. Robertianum Hoffm.). 
Alles 3 Arten mit kriechendem Wurzel- 
steck und von mittelhohem Wuchs, die 
in den Waldungen und Sümpfen von ganz 
Europa und auch noch bei Petersburg 
vorkommen. 


Aspidium decursive pinnatum 
Knze. (Polypodium Van Hall.). Aus 
China. 

Notholaena Marantae R. Br. 
(Ceterach Marantae D. C. Acrostichum 
Marantae L.). Wächst in den Alpen 
Südeuropas und liebt hellsonnigen Stand- 
ort, eine niedrige kleine Art. 


Cheilanthes odora Sw, (Poly- 


139 


podium fragrans L.). Kleines Farn, an 
Felsen in Südeuropa, gleichfalls in lich- 
terer Lage wachsend. 


* Adiantum pedatumL. Ein 
sehr schönes robust wachsendes Frauen- 
haar, mit 11/, bis 2 Fuss hohen Wedeln 
aus Nordamerika, Sehr hart in Cultur 
und noch in Petersburg dauerhaft. 


Adiantum Capillus VenerisL, 
(A. Moritzianum Lk.) Frauenhaar. 
Wächst in Südeuropa und Amerika. 
Nur noch in den mildesten Lagen 
Deutschlands hart. 


Allosorus erispus Bernh, (Pie- 
ris erispa All.) Wächst in den Spalten 
der Felsen der hohen Alpen der Schweiz 
und gehört in Cultur zu den schwieri- 
geren Arten, die wie viele Pflanzen der 
hohen Gebirge, leichter im Topfe als 
im freien Lande gedeiht. Freie Lage. 


* Pteris aquilina L. Adlerfarn. 
Eine unserer merkwürdigsten Pflanzen, 
die über die ganze Erde verbreitet ist, 
und sowohl im tropischen Klima, wie 
selbst noch bei Petersburg fortkommt. 
Ausserdem gehört das Adlerfarn zu den 
ältesten Pflanzen unserer Erde, indem 
es aus den frühesten Epochen der Vor- 
welt auf unsere Zeit herabgekommen 
ist. Gedeihet auch noch in einer leh- 
migen oder sehr sandigen Erde und hat 
auf Gruppen die Untugend mit dem Rhi- 
zom weit fortzukriechen, daher immer 
auf anderen Stellen hervor zu kommen. 
Gedeihet auch in voller Sonne. 


Pteris eretieca L, In Südeuropa 
und den gemässigt warmen Himmels- 
strichen der ganzen nördlichen Halbku- 
gel heimisch. Die schöne Abart mit 
weiss panachirtem Blatte verdanken wir 
den Japanesen, woher solche in neuester 
Zeit eingeführt ward. Für deutsche 


140 


Gärten wohl nur als Farn zur Cultur 
im Kalthaus zu empfehlen *). 

Pteris serrulata L. Aus China 
und Japan und gleichfalls in deutschen 
Gärten schwerlich hart. 

Woodwardia angustifolia Sm. 
(W. onocleoides Willd.) Nordamerika. 
Harte Art. 

Doodia virginica. Prsl.(Woodw. 
virginica Sw.). Nordamerika. 

* Onoelea sensibilis L. Nord- 
amerika. Eine der schon seit langer 
Zeit fast in allen botanischen Gärten 
Deutschlands Freien angebauten 
Arten. 

Onoclea obtusilobata Prsl, 
(Rhagiopteris Prsl.). Nordamerika. 

* LomariaSpicantDesv. (Blech- 
num Spicant Roth. B. boreale Sw.). In 
fast ganz Europa, liebt freieren Stand- 
ort. Eine Form mit monströs getheilten 
Wedeln ist var. cristata genannt wor- 
den. 

Lomaria alpina Sprgl]. aus Neu- 
holland und L. chilensis Sprg]. be- 
trachten wir in Bezug auf die Ausdauer, 
für deutsche Gärten als noch zweifel- 
haft. — 

Scolopendrium officijnarum 
Sm. In Europa und Asien heimisch, 
mit seinen zahlreichen schönen Abarten 
noch in den Gärten des nördlichen 
Deutschlands hart; hält in Petersburg 
nicht mehr im freien Lande aus. Als 
Abarten sind zu nennen: var. crispum, 
daedaleum, multiidum, ramosum, an- 
gustifolium, ferner an in neuester Zeit 
erzielten Abarten var. marginatum, _la- 
ceratum, palmatum, supralineatum, glo- 
meratum, cristatum, crenato-lobatum, ra- 


im 


*) Für Berichtigung über Ausdauer der 
Farn in Deutschland werden wir sehr 
dankbar sein. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


moso-cristatum, marginato-lobatum, sim- 
plex, contractum, aleicorne, Als 
schöne und robuste Pflanzen sind die 
Formen des Scolopendrium für Farn- 
gruppen sehr zu empfehlen. 

Asplenium Halleri Br. (Aspi- 
dium Willd,) In den Alpen. Eine et- 
was diffieile Art, die bei Topfeultur bes- 
ser gedeihet. 

Asplenium Trichomanes L. In 
Felsen und Mauern von ganz Europa. 

Aspleniumlanceolatum Huds. 
Mittel- und Südeuropa. Gleich dem 
vorhergehenden. 

Asplenium Adiantum nigrum. 
L. In Felsenritzen des mittleren Euro- 
pas. 

Asplenium viride Huds. 
Felsen der höheren Gebirge Europas. 

Asplenium Ruta muraria L. In 
Felsen und Mauern von ganz Europa. 

Asplenium Breynii Retz. (A. 
germanicum Weis. A. alternifolium Wulf.). 
In Felsen und Mauern Europas. 

* Asplenium septentrionale 
Sw. (Acrostichum septentrionale L.). In 
Felsen von ganz Europa und z.B. auch 
noch in Finnland häufig. 

NB. Die 7 letzten Arten gedeihen 
in Cultur im freien Lande nur dann, 
wenn sie ähnliche Standorte zwischen 
übereinander geschichteten Felsentrüm- 
mern, deren Spalten mit Moos und 
Erde gut ausgefüllt sind, erhalten. Es 
sind niedrig bleibende Arten, die bei 
Topfeultur leichter als im freiem Lande, 
du: geringerer Mühe, — ge- 
deihen. 

Asplenium marinum L. Süd- 
europa. In deutschen Gärten wohl nur 
als Farn des Kalthauses. 

* Athyrium Filix Foemina 
Roth. (Asplenium Bernh. — Polypo- 
dium L.) Durch ganz Europa in Wal- 
dungen und Sümpfen, auch noch bei 


—— 


In 


mit 


IL Originalabhandlungen. 


Petersburg überall. Ein hohes robustes 
leicht gedeihendes Farn. Für die Cultur 
der Farn im freien Lande ist es als ein 
grosser Fortschritt der Cultur zu be- 
zeichnen, dass es den Engländern in 
neuerer Zeit gelungen ist, eine solche 
Menge verschiedener Abarten mit mon- 
strös getheiltem Laube von dieser Art 
zu erziehen. Als solche sind zu nen- 
nen: var. rhaeticum, depauperatum, 
erispum, multifidum (auch als var. vivi- 
parum, cristatum und furcatum in den 
Gärten), pumilum, Frizelliae. 

* Aspidium Thelypteris Sw. 
(Lastraea Prsl. — Aspidium Sw. — 
Polypodium L,) In den Sümpfen von 


141 


Roth. — Lastraea Prsl.) — In Sümpfen 
Europas bis Petersburg. — Verlangt 
einen etwas schattigen und feuchten 
Standort und liebt eine torfige Erde. 
Eine schöne Art von mittelhohem 
Wuchse, 

* Aspidium spinulosum $w. 
(Lastraea spinulosa Prsl.— Polystichum 
D.C. —) In Waldungen und Sümpfen von 
ganz Europa bis Petersburg. Eine harte 
leicht gedeihende Art von mittelhohem 
Wuchse, die aber einen feuchten Stand- 
ort liebt. 

* Aspidium dilatatum Sw. (La- 
straea dilatata Prsl. — Polystichum D. 
C.). Ist eigentlich nur die höhere üp- 


von ganz Europa und Nordamerika, | pigere Form mit stärker finderschnitti- 


Liebt einen feuchten nassen Standort 
und Torferde. 

* Aspidium Öreopteris Sw. 
(Lastraea Oreopteris Prsl.— Polypodium 
Ehrh.) — Polystihum D. C,) — In 
den Waldungen von ganz Europa bis Pe- 
tersburg. Eine Art von mittellohem 
Wuchse. 

* Aspidium Filix mas Sw. (Po- 
lypodium Filix mas L. — Lastraea 
Prel. —) In den Waldungen von ganz 
Europa bis Petersburg. Art von hohem 
üppigem Wuchse, die in Cultur sehr 
leicht und selbst in voller Sonne ge- 
deihet. Es sind in neuester Zeit auch 
von dieser Art viele schöne Abarten 
mit monströs gebildetem Laube in Eng- 
land erzogen worden, nämlich: var. 
Smithii, erosum, paleaceum, pumilum, 
eristatum, und polydactylum. 

* Aspidium rigidum $w. (Po- 
lypodium rigidum Hoffim. — Lastraea 
Prs}. — Polystichum D. ©. —) Wächst 
in den Alpen Europas und besitzt kräf- 
tige hohe glänzend grüne üppige We- 
del, 

* Aspidium cristatum Sw. (Po- 
lypodium cristatum L. — Polystichum 


gen Wedeln, von der vorhergehenden 
Art und kommt ebenfalls noch bei Pe- 
tersburg häufig in Waldungen und 
Sümpfen vor, — Auch von dieser Art 
sind in England Abarten mit theilsmon- 
strös getheilten Wedeln erzogen worden, 
nämlich: var. tanacetifolia, nanum, du- 
metorum und collinum, — 

Aspidium Sieboldi Hort. (Pyc- 
nopteris Moore. — Lastraea podophylla 
Sm. — Aspidium podophyllum Hook.) 
Robuste sehr zu empfehlende Art aus 
Japan, mit grossen glänzend grünen We- 
deln, — die in milderen Lagen Deutsch- 
lands im freien Lande noch gut über- 
dauert, im rauheren Norden aber als 
Kalthauspflanze erzogen werden muss. 

* Aspidium Lonchitis Sw. (Po- 
lypodium Lonchitis L. — Polystichum 
Roth.) — Wächst in den Alpen Euro- 
pas, in Sibirien und Nordamerika. Ro- 
buste Pflanze vonmittelhohem Wuchse. — 

* Aspidium acrostichoides$w. 
(Polystichum acrostichoides Schott. — 
Nephrodium Mx.) — Art von robustem 
Wuchse, mit mehr als mittellangen 
Wedeln aus Nordamerika. 

Aspidium aculeatum Sw, (Po- 


142 


lypodium aculeatum L. — Polystichum 
Roth. — Aspidium lobatum Sw. —) In 
den Waldungen des mittleren und süd- 
sichen Europa. — 

Hierher gehört als Sorte das Aspidium 
angulare Willd, und ausserdem die fol- 
genden in England erzeugten Abarten, 
nämlich: var. subtripinnatum, tripinnatum, 
ceristatum, proliferum. — 


Aspidium Braunii Spenner. 
(Hypoderris Braunii J. Sm.). Europa. 


* Cystopteris fragilis Bernh. 
(Aspidium fragile D. C. — Polypodium 
L.).. — Ein durch Europa, Asien und 
Nordamerika verbreitetes kleines Farn, 
das in Mauern und Felsen wächst. — 

Als von England ausgegangene Ab- 
arten sind zu nennen: var. Dickieana 
und sempervirens. — 

*OystopterisobtusaPrsl. (Phy- 
sematiuım obtusum Knze). Ein kleines 
in Nordamerika und Island wachsendes 
Farn. 

* Cystopteris tenuis Schott, 
(Aspidium tenue Sw.) Aus Nordame- 
rika. Aehnlich der C. fragilis aber fei- 
ner getheilt. 

Cystopteris regia Prsl. (Aspi- 
dium alpinum Sw. — Cystopteris alpina 
Desv.). In den Alpen des mittleren und 
südlichen Europa. — 

* Cystopteris bulbifera Bernh. 
(Aspidium bulbiferum Sw.). Nordame- 
rika. Ist die kräftigste und grösste Art 
der Gattung. 

Davallia Nova Zealandiae, 
Hook. (Microlepia J. Sm.) Aus Nen- 
Seeland und überdauert wohl nur in den 
milderen Gegenden Deutschlands den 
Winter im freien Lande. 

Onycehium japonicum Knze. 
(Pteris). — Schöne Art mit fein getheil- 
ten Wedeln aus Japan, die wir bis jetzt 
nur als Pflanze des Kalthauses sahen. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Dicksonia adiantoides Humb. 
Aus den Gebirgen des tropischen Ame- 
rika und schwerlich im Klima von 
Deutschland ausdauernd. 

Osmunda regalis L. Wächst in 
den Sümpfen des mittleren Europa, in 
Asien und Afrika. 

* BotrychiumLunariaSm. Klei- 
nes Farn, das zwischen kurzem Grase 
auf sonnigen Lokalitäten durch ganz 
Europa, auch noch bei Petersburg vor- 
kommt und in Cultur gleichfalls einen _ 
freien sonnigen Standort verlangt, 

* Ophioglossum vulgatum L. 
Auf ähnlichen Standorten, wie die vor- 
hergehende Art. 


Lyeopodiaceae. 


* Lycopodium clavatum.L. 
Wächst in Sümpfen und zwischen Hai- 
dekräutern in ganz Europa. Sonniger 
Standort in Cultur. Die weithin nach 
allen Seiten hin niederliegenden und 
wurzelnden Stengel müssen sehr vor- 
sichtig eingepflanzt werden, so dass alle 
die zahlreichen kleinen Wurzeln, die 
die Stengel entsenden, in die Erde ge- 
bracht werden, wenn es fortwachsen 
soll. 

Sellaginella hortensis Mett. 
(S. dentieulata Hort.) Südeuropa. Ueber- 
dauert im Klima von Deutschland schwer- 
lich im freien Lande. Es ist das die 
bekannte viel verbreitete Art, die man 
in Gewächshäusern zur Bildung grüner 
Plätze so vielfach angewendet sieht. 

Ausser diesem vom Pariser Pflan- 
zengarten im freien Lande ceultivirten 
Farn, können wir noch die folgenden 
Arten empfehlen: 


Aspidium Foenisecii Lowe, 
Madeira. 
Aspidium Goldieanum. Lk. 


Schöne robuste Art, aus Nordamerika, 


I. Originalabhandlungen. 


Aspidium lobatum Sm. Europa. 
Verwandt dem A. aculeatum. 

AspidiumLudovicianum Knze, 
Nordamerika. 

Aspidium Noveboracense $m. 
‚Nordamerika. 

Asplenium fontanum Sm. Alpen 
Mitteleuropas und Sibirien. 

Asplenium thelyptroides Mx. 
Nordamerika. 

* Botrychium rutaefolium A. 
Br. Europa. Aehnlich dem B. Lu- 
naria, 

* Botrychium virginicum Sw. 
Wächst auf schattigen feuchten Wald- 
wiesen in Europa, Asien und Ame- 
rika. 

Cystopteris montana Lk. Alpen 
Europas, 

Polypodium alpestre Hoppe. 
Alpen der Schweiz, 


143 


* Polypodium hexagonopte- 
rum Mx. Nordamerika. 

* Woodsia hyperborea Br. 

* Woodsia ilvensis Br. Die 
beiden Woodsien wachsen in den Al- 
pen, wie im Norden Europas und in Si- 
birien in den Spalten der Felsen, kleine 
dichte Rasen bildend. 


Lycopodiaceae., 


* Lycopodium alpinum L. 


2 „ annotinum L, 
u + complanatumL. 
“ an Selago L. 


Diese 4 Lucopodien wachsen in Eu- 
ropa, Asien und Nordamerika bis in 
den hohen Norden. L. alpinum und 
complanatum verlangen sonnigen Stand- 
ort, L. annotinum und Selago dagegen 
feuchten schattigen Standort. 

(E. R,) 


ee IE FER BER BEEL RE 
Ge aneknhns ss ss LT en En ann nn aumnannnaldnenee nennen 


6) Nachrichten über die Erfolge des Verpflanzens grosser Bäume 
in den Anlagen von Paris, 


Es ist seiner Zeit viel über das | und kümmerlich aussehen und dass we- 


Verpflanzen grosser Bäume in Paris in 
Gartenzeitungen und sogar in politischen 
Blättern die Rede gewesen, und es 
wurde von Leuten, die nie von solchen 
Dingen etwas gehört, viel weniger ge- 
sehen, als etwas Neues bewundert. Man 
verpflanzte allerdings mit sehr sinnreich 
erdachten Maschinen, zum Theil mit 
Frostballen nach der alten Weise, theils 
mit künstlich angebrachten Kästen, wel- 
che an den Seiten mit Kalkmörtel aus- 
gegossen wurden, wodurch der Ballen 
Halt bekam. Ein aufmerksamer und 
unpartheiischer Beobachter (Gärtner) 
schrieb mir nun kürzlich, dassalle diese 
Pflanzen noch jetzt nach Jahren leidend 


nig von ihrem Gedeihen zu hoffen ist, 
Man hat sich viele Mühe mit diesen 
Bäumen gegeben, viele Stämme mit 
Leinwand umwickelt. Am meisten lit- 
ten alle Zapfenbäume, und es gingen 
z. B. fast alle Cupressus sempervirens 
zu Grunde. Seltsamerweise ist unter 
den dortigen Gärtnern die Meinung ver- 
breitet, die meisten der zu Grunde ge- 
gangenen Bäume wären erfroren, Es 
ist allerdings denkbar, dass eine frisch 
versetzte, daher im krankhaften Zustande 
befindliche zärtliche Holzart eher er- 
friert, als eine fest angewachsene, Viel- 
leicht hat auch der Mangel an Schutz 
mit zu den übeln Erfolgen beigetragen, 


144 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


7) Ueber das Beschneiden der Zweige und Wurzeln. 


Es ist wunderlich, wie sich auch in 
rein practischen Dingen die Gegensätze 
berühren. Noch ist der Streit nicht 
verstummt, ob man beim Pflanzen die 
Gehölze beschneiden soll oder nicht, so 
werden schon wieder Stimmen laut, 
welche ein kurzes Beschneiden der Wur- 
zeln beim Pflanzen befürworten, während 
andere sich für ein gänzliches Unter- 
lassen des Beschneidens der Rosen aus- 
sprechen. Beide Ansichten sind aus 
Frankreich zu uns gekommen und un- 
sere Zeitschriften fallen natürlich so- 
gleich über die höchst wichtige Neue- 
rung, den ungeheueren Fortschritt her, 
um auch Deutschland damit zu be- 
glücken. Man könnte solche Dinge 
ganz stillschweigend beiseite legen, denn 
den Practiker machen sie nicht irre, 
während sie ihn gleichwohl zum Den- 
ken veranlassen und immer eine nütz- 
liche Belehrung zurücklassen. Aber 
was müssen die zahlreichen urtheilslo- 
sen jungen Gärtner denken, wenn sie 
lesen, wie Dinge ganz auf die entgegen- 
gesetzte Weise dargestellt werden, wie 
sie ihnen gelehrt wurden ? 

Ueber das Beschneiden der Bäume 
und Sträucher beim Pflanzen habe ich 
mich schon früher in diesen Blättern 
ausgesprochen, als das Nichtbeschneiden 
als etwas Neues in Frankreich Erfunde- 
nes dargestellt und angepriesen wurde, 
während doch viele unserer Baumsetzer 
aus Unkenntniss der von Gärtnern an- 
genommenen Regeln genau so verfuhren. 
Ich wiederhole nochmals, dass es zwar 
Unsinn ist, eine Holzpflanze so stark zu 
schneiden, dass sie erst neue Augen 
aus dem älteren Holze bilden muss, was 
die Entwickelung nur aufhält und das 
Anwachsen erschwert, dass es aber je- 
denfalls zweckmässig ist, entbehrliches 


Holz auszuschneiden, sowie die Zweige 
auf kräftige Augen einzukürzen, denn 
geschieht dies nicht, so treiben nur die 
obersten aus, und es kann unterhalb 
ein Mangel an geeigneten Zweigen ent- 
stehen, wenn man erst im folgenden 
Jahre schneidet. In vielen Fällen mag 
wohl gar nichts davon abhängen, welche 
Augen austreiben, aber in vielen ande- 
ren sicher. Im ersteren Falle halte ich 
ein gänzliches Unterlassen des Zurück- 
schneidens nicht nur für nicht nachthei- 
lig, sondern sogar für nützlich, weil 
die obersten Augen stets am besten aus- 
treiben. 

Von sehr gewichtiger Seite und un- 
terstützt von anderen Autoritäten kam 
uns die Neuerung des kurzen Beschnei- 
dens der Wurzeln. Man hatte beobach- 
tet, dass Bäumchen mit sehr kurz ge- 
schnittenen Wurzeln besser angewachsen 
sein und eine viel reichere Bewurze- 
lung erhalten haben sollen, als länger 
beschnittene. Also die Wurzeln sehr 
kurz und die Zweige gar nicht beschnei- 
den, heisst jetzt die Loosung. Obschon 
dies den Gesetzen der Physiologie ge- 
radezu widerspricht, so können wir diese 
Thatsache dennoch nicht als falsch ver- 
urtheilen, denn die Natur macht wun- 
derliche Ausnahmen. Aber die Erfinder 
dieser neuen Lehre dürfen auch nicht 
erwarten, dass wir sie glauben und an- 
nehmen sollen, blos weil ihre Erfahrun- 
gen dafür sprechen. Diese Beobachtun- 
gen müssen uns aber veranlassen, eben- 
falls Versuche anzustellen. Bisher sind 
die Wurzeln als ernährende Organe be- 
trachtet worden, fast scheint es aber 
nach der neuen Kurzschnitt-Lehre, als 
wenn sie verzehrende wären, während 
die Zweige die Ernährer sind. Allerdings 
sind letztere in sofern betheiligt, als das 


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I. Originalabhandlungen. 


Austreiben der Blätter zur Wuizelbildung 
reizt. Ich habe auch schon die lürfah- 
rung gemacht, dass Obstbäumchen mit 
schönem starkem Stamm und grossen 
Kronen, welche beim Ausgraben an den 
_ Wurzeln so verstümmelt worden waren, 
dass ich die Arbeiter schelten musste, 
nachdem sie beim Pflanzen auf kaum 
6 Zoll Länge geschnitten waren, den- 
noch gut anwuchsen; aber auch diese 
Erfahrung kann mich nicht überzeugen, 
denn es liegt doch klar am Tage, dass 
eine längere Wurzel mehr neue Wurzeln 
bilden kann ais eine kurze, Dass die 
jungen Wurzeln an der kurz beschnitte- 
nen alten Wurzel dichter stehen, als bei 
lang gelassenen, ist ganz natürlich; ob 
es aber mehr sind, muss bezweifelt 
werden. 

Man möge doch ja recht sorgfältige 
und umfassende Versuche in dieser Be- 
ziehung anstellen, und 8. Z. darüber 
berichten. 

Ueber das Nichtbeschneiden der Ro- 
sen kann ich mich bestimmter ausspre- 
chen. Es ist geradezu Unsinn, wenn 
man lehrt, keine Rose dürfe beschnitten 
werden, man würde, die Rosen ganz der 
Natur überlassend, viel schönere Rosen 
bekommen. Dies gilt nur von ‘Sorten, 
welche die Blüthen aus den oberen Au- 
gen entwickeln, z. B. Pimpinellrosen, 
gelben Kapuzinerrosen mit der gefüllten 
Persischen Rose u. a. m. Allerdings 
blühen die Rosen auch ohne Beschnei- 
den, wie man oft auf Gräbern und in 
vernachlässigten Gärten sieht, und bei 
der Centifolienrose bildet sich das Auge 
für die Blüthe des folgenden Jahres 
fast unmittelbar unter den Blüthenstielen, 
so dass man nur -diese abzuschneiden 
braucht. Aber welche jämmerlichen, 
verwilderten Büsche bilden solche un- 
beschnittene Rosen! Und wie werden 
in kurzer Zeit die Rosen klein und 

IV. 1866. 


145 


schlecht geformt! Natürlich kommen 
auch in dieser Beziehung Ausnahmen 
genug vor, denn es giebt, ausser den 
schon erwähnten, Arten und Sorten, 
welche auch unbeschnitten gut blühen. 

Die Rose zeigt ganz von selbst an, 
dass sie nöthig hat, beschnitten zu wer- 
den, denn es bilden sich stets neue 
starke Holztriebe, welche die alten er- 
setzen, wenn diese einige Jahre geblüht 
haben. Ich würde annehmen, dass die 
Apostel dieser neuen Lehre dieses Be- 
schneiden, nämlich das Ausschneiden 
des erschöpften und zu dicht stehenden 
Holzes nicht gemeint haben, sondern 
nur das Beschneiden der Jahrestriehe, 
wo die Blüthen erscheinen, wenn nicht 
als Beweis für die Nützlichkeit des gänz- 
lichen Unterlassens des Beschneidens 
Thatsachen angeführt würden, wo ein 
gänzliches Verwildern der Rosensträuche 
die besten Erfolge geliefert haben 
sollten. 

Die Freunde des Nichtbeschneidens 
sagen ungefähr: es sei doch Unsinn, 
den Rosenstrauch durch Abschneiden 
der Zweige fortwährend zu zwingen, 
neue zu treiben, was nothwendig den- 
selben erschöpfen müsse. Dies ist ganz 
falsch. Man schneidet nicht Zweige ab, 
welche Blüthen bringen, (ausser wenn 
sie zu dicht stehen), sondern verkürzt 
nur die Endtriebe auf einige kräftige 
Augen, in welche dann die ganze Nähr- 
kraft dringt, anstatt sich auf viele Au- 
gen zu vertheilen. Die alten Zweige 
ersparen daher nichts an Kraft, wenn 
sie an der Pflanze gänzlich unbeschnit- 
ten bleiben, denn dieselbe vertheilt 
sich nur in andere, höherstehende Au- 
gen. Man macht dem Beschneiden den 
Vorwurf, dass es nutzlose Wunden er- 
zeuge. Aber eine abgeschnittene Zweig- 
spitze macht keine grössere Wunde als 
eine von selbst absterbende, welche der 

10 


146 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Ordnung wegen dann doch abgeschnit- |den, werden in Zukunft das Messer 
ten werden muss. Und solche Spitzen | vorsichtiger gebrauchen. Bestimmte Ge- 
kommen stets vor, denn nicht das End- | setze über den Rosenschnitt lassen sich 
auge treibt Blüthenzweige, sondern ein | gar nicht aufstellen, denn alles kommt 
Seitenauge. auf den Wuchs und Eigenthümlichkeit 
Sowie jede Sache zu etwas nützlich | der Sorte an, und nur scharfe Beobach- 
ist, sowie Gegner stets der Gegenpar- | tung, welche Erfolge der vorhergegan- 
thei nützen, weil sie dieselben zum gene Schnitt hatte, lehrt sicher, wie 
grossen Nachdenken und Nachgeben in | man zu schneiden hat, Bei Sorten vom 
veralteten Dingen veranlassen, so auch | Wuchs der Centifolien zeigt sich fast 
hier, Diejenigen, welche gewöhnt sind, | immer am obersten Triebe ein Auge 
die Rosen sämmtlich nach einer gelern- | stärker als die übrigen, und über die- 
ten Regel zu beschneiden, welche da- | sem muss man schneiden. 
her jedenfalls zu viel beschnei- J. 


I. Neue Zierpflanzen. 


Vom Blumen-Comit& der Londoner Orchideen. 

Gartenbau-Gesellschaft empfohlene 

Pflanzen. (Es sind nur die Pflanzen be- 5) Odontoglossum Bluntü. Eine neue 

rücksichtigt, die in die erste Rubrik gestellt leicht blühende Orchidee aus Neu-Granada. 
sind.) Verwandt dem O. Alexandrae. Blüthenhüll- 


blätter lanzeitlich, spitz, wellig, weiss mit 
1) Anemone fulgens. Stammt aus den | roth nüancirt und stellenweis gefleckt. Lippe 
Gebirgen Griechenlands und ist der A. stel- | länglich, gefranzt und mit einem gelben 
lata zunächst verwandt. Blumen leuchtend | Fleck gezeichnet. 
roth. Staubfäden schwarz. Schöne Peren- 


nie. — 6) Anoectochilus Turneri. Blätter breit 


bes oval, bronzefarben , mit goldenem Ader- 
2) Erica fragrans. (Low et Comp.) Blu- He 
men schön rosa. mit kurzer Röhre und sehr 
wohlriechend. — 

3) Gymnogramma Parsonsü. Eine Va- 
rietät des Goldfarn mit hahnenkammförmi- 
gen Endlappen der Wedel. — 

4) Mimulus duplex National und An- 
dersoni. Zwei schöne Formen des Mimulus 
luteus, bei denen auch der grüne Kelch 
sich zu einer gefärbten Blüthenhülle umge- 
bildet hat. Erzogen vom Hrn. Bull, hat 
diese neue Race von Mimulus den Vorzug, 
dass nicht blos die Blumen gefüllt, sondern 
auch viel länger halten und sich schöner 
dem Auge präsentiren. 


7) Eriopsis rutidobulbon. Blumen in 
hängenden Trauben, goldgelb mit rothen 
Rändern. Lippenspitze weiss. 


8) Dendrobium Tattonianum. Aus Au- 
stralien. Schon erwähnt. 

9) Cattleya hybrida picta. Ein von 
Veitch zwischen C. intermedia und guttata 
erzogener Bastard. Blumen blass purpur, 
gefleckt mit dunkelpurpur. Lippe rosa, ge- 
gen die Spitze hin tief purpur. 


10) Dendrobium Mac Carthle Aus 
Ceylon. Blumen rosa. 


IL. Neue Zierpflanzen. 


Farn. 


Als schöne neue Farn erhielten den 
ersten Preis: 

11) Dicksonia cinnamomea. 
aus Neuholland. 

12) Polypodium vulgare ramosum. Farn 
mit getheilten Wedeln dieses in ganz Eu- 
ropa wildwachsenden Farns. 

13) Adiantum Farleyense. Aehnlich dem 
A. trapeziforme. 

14) Polypodium tripartitum. Aus Ca- 
labar. Wedel 3theilig, doppelt gefiedert. — 

15) Asplenium Adiantum nigrum flabel- 
latum. — 

16) Blechnum Spicant undulatum. 

17) Polystichum angulare Bayllae. 

18) Athyrium Filix foemina eurtum. 

19) Asplenium Trichomanes incisum tri- 
angular.. — Die vorstehenden 5 Farn 
sind zur Cultur im freien Lande. Es sind 
5 Formen mit monströsen Wedeln von in 
Europa heimischen Farn. — 

20) Adiantum erectum proliferum. Ab- 
art mit proliferirenden Spitzen der Wedel, 

21) Pteris flabellata ascensionis. Eine 
Farn mit feiner getheilten Wedeln, die als 
Pteris Ascensionis in den Gärten verbreitet 
ist. Stammt von der Insel Ascension. 


Baumfarn 


Pelargonien. 


22) P. (Nosegay) Dowages Duchesse of 
Sutherland. Blätter tragen Zonen. Blumen 
kirschroth-scharlach, in grossen effectvollen 
Dolden. 

23) P. (Nosegay) Lady Constance. 
Blätter mit stark. vortretender Zone. Blu- 
men hell scharlach, in effectvollen Dolden. 

24) P. (Zonale) Sir Robert Peel. 
(Windsor). Blätter mit dunkelgrüner Zone 
Blumen gross, glänzend scharlach und in 
grossen Dolden. 


Fuchsien. 


25) F. Enoch Arden. (Henderson). 
Schöne Spielart. Blumen in Form der F. 
Crinoline ähnlich, mit kurzer Röhre, zurück 
geschlagenen rothen Kelchblättern und tief 
purpurrother Blumenkrone. 


147 


26) F. Father Jonatius. Aehnlich der 
vorhergehenden. Kelchblätter rosa-scharlach, 
Blumenblätter tief purpur. 

27) F. Nonpareil. (Bull.) Kelch licht 


rosa, Blumenkrone weiss gefüllt. 


98) Malven oder Stockrosen. 


Mr. G. Eyles. Gut gefüllte rothe Blu- 
men. 


Charles Eyre. Licht rothe, schön ge- 


baute Blumen. 


Firefly. Blumen gut gefüllt, schön dun- 
kelroth. 

Semior Wrangler. 
gefüllt. tief roth. 

John Laing. Blumen gefüllt, licht kar- 
min. — 


Blumen gross, gut 


29) Verbenen. 


V. Champion. Dunkel kastanienbraune 
Blumen in grossen Dolden. 

V. John Keynes. 
scharlachfarbene 
Auge. — 

V. Lady Jane Ellice. 


Brillirend orange- 
Blumen mit weissem 


Blumen gross, 


weiss, mit kleinem grünem Auge, das von 
einem blassrosarothen Ring umgeben ist. 


V. Cleopatra. Blumen gross, glänzend 
rosa mit hellem Auge, Dolden gross. — 

V. William Dean. Blumen dunkel 
purpur mit hellem Auge. Wird als ein be- 
deutender Fortschritt unter den Formen mit 
dunklen Blumen betrachtet. 

V. Scarlet Oushion. Blumen glänzend 
scharlach. Schön zu Gruppen. 


30) Dahlien. 


D. Marquis of Winchester. 
von vorzüglichem Bau, rothbraun. 


Blumen 


D. Lottie Atkins. Kleine Blumen, 
fleischfarb und lila gespitzte Petalen, 
D. Fanny Sturt. Schöne Blume. Pe- 
talen roth, rachenweiss gespitzt. 
Verschiedene Pflanzen. 
31) Trichinium Manglesü. Amaranta- 
cee aus Neuholland vom Swan River. Per- 


ennirend. Stamm 1’ hoch und darüber, 
auf der Spitze einen länglichen Kopf teder- 
förmiger Haare (Bracteen) tragend, zwischen 


10 * 


148 


denen die amaranthrothen Blumen erscheinen. 
Eigenthümlich und zierend. 

32) Lobelia ramosa Snowflake. Weiss- 
blumige Abart, die mit L. ramosa alba un- 
serer deutschen Gärten identisch zu sein 
scheint. 

33) Bignonia argyrea violascens. Klet- 
terpflanze aus Südamerika. Jüngere Blätter 
zart violett, ältere grün mit weissen Adern. 


Im Decemberheft 1865 sindals Zier- 
pflanzen I. Ranges empfohlen. 


Farn. 


34) Lomaria Bellii. Aus Neu-Caledo- 
nien und wahrscheinlich Spielart von L. 
gibba. Die Fiederblättchen sind monströs 
ausgebreitet und kraus an den Spitzen. 
Cultur im Kalthaus. 

35) FPolystichum angulare caudatum. 
Freilandfarn. Die Spitze des Wedels schwanz- 
förmig verlängert. 

36) Athyrium Filix Foemina Applebya- 
num. Schöne neue Form von niedrigem 


1) Ein Sturm in Bengalen und 
dessen Verwüstungen im Botani- 
schen Garten zu Calcutta. Die Ver- 
wüstungen, welche der Orkan am 4. Octbr. 
1864 in Bengalen angerichtet, sind in den 
Zeitungen vielfach geschildert worden. Es 
liegt uns hier aber noch der Bericht des 
Super-Intendenten des Botanischen Gartens 
in Caleutta, über die Verwüstungen des 
gleichen Sturms, in diesem reichsten Garten 
Ostindiens, vor. Noch von Wallich sind 
dort die Bäume der Tropen, vorzugsweise 
aber Ostindiens zu schönen Baumparthieen 
gepflanzt worden. Der erwähnte Sturm hat 
mehr als Tausend der schönsten Bäume 
entwurzelt und ganze Parthien gänzlich ver- 
ödet. Ein Baobab mit 12 Fuss Stamm- 
durchmesser, verursachte bei seinem Fall 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Wuchs und an den Spitzen der Fiederblätt- 
chen quastenförmig monströs, ähnlich wie 
die Abart Frizelliae. 

37) Polystichum angulare parvissimum. 
Wuchs niedrig. Fiederlappen sehr klein. 


Orchideen. 


38) Odontoglossum Alexandrae Batem. 
Aus Neu-Granada. Blumen fleischfarben. 
Sepalen und Petalen schwach wellig. Lippe 
mit rein weissem Centrum. 

39) Odontoglossum radiatum. Blumen 
gelb, mit tief braunen Flecken gezeichnet. 
Lippe heller gelb und ähnlich gefleckt, am 
Grunde mit eigenthümlicher strahlenförmiger 
Franze. 


Verschiedene Pflanzen. 


40) Dahlia Little Beauty, Zwergsorte, 
die nur 2!/, Fuss hoch wird. Blumen gelb, 
roth gespitzt. — 

41) Chrysanthemum Gloria Mundi 
(Salter). Blumen leuchtend goldgelb. 

42) Chrysanthemum Golden Ball. (Sal- 


ter). Blumen gold-amberfarben. — 


Notizen. 


eine Erschütterung des Bodens auf eine 
weite Strecke hin. Das specielle Verzeich- 
niss zeigt 1010 Exemplare und 365 Arten, 
die gänzlich entwurzelt wurden. So wurden 
von Mangifera indica 42 mächtige Exem- 
plare, von Switenia Mahagoni 32 alte und 
12 Exemplare von einem Alter von 12 Jahren 
ganz entwurzelt, so dass die noch von Dr. 
Wallich gemachte Pflanzung des Mahagoni- 
Baumes fast ganz zerstört ist. — Palmen 
haben dem Sturme im Allgemeinen besser 
widerstanden und im Ganzen führt die 
Liste nur 12 Palmen-Arten , von denen im 
Ganzen 69 Stämme entwurzelt oder gebro- 
chen wurden, darunter allein 39 Stämme 
von Areca Oatechu und 8 Stämme von Cocos 
nucifera auf. — 


III. Notizen. 


149 


4) Auswahl von Pflanzen für wissenschaftliche Zwecke. 


Fortsetzung.) 


Cyanostis ceristata, L. C. Rich. Jacq. H. Vind. 
137. Bot. mag. 1435). @). O.-Indien. 
Campelia Zanonia, L. C. Rich. (Commelina 

... DL.) 2j. S8.-Amerika. Rpr. gen 

Zebrina pendula, Schnizl. (Tradescantia 
zebrina, Hort.) ?|. Mexico? Zu ana- 
tomischen Präparaten und Demonstra- 
tionen vielfach nützlich. 

Diehorisandra thyrsiflora, Mik., Del. bras. 
t. 3. Bot. reg. 682. ?|. Brasil. Schö- 
ner Wuchs und Blüthenstand. t. S. 
Schlechtendal in Linnea Bd. 25. (1852). 


Fam. Alismaceae. 


Sagittaria gigantea, Hort. Was als S. cordifo- 
lia in Gärten vorkommt, stimmt nicht 
mit den Autoren überein; verdient in 
jedem Aquarium gehalten zu werden, 
Blüthenstengel bis 6‘ hoch, Blattfläche 1° 
lang, 10‘ breit. 


Fam. Butomaceae, 


Hydrocles Humboldti Endl. (Limnocha- 
rs 2.36, C2Rich, Mem. Mus. 1.719. 
Bot. Reg. 1640. Bot. Mag. 3248. ?|. 
S.- Amerika. Schöne Blumen mit Sta- 
minodien, Blattbau etc. 

Limnocharis Plumieri, Rich. Mem. Mus. I, 
19—20. Bot. Mag. 2525. (Alisma flava, 


L.) 2]. 
Fam. Juncaceae. 

Prionium Palmitto, E. Mey. ?|. Cap. d. g. 
H. Wuchs, Stamm in Leipzig 8° hoch, 
2—3' dick. 

Astelia Banksii RBr. (Hamelinia veratroides 
L. e. Rich.) V. Houtte Fl. dserr. 5. ?]. 
N.-Seeland, woselbst auf Bäumen ange- 
siedelt. Blätter silberschuppig. 

Xerotes rigida RBr. (Lomandra ... . La- 

bill.) Bot. Lodd. Bot. Cab. 498. ?I. 

S.-Australien. Blattspitze. 

longifolia, RBr. Bot. reg. Bd. 25. 3. Au- 

stralien. 

Dahin gehören: Rapateas aus Surinam. 

Fiagellaria aus Ostindien; Kingia, Da- 


sypogon und Celectasia aus Australien. 
Sind nochnichtin den Gärten, wären aber 
sehr wichtig und als kleine Familien, 
zugleich als schöne Pflanzen interessant. 


Philydreae. 


Philydrum lanuginosum, RBr. Bot. Mag. 
783. @&-@- S.W.-Australien, China. 
Rpr. Fam., nur 1 Staubbl. u. s. w. 


Melanthiaceae. 


Pleea tenuifolia, Pers. Bot. mag. 1956. ?|. 
Carolina. — Staubblätter 9—12!, Wuchs. 

Helonias bullata, L. (H. latifolia Mcehx.) 
Virginien. Bot. mag. 747. Rpr. G. Blät- 
ter breit. 

Amianthium muscaetoxicum, Gray. (Helo- 
nias erythrosperma , Mchx. u. m. a. 
?|. Kentuky u. a. in Sümpfen; Same 
roth. 

Anguillaria dioica, RBr. ?}. S.W.Australien. 
?L. Rpr. Blumen braunroth mit Honig- 
drüsen. 

Melanthium virginicum, L. (Helonias 
....) Bot. mag. 985. ?|. Illinois. Rpr. G. 
Blume nach dem Verblühen schwarz 
werdend. 

Bulbocodium vernum, L. Bot. mag. 153. 
u. 1028. ?|. S.-Eur. Rpr. G. 

Wurmbea capensis Thb. (W. campanulala 
Willd.). Bot. mag. 1291. %. Cap. d. g. 
H. Rpr. Gen. variirt in der Farbe der 
Blumen. Blumen verwachsen. 

Schelhammera undulata, RBr. Bot. mag. 
2712. S.-W.-Australien. ?|. Findet sich 
sehr selten in Gärten, verdient aber 
mehr Rücksicht wegen Zierlichkeit. Ge- 
hört nebst den 2 folgenden zur Fam. 
Uvularieae, welche, A. Gray aufstellte. 

Uvularia perfoliata, L. Virginien. ?|. 
Smith. exot. bot. t. 49. Redoute Lil. 
184. Blattbildung. Blumen blassgelb. 

Disporum pullum, Salsb. (Uvularia chi- 
nensis, Ker.) in Bot. Mag. 916. ?|. China. 
Blumen braunroth. 


150 


Pontederiaceae. 


Pontederia cordata, L. Bot. mag. 1156. 
2]. N.-Amerika. — Repr. gen. blüht 
leichter als die folgende. 

erassipes, Mart. Z. (Eichhornia .. 
Klz.) Bot. mag. 2932. Guiana, Brasil. — 
Blatt, dessen Stiel u. Ligularbildung! 
Knospentaltung u. a. 


Liliaceae. 
a) Tulipaceae. 

Tulipa oculus solis, St. Amand. S.-Frank- 

reich. Schönheit. 

turcica, Roth. (F. stenopetala Mord.) 

Bot. Reg. 127. T. cornuta, Redoute, t. 

445.) Persien. ?|. Form der Blumenblätter. 

Cyclobothra lutea, Lindl. Bot. Reg. 1662. 
?|. California. Aeusserer Blumenblatt- 
kreis laubig (Kelch). 

Lilium cordifolium, Thbg. 2]. Sieb. Zuce. 

fl. jap. t. 13. Japan. Form der Blätter 

n. Berippung ders. 

giganteum, Wall. (Cardiocrinum ...) 

?. V.Houtte fl. d.s. 771. Nepal. Grösse 

und Form der Blätter! 

japonicum; Thbg. ?|. Bot. mag. 1591. 

Nepal. China, Japan. Grosse Blume. 

speciosum, Thbg. Bot. reg. t. 2000. 

Sieb. Zuce. fl. jap. 12. Wuchs; Blätter; 

prachtvolle weiss und purpurne Blume. 

longiflorum, Thbg. ?|. Bot. reg. 

560. Japan. Grösse der Blume im Ver- 

hältniss zum Stengel. 

tigrinum, Gawl. — Bot. mag. 1237. 

China, Japan. Zwiebeln in Blattchseln; 

prachtvolle morgenrothe dunkel getupfte 

Blume. 

Methorica virescens var. Plantü, Planch. 
Bot. Mag. 2539. Ostafrika. Blattranken 
Blumen! Leichtere Cultur als M. (Glo- 
risa) superba. 


b) Agapantheae. 


Phormium tenax, Forst. (Chlamydia te- 
nacissima, Bank.) ?|. S.-Australien, 
N.-Seeland (auf Felsen) Bot. mag. 3199. | 
Wuchs. Faser. Gummiabsonderung. 

Agapanthus umbellatus, Herit. (Cri 
num africanum, L.) Bot. mag. 500. ?]. 
Cap. d. g. H. Wuchs. Rpr. G. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Polianthes tuberosa, L. Bot. mag. 1817. 
?|. O.-Indien. Repr. g. Geruch. 
Triteleia laxa, Benth. Bot. reg. t. 1685. ?]. 
Chili. 
c) Aloineae. 
Sanseviera guinensis, Willd. (Aletris... 
Jacg. Hort. Vind. t. 84. Bot. reg. 1180. 
?|. Guinea u. Cap. d. g. H. Rpr. @. 
Spiralfaserzellen in den starren Blättern. 
carnes, Andrew. (S. sarmentosa, Jacq. 
Fragm. t. 102. pr. 132. Aletris chinen- 
sis, Hort.) ?|. China. Rpr. g. 
Kniphofia aloides, Mnch. (Tritomanthe 
Uvaria, Lk. Veltheimia .... Jacq. Frag. 
t. 4. Bot. mag. 758.) ?|. Cap. d. g. H. 
Wuchs Rpr. G. Honigmenge. 


Alo@ spiralis, Labill. (Apiera.... Willd.) 
B. mag. 1455. ?|. Cap. d. g. H. 
— foliolosa, Haw. (Apiera ... Willd.) ?]. 


B. mag.1352. Cap. d. g.H. Säulenförmi- 
ger Wuchs, mit sehr gedrängten Blättern. 
concinna, Haw. (Haworthia... . Dur.) 
Salm. Mon. $. 3, 4. ?]. Cap. d. g. H. 
Blätter dreizeilig, zierlich rückwärts ge- 
krümmt. 

torquata, Haw. (Haworthia ... Duv.) 
Salm. Mon. $. 3,6. ?|. Cap. d. g. H. 
Blätter dreizeilig in geraden Reihen. 
papillosa, Salm. D. (Haworthia . 
Duv.) Salm. Mon. $. 6, 4. ?|. Cap. d. 
g. H. Blätter mit weissen Wärzchen be- 
setzt, Wuchs stark. 

margaritifera, Haw. (Haworthia ... 
Duv. B. Mag. 815. ?|. Cap. d. g. H. 
Der vorigen ähnlich, aber kleiner. 
rugosa, Salm.D. (Haworthia . .... Duv.) 
Salm. Mon. $. 6, 9. 2]. Cap.d. g. H. 
Blätter spitzig, mit sehr kleinen Wärz- 
chen besät. 

fasciata, Willd.(Haworthia ... Duv). 
Salm. Mon. $. 6, 15. ?]. Cap. d. g. H. 
Blätter unterseits mit weissen Wärzchen 
in Querstreifen geziert. 

retusa, L. (Haworthia .... Duv.) ?1. 
B.mag.455. C.d.g.H. Blätter fast tetra&- 
derförmig, gleichsam abgeschnitten. 
planifolia, Haw. (Haworthia .... Duv.) 
Salm. Mon. $. 11, 2. ?j. Cap. d. g.H. 
Blätter flach, eiförmig, spitz. 
arachnoides, Thbg. (Haworthia ... 


IT, 


Duv.) Bot. mag. 756. 1314. ?|. Cap. 


d. g. H. Blätter mit Reihen von Zähnen | 


geziert an der Spitze fast stachelig. 


Aloe Bowiea, Schult. (Bowiea africana, 
Haw.) Salm, Mon. $. 14, 1. ?|. Cap. d. 
g. H. Rpr. Sect. 

— virens,, Haw. Bot. mag. 1355. n. Cap. 
d. g. H. Blüht fast den ganzen Winter 
hindurch. Rp. Sect. 

— vulgaris, Bauh.(A. officinalis, Forsk. 
A. Barbadensis, Mill., A. vera, L.) Salm, 
Mon. $ 18, 2. h. Cap. d. g.H. Blätter 
weich; Blumen gelblichgrün. — Saft 
offizinell. 

— variegata, L. Bot. mag. 513. Salm, 
Mon., $. 20, 2. h. Cap. d. g.H. Blätter 
dreizeilig, mit querlaufenden Flecken 
geziert. 

— succotrina, Lam. h. (2—5‘ hoch), 
DC. pl. grasses t. 85. Salm, Mon. $. 22, 1. 
Ins. Soccotora. Blüht im März. Blätter 
schmal. Saft, offizinell. 

-- Jlatifolia, Haw. (A. saponaria, 8. Haw.) 
'h. Bot. mag. 1346. Cap. d. g.H. Blüht 
im Herbst. Wuchs gross, Blüthenstand 
doldenähnlich. 

— mitraeformis, Wille h. 2-3“ hoch. 
Cap. d. g. H. Bot. mag. 1270. Wuchs 
ansehnlich, Blätter sehr dick, spärlich 
gezahnt. 

— eiliaris, Haw. Salm, Mon. $. 25, 1. h. 
(6—8’ hoch). Cap. d. g. H. Blüht im 
Winter. Wuchs schlank, Blätter schmal, 
stengelumfassend. 

— arborescens, Mill. DC. pl. grasses t. 
48. Bot. mag. 1306. Salm, Mon. S. 26, 3. 
Cap. d. g.H. Blüht im Frühling. Wuchs 
hoch. 

— ferox, Lam.(Pachydendron ..... Haw.) 
DC. pl. grass. t.32. Salm, Mon. $. 27, 5. 
h. Cap. d. g. H. Blüht im Winter, 
Wuchs stark, Blätter überall stachelig, 
sehr dick; Blüthenstand gedrängt. 

— plicatilis, Mill. (Rhipidodendron. di- 
stichum Willd.) Bot. mag. 457. DC. pl. 
grasses t. 75. h. Cap. d. g. H. Blüht 
im Frühling. Stamm 3—5’h. Wuchs mit 


Notizen. 


151 


dickem gabelästigen Stamm und zwei- 
zeiligen, dicken, linealen, stumpfen Blät- 
tern. 

Alo& acinacifolia, Jacq. (Gasteria .... Duv.) 
Jacg. eclog. t. 31. Bot. mag. 2369. ?]. 
Cap. d. g. H. Blätier lang, aufrecht. 

— scaberrima, Salm. D. (Gasteria 
Duv.) Salm, Mon. $. 29, 26. ?|. Cap. 
d. g. H. Blätter überall warzig, zwei- 
zeilig. 

— Lingua, Willd. (Gasteria disticha Haw,) 
Bot. mag. 828. Salm, Mon. $. 29, 33. 
?. Cap. d. g. H. Blüht im März. Blät- 
ter ziemlich dünn, warzig. 

— obtusifolia, Salm. D. (Gasteria . 
Duv.) Salm, Mon. $. 29, 36. ?]. Cap. 
d. g. H. Blüht im April. Blätter der 
vorigen ähnlich, aber mit Flecken be- 
setzt. 

Lomatophylium borbonicum, Willd. (Aloe 
marginata, DC. Dracaena marginata. 
Ait. Phylloma aloiflorum, Ker. bot. 
mag. 1585.) DC. pl. grasses t. 31, 
J. Bourbon. AH. Habitus. Blüht selten. 

Yucca*) aloifolia, L. Bot. mag. 1700. 
h. (bis 20' hoch). Carolina, Mexico. 
Wuchs. Blätter sägerandig. 

— gloriosa, L. Bot. mag. 1260. Vir- 
ginien u. Südd. h. bis 4’ hoch. Blatt- 
rand kahl, Knospen an der Wurzel. 
Blüht gerne. 

— glauca, Sims. Bot. mag. 2662. Ca- 
rolina, Mexico. Blätter herabgebogen, 
u. Rand kahl. Erträgt sehr geringe 
Wärme. Blüht leicht. 


d) Asphodeleae. 


Hyacinthus orientalis, L. Bot. mag. 937 
u.a. ?|. Kl.-Asien. Füllung der Blu- 
men u. Wechsel in deren Farben, 


*) S. Aufzählung der Yucca Arten desKs. 
bot. Gartens in St. Petersburg, nebst 
Beiträgen zu deren Cultur, v. Regel, in 
Gartenflora Bd. 8. (1859.) p. 34. 


(Fortsetzung folgt.) 


152 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


WW. Literatur. 


1) Die Schule des Gärtners und 
Pflanzenfreundes auf dem Ge- 
biete der Botanik, enthaltend die 
Lehre von der Gestalt, dem Baue und 
den Lebensverrichtungen der Pflanze, 
die wissenschaftliche Anordnung des 
Pflanzenreichs, ein alphabetisches Re- 
gister der meisten lateinischen Artnamen 
mit Angabe der Betonung und deutscher 
Uebersetzung, sowie ein Register der 
lateinischen Gattungsnamen. Von Dr. 
Hermann Pomper. Mit 5 Tafeln 
Abbildungen. 360 S. in XII. Weimar 
1866. Verlag von B. J. Voigt. 


Unter hundert Gärtnern ist es vielleicht 
einem vergönnt, sich in der Botanik gründ- 
liche Kenntnisse zu verschaffen, und unter 
den Gartenfreunden ist die Mehrzahl ganz 
unbekannt mit dieser Wissenschaft. Gleich. 
wohl kommen beide so oft in den Fall, sich 
über gewisse Dinge zu unterrichten, dass 
sie mit Bedauern einen Führer vermissen, 
welcher ihnen die nothwendigsten Kennt- 
nisse in einer besonders für ihre Zwecke 
eingerichteten Weise bietet. Ein solches 
Buch ist das uns vorliegende, und wir be- 
grüssen es als ein freudiges Ereigniss für 
alle Gärtner und Pflanzenfreunde, welche 
sich nicht mit empirischen Erfolgen begnü- 
gen, denn sie werden alles in dem Buche 
finden, was ihrem Streben angemessen ist. 
Das zuletzt erschienene Werk ähnlicher 
Tendenz ist Dr. E. Regel’s „‚die Pflanze und 
ihr Leben in ihrer Beziehung zum prakti- 
schen Gartenbau‘ (Zürich 1855). Aber in 
11 Jahren verändert sich, namentlich vom 
physiologischen Gesichtspunkte gar Vieles, 
und wenn das genannte vortreflliche Buch 
einerseits die Pflanzen viel eingehender be- 
handelt, so enthält es dagegen nichts über 
Klassification und Systeme, und geht nicht 
auf die einzelnen Familien ein. Dieses ist 
aber gerade bei dem vorliegenden Buche 
die Hauptsache und nimmt über die Hälfte 
desselben ein. Endlich giebt ein alphabe- 


tisches Verzeichniss der lateinischen Arten- 
namen mit deutscher Uebersetzung dem 
nicht mit dem lateinischen (besonders bota- 
nisch-lateinischen) Ausdrücken bekannten 
Freund der Pflanzen, Gelegenheit, die Be- 
deutung der Namen kennen zu lernen, wäh- 
rend die Angabe der Betonung die richtige 
Aussprache lehrt. Wir halten das Letztere 
für ganz besonders wichtig, denn es ist 
wirklich kaum anzuhören, wie Leute, welche 
von der lateinischen Sprache keinen Begriff 
haben, die lateinischen Pflanzennamen aus- 
sprechen. Wir hätten nur gewünscht, dass 
diese Angabe des Accents in dem Register 
der Gattungsnamen und Familien, welches 
gegen 7000 Namen enthält, ebenfalls durch- 
geführt wäre, damit man nicht erst die 
Pflanze im IV. Abschnitte aufzusuchen 
brauchte. Dann wäre das Register ein 
wirklich zur Belehrung dienender Abschnitt 
geworden. Wir geben nun den Inhalt. Er- 
ster Abschnitt: Lehre von der Gestalt der 
Pflanzen (Morphologie), Wurzel, Stamm, 
Nebenachsen, Blatt, Blüthe, Frucht; II. Ab- 
schnitt: Lehre vom Baue der Pflanzen 
(Organologie), Bau der Zellen, Bildung, Ver- 
bindung, Arten und Inhalt der Zellen, 
Farbe der Pflanzentheile; IIL Abschnitt: 
Lehre von den Lebensverrichtungen der 
Pflanze (Physiologie), allgemeine Lebenser- 
scheinungen, Keimung, Wachsthum der Pflan- 
zen, Ernährung, Nahrungsmittel der Pflan- 
zen, Aufnahme und Ausscheidung der Stoffe, 
Bewegung des Pflanzensaftes, Vervielfälti- 
gung der Pflanze, Lebensdauer, Krankheit, 
Tod der Pflanze, und Lichtent- 
wickelung, Benutzung von Pflanzentheilen, 
IV. Abschnitt: wissenschaftliche Anordnung 
des Pflanzenreichs (Systematologie und Sy- 
stematik), von den Begriffen der Art, Gat- 
tung, Familie, Klasse, von der Namenge- 
bung, von den Systemen; Charakterisirung 
sämmtlicher Klassen , sowie derjenigen Fa- 
milien, aus denen Arten in den Gärten cul- 
tivirt werden, nebst Angabe der betreffenden 
Gattungen (nach dem System von End- 


Wärme- 


IV. Literatur. 


licher, von Seite 96 bis 288); V. Abschnitt: 
alphabetisches Verzeichniss von Art-Namen 
der meisten in den Gärten gezogenen Pflan- 
zen mit Angabe der Betonung und deutschen 
Uebersetzung. — Wir betrachten und be- 
urtheilen dieses Buch nur vom Standpunkte 
des Gärtners und überlassen Botanikern eine 
Beurtheilung des rein Botarischen. Der 
Verfasser hat in seinem langjährigen Um- 
gange mit Gärtnern und Gartenfreunden im 
Leipziger Gartenbauvereine, wo derselbe 
viele wissenschaftliche Vorträge hielt, sich 
genaue Kenntnisse, von deren Bedürfnissen 
und Bildungszuständen erworben und konnte 
beurtheilen, was jenen fehlt. Und nach un- 
serer Ueberzeugung hat er das Richtige 
getroffen, weshalb wir es auch aus voller 
Ueberzeugung aller solcher Kenntnisse be- 
dürftigen Gärtnern und Gartenfreunden be- 
stens empfehlen. d. 


2) Die Gemüsetreiberei oder das Trei- 
ben der zum Küchengebrauche dienen- 
den Gewächse, als der Gemüse- und 
Gewürzkräuter in Mistbeeten, Treibkä- 
sten und Treibhänsern mit Anwendung 
der Wasserheizung. Von J. Hartwig, 
grossherzog]. Hofgärtner in Weimar. Mit 
11 Abbildungen. Weimar 1866. Verlag 
von B. F. Voigt. 


Dieses Buch bildet den zweiten Theil des 
schon in diesen Blättern erwähnten „Küchen- 
gartens‘‘ desselben Verfassers, und enthält 
in klarer, kurzer Darstellung alles was man 
zur Belehrung in diesem Fache braucht, 
nach den neuesten Erfahrungen. Auch die 
Champignon-, Erdbeer- und Ananaszucht 
ist mit aufgenommen. Manche Pflanzen 
sind etwas kurz weggekommen, so z. B- 
die Wassermelonen (Arbusen und Angurien), 
die man nach des Verf. Angabe nicht ziehen 
kann, wenigstens keine Früchte, ein Vorwurf, 
welcher schon von anderer Seite dem Verf. 
bei Beurtheilung des Buches „der Melonen-, 
Gurken- und Champignongärtner“ (im Ja- 
nuarheft) gemacht wurde. Die Meisten wer- 
den aber die Mängel nicht vermissen, denn 
die wichtigeren Gemüse sind ausführlich be- 
handelt, Ik 


153 


3) Ferdinand Glöde, les bonnes 
fraises. Paris, librairie centrale 
d’agriculture; et de jardinage 
1865. 


Wir haben dieses Buch, das uns eine 
vorzügliche Anweisung zur Cultur der Erd- 
beeren im Klima von Paris giebt, dann 
über die Treiberei der Erdbeeren spricht 
und endlich die zur Cultur empfehlenswer- 
thesten Erdbeeren mit kurzer Beschreibung 
aufführt, mit grossem Interesse gelesen. 

Glöde hat sich um die Cultur der Erd- 
beeren, sowohl dadurch, dass er alle im 
Handel auftauchenden Erdbeersorten ge- 
sammelt und neben einander versuchsweise 
eultivirt hat, — sowie durch eigene An- 
zucht einer Menge vorzüglicher Erdbeersor- 
ten, ein grosses Verdienst um diesen Cul- 
turzweig erworben. In dem Buch, wel- 
ches wir besprechen, legt er jedermann, die 
von ihm für die Praxis gewonnenen Resul- 
tate offen dar und macht solche damit zum 
Gemeingut aller. 

Wir können daher dem Herrn Verfasser 
hier nur die vollste Anerkennung für seine 
gemeinnützige Thätigkeit aussprechen, und 
thun dies mit um so grösserer Ueberzeu- 
gung, als wir selbst diesem Culturzweig 
seit einigen Jahren unsere volle Aufmerk- 
samkeit zugewandt und alle Erdbeersorten, 
die Glöde in seinen Catalogen aufführt, in 
unserem pomologischen Garten selbst culti- 
virt haben. 

Wir stimmen in den Grundzügen der 
Cultur mit Glöde vollkommen überein, müs- 
sen aber bemerken, dass das, was Glöde 
für das Klima von Paris empfiehlt, im Klima 
der rauheren Gegenden Deutschlands und 
besonders im Klima von Petersburg, sich 
nicht immer durchführen lässt. Wir denken 
deshalb nächstens unsern Lesern in einem 
besonderen Artikel unsere Erfahrungen über 
die Erdbeerzucht in einem rauheren Klima 
vorzulegen und wollen dabei der Erfahrun- 
gen Glöde’s gedenken. 

Glöde’s Buch empfehlen wir aber allen 
Freunden der Erdbeerzucht aufs wärmste 
zur Anschaffung. (E. R.) 


154 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


V. Personalnotizen und Neuestes ete. 


3) Moskau. Gestern Abend er- 
hielt ich das Januarheft der Garten- 
flora, und unter der Rubrick „Neuestes“ 
meine Mittheilung über das Phosphoresciren 
einer Georgine, „Deutsche Sonne“. — Ich 
ersuche sie gehorsamst, einen Druckfehler, 
hinsichtlich meines Namens berichtigen zu 
wollen: nicht, wie dort gedruckt, R. Kap- 
ler, sondern R Cassler ist mein Name. 

Nachträglich bemerke ich noch Fol- 
gendes: 


1) Wäre es sehr zu wünschen, dass 
diese Beobachtung auch anderwärts an- 
gestellt, und das Resultat, bestätigend 
oder nicht, durch Ihr geehrtes Journal be- 
kannt gemacht würde. Natürlich 
naue Beobachtung nöthig. 


2) Weil ich dadurch in den Stand ge- 
setzt würde, meine ferneren Beobachtungen» 
über das Leuchten zu bestätigen, um wo 
möglich, diesem Phänomen auf den Grund 
zu kommen. — 


ist ge- 


Das Ziel, welches ich mir bei diesen 
Untersuchungen gesteckt habe, ist: 

a) Die Ursachen zu erforschen, warum 
nur bei dieser einen gelben Georgine 
das Leuchten stattfand, da doch die Calen- 
dula und Lilien orangefarben sind, und 
leuchten ? 


b) Zu erfahren, ob das Leuchten auch 
in heissen Sommerabenden stattfinde, da die 
Calendula nur nach Sonnenuntergang an 


schwülen Sommerabenden leuchtete. 


c) Ob vielleicht Standort, Klima und 
Herbstwitterung Einfluss daraut ausüben. 
Denn da das Leuchten der Calendula, und 
Lilien ete. ebenfalls zuerst im hoben 
Norden, zu Upsala beobachtet worden, 
es leicht möglich wäre, dass klimatische 
Verhältnisse zu dem stärkeren Phosphores- 
eiren beitragen könnten, wodurch es möglich 
wurde, dass diese ganze Erscheinung so 
lange in Zweifel gezogen wurde, und viel- 
leicht eben durch kältere Nächte, die Beo- 


bachter zu der definitiven Bestätigung des 
Phänomen’s veranlassten. 


2) Carl Erler, Hofgärtner zu Jelagim 
bei Petersburg, starb am 27. Februar 1866. 
Der hiesige Gartenbauverein verliert mit 
ihm eines seiner thätigsten Mitglieder, das 
bei allen Gelegenheiten die Zwecke des 
Vereines förderte. Seine Freunde verlieren 
durch seinen Tod einen treuen Freund, der 
gern und bereitwillig half und unterstützte, 
einen treuen biedern Ehrenmann, der still 
und ruhig wirkte und mit allen seinen 
Freunden in inniger Harmonie lebte, end- 
lich einen tüchtigen und erfahrenen Kunst- 
genossen, demder Petersburger Gartenbau so 
manches dankte. C. Erler war am 1. Ja- 
nuar 1802 in Petersburg geboren. Er er- 
lernte die Gärtnerei bei seinem ältesten 
Bruder, dem vor 9 Jahren verstorbenen 
Hofgärtner Erler in Peterhof, unter dessen 
Leitung ein grosser Theil der Gartenanlagen 
zu Peterhof entstand. Er conditionirte bei - 
seinem Bruder und bei seinem Vater, wel- 
cher letzterer beim Fürsten Narischkin als 
Gärtner angestellt war. Später war er 6 
Jahre Obergärtner bei der Gräfin Strogonow 
in Petersburg, dann 5 Jahre beim Herrn 
von Piketow in Saratow und endlich 16 
Jahre Obergärtner beim Fürsten Dundukow- 
Korrakow in Oranienbaum. Im Jahre 1852 
endlich erhielt er die Stelle als Hofgärtner 
am Sommergarten und dem Park zu Jela- 
gim bei Petersburg und im Jahre 1855, 
nach dem Tode desHofgärtners Buck, auch 
die Aufsicht über die Gewächshäuser und 
Treibereien daselbst. — 


3) Herr Oscar Pabst, der bisher 
einem Theil der Gewächshäuser des K. Bo- 
tanischen Gartens in St. Petersburg als Ober- 
gärtner vorstand, ist zum Hofgärtner in Je- 
lagim ernannt worden. 

4) Herr F. Nouvel, bisher Obergärtner 
beim Fürsten Beloselsky ist nach Deutsch- 
land zurückgekehrt. An seine Stelle ist 


V,  Personalnotizen. 


Herr Siesmeier als Obergärtner des Für- 
sten Beloselsky eingetreten. 

5) Freiherr vond. Decken. 
über Zanzibar eingegangene, mitgetheilte 
Nachricht, vom Tode v. d. Decken, 
wird zwar von einigen Seiten noch bezwei- 
tel. Andererseits ist aber von den Ver- 
wandten seines Begleiters, des Dr. Link 
aus Danzig, der gleichzeitig ermordet wor- 
den sein soll, der Tod desselben in öffent- 
lichen Blättern bekannt gemacht worden. 

Während die Nachrichten über das un- 
glückliche Ende der Ostafrikanischen Expe- 
dition, von der einen Seite so lauten, geben 
authentischere Berichte, folgende Nachricht: 
Baron v. d. Decken, in Begleitung des Dr. 
Link, verliess das gestrandete Schiff im 
Jubafluss und begab sich nach Berdera. 
Dort wurden ihm zuerst seine Gewehre ge- 
raubt und dann ward er und Dr. Link ge- 
fangen und ermordet, wie es scheint, nur 
um ihn zu berauben. Die Leute, die ihn 
nach Berdera begleiteten, sind nach Zanzi- 
bar zurückgekommen. 

6) Karl Eckmann ist zum Hofgärtner 
Ihrer K. Hoheit der Grossfürstin Helena- 
Paulowna im Garten zu Kamennoi-Ostrow 
bei Petersburg ernannt worden. Derselbe 
war bisher Hofgärtner I. K. H. in Oranien- 
baum. Die Stelle als Hofgärtner in Ora- 
nienbaum hat Hr. Kaufert erhalten. 

7) Regierungsrath Wichura, der 
sich um die Wissenschaft ein bleibendes 
Verdienst, durch seine Versuche über Wei- 
denbastarde erworben, der ferner als Bo- 
taniker die Preussische Expedition nach Ja- 
pan begleitete, ist leider im Monat Februar 
in Berlin plötzlich gestorben. Im December 
des letzten Jahres, war er nach Berlin be- 
urlaubt worden, um dort seine aus Japan 
mitgebrachten Sammlungen zu bearbeiten, 
Im Begriffe der Bearbeitung seiner Samm- 
lungen, ward derselbe am Morgen des 26. 
Februars in seiner Wohnung, vor seinem 
Arbeitstisch und seiner begonnenen Arbeit 
liegend, von Kohlendampf erstickt, todt ge- 
funden. Der Verewigte war dem Referenten 
ein lieber trauter Freund. Während der 
Zeit, dass der Unterzeichnete sich im Bo- 


Die 


155 


mit seinem schon lange dahin gegangenen 
Freunde J. Schmitz gemeinschaftlich die 
Flora Bonnensis, sein Erstlingswerk, be- 
arbeitete (1838— 1840), studirte Wichura in 
Bonn, und machte mit dem Unterzeichneten 
so manche Excursion gemeinschaftlich. Un- 
ermüdete Ausdauer auf weiten anstrengen- 
den Touren, stets gleicher unermüdlicher 
Eifer, ein nie zu störender jovialer Humor, 
Schärfe des Blicks und der Beobachtung, 
zeichnete schon damals unseren lieben 
Freund aus. Tief betrauern wir diesen, in 
der Blüthe seiner Jahre, mitten aus den Auf- 
zeichnungen seiner Beobachtungen, hinge- 
rafften Freund, den auch in seinem späteren 
Wirkungskreis als Regierungsrath in Bres- 
lau, alle seine Bekannten liebten und ach- 
teten. Schreibt das doch unser geehrter 
Freund und Nestor im Felde der Naturwis- 
senschaft, Herr Geheimmedizinalrath Göp- 
pert von demselben: „Ich habe an ihm 
einen meiner treuesten und edelsten Freunde 
verloren, dessen durchaus anspruchloses 
Wesen, verbunden mit einer fast kindlichen 
Anspruchslosigkeit, stets erfreuend und an- 
regend auf die mit ihm Verkehrenden ein- 
wirkte.‘' E. Regel. 
8) Varietäten von Helleborus. 
Aus Samen des nicht künstlich befruchteten 
Helleborus antiquorum Al. Br. fielen 
bei mir bis jetzt folgende zwei Varietäten: 
1) Helleborus antiquorum Al. Br. 
var. flore albo. Habitus der 
pflanze. Blumenhülle rein weiss, ohne alle 
Puncte (also deutlich verschieden von Hell. 
guttatus und abascius), doch, wie bei der 
Stammpflanze, mit grünlichem Anhauche 
nach der Mitte und Basis der Blumenhüll- 
blätter. Blumenblätter (Nectarien) grün. 
2) Helleborus antiquorum Al. Br. 
var. punctulatus. Habitus der Stamm- 
pflanze. Blumenhülle in Farbe der der 
Stammpflanze gleich, doch mit rothbraunen 
Puncten nach der Basis und Mitte der Blu- 
menhüllblätter (wie bei Hell. guttatus). Blu- 
menblätter (Nectarien) braunroth. 
Beide, wie die Stammart und wie die 
caucasischen Varietäten überhaupt, von ent- 
schiedenem Werthe als Zierblumen für die 


Stamm- 


tanischen Garten zu Bonn beschäftigte und an Blumen arme Jahreszeit. Cultur bekannt- 


156 


lich leicht im Topfe und im kalten Kasten, 
im Freien erfriert in strengen Wintern bei 
uns hier in Jena die Wurzel dieser Helle- 
borusarten trotz starker Deckung mit Reis. 

Gerne bin ich erbötig, von der zu hof- 
fenden Vermehrung der genannten Varie- 
täten gegen andere Helleborusvarietäten, die 
meiner über 20 Sorten zählenden Sammlung 
(unter den Varietäten von Hell. viridis schei- 
nen mir einige noch nicht beschrieben zu 
sein) fehlen, tauschweise abzugeben. 

Jena, am 19. Febr. 1866. 
Aug. Schleicher. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Potssceript. Wir haben schon früher 
darauf hingewiesen, dass die aus dem Cau- 
casus stammenden und von A. Braun be- 
schriebenen Helleborus, zu einer Stammart, 
dem H. caucasicus A. Br. gehören, die in 
Cultur, wie im wilden Zustande eineMenge _ 
von Formen bildet. Hierher gehört auch 
H. antiquorum. 


(E. R) 


VL Angelegenheiten des Russischen Gartenbau-Vereins 
in St. Petersburg. 


1) Jahressitzung am 


Auszug aus dem Jahresberichte für das 
Jahr 1864. 

Die Gesellschaft hatte im Laufe des 
Jahres 1864 im Ganzen 15 Sitzungen, von 
denen 7 mit Blumenausstellungen verbunden 
waren. Für die zu den Monatssitzungen 
eingesandten Gegenstände wurden im 
Laufe desJahres 1 kleine goldene, 4 grosse 
silberne, 8 kleine silberne und 5 bronzene 


Medaillen ertheilt. Ausserdem waren einige 
Extraprämien zur Vertheilung gekommen, 
die von den Herren Warjchanow, Tretjakow, 
Gegorow und Kurakin für Rosen, Rhodo- 
dendron, Erdbeeren und Azaleen ausgesetzt 
waren. Die Herren Gegorow, Nouvel, Höckel 
und Grauberg erhielten diese Prämien. 

Die Frühjahrsausstellung war in den Ge- 
wächshäusern des Taurischen Palais, nach 
dem Plane des Herrn Architekten Bruni 
ausgeführt. Die Ausstellungscommission 
bestand aus den Herren Bergemann, Gan- 
shurow, Golubzow, Gegorow, Nouvel, Regel 
und Rochel. Für die zu der Ausstellung ein- | 
gesandten Gegenstände waren im Ganzen | 
3 mittlere goldene, 25 kleine goldene, 31| 
grosse silberne, 19 kleine silberne und 141 


7. (19.) Mai 1865. 


bronzene Medaillen zuerkannt. Ausserdem 
wurden denjenigen Mitgliedern des Comites, 
die sich durch aufopfernde Betheiligung den 
besonderen Dank des Vereines verdient hatten, 
eine mittl. gold., eine kl. gold., 2 grosse silb., 
und 2 kleine silberne Medaillen zuerkannt. 
Für die mit der Jahressitzung verbun- 
den gewesene Ausstellung waren 4 kleine 
goldene, 10 grosse silberne, 7 kleine sil- 
berne und 2 bronzene Medaillen zuerkannt. 
Das von dem Vereine herausgegebene 
Journal erhielt im Jahre 1864 durch die 
Allerhöchste Genehmigung auf Vorstellung 
des Herrn Ministers der Domänen eine all- 
jährliche Unterstützung von 1500 Rubel. 
Ausserdem hatte Herr Tretjakow für die 
Zwecke des Journals 50 Rub. geopfert und 
das Moskauer Samendepot gab unentgeld- 
lich Sämereien zur Beilage beim Journal. 
Es wurde die Unterstützungskasse der 
Gärtner reorganisirt, was durch den An- 
wuchs des Kapitals derselben bedingt war. 
Zur Verstärkung der Kasse wurden die Pro- 
cente vom vorhandenen Kapital, die jähr- 
lichen Beiträge der Mitglieder der Kasse im 
Betrage von 5 Rubel, die Einnahme von ei- 


VI. Russischer Gartenbau-Verein. 


nem Tage während der grossen Blumenaus- 
stellungen und von den Tagen, die nach 
Ablauf der angesetzten Zeit noch später 
für die Verstärkung der Kasse angesetzt 
worden. Die Mitglieder der Kasse und ihre 
Familien können eine einmalige Unterstütz- 
ung von 25 Rub. und eine monatliche Pen- 
sion von 10 Rub. beanspruchen, sofern es 
die Mittel der Kasse gestatten. Zur Unter- 
stützung von Gärtnern, die nicht an der 
Kasse als Mitglieder derselben betheiligt 
sind, kann jährlich eine Summe von 200 
Rub. vertheilt werden. 

Im Jahre 1864 hatte sich der Verein 
an der Brüsseler Ausstellung durch seine De- 
putirten, Hr. Dr. Regel und Hr. Bergemann 
betheiligt, was von grosser Bedeutung für 
den Verein wurde. Da Dr. Regel unter 
den Aussteliern die Idee in Petersburg eine 
internationale Ausstellung einzurichten, in 
Anregung brachte und einen vollkomme- 
nen Anklang fand. Das Jahr 1868 ward dazu 
bestimmt. In Folge dessen beschloss der 


157 


Verein die nöthigen Vorarbeiten zu ma- 
chen, um die Möglichkeit der Ausführung 
des Planes zu sichern, 


R. Cop. 
Die Kasse des Vereines ent- 
hielt zum 2. Januar 1864 512 —21 
Im Laufe des Jahres 1864 
lief ein . Kun. 11612 — 9 
Verausgabt war 11161—98 
Also zum Januar 1865 war 
in der Kasse . Sika 8 962—32 
Die Unterstützungskasse be- 
sass zum 1. Jan. 1865 3976 — 


Im Personalstand des Vereins fand fol- 
gende Aenderung statt: aufgenommen wur- 
den: als Ehrenmitglied — 1, als nichtzahlende 
Mitglieder 14, als correspondirende Mitglie- 
der 12, als zahlende 35. 

Aus dem Vorstande trat Hr, Woronin 
aus, in Folge seiner Abreise ins Ausland. 
Dr. Regel, Vicepräsident des Vereins wurde 
von Neuem zu demselben Posten erwählt. 


Monatssitzung am 


1) Es wurde der Bericht der Revisions- 
commission, welche den Kassenbericht zu 
revidiren hatte, der Versammlung vorge- 
lest und Erklärungen auf die von derselben 
gemachten Bemerkungen gemacht. 


2) Hr. Iljin machte den Vorschlag, die 
Stadtgärten und Alleen unter Beaufsichti- 
gung des Vereins zu nehmen. Der Präsi- 
dent wies darauf hin, dass diese Frage 
erst im Vorstande besprochen werden müsse 


8. (20.) Mai 1865. 


und ersuchte Hr. Iljin an diesen Verhand- 
lungen Theil zu nehmen. 

3) Der Präsident lenkte die Aufmerk- 
samkeit des Vereines auf die Herren Wa- 
robjew und Enke aus Moskau, Hr. Sart aus 
Narva, Hr. v. Treffurt aus Reval, Hr. Hei- 
kinger aus Riga, die als Preisrichter sich an 
der Ausstellung betheiligten und für ihre 
Betheiligung den ausgezeichnetsten Dank 
des Vereines verdienen, was die Versamm- 
lung vollkommen gereehtfertigt fand. 


2) Sitzung am 15. (27.) Mai 1865. 


1) Die Sitzung fand im Ausstellungslo- 
cal selbst statt. Der Vicepräsident Dr. Re- 
gel sprach über die zur Ausstellung einge- 
sandten Pflanzen und wies auf die durch 
ihre Schönheit oder Cultur besonders be- 
merkenswerthen Pflanzen hin, unter anderem 
auch Colypso borealis, welche in Ljs- 
sino, unweit von Petersburg, aufgefunden 


und von Dr. Merklin zur Ausstellung ge- 
sandt war. Diese Pflanze, zur Petersburger 
Flora gehörend, war im Laufe der letzten 
30 Jahre nicht gefunden worden. 

2) Es wurde der Gehalt des Hrn. Kanj- 
schew, der für die Buchführung angestellt 
ist, von 10 auf 20 Rub. monatlich erhöht. 

3) Um auf die Bereitung von Conserven 


158 


eine grössere Aufmerksamkeit zu lenken, 
wurde beschlossen, einen Concurs für die- 
selben anzusetzen. 

4) Es wurde beschlossen, den auswär- 
tigen Gärtneın, welche als Preisrichter an 
der Blumenausstellung betheiligt waren, als 
Zeichen der Dankbarkeit des Vereins für 
eine solche Betheiligung und als Denkmünze 
eine bronzerne Medaille zu ertheilen und 
namentlich den Herren Warobjew, Heikinger, 
Sart, v. Treffurth und Enke. 

5) Der Präsident zeigte der Versamm- 
lung an, dass vom Vorstande aus eine Com- 
mission, bestehend aus dem Vicepräsidenten 
Dr. Regel, den beiden Secretären Hrn. Wol- 
kenstein und Zabl, und zweien berathenden 
Mitgliedern des Vorstandes, Hr. Bergemann 
und Nouvel gewählt worden ist, welche die 
Grundlage für die projectirte Internationale 
Blumenausstellung, die im Jahre 1868 in 
Petersburg stattfinden soll, auszuarbeiten hat. 


3) Sitzung am 25. 


1) Um die Preisvertheilung mehr zu regeln, 
wurde bestimmt, dass: 1) die Beschlüsse 
der Commission keiner Modification von 
Seiten der Versammlung unterliegen und als 
endgültig zu betrachten sind; 2) jedes Mit- 
glied hat das Recht, sich eine Erklärung 
von Seiten der Experten zu erbitten, aus 
welchen Gründen der eine oder der andere 
Beschluss gefasst worden ist; die Erklärun- 
gen werden entweder vom beständigen Ex- 
perten oder vom Vorsitzenden der Exper- 
tencommission gegeben. 

2) Hr. Tschernjaefi hatte in einer vor- 
hergehenden Sitzung den Vorschlag gemacht, 
statt des von dem Vereine herausgegebenen 
Journales (Westnik), einen Gartenkalender 
oder ein Handbuch für den Garten- und 
Gemüsebau erscheinen zu lassen. Der Vor- 
stand sprach sich über diese Frage dahin 
aus, dass 1) das Journal das Organ der 
Thätigkeit des Vereines sei und daher auch 
für die Zukunit bestehen sollte, 
2) im Journal vorherrschend practische Ar- 
tikel geliefert werden, die später leicht als 


weiter 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


6) In Folge einer Beschädigung des 
Stempels für die kleine goldene Medaille 
musste ein neuer Stempel bestellt werden, 
der ungefähr 180 R. kosten wird, für wel- 
che Ausgabe die Genehmigung der Ver- 
sammlung eingeholt wurde. 

7) Die freie ökonomische Gesellschaft 
machte dem Vereine den Vorschlag mit der 
Ausstellung, die zum Jubiläum der ökono- 
mischen Gesellschaft veranstaltet wird, eine 
Gemüseausstellung des Gartenbauvereins zu 
verbinden, da der Gartenbauverein jedoch 
keine Ausstellung zu veranstalten beabsich- 
tigte, so konnte der Antrag nicht angenom- 
men werden. 

8) Es wurden die vom Preisgericht zu- 
erkannten Prämien bestätigt, und zwar im 
Ganzen 5 mittl. goldene, 23 kleine goldene, 
42 grosse silberne, 32 kleine silberne und 
14 bronzene, auf die Summe von 1278 R. 
60 K. 


(13.) Novbr. 1865. 


Material für ein practisches Handbuch dienen 
können, 3) was dagegen den Gartenkalender 
anbelangt, so wäre es möglich, einen sol- 
chen in aller Kürze in dem Journale aufzu- 
nehmen. Diese Beschlüsse des Vorstandes 
wurden von der Versammlung vollkommen 
gebilligt. Dr. Regel zeigte bei der Gelegen- 
heit an, dass er bereit sei, ein dem „‚Le Bon 
Jardinier‘‘ entsprechendes Handbuch auszu- 
arbeiten, könne aber nicht die Zeit bestim- 
men, zu welcher dasselbe abgeschlossen 
sein kann. 

3) Es wurde darauf der kurze Garten- 
kalender für die 3 ersten Monate des Jahres, 
wie derselbe imJournal erscheinen soll, der 
Versammlunsz vorgelesen, damit derselbe 
durch die anwesenden Fachmänner bespro- 
chen und berichtigt werde, was zu manchen 
Erläuterungen Veranlassung gab, 

4) Hr. v. Wolkenstein theilte die Beo- 
bachtungen Darwin’s über die Befruchtung 
bei den Orchideen mit. 

5) Aus Astrachan wurde eine Kiste mit 
Conserven von Mme. Dawidoff zum Concurs 


VI. Russiseher Gartenbau-Verein. 159 


eingesandt. Hr. Bergemann wurde gebeten, 
die Kiste unter seine Verwahrung zu neh- 
men. 

6) Für die zur Concurrenz eingesandten 
Pflanzen wurden folgende Preise ertheilt. 
Hr. Gratscheff, eine kleine goldene 
Med. für Gemüse 

Hr. Pabst, eine grosse silberne Med. 
für die Cultur einer von Hrn. Maksimowitsch 
aus Japan eingeführten Sammlung buntblät- 
teriger Pflanzen. 

Hr. Regel, eine grosse silberne Med. 
für ein Sortiment von Kartoffel. 


Hr. Sewerin, eine kleine silberne Med. 
für eine Gruppe blühender Pflanzen. 

Hr. Leppig, eine kleine silberne Med. 
für ein Champignon-Nest. 

Hr. Skoromji, eine kleine silberne 
Med. für eine Gruppe von Blattpflanzen. 

7) Es wurden Samen von Levkojen, die 
von Hrn. Bre&y dem Vereine zugeschickt 
waren, unter die Anwesenden vertheilt. 

8) Als zahlende Mitglieder wurden auf- 
genommen: S. S. Gadon, Fürst N. J. von 
Grusien, K. J. Istomin, K, A. Mann 
und N. B Stiglitz. 


Sitzung am 16. (4.) Decbr. 1865. 


1) In Folge einer Ausstellung von bunt- 
blätterigen Pflanzen, die Hr. Maximowiez 
aus Japan eingeführt hatte, wurde der Vor- 
schlag gemacht, als Zeichen der Anerken- 
nung seiner ausgezeichneten Verdienste so- 
wohl um die Wissenschaft, als auch den 
Gartenbau, demselben eine Medaille von 
Seiten des Vereins zu eıtheilen. Der Vor- 
schlag wurde mit grosser Bereitwilligkeit 
angenommen, und Hrn. Maximowiez die mitt- 
lere goldene Medaille zuerkannt. 

3) In die Verwaltungscommission für 
die Unterstützungskasse wurden mit Stim- 
menmehrheit gewählt: Hr. N. S. Gratscheff 
und Hr. Nouvel. 

3) Hr. Solowjeff hatte sich vor einiger 
Zeit an den Verein mit einigen Fragen über 
die Anlage von Square’s in Petersburg ge- 
wandt, indem er auf eigene Kosten einen 
solchen auf Wassiliastrof anzulegen beab- 
sichtigte. Da dieser Square nun fast been- 
det ist, so machte der Präsident den Vor- 
schlag, eine Commission zu wählen, welche 
im Frühling die Anpflanzungen in dem- 
selben in Bezug auf Zweckmässigkeit und 
künstlerisches Arrangement zu beurtheilen 
hätte. Der Vorschlag wurde angenommen 
und als Mitglieder der Commission wurden 
erwählt: Hr. Agamonoff, Bergemann, Bueck, 
Wolkenstein, Nouvel, Regel, Rochel. 

4) Die Sitzungen wurden für das Jahr 
1866 auf folgende Tage angesetzt: Januar 


den 15. und 29., Februar den 12. und 26., 
März den 5. und 19,, April den 9. und 23, 
Mai den 7., October den 15. und 29., No- 
vember den 12. und 26., December den 10. 
und 17. — Es wurde zugleich betont, dass 
in Zukunft zu jeder Sitzung auch Pflanzen 
zur Concurrenz zugelassen werden sollen 
und dass die Trennung der Administrations- 
Sitzungen von den Sitzungen für Vorträge 
und Blumenausstellungen wegfallen soll. Zur 
Verfügung der Preisrichter sollen zu jeder 
Sitzung 2 grosse silberne, 3 kleine silberne 
und 3 bronzene Medaillen gestellt werden. 

5) Als zahlende Mitglieder wurden er- 
wählt: Hr. S. I. Selenaj, A. D. Perchu- 
roff, N. S. Petlin, als nichtzahlende Mit- 
glieder wurden erwählt: Hr, Heyder, Vi- 
cepräsident des Gartenbauvereins in Berlin, 
Knerk, Präsident derselben Gesellschaft 
und Masters, Herausgeber des Gardener’s 
Chronicle. 

6) Die Commission, welche die von 
Hrn. Bremer im Freien cultivirten Hyaecin- 
then besichtigen sollte, legte den Bericht 
über die von Hrn. Bremer angestellten Re- 
sultate der Versammlung vor. Er erwies 
sich, dass die Cultur der Hyacinthen im 
Freien schon früher von einigen Gärtnern 
in Petersburg betrieben worden war und 
dass Hr. Bremer die Tauglichkeit der von 
ihm erhaltenen Brut zum Zwecke der 
Treiberei nicht bewiesen hat, da derselbe 


160 


die Concurrenz mit den ausländischen Zwie- 
beln schwerlich aushalten wird. 

7) Es wurde der Tod von J. Lindley 
in England und Hr. Betzich, Hofgärtner Sr. 
Kais. Hoh. des Grossfürsten Nicolai ange- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


zeigt. Es wurde beschlossen, in dankbarer 
Anerkennung der vielfachen Verdienste des 
Hrn. Betzich um den Verein, im Journal 
des Vereins seine Biographie zu geben und 
sein Porträt beizulegen. 


Sitzung am 23. (11.) Decbr. 1865. 


1) Es wurde das Budget für’s Jahr 1866 
vorgelegt. Zur näheren Beurtheilung des- 
selben wurde eine Commission aus den 
Herren Gratscheff, Maximowitsch 
und Tschernjaeff erwählt. 

2) Die Commission , welche die Unter- 
stützungskasse zu revidiren hatte, legte den 
Bericht ab, aus welchem zu ersehen ist, 
dass die Kasse eine Summe von 5857 Rub- 
29 Cop. besitzt. 

3) Dr. Regel hielt einen Vortrag über 
Cultur der Himbeere. 

4) Hr. Tschisloff sprach über Bereitung 
der Conserven und theilte mit, dass die 


Blechdosen, nebst Zulöthen von 14—17 Cop. 
zu stehen kommen. 

5) Für die zur Sitzung eingesandten Ge- 
genstände wurden folgende Preise zuer- 
kannt: 

Hr. Skaromnij, eine kleine silberne 
Med. für Blattpflanzen. 

Hr. Andruschenkoff, kleine silberne 
Med. für Hyacinthen, Tulpen u. a. 

Hr. Uschakoff, kleine silb. Med. für 
Hyacinthen Tulpen u. a. 

Hr. Uscharoff, für Champignons, eine 
Anerkennung. 


. Originalabhandlungen. 


1) Abgebildete Pflanzen. 


a) Orcehis foliosa Soland 


(Siehe Tafel 509.) 


OÖOrchidesae. 


Örchis foliosa Soland. in Lowe prim. 
fl. mad. pag. 13. Lindl. bot. reg. tab. 
1701. — Rechb, ie, fl. germ. 13. tab. 
401. — 

Wir geben beistehend einmal wieder 
die Abbildung einer Erdorchidee, die in 
Madeira heimisch ist, die unserer ein- 
heimischen Orchis latifolia zunächst ver- 
wandt ist, von solcher sich aber durch 
die 3lappige Lippe und ausserdem durch 
die bedeutendere Grösse aller Theile 
leicht unterscheiden lässi. 

Diese Art gedeihet ohne Schwierig- 
keit, wenn deren Knollen in eine lockere 
ungedüngie Wiesenerde in einen 4—5 
zölligen Topf gepflanzt und frostirei 
durchwintert werden. Im Frühling, wenn 
der Trieb beginnt, weise man derselben 
einen Standort im frostfreiem, mit Fen- 
stern gedecktem Beete, oder auf einem 


Fensierbrett des niedrigen Kalthauses, | Kalthause, ist aber noch verhältniss- 


VI. 1866. 


an und schon im Mai wird solche fast 
2 Fuss hohe, mit saftig grünen Blättern 
besetzte Stengel entwickelt haben, die 
aufder Spitze diepyramidale grosse Traube 
schön lilafarbener Blumen tragen. — 
Wir wollen mit dieser schönen Art 
überhaupt einmal wieder die Aufmerk- 
samkeit der Freunde der Pflanzenwelt 
auf die lieblichen, in der Erde wach- 
senden Orchideen Europas, Mittelasiens 
und Nordamerikas, lenken. Unsere 
schönen Orchis, die herrlich duftenden 
Gymnadenia-, Platanthera- Arten, die 
eigenthümlichen Ophrys und Cypripe- 
dien, sie verdienten wohl, in den Gär- 
ten häufiger gezogen zu werden. Ueber 
die Cultur derselben im freien Lande 
haben wir früher einmal gesprochen, 
die Cultur im Topfe, bei Ueberwinte- 
rung im frostfreien Kasten oder im 


11 


162 


mässig leichter und haben wir unter | 
Anwendung derselben auch hier in Pe- 
tersburg, jährlich eine Menge interes- 
santer Arten in Blüthe. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


a) Lippe, Sporn, Fruchtknoten und 
die Griffelsäule von der Seite. 
b) Die Lippe und Griffelsäule von 


vorn. (E. R.) 


b) Anthurium magnifieum Linden. 


(Siehe Tafel 508.) 


Aroideae 


Acaule; stipulis ovato-oblongis, am- 
pleetentibus, rubicundis; foliis profunde 
cordato-ovatis, abrupte-acuminatis, lobis 
basilaribus rotundatis magnis; petio- 
lis tetragonis, angulis praecipue api- 
cem versus anguste alatis, basi rubun- 
dis, apice paullo incrassatis; scapo quam 
petiolus paullo breviore, tereti, ala an- 
gustissima decurrente instructo; spatha 
oblonga, viridis, recurva, brevis; spadice 
cylindrico, pedicello, subpollieari suf- 
fulto, apicem versus paullo attenuato, 
viridulo.. — Linden Cat. 1865. pag. 2. 

Der prächtigen , beistehend abgebil- 
deten Aroidee, haben wir schon als der 
schönsten neuen Blattpflanze gedacht, 
die auf der Ausstellung in Amsterdam 
allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zog. 
Die Einführung derselben verdanken 
wir Linden in Brüssel, dessen Sammler 
Hr. Braam solche auf dem östlichen 
Abhang der Cordilleren der Provinz 
Cundinamarca in Columbien entdeckte 
und Linden einsendete. Unsere bei- 
stehende Tafel kann die Schönheit die- 
ser ausgezeichneten Pflanze nicht wieder 
geben, denn einmal erhalten die Blätter 
einen Durchmesser 11/,—2 Fuss 
und dann besitzt die olivengrüne Ober- | 
fläche mit weisser Zeichnung längs der 
Nerven, jenen eigenthümlichen schönen 


von 


Metallglanz, den kein Pinsel wiederge- 
ben kann. — 

Zunächst ist unsere Pflanze mit dem 
in Mexico heimischem A. leuconeu- 
rum Lem. verwandt, aber durch die 
viereckigen und schwach flügeligen Blatt- 
stiele, die herabgebogene Blüthenscheide 
und den besonderen Stiel oberhalb der 
Blüthenscheide, der den Blüthenkelben 
trägt, gut und sicher zu unterscheiden. 
Durch bedeutendere Grösse der Blätter 
und schärfere lebendigere weissere Ade- 
rung derselben, erhält solche auch aus- 
serdem, noch einen höheren Werth als 
Decorationspflanze des Warmhauses. 

In Cultur scheint diese Prachtpflanze 
nichts wenigor als diffieil zu sein, son- 
dern ebenso leicht wie die Mehrzahl 
der anderen Aroideen zu gedeihen. Die 
Blätter bleiben das ganze Jahr hin- 
durch. | 

Standort im niedrigen Warmhaus 
auf beschattetem Standorte. Lockere 
Lauberde oder Heideerde mit etwas 
Lehmerde vermischt, guter Wasserab- 
zug und zur Zeit des Wachsthums, 
feuchte warme Luft, sind die Grundbe- 
dingungen der Cultur. Vermehrung im 
Februar und März, mittelst Abschnei- 
dens des Kopfes, der in ein warmes 
Vermehrungsbeet gesteckt, leicht und 


I. Originalabhandlungen. 


sicher wächst. Der alte Strunk wird 


163 


Erkl. der Abbildung. 1) Eine ein- 


dann so lange ziemlich trocken gehalten, | zelne Blume des Blüthenkolbens, von 


bis er neuen Trieb zeigt. — 
(E. R.) 


oben gesehen, 2) Ein Staubfaden, beide 


| vergrössert. — 


co Hippomane 


Mancinella L. 


(Siehe Tafel 510.) 


Euphorbiaceae, 


Der Mancinello-Baum, von dem 
wir beistehend die Abbildung eines 
Astes in natürlicher Grösse geben, ist 
in neuerer Zeit der Gegenstand des all- 
gemeinsten Interesses geworden, seitdem 
Meyerbeers letztes Werk über die Büh- 
nen Europas ging. Auch für uns ist 
dies der Grund, weshalb wir unseren 
Lesern eine wahrheitsgetreue Darstel- 
lung von diesem Baume geben wollen. 

Der Mancinello-Baum wächst auf 
den Antillen und in Mittelamerika und 
zwar vorzugsweise an den Ufern der 
Gewässer. Er bildet einen schönen 
hohen Baum, der in allen seinen Thei- 
len einen weissen Milchsaft in grosser 
Menge enthält. Seine Blätter stehen 
abwechselnd, sind lang gestielt, der 
Blattstiel trägt am oberen Ende ein paar 
Drüsen; Blattfläche lederartig, oval, kurz 
zugespitzt, am Rande undeutlich ausge- 
schweift, gezähnt. Die Blumen klein 
und ganz unscheinbar, einhäusig. Die 
männlichen stehen in spitzenständigen 
Aehren und sind hier bündelweise zu- 
sammen gedrängt. Man sieht auf der 
Spitze des Astes unserer Tafel eine 
solche männliche Blüthenähre und Fig. 7 


vergrössert dar. Jede einzelne Blume 
dieses Büschels besteht aus einem zwei- 
theiligen Kelch, in dem 2 Staubfäden 
stehen, wie dies Fig. 3 unserer Tafel 
zeigt. Die weiblichen Blumen stehen 
einzeln auf der Spitze kurzer Seitenäst- 
chen; sie besitzen einen becherförmigen 
3lappigen Kelch, der einen Griffel um- 
schliesst, der mit seiner meist 7 strah- 
ligen Narbe den Kelch überragt. Figur 2 
ist eine solche vergrösserte weibliche 
Blume. Der Fruchtknoten besteht aus 
meist 7 mit einander verwachsenen Car- 
pellen (Fig. 4 vergrössert). Die Frucht 
ist fleischig, apfelförmig und umschliesst 
eine vielfächerige, nicht aufspringende 
Steinfrucht, die in jedem Fach einen 
Samen enthält, der oft aber auch fehl- 
schlägt. Fig. 6 giebt den Querdurch- 
schnitt der Frucht bis auf die Steinfrucht. 

Der Mancinello-Baum ist ein schö- 
ner Baum mit mächtiger Krone. Der 
in allen Theilen des Baumes befindliche 
Milchsaft enthält einen scharfen ätzen- 
den Giftstoff, der, wo er in das Blut 
kommt, den Tod erzeugt. Auf der un- 
verletzten Haut erregt derselbe Blasen 
und Geschwüre und wird von den In- 


stellt einen einzelnen Blüthenbüschel mit | dianern zum Vergiften der Pfeile be- 


einem Stück der Blüthenspindel und | nutzt. 


Ebenso stark giftig sind die 


der am Grunde stehenden Bractee etwas | apfelarligen Früchte. 


11 * 


164 


Eine Fabel ist es aber, dass schon 
der Aufenthalt unter dem Baume, in 
Folge der Ausdünstungen desselben, den 
Tod erzeugte und dass im Schatten dieses 
Baumes schlafende Menschen, dem Tod 
anheimfielen. Schon der ältere Jacquin 
erzählt, dass er sich ohne jede schäd- 
liche Folge 3 Stunden unter dem Baume 
aufgehalten habe und das Gleiche wird 
von anderen Reisenden hestätigt. Da 
aber der aus zufälligen Verwundungen 
des Baumes abträufelnde Milchsaft, wo 
er auf die Haut kommt, so schädliche 
Folgen hat, wird der Baum mit Recht 
geflohen. Dr. B. Seemann erzählt, dass 
die Mannschaft des Herald das Holz 
des Baumes benutzt habe, um Feuer 
zum Kochen der Speisen anzumachen, 
Alle, die das Feuer umstanden, erblin- 
deten vom Rauche auf 2—3 Tage, beka- 
men dann aber die Sehkraft wieder. — 

Dass endlich auch unter gewissen 
Witterungsverhältnissen die Ausdünstung 
des Baumes zuweilen schaden könne, 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


ist zwar nicht nachgewiesen, aber doch 
a priori nicht zu bestreiten, um so 
ınehr als der Volksglaube dem Baum 
diese Eigenschaft beilegt. Ist es doch 
von dem Giftsumach (Rhus Toxicoden- 
dron) wiederholt nachgewiesen und dem 
Referenten ist selbst ein solcher Fall 
bekannt, dass Leute, die unter demsel- 
ben, bei heissem gewitierschwülen Wet- 
ter neben solchen sich ausruheten und 
schliefen, am ganzen Körper schwollen, 
Geschwüre bekamen und stark er- 
krankten. Andererseits hat der Refe- 
rent selbst oft Aeste dieses Strauches 
abgeschnitten und in der Hand getra- 
gen, ohne auch nur die geringste Un- 
annehmlickkeit zu verspüren. So mag 
auch der Maneinellen-Baum unter be- 
stimmten Verhältnissen auf einzelne mehr 
disponirte Naturen vielleicht eine ähn- 


| liche Einwirkung, nur durch die Aus- 


dünstung ausüben, was der Grund zu 
der fabelhaften Furcht vor demselben 
sein mag. (E. R.) 


2) Berliner Culturen. 


V. Rosenzucht. 


Es dürfte den Gärtner von Fach ei- 
nigermassen befremden, unter den spe- 
ciellen Berliner Culturen die Rosenzucht 
erwähnt zu finden, da dieselbe überall 
heimisch und mit Erfolg fast überall 
getrieben wird. Dennoch ist dieselbe 
am Orte, wenn hier statt einer umständ- 
lichen Anleitung zur Cultur nur dieje- 
nigen Verfahren angegeben werden, die 
zur Massen-Anzucht zu empfehlen sind 
und speciel den Handelsgärtner an- 


gehen, Es wird daher dieser Notiz 


nen, wenn dieselbe kein vollständiges 
Culturbild entwirft. 

So werden ‚wir hier gleich anfangs 
die Sämlingszucht nur so weit berühren, 
als sie die Anzucht guter Rosen aus 
Samen anbetrifit, und die Cultur des 
Wildlings als bekannt voraussetzen. Mit 
dieser Anzucht beschäftigen sich nur 
wenige Gärtnereien von denen, die die 
Rosen zu ihrem Hauptartikel gemacht 
haben. Die Hauptsache dabei ist, die 
Rosen so schnell wie möglich zur Blüthe 


auch nicht zum Vorwurf gereichen kön- |zu bringen, um sich nicht lange mit der 


1. Originalabhandlungen. 


165 


nutzlosen Cultur des grössten Theils |, d. h. der den Rosen sonst zusagende 


der Sämlinge, die oft hinter den Mut- 
terpflanzen zurückstehen, aufzuhalten, 

- Von dem bisher üblichen zweijährigen 
Liegenlassen des Samens im Boden, wie 
das bei Wildlingen geschieht, kann da- 
her hier keine Rede sein; jedoch dürfte 
es Manchem neu erscheinen, zu hören, 
dass man 9 Monate nach der Aussaat 
Pflanzen zum Blühen bringen kann. 

Es werden nämlich die Früchte 
gleich nach ihrer Reife vom Strauche 
abgenommen, an Luft und Sonne eine 
Zeit lang sorgfältig getrocknet und dann 
in einen Topf schichtenweis zwischen 
Sandlagen eingelegt; man stellt diesen 
Topf in ein Warmhaus oder auch in 
das Wohnzimmer und sorgt dafür, dass 
die Samen stets gleichmässig feucht blei- 
ben. Einige Wochen nach dem Ein- 
schichten beginnt der Same, schon zu 
schwellen und fängt in den ersten Ta- 
gen des Frühjahrs zu keimen an. So- 
bald die Witterung draussen das erste 
Mistbeet erlaubt, werden die Sämlinge 
auf einen warmen Kasten ausgepflanzt, 
wo sie bei vorsichtiger Pflege schnell 
die ersten vier Blätter entwickeln. Mit 
dem Ausdruck „vorsichtiger Pflege“ 
ist hier diejenige gemeint, welche die 
jungen Rosenpflänzchen wie Gemüse- 
pflanzen behandelt, d. h. dafür sorgt, 
dass kein Sonnenstrahl verloren geht, 
dass behutsam, aber so oft als thunlich 
gelüftet wird, dass nur sehr mässig ge- 
gossen und während der Fröste recht 
gut gedeckt wird. Die Sämlinge sind 
8o weich im Holze und so leicht zum 
Faulen geneigt, dass zu wenig Luft und 
Licht, ja selbst schon zu viel Schweiss 
im Kasten, dieselben wie die Kohl- 
pflanzen am Grunde schwarz werden 
und umfallen lässt. Bei dieser Parforce- 
kur ist es selbstverständlich, dass die 
Erde danach eingerichtet werden muss, 


lehmige Boden muss einem leichteren 
Gemisch von Laub- und Mistbeet-Erde 
Platz machen. 

Wenn erst die Tage länger werden 
und die Luft wärmer ist, verringert sich 
durch das reichlichere Lüften auch die 
Gefahr des Faulens; aber mit der stär- 
ker werdenden Sonne tritt eine andere 
Gefahr in dem weisslichen Pilzüberzug 
(der Erysibe) auf, deren Erscheinen 
und Ausbreiten durch zu grelles und 
scharfes Sonnenlicht, unvorsichtiges Gies- 
sen, schnellen Temperaturwechsel u. s.w. 
wesentlich unterstützt wird, Lüften, 
feuchte Luft im Kasten, zeitgemässes 
Beschatten sind die besten Präventiv- 
mittel dagegen, welche namentlich bei 
den Rosomenen nicht ausser Acht zu 
lassen sind, da diese der Krankheit am 
meisten anheim fallen. 

Sind die ersten 4 oder 5 Blätter der 
jungen Pflanzen ausgebildet, so tritt 
scheinbar ein gewisser Stillstand im 
Wachsen ein. Bei dem 7. bis 9, Blatle 
zeigen sich die ersten Blumen bei den- 
jenigen Sämlingen, die von reichen 
Blühern abstammen und die sich selbst- 
verständlich nur unter den Remontant- 
und Bourbonrosen finden, wie General 
Jaqueminot, Auguste Mie, Louise Odier 
u. s. w. Sind auch die ersten Blüthen 
nur Schwach und zeigen niemals eine 
grosse Vollkommenheit, so lassen sie 
den geübten Züchter doch erkennen, 
was von ihrer späteren Entwickelung zu 
hoffen ist, 

Die Bedingungen, welche der Ber- 
liner Handelsgärtner an jede Rosenneu- 
heit stellt, sind; gedrungener Wuchs, 
leichtes Blühen, gute Knospenentfaltung, 
kräftige Farbe. Von allen den zahlrei- 
chen Sorten, die der Sortimentsgärtner 
zieht, eultivirt derjenige, der Treibrosen 
für den Winter braucht, nur sehr we- 


166 


nige; ja es giebt mehrere Gärtnereien, 
die einen sehr bedeutenden Umsatz mit 
Rosen haben und die nur die einzige 
Louise Odier und allenfalls Miss Bosan- 
quet anziehen. Diese Anzucht geschieht 
dann allerdings auch in Massen ohne 
grosse Umstände. Die Stecklinge wer- 
den zum Theil im August in den freien 
Grund abgetragener Gurkenkästen, zum 
Theil im Frühjahr im Hause aus den 
krautartigen Spitzen der angetriebenen 
Rosen gemacht. Die Hauptbedingung 
für das schnelle Bewurzeln der Steck- 
linge ist die passende Entwicklungsstufe 
des Reises bei dem Schneiden und der 
nicht zu feuchte, temperirte Standort 
in der Zeit der Bewurzelung; diese bei- 
den Punkte weiss der Züchter genau 
zu beobachten und achtet nachher we- 
nig darauf, ob der Steckling in Sand 
oder Erde steht, Er wächst in beiden 
Mitteln bei passender Behandlung. So- 
bald derselbe bewurzelt ist, wird er 
meist sogleich in den freien Grund lee- 
rer Mistbeetkästen gebracht, behutsam 
gepflanzt, gespritzt, beschattet und in 
der ersten Zeit durch Fenster in ge- 
schlossener Luft gehalten. Einige Züch- 
ter wärmen sogar den Rosenkasten noch 
etwas auf, um das Anwachsen und erste 
Austreiben zu beschleunigen. Andere 
halten dieses Verfahren jedoch für über- 
flüssig, wenn sie auch zugeben, dass 
der erste Trieb des Stecklings ein durch- 
aus schneller und kräftiger sein muss, 
wenn man im Herbste 2 bis 3 Fuss 
hohe Exemplare haben will. 

Ist die junge Pflanze im Triebe, wer- 
den die Fenster allmälig entfernt und 
die Rose bis zumHerbst ohne alle wei- 
tere‘ Pflege gelassen; dass die Kästen 
von’ Unkraut rein gehalten, der Boden 
gelockert und bei trockener Witterung 
Abends gegossen wird, ist nicht erst 
besonders hervorzuheben. Im Herbste 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


werden die kräftigen Pflanzen geschnitten 
und in Töpfe gepflanzt, die im Verhält- 
niss zum Wurzelvermögen der Pflanze 
klein zu nennen sind. Die so erzielten 
Exemplare sind auch die Verkaufspflan- 
zen, die zu 3 Thlr. pro Dutzend meist 
nach den Märkten der östlichen Provin- 
zen wandern. 

Im Januar werden die jetzt meist 
sehon wurzelnden Pflanzen zum Treiben 
aufgesetzt. Die Häuser sind meist eng, 
die Stellagen dem Lichte recht nahe; 
das Heizen beginnt zuerst ziemlich 
schwach, und nimmt mit der steigenden 
Sonne zu. In der Regel werden ausser 
den zum Verkauf in Töpfen bestimmten 
Pflanzen auch solche getrieben, von de- 
nen nur die Blumen geschnitten werden 
und es existirt hier eine Gärtnerei, wel- 
che in 5 Häusern Rosen treibt und vom 
März an mehrere Wochen hindurch täg- 
lich 8, 10, ja nach einigen hellen Ta- 
sen 15 bis 18 Dutz. Rosenknospen lie- 
fert. Der Preis eines Dutzends abge- 
schnittener Blumen ist bis zum März 
ungefähr 1!1|, bis 2 Thlr., im März 
1 Thlr. für den Händler, später 15 Sgr. 
und bei dieser ganz respectablen Ein- 
nahme ist noch keine Pflanze aus der 
Gärtnerei verkauft worden. Eine oben 
erwähnte Pflanze mit 10 bis 15 Knospen 
gilt mindestens 1 Thaler und soviel der- 
artige Pflanzen gezogen werden, soviel 
werden auch mit Bestimmtheit verkauft. 
Vorläufig genügt die Rosenzucht Berlins 
noch nicht, um den Bedarf zu deeken 
und oft genug köhnen Bestellungen von 
ausserhalb nicht ausgeführt werden. 

Aus den Notizen, die wir behufs 
einer Zusammenstellung der Leistungen 
der Berliner Gärtnerei gesammelt, ergiebt 
sich ein durchschnittlich jährlicher Ver- 
brauch von 30—32,000 Stück Topfrosen, 
deren Durchschnittspreis auf 15 Ser. 
angenommen werden kann, da nicht alle 


I. Originalabhandlungen. 


Exemplare gleich schön sind und die 
später blühenden billiger, die früher 
blühenden bedeutend theurer verkauft 
werden. Es kommt demnach die Summe 
von 15000 bis 16000 Thlr. für getriebene 
Rosen heraus. Zu dieser Summe sind 
noch etwa 800 bis 1000 Dutzd. abge- 
schnittene Blumen in guten Jahren zu 
rechnen, die auch einen Werth von 1200 
bis 1500 Thlrn. repräsentiren. Wenn 
der Blumenhändler, durch den die mei- 
sten der Blumen aufgekauft werden, die 
Pflanzen um hundert Procent theurer 
verkauft (und diesen Gewinn kann er 
bei getriebenen Pflanzen für Transport, 
Lokalmiethe, Schaden u. s. w. beanspru- 
chen) so kann man eine Gesammtsumme 
von 35,000 Thlrn., die in Berlin für 
Rosen in Umsatz kommen, mit Sicherheit 
annehmen. 

Doch kehren wir zurück zu der 
obenerwähnten Gärtnerei, die wohl als 
Muster für den Betrieb angesehen wer- 
den darf. 

Vier von den fünf Rosenhäusern 
liegen dicht aneinander und sind nur 
durch Bretterwände von einander ge- 
schieden, Während die ersten beiden 
Abtheilungen Stellagen enthalten, sind 
die letzten beiden Abtheilungen mit 
Hochstämmen im freien Grunde bestellt. 
Das fünfte Haus hat eine Länge von 
75 Fuss, ist aber ohne Heizapparat und 
enthält eine grosse Anzahl sehr starker 
Hochstämme der gangbarsten, leicht 
blühenden Remontant- und Bourbon- 
Rosen. Gegen Weihnachten oder Neu- 
jahr werden Nr. I und Nr. III allmälig 
angeheizt und die Häuser Nr, IT und IV 
dadurch auch vorbereitet, Im März oder 
auch wohl etwas früher erscheinen die 
Blumen in den ersten und wenig Wo- 
chen darauf in dem unterdess auch an- 
geheizten anderen beiden Häusern, Hier 
sind besonders vertreten General Jaque- 


167 


minot, Empereur Napoleon, Prince 
noir, wohl auch Empereur de Maroe, 
Ornement des jardins und vorallen wie- 
derum Louise Odier; im zweiten Schlage 
ist Miss Bosanquet, Gloire de Dijon 
und die alte gelbe Thea Safrano. Das 
letzte grösste Haus ist im Ganzen sehr 
luftiger Natur und ist eigentlich nur eine 
sorgfältige Ueberdachung zweier langen, 
im Freien stehenden Rosenbeete, Die 
im Herbst frei werdenden Mistbeetfenster 
dienen dazu, ein Doppelhaus zu bilden, 
dessen Seitenwände aus Holz gebildet 
und gut durch Mistumschlag geschützt 
sind. Wenn die ersten vier Häuser 
keine Knospen mehr geben wollen, hat 
die Frühjahrssonne durch die Fenster 
doch schon so gewirkt, dass die in dem 
srossen Hause stehenden Rosen treiben 
und Knospen zeigen. Die Blüthezeit 
dieser Pflanzen fällt zwischen die der 
getriebenen und die natürliche Rosen- 
zeit. 

In den zuerst angeheizten Häusern 
befinden sich auch die Wildlinge zu den 
Frühjahrsveredlungen und diese selbst. 
Jedermann weiss, dass das Gelingen 
der Veredlung von dem guten Zustande 
der Wildlinge abhängig ist und man 
wendet daher diesen eine wohlverdiente 
Aufmerksamkeit zu. Die meisten Züch- 
ter ziehen dieselben aus Samen, andere 
haben sich in neuester Zeit der Anzucht 
derselben aus krautartigen Stecklingen 
zugewandt, welche wie die Stecklinge 
der wurzelächten guten Rosen in einen 
leergewordenen Gurkenkasten gesteckt 
werden. Haben die Wildlinge die ge- 
hörige Stärke erreicht, so werden sie 
im Herbst, sobald der Saft ruht und die 
ersten Fröste sich einstellen, in Töpfe 
gepflanzt, obgleich sie zum grössten 
Theil das Laub noch fest halten. Nach 
dem Angiessen schlägt man sie reihen- 
weise in schräger Stellung so ein, dass 


168 


der Stamm etwa 2° seiner Länge noch 
mit Erde bedeckt ist; der noch hervor- 
ragende Theil wird mit Laub oder Rei- 
sig bedeckt, um der Luft das Austrock- 
nen der Stämme zu erschweren. 

In dieser Lage bleiben sie, bis starke 
Fröste kommen und eine tüchtige Laub- 
decke nöthig machen. Die Decke er- 
laubt dann jederzeit, die Wildlinge mit 
Leichtigkeit aus dem Boden zu nehmen 
und die gleichmässige Feuchtigkeit, die 
sie geniessen, befördert die Bildung 
neuer Wurzeln ungemein. Gegen Mitte 
December fangen die Wurzeln bereits 
an zu Spitzen und man nimmt nun so- 
viel Pflanzen, als man im Hause unter- 
bringen kann, heraus, stellt sie in 3—4 
Reihen übereinander an die Wand ent- 
lang und bedeckt die Töpfe entweder 
mit Moos oder Erde, damit die Feuch- 
tigkeit, die bei dem reichlichen Spritzen 
sich erzeugt, mehr der Umgebung der 
Töpfe als der Erde in denselben zu 
Gute kommt. Vierzehn Tage nach dem 
Einbringen der Wildlinge fangen diesel- 
ben an Leben zu zeigen; die oberen 
Blattknospen schwellen an und nun be- 
ginnt sofort die Veredlung. Fangen die 
unteren Knospen erst an zu schwellen 
und auszutreiben, ist die beste Zeit ei- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


gentlich vorüber und der normale Saft- 
zufluss nach der Spitze, der das An- 
wachsen des Reises so sehr erleichtert, 
ist unbedingt vorüber gegangen und 
lässt sich nicht durch Ausbrechen der 
unteren Zweige wiederum allein ‘nach 
oben leiter. Im Allgemeinen kann man 
annehmen, dass, je früher man veredelt, 
desto sicherer das Anwachsen bei oben- 
erwähnter Behandlung erfolgt. Fleissi- 
ges Spritzen beugt der Vermehrung der 
Blattläuse vor. Die Art der Veredlung 
ist bei guten Unterlagen wohl gleich- 
gültig; doch findet das Okuliren mit 
Holz immer mehr Anhänger, da man 
jederzeit an der passendsten Stelle des 
Stammes ein Auge einsetzen kann und 
den Stamm nicht so verwundet, wie bei 
den anderen Veredlungsarten. Das Ver- 
fahren besteht in dem Ausschneiden 
eines Auges, dessen Schildehen das 
Holz behält, also nicht erst durch das 
bei dem Oculiren bisher übliche Aus- 
brechen gestört wird. Löst sich die 
Rinde der Unterlage, wird der gewöhn- 
liche Tschnitt gemacht; löst dieselbe 
dagegen nicht, wird die Form des Ocu- 
lantenschildchens einfach aus der Unter- 
lage ausgeschnitten. 
(Paul Sorauer.) 


3) Die Torf- oder Moorerde. 


Da wir uns schon seit längerer Zeit 
dieses Materials zu den verschiedenen 
Culturen bedienen und auch vom Erfolg 
sprechen können, scheint uns eine 
nähere Besprechung um so mehr zeit- 
gemäss, da die hieraus gewonnenen 
Vortheile immerhin je nach der Lokali- 
tät — beträchtlich genug sind. 


wendung näher betrachten, wollen wir 
über die Bildung des Torfes und die 
Ansichten hierüber einige Worte voraus- 
schicken. 

Nach den früheren Anschauungen 
über das Wen des esTorfes, hielt man 
ihn für eine rein mineralische Substanz, 
welche von Erdöl, Erdharz, Bergpech, ja 


Ehe wir die Torferde und ihre Ver- | selbst Schwefel durchdrungen,, desshalb 


I. Originalabhandlungen. 


brennbar sei. Schon Linn& sprach sich 
jedoch dafür aus, dass der Torf orga- 
nischer Natur und wahrscheinlich ein 
Zersetzungsproduet der Gewächse sei, 
welche sich noch jetzt auf den Torf- 
.mooren und um diese. befinden. 

Heute besteht kein Zweifel mehr, 
dass der Torf sich aus den auf den 
Torfmooren wachsenden Pflanzen erzeugt 
habe und noch fortwährend erzeuge. 

Der Torf ist unter dem Einflusse 
des Wassers, des Sauerstoffes und einer 
gewissen T’emperatur veränderte Pflan- 
zensubstanz — seine chemische und 
physikalische Beschaffenheit zeigt sich 
abhängig von den Pflanzenarten, aus 
welchen er entstanden, der grösseren 
oder geringeren Zersetzung, die diese 
erfuhren, von seinen mineralischen Bei- 
mengungen und den Lagerungsverhält- 
nissen. — Um zu einer klareren Ein- 
sicht über die Entstehung und das We- 
sen des Torfes zu gelangen, haben wir 
die Entstehung der Moore und dann die 
des Torfes und die Moore bildenden 
Pilanzen zu betrachten. 

Die Moore sind das Terrain, welches 
vermöge seiner günstigen Beschaffenheit 
nicht allein als Standort der Torfbil- 
dungspflanzen dient, sondern wo auch 
die Verwandlung der abgestorbenen Ve- 
getation in Torf vor sich geht. Damit 
ist natürlich nicht gesagt, jedes Moor 
muss Torf bilden oder es sei ein Moor 
unbedingt zur Torfbildung nöthig, viel- 
mehr hat Sendtner Fälle angeführt, die 
beweisen, dass es Moore ohne Torf, 
und Torf ohne Moore gebe. So z. B. 
am Kochelsee ist der an den See gren- 
zende Theil des Moores, dessen Vege- 
tation vorzugsweise aus Schilf (Phrag- 
mites communis) besteht ohne Torfbil- 
dung, das Erdinger Moor bei Wasser- 
burg, ein Wiesenmoor, der Sieder Filz 
daselbst ein Hochmoor, entbehren gros- 


169 


sentheils des Torfes. Anderseits zeigt 
sich echte Torfbildung auf höheren Ber- 
gen unter dem Einflusse beständiger 
Feuchtigkeitszufuhr aus der Atmosphäre. 

Dergleichen Torflager finden sich, 
z. B. am Gipfel des Hochfelle, des Gör- 
gelstein auf Dolomit, am Untersberg 
auf Kalk und sie erreichen mitunter 
eine Mächtigkeit von mehr als 11], 
Fuss. 

Die angeführten Fälle sind jedoch 
Ausnahmen; die meisten Moore bilden 
Torf und vor nur einigermassen bedeu- 
tenden Torfablagerungen ging Moorbil- 
dung voraus. 

Das der Moorbildung zuträglichste 
Klima ist die gemässigte Zone. In den 
heissen Gegenden giebt es gewöhnlich 
nur auf den Hochplateau der Gebirge, 
Torfmoore. 

Die Ausdehnung dieser Torfmoore 
ist sehr beträchtlich, z. B. machen die 
Torfmoore in Bayern nach Sendtner 20 
Quadratmeilen aus und im Königreich 
Hannover besteht der sechste Theil des 
Landes aus Torfmooren; wir finden sie 
gleich ausgedehnt in Holland, Frank- 
reich, besonders aber in Irland, wo sie 
nach Griesbach einen Flächenraum 
von 200 Quadratmeilen einnehmen. — 

Viele Moorbildungen entstehen da- 
dureh, dass sich eine grosse Zahl von 
Seen verkleinert, dass sich Anfangs eine 
schwimmende Pflanzendecke bildet, wel- 
che nach und nach zu einer filzigen 
Torfmasse wird. 

Aus dieser schwimmenden Pflanzen- 
decke können sich Inseln von bedeu- 
tender Ausdehnung bilden und Senft 
erwähnt eine derartige schwimmende 
Insel bei Donges, 2 Meilen von Eisenach, 
bestehend aus einer 3—5‘ dicken filzi- 
gen Torfmasse, in welcher. man noch 
deutlich Heidewurzeln und Wassermoose 
erkennen kann; sie bietet auf der Ober- 


170 


fläche einen bunten Flor der verschie- 
densten Moorpflanzen. 

Ein schlammiger, wassergetränkter, 
fahlgelber Filz von Wassermoosen bildet 
den Grund dieses Pflanzenteppichs, auf 
welchem bunt durcheinander die violet- 
ten Sternblümehen der Moosbeere (Vac- 
einium Oxycoce.) Die purpurhaarigen 
von Wasserperlen glänzenden Blättchen 
des Sonnenthaus (Drosera rotundifolia). 
Die weissen Blumenstrausse des Fieber- 
klees (Menianthes trifoliata). Die gelbe 
Krone des Gifthahnenfusses (Ranuneculus 
Lingua) ferner des Wasser-Schirlings 
(Cieuta virosa), das Wollgras (Eriopho- 
rum vaginatum), das Helmkraut (Sceu- 
tellaria galericulata) und die Pfeilblätter 
der Sagittaria hervorblieken, während 
einzelne Birken und kümmernde Kiefern 
die Masten und Segel bilden, durch 
welche schon ein leiser Luftstrom diesen 
Pflanzengarten in Bewegung setzt. 

DerartigeInseln von mehr oder min- 
der grosser Ausdehnung sind nicht sel- 
ten, aber eine der grössten soll in dem 
Neusiedler See in Ungarn sich befinden, 
welcher einen Flächenraum von 6 Qua- 
dratmeilen einnimmt; berühmt sind fer- 
ner die schwimmenden Inseln auf den 


mexikanischen Seen, auf denen die 
schönsten Gemüsegärten gegenwärtig 
prangen. 


Die schwimmenden Inseln sind in- 
dessen nicht mit den schwimmenden 
Ländereien zu verwechseln, welche durch 
Verwandlung der Moore zu trockenem 
Lande entstehen. 

Wenn nach schnee - und regenarmen 
Wintern hejsse Sommer folgen, werden 
die moorspeisenden Flüsse sehr wasser- 
arm und zwar der Art, dass man trocke- 
nen Fusses über sie gehen kann, Die 
Folge davon ist, dass die Moospflanzen 
ausbleiben und sich Süssgräser aller 
Art einfinden, so verwandelt sich das 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Moor allmählig in eine Wiese, und je 
nach Umständen über kurz oder lang 
zum besten Ackerland. 

Sendtner sagt, da der amorphen Form 
des kohlensauren Kalkes die Eigenschaft 
das Wasser nicht hindurchzulassen, 
ebenso zusteht, wie den thonigen Bo- 
denarten, ist es ohne Zweifel nicht die 
hygroskopische , sondern die chemische 
Natur der Alantschicht auf dem Kies, 
welche im Territorium desselben eine 
Moorvegetation von anderer Beschaffen- 
heit hervorruft. 

Wasser ist auf beiden das gleiche 
Moment der Moorbildung; aber der che- 
mische Gehalt desselben ist verschieden. 
Man könnte auch dem Agregat-Zustande 
des Bodens Einfluss beilegen; wenn nicht 
unabhängig von diesen auch die Be- 
schaffenheit der nicht mit Wurzeln in 
den Boden eindringenden Flora gleich- 
falls an dieser Veränderung betheiligt 
wäre. 

Durch den Unterschied der auf den 
Mooren vorkommenden Vegetation ist 
der Werth derselben zu beurtheilen, 
und hievon die Vortheile ihrer Verwen- 
dung zur Cultur zu ersehen, Ein Blick 
der auf den Mooren vorkommenden Pflan- 
zen beweist auf unzweifelhafte Weise 
den Einflussder chemischen Beschaffenheit 
auf die Bildung der Moore. 

So sehr es von Interesse ist, den 
Pflanzenwuchs der verschiedenen Moore 
näher zu betrachten, möchte doch ein 
genaueres Eingehen hierüber zu weit- 
läufig erscheinen. 

Was für die Verschiedenheit ent- 
scheidet, ist nicht das Maass des Was- 
servorrathes, nicht die physikalische Ei- 
gensehaft der Unterlage, deren Modifi- 
cation bei beiden Verhältnissen gleichen 
Umfang haben, sondern allein das „che- 
mische Element“ hier der Kalk, dort 
das Thonsilieat. 


l. Originalabhandlungen. 


Diess wenn der Torf nicht gleich- 
werthig als Brennmaterial ist, so ist er 
auch hinsichtlich seiner Verwendung als 
Erde ; ich werde später auf die verschie- 
denen Wirkungen der Torfarten aus- 
führlicher zurückkommen und damit die 
wesentlichen Unterschiede genauer be- 
zeichnen. 

In den Mooren haben wir eine le- 
bende und eine gestorbene, in Verwe- 
Sung oder Vermoderung übergegangene 
Vegetation zu unterscheiden und es ge- 
. ben sich je nach der speeifischen Eigen- 
schaft der Moore folgende Pflanzengrup- 
pen: siehe pag. 627 Sendtner. Der cha- 
rakteristische Bestandtheil in der leben- 
den Vegetation aller Hochmoore sind 
Moose aus der Gattung Sphagnum, die 
sogenannten Torfmoose. 

Nach Senft spielen diese Gewächse 
eine höchst merkwürdige Rolle, bei der 
Bildung der Hochmoore, deren überwie- 
gender Theil sie sind. 

Der Torf ist bezüglich seiner Ent- 
stehung, das Product der Fäulniss und 
langsamen Verwesung abgestorbener 
Pflanzen und Pflanzentheile. 

Durch den Einfluss des Wassers, 
Sauerstoffs und einer gemässigten Tem- 
peratur erleiden die abgestorbenen Moor- 
pflanzen den Verwesungsprocess; sie 
verlieren unter Auftretten von Kohlen- 
säure und Wasser allmählig ihre Struc- 
tur und ihren Zusammenhang, und 
wandeln sich in eine braune’bis schwarz- 
braune Masse in Humus (Moder) um. 

Die Torferde ist, wie schon oben 
bemerkt, sehr verschieden, und ihr 
Werth hängt 

1) von der mehr oder weniger weit 
vorgeschrittenen Zersetzung ab; 

2) von der Art der Pflanzen, aus 
welchen er sich bildete. 

3) Von den Lagerungsverhältnissen. 

4) Von der Menge und Qualität der mi- 


171 


neralischen Beimengungen und seiner 
Aschenbestandtheile. 

Das Wasserhaltungsvermögen des 
Torfes ist sehr bedeutend; er kann 80 
bis 120 Theile Wasser binden. 

Der Torf verhält sich hinsichtlich 
seines Absorptionsvermögens wie die 
Ackererde, er absorbirt grosse Mengen 
von Kali, Natron, Ammoniak und Phos- 
phorsäure. 

Von seiner physikalischen Beschaf- 
fenheit hängt es ab, in welcher Quan- 
tität er die verschiedenen Stoffe festzu- 
halten vermag. — 

Durch die nebenstehende Tabelle 
von deutschen und fremdländischen 
Torfarten ist über die Verschiedenheit 
ihrer BElementarzusammensetzung ein 
guter Ueberblick geboten. 

Die Quantität und Qualität der bei 
dem Verbrennen des Torfes hinterblei- 
benden Asche ist gleichfalls sehr ver- 
schieden, denn sie besteht nicht allein 
aus den Aschenbestandtheilen der Pflan- 
zen, welche sich in Torf umwandelten, 
sondern sie enthält auch die Mineral- 
bestandtheile, welche sich aus dem das 
Moor durchtränkenden Wasser mecha- 
nisch absetzen oder aus ihm vom Torfe 
absorbirt wurden. 

Die Aschenmenge beträgt von 0,5 
bis 60 und mehr Procente, jedoch sind 
häufig in 100 Theilen Asche 70 Proc. 
unlösliche Stoffe Thon und Sand ent- 
halten. 

Von den Aschenbestandtheilen, wel- 
che die Moorpflanzen zu ihrem Gedeihen 
bedurften, bleiben in dem aus ihnen 
entstehenden Torfe fast nur die unlös- 
lichen zurück. 

Der grössere lösliche Theil geht bei 
der Zersetzung der Pflanzen in das um- 
gebende Wasser über, um aus ihm von 
der Moorvegetation als Nahrung aufge- 
nommen, oder von dem bereits gebilde- 


172 


ten Torf absarbirt oder endlich weiter 
fortgeführt zu werden. 

Die jüngsten Torfarten werden da- 
her wenn sie anders nicht von 
Schlamm ete, durchzogen sind — auch 
nur die geringsten Aschenmengungen ent- 
halten. 

Mit ihrer fortschreitenden Zersetzung 
wird jedoch ihr Aschengehalt ein grös- 
serer. Einmal vermehrt er sich relativ; 
indem die Menge der organischen Sub- 
stanz durch Verwesung abnimmt; dann 
erlangen aber auch die jüngeren Torfe 
dureh ihre Umwandlung in eigentliche 
Torfsubstanz die gehörige physikalische 
Beschaffenheit und diese befähigt sie 
aus dem umgebenden Wasser gelöste 
Mineralbestandtheile zu absorkiren; zu- 


-— 


letzt gehen ihre saueren Zersetzungs- 
producte noch mit Kalk u. s. w. unlös- 
liche Verbindungen ein und vermehren 
auch hierdurch den Aschengehalt. 

Die Sphagnum-Arten sind der Masse 
nach der überwiegende Theil der Hoch- 
moore. 

Die Sphagnum haben bekanntlich 
unter allen Moosen einen eigenthümli- 
chen Zellenbau, das Gewebe ihrer Blät- 
ter in der äusseren Stengelschicht ent- 
hält nämlich neben gewöhnlichen Zellen, 
noch solche anderer Art, die sieh durch 
ihre grossen runden Löcher auszeichnen, 
bei den Blättern zugleich durch ring- 
oder spiralförmige Fasern, welche gleich 
Reifen von die zarte Zellhaut 
schlauchförmig ausspannen. 

Diese Eigenschaft macht die Sphag- 
nen zu besonders hygroskopischen Kör- 
pern. 

Die Asche der Sphagnum cymbifo- 
lium enthält nach der Analyse von 
Wiegmann in 3,706 Gewichtstheilen nur 
0,362 Kalk und 0,318 Alkalien, aber 
2,289 Kieselerde. 

Im Münchner botanischen Garten 


innen 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


von Sendtner angestellte Versuche, 
Sphagnum zu cultiviren, wobei die 
ganz geeignete Unterlage Thon, an- 
gewendet wurde, misslangen vollständig, 
wenn zur Herstellung des künstlichen 
Moor’s Münchener Quellwasser ange- 
wendet wurde, während sich eine kleine 
Quantiät, in destillirtes Wasser gebracht, 
2 Jahre lang ohne Schwierigkeit er- 
hielt. — 

Das Fehlen der einen oder anderen 
Moosarten beruht, nieht auf physikali- 
schen Zuständen, die, wie wir oben 
sahen, wenig abweichend sind und es 
sind wohl lediglich die chemischen Ei- 
genschaften im Auge zu haben. 

Wir wissen, dass in Waldbuchten 
die zahlreichen, in Verwesung begriffe- 
nen Baumabfälle, viel desshalb zur Moor- 
bildung beitragen, weil bekanntlich alle 
Humussubstanzen die Meteorwassernie- 
derschläge‘ äusserst gierig ansaugen und 
festhalten. 

Die Torferde, welche reich an 
Säuren ist, soll nie frisch verwendet 
werden, sondern muss längere Zeit ab- 
gelagert und dann mit der Beimischung 
von Stoffen, welche ihr fehlen, versehen 
sein. ’ 

Die Verwendung der Moor- oder 
Torferde ist mit der Bezeichnung Moor- 
erde seit geraumer Zeit in unseren Gär- 
ten bekannt und theilweise auch hoch 
geschätzt, wohl sind aber hierunter in 
den meisten Fällen die verwesten Stamm- 
theile, oder der in hohlen Bäumen ge- 
sammelte Humus gemeint, die gewöhn- 
lich in der Weise gesammelt werden, 
wie der sogenannte Eisenmoder. 

Betrachtet man nur einigermassen 
die Flora auf den verschiedenen Torf- 
gründen und unsere Alptriften, ganz ab- 
gesehen von den Pflanzungen, so, kön- 
nen wir die Torf- und Moorerde nichts 
weniger als steril nennen, 


I. Originalabhandlungen. 


Der Gedanke, die Moor- und Torf- 
gründe zu cultiviren ist keineswegs alt, 
denn es ist noch nicht gar lange, dass 
man derlei Gründe halb geschenkt be- 
kam, während dem sie heute enorme 
Preise haben. 

In unmittelbarer Nähe Münchens sind 
verschiedene derartige Gründe, von wel- 
chen sehr häuflg die oberste Schicht 
zum Verkauf als Brennmaterial- abge- 
räumt wurde, mit verschiedenen Bäumen, 
meistens Obstbäumen, Gemüse, beson- 
ders die Kohlarten, Kartoffel, Lein, 
Runkelrüben bepflanzt, welche in einer 
Ueppigkeit stehen, wie man sie in den 
Gärten nicht schöner sehen kann. 

Es kann nicht unsere Absicht sein, 
über die derartige Verwerthung und die 
Behandlungsweise dieser Gründe zu 
sprechen, da wir dann sonst auf ein 
unsern Absichten fremdes Gebiet kom- 
men würden und es sei vorübergehend 
nur bemerkt, dass die zur Pflanzung der 
genannten Gewächse, verwendeten Torf- 
gründe, mit Strassenstaub, Lehm ete. 
gemengt werden und dass man dieselben 
eine Weile brach liegen lässt und sie 
je nach der Eigenschaft des Torfes ob 
hoch oder Wiesen, mehr erhöht anlegt 
und mit Gruben von Distanz zu Distanz 
versieht, das letztere ist namentlich zur 
nassen Jahreszeit für ein sicheres Ge- 
deihen in allen Fällen von Wichtigkeit. 

Wir haben seit drei Jahren sehr 
ausgedehnte Versuche mit dieser Torf- 
erde zu den verschiedenen Culturen ge- 
macht und haben in der That alle Ur- 
sache, hierüber Empfehlenswerthes zu 
sagen; jedenfalls möchte sie selten so 
ausgebreitet verwendet werden, wie das 
im hiesigen botanischen Garten der 
Fall ist. 

Wir beschränken uns nicht allein 
auf Topfeulturen, sondern auch für das 
freie Land wird sie angewendet. So 


173 


befinden sich unter anderen sämmtliche 
pontische Azaleen auf einem mit dieser 
Erdegefülltem Beele, welcher etwas Quarz- 
sand und eine kleine Menge von Laub- 
erde, ein Viertel im Ganzen, beigemengt 
wurde und uberdiess eine verhältniss- 
mässig geringe Zugabe von kohlensau- 
rem Kali. 

Das Beet ist gegen’Morgen gelegen 
und nach Norden ziemlich geschützt 
und den Winter über mit einem Laub- 
und Bretterverschlag versehen, der kei- 
neswegs hinreichend gesichert ist, um 
die Pflanzen vor Frost zu bewahren. 

Dieselben sind nun bereits vier 
Jahre an dieser Stelle, und wie bemerkt 
dem Froste, anderweits im Sommer der 
vollen Sonne ausgesetzt, und sie stehen 
in einer Ueppigkeit, dass viele Fach- 
männer, denen ich den Sachverhalt mit- 
theilte, geradezu erstaunt waren, Bis 
jetzt wurde denselben keine weitere Zu- 
gabe von Mineraldünger zu Theil. 

Für den Winter ist die Vorsorge 
getroffen, dass die Pflanzen bisweilen 
gelüftet werden können. 

Bemerkenswerth ist, dass der Frost 
keineswegs nachtheilig auf die Pflanze, 
wohl aber auf die Blüthenknospen wirkte 
und dieselben sich zwei Jahr hinter 
einander nicht entwickelten. — 

Das Beet ist während des Winters 
mit Moos bedeckt. 

Zum Verpflanzen der Neuholländer 
Pflanzen gross und klein, zuden Warm- 
hauspflanzen wird die Torferde von Has- 
pelmoor im Gemenge mit anderen Erd- 
arten, je nach Bedarf für die betreffende 
Pflanze, ob Laub-, Lehm- oder auch 
Mistbeeterde und selbst mit Heideerde 
im grossen Maassiabe seit einiger Zeit 
angewendet und es ist kein Zweifel, 
dass wir in der Weise fortfahren kön- 
nen. Die Hauptaufmerksamkeit beruht 
auf der Mischung der Erdarten, wie 


174 


auf der Wahl der Torf- oder Moor- 
erde. 

Ihre Wirkungen sind sehr verschie- 
den und es ist desshalb nöthig, immer 
die chemische Zusammensetzung des be- 
treffenden Torfes zu kennen. 

So günstig wir z. B. über die Has- 
pelmoor-Torferde sprechen können, so 
ungünstig wäre. über die in unmittel- 
barer Nähe Münchens gelegene Torferde 
in Schleissheim zu berichten. — 

Während Weizen, Rüben, Astern 
in dem Schleissheimer Torf einen höchst 
kümmerlichen Wuchs haben, die Kali- 
pflanzen wie die Rübe kaum vegetiren, 
der Weizen zur Blüthe kam, jedoch fast 
Körnerleer blieb, stehen dieselben Pflan- 
zen in der ungedüngten Torferde des 
Haspelmoores um. vieles besser, und 
man möchte beim ersten Anblick glau- 
ben, es wäre eine Mineralsättigung bei- 
gegeben, so auffallend sind die Unter- 
schiede. — 

Versuche mit Blumen, als Astern, 
Geranien, Chrysanthemum und Bego- 
nien, welehe dieses Jahr gemacht wur- 
den, sollen bei nächster Gelegenheit, 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Gegenstand einer ausführlichen Bespre- 
chung sein — es fehlt zur Stunde noch 
die Analyse einer Pflanzenasche, welche 
um einen verständigen Ueberblick zu 
geben, beigegeben werden muss. — 

Nicht ohne besonderen Werth ist 
wohl noch, dass die Bodentemperatur 
in dieser Moorerde um 5—8° R. höher 
ist als die Temperatur des umgebenden 
Bodens. 

Messungen, die in diesem Jahre ge- 
maeht wurden, ergeben Folgendes: Ein 
Haufen der Torfkleie von Haspelmoor, 
welcher 4° hoch und 8‘ lang angelegt 
ist, ergab eine Wärme im Monat Juni 
von 19° R., während die Erde gleich 
sonnig gelegen und gleich tief gemessen 
nur 100 R. zeigte, 

Derselbe Torf, mit Lauberde gemengt, 
ergab eine Wärmedifferenz von plus 50 
gegen die reine Lauberde. 

Indem wir die heutigen Mittheilun- 
gen schliessen, behalten wir uns vor, 
über weitere Versuche später noch ei- 
nige Notizen zu geben. 

München, im Februar 1866. 
Max Kolb. 


3) Berichtigungen einiger schönblühenden einjährigen Pflanzen, 
welche während der Semmermonate 1865 im Kalis. botanischen 
&arten zu St. Petersburg eultivirt wurden. 


1) Arctotis acaulis L.y. undu- 
lata D. ©. Cf. Jacg. hort. Schoen- 
brunn. Il. t. 160. Von Benary unter 
dem Namen A. breviscapa. 

2) Boisduvalia Douglasii 
Spach = Oenothera densiflora Lindl. 
Ci. Bot. Reg. t. 1593. Von Huber 
freres, ist zwar eine niedliche Pflanze 
mit röthlich-lila Blümchen, aber als 


Florblume durchaus nicht 
pfehlen. 

3) Browallia viscosa H,B.K. 
Von Huber freres unter dem Namen B, 
Czerwiakowskyana und von Moehring 
unter dem Namen B. pulchella. Cf. Rgl. 
Gartenflora t. 142. f. 2. 

4) Callirho& pedata A. Gray. 


Cf. A. Gray gen. t. 118. Von Moeh- 


zu em- 


I. Originalabhandlungen. 


ring unter 
mila. 

5) Campanula linifolia Lam. 
var. soldanellaeflora plena. Von 
Haage und Schmidt unter dem Namen 
C.rhomboidea var. soldanellaeflora plena, 
ist eine allerliebste Varietät und sicht 
ganz eigenthümlich und zierlich aus mit 
ihren geschlitzten Petalen. 

6) Capsicum pendulum W. Cf. 
Fingerhut Monogr. t. VO. Von Haage 
unter dem Namen C. mierophyllum. 

7) Chrysanthemum carnosu- 
lum D. C. Von Haage und Schmidt 
unter dem Namen Ismelia coronopifolia, 

8) Clarkia elegans Dougl. var. 
fl. semipleno. Cf. Bot. Mag. t. 3592. 
Von Haage und Schmidt unter dem Na- 
men C. e. splendens. 

9) Cleome pentaphylla L. CA. 
Bot. Mag. t. 1681. Von Huber fröres 
unter dem Namen C. muricata. 

10) Collinsia bicolor Benth., 
Cf. Bot. Mag. t. 3488. Von Haage und 
Schmidt unter dem Namen C. corym- 
bosa, Bei unserer Pflanze ist die un- 
tere Lippe bläulich-lila und die obere 
weiss. 

1l) Coreopsis Drummondii 
Torr. et Gray. Cf. Bot. Mag. t. 3474. 
Von F. A. Haage unter dem Namen C., 
D. grandiflora. 

12) Delphinium grandiflorum 
L. 8. chinense D. C. Cf. Bot. Reg. 
t. 472. Von Moehring unter dem Na- 
men D, sinense nanum. 

13) Eudianthe 
Rchbch. var, fimbriata. Von Be- 
nary unter dem Namen Agrostemma 
coeli rosa nana fimbriata, ist zwar eine 
hübsche Varietät, aber offenbar nicht 
constant, denn es finden sich an einer 
Pflanze stärker ausgezackte und einfach 
ausgerandete Blumenblätter, Den Bei- 
namen nana aber verdient sie gar nicht. 


dem Namen C. p. pu- 


coeli rosa 


175 


14) Gilia capitata Sims (f. 
Bot. Mag. t. 2698. Von Benery unter 
dem Namen G. species californica. 

15) Gilia lutea Steud. var, 
brunnea. Von Benary unter dem Na- 
men Leptosiphon hybridum, ist eine 
schöne neue Varietät mit braunrothen 
Blumen, welche bald ins Gelbbraune, 
bald ins Graubraune spielen. 

16) Gypsophila muralis L. var. 
serotina Hayne. Von Haage und 
Schmidt unter dem Namen G. Saxi- 
fraga. 

17) Helychrysum rupestreRaf, 
Cf. Rehbeh. fl. germ, XVI. t. 952. Von 
Haage unter dem Namen Elichrysum 
elegans. 

18) Iberis amara L. Cf. Rehbch. 
fl. germ. I. t. 7. Von Benary unter 
dem Namen I, pectinata, von Moehring 
als I. coronaria und von Haage und 
Schmidt als I. coronaria regia. 

19) Iberis umbellata L. Von 
Moehring unter dem Namen I. u. nana 
superba. 

20) Leontodon hispidum L. 
Von Haage und Schmidt unter dem Na- 
men Arnica montana, 

21) Lupinus Barkeri Lindl. Cf. 
Bot. Reg. XXV. t,56. Von F. A, Haage 
unter dem Namen L. venustus tricolor, 

22) Lupinus elegans H. B.K. 
var. Dunetti. Cf. Bot. Reg. t. 1581. 
Von F. A. Haage unter dem Namen 
L. Dunetti atroviolaceus. 

23) Lupinus elegans H,B.K, 
var. hybridus, Von F. A. Haage 
unter dem Namen L. albococeineus, 

24) Lupinus Hartwegii Lind], 
Cf. Bot. Reg. XXV, t.31. Von Moch- 
ring unter dem Namen L. californieus. 

25) Nemophila atomariaFisch. 
et Mey. var. discoidalis. Von Be- 
nary unter dem Namen N. discoidalis 
elegans, vittata und marmorata; sind 


176 


Alles Formen und nicht einmal schöne 
Formen der N. atomaria var. discoidalis 
und weder durch Grösse der Blumen, 
noch durch Reinheit der Farben und 
der Zeichnung ausgezeichnet. 

26) Nemophila insignisBenth. 
var striata (Woher?) Die Zeichnung 
der Blumenblätter ist unregelmässig und 
unrein und daher die alte ächte N. in- 
signis dieser neuen Varietät vorzu- 
ziehen. 

27) Nemophila maculata Benth. 
Von Benary unter dem Namen N. ma- 
culata „purpurea‘; ist aber weiter 
nichts als eine N. maculata mit ver- 
schwommenen Farben, von „Purpur‘“ 
war nichts zu sehen. 

28) Nicotiana suaveolens 
Lehm. €Cf. Bot. : Mag. t. 637. Von 
Huber freres unter dem Namen N. vin- 
caeflora. 

29) Nigella hispanicaL, var. 
alba von Haage und var. atropur- 
purea von Benary. Diese beiden Va- 
rietäten sind empfehlenswerth. 

30) Nolana atriplieifolia Don. 
Von Benary unter dem Namen N. lan- 
ceolata; ist weiter nichts, ais eine Va- 
rietät von N. atriplicifolia. 

31) Oenothera amoena Lehm. 
y. Lindleyi Dougl. Cf. Bot. Reg. t. 
1405 und Bot. Mag. t. 2832. Von Haage 
und Schmidt unter dem Namen ©. di- 
versiflora, Godetia reptans alba und r. 
purpurea und von Moehring unter dem 
Namen G. rubicunda splendens. 

32) Oenothera amoena Lehm. 
n. rubicunda plena. Cf. Bot. Reg. 
XXI. t. 1856. Von Benary unter dem 
Namen Godetia Lindleyana. 

33) Portulaca grandiflora Cam- 
bess. var. fl. pleno carmineo. Von 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Haage und Schmidt unter dem Namen 
P. fl. pleno extra. 

34) Solanum Pterocaulon Dun. 
Von Moehring unter dem Namen S. he- 
terogonum. 

35) Sphaerostigma bistortum. 
Walp. = Oenothera bistorta Nutt. Von 
Veitch, hat aber nur kleine gelbe Blu- 
men und ist desshalb als Florblume 
nicht zu empfehlen, 

36) Sphenogyne anthemoides 
R. Br. Cf. Bot. Mag. t. 544. Von 
Haage und Schmidt unter dem Namen 
S. versicolor. 

37) Sphenogyne speciosa 
Maund.'Cf. 'Paxt. Mag.” VE "12977. 
Von Moehring unter dem Namen S$. 
erocea. 

38) Statice Bonduelli Lestib. 
Cf. Ann. d. sc. nat. III. ser. t. XVI. 
p. 81. t. 17. Bot. Mag. t. 5158. Von 
Haage unter dem Namen St. B. alba; 
ist aber die ächte St. Bonduelli Lestib. 
und nicht abzusehen , warum Haage ihr 
den Beinamen alba gegeben hat, denn 
sie blüht schwefelgelb. 

39) Tripteris cheiranthifolia 
C. HB. Sch. Bip. Von Haage und 
Schmidt, ist richtig, aber keine Zier- 
pflanze und riecht ähnlich abscheulich 
wie Chenopodium foetidum. 

40) Verbena Spr. CH. 
Sweet fl. g. t. 295. Von Moehring un- 
ter dem Namen V. pulchella caerulea. 

41) Vesicaria sinuata Poir. Of. 
Rehbeh. fl. germ. II. t. 21. Von Huber 
freres unter dem Namen V. grandi- 
flora. 

42) Vieia PseudocraceaBertol. 
Von Haage und Schmidt unter dem 
Namen V. tricolor. 


tenera 


(F, v. Herder.) 


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II. ‘Neue Zierpflanzen. 


Abgebildet im Botanical-Magazine. 


1) Palumbina candida Kchb. fil. Or- 
chideae. — Die Gattung Palumbina ward 
von Reichenbach von Oncidium nach dem 
Typus der in Rede stehenden Art getrennt, 
die Lindley (Bot. Reg. XXIX mise. 76. — 
Folia orchid. N 53) als Oneidium candidum 
beschrieben hat. Scheinknollen länglich, 
zusammengedrückt, auf der Spitze einschwert- 
förmiges Blatt tragend. Blumen stehen in 
gracilen Trauben, die aus dem Grunde der 
Scheinknollen entspringen und länger als 
die Blätter sind. Jede Traube wird von 
3—5 Blumen gebildet; deren jede ungefähr 
1 Zoll im Durchmesser hat und gänzlich 
weiss ist. Das obere Kelchblatt länglich, 
fast spitz, die unteren Sepalen verwachsen 
in eines von der gleichen Grösse, wie das 
obere. Blumenblätter länglich und spitzlich. 
Lippe: so lang oder wenig länger als die 
Blumenblätter, aus abgerundetem Grunde 
länglich 3seitig, am Grunde mit gelber roth 
gefleckter Scheibe. Säule kurz, mit der 
Lippe verwachsen, mit gespreizten häutigen 
Flügeln. Pollenmassen, jede mit einer cau- 
dieula versehen, die einer gemeinsamen, 
abermals aufgewachsen. Aus Mexico, von 
Hartweg eingeführt, blühete diese Orchidee 
zuerst beim Hrn. Consul Schiller in voll- 
kommener Schönheit. — (tab. 5546.) 

2) Thibaudia jessicae Hook. Vacci- 
mieae. — Linden in Brüssel führte diese 
Art von den Gebirgen bei Caracas ein und 
vertheilte sie als Thibaudia macrophylla. 
Bei James Bateman kam solche im Septem- 
ber des letzten Jahres in Blüthe. Eine 
schöne, durchaus kahle Pflanze. Blätter 
gross, oval und schwanzförmig zugespitzt, 
am Grunde abgerundet, ganzrandig, fast 
5nervig. Blüthentrauben kurz, einzel ste- 
hend, viel kürzer als die Blätter, von kur- 
zem dickem Blüthenstiel getragen. 
gross, ungefähr 1!/, Zoll lang. Kelch 
scharlachroth, mit stumpfen Zähnen. Blu- 
menkrone länglich-walzlich, hellroth. Staub- 
fäden kurz und dick. Antheren gehen in 

VL 1866. 


Blumen 


17 


Neue Zierpflanzen. 


einen Schnabel aus, der kürzer als das An- 
therenfach. — Von der ächten T. macro- 
phylla unterscheidet sich diese neue Art 
durch dünnere häutigere grössere Blätter, 
grosse Blumen und kurze Blüthenstiele, 
(Tab. 5547). 


3) Calceolaria hyssopifolia Humb. Bompl. 
Knth. (H.B.K. nov. gen. et spec. II. 386. — 
Benth. in D. C. prodr. X, 222.) Scerophula- 
rinae, — Eine strauchige Calceolaria aus 
Chili mit gelben Blumen. Ein bis 4’ hoher 
Strauch, der fast kahl und klebrig behaart. 
Die unteren Blätter linien-lanzettlich und oft 
klein sägezähnig, die obern linear und 
ganzrandig, unterhalb weisslich. Blumen 
in einer laxen doldenförmigen Rispe. Blu- 
menkrone gelb, mit kleiner concaver Ober- 
lippe und sehr grosser verkehrt-ovaler rund- 
licher Unterlippe. Schöne Art im Sommer 
für Blumengruppen im freien Lande. (tab. 
5548). 


4) Palafoxia Hookeriana Torr. ei Gray. 
(Fl. of North. Am. I. 368. P. texana Hook. 
ic. pl. tab. 148 non D. C) — Compositae. 
Eine reizende perennirende Pflanze, die aus 
Neu-Mexiko in den Garten zu Kew durch 
Dr. Parry eingeführt wurde. In Petersburg 
dürfte solche zu den Topfstauden zu rech- 
nen sein. Blätter lanzettlich, 1—3 nervig. 
Hüllkelch 12 bis mehrschuppig; Schuppen 
zweireihig, die äusseren lanzettlich, die in- 
neren verkehrt oval-lanzettlich oder läng- 
lich. Strahlenblumen 8— 10, breit keilför- 
mig, 3theilig, purpur, noch einmal so lang 
als der Hüllkelch. Scheibenblumen röhrig, 
4lappig, purpur. Federkrone der Frücht- 
chen der Strahlenblumen besteht aus 6—8 
lanzettlichen zugespitzten Schuppen, die so 
lang als das behaarte Früchtchen. Die 
Früchtchen der Scheibenblumen kahl und 
mit sehr kurzen stumpten Schüppchen ge- 
krönt. — Die Stengel dieser reizenden 
Pflanze werden 2—4 Fuss hoch und tragen 
auf der Spitze die 1'/, Zoll im Durchmesser 
haltenden Blüthenköpfe in einer doldenför- 
migen Rispe, (tab. 5549). 

12 


Bo, 


5) Trichopylia Turialvae Rchb. fil. 
(Hambrg. Grtztg. 1863. pag. 11.). — Epi- 
phytische Orchidee aus den Gebirgen von 
Veragaas, ähnlich der Tr. albida. Kelch- 
und Blumenblätter linien-lanzettlich, grünlich 
weiss. Lippe weiss, am Schlund roth punc- 
tirt, innerhalb gelb. (tab. 5550.) 

6) Dianella tasmanica Hook. (fl. tasm. 
I. pag. 57. tab. 133. A.). Liliaceae. 
Eine Perennie fürs Kalthaus. — Wurzel- 
blätter lang und breit schwertförmig, an 
den zurückgeschlagenen Rändern und dem 
Kiel fein gesägt. Blüthenschaft 4—5 Fuss 
hoch, trägt die Blumen in einer Rispe. 
Blüthenstiele fast büschelförmig und vorn 
die Blüthenstielchen zurückgebogen. Blu- 


men blau, mit später zurückgeschlage- 
nen Petalen. Antheren klein, kürzer 
als der verdickte Theil der Staubfäden. 


Beeren länglich -kugelförmig, violett. (tab, 
5551.) 


Abgebildet inIllustrationhorticole, 


7) Allamanda Hendersoni h. Angl. Apo- 


I. 


1) Gartenbau-Akademie in Chis- 
wick. Die Londoner Gartenbaugesellschaft 
gründet in ihrem Garten eine Gartenbau- 
Akademie zur Bildung von Gärtnern. Er- 
fahrene Gärtner, die zugleich die Kenntnisse 
besitzen, um Unterricht zu geben, stehen 
den verschiedenen Abtheilungen des Gar- 
tens vor. 

Als Studenten des Gartenbaues werden 
gesunde junge Leute aufgenommen, welche 
die Examina bestehen können. Solche sollen 
nicht unter 20 Jahren alt sein und müssen 
mindestens schon 3 Jahre sich in einem an- 
deren Garten beschäftigt haben. 

Am Schlusse des Cursus werden zwei 
Examina gemacht. Das eine als Gärt- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


cynaceae. Eine Allamanda aus Guiana mit 
gelben Blumen. Warmhausstrauch der den 
anderen Allamanda-Arten mit gelben Blumen 
nah verwandt ist, und wie es scheint, sich 
vorzüglich durch enorm grosse Blumen, de- 
ren Saum bis 5 Zoll im Durchmesser hält 
und am Schlund 5 weissliche Flecke zeigt, 
unterscheidet. Ward vom Hrn. Bull in 
London eingeführt und wird als eine Pflanze 
empfohlen, die den ganzen Sommer hin- 
durch blühet. (lab. 452). 

8) Lantana. Die Tafel giebt die Ab- 
bildung von 3 vorzüglich- schönen Garten- 
varietäten von Latana, nämlich Lantana 
Conqueror mit blutrothen Blumen, L. Rou- 
gier-Chauviere mit leuchtend orangerothen, 
im Aufblühen gelben Blumen und ZL. ele- 
gantissima mit im Aufblühen gelblichen, 
später schön rosa-lilafarbenen Blumen. (tab. 
453). 

9) Camellia Dionisia Poniatowsky. 
Grosse milchweise vorzügliche Blumen von 
dachziegelförmigem Bau. (tab. 454). 

(E. R.) 


Notizen. 


ner,’das ausser Lesen, Schreiben und Arith- 
metik in allen Theilen des practischen Gar- 
tenbaues gemacht wird. 

Das andere als Gehülfen der Ge- 
sellschaft (Associates of the Society) 
Ausser dem gleichen Examen ist noch ein 
solches zu bestehen in Buchhaltung, Geo- 
metrie, Messkunst, Planzeichnen, Theo- 
rie der Gärtnerei, systematische Botanik 
und Anlage von Gärten. 

Die Gesellschaft ertheilt nach den be- 
standenen Examen die Diplome. — Der 
vollständige Plan findet sich in der Nummer 
für August bis November 1865 der Procee- 
dings of the Royal Horticultural Society. — 


IH. Notizen. 


179 


1) Auswahl von Pflanzen für wissenschaftliche Zwecke. 


(Fortsetzung.) 


Veltheimia viridiflora, Jacq. (Aletris ca- 
pensis, L.) Bot. mag. 501. ?I. Cap. 
d. g. H. Schöner Wuchs. Blüthezeit. 
R. Gen. 

Lachenalia, unicolor, Jaeq. ie. c. br. t. 389. 

%. Cap.d.g. H. Schön. 

liliflora, Thbg. Jacg. ic. var. 387. Bot. 

mag. 1373. 2]. Cap. d. g. H. Schön- 

heit, Biume weiss. 

-. tricolor,. Thbg. 
Farbe. Blüthezeit, 

Eucomis punetata , Ait. 


21. Cap. d.lig. H. 


Bot. mag, 1529 u. 


913. 7]. Cap. d. g. H. Farbepuncte 
der Blätter. Längere Traube als die 
folgende. 


regia, Herit. (A. undulata, Ait.) Bot. 
mag. 1083. Cap. d. g. HB. Blattbüschel 
oberhalb des Blüthenstandes. Blüthezeit. 
Seilla Clusiana, Endl. (S. peruviana, L) 
Bot. mag. 749. ?|. Portugal, Sardi- 
Blüthenstand reich, pyramidal. 
Urginia Seilla, Steinh. (Scilla maritima, L.) 
Hayne Arzneipfl. Bd. 11. 21. Berg u.S. 
Arzn.pfl. ?|. S.-Europa. Office. 
Ornithogalum arabicum, L. Bot. mag. 728. 
?!. Küsten des Mittelmeeres. 
scilloides, Jacq. Hort. Schbr. 88. ?]. 
Cap. d. g. H. Oberirdische gr. Zwie- 
beln. Entwicklung der Brutzwiebeln! 
(s. Mohl bot. Ztg. 1859). Wird oft 
irrig als Scilla (Urginea) maritima cul- 
tivirt. 
aureum, Curt. Bot. mag. 190. 
d. g. H. Schönheit. 
Albuca altissima, Dry. Jaegq. ic. rar. 441. ?]. 
Cap. d. g. H. 3! Staubfäden. 
major, L. Bot. mag. 804. Jacg. ie. 
rar. 443. ?]). Cap.d. g. H. 3! Staub- 
fäden. 
fragrans, Jaeg. Hort. Schbr. t. 84. ?}. 
(Hierherein gehören zahlrreiche Arten 
v. Allium, welche aber als Pflanzen 
des freien Landes behandelt werden.) 


nien. 


?1. Cap. 


Arthropodium eirrhatum, RBr. Bot. Mag. 
2350. ?I. Felsen d. nördl. Neuseeland. 
Staubfäden. 

paniculatum, RBr. Bot. Mag. 1421. 

’i. Oestl. Australien. Staubfäden! Zier- 

licher Wuchs. 

Chlorophytum inornatum, Ker. Bot. mag. 
1061. 1223. I. Sierra Leone. Spros- 
sung am Blüthenstengel. 

Thysanotus junceus, RBr. Bot. reg. 656. ?%]. 
Oestl. S.-Australien. Kelch! Kronblät- 
ter wimperig. 

Echeandia terniflora, Ort. (Conanthera 
Echeandia, Pers.) Link. u. O. ie. rar. 
t. 3. #2 Mexico. Rp. g. et subfa- 
milige? 


Asparageae. 


Dianella revoluta, RBr. ?[. Bot. Reg. 1120. 
S.-O.- Australien. R. G. Kletternder 
Wuchs. 

Myrsiphyllum asparagoides, Willd. (Me- 
deola .. .. L.) Redoute, Lil. 442. 9. 8. 
N.-Seeland u. Norfolk. Ins. Phyllocla- 
dien! 

Beaucarnea tuberculata, Lemaire (Dasy- 
lirion .... Scheidw. Pincenectitia... 
Hort.) h. Mexico. Knollige Verdickung 
des unteren Stammtheiles. Einhäusige 
Blüthen. Auch die anderen Arten, B. 
strieta (= glauca Hort.) B. recurvata 
u. gracilis sind merkwürdig. 

Cordyline *) ausiralis, Jacq. (Dracaena 


*) 5. Planchon. nouveaux details sur la 
synonymie des plantes connues sous le 
nom de Dracaena et de Cordyline, in 
v. Houtte fl. de serres Bd. VI. p. 132. — 
Regel, die Arten der Gattung Dracaena 
und Cordyline, in Gartenflora Bd. 8. 
p: 320. Derselbe, in Koch’s Berliner 
allgem. Gartenzeitung. 


1275 


480 


. .. Forst. Dracaenopsis .... . Planch.) 
h. Bot. mag. 2835. Ins. des stillen 
Oceans. Schöner Wuchs, mit gedrängt 
stehenden breiten Blättern. 
heliconiaefolia, Ott. D. (Calodra- 
con... Planch. Dracaena brasiliensis, 
Röm. Sch. h. Bot. reg. t. 1749. Ab- 
wärts steigendes Rhizom. 
“Jaequini, Kth. (Calodracon .... 
Plch.; Dracaena ferrea, L. D. termi- 
nalis, Jacq.) H: Bot. mag. 2053. Jac- 
quin ic. rar. 448. China. 
var. foliis purpureis et variegatis. 
—.. strieta, Endl. (Dracaena . ... Curt. 
Charlwoodia . . . Pleh. D. paniculata, 
Hort.) h. Bot. mag. 2575. Neu-Seeland. 
Zierlicher Wuchs eines lang hinan be- 
blätterten Stammes. 
Dracaena Draco, L. h. Hayne, Arzn, Gew. 
Bd.,2. 1.12: V..Houtte.fl. d.,5..6;1.28. 
Berthelot. Nov. act. act. leop. 13. t. 35. 
Webb. et Berth. hist. n. d. i. Canaries, 
t. 8. Canarische Inseln. Rothes Harz; 
Drachenblut. 
fragrans, Gawl. H. Bot. mag. 1081. 
(Aletris ... L. Cordyline ... Plch.) 
Blüht leicht, wohlriechend. 


Aphyllantheae. 


Aphyllanthes monspeliensis, L. Reichb. 
D. Fl. IX. tab. 418. ?|. S. Frankreich. 
Xanthorhoea hastile, Sm. Bot. mag. 
4722. .V. Houtte fl. d. S. IX. t. 868. }). 
Seltsamer Wuchs. Harz. 


— 


Gilliesieae. 


Gilliesia graminea aus Peru, Bot. Reg. 
992, sollte in Gärten vorhanden sein. 


Smilaccae. 

Smilax Sarsaparilla L. Dass diese Spe- 
cies keine offieinelle Wurzel liefert, ist 
bekannt. Welche Species die in den 
Gärten unter obigem Namen verbreitete 
Pflanze sei, ist nicht bestimmt. Man 
sollte Sm. mediea Schldl., aus Mexico, 
in die Gärten einführen, weil deren 
Wurzel im anatomischen Bau mit der 
im Handel Veracruz Sorte genannten 
übereinstimmt. 


Gartenflora Deutschlands, ‚Russlands und der Schweiz. 


Smilax aspera, L. ?|. Ob.-Italien. Stacheln. 
Nebenblattranken. 

Ruscus Hypoglossum, L. ?|. Reichb. D. 
FI. X. tab. 437. h. Ob.-Italien, Ungarn. 

— „aculeatus, L. Reichb. D. EI X t 

437. &. Ob.-Italien u. westwärts. 

androgynus, L. (Danaida racemosa, Lk.) 

Bot. mag. 3029. h. $. Canar. Inseln. 


Aspidistreae. 


Rhodea japonica, Roth. (Orontium . .. 
Thbg ) Bot. mag. 898. Japan. Naga- 
saki, auf trockenen Hügeln. 

Plectogyne variegata, Lk. (Aspidistra 
elatior Blm.) Hoeven, Tydsch. 1854. t. 3. 
?l. Japan. Blumen 8theilig, fast in 
die Erde versenkt. Narbe schildförmig. 

Macrostigma tupistroides, Kth. Regel, Gar- 
tenfl. VI. t. 192. ?|. Vaterland ? Narbe! 


Ophiopogoneae. 


Ophiopogon spicatus, Gawl. (Convallaria 
... Thbg.) Bot. reg. 593. 

— Jaburan Lodd. 6 Cab. 1876. ?|. Hong- 
kong. 

Flüggea japonica, Rich. (Convallaria .. .L. 
Ophiopogon .... Gawl. Diuris spiralis 
Hort. Berol.) Bot. mag. 1063. ?|j. Ja- 
pan; China. 

Peliosanthes Teta, Andr. ?|[. Bot. mag. 
1302. O.-Indien. Die Samen zerspren- 
gen die Frucht und reifen blosgelegt. 


Eriospermeae. 


Eriospermum lancaefolium, Jacq. Ie. rar. 
t. 421. |. Cap. d.g. H. Samen am 
Grunde mit einem Haarkranz. 


Herrerieae. 


Herreria Salsaparilla, Mart. Flor. Brasil. 
fasc. V. t. 4, 5: Bot. reg. t.. 1042. (H. 
brasiliensis, Hort.) ?j. $. Rpr. 


Roxburghiaceae. 


Roxburghia gloriosoides, Lam. Bot. 
mag. 1500. h. $. Ostindien. Rpr. 4zäh- 
lige Blumen mit seltsamen Staubblät- 
tern. 


Philesia buxifolia, Lam. h. Magellans Bay. 


IT. Notizen. 


181 


Lapageria rosea, Pv. Bot. mag. 4447. V. | Sisyrinchium maculatum, Hook. Bot. mag. 


Houtte fl. d. s. V. t. 491. h. Chili in 
Wäldern. Grosse schöne Blume. Frucht- 
knoten einfächerig; Samen wandständig. 


Dioscoreae. 


Dioscorea sativa, L. Rheede hort. Malab. 
8 t. 51.— Linne Hort. Cliff. t.28. ?1. $. 
Diese ächte Art ist sehr selten, meistens 
findet man statt ihrer D. bulbifera, L. 
= Helmia . ... Kth. Rheed. h. Mal. t. 
7. t. 56. Whigt. ie. pl. ind. or. t. 878. 
— Beide werden in tropischen Ländern 
vielfach cultivirt. 

Dioscorea Batatas, Desn. v. Houtte fl. d. 
s. X. 971. China. Nutzpflanzung mit 
langkeuligen Knollen. Cultur, siehe v. 
Houtte fl. d. s. 11. p. 26. 

Testudinaria Elephantipes Burch. (Dios- 
corea ... .Spr. Tamus. . . L’Herit. Bot. 
reg. 921. Bot. mag. 1347. Capland. — 
Knolliger Stock mit gefeldeter Rinde. 


Taccaceae 


Ataceia cristata, W. Jack. V. Houtte A, 
d. s. ?j. Singapore. Rpr.! (Tacca inte- 
grifolia der Gärten, ist entweder die 
Pflanze Gawlsr’s in Bot, mag. 1488 od. 
T. lancaefolia Zoll. Morr.). 


Hydrocharideae. 


Vallisneria spiralis, L. Rchb. fl. D. VII. 
60. Südw. Europa. Die männliche Pf. 
sollte auch vorhanden sein in Gärten. 
Eine vielfach merkwürdige Pfl., wegen 
der Befruchtung, Blüthenbau, Saftbewe- 
gung in den Zellen sichtbar. 


Burmanniaceae. 


Aus dieser Familie ist wohl noch nirgends 
eine Art in Gärten vorhanden. 


Irideae. 


Sisyrinchium Bermudiana, L. Cav. diss, 
192. ?|. Bermudas-Insel. 

—  anceps, Lan. (S. gramineum, Ker. Bot. 
mag. 464). N.-Amerika, geflügelter 
Stengel. Blaue Blumen. 


3197. Chili. 

Sisyrinchium striatum , Smith. (Moraea ser- 
tata, Jacg. Hort. Schnbr. t.11. Bot. mag. 
701. Mexico. 

Libertia paniculata, Spr. (Renealmia . 
RBr.) ?[. S.-O.-Australien. 

Marica Sabina, Lindl. ?|. Ins. St. Thomas. 
Langgestreckte Ausläufer, 

Cipura coerulea, Endl. (Marica.... Ker.; 
Bot. reg. 713). Brasilien. R. G. 
Moraea edulis, Ker. Bot. mag, 630. M. ve- 

geta, Jacgq. ic. rar. t. 224. ?|. Capland. 

— tricuspis, Gawl. Vieusseuxia glauco- 
pis, D. C.) Bot. mag. 696 u. 772. Cap- 
land. Blume weiss, mit azurblauen 
Flecken. 

—  ciliata, Ker. Bot. mag. 1012. 7|. Cap- 
land. Blume variirt in der Farbe gelb, 
lila, karmoisin, Blume mit gelbem 
Flecken. 

Iris Xiphium, L. (J. variabilis Jacq.) Bot. 
mag. 686. ?|. Spanien und Portugal. — 
Rhizom. 

— tuberosa, L. Bot. mag. 551. ?|. S.-Eu- 
ropa. Rhizom. 

— moracoides, Ker., (Moraea iridioides, 
L. Jacq. H. Schnbr. 196.) ?j. Capland. 

—  chinensis, Curt.; Bot. mag. 373. (J. 

fimbriata, Vent. Hort., Cels. t. 9). ?j. 

Ostindien. Blüthezeit und Zartheit der 

Blumen. 

susiana, L. Bot. mag. 91. V. Houtte 

fd. 8. 11.1.108722]2 Persien, Grösse, 

und seltene düstere Farbe der Blumen. 

Cypella plumbea, Seidl. (Bot. reg. 1838 und 
Phallocallis — C. 3710. ?;. Mexico, 
Rpr. gen, grosse Frucht. 

TigridiaPavonia, Juss. (FerrariaPavoniaL.) 
Bot. mag. 532. v. Houtte fl. d. s. X. 
1632. 

Ferraria undulata, 1. Jacq. H. Vindob. t. 
63. Bot. mag. 144. Capland. Seltsame 
Blume. 

Pardanthus chinensis, Kees. (kxia...L.) 
Bot. mag. 171. Rpr. gen. V. Houtte 
fl. d. s. 1632 Trew. ic. sel. 52. 


(Fortsetzung folgt.) 


182 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


WW. Literatur 


1) Verzeichniss mit kurzer Be- 
schreibung über die Aussaat 
und Zucht der beliebtesten Nutz- 
und Ziergewächse, nebst Anlei- 
tung zu verschiedenen anderen 
Culturen, von Carl Schickler in Stutt- 
gart. (Commission von Gustav Weiss 
in Stuttgart). 


Dieses Schriftehen von 190 Seiten (in 
klein 8) ist eines derjenigen, welche Han- 
delsgärtner zur Anweisung für ihre Kunden 
und Ausbreitung ihres Rufs veröffentlichen, 
zeichnet sich aber von ähnlicher Anleitung 
durch eine grössere Menge von Specialeulturen 
aus, indem jede Pflanze einzeln besprochen 
wird. Die Culturanweisungen sind gut, na- 
türlich sehr kurz. Schon erfahrene Blumen- 
freunde können dieses Büchelchen mit Nutzen 
gebrauchen und dem Anfiünger zeigt es we- 
nigstens, was er mit den Samen oder Pflan- 
zen ungefähr zu thun hat. Etwas sehr 
kurz — 2 Seiten — ist die allgemeine Be- 
lehrung weggekommen. J. 


2) Taschenbuch für Pomologen, 
Gärtner und Gartenfreunde, he- 
rausgegeben von Ed. Lucas. V. Jahr- 
gang. Ravensburg, Dorn’sche Buch- 
handlung. 1865. 


Der Werth eines Taschenbuches besteht 
besonders in der Mannichfaltigkeit und Reich- 
thum des Inhalts. Unter diesem Gesichts- 
punkte übertrifft der vorliegende V. Jahr- 
gang seine sämmtlichen Vorgänger, 
wenn natürlich Vieles nicht neu ist, so wird 
doch jeder Gärtner und Gartenfreund so 
viel Brauchbares für sich finden, dass ihm 
das Buch werthvoll wird. Wir können es 
daher mit voller Ueberzeugung empfehlen. 
Der Mehrzahl nach sind die in dem Taschen- 
buche enthaltenen Aufsätze Arbeiten der 
Zöglinge des Pomologischen Instituts in 
Reutlingen. Von der Mehrzahl derselben 
kann man keine botanischen Meisterstücke 
erwarten, und es genügt auch, wenn bei 


und 


praktischen Sachen nur die Thatsachen rich- 
tig angegeben sind. Aber der Herr Heraus- 
geber hätte doch seine verbessernde Hand 
an manche sehr schülerhafte Arbeit legen 
sollen. Dergleichen mag als Examenarbeit 
oder schriftliche Debung genügen, man darf 
aber damit nicht vor das Publikum kom- 
men, und erwartet mit Recht gutes Deutsch. 
Dass dieser gerügte Mangel der Benutzung 
des Buches keinen Eintrag thut, braucht 
kaum erwähnt zu werden, denn wie gesagt, 
der Inhalt ist im hohen Grade belehrend. 


3) Kurze Anleitung zur Obstcultur. 
Als Leitfaden bei Vorträgen über Obst- 
bau an Seminarien, pomologischen- und 
Gartenbau- Instituten, landwirthschaft- 
lichen Lehranstalten und Fortbildungs- 
schulen, wie auch zum Selbstunterricht. 


Von Eduard Lucas. Ravensburg 
1866. Verlag der Dorn’schen Buch- 
handlung. 


Wenn ein Schriftsteller, wie der Ver- 
fasser, der schon Unübertroffenes in diesem 
Fache geleistet hat, mit einem neuen Buche 
hervortritt, so muss man es als ein beson- 
deres Ereigniss betrachten. Diese neue 
Schrift des berühmten Verfassers von nur 
6 Bogen umfasst den ganzen Obstbau, mit 
Ausnahme der künstlichen Baumzucht, dazu 
noch die Obstbenutzung und die Obstsy- 
steme. Es soll ein Schul- und Volksbuch 
und Zwecke auf 
höhere Veranlassung bearbeitet. Dass der 
Verfasser die Abfassung in die Hände nahm, 
ist um so höher anzuschlagen, als ähnliche 
kurze Anleitungen von sehr untergeordnetem 
Werth, viele sogar recht schlecht sind und 
ganz falsche Lehren verbreiten. Daher wird 
auch bald die Lacas’sche Anleitung zur Obst- 
eultur alle kleineren Bücher dieser Art ent- 
behrlich machen und verdrängen. Auf den 
inhalt können und wollen wir nicht ein- 
Es ist ein so durchdachtes Werk, 
dass die Kritik alles als gut annehmen muss, 
was darin steht. Dabei war Kürze und 


sein, wurde zu diesem 


gehen. 


IV. 


schärfste Fassung jeder Lehre das erste Be- 
streben des Verfassers. Das kleine Buch 
enthält auch 4 Tafeln über 100 sehr deut- 
liche Abbildungen, darunter manches Neue. 
Die Erläuterung der Abbildungen ist unge- 
- wöhnlich ausführlich. J. 


3) Der deutsche Pomologenver- 
ein hat den Rechenschaftsbericht 
von 1864-1865 veröffentlicht, und 
wir erfahren daraus, dass sich die Zahl der 
Mitglieder um 100 vermehrt hat, indem sie 
jetzt 500 beträgt. J. 


4) Vom Illustrirten Handbuch der 
Obstkunde, herausgegeben von 
Fr. Jahn, Ed. Lukas und J. G. C. 
Oberdieck ist jetzt die vierzehnte 
Lieferung (vierten Bandes III. Lieferung) 
Aepfel enthaltend, erschienen. 


Es wurden bis jetzt 541 Aepfel- und 
442 Birnsorten, sowie 109 Kirschen und 117 
Pflaumen beschrieben und in ihren Durch- 
schnitten abgebildet. Welche Ausdehnung 
das Werk erhalten soll, ist noch nicht be- 
kannt geworden, auch ist kein Käufer auf 
mehr als einen Band verpflichtet. Nach un- 
serer Ansicht scheint es doch zweckmässig, 
dem vortrefflichen Werke bestimmte Grenzen 
zu setzen, denn wollte man so lange fort- 
fahren, als sich noch unbeschriebene oder 
nicht in diesem Werke beschriebene brauch- 
bare Obstsorten finden, so würde das Werk 
endlos werden. Nachträge oder Folgen 
werden und können nicht ausbleiben; aber 
neue Obstsorten gehören vorläufig nurin die 
periodischen Schriften. Vor allen Dingen 
dürfen die Besitzer einen Band über die 
bisher noch nicht berücksichtigten Obst- 
früchte: Beerenobst, Nüsse, Kastanien etc. 
mit Recht erwarten, ehe man mehr neue 
Kernobstfrüchte beschreibt. J. 


4) Verhandlungen urd Mittheilun- 
gen des Gartenbau-Vereins in 
Erfurt, herausgegeben vonF. Jühlke, 
bearbeitet von Th. Rümpler. Berlin 
1862. Verlag bei G. Bosselmann. — 


Ein Band voller interessanter und nütz- 
licher Daten für Deutschlands Gartenbau. 


Literatur. 


183 


Alle die tüchtigen Gärtner Erfurts geben da 
ihre Voten über Culturen etc, ab, — und 
der unermüdlich thätige, für die Interessen 
des Gartenbaues immer mit Liebe und ge- 
läuterter Intelligenz eintretende Jühlke, so- 
wie Hr. Th. Rümpler, sie haben dem rei- 
chen Stoff gerade die geeignete Form gege- 
ben, damit die dort gesammelten Erfahrun- 
gen für jedermann nutzbar werden können. 
Zwei Gegenstände wollen wir aus diesem 
Bericht hervorheben, nämlich eine Verhand- 
lung im Schoosse ‘des Vereins über die in 
Mitteldeutschland nocb ganz harten Conife- 
ren, — und einen Artikel über Rosencultar 
von Metz. — 

Als im Thüringer Klima, wo die Win- 
terkälte zuweilen auf — 20° R., ja selbst 
bis — 26° R. fallen kann, erwiesen sich 
als noch ganz harte Coniferen: 

Biota orientalis Endl. nebst Abarten, 
wie B. aurea, pyramidalis, tatarica, nepalen- 
sis, chinensis ete. 

Cephalotaxus drapacea Sieb. et Zuce. 

Chamaecyparis nutkaensis Spach. (Thui- 
opsis borealis.) 

Cypressus Lawsoniana H. Angl. 

Juniperus chinensis L. 

Juniperus communis L. 
täten. 

Juniperus nana Wild. (alpina). 

Juniperus Sabina L. 

Juniperus virginiana L. und Varietäten. 

Pinus mandschurica Rupr. 

Pinus Pinsapo Boiss. 

Pinus Pichta Fisch. 

Pinus Nordmanniana Stev. 

Taxus baccata L. und dessen Abarten 
als T. fastigiata oder hybernica, elegans etc. 

Thuja occidentalis L. 

Wellingtonia gigantea Willd. 

Zu diesen wollen wir neben den ein- 
heimischen Tannen (P. Abies, Picea, syl- 
vestris, montana, Larix L. und Pumilio) 
als gleichfalls im mittleren und nörd- 
lichen Deutschland durchaus dauerhafte Ar- 
ten hinzufügen, Pinus Cembra L., pumila 
Rgl., balsamea L., alba L., orientalis L., 
obovata Ledb., pendula Lamb., Ledebouri 
Endl. (Larix sibiriea), microcarpa Lamb» 
dahurica Fisch., nigra Ait,, rubra Lamb. 


und Varie- 


184 


Strobus L., Juniperus prostrata Pers., Taxo- 
dium distichum Rich. *) — Zu diesen tre- 


*) Die eursiv gedruckten Arten sind noch 
im Petersburger Klima _ hart. 
sern 


Unseren Le- 
in Russland wollen wir noch bemer- 
ken, dass Juniperus communis L. zwar in 
den Laubwaldungen um Petersburg noch 
stellenweis häufig wild wächst, dennoch 
aber in Gärten oft erfriert, wenn er auf einem 
feuchten guten Boden steht. Pflanzt man 
solchen aber auf einem trockenen sandigen 
Boden, oder in Schutz von Bäumen, so wi- 
dersteht er unseren härtesten Wintern. In 
dem harten Winter vor 3 Jahren, erfror 
derselbe auch in solchen Waldungen um 
Petersburg bis zum Schnee ab, die einen 
nassen Untergrund besitzen. J. Sabina und 
nana, bilden bei uns niedrige, dem Boden 
nach kriechende schöne immergrüne Büsche. 

Von den ächten Pinus-Arten mit langen 
Nadeln ist P. Cembra L. die schönste un- 
serer einheimischen Arten, die zu schönen 
mächtigen Exemplaren erwächst, Sie ist 
noch durch das ganze miitlere Sibirien ver- 
breitet. P. mandschurica Rupr. gehört zu 
den von Maximowicz im Amurgebiet ent- 
deckten Kiefern, ist ähnlich der P. Cembra, 
trägt aber noch grössere Zapfen. Es ist 
das eine noch seltene Art, von der bis jetzt 
nur sehr geringe Quantitäten Samen einge- 
führt werden konnten. P. pumila Rgl. ist 
auch als P. Cembra pumila Pall. bekannt. 
Solche ist mehr im nördlichen Sibirien zu 
Hause. Sie unterscheidet sich durch klei- 
nere Zapfen, strauchigen Wuchs und durch 
die Blätter von P. Cembra. P. sylWvestris 
ist unsere gemeine Führe. P. Strobus L., 
die Weimuthskiefer Nordamerikas ist gleich- 
falls in Petersburg noch ganz hart. P. 
montana und Pumilio sind die der Föhre 
verwandten niedrigeren Formen der Alpen 
Europas. — 

Die Fichten mit kurzen Nadeln und an 
der Spindel sitzen bleibenden Schuppen des 
Zaptens sind ausser der gemeinen Fichte 
P. Abies L.nurnoch durch dieam Ural und in 
Sibirien heimische P. obovata Ledb. vertre- 
ten, welche der gemeinen Fichte ziemlich 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


ten längs der Ufer des Rheins, in Belgien, 
Holland, der nördlichen Schweiz und Süd- 


ähnlich ist. P. orientalis L., die von man- 
chen für identisch mit letzterer gehalten 
wird, friert in Petersburg immer wieder bis 
zum Schnee ab und unterscheidet sich’ auch 
durch den viel gedrungneren Wuchs. 

Unter den eigentlichen Tannen mit kur- 
zen Nadelnund von der Spindel abfallenden 
Zapfenschuppen ist für Petersburg die Pinus 
Pichta Fisch. vom Altai die wichtigste. Ein 
hoher prächtiger, "ganz harter pyramidaler 
Baum, von majestätischem Wuchse. Die 
Edeltanne Deutschlands (P. Picea L.) friert 
in Petersburg, wie die Tanne des Caucasus 
(P. Nordmanniana Stev.) bis zum Schnee 
ab. Dagegen sind P. alba L., P. balsamea 
L., P. nigra Ait., die prächtigen Tannen 
Nordamerikas noch durchaus hart, aber doch 
nur sehr selten in unseren Parks und Gär- 
ten anzutrefien. 

Von Lärchen ist ausser der gemeinen 
viel angepflanzten Art (P. Larix L), die 
Pinus Ledebouri Endl. (Larix sibiriea) aus 
Sibirien, nach unserer Ansicht von der Lär- 
che Europas gar nicht verschieden. Eine 
hübsche Abart mit hängenden Zweigen, ver- 
dient allgemeinste Verbreitung (P. Larix 
pendula). P. pendula Lamb. aus Nordame- 
rika findet sich in Petersburgs Gärten in 
einzelnen Exemplaren. Sie wächst ähnlich 
wie das Knieholz (P. Pumilio), mit halb 
niederliegendem gebogenem Stamme, die 
Spitze gleichfalls hängend und mit auffal- 
lend hängenden Zweigen. Es ist dies eine 
sehr schöne Lärche für die Gärten, — leider 
aber überzeugen müssen, 
dass solche aus Samen nicht constant ist. 
Unter Hunderten von Sämlingen behielten 
nur wenige ihren eigenthümlichen Wuchs, 
der grösste Theil wuchs gerade empor, — 
und so halten wir diese Hinge-Lärche Ame- 
rika’s gleichfalls nur für eine Form der 
P. Larix L. 

Zwei schöne Lärchen sind noch P. mi- 
crocarpa Lamb. aus Amerika und P. dahu- 
rica Fisch. aus dem südlichen Sibirien. Die 
erstere besitzt einen dünneren Stamm und 


haben wir uns 


IV. Literatur. 


deutschland noch eine Masse anderer Na- 
delhölzer, von denen wir als sehr schöne 


sehr kleine Zapten, die andere wird so hoch 
und stark wie die gewöhnliche P. Larix, 
und ihre Zapfen stehen in der Grösse ge- 
rade zwischen P. mierocarpa und P. Larix. 
Im Botanischem Garten befinden sich grosse 
mächtige Exemplare von der letzteren aus- 
gezeichneten Art. — Unter den Lebens- 
bäumen erträgt nur Thuja oceidentalis Z. 
aus Nordamerika, mit seinen Abarten,, das 
Petersburger Klima, verlangt aber einen 
wasserfreien Boden und etwas geschützten 
Standort. — Ist auch die Zahl der in Pe- 
tersburg noch aushaltenden Coniferen nicht 
sehr gross, so könnte doch durch vermehrte 
Anpflanzung der genannten Arten unseren 
Gärten und Parks ein grösserer Reiz ver- 
liehen werden. 

Noch eine allgemeine Bemerkung, sei es 
uns erlaubt, dem Obigen hinzuzufügen. 

Wir haben der Abarten mit hängenden 
Aesten, von der P. Larix erwähnt. Man 
findet auch in den Waldungen und Parks 
um Petersburg, einzelne Exemplare der 
Fichte (P. Abies) mit auffallend hängenden 
Zweigen. Aehnlich verhalten sich auch 
viele unserer alten Birken, von denen man 
häufig Exemplare, mit in viel höherem Grade 
hängenden Aesten findet, wie dies z. B. in 
Deutschland der Fall ist. Der Referent 
machte ferner im Winter bei hoher Kälte, 
wenn die Zweige der Bäume und Sträucher 
nicht von Schnee belastet waren, so dass 
also der Schneedruck keinen Einfluss aus- 
üben konnte, wiederholt die Beobachtung, 
dass nur durch den Einfluss der Kälte, die 
Zweige sich auffallend stärker nach dem 
Boden zuneigten. Diese Beobachtung wurde 
an sehr verschiedenen Holzgewächsen,, be- 
sonders aber an Alleen von Linden und an 
grossen Exemplaren von Crataegus sangui- 
nea gemacht. Die Veränderung der Rich- 
tung der Aeste an Wegen wurde so bedeu- 
tend, dass Zweige, die bei niedrigeren 
Kältegraden gar nicht genirten, nur un- 
term Einfluss der höheren Kältegrade, den 
Weg theilweiss sperrten. 


185 


Arten hervorheben wollen: Cryptomeria 
Japonica Don., Thuiopsis dolabrata Sieb. et 
Zuce., Cunninghamia sinensis R. Br., Juni- 
perus Oxycedrus L., recurva Hamilt., squa- 
mata Don , Pinus cephalonica Endl., cana- 
densis L., Cedrus L., Deodora, Massoniana 
Lamb., nobilis Dougl., Thuja gigantea Nutt. 
— und überhaupt die Coniferen aus dem 
nordwestlichen Amerika und aus dem nörd- 
lichen Japan und China. — 

Wir gehen damit auf den Artikel des 
Hrn. Metz über Rosencultur über. Derselbe 
empfiehlt zunächst die Anzucht von kräf- 
tigen Rosenwildlingen zu Hochstämmen aus 
Samen, was in der Gartenflora schon ein- 
lässlich besprochen ward. Zur Veredlung 
zieht Hr. Metz das Oculiren auf’s schlafende 
Auge im Spätsommer, allen anderen Vered- 
lungsmethoden vor. Ueber die Veredlung 
mittelst Copulirens ete. und die fernere 
Cultur, sagt Hr. Metz wörtlich das Folgende: 

„Das Pfropfen und Copuliren ist eine 
Arbeit des Frühjahrs und kann auf ver- 
schiedene Weise ausgeführt werden. Die 
Sämlinge werden entweder im Herbst mög- 
lichst zeitig in Töpfe gepflanzt, um später 
veredelt und im Gewächshause oder Mist- 
beete aufgestellt zu werden. 

Die geeignetste Periode, diese Vered- 
lung vorzunehmen, liegt zwischen Anfang 
März und Anfang April. Zeitigere Vered- 
lungen schlagen nicht immer gut an, es 
müsste denn sein, man hätte die Sämlinge 
schon ein Jahr lang in Töpfen eultivirt und 
besässe zum Antreiben passende Räumlich- 


Das Niederliegen der Stämme und 
Zweige der Holzgewächse der höchsten Al- 
pen und des hohen Nordens wird theils 
durch den Schutz der Erdwärme, theils 
durch den Schneedruck erklärt. Die obige 
Beobachtung zeigt, dass aber auch lediglich 
andauernde hohe Kälte, eine bedeutende 
Neigung der Zweige bedingt. 

Wir führen diese Thatsache hier nur 
an und empfehlen solche der Beobachtung 
der Herren Anatomen, um für diesen Ein- 
fluss niedriger Temperaturen eine Erklärung 
zu geben. (E. R.) 


186 


keiten. In diesem Falle kann man schon 


im Januar zu veredeln anfangen. 

Die Veredlung in Töpfen ist sehr be- 
quem. Ehe man jedoch mit der Arbeit be- 
ginnt, müssen die Wildlinge etwas angetrie- 
ben worden sein, denn nur dann geht die 
Granulation rasch und sicher von statten, 
sofern die Unterlagen in lebhafter Vegeta- 
tion sind. Man schneidet die Wildlinge 
dicht über dem Wurzelkopfe ab, so dass 
von diesem 1—2 Augen für den Zug stehen 
bleiben. Je nach der Beschaffenheit der 
Reiser wendet man verschiedene Methoden 
an. Man pfropit entweder in den vollen 
oder in den seitlichen Spalt, mit abgewor- 
fenem Wildholze; oder man lässt den Wild- 
ling ungekürzt und schiebt das keilförmig 
zugerichtete Edelreis in den seitlichen Spalt. 
Unter Copuliren fasse ich die eigentliche 
Copulation, das Anschäften und das Anplat- 
ten zusammen, da ein wesentlicher Unter- 
schied in diesen verschiedenen Formen nicht 
besteht. Alle Methoden sind gleich gut, und 
wenn sie sorgfältig ausgeführt werden, so 
sind die Resultate dieselben und man be- 
merkt auch künftig Nichts, was zu Gunsten 
der einen wie der andern spräche. Alle 
offenen Stellen verstreiche ich mit kalt-flüs- 
sigem Baumwachs. Zum Verbinden wähle 
man ein gutes, festes Bast, was dem Garne 
vorzuziehen ist. Sobald die Edelreiser an- 
gewachsen sind, muss der Verband abge- 
nommen werden. Die Granulation geht bei 
Sämlingen überaus rasch von statten, und 
wenn man nicht recht aufmerksam auf die 
Fortschritte der Vernarbung ist, so ist das 
Edelreis verunstaltet, ehe man es sich ver- 
sieht. Besonders beim Oculiren ist die recht- 
zeitige Entfernung des Verbandes von be- 
sonderer Wichtigkeit. Hierbei ist für -die 
Verwachsung ein Zeitraum von 2—3 Wo- 
chen erforderlich; beim Pfropfen hingegen 
dauert es bis zur vollständigen Vernarbung 
3—4 Wochen. 

Gleich nach der Veredlung werden die 
in Töpfen befindlichen Rosen wieder in et- 
was erhöhte Temperatur gebracht. Doch 
hüte man sich vor zu hohen Wärmegraden 
und einer dadurch. herbeigeführten Ueber- 
reizung, da in Folge derselben das Edel- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


holz nicht selten zurückgeht. Man kann’ 
auch im ersten Frühjahr die Wildlinge aus 
dem Boden nehmen, sie veredeln und sie 
nach beendigter Arbeit in das freie Land 
pflanzen und zwar so tief, dass das oberste 
Auge hart über der Erde: steht. Feuchte 
warme Luft ist die Hauptbedingung des An- 
wachsens. Bei starkem Sonnenschein gebe 
man dem Topf, wie den Handveredlungen 
Schatten. 

Zu den letzteren wähle man nur harte 
Rosen. Ist die Witterung im Frühjahr warm 
und feucht, so darf man auf das Gelingen 
derselben rechnen; ist es aber rauh, kalt 
und windig, so sind Verluste nicht zu ver- 
meiden; für einen solchen Fall kommt ein 
mässiges warmes Mistbeet trefflich zu stat- 
ten Der Abstand, in dem die veredelten 
Rosen gepflanzt werden müssen, betrage 
mindestens 1 Fuss, da sie bald sehr kräftig 
vegetiren; sollen sie hingegen an der Aus- 
pflanzstelle bleiben, so müssen sie minde- 
stens 2 Fuss Abstand erhalten. Je nach 
der Starkwüchsigkeit der Sorten sind jäh- 
rige Triebe von 2—6 Fuss gewöhnlich. Bei 
einigen Sorten werden sie noch höher, zu- 
mal dann, wenn der Boden gut zubereitet 
und im Sommer fleissig bewässert wurde. 
Für die Veredlung in Töpfen wähle man 
weichere Rosen, als Thee-, Bourbon, Noi- 
sette- und Bengal-Rosen. Auch diese pflanze 
man von Anfang April bis Mitte Mai in 
das Freie. 

Dem Pflanzen der Rosen muss die 
vollste Aufmerksamkeit gewidmet werden. 
Vor Allem setze man die Stöcke nie tiefer, 
als sie vorher gestanden haben. Veredelte 
Rosen möglichst tief zu setzen, um sie zu 
wurzelächten zu machen, halte ich tür durch- 
aus verkehrt, dain Ansehung der Schönheit 
und des Reichthums der Blüthe, wie auch 
in der Kraft des Wachsthums veredelte Ro- 
sen die wurzelächten weit übertreffen. Will 
man durchaus wurzelächte Rosen pflanzen, 
so nehme man schon bei der Anzucht da- 
rauf Rücksicht. 

Wenn es auch bei der bisherüblich ge- 
wesenen Benutzung unproductiver Ausläufer‘ 
bisweilen nothwendig war, tief zu pflanzen, 
so sind wir doch bei. der Anwendung: vom 


IV. Literatur, 


Sämlingen dieser auf Erhaltung der Pflan- 
zen. gerichteten Vorsichtsmaassregel über- 
hoben; denn hier ist die Verwachsung der 
edlen Rosen mit der Unterlage eine so in- 
nige, dass 
die Veredlungsstelle kaum mehr zu ent- 
decken ist, und cin Absterben der edlen 
Theile auf der kraftvollen Unterlage nur 
ausnahmsweise vorkommen kann. 

Grundsatz ist es bei mir, die frisch ver- 
edelten Rosen so einzupflanzen, dass die 
Veredlungsstelle hart über die Erde zu 
stehen kommt. Die Wurzeln der Rose 
gehen gern in die Tiefe, Bei einer zu tie- 
fen Pflanzung würden sie entweder bald 
auf ein starkes Erdreich stossen, oder sie 
würden doch wenigstens des Einflusses der 
Luft und der atmosphärischen Niederschläge 
zu sehr beraubt werden. 

Zu tief gepflanzte Rosen verrathen sich 
durch minder üppiges Wachsthum und durch 
kränkliches Aussehen. Beim Pflanzen selbst, 
sehe man darauf, dass die Wurzeln gleich- 
mässig ausgebreitet, mit lockerem gutem 
Erdreiche überdeckt und gehörig einge- 
schlämmt werden, gleichviel ob die Pflan- 
zung im Herbst oder im Frühjahr geschieht. 
Ein Festtreten des Bodens, wie es noch fast 
überall üblich, halte ich für durchaus zweck- 
widrig und nachtheilis. Die Wurzeln 
schone man so viel als immer möglich und 
setze das Messer nur an solche, welche be- 
schädigt sind. 

Harte Rosen kann man mit Vortheil 
im Herbst pilanzen, die zarteren Sorten da- 
gegen müssen im Frühjahre ausgesetzt wer- 


nach einjährigem Wachsthum 


den. Ein öfters wiederholtes Auflockern des 
Bodens während des Sommers ist sehr 
wichtig. 


Der Schnitt der Rosen ist eine 
Verrichtung, die eine längere Erfahrung und 
genaue Kenntniss der Sorten erfordert. Man 
kann im Herbste wie im Frühjahr schnei- 
den. In Folge des Herbstschnittes bilden 
sich während des Winters latente Augen 
aus, und die Rosen blühen im nächsten 
Jahre etwas zeitiger. Kräftige und schon 
recht buschige Rosen, die zu den härte- 
ren und weniger reizbaren Gruppen ge- 
hören, schneide man: im Herbst, schwäch- 


187 


liche Rosen, und leicht austreibende Sorten, 
erst im Frühjahre. 


Im Uebrigen darf niemals vergessen 
werden, dass die verschiedenen Wachs- 
thumsweisen und sonstige charakteristische 
Verschiedenheiten über die Art, wie über 
die Zeit des Schnittes entscheiden. 


Kurz vor oder nach der Ruheperiode 
verträgt die Rose im Allgemeinen jeden, 
selbst einen sehr starken Schnitt, weniger 
gut dagegen im Sommer, und rathe ich Un- 
erfahrenen, im Sommer lieber mit dem 
Messer von den Rosen weszubleiben, und 
sich darauf zu beschränken, die abgeblühten 
Rosen zu entfernen. Starkes Schneiden im 
Sommer reizt die Pflanzen zu unzeitigem 
und übermässigem Wachsthume und bewirkt 
Abschwächung und unter Umständen den 


Tod. — 


Möge man aber im Herbst oder im 
Frühjahr schneiden, stets geschehe es mit 
Rücksicht auf Formgebung der Pflanze. Zu 
buschige Pflanzen dünne man gehörig aus, 
indem man alles schwächliche und übelge- 
stellte Holz beseitigt. 


Ferner arbeite man auf beständige Ver- 
jingung hin. Die jüngsten Triebe sind in 
der Regel auch die kräftigsten und erzeugen 
mithin auch die vollkommensten Blumen. 
Hat man deshalb vieles junges Holz, so be- 


seitige man das ältere gänzlich. 


Bei noch jungen Rosen , welche in der 
Regel nur einen Trieb machen, und doch 
buschig werden sollen, ist das Einkneipen 
des Triebes in krautartigen Zustande zu 
empfehlen. Dadurch werden alle diejenigen 
Augen, welche ausserdem latent geblieben 
wären, angeregt, und erzeugen bald die ge- 
wünschte grössere Menge von Trieben. 

Als zum Schnitt gehörig kann man das 
Ausbrechen der Knospen im Frühjahr be- 
trachten, und als einen Gegenstand von 
Wichtigkeit. Nur muss diese Operation 
nach einem für jede Pflanze besonders zu 
entwerfendem Plane ausgeführt werden. 
Dann gewährt sie auch bedeutende Vor- 
theile. Denn die so behandelte Pflanze wird 
die in ihr aufgespeicherten Stoffe, nur auf 
die Entwickelung eines Drittels oder. der 


188 


Hälfte der Augen verwenden, und also viel 
kräftigere Triebe erzeugen können. 

Im Klima von Nord- und Mitteldeutsch- 
land verlangen die Rosen während des 
Winters mehr oder weniger Schutz gegen 
Frost. Die vorzüglichste Bedeckung ist 
Erde. Hochstämmige Rosen werden zur 
Erde gebeugt, hier, wenn es nöthig ist, mit 
einem schief darüber in den Boden ge- 
steckten Holze festgehalten und in allen ih- 
ren Theilen, sowohl Stamm als Krone, mit 
Erdreich gedeckt, stärker oder schwächer, 
je nach dem Härtegrade der Sorte. Für die 
Krone eine Höhlung aufzuwerfen, habe ich 
durchaus unzweckmässig gefunden, da auf 
solche Weise die Augen durch Feuchtigkeit 
leiden. Bei den feineren Sorten ist es wohl- 
gethan, wenn man sie erst mit Fichtenreis 
deckt, und dann das Erdreich darüber wirft. 


In jedem Falle aber lege man die Krone | 


flach auf die Erde. 

Ich konnte mich innerhalb der Gränzen, 
die ich meiner Arbeit gezogen, nur auf das 
Allgemeine der Rosencultur einlassen.‘ 


5) H. Karsten, Botanische Untersuchun- 
gen aus dem Physiologischen Labora- 
torium der landwirthschaftlichen Lehr- 
anstalt in Berlin. Berlin 1865. Verlag 
von Wiegand und Hempel. 


Wir haben schon wiederholt 
hingewiesen, dass der jetzige Herr Minister 
der landwirthschaftlichen Angelegenheiten in 


darauf 


Preussen, Herr von Selchow, die hohe Wich- | 
und Gar- | 


tigkeit, welche Landwirthschalt 
tenbau das staatliche Leben haben, 
nicht blos in vollem Maasse würdiget, son- 
dern auch in diesem Zweige bereits vieles 
angebahnt hat, dessen segensreiche Folgen 
ip der Zukunft nicht ausbleiben werden. So 
ist an der landwirthschaftlichen Lehranstaltin 
Berlin, auf Veranlassung des Herrn Ministers, 
auch ein physiologisches Laboratorium ein- 
gerichtet worden, welches unter der Leitung 
des Herrn Professors H. Karsten steht, 
während Hr. P. Sorauer als Assistent an 
demselben fungirt. Zweck und Autgabe 
dieses Laboratoriums ist es, mit Landwirth- 
schatt, Forstwirthschaft und Gartenbau in 
Verbindung stehende, noch ungelöste Fra- 


für 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


gen wissenschaftlich zu prüfen und so die 
Resultate der Wissenschaft der Praxis dienst- 
bar und nutzenbringend zu machen. Eine 
Anstalt, die in so tüchtige Hände gelegt 
ist, kann nur die günstigsten Resultate zur 
Folge haben 

Die oben angezeigte, in ungebundenen 
Heften erscheinende Zeitschrift macht es 
sich nur zur Aufgabe, die im physiologi- 
schen Laboratorium zu Berlin, — sowie die 
von anderen Gelehrten Deutschlands, in Ver- 
bindung mit Landwirthschaft, Forstwissen- 
schaft und Gartenbau stehenden wissenschaft- 
liehen Untersuchungen zu publiziren und 
so zum Gemeingute aller zu machen. Wir 
wünschen diesem nützlichen Unternehmen 
den besten Fortgang und geben solchem 
von unserer Seite die kräftigste Empfehlung 
mit auf den Weg. 

Das erste uns vorliegende, gut ausge- 
stattete Heft enthält 6 Abhandlungen, näm- 
lich: 

1) P.Sorauer, über die Spaltöffnungen 
der Liliaceen. Der Verfasser giebt zunächst 
eine geschichtliche Darstellung der Ansichten 
über die Spaltöffnungen. Nach den Uhnter- 
suchungen derselben entstehen solche, indem 
in einer Epidermiszelle 3 Tochterzellen ent- 
stehen. Die seitlichen derselben stellen 
nach Resorption der Mutterzelle, die die 
Spaltöffnungen begränzenden Zellen dar, 
aus der zentralen Zelle bildet sich aber die 
Spaltöffinung selbst. — Der Verfasser geht 
nun zur Zwiebelbildung der Liliaceen über 
und zeigt, dass auch an den Zwiebelschup- 
pen Spaltöffnungen vorkommen, wenn auch 
nur einzelne und zwar an den Theilen der 
Zwiebelschuppen am meisten, welche dem 
Zutritt der Luft ausgesetzt sind. An den 
jüngsten Schuppen der Zwiebel oder den 
Blattbasen der Blätfer desgleichen Jahres 
von Hyaeinthus machte der Verfasser seine 
Beobachtungen über die Entwickelungsge- 
schichte der Spaltöffnungen. 

2) M. Willkomm, vorläufige Mit 
theilung über die Rothfäule der 
Fichte. Die Rothfäule der Fichte beginnt 
in den mittleren Jahresringen mit einer 
röthlichen Färbung, die immer dunkler und 
zuletzt schwarzbraun wird, später tritt eine 


IV. Literatur. 


Lockerung und zuletzt sogar eine Verjau- | 
chung der angegriffenen Holzschichten ein, 
wobei jedoch die äusseren Holzschichten | 


nicht angegriffen werden. — Das Mikroskop 


zeigt nun, dass diese Krankheit mit einer 


Pilzbildung in Verbindung steht. Zuerst 
wird nur ein Fadenpilz nachgewiesen, der 
die Zellen theils durchsetzt. Es ist dieser 
Pilz noch nicht fructißzirend gefunden, ge- 
hört also in die Reihe der noch in dem 
ersten Stadium ihrer Entwickelung stehenden 
Pilzformen. Hartig hat solchen Nyceto- 
myces fuscus genannt. In einem späte- 
ren Stadium der Krankheit des Holzes, geht 
aus seinem sterilen Mycelium der fructifi- 
zirende Fadenpilz hervor, den man in den 
stark gebräunten oder jauchigen Holztheilen 
findet. Dieser fructifizirende Pilz besteht 
aus ungegliederten verästelten Fäden, die 
stellenweis oder in den Spitzen ihrer Aeste 
eine Menge kettenförmig neben einander lie- 
gende Sporangien im Innern des Fadens ent- 
wickeln. Mit der Entwickelung des fructi- 
fizirenden Pilzes aus seinem sterilen Myce- 
lium, (dem Nyctomyces fuseus) geht auch 
die schnellere Yerderbriss und Fäulniss des 
Holzes Hand in Hand. Neben diesem brau- 
nen, später so massenhaft fruktifizirenden 
Fadenpilze, dass es dessen Sporangien sind, 
welche die dunkle Farbe des verdorbenen 
Holzes bedingen, finden sich aber auch 
weisse verästelte Pilzfäden eines anderen 
Fadenpilzes, den Hartig Nyetomyces 
eandidus genannt hat. Diesen, der ein 
weisses schwammiges Gewebe bildet, sah 
der Verfasser nie fructifiziren ,„ er sagt aber 
selbst, dass wahrscheinlich ein Zusammen- 
hang zwischen beiden Pilzformen bestehe, 
den aufzudecken, durch fernere Untersu- 
chungen, sick unser geehrter Freund noch 
als Aufgabe stellt. Ebenso ist es zwar klar, 
gass der fructifizirende Pilz die erste Ur- 
sache der Krankheit ist, wie solcher aber 
gerade in die inneren Stammschichten ge- 
bracht wird, ist noch nicht aufgedeckt. Je- 
denfalls dürfte solches, wie dies der geehrte 
Verfasser vermuthet, durch keimende Sporen, 
die mit ihren Fäden die lebendigen, äusse- 
ren Holzschichten durchsetzen und erst in 
den schon todten Schichten des inneren 


189 


S tammes, ihre verheerende Wirkung begin- 
nen, sehr wahrscheinlich entstehen. 


3) Beitrag zur Kenntniss der 
Mohrrübe von Dr. Fröhde und P. 
Sorauer. Ein interessanter Aufsatz über 


Wachsthum der Möhren, über deren chemi- 
sche Bestandtheile und über den Stärkege- 
halt der verschiedenen Sorten. 

4) Das Rothwerden älterer Kie- 
begleitet von parasitischen 
Pilzen von H. Karsten. Der geehrte 
Verfasser hat die Entfärbung der Kieferna- 
deln (Pinus-Nadeln), die vorzugsweise an 
den jungen Trieben derselben ‚vorkommt, 
einer einlässlichen Untersuchung unterwor- 
fen. Er fand verschiedene Formen der Ent- 
färbung, die stets mit Pilzbildungen in Ver- 
bindung standen. Die . verschiedenen Pilze 
sind nebst der Art ihres Wachsthums im 
Innern des Blattes dargestellt. — 

5) Ueber die Pilze, welche die 
Trockentäule der Kartoffeln be- 
gleiten, von H. Karsten. Die Trocken- 
fäule der Kartoffeln beginnt mit einer Ver- 
änderung der Knospen der Knolle und der 
Entfärbung und Erkrankung der mit den 
Knospen in Verbindung stehenden Gefäss- 
bündel. Karsten lässt es unentschieden, ob 
die an trockenfaulen Kartoffeln wachsenden 
Schimmelpilze die Ursache oder Folge dieser 
Krankheit und beschreibt mehrere Schimmel- 
pilze, die er an trockenfaulen Kartoffeln 
beobachtet hat. Dabei bestätigt derselbe 
eine schon mehrfach ausgesprochene An- 
sicht, dass ein und derselbe Schimmelpilz, 
je nach der chemischen Beschaffenheit der 
ihn ernährenden Flüssigkeit, sehr verschie- 
denartige Formen annehmen könne. 

6) Ursache einer Mohrrüben- 
krankheit von H. Karsten. Der Ver- 
fasser erhielt Exemplare der weissen grün- 
köpfigen Möhre, die sich durch einen stel- 
lenweis über die Oberfläche verbreiteten 
gelblichen Anflug von gesunden Exemplaren 
unterschieden und bei Durchschnitten kleine 
bräunliche Stellen zeigten, die sich vorzüg- 
lich zwischen Innen- und Aussenrinde ver- 
breiteten. Als Ursache dieser Krankheit, die 
beim Nebeneinanderliegen von einer Möhre 
auf die andere übergetragen wird, weist 


fern, 


190 


Karsten zwei Schimmelpilze, Sporides- 
mium exitiosum Kühn, von Kühn auch 
auf den Blättern der Mohrrübe beobachtet, -- 
und eine andere Gattung, die Karsten He- 
licosporangium parasiticum nennt, 
nach. Der erstere Pilz besetzt einfache 
spitzenständige Sporangien und wird in ei- 
ner anderen Form auch dem Raps sehr 
schädlich, — der zweite Pilz trägt von einer 


Gewebsschicht umhüllte Sporangien, deren | 


jedes wieder viele Sporen enthält. Karsten 
hält es für möglich, dass der letztere Pilz 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


nur die vollkommen ausgebildete Form des 
ersten ist, hat den Zusammenhang zwischen 
beiden aber noch nicht aufinden können. 
7) Karsten, über die Geschlechts- 
thätigkeit der Pflanzen. Man erhält 
in diesem längeren Aufsatz eine schöne 
klare Uebersicht der Geschlechtsorgane und 
der Befruchtungsgeschichte, von den ein- 
fachsten bis zu den vollkommensten Pflan- 
zen, durch gute Figuren erläutert. 
(E. R.) 


V. Personalnotizen und Neuestes ete. 


1) Magister Schmidt. Vom Hrn.Ma- 
gister Schmidt 
rien eingegangen. Derselbe ging den Jenis- 
see aufwärts, hatte schon ein Stück Haut 
von dem Mammuth erhalten, das er aufzu- 
suchen, ausgesendet ist und hatte ausserdem 
noch Nachrichten von einer zweiten Leiche 
dieses mächtigen Thieres der Vorwelt er- 
halten, das an der Bucht des Jenissee lie- 
gen soll. — 

2) Alwardt und Schröder. Der Tod 
hat in dem letzten Winter unerbittlich unter 
den älteren, allgemein geachteten Gärtnern 
Petersburgs aufgeräumt. Wir meldeten den 
Tod der Hofgärtner Bettzich und Erler. 
Bald nach dem letzteren starb im März 
Herr Schröder, ein geborner Schleswig- 
Holsteiner, der schon seit 1850in Petersburg 
einer Handelsgärtnerei vorstand und zugleich 
die Gartenanlagen der Stadt Petersburg 
beaufsichtigte. Derselbe war eines der thä- 
tigsten Mitglieder des hiesigen Gartenbau- 
vereins und war 6 Jahre Mitglied des Vor- 
standes desselben. Strenge Rechtlichkeit, 
eine seltene Milde und Freundlichkeit in sei- 
nem ganzen Wesen zeichneten denselben 
aus und hatten ihm die Liebe und Zunei- 
gung aller seiner Collegen erworben. 

Alwardt war in Rostock geboren. Er 
kam 1819 nach Russland und erlernte beim 
Handelsgärtner Marsell die Gärtnerei. 


sind Nachrichten aus Sibi- | 


Schon 1833 ward er als Hofgärtner in Ka- 
menoi-Ostrow angestellt. Sein strebsames 
Wesen und rege Thätigkeit sehnten sich aber 
noch nach weiterer Thätigkeit und so grün- 
dete er 1845 seinen eigenen Handelsgarten, 
den er ais einen der reichsten an schönen 
und seltenen Pflanzen aller Art seiner Fa- 
milie hinterlassen hat. Gleich Schröder ge-. 
noss er die Achtung und Liebe aller seiner 
Collegen und hatte sich im Laufe seiner 
Laufbahn als Gärtner ein so wohlbegründe- 
tes Vertrauen in den weitesten Kreisen er- 
worben, dass viele. sehr viele deutsche 
Gärtner, die nach Russland kamen, sei- 


ner Empfehlung gute Stellen und ihr spä- 


teres Lebensglück verdanken. 

Sein jüngster Sohn führt das Geschäft 
seines Vaters fort — 

3) Blumenausstellung des Gar- 
tenbauvereins in St. Petersburg vom 
23.—26. April (5.—8. Mai) in St. Pe- 
tersburg. — Nur eine kleinere Frühlings- 
ausstellung ward in dem grossen prächtigen 
Saale des Stadihauses veranstaltet. Wir 
wollen, um unsere Leser mit den wie- 
derkehrenden Berichten über Ausstellungen 
nicht zu ermüden, nur einige wenige der 
interessanteren Pflanzen erwähnen. 

Der Gemüsegärtner Gratschew hatte 
prachtvolle Spargel und Champignon in 
einer Vollkommenheit der Cultur ausgestellt, 


V. Personalnotizen. 


wie solche sicher noch auf keiner anderen 
Ausstellung Europas gesehen worden sind. 
Es waren das mächtige Nester dieses Pilzes, 
in allen Stadien der Entwickelung, — nämlich 
solche mit Tausenden kleiner Köpfchen 
von der Grösse eines Stecknadelkopfes bis 
zu dem einer Erbse. Dann Nester mit Hun- 
derten vollständig gut erhaltener gesunder 
kräftiger, weiter ausgebildeter Köpfe von 
a Zoll bis 3 Zoll Durchmesser der Hüte 
und bis 1!/, Fuss Höhe und Breite der Ne- 
ster. In einer solchen Vollkommenheit der 
Cultur dürften die Champignons noch kaum 
jemals an anderen Orten produeirt worden 
sein. — 

Einen anderen hervorragenden Cultur- 
zweig bilden jetzt die Rosen in St. Peters- 
burg und auf unseren Ausstellungen. Wir 
haben mehrere Gärtnereien, die sich fast 
ausschliesslich mit der Anzucht der Rosen 
beschäftigen, so in Petersburg die von 
Charpentier, ferner der der Cultur der 
Rosen fast ausschliesslich gewidmete Garten 
des Herrn Stegemann in Paullowsk, 
ferner gründet Herr Barlow in Zarskoe 
Selo, jetzt einen der Rosencultur vorzugs- 
weise gewidmeten Garten. Endlich hat sich 
Herr Hofgärtner Freundlich in Zarskoe 
Selo mit solcher Einsicht und Liebhaberei 
mit der Rosencultur beschäftigt, dass wir 
ihm die ausgezeichneten Resultate verdan- 
ken, die wir, — wie Cultur desselben schon 
wiederholt besprachen. Auch dieses Jahr 
hatte Herr Freundlich wieder eine kleine 
Rosengruppe gestellt, wie wir solche in sol- 
cher Schönheit weder auf den Ausstellungen 
zu Brüsselnoch Amsterdam sahen. Jedes 
Exemplar ein Muster in Cultur, jede einzelne 
Blume im vollkommensten Zustande der 
Entwickelung. Unter den von ihm ausge- 
stellten Sorten heben wir als ganz vorzüg- 
lich schön hervor: 

a) Blumen von schwarzpurpurner Fär- 
bung mit hellerem Carminschiller. 

R. Christian Püttner, Pierre Nottinger, 
Maurice Bernardin. Triomphe d’Angers. 

b) Blumen dunkelpurpur. 

R. Senateur Vaisse. 

c) Blumen von dunkelm feurigem 
Rosa. 


191 


R. General Cavaignac, Veloute d’Or- 
leans, John Hopper, Madame Furtado. 

d) Blume sehr gross, zart weiss 
mit rosa Nüancirung, 

R. La Virginale, — 

e) Blume hellpurpur. 

R. Paul Feral. — 

f) Blumen lichtrosa. 

R.  Soeur des anges. — 

Eine zweite Gruppe von Rosen, die auf 
jeder anderen Ausstellung als von ausge- 
zeichneter Cultur qualifizirt worden wären, 
hatte Hr. Stegemann ausgestellt. Solche 
trat aber gegen die Rosen von Herrn 
Freundlich zurück. 

Aus dem Garten Sr. K. Hoheit des 
Grossfürsten Nicolai-Nicolajewitsch waren 
die besten Azaleen vom jetzigen Hofgärtner 
desselben, Hrn. Grünewald eingesendet. 
Die zweitbesten gehörten Hrn. Graub erg, 
Gärtner bei Baron Hauff. Eine truchttra- 
gende Vanilla planifolia, aus einem Garten 
in Kiew eingesendet und ein blühendes Li. 
lium giganteum in der gleichen Gruppe des 
Herrn Grünewald erregten 
Aufmerksamkeit. 

Medinilla magnifica mit 10 Blü- 
thenstauden vom Hrn. Jung in Oranien- 
baum, schöne gemischte Gruppen von dem 
Hofgärtner Ruck in Strelna, vom Herrn 
Freundlich beim Hrn. Gromov und vieles 
andere wäre noch zu nennen. — Aus dem 
botanischen Garten war das Bildniss Sr. 
Majestät mit Blumen von blühenden Rhodo- 
dendron, Acacien, Ericen und Neuholländer- 
Pflanzen decorirt. Hr. Höltzer hatte zahl- 
reiche blühende Stauden aus dem K. Bot. 
Garten eingesendet. 

Als Seltenheiten in Cultur nennen wir 
Calypso borealis, Pinguicula vulgaris, 
Pyrola uniflora, Primula pycnorhiza 
involucrata, Muretiana. — 

Eine Monstrosität in der Gruppe des 
Hrn. Hofgärtner Katzer in Paullowsk, eine 
Richardia aethiopica, mit doppelter 
Scheide, hatte ein wissenschaftliches In- 
teresse. Die obere Scheide war steril und 
nur die untere Innere umschloss den Blü- 
thenzapfen. 

Für die Jahreszeit ausserordentlich zahl- 


allgemeine 


192 


reich und vollständig, war eine Sammlung 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


6) Herr Eckmann bisher in Oranien- 


von 160 in voller Blüthe befindlicher Pelar- | baum ist als Hofgärtner “auf , Kamennoi- 


gonien, von Capitain Germer. 

Herr von Golubzoff hatte als eine 
Glaskiste mit einem vollständigen Sortiment 
von Anoectochilus eingesendet, die in Zim- 
merfensterin diesem Kasten cultivirt worden 
waren und vollständig gesund waren. Ebenso 
stammte von demselben ein Rhododendron 
Boothii mitkleinen schmutzig gelbenBlumen. 

Herr Pertsch, Gärtner im Bot. Gar- 
ten, hatte eine kleine Gruppe blühender 
Bromeliaceen und Aroideen gestellt, 
darunter Anthurium Scherzerianum, Vriesia 
brachystachya, Piteairnia undulata, Puya Al- 
tensteinii, Eckhidnium Spruceanum etc. — 

4) Herr O. Pabst, bisher einer der 
Obergärtner des K. Bot. Gartens, ist als 
Hofgärtner im Kais. Garten zu Jelagim 
Ostrow angestellt worden. — 

5) Herr Grünewald ist bei Sr. K. 
Hoheit dem Grossfürsten Nicolai-Nicolaje- 
witsch in Snaminsk als Hofgärtner ange- 
stellt worden. 


Ostrow, bei Ihrer K. Hoh. der Grossfürstin 
Helene Paulowna angestellt worden. 

7) Herr Jung ist an Hrn. Eckmann’s 
Stelle nach Oranienbaum als Hofgärtner an- 
gestellt worden. 

8) Herr Siessmeyer ist an Herrn 
Nouvel’s Steile, (der nach Deutschland 
zurückgegangen) beim Fürsten Beloselsky 
in Krestofsky angestellt worden. 

9) Herr Zabel, bis jetzt Bibliothekar 
am K. Bot. Garten und Sekretär des Gar- 
tenbauvereins in St. Petersburg , ist als Di- 
reetor des Botanischen Gartens in Nikita, 
in der Krim, angestellt worden. 

10) Hr. Ender, zuletzt in Mullofka bei 
Fürst Trubetzkoi, ist als Gelehrter 
Gärtner am Bot. Garten zu St. Petersburg; 
(neben den Herren Severin und Höltzer) 
angestellt worden. 


I. Originalabhandlungen. 


1) Abgebildete Pflanzen. 


a) 


Corydalis Marschalliana Pers 


(Siehe Tafel 511 Fig. 1.) 


Fumariaceae. 


C. Marschalliana Pers. syn. II. pag. 
269. Ledb. fl. ross. I. pag. 98*). De- 
less. ic. select. II. pag. 10. 

Die beistehend abgebildete Art der 
Gattung Corydalis ist im südlichen Russ- 
land und im Caucasus zu Hause. Im 
letzteren Gebiete sammelte solche Herr 
von Ruprecht und sendete Knollen der- 
selben an den Gartenbauverein in St. 
Petersburg ein. Sie steht der in Deutsch- 
land ziemlich allgemein verbreiteten C, 
cava Schweigg. (C. tuberosa D. C. Fu- 
maria bulbosa a Linn. spec. 983) zu- 
nächst und unterscheidet sich nur durch 
die zwei oberhalb der Mitte des Sten- 
gels angehefteten Blätter und durch die 
breiteren mehr ovalen Lappen derselben, | 


die weniger eingeschnitten sind. Ge- 
deihetin jedem Gartenboden, durchwintert 
noch im Petersburger Klima ohne Deck- 
ung im freien Lande und entwickelt die 
Blumen im ersten Frühlinge. Vermeh- 
rung durch Samen. 


(E. R.) 


*) C. Marschalliana; caule simplieissimo, 
exquamato, supra medium diphyllo, fo- 
liis biternatim sectis: segmentis ovalibus 
integris ineisisve, bracteis elliptieis in- 
tegerrimis, calcare apice incurvo ob- 
tuso. — Glauca, glabra. Caulis 2/,—1"/, 
ped. altus. Flores e roseo carnei. 


VII, 1866. 


13 


194 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


b) Iris ehinensis Curt. 


(Siehe Tafel 511 Fig. 2. 3.) 


Pride are 


J. chinensis Curt. in Bot. Mag. tab. 
373*). Roem. et Schult. syst. I. pag. 
463. J. fimbriata Tratt. tabular. pag. 
668. Vent. jard. Cels. tab. 9. Redoute 
Liliac. tab. 152. 

Die auf der beiliegenden Tafel ab- 
gebildete Iris chinensis ward im Jahre 
1795 von Evans aus China in England 
eingeführt und schon 1797 von Curtis 
im Botanical Magazine abgebildet. Seit- 
dem hat sich diese wahrhaft schöne 
Pflanze in den Gärten verbreitet, Im 
Jahre 1800 bildete selche Ventenatnoch 
einmal in seinem über den Garten von 
Cels (Description des plantes nouvelles 
du jardin de Cels) veröffentlichten 
Werke ab. Später aber trat solehe mit 
so mancher schönen alten Pflanze in 
unseren Gärten mehr in den Hinter- 
grund, als dies sich rechtfertigen lässt, 

Schon Curtis sagt bei der Beschrei- 
bung der J. chinensis im Botanical Ma- 
gazine, dass die Resultate, die man bei 
der Cultur dieser schönen Iris in Eng- 
land erhalten, je nach der Cultur sehr 
verschiedene gewesen seien. Es sei sol- 
che nämlich von den einen im Warm- 
hause, von den andern im Kalthause, 
von den dritten im freien Lande cultivirt 
worden. Auf letzterem Standorte seien 
die Pflanzen erfroren, doch lasse es sich 


*) J. radice repente, caule paniculato mul- 
tifloro, floribus cristatis, stigmatibus la- 
einiatis. 


vermuthen, dass solche in England aus- 
dauern dürfte. — Nach unseren Erfah- 
rungen eignet sich diese Iris am mei- 
sten zur Cultur im temperirten Hause, 
bei 6—8° R. Hier entwickelt sie im 
Februar ihre Blumen in reichlicher 
Menge und bildet einen wahrhaften 
Schmuck der Gewächshäuser. Beson- 
ders schön ist dieselbe in solchen deco- 
rativ gehaltenen Häusern am Rande von 
Bassins oder in Steinkanten, oder in 
kleine Steinpartkieen eingepflanzt. Sie 
zeichnet sich schon durch den Wuchs 
von den andern Arten der Gattung Iris 
aus, indem ihr das dicke kriechende 
Rhizom oder die Zwiebelknolle fehlt. 
An deren Stelle bildet sie am Stamm- 
grunde Sprossen, die sich bewurzeln und 
erhält man durch diese Eigenschaft bald 
dichte Büsche mit vielen Blattrieben, 
aus deren Mitte sich der Blüthenstengel 
erhebt. Dieser letztere ist wenig länger 
als die Blätter und trägt fast zweizeilig 
traubenförmig gestellte Blüthenstiele, de- 
ren jeder aus der spitzenständigen zwei- 
blätterigen Scheide, zwei Blumen ent- 
wickelt. Die schön himmelblauen Blät- 
ter der Blumenkrone sind Rande 
wellig und wimperartig gezähnt und die 
3 äusseren tragen auf der Mitte nach 
dem Grunde zu eine gelbe Zeichnung. 
Die blattartigen Narben vorn zweitheilig 
und wimperförmig eingeschnitten. — 
Gedeihet in fast jeder etwas mit Lehm 
versetzten Humuserde und wird durch 
Theilung rasch vermehrt. (E. R.) 


am 


I. Originalabhandlungen. 


cd) Almeidia rubra St. 


195 


Hilaire. 


(Siehe Tafel 512.) 


Rutacezae, 


Almeidia rubra St. Hil. fl. bras. me- 
rid. I. pag. 86. tab. 18.— D.C. prodr. 1, 
pag. 729. — Hook. bot. mag. tab. 4548. 
— A. macropetala F. et M. in Jardin 
de St. Petersbourg 1845. cum icone. 

Ein für die Cultur im Warmhause 
sehr zu empfehlende Pflanze, denn sol- 
che gehört einestheils zu den empfeh- 
lenswerthesten Blattpflanzen, wie solche 
anderentheils ihre spitzenständige Blü- 
thentraube schöner rosenrother Blumen 
im October und November entwickelt, 
deren Blüthezeit zu dieser blüthearmen 
Jahreszeit 4 Wochen und länger an- 
dauert. Blätter zerstreut oder an der 


Spitze der Zweige wirtelförmig zu 2—3 
zusammen gedrängt, gestielt, länglich- 
lanzettlich, 4—7 Zoll lang. Bildet 3—5 
Fuss hohe verästelte Sträucher. Blü- 
ihenrispe traubenförmig, kahl. Kelch 
glockenförmig, in 5 aufrechte kurze 
Zähne ausgehend. Blumenblätter ver- 
kehrt-ovalspatelförmig, rosa, am Grunde 
in eine kurze Röhre verwachsen. 
Vermehrung durch Stecklinge im 
Warmbeete. Cultur in lehmiger Rasen- 
erde im Warmhause. Gehört zu den 
von Riedel in den Botanischen Garten 
zu Petersburg eingeführten und von da 
verbreiteten Pflanzen. (E. R.) 


dd Hypericum patulum Thbreg. 


(Siehe Tafel 513 Fig. 1. 2.) 


Hypetiricinae. 


H. patulum 'Thbrg. fl. jap. pag.295. | aus kahl sind. Zweige stielrund, röth- 


ie. 17. — H. Uralum Don. in Bot. Mag. 
tab. 2375. — H. patulum D, C, prodr. 
I. 545. 

Das Hypericum, von dem Fig. 1 u. 2 
der beistehenden Tafel, ein paar einzelne 
Zweige mit Blumen in natürlicher Grösse 
wiedergeben, ist in Nepaul und Japan 
heimisch und bildet einen 11/,—2 Fuss 
hohen, aus und über dem Wurzelhals 
verästelten Strauch, mit einfachen, ru- 
thenförmigen , etwas überhängenden 
Aesten, die wie die ganze Pflanze durch- 


lich. Blätter gegenständig, elliptisch- 
lanzettlich, spitz, am Grunde verschmä- 
lert, am Rande zurückgerollt und ganz- 
randig, unter der Lupe schwach durch- 
sichtig punctirt. Blumen goldgelb, über 
1 Zoll im Durchmesser, in 1—2, — 
seltener mehrblumigen Corymben auf 
den Spitzen der Zweige. Bracteen lan- 
zettlich, gegenständig, oberhalb der Mitte 
des Blüthenstiels befestigt. Kelchblätter 
rundlich-oval, schwach spitz, zweimal 
kürzer als die fast kreisförmigen Petalen. 
13 * 


196 


Herr Maximowiez sendete Samen die- 
ses niedlichen Strauches aus Japan ein, 
aus denen zahlreiche junge Exemplare 
keimten, die schon im Laufe dieses Som- 
mers, reichlich blüheten, In milderen 
Gegenden Deutschlands dürfte dieser 
kleine Strauch, auch den Winter im 
Freien ohne zu leiden, überdauern. Im 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Petersburger Klima muss solcher als 
Topfstrauch cultivirt werden, der in je- 
der Gartenerde leicht gedeihet, den gan- 
zen Sommer hindurch im Freien aufge- 
stellt wird und hier dankbar blühet, 
während solcher im Winter in einem 
frostfreien Locale durchwintert wird. — 


(E. R.) 


ed) Sedum japoniceum Sieh. 


(Siehe Tafel 513 Fig. 3. 4.) 


Gr2assulare erae. 


S. japonicum Sieb. in herb. Lugd. 
bot. — Sedum Sect. Planifolia, floribus 
luteis. — Glabrum, perenne, caulibus 
diffusis; foliis sparsis v. oppositis, spa- 
thulato-oblongis, acutis, basi solutis, sub- 
reflexo - patentibus, subtus convexis, su- 
pra excavatis, laete viridibus, margine 
integerrimis; eymis terminalibus trifidis, 
simplieibus, v. rarius ramosis; eymis la- 
teralibus bi-trifidis, v. rarissime racemo- 
sis; petalis lineari-lanceolatis, acutissimis, 
luteis, carpellis in stylum acuminatis, 
apice distantibus. — 

Unsere Tafel giebt von diesem 
durchaus kahlem Sedum, von dem Hrn. 
Maximowicz die Samen bei Yakohama 


noch eine Menge seitlicher achselstän- 
diger, in 1—3 Aeste ausgehende Schein- 
dolden trägt. Fig. 4 giebt eine einfache 
spitzenständige Scheindolde , wie solche 
am häufigsten vorkommt. Die Stengel 
breiten sich 
tragen zerstreute oder seltener gegen- 
ständige flache Blätter, die länglich- 
spatelförmig, ganzrandig, spitz, am 
Grunde gelöst. Blumen gelb und in 
reicher Fülle erscheinend. — Wir ceul- 
tiviren diese Pflanze als Topfstaude im 
Kalthause. Die Blumen von goldgelber 
Farbe entwickeln sich in reicher Fülle 
gegen den Herbst hin. Gedeihet ohne 


jede Schwierigkeit, wird aus Samen 


sammelte, unter Fig. 3 einen Stengel, | fortgepflanzt und scheint zu den zwei- 


der ausser der spitzenständigen, in 3 
Aeste ausgehenden Scheindolde, auch 


jährigen Arten der Gattung zu gehören. 


(E. R.) 


2) Die Ueberwinterung und Vermehrung des Clianthus Dampieri. 


Diese aus Westneuholland stammende, | 


fand bis heute sowohl bei Gärtnern, als 


in die Familie der Schmetterlingsblüthen | bei Liebhabern nicht die ihr gebührende 
gehörende , prachtvoll blühende Pflanze | Aufnahme und meist aus dem Grunde, 


nach allen Seiten aus und. 


I. Originalabhandlungen. 


weil bei öfterem Misslingen der Cultur- 
versuche diese als zu viel Schwierig- 
keiten darbietend betrachtet, gänzlich 
aufgegeben wurden. — 

Schreiber dieser Zeilen will es nun 
versuchen, in möglichst wenigen Worten 
seine Erfahrungen über genannte Pflanze 
hier mitzutheilen. 

Ein zur Anzucht von blumistischen 
einjährigen Pflanzen bestimmtes Fenster 
eines Kastens, welches leer geworden, 
war mit gewöhnlicher Composterde an- 
gefüllt und zufällig mit vielem Abzug 
versehen. 

In diese Erde nun wurde (Anfangs 
Mai 1865) ein Sämling des Cl. Damp. 
ausgepflanzt, welcher seinem Schicksal 
überlassen, in kurzer Zeit zu wachsen 
begann. Die ohnehin stets gleichmäs- 
sige Feuchtigkeit eines derartigen mit 
Erde angefüllten Kastens ersparte das 
häufigere Giessen und scheint dieser 
Umstand die Hauptursache des Gedeihens 
genannter Pflanze zu sein. — 

Auffallend war nun, dass während 
der wärmeren Periode das Wachsthum 
äusserst gering und erst gegen Anfang 
des Monats September und mit Zunahme 
der kühleren und feuchteren Nächte 
bemerkbar wurde; ebenso zeigten sich 


197 


in dieser Zeit die ersten Blüthenknos- 
pen. Bis spät in den Winter war diese 
Pflanze mit Blüthen bedeckt (wozu al- 
lerdings der überaus milde Winter viel 
beigetragen hat) und liess durch An- 
setzen von nur einer Schote (welche 
endlich im März 1866 zur Reife ge- 
langte) auf Samen hoffen. 

Die späte Blüthezeit und das un- 
sichere Resultat betreffs der Samenge- 
winnung veranlasste mich, den Ver- 
such der Vermehrung durch Stecklinge 
zu machen; weil voraussichtlich auf 
diese Weise erhaltene Pflanzen weit 
kräftiger und somit auch Blüthe und 
Fruchtzeit unbedingt früher eintreten 
würde, 

Der Eıfolg war ein günstiger. Die 
Steeklinge in ein warmes Sandbeet ge- 
bracht und öfters mit frischem Wasser 
überbraust, bewurzelten sich nachkaum 
14 Tagen und steht zu erwarten, dass 
diese Pflanzen sich zu kräftigen Indivi- 
duen heranbilden. — Sollte diese Mit- 
theilung dazu beitragen, dein Clianthus 
Dampieri eine allgemeinere Verbreitung 
zu Schaffen, so ist der Zweck dieses 
Schreibens vollständig erreicht. 

Krieger, 
(Obergärtner d. bot. Gartens in Basel). 


3) Die Rose als Guirlande. 


Für die Verwendung der Rosen kön- | waren im Bogen auf Latten oder Stan- 


nen gar nicht genug Formen erfunden 
werden, und es ist zum Verwundern, 
dass man die in der Ueberschrift ge- 
nannte Form noch nicht allgemein an- 
wendet. Ich sah wohl schon Aehnliches 
in plumper Weise ausgeführt, aber an 


gen gebunden. Erst die Erziehung des 
Apfelbaums an der Schnur (cordon ho- 
rizontal) brachte mich auf den Gedan- 
ken, wie reizend so gezogene Rosen 
sein müssten und wie gut sie sich dazu 


eigneten. Man denke sich eine Einfas- 


die mit Recht zu erwartende Zierlichkeit |sung von Rosenguirlanden, etwa um 


war nicht zu denken, denn die Zweige 


einen Rasenplatz, um einen Sitzplatz 


198 


oder ein Gartengebäude, als Abgrenzung 
eines Blumengartens — kann es etwas 
Reizenderes geben? Bei dem verschie- 
denen Wuchs der Rosen lassen sich 
Guirlanden von jeder Höhe bilden, von 
sogenannten Kletterrosen so hoch, dass 
man darunter weggehen kann; fast 
ebenso hohe von starktriebigen Hybriden 
und Abarten der R. alpina. In süd- 
lichen warmen Lagen würden die Rosa 
multiflora, Banksiae und moschata un- 
übertrefflich schöne Rosenguirlanden ge- 
ben. Aber es eignet sich, mit Aus- 
nahme der ganz kurztriebigen (schwach- 
wüchsigen) Arten und Sorten, jede Rose 
dazu, nur wird die Guirlande bei An- 
wendung von langsam wachsenden Ro- 
sen später fertig. Ganz besonders gün- 
stig ist diese Form bei Sorten, welche 
bei aufrechtem Wuchs zu stark wach- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


unten bildet, obsehon man, wenn blos 
eine Einfassung beabsichtigt wird, die 
Drähte ganz horizontal gespannt sein 
können, wie beim Zwerch-Apfelbaum, 
Diese Bogen werden auf zweierlei Weise 
erreicht. Entweder man lässt den Bo- 
gen der Guirlande bis nahe an den Bo- 
den gehen, oder derselbe wird höher 
gezogen. Im ersten Falle pflanzt man 
die Rosen, ausser an den den Draht 
haltenden Pfahl, auch an die Stelle, wo 
die Guirlande am tiefsten wird. Man 
bemerkt stehend kaum, dass die Guir- 
lande hier mit der Erde in Verbindung 
steht. Will man höher hängende Guir- 
landen, so wählt man starktriebige Ro- 
sen und zieht sie von den Pfählen aus 
unter die horizontale. Das Wichtigste 
bei der ganzen Zucht ist der Schnitt, 
welcher hauptsächlich in der Erneuerung 


sen und wenig oder nur an den Spitzen | des Holzes besteht, damit altes, abge- 


blühen, weil die unteren Augen nicht 
austreiben, gleichwohl den Schnitt nicht 
vertragen. Durch Niederbinden in die 
horizontale Lage kommen alle Augen 
zum Austreiben und es werden sich 
alle Zweige mit Blüthen bedecken. — 
Es gehört zur Form einer Guirlande, 
dass sie in der Mitte einen Bogen nach 


blühtes ausgeschnitten und junges an 
dessen Stelle gebunden werden kann. 
Bestimmte Regeln lassen sich über die- 
sen Schnitt nicht geben, und wer über- 
haupt Rosen zu behandeln versteht, 
wird bald den richtigen Schnitt heraus- 
finden. J. 


4) Ein Beispiel der Ausartung der Kartoffel. 


Vor etwa 6 Jahren wurde durch 
mich eine neue Frühkartoffel ‚die frühe 
Schweizer-Kartoffel‘“ bekannt und durch 
Herrn Ernst Benary in Erfurt in den 
Handel gebracht. Dieselbe wurde bei 
mir in den ersten zwei Jahren im Freien 
ohne künstliche Vorrichtung schon ge- 
gen den 20. Juni reif und zwar voll- 
kommen mehlig. Da die Kartoffel sehr 


verbreitete ich sie so vielich konnte und 
wollte sie zu meinem Gebrauch sogar 
als Wirthschaftskartoffel einführen. Aber 
sonderbar: die Kartoffel verschlechterte 
sich nicht nur der Art, dass sie nicht 
mehr mehlig, sondern beim Kochen hart 
blieb und dabei wässerig war, sogar in 
trockenen Jahren, sondern sie wurde 
auch nieht mehr früh reif, und während 


ergiebig und gross war, so empfahl und |ich sie sonst vor der langen Sechswo- 


I, Originalabhandlungen. 


chenkartoffel benutzte, 


Schweizerkartoffel erst im August be- | tert, gab ich sie ganz auf, 


Nachdem ich mehrere Jahre 
Versuche gemacht, endlich auch in Er- 
‚fahrung gebracht hatte, dass diese Kar- 


nutzen. 


199 


konnte ich die | toffel auch anderwärts sich verschlech- 


habe aber 
eine Nachzucht aus Samen, mit der ich 
Versuche machen will. 


J. 


3) Helianthus salieifollus ®, et Diet. 


Bei der allgemeinen Bevorzugung 
der Blattpflanzen will ich auf die oben 
genannte Staude des freien Landes auf- 
merksam machen, als eine der schönsten 
Blattpflanzen nicht nur unter den Stau- 
den, sondern überhaupt. Eine hei mir 
frei auf dem Rasen stehende Staude 
wurde einst von einer Anzahl compe- 
tenter Beurtheiler für die schönste Blatt- 
pflanze des Gartens erklärt, — Helian- 
thus salieifolius stammt aus dem Westen 
Nordamerikas, ist daher gegen harte 
Winter ohne Schnee etwas empfindlich 
und liebt lockeren, mehr sandigen durch- 
lassenden Boden. Die Pflanze wird 8 
—10 Fuss hoch und bildet viele Sten- 
gel, die sich überhängend nach allen 


Seiten zu einem grossen Busche aus- 
breiten. Die Blätter sind weidenartig, 
bis 10 Zoll lang und etwas sichelförmig 
nach unten gekrümmt. Die gelben Blu- 
men, welche erst im Spätherbst erschei- 
nen, sind unbedeutend und schaden nur 
der Schönheit der Pflanze. Die ganze 
Pflanze baut sich locker und durchsich- 
tig. Die Wurzeln dringen tief ein, sind 
stark und fest. Nach dem Verpflanzen 
vergehen (wie bei Gypsophila panicu- 
lata) zwei Jahre, ehe sich die Pflanze 
wieder vollkommen entwickelt. H, sa- 
licifolius ist in den meisten Gärten mit 
Staudensammlungen zu haben. 


J. 


6) Die Hederaceen, bearbeitet von B. Seemann. 


B. Seemann veröffentlicht in dem von 
ihm herausgegebenen Journal of Bo- 
tany eine Bearbeitung der Hederaceen. 
In geschichtlicher Beziehung notiren wir 
die folgenden allgemein intressanten An- 
gaben, weil sie zeigen, wie enorm 
schnell das Material angewachsen ist. — 

Linne kannte nur die Gattungen 
Hedera, Panax und Aralia. Von 


teren Gattungen, wenn Sie auf ihre ur- 
sprünglichen Charaktere beschränkt wer- 
den, gar nicht zur Familie der Hedera- 
ceen in Seemanns Sinne. 

Die anderen Gattungen der Hedera- 
ceen sind nun in folgender Reihenfolge 
aufgestellt worden. 

1756. Sciadophyllum R. Br. 

1766. Schefilera Forst. Polyscias 


diesen gehören jedoeh die beiden letz- | Forst. Meryta Forst. 


200 
1780. Cussonia Thbrg. 
1789. Gastonia Commerson. 
1791. Heptapleurum Gärtn. 
1802. Gilibertia Ruiz. et Pav. Ac- 


tinophyllum R. et P. 

1806. Maralia Du Pet. Th. 

1830. Toricellia D. C. 

1840. Stellte Endlicher in seinen 
Genera plantarum im Ganzen 16 Gat- 
tungen auf, von denen Botryodendron, 
Miquelia und Brassia neu waren. Von 
diesen gehört jedoch Miquelia zu den 
Olacineen und Botryodendron war schon 
von Forster als Meryta beschrieben 
worden. 


1854, Fügte Asa Gray in der Bo- 
tany of Wilkins Expedition die Gattun- 
gen Reynoldsia, Tetraplasandra und Ple- 
randra hinzu. 


Im gleichen Jahre gaben Decaisne 
und Planchon in der Revue horticole 
die Uebersicht über einen Theil der Gat- 
tungen der Araliaceen, Sie stellten hier 
die neuen Gattungen Stylbocarpa, Echi- 
nopanax, Fatsia, Brassaiopsis, Dendro- 
panax, Oreopanax, Didimopanax und 
Cuphocarpus auf, ohne solche jedoch 
genauer zu beschreiben. 


1856 fügte Miquel in der Bonplan- 
dia wieder 5 neue auf den Inseln des 
Indischen Archipelagus wachsende Ara- 
liaceen hinzu, nämlich: Agalma, Eup- 
teron, Aralidium, Macroponax und No- 
thopanax, dann derselbe in seiner Flora 
von Holländisch-Indien, die Gattungen 
Actinomorphe und Parapanax. 


Von diesen Gattungen gehört Ara- 
lidium zu den Cornaceen. 


Ebenfalls 1856 stellte Dalt. Hooker 
die Gattung Tupidanthus. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


1858 Grisebach in der Bonplandia 
die Gattung Sciadodendron. 


1859 Maximowicz in der Flora amu- 
rensis die Gattung Eleutherococeus. 


Im gleichen Jahre gab C. Koch in 
der Wochenschrift für Gärtnerei eine 
Uebersicht der Gattungen der Araliaceen. 
Zwei neue Gattungen wurden von ihm 
vorgeschlagen: Pseudopanax und Tetra- 
panax und von den anderen aufgeführten 
42 Gattungen, werden 7, nämlich: Ara- 
lidium,, Arthrophyllum, Cuphocarpus, 
Panax, Aralia, Pukateria und Bursinope- 
talum von Seemann nicht zu den Hede- 
raceen gerechnet. 


1863 und 1864 zeigte Seemann, dass 
Horsfieldia, Hydrocotyle und Crithmum, 
gleichfalls zu den Hederaceen gerechnet 
werden müssen. 


Dr. Seemann giebt nun in einer ein- 
lässlichen Arbeit, die in seinem Jour- 
nal allmählig veröffentlicht wird, die 
Uebersicht sämmtlicher, zu den Hede- 
raceen gehörigen Gattungen und lässt 
dieser die Aufzählung der Arten folgen, 
Jede Art ist ausserdem durch einen 
Holzschnitt erläutert. 


Das bis jetzt Gesagte zeigt, wie zer- 
streut die Literatur über diese Familie 
ist, so dass Seemanns Arbeit eine sehr 
verdienstliche genannt werden muss. 
Für den Gartenbau hat diese Arbeit 
eben deshalb ein grosses Interesse, weil 
die grosse Mehrzahl der Araliaceen 
schöne Decorationspflanzen sind, von 
denen schon ein grosser Theil in unsere 
Gärten eingeführt worden ist. — 

(E. R.) 


I. Originalabhandlungen, 


201 


7) Tongressgedanken, 


Die deutschen Naturforscher und 
Aerzte, die deutschen Architeeten, In- 
genieure, Landwirthe ete, nennen ihre 
alljährliche Zusammenkunft einfach „‚Ver- 
sammlung der deutschen Land- und 
Forstwirthe, Naturforscher und Aerzte‘ 
etc. Die Gärtner begnügten sich nicht 
mit einem so anspruchlosen Titel: sie 
machten einen Congress der Gärtner 
und Botaniker daraus. Wäre der Auf- 
ruf von den Botanikern ausgegangen, 
so würden diese wahrscheinlich das be- 
scheidene Wort Versammlung oder ein 
ähnliches gewählt haben. Mag auch im 
Französischen gegenwärtig Congress das- 
selbe bedeuten, was streng genommen 
nicht der Fall ist, indem Congress eine 
Versammlung von Fürsten oder Diplo- 
maten bedeutet, so sind wir doch im 
Deutschen gewöhnt, bei Congress stets 
an Versammlung von Fürsten oder Ge- 
sandten zu denken, und unwillkührlich 


kommen uns die omineusen Namen 
Wien, Verona, Olmütz ete. in den 
Sinn. Jedenfalls soll ein Congress, 


wenn wir das Recht der Fürsten und 
Diplomaten in Anspruch nehmen wol- 
len, eine beschliessende Kraft sein, Ist 
dies aber bei einem der beiden Con- 
gresse in Mainz und Erfurt der Fall 
gewesen, oder kann es ein zukünftiger 
sein® Nein! Beide haben auch nicht 
das Geringste fertig gebracht und kön- 
nen keine beschliessende Kraft haben, 
denn hinter jedem Beschlusse muss eine 
Macht stehen, sonst ist es leeres Ge- 
schwätz. Das Wort Congress — ich 
weiss nicht, wer es zuerst ausgespro- 
chen hat — war jedenfalls zufällig ohne 
Abwägung seiner Bedeutung gewählt. 
Wäre es nicht besser, statt des aristo- 
kratischen Wortes Congress das be- 


scheidenere: Versammlung, oder Ver- 
einigung oder Berathung zu wählen? 
Doch das sind nur Gedanken und Wün- 
sche eines deutsch Fühlenden, und im 
Grunde kommt nichts darauf an, ob es 
so oder so heisst. 

Die Zeit von zwei Jahren ist im- 
merhin ein sehr kurzer Zeitraum für die 
Wiederkehr der Versammlung, 
man auf eine allseitige Betheiligung 
rechnet. Andere Versammlungen keh- 
ren zwar jährlich wieder, aber sie be- 
kommen dann eine locale Färbung, in- 
dem die Mehrzahl der Mitglieder aus 
der Umgegend ist. Diesen Gelegenheit 
zur Theilnahme zu geben, ist auch der 
Zweck dieser Wanderversammlungen. 
Wenn man den Congress*) deutscher 
Gärtner etc. alle drei Jahre, anstatt ein 
Jahr um das andere abhielte, so wäre es 
auch genug. 

Ausstellungen und Congresse 
passen eigentlich für die Besucher recht 
schlecht zusammen, denn eins von bei- 
den muss unbedingt zu kurz kommen. 
Gleichwohl lassen sich beide nicht tren- 
nen, denn wenn einerseits eine grössere 
Ausstellung stets eine bedeutende An- 
ziehungskraft auf die Besucher ausübt, 
so giebt sie anderseits den Gärtnern 
und Gartenfreunden der Gegend Gele- 
genheit, sich zu zeigen. Da nun beide 
unentbehrlich sind, gleichwohl in mög- 
lichster Vollkommenheit sich gegenseitig 
schaden, weil der eine Theil den Be- 
such des andern kürzt, so muss das 
ein unvollkommener bleiben. Dass die- 
ses Schicksal den Congress treffen muss, 


wenn 


*) Man sieht, dass ich die officielle Be- 
nennung nicht respeetwidrig verläugnen will. 
DIVE 


202 


brauche ich wohl kaum zu sagen, denn 
es wird Niemand den Gedanken denken, 
man könne die Ausstellung so beschei- 
den machen, dass sie vom Besuch des 
Congresses nicht abzieht, denn eine 
Ausstellung muss stets das möglichst 
Vollkommenste bieten. Also muss der 
Congress von der Höhe seines Ideals 
herabsteigen und sich so beschränken, 
dass den Besuchern Zeit zur Benutzung 
der Ausstellung bleibt. Dass dies in Er- 
furt nicht der Fall war, dass dort die 
eifrigen Besucher der Ausstellung die 
Congresssitzungen versäumten, während 
die gewissenhaften Congresstheilnehmer 
die Ausstellung nicht so benutzen konn- 
ten, als sie wohl gewünscht haben, 
wird Jeder zugeben. welcher die Tage 
von Erfurt mitgelebt hat. 

Dazu ein Drittes im 
Bunde: Das Vergnügen. Ausstel- 
und Vergnügen vertragen sich 
ganz gut zusammen, nicht so Congress 
und Vergnügen: folglich muss wiederum 
der Congress nachgeben, denn das Ver- 
gnügen lassen sich die aus allen Himmeis- 
gegenden zusammenkommenden Fremden 
nicht nehmen, noch weniger die Orte, 
wo die Versammlung ist, dieses den 
willkommenen Gästen zu bereiten, Er- 
furt hat auch in dieser Beziehung das 
Möglichste gethan, wie man sich nun, 
wo die kleinen Nachleiden vergessen 
sind, wohl mit grosser Freude erinnern 
wird. Ich könnte eigentlich voraus- 
setzen, dass Jeder die Gründe kennt, 
wesshalb Congress und Vergnügen nicht 
zusammenpassen; aber immer 
Leute giebt, die alles begründet haben 
wollen, so sage ich einfach: Kopfweh! 
Wer soll klare Gedanken haben, wenn 
man bis nach Mitternacht beim Glase 
sitzen muss? Gute Frühstücke, Diners 
und Nachtschwärmerei mit Gedanken- 
klarheit zu vereinigen, ist nur eine Gabe 


kommt noch 


lung 


da es 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


weniger Befähigter. Doch ich will auch 
eine edlere Saite anklingen lassen: Die 
Vereinigung alter Freunde, die Anknüpf- 
ung neuer interessanter und nützlicher 
Bekanntschaften, alles dies zieht ab 
vom Congresse und zieht zum Vergnü- 
gen. Und ich sage es offen; dieses ist 
mehr werth, als die ganzen Congress- 
verhandlungen, ja es ist das Beste in 
der ganzen Versammlung und wahrhaf- 
tig auch nicht ohne wirklichen Nutzen 
für den Fortschritt. Wer mich und 
meine Bestrebungen kennt, wird mich 
nicht missdeuten oder mich für einen 
Lebemann halten, der dem Vergnü- 
gen nachjagt. Ich bedarf eigentlich 
keines Rückhaltes für diese Behauptung, 
äber da ein solcher vorhanden ist, so 
will ich ihn benutzen. Ich stehe nicht 
nur unter meinen Üollegen nicht ver- 
einzelt in dieser Ansicht da, sondern 
dieselbe ist auch schon von sehr ge- 
wichtiger Seite wiederholt bei anderen 
wissenschaftlichen Versammlungen aus- 
gesprochen worden. Man hat die ge- 
sellige persönliche Vereinigung der be- 
sten Kräfte aus verschiedenen Gegenden 
und deren Folgen geradezu für den 
Hauptzweck der Versammlungen erklärt 
und in diesem Sinne das Programm ein- 
gerichtet. In allen Versammlungen, wo 
ein grosses Programm aufgestellt worden 
ist, ist nur Kleines geleistet worden, 
Und doch haben meistens andere Ver- 
samnmlungen keine Ausstellung oder we- 
nigstens weniger reichhaltige und an- 
haltende als Gegner der Verhandlungen. 

Wenn die Congressverhandlungen 
gekürzt und vereinfacht werden sollen, 
wie ich annehme, dass es sein muss, 
so haben wir zu untersuchen, worin die 
Vereinfachung zu bestehen hat. Nach 
meiner Ueberzeugung müssen die 
Sectionen und ihre besonderen 
Verhandlungen wegfallen. Man 


I. Originalabhandlungen. 


wird mit Recht den Beweis dafür ver- 
langen, und ich werde ihn liefern. Es 
ist mir gar wohl bekannt, dass bei sol- 
chen Versammlungen in den Hauptver- 
‚handlungen oder Plenarsitzungen kein 
Beschluss durchgeführt werden kann, 
keine Debatte fruchtbringende Erfolge 
gehabt hat, weil die Gegenstände nicht 
vorbereitet sind, Man lässt desshalb 
in Sectionen verhandeln und in der 
Schlussversammlung nur die Summe der 
Einzelverhandlungen (das Resume) ge- 
ben. Diese ganz aus der Erfahrung 
entsprungene Einrichtung ist sicher vor- 
trefllieh, wo es sich um wirkliche Be- 
schlüsse und ernste Verhandlungen han- 
delt, aber das Gegentheil, wo es her- 
geht, wie bei den Gärtnercongressen, 
und wo eine Ausstellung abzieht. Auch 
müssen die Sectionen so eingerichtet 
werden, dass man womöglich zwei be- 
suchen kann. Dazu gehört wieder Zeit, 
kein Abziehen durch Nebendinge. Wo 
man für die Sectionssitzungen hinrei- 
chend Zeit und keine Abhaltung durch 
— etc. etc. hat, mag man immerhin 
dieselben beibehalten. Aber Sections- 
sitzungen und Hauptverhandlungen mit 
Ausstellung und Vergnügen — das geht 
nicht. Den Beweis hat Erfurt geliefert. 
Was haben die Sectionssitzungen gelei- 
stet? Nichts, wenigstens fast nichts! 
Man konnte nur bedauern, dass die 
Männer, welche zu Sections-, Vor- und 
Beisitzenden erwählt waren, ihre schöne 
Zeit versäumten, denn sie waren zum 
grossen Theil allein. Ja die Section IV, 
welche wahrhaftig interessant genug mit 
Stoff bedacht war, war ganz ohne Theil- 
nehmer geblieben, was Herr Dr. Neu- 
bert, der ‘Vorsitzende derselben mit 
gutem Humor „resumirte“, und in Sec- 
tion VI hatten der Schreiber dieses und 
Herr Professor Schleicher aus Jena in 
der zweiten Sitzung nur den Vorsitzen- 


203 


den des Gartenbauvereins in Cassel, 
Herrn Apotheker Gläser zum Theilneh- 
mer ihrer — Langeweile, während unten 
die Ausstellung lockte, wo noch so vie- 
les zu sehen war. Und waren dann, 
frage ich, etwa in Erfurt vorzugsweise 
Nichtsnutzige oder Gleichgültige zusam- 
mengeströmt, dass sie wie schlechte 
Schüler den Congress schwänzten? Und 
wird es an andern Orten besser sein? 
Dass es ebenso sein müsse, wird frei- 
lich nicht behauptet, denn der Geist 
der Versammlungen ist nicht immer der- 
selbe und der in Erfurt herrschende war 
zufällig ein etwas unbändiger, besonders 
aufgeregter, was zum grossen Theil der 
festlichen Stimmung der Stadt und ihrer 
freundlichen Theilnahme 
war. 


zuzuschreiben 
Aber Niemand wird darüber Reue 
fühlen, dass er die Congressverhandlun- 
gen schwänzte, denn die Augenblicke 
wurden gewiss gut angewendei. Was 
besuchtere Sectionen leisteten, ist nicht 
der Rede werth*). Man restumirte, dass 
man über die Darvin’sche Theorie sich 
noch nicht bestimmt aussprechen könnte, 
berichtete über eine Zusammenstellung 
von Zierpflanzen, deren Namen jeder 
Zuhörer vergessen hatte, ehe er nur 
den Saal verliess, und besprach die Aus- 
bildung und Lebensstellung der Gärtner 
in einer Weise, die nicht das Geringste 
ändert, weil kein Beschluss dahinter 


®) Das eben erschienene I. Heft der 
Illustrirten Monatshefte für Obst- und Wein- 
bau enthält wirklich ein nicht ganz unbe- 
deutendes Protocoll von zwei Sitzungen, 
und ich hätte also bei der Section für Obst- 
bau Unrecht. Gleichwohl erinnere ich mich 
genau, dass in der Hauptversammlung kein 
Referat über die Sitzung der 11. Section ge- 
geben werden konnte. Ob dies in der 
Schlussitzung noch geschehen, bezweitleich. 

DEV. 


204 


steht und stehen kann*). Soviel ich 
weiss, ist die Anerkennung der Statuten 
des Gärtner-Pensions-Vereins, welchen 
der erzgebirgische Gartenbauverein ge- 
gründet hat, das Einzige, was wirklich 
fertig gebracht worden ist, also gerade 
eine Sache, die nur als Anhang zum 
Programm angenommen worden war. 
Hierbei wusste man aber genau, was 
man wollte, hatte bestimmte Vorlagen 
und konnte ausführen, was beschlossen 
wurde. 

Wer meinem Gedankengange trotz 
kleiner Absprünge gefolgt ist, wird fra- 
gen: Da nun aber anerkannt ist, dass 
Plenar- Versammlungen mit Debatten 
nichts leisten, weil der Verhandlungs- 
stoff nicht vorbereitet ist und durch 
nutzlose Debatte die Zeit zersplittert 
wird; wenn gleichwohl behauptet wird, 
dass die Vertheilung des Stofles in Sec- 
tionen zu nichts führt, — was bleibt 
dann noch? Wohlan! es bleibt noch 
genug, was Anziehungskraft für Besucher 


*) Ich kann hier eine Bemerkung nicht 
unterdrücken, welche im Text stört. Man 
verlangte für einen Gärtner erster Klasse 
die Schulreife von Tertia oder gar nur von 
Quarta eines Realgymnasiums, im Allgemei- 
nen aber blos die Bildung einer Bürger- 
schule, vor allem Rechnen und Schreiben. 
Dazu braucht es keiner Berathung; so be- 
kommen wir die Gärtnerlehrlinge längst. 
Man verlange ja nicht zu viel, und zur Auf- 
nahme als Lehrling muss das Wenige ge- 
nügen, weil man eben zufrieden sein muss 
und auch bei schwacher Vorbildung tüchtige 
Gärtner entstehen können. Aber wenn ein 
Congress aussprechen soll, welche Bildung 
Gärtner erster Klasse nöthig haben und man 
verlangt kaum so viel, wie jetzt jeder intel- 
ligente Handwerker lernt, — dann schämt 
man sich, dass andere Leute als Gärtner 
den Ausspruch mit angehört haben. 

BET: 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


hat, genug wirklich Gemeinnütziges, 
was in einigen allgemeinen Sitzungen 
nicht verhandelt, sondern vorgetragen 
werden kann, Es finden stets tüchtige, 
der Rede fähige Männer, welche einen 
Vortrag von allgemeinem Interesse hal- 
ten können und werden, und man mag, 
wie es bei andern Versammlungen und 
auch in Amsterdam geschehen, zu Vor- 
trägen recht zeitig auffordern, damit sich 
Redner vorbereiten und anmelden kön- 
nen. Handelt es sith um streitige Punkte, 
so kann ein Gegenredner auftreten, und 
dem ersten kann nochmals das Wort 
gegeben werden. Wird dann die Zeit 
bestimmt, wie lange gesprochen werden 
darf, so lässt sich in einigen Stunden 
schon manches gute Wort sprechen. 
Hätte man anstatt der vielen bedeutungs- 
vollen, mit grosser Umsieht aufgestellten 
Fragen in Erfurt nur allein über die 
Darvin’sche Theorie in Bezug auf die 
Pflanzenwelt gesprochen, ja nicht einmal 
über das Ganze, sondern nur über Dar- 
vins Lehre in Beziehung auf die Gärt- 
nerei, so hätte dies mehrere Verhand- 
lungen ausfüllen können und die meisten 
Versammelten würden mit grossem In- 
teresse zugehört, manche sich durch 
Angabe von Thatsachen betheiligt ha- 


ben. Man halte sich also in Zukunft 
an einige allgemein anziehende und 
nützliche Vorträge in Hauptversamm- 


lungen, und lasse Fragen, welche nie 
beantwortet werden, weg, dann haben 
Alle Nutzen und es bleibt Zeit genug 
zum Besuche der Ausstellung und Gär- 
ten des Ortes. 

Zum Schluss noch ein Wort über 
sogenannte internationale Congresse, 
Man war bisher so höflich gegen die 
Fremden, dass sie in ihrer Landesspra- 
che Reden halten konnten, und es fan- 
den sich auch wirklich Redner genug, 
welche vor buchstäblich tauben Ohren 


I. Originalabhandlungen. 


predigten. Man muss eine fremde Spra- 
che nicht nur sehr gut gelernt und et- 
was gesprochen haben, sondern sie wirk- 
lich lange und anhaltend mit Gebildeten 
gesprochen haben, um einen wissen- 
schaftlichen Vortrag mit seinen gewähl- 
ten Redewendungen zu verstehen, na- 
mentlich im Französischen, wo die 
Sprache der Vorträge eine ganz beson- 
dere gesuchte ist. 

Internationale Congresse haben ih- 
ren grossen Nutzen, aber man mache 
zur Bestimmung, dass alle Reden nur 
in der Sprache des Landes gehalten 
werden dürfen, in welcher die Versamm- 


205 


lung berufen ist, denn es ist zuviel ver- 
langt, dass %/), der Versammlung einer 
Rede zuhören sollen, die sie nicht ver- 
stehen. In Ländern, wo die französi- 
sche oder deutsche Sprache von allen 
Gebildeten gesprochen wird, müsste na- 
türlich diese Bürgerrecht am Congresse 
haben. Spricht man eine fremde Spra- 
che auch schlecht, so haben die urtheils- 
fähigen Zuhörer immer Geduld und 
Nachsicht, und wenn man practisch auf 
das Ziel losgeht und nicht blos in Re- 
densarten sich bewegt, so wird man 
auch verstanden. J. 


8) Kurzer Bericht über den Anbau einiger Gemüsearten in der 
Oekonomisehen Abtheilumg des Kaiserlichen Boianischen Gar- 
tens in St. Peiershburg, vom Blerrm Severim 


Es ist diesem Berichte vorauszusen- 
den, dass der Sommer 1865 für Gemü- 
secultur im Allgemeinen ungünstig war. 
Auf einen kalten rauhen Vorsommer 
folgte im Juli trockene und heisse Wit- 
terung. Der August sehr kalt. Am 
16. August (n. St.) erfroren Bohnen, 
Gurken und das Kartoffelkraut. Die 
Witterung im September war gut, aber 
das Wachsthum durch vorausgegangene 
kalte Witterung schon sehr beeinträch- 
tigt. Ende September schon — 7° R. 
einigemal des Nachts, so dass die fol- 
gende milde Witterung im October kei- 
nerlei Einfluss mehr haben konnte. Die 
Aussaaten wurden den 5. (17.) April 
gemacht. Verstopft wurden die jungen 
Pflanzen den 18.—22, Mai (30. Mai bis 
3. Juni). Auf das präparirte Land 
konnte erst vom 15.—25. Juni (27. Juni 
bis 7. Juli) ausgepflanzt werden, da das 


Wasser gestanden hatte und zum zwei- 
tenmale präparirt werden musste, Alle 
Schattenseiten der Lage und des Klimas 
unterm 60° N. Br. traten 1865 beson- 
ders grell hervor. (E. R.) 


Kohlarten. 


1) Kraut, frühestes Zucker — 
sehr früh und wohlschmeckend, verdient 
den Namen Zuckerkraut; die erste Aus- 
saat von Mitte März lieferte am 20. Juli 
(1. Aug.) die ersten festen Köpfe, Sehr 
zu empfehlen. Die erste Anpflanzung 
lieferte vollen Ertrag. Die zweite An- 
pflanzung den 1. Aug. (13.) nur %, 
volle Köpfe. 

2) Kraut, Erfurter kleines 
weisses, — ebenfalls zu empfehlen, 
schliesst sich zeitig und bildet feste 
mittelgrosse Köpfe. War voriges und 
dieses Jahr am ertragreichsten. Voller 


Land in Folge der Sturmfluth ganz unter | Ertrag. 


206 


3) Kraut, Ulmer kleines frü- 
hes, — dem vorigen ähnlich, kleiner, 
aber feste Köpfe. °/, Ertrag *). 

4) Kraut, Ulmer spätes Cent- 
ner. — Giebt nur bei früher Aussaat 
reichlichen Ertrag und grosse sehr feste 
Köpfe. 2/, Ertrag. 

5) Kraut, Griechisches Cent- 


ner. — Niedrig, scheint sehr guten 
Boden zu lieben und lieferte kaum: 2/3 
Ertrag. 

6) Kraut, Nürnberger niedri- 
ges. — Sein Aussehen mehr des eines 
Wirsings. Wird sonst empfohlen, lie- 


ferte aber nur !/, Ertrag. 

7)Kraut, Battersea. — Gewiss eine 
sehr späte Sorte, von niedrigen Wuchs 
und eigenthümlichem Bau. Die nach 
innen gerollten Blätter bilden eine schöne 
Rosette aber zeigen wenig Neigung, feste 
Köpfe zu machen. 

8) Kraut, Kalomenskaja. 
Eine Russische beliebte Sorte. Bildet 
hohe blattreiche Pflanzen, lieferte aber 
bei zu später Anpflanzung nur etwas 
mehr als !/, gute Köpfe. Bei früher 
Aussaat wird es sehr empfohlen. Hoch- 
stengelig und sehr grosse Köpfe. 

9) Kraut, Ulmer blutrothes 
Salat — und 

10) Kraut, Holländiscehes klei- 
nes schwarzrothes, — geben beide 
dann nur reellen Ertrag, wenn sie schon 
im März ausgesäet und spälestens Ende 
Mai ausgepilanzt worden. 

11) Kraut, Butter- oder Car- 
ist mehr Blattkohl als 
Scheint für Russland ganz 


minat, 
Kopfkohl. 
untauglich zu sein. — 

12) Kraut, Drumhead, niedriges 
frühes. 


*) Mit ®/, Ertrag wird bezeichnet, dass ®/, 
der ausgesetzten Pflanzen gute Köpfe 
bildeten. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


13) Kraut, Drumhead, Johan- 
nistag. 

14) Kraut, Drumhead, grosses 
spätes. 

Alle 3 von sehr reichem Ertrag und 
schöne feste Köpfe liefernd. Die beiden 
erstern niedrig und früh, das letztere 
etwas höher und später. — 


Wirsing oder Savoyerkohl. 


1) Wirsing, Erfurter kleiner 


früher fester, — extra früh, sehr 
ergiebig. Voller Ertrag. 

2) Wirsing, Erfurter neuer 
goldgelber, — nur klein und unbe- 
deutend. 

3) Wirsing, Erfurter grosser 
gelber, — alte bekannte gute Sorte. 


Voller Ertrag. 

4) Wirsing, Ulmer kleiner 
früher, — empfehlenswerth wie Erfur- 
ter kleiner früher. Voller Ertrag. 


5) Wirsing, Ulmer grosser . 
später, — nur ergiebig bei frühem 
Anbau. 

6) Wirsing, früher niedriger 
Capuziner, — und 

7) Wirsing, Wiener früher 
Treib, — beide gut zum Treiben im 
Frühbeete, 


8) Wirsing, Non plusultra, — 
neue Sorte, von grobnarbigen grossen 
breiten Köpfen. Voller Ertrag. 

9) Wirsing, Engl. kugelförmi- 
ger, — neu, feiner genarbt als voriger 
und ebenfalls ergiebig. 

10) Wirsing, Engl. gelber, — 
sehr späte Sorte, wohl blätterreich, doch 
wenig geschlossen. 

11) Wirsing, Engl. feingenarb- 
ter Waterloo. — Zwar auch spät, 
doch alle Pflanzen sich schliessend, 
Schöne Rosetten bildend. 

12) Wirsing, Strassburger 


I. Originalabhandlungen. 


langköpfiger. 
gute Sorte. 

13) Wirsing, Chou Marcelin, 
Frühjahrsaussaat hier besser gedeihend 
als in Deutschland und der Schweiz. 
Zur Sommeraussaat in Petersburg nicht 
geeignet, Eine gute ertragreiche Sorte. 

14) Wirsing, Victoria. Vorzüg- 
liche Sorte mit sehr grossen Köpfen. 

15) Wirsing. Englischer Trom- 
melkopf. Gleichfalls grossköpfig, aber 
weniger zu empfehlen. 

16) Wirsing, de Vertus. Gross- 
köpfige vorzügliche Sorte. 

1) Rosenkohl neuer engl. Cot- 
tagers. 

2) Grünkohl, hoher brauner krau- 
Ser. 

3) Grünkohl, hoher grüner krau- 
ser. 


Späte aber bewährte 


4) Grünkohl, niedriger grüner 
krauser. 

5) Grünkohl, niedriger brauner 
krauser. 


6) Plumagenkohl, roth und weiss- 
bunten Blättern. 

7) Kohl von Neapel, 
krausten weissrippigen Blättern. 

Die genannten Rosen- und Blatt- 
kohle gediehen alle gut und lieferten 
guten Ertrag. Dürfen in Petersburg 
nicht später als gegen Ende April (An- 
fang Mai) ausgesäet werden. 

8) Palmkohl. Wird hoch, reicher 
Ertrag. Wird wie Grünkohl verspeist. — 

9) Gelber Butterkohl. Zum Ge- 
brauch im Sommer und gut von Ge- 
schmack. — 


mi ge- 


Beta. 


Beta brasiliensis in 4 Farben, nur 
zur Zierde. 


Erfurter Sorten. 


Neue dunkelrothe runde, gut. 


207 


Von Bassano, mit rothgeadertem 
Fleisch, nicht zu empfehlen, 

Schwarzrotlie Crapoudine, ist mehr 
Runkelrübe, nicht zu empfehlen. 

Blutrothe zum Einmachen, lange 
schwarzrothe Wurzeln, vorzüglich gut. 

Neue dunkelrothe, von Castle Nau- 
dary, kurzlaubig, schwarzroth, 
gross, aber gut. 


nicht 


Aus Bucks Samerhandlung in Petersburg. 
Whytes dunkelrothe. 
Dunkelrothe Zwerg. 
Lange rothe 
Blutrothe holländische. 

gut, besonders die letztere. 


Sämmilich 


Speise-Rüben. (Ausgesäet den 23. 
Juni (7. Juli.) 

1) Runde weisse Mai. 

2) Runde gelbe Mai. 

Beides gute alte Sorten, besonders 
zur frühen Aussaat. 

3) Gelbe frühe Altringham, eine gute 
runde Sorte. 

4) Petrowskaja, goldgelbe plattrunde, 
ausgezeichnet, eine vorzügliche rus- 
sische Sorte, fein zum Schmoren. — 

5) Finnländische gelbe, ähnlich der 
vorhergehenden, 

6) Runde schottische weisse Stein und 

7) Runde schottische gelbe Stein, 
vortreflliche runde Sorten. 

8) Gelbe frühe Maltheser, gut. 

9) Robertson’s Stein, gelbe runde, 
nicht zart im Essen. 

10) Gelbe runde Wilhelmsburger, 
wird gross, mehr zum Viehfutter. 

11) Orangegelbe Gelee, gross, zur 
Fütterung. 

12) Lange gelbe Bortfelder, bekannte 
Sorte zum Essen und Viehfutter. 

13) Lange Boule d’Or; ähnlich der 
Vorhergehenden. 

14) Lange röthliche von Freneuse, 
war gelb und nicht besonders, 


208 


15) Regensburger schwarze Pfätter, 
ähnlich dem schwarzen Sommerrettig. 

16) Längliche Teltauer, bekannte 
kleine delicate Sorte. 


Futterrüben. 


1) Weisse rothköpfige. 

2) Gelbe rothköpfige. Ausserordent- 
lich ergiebig und sehr grosse Sorten. 

3) Gelbe rothköpfige Bulloc. 

4) Weisse grünköpfige Bulloc. 

5) Runde schwarze Herbst-, ähnlich 
der Regensburger. 

6) Lange weisse rothköpfige Herbst- 
oder Stoppel. 

7) Runde weisse Herbst. 

Nr. 3 bis 7 gut, aber viel kleiner 
als Nr. 1 und 2. 


Kohl- oder Steckrüben. 
Mitte Mai. 


Ausgesäet 


1) Ulmer glatte goldgelbe. 

2) Ulmer extra schöne goldgelbe. 

3) Ulmer neue goldgelbe rothköpfige. 

4) Ulmer neue Schmalz-, extra. 

5) Ulmer rothgelbe runde Zucker. 

6) Gelbe rothgrauhäutige Riesen. 

7) Weisse rothgrauhäutige Riesen. 

8) Bangholms purple top. 

9) Skirvings purple top. 

10) Cruikfields hybrid, Wurzel wie 
Steckrübe, Laub- wie Mairübe. 

Nr. 1—5 zum Essen die besten. 
Nr. 6 und 7 die beiden grössten Sorten 
und gleich $S—10 mehr nur zur Vieh- 
fütterung. 

Cichorienwurzel, lange Magdeburger, 
zur Cichorienbereitung. 

Cichorienwurzel, buntblätierige, zum 
Treiben als Salat im Winter. 
Scorzonerwurzel. Russ. Riesen, ausge- 
zeichnet in Grösse und Geschmack, 
schon im ersten Jahre bei zeitiger Aus- 
saat. Bedeutend besser als die gewöhn- 
liche Sorte, 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Sellerie, niedriger früher zarter. 
Re Erfurter grösster Knoll-, 

Beide als Knollsorten vorzüglich. — 

Sellerie, Bleich, rother mit Wall- 
nussgeschmack. 

Sellerie, Bleich, weicher Turner 
Imcomparable. 

Sellerie, Bleich, rother grosser 
Manchester. Alle 3 gut zum Nachblei- 
chen für den Winter. 


Rettig wurden am 21. Juni (3. Juli) 
ausgesäet. 


1) Chinesischer, weisser, rosenrother 
und violetter, sehr saftig. 

2) Chinesischer, weisser, mit langen 
Blättern. 

3) Runder und langer Sommer-. 

4) Schwarzer runder Sommer-. 

5) Grauer Riesen-Winter- 

6) Rothschaliger Herbst-. 

7) Gelber und weisser Wiener Mai-. 

8) Langer und runder 
Winter-. 

9) Violetter runder Winter-. 

10) Weisser Baschkiren oder Zucker- 
hut. 

11) Langer violetter Gonnay. 

12) Schwarzrother länglicher Winter-. 

Alle gut. Nr. 1 und 2 sehr saftig. 
Nr. 5, 6, 10 besonders gross und gut. 
Nr. 11 liefert im Ausehen sehr schöne 
Knollen. 


Porr&, 


Gelber von Poitou, besonders gros- 
ser, eine der besten Sorten, 

Von Rouen, kurzer dicker; ebenfalls 
gut. 

Sehr grosser Müsselbourgh, gerieth 
schlecht und blieb klein, 


Spinatpflanzen. 


Mesembrianthemum eristallinum, ge- 


schwarzer 


DL. 


38, 


7 ZIP 2 
Aftorcum 


OPLCHDIE- 


DER 
es 


I. Neue Zierpflanzen. 


deihet nur bei Aussaat im Mistbeete. 
Liefert ein sehr zartes Gemüse, 

Schnittpetersilien, spanische feine 
Zweig. 

Schnittpetersilien, Engl. Myatts. 

Schnittpetersilien, Engl. Mitschells. 
Matschless. 

Die letztere im Aussehen die schönste, 

Neuseeländer Spinat. Ein sehr 
ertragreiches Gemüse. Der Same wird 
im Wasser angeweicht, dann im Napf im 
Warmbeet ausgesäet und später auf ein 
sonniges Beet ausgepflanzt. Man schnei- 
det die Spitzen der Zweige zum Ge- 
brauche wiederholt ab. — 


Carotten., 


1) Halblange Holländische 
Douwicker. Ist eine der besten 
frühen Sorten; besser als die anderen 
Sorten. — 


a) Abgebildet in „Flore des serres.“ 


1) Amorphophallus campanulatus Blum. 
(Arum campanulatum Roxb.) — Eine sehr 
interessante knollige Aroidee von den ostin- 
dischen Inseln, nicht neu aber selten in un- 
seren Warmhäusern. — Sie scheint selten 
in den Sammlungen zur Blüthe zu kommen» 
aber schon als Blattpflanze verdient sie alle 
Beachtung. — Sie ist ein Seitenstück zu 
dem im Januarhefte dieses Jahrganges ab- 
gebildeten Sauromatum pedatum Schott.; aus 
einer grossen plattrunden Knolle erhebt sich 
pilzarlig auf sehr verkürztem Stiele die höchst 
merkwürdig geformte Blüthe, die grosse 
Scheide bildet eine flache Vase mit wellig 
gefaltetem Rande, der Rand ist schön rosen- 
roth, die Innenseite rein weiss, nach dem 
Grunde zu in dunkelroth übergehend. Aus 


209 


2) Feine weisse zum Schmo- 
ren. Frühe zarte Sorte zur Aussaat 
im freien Lande. 


3) Frühe rothe Horn’sche. 
Gleichfalls zur Aussaat ins freie Land 
sehr zu empfehlen. 


4) Frühe feine Braunschwei- 
ger. Liefert im freien Lande grosse und 
wohlschmeckende Rüben. 


5) Weisse grünköpfige Rie- 
sen. 

6) Rothe grünköpfige Riesen. 

Beide als grösste Sorten, besonders 
zum Anbau als Viehfutter, 


7) Violette lange. Eine grosse, 
von Aussehen schöne Sorte, Beim Ab- 
kochen wird die Farbe unansehnlich, 
der Geschmack nicht besonders. 


Neue Zierpflanzen. 


ein kurzer, dicker Kolben, der wie bei den 
verwandten Gattungen am Grunde die weib- 
lichen, höher hinauf die männlichen Blüthen 
trägt und oben in einen dicken, unförmlich 
knolligen Kopf endigt. Nach der schnell 
vergänglichen Blüthe erscheint ein einzelnes, 
selten zwei langgestielte Blätter, deren Stiel 
schaftförmig, dick und gerade, etwa 11/, Fuss 
hoch wird und oben das grosse, elegant 
vieltheilige Blatt flach ausgebreitet trägt, in 
der Tracht also palmenähnlich sich darstellt, 
Der Blattstiel ist warzig rauh, braun und 
grün marmorirt. — Die Pflanze verlangt 
eine lange Ruhezeit, während welcher sie 
im Warmhause durchaus trocken gehalten 
wird; erst wenn sich aus dem Centrum der 
Knolle der neue Trieb erhebt, wird umge- 
pflanzt und wieder begossen, anfangs sehr 
mässig, aber zunehmend mit zunehmender 


dieser elegant geformten Vase, erhebt sich | Entwicklung des Blattes. (Taf. 1602—3.) 


vo. 1866. 


14 


210 


2) Vanda suavis Hrubyana Rchb. fil. — 
Eine prächtige Varietät dieser schönen, so 
sehr geschätzten ostindischen Orchidee; die 
auf weissem Grunde sehr dicht rothbraun 
gefleckte und marmorirte Innenseite der Blu- 
menblätter contrastirt auf's Wirksamste mit 
der rein porzellanweissen Rückseite und der 
purpurrothen Lippe. Die Vanda suavis ist 
specifisch nicht von der V. tricolor zu tren- 
nen, nach Reichenbach existiren zahlreiche 
Mittelformen, dagegen gesteht er gerne zu, 
dass sie vom blumistischen Standpunkt aus 
zu trennen sind, so dass zu suavis die 
weissgrundigen, zu tricolor die gelbgrundigen 
Varietäten gehören, auch durch die am 
Grunde schmaleren und stärker gedrehten 
Petalen unterscheiden sich die zu suavis ge- 
hörigen Formen. (Taf. 1604—5.) 

3) Rhododendron var. Madame Van 
Houtte. — Eine liebliche, in ihrer zarten 
Färbung vorzügliche und unübertroflene Gar- 
tenform, mit sehr grossen, gutgeformten 
Blumen, rein weiss, zart incarnatrosa geran- 
det, mit wenigen kaum bemerkbaren Flecken 
auf dem oberen Segment. — Von Rh. ma- 
zimum abstammend, gehört diese Varietät 
zu den härtesten, die wir besitzen und ist 
daher doppeltempfehlenswerth. 

(Taf. 1606—7.) 

4) Eucodonopsis naegelioides V. Houtte. 
— Das Etablissement Van Houtte hat seit 
einer langen Reihe von Jahren in der Züch- 
tung neuer Varietäten und Hybriden von 
Gesneriaceen Vorzügliches geleistet. Der 
frühere dortige Culturchef Roezl, (jetzt seit 
Jahren in Mexiko als Pächter einer grossen 
Plantage und so weit es Zeit und Umstände 
ihm erlauben, auch jetzt noch eifrig bemüht, 
unsere Gärten durch neue Einführungen zu 
bereichern,) — nicht zufrieden mit seinen 
Erfolgen in Züchtung neuer Varietäten und 
Formen, versuchte Bastarde zu ziehen, nicht 
nur zwischen Arten von gleicher Gattung, 
sondern auch Bastarde von Arten, die zwei 
verschiedenen Gattungen angehören, zu die- 
sen Versuchen hauptsächlich ermuntert durch 
die prächtige Gesneria Donckelaarü. 
Diese wurde im botanischen Garten in Gent 
von Herrn Donckelaar durch Befruchtung 
der Gesneria discolor mit Gloxinia caules- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


cens gewonnen, Prof. Decaisne bezweifelte 
zwar diese Abstammung, da er einen Ba- 
stard zwischen 2 so verschiedenen und zu 
2 Gattungen gehörenden Arten für ein Ding 
der Unmöglichkeit hielt, — aber: diese Ab- 
stammung steht über allen Zweifel erhaben 
und wurde dadurch des Weiteren bestätigt, 
dass @Gesneria Donckelaarii wiederum mit 
Gloxinia befruchtet, die @esneria hybr. Miel- 
lezii und hybr. pyramidalis lieferte, also 
Bastarde 2. Generation, von denen wir sel- 
ber durch fortgesetzte Befruchtung Bastarde 
3. und 4. Generation züchteten, die fast ganz 
ächte Gloxinien geworden sind, aber den- 
noch die ursprüngliche Abstammung von 
Gesneria discolorin Blatt, Blüthe und Wuchs 
noch immer deutlich erkennen lassen. 
Die Thatsache, dass Bastarde auch zwischen 
Arten verschiedener, immerhin natürlicher 
Weise nah verwandten Gattungen gewonnen 
werden können, wurde durch Roezl’s Ver- 
suche auf’s Schönste bestätigt, so erinnern 
wir an seine Mandirola hybr. Roezliı, einen 
Bastard von Mandirola Seemannı oder 
Scheeria mezxicana und Naegelia zebrina 
und an die schöne Tydaea hybr. gigantea, 
die Roezl durch Befruchtung der T’ydaea 
pieta mit Sciadocalyx Warscewiezii gewann. 
— Nachdem er das Etablissement Van Houtte 
verlassen, wurden seine Kreuzungsversuche 
von seinen Nachfolgern eifrig fortgesetzt 
und viele vorzügliche, blumistisch werthvolle 
neue Formen gezüchtet; so erinnern wir an 
die prächtigen Van Houtte’schen T’ydaeen, 
Naegelien, Gloxinien ete., die sich überall 
Anerkennung erworben haben. — Unter den 
neuesten Züchtungen, die aus diesem renom- 
mirten Garten hervorgingen, verdient die 
Eueodonopsis naegelioides, mit deren Ab- 
bildung der 16. Band der „Flore des serres 
etc.“ würdig eröffnet wird, ganz besondere 
Beachtung aller Freunde von wirklich schö- 
nen und interessanten Neuheiten. — Sie 
ist ein Bastard von Eucodonia Ehrenbergii 
Hanst. (Mandirola lanata Planch. et Lind.) 
befruchtet mit Naegelia zebrina splendens. 
Das Laub gleicht mehr der mütterlichen 
Pflanze, ist aber grösser, fester und weniger 
wollig, der Habitus verräth dagegen die vä- 
terliche Abstammung, sie bildet einen auf- 


II. Neue Zierpflanzen. 


rechten Stengel wie die Naegelien; bei der 
Form der Blumen ist wieder der mütterliche 
Antheil, bei der Färbung dagegen der vä- 
terliche überwiegend. Die Farbe ist ein 
schönes Rothviolett, der Saum auf der un- 
teren Hälfte mit einem karmoisinrothem 
Adernetze bedeckt, der Schlund eitronengelb 
mit roth fein punktirt, — summa summarum 
es ist eine wunderschöne Pflanze, die jeder 
Freund der schönen Gesneriaceen in seine 
Sammlung mit grosser Freude einreihen 
wird. (Taf, 1608.) 
5) Aucuba japonica Thnbrg. — Die 
als immergrüne Decorationspflanze mit gelb 
punktirten Blättern längst verbreitete Aucuba 
japonica, die namentlich in England, als 
Zierde auch der kleinsten Hausgärten unge- 
mein viel verwendet wird, wurde gegen 
Ende des vorigen Jahrhunderts nach Europa 
von Japan eingeführt. Die Pflanze ist ge- 
trennt geschlechtig und der Zufall wollte, 
dass nur weibliche Pflanzen eingeführt wur- 
den; nun sind die Blüthen allerdings sehr 
klein und unbedeutend und vermögen den 
decorativen Werth der Pflanze nicht zu er- 
höhen, desto schöner sind aber die grossen 
Rispen der korallrothen Beerenfrüchte , die 
den ganzen Winter hindurch auf den Zweig- 
spitzen sitzen bleiben, und herrlich mit dem 
dunklen Laube contrastiren. Neuerdings 
hat nun der berühmte Reisende Robert 
Fortune die typische Art mit einförmig 
dunkelgrünen Blättern in beiden Geschlech- 
tern eingeführt, nebst einigen sehr schönen 
panachirten Formen und der Handelsgärtner 
Standish, dem Fortune die Pflanzen zur 
Pflege und Vermehrung übergab, befolgte 
den Rath des erfahrenen Fortune, indem 
er eine Anzahl weiblicher Aucuba-Pflanzen 
in Töpfen eultivirte, neben den männlichen 
und sorgsam jede Pflanze befruchtete. Der 
Erfolg war über, alle Erwartung günstig und 
bald konnte Standish auf den Londoner 
Ausstellungen Exemplare, bedeckt mit den 
schönen Beeren, vorweisen, die allgemeines 
freudiges Erstaunen erregten und zu fabel- 
haften Preisen verkauft wurden. Für Eng- 
land haben die Aucuba sehr grossen Werth, 
weil sie dort auch unter den ungünstiesten 
Verhältnissen, im Rauch und Staub der en- 


211 


gen Strassen noch sehr gut gedeihen; auch 
in der Schweiz in niederen schattigen Lagen 
auf Lehmboden sind sie noch vollständig 
ausdauernd, in Deutschland werden sie an 
günstigen Lagen unter leichter Deckung 
ebenfalls vortheilhaft zu verwenden sein, in- 
sofern der Boden ihnen zusagt, und als 
harte, immergrüne Decorationspflanzen für 
Orangerie und Kalthaus, wird ihr Werth 
ebenfalls wesentlich erhöht werden durch 
den Beerenschmuck. — Ob künstliche Be- 
fruchtung durchaus nothwendig ist, um 
Früchte zu erzielen, darüber fehlt noch die 
Erfahrung; das Zusammenpflanzen beider Ge- 
schlechter genügt bei den meisten getrennt 
geschlechtlichen Pflanzen vollständig, um 
einen normalen Fruchtansatz zu gewinnen. 
(Taf. 1609.) 

6) Amaryllis Gartenvarietäten. 
— Auf 4 Doppeltafeln giebt die „Flore des 
serres“ eine Auswahl von herrlichen Varie- 
täten aus der Untergattung Hippeastrum, 
die gewiss die Liebe zu diesen in früheren 
Jahren mit Passion cultivirten, aber jetzt aus 
der Mode gekommenen schönen Zwiebelge- 
wächsen auf’s Neue anfachen wird. Van 
Houtte steht unter den Handelsgärtnern 
hoch da, weil er nicht nur der Modeströ- 
mung folgt, sondern als wahrer Pflanzen- 
freund mit harinäckiger Ausdauer, mit gros- 
sen pecuniären Opfern alte schöne Pflanzen 
fort und fort eultivirt, wenn sie auch lange 
Jahre hindurch nicht rentiren. So hat 
er auch von jeher den Amaryllis-Arten seine 
Liebe treu bewahrt, nicht nur sammelte er, 
was er von brasilianischen und peruanischen 
Arten auftreiben konnte, sondern es wurden 
Kreuzbefruchtungen mit vieler Sorgfalt ge- 
macht und immer nur die schönsten und 
grössten Blumen zur Züchtung benutzt, bis 
er endlich nach Jahre langen still fortge- 
setzten Aussaaten ein Sortiment zusammen- 
brachte, das an Mannigfaltigkeit und Pracht 
im Colorit nicht seines Gleichen finden 
dürfte. Er hat das grosse Verdienst, die 
schönen alten Arten und Varietäten nicht 
nur sorgsam aufbewahrt zu haben, sondern 
er hat sie fort und fort veredelt und in 
mannigfaltigerem Farbenschmuck neu ge- 
züchtet. — Die prächtige Amaryllis-Samm- 

14 * 


212 


lung, die auf der grossen Brüsseler Ausstel- 
lung den ersten Preis erhielt, bestand aus- 
schliesslich aus Varietäten, die in Van Hout- 
te’s Etablissement aus Samen erzogen waren. 
Die Cultur betreffend, verweisen wir auf die 
Rubrik „Notizen“ in der wir die Cultur van 
Houtte’s Angaben einlässlich besprochen ha- 
ben. — Die Stammarten dieser Gartenvarie- 
täten stammen von Südamerika, wo sie in 
den Urwäldern, entweder in Felsspalten, 
oder und zwar meistens aufBäumen in rei- 
nem Humus wachsen. Die alten Urwaldrie- 
sen, mit Schmarotzern (Schlingpflanzen, 
Orchideen, Bromeliaceen, Gesneriaceen und 
s. w.) dicht überwuchert, bieten besonders 
in den Vergabelungsstellen ihrer mächtigen 
Kronen Lagerstäiten für Ansammlung von 
Laub- und Holzmoder und dies sind die 
Lieblingsstationen der Amaryllis. 
(Taf. 1610—1617.) 

7) Azalea indica punciulata V. Houtte. 
— Eine prächtige bunte Varietät, von dem 
Handelsgärtner P. Van Driessche in Ledeberg 
bei Gent gezüchtet, auf rahmweissem Grunde 
mit rosacarmin reich punktirt, gestrichelt 
und bandirt, dabei sehr reichblühend, in 
jeder Beziehung ersten Ranges. 

(Taf. 1618— 1619.) 

8) Azalea ind. punctulata variegata V. 
Houtte. — Der intelligente Züchter der vo- 
rigen Varietät, entdeckte an einem Exem- 
plare dieser Varietät einen Zweig, dessen 
Blüthen wohl die gleichen Farben, aber in 
ganz anderer Zusammenstellung, zeigten; er 
besann sich natürlich nicht lange, sondern 
fixirte dieses Naturspiel durch Pfropfen, ver- 
mehrte so schnell als möglich seinen Vor- 
rath und konnte nun an Van Houtte das 
Eigenthumsrecht zweier neuen schönen Aza- 
leen verkaufen. — Obgleich nur eine Ab- 
weichung, ist sie doch völlig verschieden 
von der anderen, und Niemand würde den 
gemeinsamen Ursprung errathen, wenn Van 
Houtte nicht in offenherziger Weise ihn con- 
statirte, um zu zeigen, in welcher Weise 
sehr oft neue Sorten erzielt werden. — Diese 
Abweichungen zeigen sich besonders häufig 
an mehrfarbig gestreiften Blumen, die durch 
Befruchtung von zwei einfarbigen Blumen, 
einer rein weissen mit einer einfarbig rothen 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


u. s. w. erzielt wurden, es scheint, als ob 
die gestreitten Varietäten entschieden unbe- 
ständiger und zum Ausarten geneigter sind, 
als die einfarbigen der gleichen Art. Wer 
hat nicht die Unart der gestreiften Dahlien, 
neben den schönsten gestreiften, ganz ein- 
farbige oder auch halb bunte, halb einfar- 
bige, ja oft ganz einfache Blumen zu brin- 
gen, beklagt? — Wer sich nicht geärgert 
über die Unbeständigkeit gestreifter Petu- 
nien, gestreifter Pensees u. s. w.? — Es 
ist eben das Bestreben aller Culturpflanzen, 
sich der aufgedrungenen Culturbanden wie- 
der zu entledigen, wie es das stete Bestre- 
ben der Pflanzenzüchter ist, diese Banden 
noch enger zu ziehen, und immer neue For- 
men gleichsam zu erzwingen. — Bei der 
Azalea punctulata variegata haben sich die 
Farben getrennt in der Weise, dass das Roth 
das Centrum der Blumen einnimmt und ge- 
gen den Rand hin strahlenartig verläuft, 
während das Weiss den Rand bildet. — 
Eine sehr schöne Form, die an die alte va- 
riegata erinnert, aber grossblumiger und 
von weit intensiverer Färbung. 
(Taf. 1620—1621.) 

9) Azalea ind. punctulata omnicolar. — 
Noch waren die beiden vorigen Formen 
nicht in den Besitz Van Houtte’s übergegan- 
gen, so zeigte sich noch eine weitere Ab- 
weichung, indem ein Zweig nicht nur die 
Blüthen der beiden vorhergehenden Formen 
neben einander zeigte, sondern ausserdem 
noch ganz einfarbig rothe Blüthen trug. 
Dieser Zweig wurde die Mutter einer zahl- 
reichen Nachkommenschaft, die seit 2 Jah- 
ren bei Van Houtte in der Blüthe geprüft 
wurden und die Eigenschaft dreierlei Blü- 
then hervorzubringen, vollständig beibehal- 
ten haben. Den blumistischen Werth dieser 
Form noch besonders zu betonen, wäre über- 
flüssig. (Taf. 1622—23.) 

10) Odontoglossum Pescatorei Lind. 
(0. nobile Rehb. £.) — Eine der schönsten 
und seltensten Orchideen, von Funk und 
Schlim schon im Jahre 1847 in Eichwäldern 
in den kühlen Bergregionen der Provinzen 
Pamplona und Ocana in Neu-Granada ent- 
deckt, und seither vielfach aber selten lebend 
importirt. Die verzweigten Blüthenrispen 


IIT. Notizen. 


erreichen an starken Exemplaren eine Länge 
von 2—3 Fuss, bei fast gleicher Breite, und 
bedecken sich mit schneeweissen,: nur am 
Grunde der Lippe mit gelb und karmoisin 
leicht gezeichneten Blüthen, die in Gestalt 
und Färbung sehr an die asiatischen Pha- 


213 


laenopsis amabilis und grandiflora erinnern. 
Die Blüthezeit dauert fast 3 Monate! — Cul- 
tur in der kälteren Abtheilung des Orchi- 
deenhauses, sehr starke Scherbenunterläge, 
und sorgfältiges mässiges Begiessen. 

(Taf. 1624.) (E. O.) 


1) Hängevasen für Zwiebelbou- 
quets. Wir geben beistehend die Abbil- 
dung einer solchen Hängevase, deren Schale 
aus einfachem Flechtwerk besteht. Im In- 


nern derselben ist ein Zinkkasten mit dop- 
peltem Boden. 


Der obere durchbrochen 


Notizen. 


zum Ablauf des Wassers, der untere mit 
einer Einrichtung, um das überflüssige Was- 
ser herauszulassen. In derartige Vasen 
pflanzt man die bereits blühenden Zwiebel- 
gewächse mit den Wurzeln in Erde oder 
Sand, nachdem vorher die Erde der Wurzel- 
ballen vorsichtig ausgeschüttet wurde, und 
bildet auf diese Weise reizende Bouquets 
von blühenden Hyacinthen und Tulpen, 
die im Zimmer oder Blumensalon fast unge- 
stört weiter blühenundeine langeDauer haben. 
2) Wellingtonia gigantea, das 
Verpflanzen von Exemplaren des 
freien Grundes. Diese schöne Conifere 
bildet im freien Lande eine sehr starke Pfahl- 
wurzel. Das Gelingen des Versetzens, von 
starken, in der Baumschule vorgezogenen 
Exemplaren, gelingt nach Mittheilungen 
Stelzner’s in Gent nur dann, wenn bei Aus- 
nahmen der Exemplare, diese Pfahlwurzel 
möglichst unbeschädigt ausgegraben wird. 
Derartig vorsichtig ausgegrabene Pflanzen 
können sogar ohne Ballen, mit Wurzeln 
zwischen Moos verpackt, noch ziemlich weit 
versendet werden und gehen dennoch gut 
an. Man hat beim Einpflanzen aber darauf 
zu sehen, dass die Wurzeln nicht beschädigt 
und gut nach allen Seiten ausgebreitet wer- 
(Woch, f. G.) 
3) Der Ombu-Baum. (Phytolacca 
dioica L.). Die P. dioica wächst in unsern 
Gewächshäusern nur als Strauch mit dickem 
markigem Stamm. In den Pampas-Ebenen 
des Staates Uruguay wächst derselbe als 
ziemlich hoher Baum mit sehr dickem 
Stamme und gibt einen dichten kühlen la- 
benden Schatten. 


den. 


214 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


4) Auswahl von Pflanzen für wissenschaftliche Zwecke. 


(Fortsetzung.) 


Aristea eyanea, Ait. (Ixia africana L.) ?].| 
Capland. Wimpern der Blattscheide, 
besonders an den Hochblättern. 

Witsenia corymbosa, Sm. Bot. mag. 895. 
?|. Capland. Stamm erhebend. 

Rigidella ortantha, Lemaire ?]. Mexico. 
V. Houtte fl. d. s. I. p. 251. Innere 
Blumenblätter sehr klein, äussere gross, 
feuerfarb zurückgeschlagen. 

Patersonia longifolia, RBr. 4. Rp. Gen. 
Kleine innere Blumenblättehen. Auch 
andere Arten: P. glauca, bot. mag. 
2677, sericea, bot.mag. 1041. sind eben 
so lehrreich und hübsch. 

Anomatheca eruenta, Lindl. (Lapeyrousia, 
...Pourr.) Bot. Reg. 1569. ?|. Capland. 
Rpr. G. Zierlichkeit. 

Babiana tubiflora, Ker. 

?|. Capland. Langes Rohr der Blume. 

disticha, Ker. Bot. mag. 626. (Gladio- 

lus plicatus, Jacg. ie. rar. 237. Gla- 

diolus fragrans, Jacqg. H. Schnbr. t. 14.) 

?|. Capland. Seltsame Blattbildhng. 

Babiana strieta. Bot. mag. 1052. Blumen 
purpur. 

Gladiolus tristis, L. Bot. mag. 1098. 

Capland. Kleinblumig, 

Farbe. 

Cunonia, Gärt. (Antholyza Cunonia 

L.) 2}. Capland. Lippenförmige Blume. 

cardinalis, Curt. Bot. mag. 135. 

psittacinus, Hook: Bot. mag. 3032. 

carneus, Jacg. (8. grandiflorus). Bot. 

mag. 591. 

tubulosus Jacq. ic. rar. 229. Blumen- 

form. 

cripus, L. f. Jacq. ic. rar. t. 267. Cap- 

land. Blätter flach, dolchförmig, am 

Rand gekräuselt. Blumen gelblich. 

fissifolius Jacgq. ic. rar. 268. Capland. 

Blätter flach länglichrund, am Rand 

wellig; Blumen klein, langröhrig, fast 

regelmässig, lila. 


Bot. mag. 847. 


2]. 


von düsterer 


Gladiolus striatus Jacq. 10, 260. 

Watsonia Meriana, Mill. (Antholyza, ... L.) 
Bot. mag. 1194. Jacq. ie. rar. 230. ?[. 
Capland. Rp. G. 

Sparaxis bulbifera, Ker.(Ixia .... L.); Mor- 
raea.. . Jacg. H.Schbr.t. 197. ?[. Cap- 
land. Rp. G. 

Monibretia crocata, Endl. (Ixia...L.) 
Tritonia .... Ker. Bot. mag. 184. Va- 
riirt mehrfach in Farbe der Blume. 

Ixia capillaris, Thbg. Bot. mag. 617. (Ixia 
lancea, Jacq. ic. rar. 281). ?|. Cap- 
land. Rp. G. 

Diascia iridifolia, DC. (Gladiolus gramineus 
Andrw. Melospherula . . Ker.) Bot. 
mag. 615. ?|. Capland. Rp. G. 

Trichonema ceruciatum, Ker. (Ixia.... 
Jacq. ic. 290. ?|. Cap. d. g. H. Blatt- 
form und Querschnitt derselben. 


Fam. Haemodoraceae. 


Xiphidium albidum, Lam. ?]|. Rpr. G. 
Wachendorfia thyrsiflora, L. Bot. mag. 
1060. ?[. Cap. d. g. H. Rpr. G. Rothe 
Wurzeln. 
paniculata. Bot. mag. 616. 2. Cap. d. 
g. H. Blumen grösser als bei voriger. 
Anigozanthes Manglesii, D. Don. Bot. reg. 
2012. ?|. West-Australien. Blume grün, 
unregelmässig, mit sehr schönen pur- 
purnen ästigen Haaren besetzt. 
pulcherrima, Hook. Bot. mag. 4180. 
?]. West-Australien. Blüthenstand reich 
mit gelben Blumen, Zweige roth behaart. 
Conostylis dealbata. Australien. Merkw. 
ovulum. 


Fam. Vellozieae. 


Barbacenia purpurea, Hook.; Bot. mag. 
9777. V. Houtte fl. d. s. IV. 348. (Pe- 
talandra ..... .. Hort.) Brasilien. Rpr. F. 
Staubblätter mit einem Anhängsel. Eine 
hybride Form ist B. Rogieri. 


III. 


Fam. Hypoxideae. 


Cureuligo recurvata, Dry. Bot. reg. 770. 
?[. Ostindien. Habitus. Blattform. 
Rpr. @. 

.Hypoxis villosa, L. Jacq. ic. r. 370. Cap. 
dp: HE, 


Fam. Amaryllideae. 


Trib. 1. Amarylleae. 


Amaryllis (Zephyranthes) tubispatha, Herit. 
Bot. mag. 1586. 2]. Buenos Ayres. 
Rpr. Sect. Blm. weiss u. grünlich. 

— (Z.) Atamasco, L. Bot. mag. 239. ?]. 

Virginien. 

(Habranthus) versicolor, Sprng. Bot. 

mag: 2485. S.-Amerika. Rpr. Sect. 

—  (Spreckelia) formosissima, L. ?]. 
Bot. mag t. 47 u. 1450. S.-Amerika. 
Rpr. Sect. Schönes Roth. 

— (Hippeastrum.) Reginae, L. ?]. Bot. 
mag. 455. W.-Ind., Mexiko. 

— (H.) aulica, Gawl. ?J. Bot. reg. t. 
444. Bot. Mag. 454. 3311. 2983. 1038. 
Brasilien. Hat mehrere Varietäten. 
Grosse Blumen. Blüthezeit im Winter. 

— (Vallota) purpurea, Ait. (A. speciosa, 

Herit.) ?|. Bot. mag. 1430. C. d. g. H. 

(Belladonna) Belladonna, L. 2]. Bot. 

mag. 2113. Cap. d. g. H. 

(Nerine) sarniensis, L. ?|. Bot. mag. 

294. Cap. d. g. H. Rpr. Sect. 

Brunsvigia Josephinae, Ker. ?|‘. Bot. mag. 
923. Cap. d. g. H. (Amaryllis .. . Re- 
doute). Lange Blüthenstiele; unregel- 
mässige Blume. 

Crinum amabile, Edw. ?|. (e. var. Cr. au- 
gustum Herb.) Bot. Reg. 679. Bot. mag. 
1605. O.-Indien. Mächtige Zwiebel u. 
Pfl. mit aussen rothen, innen weissen Bl. 
Blättern. 

— americanum, L. ?|. Bot. mag. 1034. 
W.-Indien. Repr. der Abth. mit weissen 
kleineren Blumen.‘ 

Haemanthus puniceus, I.. ?|. Bot. mag. 
1315. Cap. d. g. H. Hochrothe Hüll- 
blätter! ähnlich wie H. hyalocarpus, H. 
moschatus, H. crassipes etc. 


— virescens, Herb. (H. pubescens L.) 


Notizen. 


215 


2). Bot. rep. 382. Cap. d. g. H. Weisse 
Blumen und grüne Hüllblättchen. 
Chlidanthus fragrans, Lindl, Bot. reg. 640. 

Peru. 


Trib. 2. Narcisseae. 


Pancratium caribaeum, L. (Hymenocallis 
... Herb.) ?[. Bot. Mag. 826. W.-Ind. 
Repr. d. weissblüthigen Arten, mit trich- 
terförmigem Staubfadenrohr und langen 
Trägern. 
maritimum, L. Bot. reg. 161: ?]. S.- 


Europa. Staubfadenrohr eng, Träger 
kurz. 
— Amancaös, (Ismene ... Herb.). ?]. 


Bot. reg. 600. Bot. mag. 1224. Peru. 
Blumen hellgelb mit weitem Staubfa- 
denrohr. Knollige Samen! 

Nareissus Jonquilla, L. (Queltia . 
Herb.) Bot. mag. 15. Reichb. D. Fl. Fig. 
811. ?1. S.-Europa. Repr. Sect. Wohl- 
geruch. 

— Tazetta L. ?|. Reichb. D. Fl. Fig. 813. 
S.-Europa. Variirt sehr, mit weissgrau- 
gelber Blume, Grösse und Zahl der Blü- 
thenzweige. 


Trib. 3. Anomalae. 


Placea ornata Miers. Bot. reg. Bd.50. Chili. 
?|: Merkwürdige Nebenkrone. 

Clivia nobilis, Lindl. (Imatophyllum Ai- 
ton. Hook.) ?|. Cap. d. g. H. Blüthe- 
zeit; grosser Keim; Blatt für das Mi- 
kroscop lehrreich. 

Alstroemeria peregrina, L. Bot. mag. 139. 

Chili u. Peru. ?|. Drehung der Blätter. 

Lightu, Bot. mag. 125. Bot. reg. 1839. 

Chili. Blume sehr unregelmässig, fast 

lippenförmig. 

psittacina, Lehm. Bot. mag. 3033. — 

Chili. Blumen grün und roth. 

aurea, Grah. Chili. 

Doryanthes excelsa, Corr. Linn. Trans. t. 23. 
Bauer, ill. fl. N.-Holl. t. 12—14. Bot. 
mag. 1685. ?j. N.-Holland. Kolossales 
Knollengewächs, prächtige Blumen. 

Agave*) filamentosa, L. Dyk. 5. Mexiko 


*) Die Agava-Arten des kais. bot. Gartens 


216 


Gartenflora Deutschlands, 


Rand ohne Zähne mit abschlitzendem 
Gefässbündel. 

— americana, L. Bot. mag. 3654. 

— potatorum, Zuec. Nov. act. Leop. Car. 
16. Mexico. Blattform. 

— Jlurida, Ait. Bot. mag. 1522. Vera Cruz. 
Blatt schmal, herabgebogen. 

— micracantha, $. Dyk. (A. glauces- 
cens, Hort.) Stacheln hornartig. 

—  dealbata, Lem, Blatt riemenförmig. 

— geminiflora, Brds. (Littaea ... Bo- 
napartea juncea Willd.) Bot. reg. t. 1145 
Mexico. Wuchs; Blätter pfriemenförmig. 

— bromeliaefolia. S. Dyk. Sect. Blatt le- 
derig, schmal. 

— attenuata, Hort. Bero)]. 
Stacheln. 

— revoluta, Klsch. Krautartig. 

Fourcroya gigantea, Vent. (Agave foetida, 
L.) h. Mexico. Bot. mag. 2250. 


Blatt ohne 


Fam. Bromeliaceae *). 


Bromelia Pinguin, L. Hort. Eltham. 211. 
W.-Indien. Typus, Grösse. 

Nidularium Meyendorfii, Rgl. (Nid. splen- 
dens, Hort. (Bromelia Carolinae Beer. 
Billbergia . . . v. Hit.) Regel, Gartenfl. 
t. 211. Blüthenstand eingesenkt, Hoch- 
blätter am Grund blutroth. 

Anoplophyllum dianthoideum, Beer (Til- 
landsia ..... Rossi). ?|. Regel, Gartenfl. 
Lebt und hlüht ohne Wurzelbildung 
mehrere Jahre. 


Phlomostachys gigantea, Beer (Neumannia 


... Brong). S.-Amerika? Stamm bis 
7' hoch. 

— Altensteinii, Beer (Puya ... Lk. Kl.-O. 
ie. t. 1. Stamm; Bracteen hochroth, 


Blumen weiss. 


in St. Petersburg; Regel, Gartenflora 
1858. — C. Koch, Agaveenstudien, in 
der Wochenschrift 1865. — Es sind 
hier wegen der gemachten Abtheilungen 
mehr Repräsentanten als sonst. 

*) J. G. Beer, Die Familge der Bromelia- 
ceen, Wien 1857. Auch: Appendix 
horti bot. Berol. 1856. 


# 


Russlands und der Schweiz. 


Pitcairnia furfuracea, Hort. (P. latifolia, 
Hook.) ?|. Bot. mag. 856. 2657. Wuchs 
characteristisch. Zellschuppen der Ober- 
haut. 

— bracteata, Ait. (P. latifolia, Hort.) Bot. 
mag. 2813. ?]. 

— ringens, Klsch. ?|. Lk. Kl. O. ic. rar. 
t. 25. Demerara Refr. Sect. mit langen 
Deckblättern. 

— undulata, Scheidw. (Puya gigantea Hort.) 
V. Houtte fl. d. s. 2. 162. S.-Amerika. 
Blatt zum Theil filzig, am Grunde ein- 
geschnürt, gestielt, bis 8° lang! 

Hohenbergia strobilacea, Schult. (Acantho- 
stachys .... Klsch.) Lk. Kl.-O. ie. rar. 
t. 9. S.-Amerika. Rpr. Gen. 

Cryptanthus zonatus, Vis (Pholidophyllum 

.. Vis.; Tillandsia zebrina, Hort.) 
?]. Querstreifen der Blattschuppen. Bra- 
silien. 

Platystachys anceps, Beer (Tillandsia . 
Lodd.) Bot. Cab. t. 771. Rpr. Gen. mit 
vielen Arten. 

Guzmannia tricolor, Ruiz. P. ?|. v. Houtte 
fl. d. g. IX. t. 918. "Peru. Bracteen 
violett. Blumen weiss. 

Lamprococeus fulgens, Beer (Aechmea... 
Brong.) ?|. var. discolor. Bot. mag. 
4293. Peru. Kelch blau. Krone violett. 

Billbergia_pyramidalis, Ldl. (et Var. disco- 
‚lor, minor; Bromelia nudicaulis, Bot. 
Rp. t. 1181 u. 203. ?]. Brasilien, auf 
Felsen. 

— zebrina, Ldl. (Billb. farinosa Hort. 
pro. prt.) Bot. Cab. 1912. Brasil. Schup- 
pen der Oberhaut. 

Macrochordium pulchrum, Beer (Brome- 
lia tinetorum Hort. Par. non Mart). 
Schönster Repräsentant der Gattung. 
Bracteen blutroth. 

Ananassa lucida, Dill. hort. Elth. t. 22. S.- 
Amerika? Blätter ohne Stacheln, am 
Grund, gelbroth. 

— sativa, Ldl. (Bromelia Ananas, L.) ©). 
S.-Amerika? Blattschopf über dem Blü- 
thenstand mit seinen verwachsenden 
wohlschmeckenden Früchten, deren es 
über 50 Varietäten gibt. 


(Fortsetzung folgt.) 


IV. Literatur. 


217 


VW. Literatur. 


1) Journal of the Royal Horticul- 
tural Society of London. London 
1866. Edited by M. J. Berkeley. — 


Die Londoner Gartenbau - Gesellschaft, 
hat ihren Publicationen eine neue Form ge- 
geben. 

Die die Gesellschaft näher betreffenden 
Gegenstände werden von derselben in den 
Proceedings of the Royal Hort. Soc. veröf- 
fentlicht. Abhandlungen erscheinen aber in 
dem oben angezeigten Journale, dass unter 
der Leitung des bekannten Botanikers M. J. 
Berkeley stehend, seine Aufgabe in rühm- 
lichster Weise lösen wird. Ausser Original- 
artikeln gibt das Journal auch die wichtig- 
sten Abhandlungen aus dem Gebiet des 
Gartenbaues anderer Länder in Uebersetzung, 
und erwirbt sich so das Verdienst, die Eng- 
länder auch mit dem bekannt zu machen, 
was ausserhalb Englands geleistet wird. Das 
Journal erscheint in Vierteljahrheften und 
kostet bei Vorausbezahlung 6 Schilling der 
Jahrgang. — 

Als allgemein interessante Artikel dieses 
ersten Heftes, nennen wir eine Abhandlung 
von Broome über Trüffeln und Trüffeleultur. 
Derselbe beschreibt zunächst die verschiede- 
nen Trüffeln (Tuber aestivum, brumale, me- 
lanosporum ete.) und zeigt, dass solche auf 
Kalkboden vorzugsweise unter Eichen vor- 
kommen. Trüffeleultur würde nach ihm nur 
unter ähnlichen Verhältnissen möglich sein. 
Einer rationellen Cultur würde keine Schwie- 
rigkeit im Wege stehen, da die Trüffeln 
keine Schmarotzer auf den Wurzeln der Ei- 
chen sind, wie man früher annahm. Den- 
noch ist Trüffeleultur bis jetzt noch nirgends 
gelungen. — 

Berkeley über den Pilz, der eine 
Krankheit der Blätter der tropischen Orchi- 
deen erregt. Das Blatt, welches dieser Pilz, 
den Berkeley „Leptothyrium pernieiosum‘“ 
nennt, wird entweder vom Pilze schnell ver- 
nichtet, oder bekommt noch häufig hellere, 
von einem dunkleren Rande umgebene 


Flecken, auf denen die schwarzen Perithe- 
cien sichtbar werden. — 

Endlich erwähnen wir noch eines Ar- 
tikels des Hrn. W. Ingram über Cultur von 
feinerem Zwergobst in einem ungünstigeren 
Klima. Derselbe schlägt vor, Heizkanäle von 
40' Länge im Freien zu construiren. Auf die- 
sen werden 4 Pfeiler errichtet, die 5 Fuss 
hoch und innen hohl sind. Der letzte der- 
selben dient zugleich als Kamin. Vor dem 
Heizkanal, wird ein ungefähr 2 Fuss über 
dieOberfläche des Bodens aufsteigender Erd- 
wall von guter Erde aufgeführt, nachdem 
man für guten Abzug des Wassers und im 
Ganzen für eine Tiefe der Culturschicht der 
Erde von 3 Fuss gesorgt. Auf dem Walle 
werden nun vor den Pfeilern die Zwerg- 
stimme gepflanzt. Es liegt auf der Hand, 
dass mittelst besseren Abzug des Wassers 
und der Möglichkeit der Erwärmung des 
Bodens und der hohlen Pfeiler durch Hei- 
zung des hinter liegenden Kanals, sowohl 
schnellere Zeitigung von Holz und Früchten 
erzielt werden kann, während andererseits 
dem schädlichen Einfluss von Früh- und 
Spätfrösten begegnet werden kann. Mit an- 
deren Worten, es ist diese Walleultur, eine 
veränderte Hügelpflanzung, mit künstlicher 
Erwärmung des Bodens und der Pfeiler, an 
denen die Bäumchen stehen. Gut und vor- 
theilhaft ist das jedenfalls, — aber auch so 
theuer, dass diese Methode wohl selten Nach- 
ahmung finden dürfte. (E. R.) 


2) Rudolf Geschwind, die Hybridation 
und Sämlingszucht der Rosen. — Wien 
1864. Druck und Verlag der typ. liter.- 
artistischen Anstalt. Preis 1 Rchsthlr, 
20 Sgr. 


Dieses in 5 Lieferungen herausgegebene 
Werk ist jetzt vollständig erschienen und 
kann allen Rosenfreunden nachdrücklich em- 
pfohlen werden. Wir erhalten zuerst eine 
Aufzählung und Characterisirung der ceul- 
tivirten Rosen, dann folgt eine einlässliche 
Anweisung zur Erziehung neuer Rosen mit- 


[4 


218 


telst gegenseitiger Befruchtung und schliess- 
lich folgt die Anleitung zur Erziehung der 
Rosen aus Samen in Fensterbeeten , Ge- 
wächshäusern und im Zimmer. Der Rosen- 
freund erhält in diesem Werke sowohl die 
Resultate der Beobachtung, sowie der lang- 
jährigen Cultur eines Freundes der Rose und 
wird mit Benutzung dieses Werkes leicht 
den Weg finden, in rationeller Weise selbst 
neue Rosensorten zu erziehen. Die 
Sprache des Buches könnte kürzer und 
bündiger sein, wodurch dessen Benutzung 
noch erleichtert werden würde. 


(E. R.) 


3) Oscar Teichert, Geschichte der Zier- 
gärten Deutschlands, während der Herr- 
schaft des regelmässigen Gartenstyls. 
Berlin 1865. Verlag von Wiegandt und 
Hempel. 


Wir können uns nur mit vollster Aner- 
kennung aussprechen, über Geschick und 
Fleiss, mit dem das Werk vom Hrn. Teichert 
zusammengestellt ist. Ein gutes Werk über 
allmälige Entwickelung des Gartenbaues in 
Deutschland, besassen wir noch nicht und 
so füllt dieses Werk eine wahre Lücke in 
der Literatur aus. 

Die historischen Daten gründen sich 
auf Quellenstudium, dieSprache ist gut und 
gewandt und der Inhalt des Buches für je- 
den Gartenfreund eine interessante Lectüre. 
Natürlich kann dieses als erstes tüchtiges 
Werk der Art noch nicht erschöptend sein, 
— der Anfang ist aber das Schwerste und 
so dürfte theils vom Verfasser, theils von 
anderen auch der historische Theil unseres 
deutschen Gartenwesens, nun immer weiter 
ausgebaut werden. 

Das Buch gibt als Einleitung eine all- 
gemeine Geschichte des deutschen Garten- 
wesens von den Zeiten Karls des Grossen 
an. Dieses erste Capitel dürfte wohl in der 
Folge nach alten Quellen und Urkunden 
noch vollständiger auszubauen sein. 

Es folgt nun die Schilderung der Ge- 
schichte des regelmässigen Garten- 
styls der Italiener, Franzosen und Hollän- 
der; — sowie eine Uebersicht über die äl- 
tere Gartenliteratur Deutschlands. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Im zweiten Abschnitte wird die Ge- 
schichte der deutschen Ziergärten zur Zeit 
des regelmässigen Gartenstylsin einlässlicher 
und allgemein-interessanter Schilderung be- 
handelt. Dieser Abschnitt bildet den 'gröss- 
ten Theil des Buches und zwar werden die 
Gärten Oesterreichs, — Preussens, — Bay- 
erns, — Hannover’s, — Sachsen’s, — Wür- 
temberg’s, — Baden’s, — Mecklenburg’s, — 
Braunschweig’s, Oldenburg’s und Schleswig- 
Holstein’s, — der Sächsischen Herzogthü- 
mer, — der Freien Städte und der Schweiz. 
— besonders besprochen. 

Den Schluss bildet eine chronologische 
Uebersicht der wichtigsten Begebenheiten 
in Bezug aut den Gartenbau vom 16. bis 
zum Schluss des 18. Jahrhunderts. 

Wir freuen uns, dass die Geschichte des 
deutschen Gartenbaues einen fleissigen 
gründlichen und tüchtigen Bearbeiter gefun- 
den hat. Wir empfehlen das Buch zur all- 
gemeinen Anschaffung, — wir empfehlen 
aber auch dringend denen, die solches mit 
Interesse lesen und Gelegenheit haben, aus 
den Chroniken der Geschichte der einzelnen 
Länder, — oder aus alten wenig gekannten 
Schriftstellern, geschichtliche Daten über den 
Gartenbau Deutschlands zu finden, — solche 
dem Verfasser oder der Gartenflora zur 
nachträglichen Veröffentlichung zu gehen 
zu lassen. Nur wenn die Männer sich be- 
theiligen, welche wie Bibliothekare und Ar- 
chivare Gelegenheit haben manches andere 
Unzugängliche einzusehen, kann auf diesem 
Felde allmählich Vollständigkeit erreicht wer- 
den. (E. R.) 


4) Cohn, Dr. Ferd., der Pflanzenka- 
lender. 


Cohn zeigt in diesem Schriftehen, dass 
die Periode der Entwickelung von Blume 
und Blatt, die Reife der Frucht und der 
Fall des Laubes der verschiedenen Gewächse, 
als Anhaltspunkte dienen können, um dar- 
nach einen Pflanzenkalender zu bilden. Je 
nach der Lage des betreffenden Ortes sind 
natürlich die Entwickelungsperioden der 
gleichen Pflanzen verschieden und ebenso 
wechselt dies nach der Jahreswitterung, 80 
dass durchaus sichere Anhaltspunkte zur 


IV. Literatur. 


219 


Zeiteintheilung durch die Pflanzen nicht | ren Vegetation, die die Bildung jener mäch- 


gewonnen werden können. 


5) Cohn, Dr. Ferdinand, die Entsteh- 
ung des Travertin in den Wasserfällen 
zu Tivoli. — 


Am Westabhange des sabinischen Appe- 
nins liegt das wegen seiner malerischen 
Lage seit alten Zeiten berühmte Tivoli. Von 
‘dem aus der Ebene sich 2000 Fuss hoch 
erhebenden Gebirge, stürzt der Anio in man- 
nichfachen Cascaden herab. Das Flussbett 
bilden pittoreske, weit vorspringende Fel- 
sen, die in Form von Kuppen, Zacken und 
Pfeilern gestaltet, stellenweis weit überhän- 
gen.oder Grottenaufbauen, aus deneneinzelne 
Wasseradern hervorbrausen. Das Gestein, 
welches das Flussbett bildet und überhaupt 
die ganze Schlucht auskleidet, in der der 
Anio herabstürzt, das ist der Travertin, 
von dem die Schrift unseres geehrten Ver- 
fassers handelt. 

Schon L. v. Buch untersuchte das Ge- 
stein dieser theils bis 600 Fuss hohen Fel- 
sen und zeigte, dass solches aus einer Masse 
ohne besondere Anordnung übereinander 
gehäufter Cylinder bestehe. Diese Cylinder 
bestehen aber wieder aus concentrischen 
Kalklagen, die in der Mitte einen vegetabi- 
lischen Stengel enthalten, den L. v. Buch 
für Rohr, Schilf oder Baumäste deutete. 
L. von Buch legt nun die Bildung dieser 
mächtigen pittoresken Travertin-Felsen auf 
die Vorwelt zurück. Cohn zeigt nun in dem 
in Rede stehenden interessanten Schriftchen, 
dass auch jetzt noch beständig dort Traver- 
tin entstehe. Auf dem Boden des Wassers 
wachsende Moose und Algen, in das Wasser 
hängende oder gefallene Aeste von Schling- 
pflanzen, sind die primäre Ursache der Tra- 
vertinbildung, indem sich in Folge des Le- 
bensprozesses der Pflanzen, concentrische 
Kalkschichten , um deren Stengel und Blät- 
ter absetzen. Besonders thätig sind die 
unterm Wasser wachsenden Moose (Hypnum 
rusciforme, Fissidens erassipes, Hypnum ir- 
riguum) in dieser Beziehung, indem deren 
untere Theile inerustiren und absterben, 
während die Spitzen stets unbegränzt fort- 
- wachsen, So sind es also Pflanzen und de- 


tigen Travertin-Felsen veranlasst haben. 


(E. R.) 
6) Klatt, Dr. Wilhelm, Flora des 
Herzogthums Lauenburg. Ham- 


burg 1865, Verlag von W. Jowien. 


Dieses Werk enthält eine Aufzählung 
der im Herzogthum Lauenburg wild wach- 
senden Pflanzen, mit kurzen vortrefflichen 
Diagnosen der Gattungen und Arten, Auf- 
zählung der Standorte. Angehängt ist eine 
Uebersicht der Gattungen nach dem Linnäi- 
schen System, behufs der leichteren Be- 
stimmung derselben. Der Text ist deutseh. 
— Zur Anschaffung sehr zu empfehlen. 


7) Klatt, Dr. Wilhelm, Norddeut- 
sche Anlagen-Flora, Hamburg 1865, 
Verlag von W. Jowien. 


Es ist das gleichsam eine Ergänzung 
zu dem vorhergehenden Werke, in dem die 
gewöhnlichsten in öffentlichen Gartenanlagen 
vorkommenden Zierbäume und Ziersträucher 
zusammengestellt sind. Vorausgesendet ist 
eine nach dem Linnäischen System geord- 
nete Uebersicht der Gattungen und Arten 
zur leichteren Bestimmung, die gut und vor- 
züglich zu nennen ist. Es folgt die Aufzäh- 
lung und genauere Beschreibung nach dem 
natürlichen Systeme. Den Schluss bildet 
eine Zusammenstellung der Bäume und 
Sträucher, welche eine technische Anwen- 
dung finden. Auf 30 beigegebenen lithogra- 
phirten Tafeln sind die Blätter der beschrie- 
benen Bäume und Sträucher in Umrissen 
wieder gegeben. Gestalt und Umrisse der 
Abbildungen ist vortrefflich, die Ausführung 
ist aber roh. 

Zu bemerken ist es noch, dass dieses 
Werk nur einen kleineren Theil der eulti- 
virten Holzgewächse herausgreift, also den 
Anspruch vollständig zu sein, durchaus 
Was dieses Buch aber ent- 
hält, ist gut, wesshalb wir es wirklich be- 
dauern, dass solches nicht etwas vollstän- 
diger, da es seinen Zweck, die eultivirten 
Holzarten schnell und leicht zu bestimmen, 
bei ähnlicher Bearbeitung, wirklich erreicht 
haben würde — (E. R.) 


nicht macht. 


220 


8) Bulletin de la Societe imperiale 
des naturalistes de Moscou. 1865. 
Nr. 608 Se 


Enthält nur zweiBotanische Abhandlun- 
gen. In einer derselben stelltHr. Lindemann 
noch eine neue Fragaria nämlich Fragaria ne- 
glecta auf, die sich durch den der Frucht ange- 
drückten Kelch und abstehende Behaarung der 
Blatt- und Blüthenstiele von Fr. vesca und Fr. 
collina unterscheidet. Nach unserer Ansicht 
ist Fr. collina nur eine Form vonFr. vesca, 
also auch die neu aufgestellte Art, die je- 
denfalls überall vorkommt, — denn der 
Character der abstehenden oder angedrück- 
ten Behaarung ist inconstant und kann keine 
Art unterscheiden. (E. R.) 


10) Bulletin de la Federation des 
Societes d’horticulture de Bel- 
gique. 1865. — 


Von 23 verschiedenen Gartenbau-Gesell- 
schaften Belgiens gibt dieser voluminöse, 
von dem in den Angelegenheiten des Gar- 
tenbaues so ausserordentlich thätigen E. 
Morren redigirte Band den Bericht über 
deren Verhandlungen, Ausstellungen und 
Arbeiten zur Hebung des Gartenbaues in 
Belgien. E. Morren, unser gelehrter und 
thätiger Freund, gibt, nachdem die Arbei- 
ten der einzelnen Gesellschaften aufgeführt 
sind, einen kurzen Bericht über den Fort- 
schritt des Gartenbaues in Belgien. Darnach 
fanden dort 1864 im Ganzen 27 Blumenaus- 
stellungen in den verschiedenen Städten die- 
ses Landes, das allen andern Ländern Eu- 
ropas mit gutem Beispiel in Bezug auf den 
Gartenbau vorausgeht, statt. — Belgien 
hat den ersten Anstoss zu den internatio- 
nalen Ausstellungen und Congressen gege- 
ben, jenen unvergesslichen Tagen, während 
deren sich die Vertreter des Gartenbaues 
aller Länder Europas versammeln, kennen 
lernen und Muth erneuter Thätigkeit 
nebst vielen gesammelten Erfahrungen mit 
heim nehmen. 

Die Regierung unterstützt aber auch in 
Belgien den Gartenbau in der anerkennend- 
sten Weise. Vier dem Gartenbau und der 
Landwirthschaft gewidmete Schulen, die 


zu 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


zu Gendbrugge les-Gand, Vilvorde Gem- 
bloux (Nemur) und Brüssel, werden von 
derselben unterhalten. Zu Bouillons ist fer- 
ner eine Forstschule gegründet worden. 
Gartenbau-Gesellschaften gibt es in Belgien 
im Ganzen 37. Welches Land der Erde 
hat eine gleiche Zahl auf eine im Verhält- 
niss zu Belgien stehende Population aufzu- 
weisen ? 

An Gartenzeitschriften erscheinen in Bel- 
gien 3 der wichtigsten für Europa, die 
Flore des serres von Van Houtte in Gent 
herausgegeben, die Illustration horticole, 
herausgegeben von A. Verschaffelt und re- 
digirt von Ch. Lemaire, und endlich Belgi- 
que horticole, herausgegeben von E. Morren. 

Ausser dem in Rede stehenden Bulletin 
der Verhandlungen von 23 Gesellschaften 
geben noch die Gartenbaugesellschaften zu 
Lüttich, Huy und Gand besondere Jahres- 
berichte heraus. 

In der letzten Abtheilung enthält das 
in Rede stehende Bulletin die den vereinig- 
ten Gesellschaften eingesendeten und mit 
Preisen bedachten Arbeiten. Es 'sind hier 
zu nennen: 

1) Wesmael, Monographie der in Bel- 
gien wild wachsenden und am häufigsten 
eultivirten Weiden. Es ist das eine gute 
und klare Aufzählung. 

2) A. Dubois, Aufzählung der schäd- 
lichen und nützlichen Irsecten. Mehrere 
colorirte Tafeln sind beigegeben. — Ein 
gutes nützliches Buch für sich, dem noch 
ein kleines Lexikon der gebrauchten Termi- 
nologie mit der Erläuterung beigegeben 
ist. — 

3) Endlich ist noch zu erwähnen eines 
höchst interessanten Aufsatzes des Herrn 
E. Morren, in welchem derselbe seine Noti- 
zen mittheilt, die er auf einer Reise durch 
Deutschland gesammelt hat. Wir behalten 
uns vor, einiges aus diesem letzteren Be- 
richt später noch mitzutheilen. 

(E. R.) 


9) Bulletin de la Societe d’horti- 
eulture d’Hyeres. 1864. 


Der Gartenbauverein in Hyeres arbeitet 


! unterm Einfluss des mildesten Klimas, welches 


IV. Literatur. 


Frankreich bietet. Selten fällt im Winter 
das Thermometer unter den Gefrierpunkt. 
Es gibt aber Jahre, wo die Witterungsver- 
hältnisse ungünstiger sind und so zeigte im 
Winter von 63 zu 64 das Thermometer ein- 
_ mal den ausserordentlich tiefen Stand von 
— 5°R., durch welchem in den dortigen Gär- 
ten viele Verwüstungen angerichtet wurden. 

Einige grössere, dort etablirte Handels- 
gärtnereien, wie z.B. die von Huber Freres 
et Comp. beschäftigen sich vorzugsweise 
mit der Anzucht von Samen der Pflanzen 
milderer Länder und versenden diese an ei- 
nen grossen Theil der Samenhandlungen 
Europas zur weiteren Verbreitung. 

In dem oben genannten Bulletin der 
Gesellschaft finden sich die Verzeichnisse 
der Pflanzen, die in den Gärten der Herren 
Denis, — Huber Frerer et Comp. und Gou- 
tant, dem Einfluss von — 5° R. getrotzt 
haben. Als solche wollen wir Chamaerops 
humilis und excelsa, Elais melanococca, 
Latania borbonica, Saribus olivaeformis, 
Chemaedorea elegans, Corypha australis, 
Phoenix dactylifera, Rhapis flabelliformis, 
Sabal Adansoni, und Jubaeı spectabilis 
aus der Familie der Palmen, — Cycas re- 
voluta und eircinalis, Dioon edule und Ce- 
ratozamia mexicana aus der Familie der 
Cycadeen, — Araucaria excelsa, Cunnighami, 
Bidwilli, brasiliensis und imbricata aus der 
Familie der Coniferen bemerken. 

Ausserdem heben wir noch hervor: 
Dracaena australis und calocoma, Camphora 
offieinalis, Pittosporum undulatum, Aralia 
papyritera, Dammara australis, Libocedrus 
chilensis, Abutilon venosum; 42 Arten der 
Gattung Acacia aus Neuholland, Aralia tri- 
foliata und crassifolia, Camellia und über- 
haupt die meisten Pflanzen unserer Kalt- 
häuser und temperirt warmen Häuser. — 


10) G. Mettenius, über die Hymeno- 
phyllaceae. Leipzig bei Hirzel 1864. 


Der gelehrte - Verfasser, bekannt als 
einer der genauesten Kenner und im wahren 
Sinne des Wortes, — der wissenschaftliche 
Bearbeiter dieser Familie, — hat in der 


221 


vorliegenden Arbeit die Gruppe der Hyme- 
nophyllaceae zum Gegenstand seiner Beobach- 
tung gemacht. Die eigenthümlichen dünnen 
durchsichtigen Wedel charakterisiren diese 
Gruppe. Wirklich zeigen solche bei der 
mikroskopischen Untersuchung, dass sie nur 
aus 2—4 übereinander liegenden Zellschich- 
ten bestehen, was unter allen andern Ge- 
fässpflanzen nur in dieser Gruppe vorkommt. 

Der Herr Verfasser gibt nun in der 
vorliegenden Arbeit den Nachweis über den 
Aufbau der vegetativen, wie der Fructifica- 
tionsorgane dieser Gruppe, sowie schliesslich 
auch die Beobachtungen über das Keimen 
und Geschlechtsorgane derselben. In letz- 
terer Beziehung stellt der Verfasser als in- 
teressante Thatsachen fest: dass alle Hyme- 
nophyllaceen mit confervenartigen Schläu- 
chen keimen, — dass dieses confervenartige 
Stadium bei den einen Arten länger, — bei 
den anderen Arten kürzer währt, — dass 
aus den confervenförmigen Fäden sich spä- 
ter seitlich eine blattartige Ausbreitung des 
Vorkeimes sich bildet, dass die Haarwur- 
zeln nur aus den Randzellen der blattartigen 
Ausbreitung des Vorkeimes hervorgehen, — 
dass Antheridien (die männlichen Organe) 
sowohl an den confervenförmigen Fäden, 
wie an denRandzellen der blattartigen Aus- 
breitung des Vorkeims sich finden, — und 
dass Archegonien (die weiblichen Or- 
gane) nur an den Randzellen der blattartigen 
Ausbreitung auftreten. (E. R.) 
11) Czerwiakowski et Warszewiez, 

Enumeratio plantarum quaein horto bota- 

nico Oracowiensi 1864 coluntur. Craco- 

wiae 1864. 

Es ist das die systematische Aufzählung 
von 8911 Pflanzenarten, die der botanische 
Garten in Krakau im Jahre 1864 cultivirte, 
Leider fehlen Citate und Bemerkungen von 
wissenschaftlichem Interesse. Dagegen sind 
einzelne Synonyme und das Vaterland hin- 
zugefügt. Ebenso sind einige Pläne und 
Ansichten vom Garten hinzu gegeben und 
ist dieses Buch also als ein wichtiges Be- 
legstück zur Geschichte der Botanischen 
Gärten zu betrachten. (E. R.) 


222 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


V. Personalnotizen und Neuestes etc. 


1) Sehlesische Gesellschaft für 
vaterländische Cultur. Section für 
Obst- und Gartenbau. Sitzung am 14. 
Februar 1866. Nachdem der Secretär spe- 
cielle Mittheilung des durch den Sections- 
gärtner aufgestellten Bewirthschaftungsplanes 
für 1866 für den Garten der Section vorge- 
tragen, derselbe in allen Theilen für zweck- 
mässig anerkannt und über einige innere 
Angelegenheiten der Section berathen und 
beschlossen worden war, kam eine 
durch Herrn Hofgärtner Peicker in Rauden 
0S. gütig eingesendete Abhandlung zum 
Vorirage über die Cultur der Zwerg-Banane, 
Musa Cavendishii Paxt. (M. chinensis Sweet.) 
in einem Aquarium. Aus derselben können 
wir an dieser Stelle nur hervorheben, dass 
die junge, zu diesem Behufe in einen höl- 
zernen Kübel versetzte Pflanze ohne Weiteres 
bis an den Wurzelhals in Wasser gestellt 
wurde, welches während des Sommers eine 
Temperatur von + 20—25° R., während 
des Winters aber nicht unter + 15° R. hielt; 
im nächsten Jahre wurde die Pflanze in ei- 
nen grösseren hölzernen Kasten versetzt, 
wuchs ungestört weiter und entwickelte im 
April des dritten Jahres ihre Blüthenähre, 
welche im September 30 und einige lieblich 
aromatische, sehr wohlschmeckende Früchte 
von je 6 bis 8“ reifte. Der Stamm der 
Pflanze hatte an seinem stärksten Theile ei- 
nen Durchmesser von 9“ beieiner Höhe von 
5‘ bis zum Austritt der Blüthenähre und der 
4'/' langen und bis 30“ breiten, im üppig- 
sten Grün strotzenden Blätter gerechnet, er- 
reicht. Das Ornamentale dieser prächtigen 
Pflanze wurde noch gehoben durch drei um 
die Mutterpflanze stehende zweijährige 
Schösslinge in gleieher Lebensfrische und 
Blätterreichthum. Auch ein Exemplar der 
Musa zebrina wurde dieser Wassercultur un“ 
terworfen, musste aber seines höheren Wuch- 
ses wegen mehrmals eingestutzt werden, 
gibt daher wohl den Beweis, dass sämmt- 
liche Musa-Arten den Standort im Wasser 


| 
vertragen, wofür auch der Umstand spricht, | 


dass ein aus gemeinsamem Mutterstock ent- 
sprossenes Conglomerat von vier Schöss- 
lingen der M. Cavendishi seit länger als 
einem Jahre gänzlich ohne Gefäss und voll- 
ständig frei schwimmend erhalten, in üppig- 
ster Vegetation sich befinden. Ausser diesen 
Musa zieren Nymphaeen , Pontederien etc. 
nebensächlich jenes Aquarium, Nelumbium 
speciosum entfaltet jeden Sommer seine co- 
lossalen Blätter und prächtigen Blumen, 
welche auch Samen von nussähnlichem Ge- 
schmack reifen. Cyperus Papyrus erreichte 
in demselben Bassin ebenfalls hohe Voll- 
kommenheit. 

Herr Kunst- und Handelsgärtner Guil- 
lemain knüpfte an diese und die Mitthei- 
lung des Secretär, dass in Herrenhausen bei 
Hannover auch mehrere Palmenarten, mit 
dem Fusse ihrer Gefässe im Aquarium ste- 
hend, erfolgreich eultivirt werden, noch die 
Bemerkung, dass derartige Culturen im 
Kleinen in dem Wohnzimmer lungenleiden- 
der Personen betrieben, wohl auf diese gün- 
stigen Einfluss üben dürften, da solche bei 
nicht eigentlichen Wasserpflanzen eine hö- 
here Temperatur des Wassers und der Luft 
erfordern, aber besonders Pflanzen 
mif grossen Blättern, welche das Wasser 
schneller absorbiren, z. B. Strelitzien und 
fast alle Aroideen geeignet seien. 


hiefür 


Endlich wies Hr. Guillemain noch da- 
rauf hin, wie es kürzlich hierorts einem 
französischen Gärtner durch colossale Fan- 
faronaden gelungen sei, Verkäufe zu fabel- 
haft hohen Preisen zu machen, z. B. von 
Rosen nach Bildern mit unglaublichen Far- 
benzusammenstellungen, Acer striatum unter 
dem Namen Styphelia purpurea, ja sogar 
Aesculus- und Pavia-Sämlinge, als Maron- 
nier de la Nouvelle Hollande mit essbaren 
Früchten und Yucca gloriosa mit roth und 
himmelblauer Blüthe, ferner Pfrsiche auf 
Mandel veredelt, welche Unterlage unsere 
Winter nicht aushält, so wie allerdings sehr 
üppig gewachsene und gut gezogene Birn- 
bäumchen, aber mit der Bezeichnung „Belle 


V. Personalnotizen. 


Angerine‘‘, welche Sorte, wie bekannt, je- 
doch ein ganz kümmerliches Wachsthum 
hat und nur aus einem in einen Wildling 
oeulirten Fruchtauge bei angemessener War- 
_ tung die zwar bis 8 Pfund schweren, aber 
‘ nicht edle Birnen liefert, welche in Paris 
nicht unter 2—3 Francs das Stück verkauft 
werden. E. H. Müller. 


Anmerkung. Die Garienflora hat sol- 
chen Schwindel schon oft genug gebrand- 
markt. Ist es möglich, dass es immernoch 
genugsam Leichtgläubige gibt, die sich 
durchaus betrügen lassen wollen ? 


(E. R.) 

2) Nicolai Gegorewitsch Zabel, 
bis jetzt Bibliothekar am Kais. Bot. Garten 
zu St. Petersburg und Sekretär des Garten- 
bauvereins, ist als Director des Gartens 
zu Nikita in der Krim angestellt worden, 
Seitdem Hartwiss jenen alten berühmten 
Garten verlassen, war solcher bedeutend 
zurückgegangen. Ein Mann von der Um- 
sicht und energischen Thätigkeit wie Herr 
Zabel dürfte auch jenem Institut bald wie- 
der neuen Glanz nnd segensreiche Wirksam- 
keit verleihen. In Nikita ist eine Schule 
für Wein- und Obstbau. Weinbau und 
Weinbereitung soll für die Folge die her- 
vorragendste Thätigkeit dieses Institutes bil- 
den. 


3) Als Bibliothekar am K. Bot. Garten 
zu St. Petersburg, ist Herr Rosanow an- 
gestellt worden. 


4) Aus Tiflis (Mitte April a. St.) Eine 
Bitte anderer Art möchte ich mir heute er- 
lauben, und zwar was ist von dem neu an- 
gekündigten Dünger des Baron-Chartier 
zu halten, sollte er sich nicht auch gegen 
die Maulwurfsgrille bewähren, diese ist hier 
der furchtbarste Feind aller Culturen, be- 
sonders der Aussaaten und aller Anpflan- 
zungen, Nur in hochgestellten Kästen sind 
Sommersaaten möglich, selbst ausgepflanzte 
Ananas, Phoenix und Chamaerops, Myrthen, 
kurz Alles, was in den Grund des Mistbee- 
tes gesetzt wird, ist unrettbar verloren. 


223 


Weder Blumenkohl noch Gurken oder 
Melonen kann ich mehr erhalten, die Maul- 
wurfsgrille vernichtet Alles mit Stumpf und 
Stiel. Gibt es gar kein Mittel dagegen. 
Ich habe versucht, Naphta, Schwefel, Salz, 
heisses Wasser , alles ohne durchgreifenden 
Erfolg. 

Der Winter ist hier ziemlich normal 
verlaufen, Kälte bis — 13!/, Grad R., — 
Schnee und Regen nicht nennenswerth, in 
Folge dessen überall der traurigste Wasser- 
mangel, bis heute seit September 1865 der 
zweite Tag, dass ein wirklicher Regen fällt, 
in Folge dessen sind viele Pflanzen, beson- 
ders immergrüne hart mitgenommen, wo 
der Boden zu sehr austrocknete, an anderen 
Orten, die noch eine geringe Feuchtigkeit 
auf künstlichem Wege hatten, hielten sich 
viele vortrefflich. So hielten gut aus und 
blühen jetzt Camellia jap. fl. pleno, leicht be- 
deckt, Aucuba, die an anderen Orten total 
erfror. Hydrangea hortensis, dagegen fror 
Eucalyptus globulus, Pittosporum Tobira, 
Nerium Olcander, Olea fragrans u. A. bis 
oder fast bis zur Erde ab, treiben aber un- 
ten aus. 

Am 23. Februar und Anfangs März 
a. St. blüheten Cornus mascula, Amygdalus 
communis, am 10. März (a. St.) Apricosen, 
14. März Pfirsichen, 22. März Birnen und 
Kirschen, vor Ostern schon Schwalben ge- 
sehen. Am 29. März bis 2. April starker 
Sturm, Schneegestöber und Nachtfröste, 
3. April Regen doch wenig. 

Am 5. April blüheten Syringa, Mahonia 
aquifol., Cereis Siliquastrum, Evonymus lati- 
folia, Ribes aureum, rubrum, Grossularia, 
Glyeine chinensis, Photinia, die niedrigen 
Cytisus, Aquilegia in Knospen, 
vesca in voller Blüthe. Die Eichenarten ent- 
falten heute 13. April erst ihre Blattknos- 
pen, desgl. Ailanthus und Fraxinus, letztere 
stehen noch fast todt, während die Aescu- 
lus und Robiniaarten schon kurz vor dem 
Aufblühen sind und Rhododendron, Azalea, 
Paeonia arborea gleichfalls kaum Leben 
zeigen. Erscheinungen, die ebenfalls dem 
Mangel an Feuchtigkeit zuzuschreiben sind. 
Die Robinia blühen hier immer vor der 
Blattentfaltung. 


Fragaria 


224 


Besonders wurden alle Gehölzpflanzun- 
gen auf exponirten Plätzen erschwert, die 
trockenen Stürme verweheten in einer Nacht 
die Pflanzlöcher und Pflanzerde fast bis zur 
Unkenntlichkeit. Welche Wassermasse war 
nöthig, um diesen Staub zur Aufnahme der 
Pflanzen fähig zu machen. Trotzdem sind 
in dem öffentlichenGarten gegen 5000 Stück 
starke Gehölze nachgepflanzt. Die Obst- 
blüthe war überall reichlich und der Frucht- 
ansatz über Erwarten gut. Nur der Wein 
zögert noch und zu seinem Vortheil. Wie 
mit Zauberschlage sind alle Steppen jetzt 
grün und die Preise von Heu und Gerste 
werden fallen. Der Futterbau macht bei 
den Landbesitzern endlich auch langsame 
Fortschritte und der Nachfrage nach Obst- 
bäumen zu Anpflanzungen kann nicht mehr 
genügt werden, während man zu Fürst Wo- 
ronzoffs Zeiten nur selten Leute fand, die den 
geschenkten Baum nur pflanzen wollten. 

In Eriwau, Baku, Kutais, Telaw und 
anderen Städten sind Öffentliche Gärten an- 
gelegt oder im Entstehen und zum Theil 
beträchtliche Sendungen von Tausenden von 
jungen Bäumen von hier und der neuer- 
richteten Baumschule und Gartenanstalt bei 
Tiflis abgefertigt. Auch die Hauptstrassen 
von Tiflis sind mit Baumpflanzungen besetzt, 
wozu vorzugsweise Ailanthus und gemeine 
Akazie verwandt sind, die vortrefilich ge- 
deihen. Bei der nächsten Pflanzung werde 
ich Ulmus campestris und Acer Pseudopla- 
tanus verwenden, ersterer hat sich in Paris 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


treffllich bewährt und letzteren finde ich in 
Hinsicht der Genügsamkeit an Wassergabe 
ihm ebenbürtig. (Scharrer.) 
Nachtrag. Auch wir vereinen uns 
mit Hrn. Scharrer, in der Bitte an die- 
jenigen, welche Erfahrungen mit dem Dün- 
ger des Baron Chartier gemacht haben, 
solche uns mittheilen zu wollen. Wir ge- 
stehen, dass wir von all den mit Geheimniss 
umgebenen Düngerarten und Geheimmitteln 
gegen Ungeziefer, sehr wenig halten, — 
sondern darin stets nichts anderes als eine 
Beutelschneiderei zu suchen gewohnt sind. 
Einzelne seltene Ausnahmen mag es ge- 
ben, aber der gemeinnützige rationelle Gärt- 
ner, Landwirth oder Freund des Pflanzen- 
baues wird aus zufälligen Entdeckungen 
und Erfahrungen in dieser Richtung kein 
Geheimniss machen, — sondern das was 
er gefunden, zum Nutzen Aller mittheilen. — 
Welche sichere Mittel, fragen wir ferner, 
gibt es gegen die Maulwurfsgrille? Das 
Eingraben von Töpfen, das Suchen der Ne- 
ster zur Zeit des Ablegens der Eier, — das 
könnten wir wohl als bekannt voraussetzen. 
Ebenso haben wir des Eingiessens von Was- 
ser und von etwas Oel in die begangenen 
Löcher früher erwähnt. — Wir bitten aber 
Praktiker, die überhaupt mit Erfolg gegen 
die Maulwurfsgrille gekämpft, so freundlich 
zu sein, das Resultat ihrer Bemühungen 
in dieser Beziehung zum Nutzen Vieler, uns 


zur Publication in diesen Blättern einsenden 


(E. R.) 


| zu wollen. 


I. Originalabhandlungen. 


1) Abgebildete Pflanzen. 


a) Billbergia Liboniana Lem. 


(Siehe Tafel 514.) 


Bromeliaceae. 


B. Liboniana Lem. jard. fleur. II. 
tab. 197. — Bot. Mag. tab. 5090. — 
Flore des serres tab. 1048. 

Foliis ligulatis, basi amplectentibus 
aequilatis, erectis et apice recurvis, mar- 
gine spinuloso-serrulatis, acuminato -mu- 
eronatis 2—21/, ped. longis, 11, — 
13/, poll. latis, supra viridibus, infra 
squamuloso-canescentibus; scapo foliis 
breviore, gracili, tenuiter lanuginoso, ra- 
cemo 6—8 floro terminato, foliis brac- 
teiformibus pallide fuscescentibus ınem- 
branaceis basi amplectentibus apicem 
versus subulato -linearibus vestito; brac- 
teis lanceolato -subulatis, germini bre- 
vioribus, virescentibus v. rufescentibus; 
floribus sessilibus, circiter bipollicaribus; 
ovario einnabarino, obtuse trigono, basi 
sursum subgibboso; sepalis tribus ligu- 
lato-lanceolatis, adpressis, acutiusculis, 
einnabarinis, quam petala duplo brevio- 
ribus; petalis tribus, in tubum eonni- 
ventibus, superne patentibus spathulatis 

VUI, 1866. 


et pulchre atrocaeruleis, basi albis et 
in ipsa basi intus squamis duabus cris- 
tato-laciniatis ornatis; staminibus 6, tri- 
bus interioribus petalis alternantibus li- 
beris, tribus interioribus petalis adnatis 
et apice tantum liberis; stigmate cya- 
neo, tripartito, lobis revolutis. — 
Wenn gleich der beistehend abge- 
bildeten Billbergia aus Brasilien die 
grossen lebhaft gefärbten Brakteen feh- 
len, die viele der Arten dieser Gattung 
auszeichnen, so ist solche doch wegen 
der schönen Färbung vom Fruchtknoten, 
dem Kelch und der Blumenkronen nicht 
minder schön als die schönsten Arten 
dieser Gattung. Dazu gehört, dass 
solche zu den sehr dankbar blühenden 
Arten gehört, sich durch Sprossung 
schnell vermehrt und in jedem niedri- 
gen Warmhause leicht gedeiht. Eignet 
sich ebensowohl zur Cultur im Topfe, 
wie zur Cultur an Baumstämmen. Bei 
ersterer Culturmethode giebt man sol- 
15 


226 


cher eine lockere Heideerde, die mit 
Lehmerde schwach vermischt wird, — 
über die letztere Culturmethode folgt am 
Schlusse eine ausführlichere Anleitung. 

Zur Zeit des Wachsthums sol! häu- 
fig gespritzt und begossen werden. 

Entwickelt die Blumen im Dezem- 
ber und Januar und erhält dadurch 
einen um so höheren Werth für unsere 
Culturen. Libon fand in Brasilien ein 
einziges Exemplar von dieser Pflanze 
und führte dies im Jahre 1850 in die 
Gärten Belgiens ein, 


Erklärung der Tafel 514. 


a. Eine Blattrosette mit dem abge- 
schnittenen Blüthenschaft. b. Blüthen- 
stand. c. Ein Blumenblatt und Staub- 
faden. d. Der innere Grund des Blu- 
menblattes mit den geschlitzten Schup- 
Staubfaden und Aethere. 
g. Griffel. h. Durchschnitt durch den 
Fruchtknoten. Fig. d bis h sind Ver- 
grösserungen, — 


pen. ee. 


der Bromeliaceen an 
Baumstämmen. 


Cultur 


Die Cultur der Bromeliaceen an Baum- 
stämmen soll theils den natürlichen 
Standort dieser Pflanzen nachahmen, 
theils zur geschmackvollen Decoration 
von Warmhäusern einen Beitrag liefern. 
Die grösste Zahl der Arten dieser Fa- 
milie siedelt sich nämlich im Vaterlande 
auf den Aesten und Stämmen lebender 
Bäume, oder auch auf alten umgestürz- 
ten Bäumen an, wo solche ähnlich wie 
so manche Moose und Flechten in un- 
sern Breitegraden als Epiphyten leben. 

Zu den auf lebenden Bäumen le- 
benden Bromeliaceen gehören vorzugs- 
weise die in den Gebirgswaldungen des 
tropischen und subtropischen Amerikas 
in reichlicher Menge vertretenen Arten 
der Gattung Tillandsia, die mit ihren 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


langen, weissen, oft fadenartigen Blät- 
tern gleich weissen Flechten von den 
Baumästen herabhängen und hier in 
dichten Colonien gesellschaftlich leben. 
Die Bromelien, Piteairnien, Billbergien, 
Nidularien etc., siedeln sich dagegen 
mehr auf alten umgestürzten Bäumen 
an, wo solche zugleich aus dem aufge- 
speicherten Humus und dem faulenden 
Holze ihre Nahrung beziehen. 

Im Gewächshause gelingt eine ähn- 
liche Cultur ganz vorzüglich und giebt 
zugleich dem Pflanzenfreund ein Charak- 
terbild der eigenthümlichen Ueppigkeit 
der Vegetation der Tropen, wo Farn, 
Orchideen, Aroideen und Bromeliaceen 


die Stelle der Moose und Flechten un- 


serer Wälder vertreten. 

Man lässt zu diesem Zwecke stark 
verästelte Bäume, am besten Eichen 
oder Ahorne, oder selbst auch Weiden 
oder Pyrus-Arten fällen, deren Stämme 
nicht mehr als höchstens 1 Fuss Durch- 
messer haben und ungefähr 2—83 Fuss 
unterhalb der untersten Verästelungen 
abgeschnitten werden. Nun stutzt man 
auch noch die Haupt- und Nebenäste 
so weit zurück, dass nur einige Fuss 
lange Stummel stehen bleiben, und 
gräbt dann diese Stämme in der Weise 
in einem niedrigen Warmhause ein, dass 
die oberste Aeste noch 2—3 Fuss vom 
Glase entfernt bleiben, 

Diese Stämme sind dazu bestimmt, 
um als Träger von Bromeliaceen, oder 
auch wohl Aroideen, Orchideen und 
Farnen zu dienen, welche theils auf die 
Spitzen der Aststummel, theils in die 
Winkel der Aeste, theils seitlich an die 
Stämme und Aeste so gepflanzt werden, 
dass der ganze Stamm von verschieden- 
artigen Pflanzenformen belebt wird, die 
unmittelbar aus dem Holze desselben 
hervorzukommen scheinen und vom Un- 
kundigen häufig für die Blätter und 


I. Originalabhandlungen. 


Blumen des todten Stammes genommen 
werden, der solche nur trägt. — 

Wie aber, wird mancher unserer 
Leser fragen, können wir solche Pflan- 
zen auf die Aeste und Stämme solcher 
Bäume pflanzen ? 

Das ist ganz einfach, Man nimmt 
im Topfe vorgezogene Pflanzen, entfernt 
den Topf derselben, umwickelt den 
Ballen mit einer dieken Moosschicht, be- 
festigt das Moos mit Draht und befestigt 
nun wieder zugleich mit neuen Moos- 
schichten die betrefienden Pflanzen mit 
Draht an diesen Baumstämmen. Diese 
Manipulation ist viel leichter als es der 
Beschreibung nach erscheinen könnte 
und bei einiger Geschicklichkeit bei der 
Anheftung wird es Manchen täuschen, 
der diese nur angehefteten Pflanzen als 
die vegetativen Organe der Baumstämme 
ansieht. 


ART 


Die fernere Cultur ist nun ganz ohne 
Schwierigkeit, indem nur zur Zeit der 
Vegetation täglich ein- bis zweimal 
tüchtig gespritzt wird. Die angehefteten 
Pflanzen gehen nun aus ihren Ballen 
mit den Wurzeln in die umgebende 
Moosschicht und unsere in Rede stehen- 
den Bromeliaceen vegetiren hier sogar 
noch üppiger und blühen noch reich- 
licher als in Töpfen eultivirt. So na- 
mentlich die schönen Arten der Gat- 
tungen Nidularium, Puya, Vriesia, Bill- 
bergia, Funkia u. s. f£. — Gewöhnliche 
Warmhaustemperatur, reichliches Ueber- 
spritzen während der Frühlings- und 
Sommermonate, seltneres Ueberspritzen 
im Winter, im Sommer leichte Beschat- 
tung und etwelche Lüftung sind die 
einzigen leicht zu erfüllenden Cultur- 
bedingungen. 


(E. R) 


bp) Calathea Warscewiezii KlL?*. 


(Siehe Tafel 515.) 


Marantaceae 


Calathea Körn. in Nouv. Mem. de 
la soec. des nat. de Moscou tom. 11. 
pag. 352. — C. Warscewiezii Körn. in 


Mitth, d. Russ. Grtbv. zu St. Petersb. 
pag. 88. — Körn. Monogr. Marant. 
pag. 133. — Phrynium Warscewiezii 
Kl. in Otto et Dietr. Allg. Grtztg. 1855. 
pag. 89. Maranta Warscewiezii 
Flore des serres tab. 939 — 940, — 
Die Calathea Warscewiezii ward 
schon im Jahre 1854 von unserem viel- 
verdienten Freunde, J. v. Warsce- 
wiez, gegenwärtig Inspector des Bota- 
nischen Gartens in Krakau, aus Mittel- 


— 


amerika eingeführt und vom Garten- 
Etablissement des Herrn Mathieu in 
Berlin, als Maranta Warscewiezii in 
den Gärten verbreitet. 

Klotzsch nannte solche Phry- 
nium Warscewiezi, bis endlich Pro- 
fessor Körniecke in Waldau, damals 


*) Caulibus vaginis petiolis foliisque 
subtus brevissime velutino puberulis, foliis 
oblongo -elliptieis acutis, bracteis latissime 
amplectentibus apice obtusis v. breviter acu- 
minatis, caule florifero 2!/,—3 pedali. 


15 * 


228 


noch im Botanischen Garten zu Peters- 
burg angestellt, die ganze Familie der 
Marantaceen einer genauen Untersu- 
chung unterwarf, die ziemlich schwieri- 
gen Gattungen derselben fester begrün- 
dete und dabei die in Rede stehende 
Pflanze zu Calathea brachte. 

Solche gehört zu den geschätztesten 
Decorationspflanzen des Warmhauses, 
sie blühet aber selten. Die Abbildung 
in Flore des serres stellt eine Pflanze 
ohne Blumen dar und andere Abbil- 
dungen existiren nicht. 

Die beistehende Abbildung ist nach 
einem Exemplar gemacht, das Herr 
Ruck, Hofgärtner Sr. K. H. des Gross- 


fürsten Constantin Nicolajewitsch in 
Strelna bei Petersburg, zur Blüthe 
brachte. In üppigem Culturzustande 
werden die Blätter dieser schönen 
Pflanze sammt dem Blattstiele bis 


21), Fuss lang. Die Blätter selbst sind 
gestreckt elliptisch und beiderseits ver- 
schmälert, unterhalb tief purpurroth, 
oberhalb dunkelsammtgrün und längs 
der Nerven heller gezeichnet. Der Blü- 
thenstengel wird bis 3 Fuss ‚hoch und 
trägt auf der Spitze die dichte Blüthen- 
ähre, die gestielt und am Grunde des 
Stiels von 2 gegenständigen oder auch 
nur von einem Blatte gestützt sind, die 
von nur einem sehr kurzen Blattstiel 
und einer stark aufgetriebenen Scheide 
getragen werden. Bracteen dachziegel- 
förmig übereinander liegend, mit den 
Spitzen nur abstehend, von aussen gelb, 
von innen weiss und rosa nuancirt. Die 
Blumen stehen in Büscheln am inneren 
Grunde der Bracteen und überragen 
solche kaum. Sie sind von lancettför- 
migen weissen Bracteen gestützt. Der 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Kelch besteht aus 3 linien - lancettlichen 
weissen Blättehen, die sich mit ihren 
Rändern gegenseitig umwickeln (anders 
sahen wir solche nicht) und länger als 
die Blumenkrone sind. Blumenkrone 
am Grunde röhrig, mit dreitheiligem 
Saum und lancettlichem Saumlappen. 
3 Staminodien, von denen das äus- 
serste ein länglich spatelförmiges blu- 
menblattartiges Blättchen ist. Das mitt- 
lere verkehrt, oval, gehöhlt, an dem 
einen Rand noch mit 2 buchtigen Lap- 
pen, von denen der obere gestreckt 
und eine fehlgeschlagene Anthere dar- 
stellt. Das innerste gleichfalls verkehrt 
oval, an der Spitze zurückgedrückt und 
an dem einen Rand oberhalb des Grun- 
des den kurz gestielten Staubfaden tra- 
gend. Der Fruchtknoten nach vorn 
bauchig angeschwollen, in einen kur- 
zen knieförmig gebogenen Griffel aus- 
gehend, der eine blattartig ausgebreitete 
Narbe trägt. — 

Liebt einen Standort auf einem 
warmen Beete im niedrigen feuchten 
Warmhause. 


Erklärung der Tafel, 


1. Die blühende Pflanze verklei- 
nert. 2. Der oberste Theil des Blü- 
thenstengels mit der Blüthenähre. 3. Ein 
Blatt von der untern Seite. 4. Kelch 
und Blumenkrone. (N. 2—4 in natür- 
licher Grösse). 5. Die Staminodien. 
6. Das äusserste Staminodium. 7. Die 
beiden innern Staminodien und Griffel. 
8. Das mittlere Staminodium. 9. Das 
innerste Staminodium. 10. Der Griffel. 
(Fig. 5—10 schwach vergrössert.) 

(E. R.) 


I. Originalabhandlungen. 


229 


co) Platyerater arguta Sieb. et Zuc« 


(Siehe Tafel 516.) 


Hydrangeaceae. 


Platyerater arguta Sieb. et Zuce. fl. 
jap. pag. 61. tab. 27. — Ejusdem fi. 
jap. in Nova acta Leopold. XIV. p. 692. 
Walp. rep. II. pag. 377. — 

Die Gruppe der Hydrangeaceen ist 
durch zahlreiche Arten und Gattungen 
in der Flora Japans vertreten, Unsern 
Gärten fehlen noch viele der dort le- 
benden Arten, weshalb die Einführung 
der. bis jetzt noch nicht cultivirten Ar- 
ten ein grosses Interesse hat. Die bei- 
stehend abgebildete Art brachte der 
Herr C. Maximowicz bei seiner An- 
kunft lebend aus Japan nach Peters- 
burg, und blühte solche schon im Laufe 
des vergangenen Sommers. Auf der 
von uns citirten Abbildung Siebold’s 
und Zuccarini’s sind die Zähne des 
Blattes viel grösser und die Blüthen- 
eorymbe ist mit 12 Blumen dargestellt, 
wie solches an wildgewachsenen, von 
Herrn Maximowiczgesammelten Exem- 
plaren auch der Fallist, während wir solche 
in den ceultivirten frischen wie getrock- 
neten zahlreichen Exemplaren nur zwei- 
bis zehnblumig sahen, 

Bildet im Vaterlande einen 2—3 Fuss 
hohen stark verästelten Strauch mit 
kahlen hin und her gebogenen Aesten. 
Blätter gegenständig, gestielt, lancett- 
lich oder oval-lancettlich zugespitzt, 
am Rande scharfe vorwärts gebogene 
Zähne tragend, beiderseits mit zerstreu- 
ten kurzen Haaren besetzt oder auch 


kahl. Blumen an jungen Exemplaren, 
einzeln auf den Spitzen der Aeste, spä- 
ter in 2 — lOblumigen, spitzenständigen 
Corymben. Fruchtbare Blumen. 
Kelch mit verkehrt kegelförmiger, dem 
Fruchtknoten verwachsener Röhre, an 
der zuweilen auch noch 1—2 linear- 
pfriemliche Bracteolen stehen. Kelch- 
saum in 4, seltner in 5 eiförmig zu- 
gespitzte oder auch wohl pfriemlich- 
lancettliche Lappen gespalten. Blumen- 
menblätter 4, seltner 5, weiss, eiför- 
mig, Spitz, dick, so lang oder länger 
als die Kelchlappen. Viele auf dem 
Kelchrande befestigte Staubfäden, de- 
ren Träger fädich und am Grunde 
schwach mit einander verwachsen. An- 
theren oval, am Grunde angeheftet, 
4fächrig und mit 4 Längsspalten auf- 
springende Fruchtknoten mit dem Kelche 
verwachsen, 2 divergirende Griffel auf 
der Spitze tragend, — 

In den mildern Gegenden Deutsch- 
lands und dem westlichen Russland 
als hübscher Strauch fürs freie Land 
zu empfehlen. In Petersburg muss sol- 
cher im Topfe eultivirt und im Kalt- 
hause durchwintert werden. Blühet im 
Juni und Juli. Vermehrung durch 
Stecklinge im Frühling und Sommer, 
die unter Glocken oder im kalten Ver- 
mehrungsbeete, ebenso leicht wie die 
unserer Hortensien, Wurzeln bilden, 


(E. R.) 


230 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


*%) Die buntblätterigen Scarlet-Pelargonien, deren Cultur, Ver- 
mehrung und Anzucht aus Samen. 


Die buntblätterigen Scarlet-Pelar-| Tom Thumb und Yellow bell, sind 


gonien, oder die Abarten vonP. zonale, 
inguinans etc., mit panachirten Blättern, 
sind dazu bestimmt, in unseren Cultu- 
ren eine sehr wichtige Rolle zu spie- 
len, da sie als Pflanzen fürs Zimmerfen- 
ster, sowie als Flor- und Gruppenblumen, 
eine gleiche Bedeutungbesitzen und vollste 
Empfehlung zu diesen Zwecken verdienen. 

Die ältesien Spielarten sind die 
weiss- oder silberfarben gerandeten. Die 
verbreitetste und gemeinste Sorte ist hier 
P. Silver Bedding. Es ist das eine 
Sorte von sehr schnellem üppigem Wuchse, 
aber nur mit kleinen unbedeutenden Blu- 
men ohne Effect. Zu massigen Grup- 
pen im freien Lande während des Som- 
mers eignet es sich aber dennoch, 
einmal, weil es im freien Lande leicht 
und üppig gedeiht und dann, weil es 
sich in Folge des schnellen Wuchses 
leicht und gut vermehren und so am 
ehesten massenweis beschaffen lässt. 
Wenn man diese Sorte zu Gruppen im 
freien Lande anpflanzt, müssen deren 
sich selbst überlassene, dünn und lang 
wachsenden Aeste häufig an der Spitze 
ausgekneipt werden, dann bildet es 
schöne dichte Pflanzen. Als neuere, 
viel schönere Sorten der gleichen Ru- 
brik, von dichterem kräftigem Wuchse, 
mit grösseren und sehr breit glänzend 
silberfarben gerandeten Blättern und end- 
lich auch grösseren feuernd rothen Blu- 
men sind zunennen: P. Alma, Bijou, 
Daybreack, Silver Chain, Silver 
Queen, und Flower of spring, alle 
ebenfalls zu Gruppen im Freien geeignet. 

Eine zweite Gruppe bilden die Sor- 
ten mit goldgelbem Rande. P. Golden 
chain, Golden Fleece, Golden 


würdige Vertreter dieser Gruppe. Nie- 
driger buschiger Wuchs und mittelgrosse 
schöne rothe Blumen empfehlen solche 
ebenfalls zu Gruppen während des Som- 
mers im freien Lande. Zwei vielfach 
angepriesene Sorten, deren ganze Blatt- 
fläche im Sommer unter dem Einfluss 
der vollen Sonne eine gelbe Farbe er- 
hält, sind P. Golden leaf und Cloth 
of gold. Wir können solche nicht em- 
pfehlen, da diese Sorten stets den Ein- 
druck kranker Pflanzen machen. — 

Die 3. und schönste Gruppe der 
buntblätterigen Pelargonien, das sind die 
4farbigen, Meist niedriger, stark ver- 
ästelter Wuchs ist denselben eigen. Die 
Blätter besitzen eine grüne Scheibe um 
den Blattstiel herum, dann folgt eine 
braunrothe Zone, die nach aussen regel- 
mässig oder unregelmässig in eine leuch- 
tend rothe Färbung übergeht und end- 
lich folgt der schön gelbweis oder weiss 
gefärbte Rand. Die Blumen scharlach- 
oder kirschroth. 

Die beiden ausgezeichnetsten Ver- 
treier dieser Gruppe sind P. Mistress 
Pollok und Sunset. Unter den vie- 
len anderen schönen, hierher gehörigen 
Formen nennen wir noch P. Glow- 
worm, Fontainebleau, Pictura- 
tum, Attraction und Quadricolor. 

In der Cultur sind diese prächtigen 
Sorten, deren Blätter die ganze Farben- 
pracht nur in voller Sonne während des 
Sommers entwickeln, die zärtlichsten 
und sie eignen sich daher vorzugsweise 
zur Topfeultur. 

Seit zwei Jahren hat der Referent 
diese buntblätterigen Pelargonien im 
Winter im Zimmerfenster, im Sommer 


I. Originalabhandlungen. 


auf dem Balkon selbst cultivirt und er- 
laubt sich den geehrten Lesern im Fol- 
genden die Resultate seiner Oultur mit- 
zutheilen, 

Alle buntblätterigen Scarlet - Pelar- 
gonien verlangen einen sonnigen Stand- 
ort und eine trockene Luft zu ihrem 
vollkommenen Gedeihen, weshalb sie, in 
sonniger Lage im Zimmerfenster eulti- 
virt, noch besser als im Gewächshause 
gedeihen. Als Erde wende man eine 
mit Sand und etwas Lehm gemischte 
Lauberde, — oder 2 Theile Torf- oder 
Heideerde, 2 Theil lehmige Wiesenerde 
und !/, Theil Sand an. Verpflanzt wird 
Anfang März oder beim Standorte im 
warmen Zimmer auch schon im Februar. 
Dabei wird ein Theil der alten Erde 
und die etwa verdorbenen Wurzeln ent- 
fernt und verhältnissmässig kleine Töpfe 
-gegeben. Für guten Abzug des Was- 
sers ist durch Unterlage einer Schicht 
Scherben auf dem Boden des Topfes 
besonders aufmerksam zu sorgen, 

Mit dem Begiessen sei man sehr 
vorsichtig. Den Winter hindurch wird 
nur soviel begossen, um das Leben der 
Pflanzen zu erhalten. Man überzeuge 
sich zu dieser Jahreszeit stets auf das 
Genaueste, ob der Ballen gehörig aus- 
getrocknet, bevor man eine neue Was- 
sergabe reicht. Es ist dies schon bei 
der Cultur im Zimmer nothwendig, wo 
die trockenere Stubenluft ein häufigeres 
Austrocknen der Pflanzen bedingt, in 
höherem Grade aber bei der Cultur im 
Gewächshause, wo man diesen Pflanzen 
einen durchaus lichten und trockenen 
Standort auf einem Fensterbrett des tem- 
perirten Kalthauses, bei 4—6° R. an- 
weist, Die gefährlichste Zeit in Bezug 
auf das Begiessen ist die von Mitte 
November bis Mitte Februar. Im Zim- 
mer entferne man um diese Zeit die 
Untersätze ganz oder giesse wenigstens, 


231 


wenn man zu begiessen gezwungen war, 
nachher das ablaufende Wasser vorsich- 
tig aus. Ebenso müssen wöchentlich 
einmal alle schlechten Blätter entfernt 
werden. 

Auch nach dem Verpflanzen hat 
man nicht minder vorsichtig zu begies- 
sen, bis zu dem Zeitpunkt, wenn unterm 
wohlthätigen Einfluss der Frühjahrssonne 
ein neuer kräftiger Trieb sich bereits 
ausgebildet hat. 

Von diesem Zeitpunkt an wird nur 
bei trübem kühlem Wetter so vorsichtig 
wie früher begossen, — bei hellem son- 
nigem Wetter schadet es aber auch 
niehts, wenn dann einmal zuviel begos- 
sen wird. In zweifelhaftem Falle be- 
siesse man bei hellem warmem Wetter un- 
bedenklich, bei kühklem nassem Wetter 
unterlasse man dagegen das Begiessen. 

Jetzt beginnt nun auch die Cultur, 
um buschige dichte Exemplare in voller 
Schönheit zu erziehen. Zu diesem 
Zwecke wendet man die folgenden Mit- 
tel an. 

So lange die Pflanzen im Zimmer- 
fenster oder in einem einseitig erhell- 
ten Gewächshause stehen, werden sol- 


che mit ihren Triehen dem Lichte zu- 
wachsen. Um dieses einseitige Wachs- 
thum zu vermeiden, dreht man die 


Töpfe alle 1—2 Wochen so, dass immer 
die Rückseite wieder dem Lichte zuge- 
kehrt wird. 

Ferner überzeugt man sich von 
Zeit zu Zeit, ob der Ballen der Töpfe 
stark ausgewurzelt. In diesem letzteren 
Falle werden die Pflanzen, — jetzt 
ohne den Ballen zu schädigen, in etwas 
grössere Töpfe, in die gleiche aber et- 
was mit Düngererde oder Hornspänen 
vermischte Erde umgeptlanzt. 

Wenn die Blumenstiele aus den 
Achseln der Blätter sich zu erheben be- 
ginnen, dann kneipt man die betreffen- 


232 


den Triebe immer oberhalb des Blattes 
aus, in dessen Achsel sich der zweite 
Blüthenstiel entwickelt. Auf diese Weise 
erzweckt man gleichzeitig vollkommene 
Entwickelung der Blumen und erneute 
Verästelung oder schönes buschiges 
Wachsthum. Zur Zeit, wenn die Blu- 
menstiele sich zu entwickeln beginnen, 
erhalten die Pflanzen auch alle 2 Wo- 
chen einen Dungguss von Wasser, in 
dem man Kuhdünger, Taubendünger 
oder Hornspäne oder einige dieser Stoffe 
gähren liess. Es versteht sich, dass ein 
derartiger Guss stets Abends oder früh 
am Morgen gegeben wird, dass er na- 
mentlich anfänglich nicht zu stark con- 
centrirt gegeben wird und dass man einen 
solchen Dungguss um so häufiger anwen- 
den kann, je üppiger das Wachsthum, 
je kleiner die Töpfe und je weniger die 
Erde mit düngenden Bestandtheilen ver- 
mengt ist. — 

Es ist eine Eigenthümlichkeit der 
buntblätterigen Pelargonien, dass solche 
die schönen Farben auf den Blättern 
um so intensiver entwickeln, je kräftiger 
das Wachsthum und je mehr die freie 
Luft und das direete Sonnenlicht auf 
die Pflanzen influirt, und je jünger und 
kräftiger die Blätter sind. Ein öfter wie- 
derholtes Einkneipen der Spitzen der 
jungen Triebe, bedingt daher bei diesen 
Pflanzen nicht blos dichteren Wuchs, 
sondern namentlich auch, schönere Fär- 
bung des Laubes. 

Wenn nun zu Mitte des Monats 
Juni das Wetter hinlänglich warm ge- 
worden, dann kommt die Zeit, wo man 
solche ins Freie bringt. 

Beim Uebersiedeln ins Freie für 
den Lauf des Sommers, ist jedoch wohl 
zu beachten, dass die eigentlich bunten 
Sorten, die mit 3 und 4 verschiedenen 
Färbungen colorirte Blätter besitzen, 
zarter als die anderen. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Der Referent hatte alle diese Pe- 
largonien, die den Winter hindurch im 
Zimmer cultivirtt worden waren, von 
Mitte Juni bis Ende August auf der 
Brüstung eines nach Osten liegenden, 
oben mit Fenstern gedeckten Balkons 
aufgestellt, wo solche vor Regen gänz- 
lich geschützt waren, die Sonne von 
Morgens bis Nachmittags 2 Uhr erhiel- 
ten und übrigens vor starkem Windzug 
geschützt, der Einwirkung der freien 
Luft von allen Seiten ausgesetzt waren. 
Die Töpfe der Pflanzen waren von der 
Brüstung des Balkons vor der unmittel- 
baren Einwirkung der Sonne geschützt. 
Sämmtliche Varietäten, die gerandeten, 
wie die mehrfarbigen wuchsen hier un- 
ausgesetzt gut und kräftig. 

Ersetzt wird eine Localität wie die 
besprochene, entweder durch einen 
Standort im gegen Süd-Osten oder Süd- 
Westen gerichteten niedrigen Gewächs- 
hause oder Fensterbeete, wo man die 
Fenster nur bei Regenwetter unter Zu- 
tritt von reichlicher Luft auflegt — oder 
durch einen Standort im stark gelüfteten 
Kalthause, oder durch einen solchen 
auf einem Tisch oder Sandbeet, wo die 
Pflanzen mittelst beweglicher Ueberda- 
chung vor Regen geschützt werden kön- 
nen. Wo an derartigen Standorten die 
Pflanzen den ganzen Tag der Sonne 
ausgesetzt sind, thut man wohl, deren 
Töpfe vor der unmittelbaren Einwirkung 
der Sonne zu schützen. Auf Tischen, 
wo sie sich am schönsten präsentiren, 
construirt man den Tisch mit einem 
Rande von der Höhe der Töpfe, auf er- 
höhten Sandbeeten schützt man die 
Töpfe durch vorgestellte Tuffsteine oder 
andere Bordüren. 

Sollen diese Pelargonien zur Aus- 
pflanzung auf Gruppen im Rasen ver- 
wendet werden, so wähle man zur Aus- 
pflanzung in den Boden selbst, nur die 


I. Originalabhandlungen. 


robusteren gerandeten oder zweifarbigen 
Sorten. Der Boden soll locker und 
leicht und über die Fläche des Rasens 
emporgehoben sein. Um das schnelle 
Abziehen des Wassers zu vermitteln, 
bringe man in den Untergrund eine 
6 Zoll hohe Schicht von zerschlagenen 
Backsteinen oder strohigem Dünger und 
über diese die ungefähr 8 Zoll hohe 
lockere und dungreiche Erdschicht. Der 
Rand des ungefähr 8 Zoll über den 
Boden gehobenen Beetes wird am ge- 
eignetsten aus Tuffsteinen gebildet. 

Die vierfarbigen zarteren Pelargo- 
nien senke man dagegen für den glei- 
chen Zweck in ähnlich construirte Sand- 
beete, sammt den Töpfen cin und sorge 
dafür, dass unterhalb des Topfes noch 
eine Höhlung bleibt, damit das Wasser 
leicht abfliessen kann und keine Regen- 
würmer in den Topf eindringen. Soll- 
ten dann bei vorherrschend nassem 
kühlem Wetter diese zarteren Sorten 
unansehnlich werden, dann thut man 
wohl, sie in ein Gewächshaus oder auf 
geschützten Standort zurückzubringen 
und die Gruppe mit anderen Pflanzen 
zu decoriren. 


Wer es gesehen, zu welcher Pracht 
unter derartiger sorgfältiger Behandlung 
die buntblätterigen Pelargonien sich ent- 
wickeln, der begreift es, dass solche 
jetzt zu den beliebtesten Modepflanzen 
in England und auch theils schon in 
Deutschland geworden sind, — aber 
ohne Mühe und Sorgfalt auch keine 
Freude an so schönen zarten Pflanzen. 


Die Vermehrung wird aus Steck- 
lingen und Samen bewerkstelligt. Die 
Stecklinge werden vom Monat März an 
den ganzen Sommer hindurch, bis zu 
Anfang Augusts geschnitten, da sie gut 
bewurzelt eingewintert werden müssen, 
sollen sie im Winter nicht wieder zu- 


233 


rückgehen. Man benutzt zu denselben 
junge Triebe mit 4—5 Blättern, welche 
unterhalb des untersten Blattes abge- 
schnitten werden. Man steckt dieselben 
aber nicht etwa in feucht gehaltene Ver- 
mehrungsbeete oder unter Glocken, son- 
dern vielmehr auf einem der Sonne aus- 
geselzten Standorte hinter dem Fenster 
des Zimmers oder im gelüfteten Kalt- 
hause in Töpfe oder Näpfe, die mit 
einer Mischung von 2 Theilen Sand und 
1 Theil Heideerde gefüllt sind. Nach 
dem Stecken werden diese mit Stecklin- 
gen bepflanzte Töpfe einmal angegos- 
sen, — dann aber giesst man nicht 
früher wieder, bis die Erde trocken wird 
und überspritzt auch die Blätter nur 
Morgens bei hellem Sonnenschein. Wenn 
auch anfänglich die Stecklinge etwas 
zu welken beginnen und die unteren 
Blätter allmälig abtrocknen, so werden 
sie dennoch auf diese Weise bald und 
kräftig sich bewurzeln, während alle 
unter Einwirkung feuchter Luft gesteck- 
ten buntblätterigen Pelargonien bald 
von unten her abfaulen. Auch kleine 
schwache Aestchen, wähle man nicht 
zu Stecklingen, indem diese selten an- 
wachsen. 

Dass die Stecklinge der buntblätte- 
rigen Pelargonien, ja auch die Pflanzen 
selbst, so häufig in feuchten Warmhäu- 
sern ähnlich anderen Pflanzen, die man 
schnell zu vermehren wünscht, foreirt 
werden, — das ist einer der Haupt- 
gründe, weshalb diese Pflanzen sich 
noch so wenig verbreitet haben und wes- 
halb die besseren sehönsten Sorten, wie 
Mr. Pollok, Sunset ete., noch immer in 
so hohen Preisen stehen. Behandle 
man solche als Pflanzen und Stecklinge 
ähnlich wie Mesembrianthemum und an- 
dere dicklaubige Pflanzen, schwäche man 
die Pflanzen nicht durch zu zeitiges 
und ganz unnützes Abschneiden der 


234 


Stecklinge, — und man wird bessere 
Erfolge haben. — 

Samen der buntblätterigen Pelar- 
gonien kommen noch gar nicht in den 
Handel, ja man erntet auch bei der 
Cultur, wie wir solche so eben schil- 
derten, nicht einmal Samen; wenn der 
Cultivateur nicht für das Ansetzen von 
Samen sorgt. Der Mittel zu letzterem 
Zweck sind zwei. Das eine gaben wir 
schon an, es besteht darin, jedem Blü- 
thenast oberhalb des 2. Blüthenstiels 
die Spitze auszukneipen, um die kräf- 
tigere Entwickelung der Blumen zu be- 
fördern. Das zweite Mittel ist die 
künstliche Befruchtung. 

Wer seine buntblätterigen Pelargo- 
nien, mit der einfachen Lupe in der 
Hand, in der Zeit der Blüthe täglich 
beobachtet, der nimmt wahr, dass sol- 
che sich ähnlich wie so manche andere, 
mittelst fortgesetzter künstlicher Bastar- 
dirung erhaltene Spielarten: oder Einzel- 
formen von hybriden Racen sich ver- 
halten. Die Antheren derselben enthal- 
ten nämlich nur in seltneren Fällen in 
einzelnen Blumen gut ausgebildeten Pol- 
len. Dazu tritt noch ein anderer Um- 
stand, der die Selbstbefruchtung fast 
unmöglich macht. Zur Zeit nämlich, 
wenn die wenigen fruchtbaren Anthe- 
ren ihren Pollen entleeren, dann ist das 
Pistill der gleichen Blume noch nicht 
befruchtungsfähig. 

Das Pistill der Gattung Pelargo- 
nium hat nämlich eine eigenthümliche 
Bildung. Um ein Mittelsäulchen im 
Herzen der Blume herum stehen am 
Grunde desselben 5 Fruchtknoten, jeder 
dieser Fruchtknoten geht in einen lan- 
gen Griffel aus, der mit dem Mittelsäul- 
chen bis Spitze verwachsen ist. 
Wenn dasPistill fruchtbar wird, trennen 
sich die über das Mittelsäulchen etwas 
emporragenden und ebenfalls nach Innen 


zur 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


unter einander verwachsenen Spitzen 
der 5 Griffel, stehen nun sternförmig 
nach allen Seiten ab und nun erst tritt 
deren an der inneren Seite liegende 
Narbenfläche zu Tage, wo die Befruch- 
tung mittelst des Pollens allein statt- 
finden kann. Zur Zeit des Verstreuens 
des Pollens durch die Antheren sind 
bei den in Rede stehenden Pelargonien 
die Griffelspitzen mit ihren Narben noch 
mit einander vereiniget und noch nicht 
ausgebreitet, also auch noch nicht be- 
fruchtungsfähig. — 

Wer daher von seinen buntblätte- 
rigen Pelargonien Samen ziehen will, 
verfahre auf die folgende Weise. Auf 
einen besonderen Tisch des gelüfteten 
niedrigen Kalthauses oder auch im Freiem, 
stelle er eine Auswahl der schönsten 
Sorten, von denen er Samen erziehen 
will, zusammen. Täglich werden diese 
Pflanzen einmal durchgangen und zu- 
nächst die Spitzen der Triebe nach dem 
Hervortreten der ersten Blumen über 
dem zweiten sich entwickelnden Blüthen- 
stand, sobald solcher bemerklich ist, 
ausgekneipt. Sobald nun die Blumen 
sich zu öffnen beginnen, müssen täglich 
Morgens zwischen 9—12 Uhr, die 
sämmtlichen Blumen durchmustert wer- 
den. Wo man eine Anthere erblickt, 
die sich geöffnet hat, und das geschieht 
gerade zur angegebenen Tageszeit, da 
muss deren Pollen benutzt werden, um 
die schon ausgebreiteten Griffel anderer 
Blumen zu befruchten. Anfänglich nehme 
man zu dieser Besichtigung die einfache 
Lupe zur Hülfe, später, sobald man 
einmal erst die fruchtbaren geöffneten 
Antheren und die ausgebreiteten be- 
fruchtungsfähigen Narben erkannt hat, 
hat man die einfache Lupe nicht mehr 
nothwendig, sondern erkennt das schon 
mit unbewaffnetem Auge hinlänglich ge- 
nau, Das Aufnehmen des Pollens ge- 


I. Originalabhandlungen. 


schieht ganz einfach, indem man mit 
der linken Hand die betreffende Blume 
hält und mit der Spitze eines Fingers 
der rechten Hand vorsichtig die geöff- 
neten Antheren berührt. Dabei hängt 
sich schon eine hinlängliche Masse Pol- 
len an der Fingerspitze fest, um solche 
nun auf die Narbenflächen eines be- 
fruchtungsfähigen Pistills einer anderen 
Blume übertragen zu können. 

Anstatt mit dem Finger, kann man 
auch mit einem feinen Pinsel oder einem 
kleinen zugeschnittenem Stückchen Holz 
den Pollen aufnehmen, — der Referent 
hat aber diese Operation stets mit der 
Fingerspitze schnell und sicher ausge- 
führt. — 

Diese Operation geht bei einiger 
Uebung verhältnissmässig ziemlich schnell 
vor sich und die Mühe belohnt sich 
reichlich, denn jede im Juli und selbst 
bis Ende August in dieser Wiese be- 
fruchtete Blume wird 5 reife Samen 
bringen, während man von ganzen Col- 
leetionen nicht befruchteter Blumen oft 
nicht einen einzigen Samen erhält. Zu 
bemerken ist noch, dass bei sonnigem 
Wetter mehr Antheren platzen und also 
da besonders aufmerksam zu durchgehen 
ist. — 

Auch das Sammeln des Samens er- 
fordert eine tägliche Durchsicht der be- 
fruchteten Pflanzen. Wenn das Mittel- 
säulchen oder die schnabelförmige Ver- 
längerung an deren Grunde die Samen 
sich ausbilden, trocken zu werden be- 
ginnt und die 5 Samenkapseln selbst 
sich schwärzlich färben, dann sind die 
Früchte reif und man kann solche mit 
dem Blüthenstiel abbrechen und in einer 
Papierkapsel zum vollständigen Abtrock- 
nen aufbewahren. Wenn die volle Reife 
eintritt, dann springt die Samenkapsel 
von dem Grund des Säulchens ab und 
hebt sich an dem noch am Säulchen 


235 


befestigten Griffel spiralig empor. Die 
beste Zeit zum Sammeln des Samens 
ist also eigentlich die, wenn die erste 
Kapsel sich auf diese Art hebt. Es ist 
das aber auch der letzte Moment, indem 
namentlich bei heissem trockenem Wet- 
ter bald darauf die Samenkapsel nebst 
der Fortsetzung ganz abfällt und so die 
Frucht der Arbeit verloren gehen könnte. 
Damit aber die Früchte nicht zu früh 
gesammelt werden, rathen wir anfäng- 
lich den Moment des Lösens der ersten 
Kapseln abzuwarten und erst wenn man 
die Zeichen der Reife genau kennt, etwas 
vorher die Früchte mit dem Blüthenstiel 
zu pflücken, die dann in der Papierkap- 
sel, welche man an einem trockenen 
schattigem Ort aufbewahrt, vollkommen 
nachreifen. — 

Der Referent erhielt auf diese Weise 
im vergangenem Sommer von wenigen 
Pflanzen einige Hundert vollkommen rei- 
fer Samen und hofft daraus manche hüb- 
sche neue Form, oder auch nur ähnliche 
Formen neben andern zurück gehenden 
Formen zu erhalten, da er zur Befruch- 
tung auch einzelne der grünblätterigen 
Pelargonien mit grösseren und verschie- 
denfarbigen Blumen mit benutzte. 

Die Samen werden im März im 
Gewächshause oder Zimmer auf einem 
sonnigen Ständorte nahe am Fenster 
ausgesäet. Die Erde, in die man aus- 
säet, wird stark mit Sand untermischt 
und erhält keinen Zusatz von Dungerde. 
Nach dem Aufgehen verstopft man die 
jungen Pflänzchen zeitig, entweder ein- 
zeln in kleine Töpfchen oder in flache 
Näpfe in ähnliche Erde und bringt sol- 
che beim Einpflanzen bis an die Coty- 
ledonen in die Erde. Die Samenpflan- 
zen faulen als kleine oder auch noch 
als halb erwachsene Pflanzen, bei einem 
Standorte in feuchter Luft oder in Folge 
unvorsichtigen Begiessens, leicht ab. 


236 


Es muss also sehr vorsichtig begossen 
werden und ebenso müssen dieselben 
einen Standort im Zimmerfenster oder 
auf einem Brett unter’m Fenster des 
temperirten Kalthauses erhalten, wo 
nicht beschattet und bei mildem 
Wetter reichlich gelüftet wird. Wenn 
man solche aus dem Gewächshause in 
ein kaltes Fensterbeet bringt, so stelle 
man sie auf Brettern dieht unterm 
Fenster auf und gebe reichlich Luft, 
ohne zu beschatten. In warmen dunsti- 
gen Mistbeeten würde man Gefahr lau- 
fen, die Frucht der Arbeit und die Hoff- 
nung auf schöne neue Formen zu ver- 
lieren. — 

Dies im Allgemeinen über die Aus- 
saat, im Speciellen noch Folgendes. 

Die Aussaat ist nach den Erfah- 
rungen des Referenten bei den bunt- 
blättrigen Scarlet- Pelargonien der eine 
Punkt, der als der schwierigste zu be- 
zeichnen ist. 

Die Samen gehen nämlich nicht 
gleichzeitig auf. Die einen bald, die 
andern folgen immer später und später 
nach, so dass in ein und demselben 
Samennapf mehrere Monate lang stets 
eine Pflanze nach der andern aufgeht. 
Es folgt daraus, dass die Pflänzchen 
unmittelbar nach dem Aufgehen mit 
einem Hölzchen vorsichtig ausgehoben 
und in einen andern Napf oder in ein 
Töpfchen verpflanzt werden müssen. 
Junge Pflänzchen, die nur einige Tage 
zu lang in dem Aussaatsnapf, der meh- 
rere Monate stets gleichmässig feucht 
gehalten werden muss, stehen bleiben, 
— bekommen faule Wurzeln und sind 
unrettbar verloren. 

Die zuerst aufgehenden Samen lie- 
fern meist kräftige Pfanzen mit grünen 
oder gezonten Blättern, die an einem 
hellen warmen Standorte verhältniss- 
mässig leicht aufgebracht werden, — 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


aber in feuchter Luft oder bei unvor- 
sichtigem Begiessen gleichfalls leicht 
faulen. 

Ganz anders verhält sich aber die 
Mehrzahl der nachträglich aufgehenden 
Pflanzen. Haben dieselben grüne ge- 
streifte Cotyledonen, »so ist bei steter 
Sorgfalt noch mit einiger Sicherheit da- 
rauf zu reehnen, diese empor zu bringen 
und buntblättrige Formen daraus zu er- 
ziehen. 

Viel schwieriger noch ist es aber, 
die Mehrzahl der andern später auf- 
gehenden Pflänzchen mit schwächlichen 
gelben Cotyledonen aufzubringen. Diese 
sind es. gerade, welche die schönsten 
buntblättrigen Abarten liefern, aber sie 
sind nur zum sehr kleinen Theil empor 
zu bringen, indem sie meist gar nicht 
dazu kommen, das erste Blatt zu bilden. 
Werden sie feucht gehalten, so werden 
solche sehr schnell von unten abfaulen, 
Trocken gehalten halten sie sich 8 bis 
12 Tage, dann trocknen die Cotyledo- 
nen ein, bevor sich ein erstes Blättchen 
gebildet hat, und das Pflänzchen ist 
verloren. Trocken gehalten und mit 
Glasglocken bedeckt verderben sie ge- 
wöhnlich, nachdem man zum ersten 
Male wieder giessen musste. In feuch- 
ter Temperatur gedeihen sie noch we- 
niger, kurz man sieht es diesen 
Schwächlingen an, dass sie gleichsam 
nicht zum Leben bestimmt sind. — 
Dennoch gelingt es einzelne aufzubringen. 
Diese bleiben aber ihrer Mehrzahl nach 
schwächlich und klein und sind sowohl 
beim ersten Verpflanzen dem Absterben 
ausgesetzt, wie sie auch oft plötzlich 
wurzelfaul werden und absterben. Eben- 
so verändern manche später ihr Wachs- 
thum, indem sie kräftiger und ganz 
grün oder einfach gezont werden. 

Der Referent hat unter den von ihm 
gezogenen Pflanzen mehrere ganz aus- 


I. Originalabhandlungen. 


237 


gezeichnete Neuigkeiten, — es fragt sich | niss setzen und bemerken heute nur, 


aber einerseits, ob solche ganz empor 
kommen, — oder ob sie beim spätern 
Wachsthume sich nicht verändern, — 
denn erst nach der erwachsenen Pflanze 
kann man den Werth der Spielart fest- 
stellen. — 

Wir werden unsere Leser von un- 
sern weitern Erfolgen später in Kennt- 


dass wir unter unsern Sämlingen meh- 
rere rein silberfarbene sowie dreifarbige 
hatten. Von silberfarbenen haben sich 
einzelne verändert, andere sind abge- 
storben, eines aber dürfte sich vielleicht 
halten und als eine der ausgezeich- 
netsten Neuigkeiten in den Gärten sich 
Eingang verschaffen. (E. R.) 


3) Die internationale Gartenbau- Ausstellung in London vom 


22. bis 31. 


Mit nicht geringer Erwartung folgte 
Referent dem an ihn ergangenen Rufe 
in’s Preisgericht zur internationalen 
Ausstellung nach London. Vom 
Jahre 1848 bis 1354 war es ihm bei 
seinem damaligen Aufenthalte in Lon- 
don und Gent vergönnt gewesen, all- 
jährlich die grossen Ausstellungen in Re- 
gents-Park und Chiswick zu besuchen, 
aber seither waren doch 12 Jahre ver- 
flossen, und es war daher von beson- 
derem Interesse für Ref. diese erste 
Londoner internationale Ausstellung in 
ihren Leistungen zu vergleichen mit den 
Ausstellungen, wie sie vor 12—18 Jah- 
ren in London Statt fanden. Abgesehen 
von der bedeutend grössern Ausdehnung 
der internationalen Ausstellung gegen- 
über früheren zeigte sie besonders nach 
3 Richtungen hin einen entschiedenen 
und sehr erfreulichen Fortschritt, ein- 
mal in der weit grössern Mannig- 
faltigkeitder ausgestellten Pflan- 
zen, dann in dem freiern, weitaus 
geschmackvolleren Arrangement 
und drittens in der für England 
bisher ganz unerhörtenlängeren 
Dauer der Ausstellung. — Wäh- 
rend früher die Londoner Ausstellungen 


Mai 1866. 


an einer gewissen Monotonie und Ueber- 
ladung litten, weil stets nur wenige 
Pflanzenfamilien einberufen und vertre- 
ten waren (auf den Frühjahrsausstel- 
lungen lieferten Azaleen und Rhododen- 
dron, Cinerarien und Oalceolarien, Orchi- 
deen, Eriken, Epacris und Neuholländer 
fast ausschliesslich das Contingent, auf 
den Sommerausstellungen dagegen bil- 
deten Pelargonien, Rosen und Fuchsien 
die Hauptmasse, und Orchideen, Eriken, 
Neuholländer und diverse Warmhaus- 
Schaupflanzen brachten nur neue Blü- 
thenmassen zu den schon vorhandenen, 
aber keine wohlthuende Abwechslung), 
so zeigte die diesjährige Ausstellung 
einen ganz anderen Charakter. Neben 
den obigen Pflanzengattungen waren 
Blatt- und Decorationspflanzen aller Art 
einberufen worden. Der Pflanzenkenner, 
der früher entzückt beim Anblick der 
ersten Ausstellung, des brillanten Far- 
beneffeets, der vorzüglichen Cultur ete. 
schon bei der zweiten unbefriedigt sich 
abwenden musste, weil er ausser eini- 
gen wenigen, zum ersten Male als Neu- 
heiten sich producirenden Pflanzen, nichts 
fand als die gleichen Pflanzengattungen, 
meistens sogar in den ganz gleichen, 


238 


nur um 1 oder 2 Jahre älter und 
grösser gewordenen Exemplaren, konnte 
jetzt mit grösster Befriedigung stunden- 
ja tagelang die Ausstellung durchwan- 
dern und seine Pflanzenkenntniss we- 
sentlich bereichern; Liebhaber von Spe- 
cialitäten aller Art, von Palmen, Cy- 
cadeen, Farnen, Coniferen, Agaven und 
Yueca-Arten, Dracänen, Cacteen, Ara- 
lien, Caladien, Blattpflanzen des Warm- 
und Kalthauses, von buntblättrigen Pflan- 
zen u. 3. w., jeder konnte das Schönste 
und Werthvollste seiner speziellen Lieb- 
haberei in prächtigen Exemplaren und 
gewählten Colleetionen vertreten finden. 
Das Ausstellungs-Comite hatte in sei- 
nem Programm, ganz entgegen dem 
früheren langjährigen Gebrauche, eine 
möglichst vielseitige Vertretung aller 
Garten- und Gewächshauspflanzen an- 
gestrebt, und damit einen wahren Fort- 
schritt erzielt, den auch das englische. 
Gartenpublikum, so conservativ dasselbe 
im Allgemeinen ist, vollständig aner- 
kannte *). Dieser erste Fortschritt 


*) Um den Lesern einen Begriff von 
der Grossartigkeit dieser Ausstellung, von 
der Mannigfaltigkeit der eingesandten Pflan- 
zen ete. zu verschaffen, deutlicher 
scheinlich als unsere unbeholfene Feder es 
vermöchte, — warum musste auch Dr. Re 
gel zum allgemeinen Bedauern seiner zahl- 
reichen Bekannten und Freunde bei diesem 
grossartigsten aller Gartenfeste fehlen und 
uns die Berichterstattung überbinden?! — 
wollen wir hier einige statistische Notizen 
folgen lassen; die Zahlen werden verständ- 
lich genug reden: — Das Programm stellte 
im Ganzen 238 Concourse (Klassen) auf, da- 
runter 41 für Früchte, 20 für Gemüse, 10 
für Bouquets etc. und 7 für Gartengeräthe, 
Maschinen, Gartenpläne etc., alle übrigen 
(160) für Zierpflanzen aller Art. In jedem 
Concourse waren mindestens 2, meistens 
3—4 Preise ausgesetzt; alle Preise waren 


wahr- 


Garteuflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


machte auch den zweiten, den eines 
weit natürlicheren und geschmackvol- 


Geldpreise, der höchste einzelne Preis be- 
trug 30 Pfund Sterling (1 Pfund Sterling 
= 7 Thlr. Courant oder 25 Franken), der 
niedrigste 5 Schilling (etwa 1°), Thlr.). Die 
Gesammtsumme der ausgesetzten Preise be- 
trug 2500 Pf. St. (= 17500 Thlr. oder 62500 
Franken). Es ist nicht ohne Interesse, et- 
was näher auf die Vertheilung dieser grossen 
Summe unter die einzelnen Pflanzengat- 
tungen einzugehen, da daraus sich we- 
nigstens relativ die Gunst ermessen lässt, 
welcher sich jede dieser Gattungen jetzt in 
den englischen Culturen erfreut. So wur- 
den ausgesetzt: Für neue Einführungen 
61 Pf. St., nach unserer Meinung wohl we- 
nig für die Wichtigkeit dieses Concourses, 
für Collectionen blühender Schaupflanzen 
190 Pf. St., für Collectionen von decorativen 
Blattpflanzen 120 Pf. St. (Begonien und Ca- 
ladien ausgenommen, die besondere Con- 
course bildeten), für Collecetionen ausdau- 
ernder Bäume und Sträucher (Azaleen und 
Coniferen nicht inbegriffen) 100 Pf. St., für 
Stauden, Alpenpflanzen und Annuelle nur 
26 Pf. St., für exotische Orchideen 239 Pf. St. 
in 9 Concoursen! für Palmen, Cycadeen 
und Pandaneen zusammen dagegen nur 
8ı Pf. St., für Farne (Baum-, Gewächshaus. 
und Landfarne) 146 Pf. St., für Aroideen 
(ohne Caladien) 15 Pt. St., für Araliaceen 
6 Pf. St, für Marantaceen 10 Pf. St., für 
Cacteen 24 Pf. St.!, für Taxineen und Coni- 
feren 78 Pf. St., für Caladien 15 Pf. St., für 
Nepenthes 18 Pf. St., für Sarracenien 22 Pf. 
Sterl.!, für Begonien 16 Pf. St., für Eriken 
63 Pf. St., für Yucca, Beaucarnea, Da- 
sylirium etc. 25 Pf. St., für Dracänen eben- 
falls 25 Pf. St., für Agaven 35 Pf. St., für 
Amaryllis 15 Pf. St., für Cap-Pelargonien 
9 Pf. St.!, für Land-Rhododendron 68 Pf. St., 
für Haus-Rhododendron nur 6 Pf. St, (die 
Himalaya-Rhododendron haben also in 
England ihre Rolle auch ausgespielt!), für 
indische Azaleen 143 Pf. St!, tür Topf-Ro- 
sen 70 Pf. St., für Scharlach-, Bouquet- 
und buntblätterige Zonalpelargonien 51 Pf. St., 


I. Originalabhandiungen. 


leren Arrangements möglich. — Die 
früheren Ausstellungen, auf enge Räum- 


239 


lichkeiten beschränkt, boten den bril- 
lanten, beim ersten Beschauen wirklich 


für grossblumige, 5fleckige und Phantasie- 
Pelargonien 95 Pfd. St., für Fuchsien (auch 
ihr Reich geht auf die Neige, ebenso das 
der Verbenen, die gar nicht einberufen wa- 
ren), nur 27 Pd. St., für Orangenbäume 
27 Pid. St. und für andere hochstämmige 
Kübelpflanzen (Lorbeeren, Ilex etc.) 42 Pf. St. 

Für Früchte und Obstbäume waren 
248 Pf. St. ausgesetzt, davon fiel der Lö- 
wenantheil mit 82 Pfd. St. auf Weintrauben, 
15 Pid. St. auf Ananas, 24 Pfd. St. auf Pfir- 
sich, nur 41/, Pf. St. auf Melonen, dagegen 
25 Pf. St. auf Erdbeeren. — Die Gemüse 
sind recht stiefmütterlich hehandelt worden, 
denn die ganze Prämiensumme für diese 
wichtige Abtheilung betrug nur 38 Pf. St., 
also noch nicht die Hälfte der Summe, die 
allein für Weintrauben ausgeworfen war! 
Die englische Kochkunst ist in Betreff der 
Gemüsebereitung bekanntlich noch sehr pri- 
mitiv, alle Gemüse werden in Salzwasser 
abgekocht und ohne jede weitere Zu- 
bereitung servirt, — kein Wunder also, 
wenn die Engländer sich daher an ihre treff- 
lichen Fleischspeisen halten und das Ge- 
müse nicht die gleiche Wichtigkeit hat, wie 
auf dem Continent. Dennoch würde man 
sehr irren, wenn man daraus folgern wollte, 
der Gemüsebau würde in England vernach- 
lässigt, ganz das Gegentheil ist der Fall 
und eben deshalb wundern wir uns, dass 
nicht höhere Preise ausgesetzt waren. — 
Bouquets, Tafelaufsätze, Blumentische etc. 
waren unserer Ansicht nach dagegen mit 
55 Pf. St. wieder zu reichlich bedacht, wäh- 
rend für Gartengeräthe, Maschinen, Pflan- 
zenkübel, Vasen, Gartenmöbeln, Garten- 
pläne etc. nur 50 Pf. St. ausgesetzt waren. — 
Doch „Kritisiren ist leichter als Besserma- 
chen“, und der beste Beweis, dass das 
Programm mit grosser Sachkenntniss und 
vollständigem Vertrautsein mit dem herr- 
schenden Geschmack im Gartenpublikum 
aufgestellt worden, liegt darin, dass von 
den 238 Concoursen nur 13 ohne Bewerber 
geblieben sind! — Die Zahl der Aussteller 


belief sich auf 360, darunter viele Mitglie- 
der der höchsten englischen Aristokratie. 
Leider war die Betheiligung des Auslandes 
eine sehr geringe! 9 Franzosen, 7 Belgier, 
4 Deutsche und 1 Holländer hatten sich als 
Aussteller betheiligt, und von diesen nur 
die Belgier in einiger Massen bedeutender 
Weise. Es ist und wird immer eine miss- 
liche Sache bleiben, eine Pflanzenausstellung 
zu einer wirklich internationalen zu machen; 
denn grosse blühende Exemplare lassen sich 
schlechterdings nicht auf grössere Entfer- 
nungen so transportiren, dass sie auch noch 
ausstellungsfähig ankommen, ganz abge- 
sehen von den grossen Transportkosten und 
von dem noch grösseren Risiko. — Einen 
wirklich internationalen Charakter hatten 
dagegen der mit der Ausstellung verbun- 
dene Congress und das zu Ehren der frem- 
den Gäste gegebene Banket, denn hier wa- 
ren die Ausländer zahlreich vertreten; auch 
in der Ausstellung selbst traf man fast auf 
jeden Schritt auf Fremde: Franzosen, Bel- 
gier und Holländer waren sehr zahlreich 
erschienen, auch Deutschland hatte ein ganz 
artiges Contingent gestellt, und würde je- 
denfalls ganz anders vertreten gewesen sein, 
wenn nicht unglücklicher Weise der Krieg 
schon an die Thüren geklopft hätte, 

Der Ausstellungsraum hatte eine Länge 
von 440 Fuss, bei 293 Fuss Breite, also 
128,920 []‘ oder über 3 Morgen Flächen- 
inhalt. Die Eintrittspreise für das Pu- 
blikum (die Aussteller und eingeladenen 
Fremden hatten stets freien Eintritt) waren 
nach englischer Sitte festgestellt wie folgt: 
am ersten Tage 1 Guinea (7 Thaler Crt.), 
am zweiten Tage 10 Schilling (31/, Thlr.), 
am dritten 21/, Schilling (25 Sgr.), am vier- 
ten und den folgenden Tagen nur 1 Schil- 
ling (10 Sgr. oder 11/, Franken). Die Dauer 
der Ausstellung war anfänglich auf 4 Tage 
angesetzt worden, wurde aber auf allge- 
meinen Wunsch noch um 5 Tage verlängert 
(am dazwischen fallenden Sonntag blieb sie 
geschlossen, die Engländer können noch 


240 


feenhaften Anblick eines ununterbroche- 
nen Blumenteppichs, das Auge wurde 


immer nicht von ihrer judaisch strengen 
Sonntagsfeier ablassen). — Diese Verlän- 
gerung hat .besonders auch ein Deficit ver- 
hütet, denn in den letzten 4 Tagen wurde 
die Ausstellung noch von 82000 Personen 
besucht. Die Gesammtzahl der Besucher 
darf danach auf mindestens 200,000 ge- 
schätzt werden! — Die Gesammtkosten der 
Ausstellung (und des damit verbundenen 
Congresses von Botanikern, Gärtnern und 
Gartenfreunden ?) beliefen sich auf 13000 Pf. 
Sterl. (91,000 Thlr.) und wurden vollständig 
durch die Einnahmen an Eintrittsgeldern 
gedeckt! Diese grosse Ausstellung, nach 
allgemeinem Urtheil die grossartigste, die 
je Statt gefunden, war also auch in finan- 
zieller Hinsicht vom besten Erfolge gekrönt, 
Dank der energischen, umsichtigen, in je- 
der Beziehung vortrefllichen Leitung und 
Ueberwachung des Ganzen von Seiten des 
Executiv-Comite. — Dasselbe bestand un- 
ter dem gewandten und geschäftstüchtigen 
Präsidium des Sir C. Wentworth Dilke, 
Bart., M. P., aus 20 Mitgliedern, darunter 
8 der ersten englischen Handelsgärtner; 
auch der berühmte Reisende, Robert For- 
tune, war Comitemitglied.. Neben dem 
Präsidenten sind noch ganz besonders die 
3 Secretaire dankbar zu nennen; die ihnen 
aufgebürdete Arbeit muss colossal gewesen 
sein. Es die Herren Thomas 
Moore, Curator des botanischen Gartens 
in Chelsea, Dr. Masters, mit dem Vori- 
gen seit Dr. Lindley’s Tode Hauptredac- 
teur des „Gardener’s Chronicle“, des 
grössten aller existirenden Gartenjournale, 
und Dr. Robert Hogg, Redacteur des 
„Journal of Horticulture and Cot- 
tage Gardener“, einer in England eben- 
falls sehr verbreiteten Zeitung. — Da diese 
Herren auch noch speciell mit dem Em- 
pfange der fremden Preisrichter und Con- 
gressmitglieder betraut waren, so benutzt 
Ref. gern diesen Anlass, ihnen den wärm- 
sten Dank auszusprechen für die liebens- 
würdige Zuvorkommenheit, für das Frem- 


waren 


® 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


aber bald geblendet und ermüdet und 
suchte vergebens nach Ruhepunkten, 
nach der wohlthuenden Abwechslung 
grüner Laubmassen, der ästhetisch ge- 
bildete Geschmack fühlte sich verletzt 
durch diese Ueberladung greller Farben- 
massen. Die Engländer haben of- 
fenbar die continentalen Ausstellungen 
dieses Mal und in dieser Beziehung 
hoffentlich für immer zum Vorbild ge- 
nommen; was einfaches und doch ge- 
schmackvolles Arrangement betrifit, so 
darf diese Ausstellung als vorzüglich 
gelungen genannt werden, und als für 
England von bahnbrechender Bedeutung. 
Herr Gibson, Director des berühmten 
Battersea Parks bei London, von früher 
her rühmlich bekannt durch zahlreiche 
Einführungen schöner Orchideen u. 8. w. 
(er reiste seiner Zeit im Auftrage des 
Herzogs von Devonshire nach ÖOstin- 
dien, um in erster Linie die prachtvolle 
Amherstia nobilis lebend einzufüh- 
ren, was ihm auch glücklich gelang; 
zugleich brachte er eine Menge der 
schönsten Orchideen, so z. B. Den- 
drobium Devonianum, D. Pax- 
toni, Dalhousieanum und Gibsoni 
etc, mit zurück) — war mit der Anle- 
gung und dem Arrangement des Aus- 
stellungsraumes betraut worden, und er 
hat diese Aufgabe meisterhaft gelöst. 
Die grosse Fläche (von über 3 Morgen 
Flächeninhalt) zwischen dem Garten der 
k. Gartenbaugesellschaft in Kensington 
und Cromwell Road gelegen, war unter 
dem Schutze eines riesigen Zeltdaches, 
das in 7 parallellaufende Dächer getheilt, 
auf hohen schlanken Pfeilern ruhte, die 
nur wenig störend wirkten, in ein Blu- 


den so besonders wohlthuende offene, freund- 
liche Entgegenkommen, mit denen sie sich 
dieser Aufgabe entledigten. (E. ©.) 


Taf. 516 


Featyerater Zr PRSER ee nn 


IL. Originalabhandlungen. 


menparterre im besten englischen Style 
verwandelt. Schön gewundene breite 
Kieswege führten durch ein welliges 
Terrain, das nach der Mitte zu, sich 
muldenartig senkte, um von den End- 
punkten aus weitere Ueberblicke und 
Durchsichten zu gestatten; die Terrain- 
bewegungen waren meisterhaft durch- 
geführt. Die Pflanzen waren meistens 
auf terrassirten Grasböschungen sehr 
vortheilhaft aufgestellt, das Zusammen- 
gehörige so viel als möglich nebeneinan- 
der; eine richtige harmonische Verthei- 
lung von Laub- und Blüthenmassen war 
überall so weit möglich sorgfältig be- 
obachtet worden, nirgends Ueberfüllung, 
nirgends Leere; zwei kleine Seen von 
Felsparthien begränzt trugen ihrerseits 
zur Abwechslung und Belebung dieses 
Feengartens bei, — wir wiederholen 
und betonen ausdrücklich, im Arrange- 
ment gab sich ein iınmenser Fortschritt 
kund, den wir gerne als Sieg des con- 
tinentalen Ausstellungssystemes procla- 
miren möchten, der aber richtiger als 
eine glücklich gelungene Verbindung der 
continentalen und englischen Systeme 
bezeichnet werden muss; denn die locker 
aufgestellten Gruppen, in denen sich 
jede Pflanze als Einzelnes geltend ma- 
chen konnte und zur Geltung gelangte, 
die Abwesenheit jeder Effecethascherei 
durch Extradecorationen, wie Brücken, 
Springbrunnen, (Cascaden, Pavillons, 
Ampeln, Festons ete., die auf continen- 
talen Ausstellungen so oft den Mangel 
an Schönen Schaupflanzen verdecken 
müssen, waren Beweis dafür, dass die 
Engländer keineswegs gesonnen sind, 
die Vorzüge inrer Methode blind zu 
opfern und daran haben sie vollständig 
recht. — Referent hat leider die ersten 
internationalen Ausstellungen in Brüssel 
und Amsterdam nicht gesehen und kann 
daher mit diesen keine Parallele ziehen, 
VIII, 1866, 


241 


aber jedenfalls haben sie in dieser Be- 
ziehung auf’s Vortheilhafteste eingewirkt 
und einer gesunderen Geschmacksrich- 
tung, einer weitherzigern Auffassung 
der Zwecke einer Pflanzenausstellung 
Bahn gebrochen in England. — 

Die noch kalten Nächte hatten es 
nothwendig gemacht, für Orchideen und 
andere zarte Warmhauspflanzen einen 
besondern Raum abzutrennen, der durch 
Wasserröhren geheizt wurde; hier wa- 
ren auch die neuen Pfianzen, der Haupt- 
anziehungspunkt für Fachmänner, aus- 
gestellt. Diese Abtheilung war in al- 
ter, gewohnter Weise arrangirt worden 
und konnte desshalb trefflich dienen, 
den Fortschritt im Arrangement klar zum 
Bewusstsein jedes Besuchers zu bringen. 
Die Früchte und Gemüse waren eben- 
falls in einen besonders abgetrennten 
Raum verwiesen, wo sie, ohne den 
grossartigen Totaleindruck zu stören, 
zugleich zweckmässiger placirt werden 
konnten. Sehr vortheilhaft erwies sich 
die Verbindung des Ausstellungsraumes 
mit dem grossen, aufs Eleganteste un- 
terhaltenen Garten der Gartenbau - Ge- 
sellschaft, der den Besuchern ebenfalls 
geöffnet war, wodurch, trotz der vielen 
Tausende Besucher, grosses Gedränge in 
den Wegen vermieden wurde. Man sah 
sich eine oder einige Stunden in der 
Ausstellung um, ging dann hinaus in 
den Garten, um frische Luft zu ge- 
niessen, die empfangenen Eindrücke zu 
verarbeiten, den Vorträgen der Militär- 
musiken zu lauschen, die eleganten Toi- 
letten und selbstverständlich auch die 
Trägerinnen derselben zu mustern, kehrte 
dann in die Ausstellung zurück oder 
stattete vorerst noch einem Restaurant 
oder einem Büffet einen Besuch ab, am 
Ein- und Ausgange in unmittelbarer 
Verbindung mit der Ausstellung errich- 
tet, um Sich für neue Strapazen zu 

16 


242 


stärken, denn dass auch diese höchst 
nützlichen Institute nicht fehlen durften, 
liess sich bei dem praktischen Sinne der 
Engländer wohl erwarten. Auf diese 
Weise konnte man ohne Ermüdung 
ganze Tage in den Ausstellungsräumen 
verleben, sich in aller Musse die aus- 
gestellten Pflanzenschätze ansehen, und 
das ungeheure Material nach und nach 
doch bewältigen, das auf den ersten 
Anblick jedes Eingehens auf Einzelhei- 
ten zu spotten schien. 

Ehe wir auf Näheres eintreten, bleibt 
uns noch übrig, den dritten Fortschritt, 
die längere Dauer der Ausstel- 
lung, näher zu begründen. Für con- 
tinentale Anschauung erscheint es fast 
unglaublich, dass die früheren grossen 
Londoner Ausstellungen nur einen Tag, 
oder richtiger nur einen halben Tag 
dauerten, und zwar war der Hauptgrund 
das allgemeine Vorurtheil, die Pflanzen 
würden bei einem längeren Verweilen 
im Ausstellungsraume zu sehr leiden, 
oder wohl ganz zu Grunde gehen, Die 
Pflanzen wurden Tags vorher in grosse 
gedeckte Möbelwagen oder dergleichen 
verpackt, und die Abfahrtsstunde so be- 
stimmt, dass man Morgens Früh 4 Uhr 
im Ausstellungsraume anlangte. Jeder 
Aussteller musste eine hinreichende An- 
zahl Leute denn für die 
Aufstellung waren nur wenige Stunden 
eingeräumt, um 9 Uhr musste Alles 
fix und fertig und das Ausstellungslokal 
geräumt sein, da nun die Preisrichter, 
immer nur einige wenige der tüchtigsten 
Pilanzeneultivateure, deren Namen gar 
nicht bekannt wurden, ihr Amt began- 
nen, Auch sie mussten sich sehr be- 
eilen, nur 3, höchstens 31/, Stunden 
waren ihnen zur Besichtigung und Be- 
urtheilung gestattet; denn um 121/, Uhr 
kam die Königin mit ihrer Familie und 
Hofstaat angefahren, um als hohe Pro- 


mitbringen, 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


teetorin der Gartenbau - Gesellschaft die 
Ausstellung zu besichtigen. Sie liess 
sich von einigen begleitenden Mitglie- 
dern des Comit& die besonders bemer- 
kenswerthen Pflanzen zeigen und ver- 
weilte etwa eine Stunde. Erst nach 
ihrer Abfahrt durfte das Publikum ein- 
gelassen werden, also um IY,—2 Uhr 
Nachmittags und um 6 Uhr, also nach 
kurzen 4—4!/, Stunden wurde die Aus- 
stellung schon geschlossen. Kaum war 
das Lokal polizeilich, allerdings unter 
Beobachtung der grössten Höflichkeit, 
vom Publikum geräumt worden, so 
stürzte auch schon der Schwarm der 
Aussteller und ihrer Gehülfen in die 
Räume, um die Pflanzen wieder in die 
Wagen zu bringen und abzufahren. Um 
S Uhr Abends war der ganze Feengar- 
ten wieder verschwunden, ebenso rasch 
wie er entstanden. — Allerdings hatten 
auf diese Weise die Pflanzen nur 11], 
bis 2 Tage ausserhalb ihres heimathli- 
chen Gewächshauses zugebracht, aber 
man darf dreist behaupten, dass nicht 
das längere Verweilen in der Ausstel- 
lung, vorausgesetzt, dass sie hier ge- 
gen Staub, Zugluft u. 8. w. hinreichend 
geschützt sind, wie diess selbstverständ- 
lich eine Hauptbedingung ist, sondern 
die raschen Temperaturwechsel und vor 
Allem das nicht zu vermeidende Rüt- 
teln und Schütteln auf dem. Hin- und 
Hertransport und bei der Aufstellung 
am nachtheiligsten wirken. Und nun 
gegen diesen noch sehr problematischen 
Vortheil des alten Systems, die vielen 
grossen Nachtheile. Das Ganze war 
eigentlich für Aussteller und Publikum 
eine Hetzjagd, die Zeit war für Alle so 
kurz zugemessen, dass Niemand zu 
einem ruhigen Genuss kam. Der Aus- 
steller fand kaum Zeit, mit seinen eige- 
nen Pflanzen fertig zu werden, wie 
hätte er sich die seines Concurrenten 


I. Originalabhandlungen. 


anders als in flüchtigster Weise ansehen 
können? — Welchen Gewinn trug er 
nach Hause, als im glücklichen Falle 
den, den ersten Preis erhalten zu ha- 
ben, ohne eigentlich zu wissen wa- 
rum? — Um die bedeutenden Kosten 
zu decken, mussten die Eintrittspreise 
hoch angesetzt werden, nur die rei- 
cheren Klassen besuchten daher die 
Ausstellung; aber auch sie hatten we- 
nig Gewinn davon, denn da das ganze 
Publikum zu gleicher Stunde die Aus- 
stellung betreten musste, war bei schö- 
nem Wetter stets eine solche Menschen- 
masse in den Räumen, dass von einem 
näheren, ungestörten Beschauen keine 
Rede sein kennte. Ein breiter Men- 
schenstrom wälzte sich langsam fort, da 
half kein Widerstreben, man konnte 
nicht stehen bleiben, zurückgehen oder 
vorauseilen, man musste sich willenlos 
vom sStrome fortführen lassen, glück- 
lich, wenn man sich so placirt fand, 
dass man doch Etwas sehen konnte! — 
Um diesem Uebelstande möglichst ab- 
zuhelfen und einen Theil der Besucher 
abzulenken, wurden mehrere Musikcorps 
im angrenzenden Garten placirt, die ab- 
wechselnd ihre lockenden Syrenentöne 
erschallen liessen, und allerdings wa- 
ren sie bald umringt von Schaaren Pro- 
menirender, denn jeder war froh, mög- 
liehst bald aus dem Gedränge der Aus- 
stellung sich hinauszuretten ins Freie, 
— aber war damit ein wesentlicher 
Zweck der Ausstellung gewonnen? — 
Die früheren Londoner Ausstellungen 
waren eigentlich nichts mehr und nichts 
minder als fashionable Promenaden der 
vornehmen Welt: es gehörte zum guten 
Ton, sie gesehen zu haben, sie mitzu- 
machen, die Toiletten der Damen spiel- 
ten eine ebenso grosse, ja grössere 
Rolle als die brillantesten Toiletten der 
Kinder Flora’s, denn jene waren nicht 


243 


an den Platz gebannt, wie diese, und 
konnten sich in grösserer Freiheit prä- 
Sentiren. War dagegen unglückli- 
cher Weise der Nachmittag gar regne- 
risch, und bekanntlich sind die schönen 
Tage in London nicht zu häufig, so 
war der Zweck der Ausstellung ganz 
verfehlt, und die Gesellschaft hatte 
schwere Verluste in den Kauf zu neh- 
men, Diess das Bild der früheren 
Ausstellungen, die hoffentlich nach dem 
glänzenden Erfclge der internationalen 
Ausstellung, die zuerst auf 4 Tage an- 
gesetzt, volle 9 Tage dauerte, ohne 
dass die Pflanzen wesentlich gelitten 
hätten, nın für immer zu den über- 
wundenen Standpunkten gehören wer- 
den. In den letzten 4 Wagen wurde 
die Ausstellung noch von 82,000 Per- 
sonen besucht! — Man hatte den Aus- 
stellern gestattet, solche Pflanzen, die 
offenbar leiden würden, zurückzuneh- 
men, dabei aber gebeten, die Lücken 
wieder möglichst mit andern ähnlichen 
Pflanzen auszufüllen, aber nur sehr 
wenige Aussteller und diese nur im 
beschränktesten Maasse, machten Ge- 
braueh von dieser Erlaubniss; die Aus- 
steller waren selber zur Einsicht ge- 
kommen, dass die Pflanzen sich ganz 
vortreflliich hielten, und dass der eigent- 
liche Hauptzweck und grösste Nutzen 
solcher Ausstellungen nur der sein könne, 
durch niedrige Eintrittspreise und längere 
Dauer einem möglichst zahlreichen Pu- 
blikum aus allen Klassen Gelegenheit 
zu geben, dieselben besuchen zu kön- 
nen. 

Haben wir bisher lobend der grossen 
Fortschritte gedacht, die jeder Besucher, 
der mit den Verhältnissen von Einst 
und Jetzt in London einigermassen ver- 


traut ist, auf’s Angenehmste überrasch- 

ten, so ist es auch Pflicht eines wahr- 

heitliebenden Referenten, Rückschritte 
16 * 


244 
» 


zu constatiren, insofern solche vorlie- 
gen. Referent hatte seit 12 Jahren keine 
Londoner Ausstellung mehr gesehen, 
aber frisch waren ihm noch im Ge- 
dächtniss die herrlichen Schauexemplare 
von den schwierigsten Eriken nnd 
feinsten Neuholländern, die jeden Gärt- 
ner, der die delikate Constitution, die 
diffieile Behandlung dieser Pflanzen aus 
eigener Erfahrung kennt, mit Erstaunen 
und Entzücken erfülllen. Wo sind sie 
geblieben die herrlichen Culturexemplare 
von Erica aristata, ampullacea, 
jasminiflora, Massoni, Savillei, 
tricolor und so viele andere?! Wo 
sind die prächtigen Schaupflanzen hin- 
sekommen von Burtonia conferta 
und violacea, Lechenaultia for- 
mosa, von den schönen Arten der Gat- 
tungen Chorizema, Crowea, Da- 
viesia, Dillwynia, Gompholo- 
bium, Hovea, Zychia u. s. w.?! 
Wir suchten sie vergebens, und auch 
die noch vorhandenen Schaupflanzen von 
Eriken und Neuholländer, auch 
nicht minder schön als die genannten, 
so doch minder diffieill und daher min- 
der verdienstlich als 
schienen uns nicht mehr mit der vol- 
lendeten Meisterschaft herangezogen zu 
sein, wie in früheren Jahren, hier 
ist ein wirklicher Rückschritt nieht ab- 
zuleugnen. — Pelargonien, Orchideen ete. 
und vor Allem die Topfrosen, von je- 
her der Stolz der englischen Ausstel- 
lungen, waren in schönstem Culturzu- 
stande, aber keineswegs schöner, als 
sie schon vor 15— 20 Jahren in Lon- 
don gesehen wurden, — es soll diess 
kein Tadel sein, wir wollen damit nur 
constatiren, dass der damalige Qultur- 
zustand dieser Pflanzengattungen schon 
die Höhe der Vollkommenheit erreicht 


wenn 


Culturleistung, 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


hatte, die schlechterdings nicht mehr 
überschritten werden kann, eine Höhe, 
die von continentalen Gärtnereien im 
Allgemeinen noch längst nicht erreicht 
worden ist, nicht sowohl, weil Klima, 
Erde und Wasser in Deutschland, Bel- 
gien etc. solche Culturvollkommenheit 
nieht gestatten, wie dies so vielfach an- 
genommen wird, sondern weil auf dem 
Continent die Gärtnerei in ganz anderen 
Bahnen wandelt. — Dass die engli- 
schen Culturen auch in Deutschland 
möglich sind, das haben in den Vier- 
ziger Jahren u. A. die Herren Goode 
in der berühmten Gärtnerei des Herrn 
Booth in Flottbeck bei Hamburg, und 
Peter Smith bei Herrn Steer in 
Ham bei Hamburg bewiesen, das hat 
unser Freund Gireoud auf den früheren 
Berliner Ausstellungen durch lange Jahre 
zur Evidenz gebracht. — Auch die 
Orchideen eines Consul Schiller in 
Hamburg, der Gebrüder Reichenheim 
in Berlin, die Warmhaus- Blattpflanzen 
Laurentius in Leipzig und 
manche andere deutsche Leistungen 
dürfen sich ebenbürtig den besten eng- 
lischen zur Seite stellen und beweisen 
hinlänglich, dass die deutschen Gärtner 
auch in Cultur von Schaupflanzen Vor- 
zügliches leisten können, wenn sie die- 
ser Richtung ihre ganze Energie zuwen- 
den und ihnen die nöthigen Mittel an 
zweckmässigen Räumlichkeiten, Arbeits- 
kräften ete. zur Verfügung stehen. Im- 
merhin wird das reiche England in die- 
ser Beziehung stets eine vorzügliche 
Schule für junge deutsche Gärtner blei- 
ben, deren Besuch auf 1—2 Jahre wir 
unsern jungen, strebsamen Collegen 
dringend anempfehlen. 


eines 


(E. ©.) 
(Fortsetzung folgt.) 


II. Neue Zierpflanzen. 


ll. 


a) Abgebildet in Belgique horticole. 
1) Azalea indica vittata Bealüi,. — 
Wohl die eleganteste der auf weissem 


Grunde carminroth gestreiften Sorten. Ist 
1855 von Fortune direkt aus China ein- 
geführt worden. 

2) Dianthus multiflorus Hort. var. 
Emile Pare. — Der D. multiflorus ist einer 
der von der gewöhnlichen Gartennelke ge- 
fallenen Bastarde. Die gut gefüllten Blu- 
men sind auf fleischfarbenem Grunde ähn- 
lich den Flamänder Nelken gestreift. 

Der D. multiflorus mit seinen Formen 
blühet, im freien Lande cultivirt, vom Mai 
bis Oktober. Im Topfe cultivirt kann sol- 
cher Mitte Winter zu vollkommener Blüthe 
gebracht werden, deshalb als harte Topf- 
staude, wie zur Oultur auf Blumengruppen, 
zur Bekleidung von Felsenparthien ete., 
gleich empfehlenswerth. Vermehrung durch 
Ableger und Stecklinge im Herbste. 


b) Abgebildet im Botanical Magazine. 


3) Rhododendron Hodgsoni Hook. fil. 
(Sikkim Rhod. tab. 15. Bot. Mag. 
tab. 5552). Von Dalton Hooker 
im Sikkim Himalaya und Ost-Nepal in 
einer Höhe von 10—12000 Fuss entdeckt. 
Bildet baumartige Sträucher mit dickem 
Stamme von 10—20 Fuss Höhe. Aestchen 
filzig. Blätter gross und lederartig, läng- 
lich-verkehrt-oval, stumpf, oberhalb kahl, 
unterhalb mit einem weissen oder röthli- 
chen Filz bekleidet. Blattstiele dick. Blu- 
men in grossen vielblumigen dichten Köpfen. 
Kelch sehr undeutlich., Blumen glockig, 
licht purpur, mit 8— 10lappigem Saume. 
Staubfäden 16—18. Fruchtknoten weich- 
haarig, 10—16fächrig. Eine schöne Art, 
mit grossen decorativen Blättern- Scheint 
erst in späterem Alter dankbar zu blühen. 

4) Laelia grandis Lindl. (Lindl. et Paxt. 
Fl. Gard. I. n. 91 cum xylogr. — Bot. Mag. 
tab. 5553. Schöne epiphytische Orchi- 
dee aus Bahia. Scheinknollen keulenförmig, 
ein lederartiges längliches Blatt tragend. 


245 


Neue Zierpflanzen. 


Blüthentraube 
Kelch - 


2blumig. Blumen gross, 
Blüthenblätter lanzettlich, 
kraus, bis 2 Zoll lang, ledergelb, Lippe 
wellig, 3lappig, die Seitenlap- 
pen die Stempelsäule umhüllend, Mittel- 
lappen rosa angehaucht und carmin ge- 
streift. 

5) Begonia baccata Hook. (tab. 5554). 
Eine Begonia, die Gustav Mann auf der 
Insel St. Thomas entdeckte. Stengel, Blatt- 
stiele und Blüthenstiele kurzfilzig.. Blätter 
von rundlicher breit-herzförmiger Gestalt, 
vorn plötzlich in eine Spitze vorgezogen, 
ungleich buchtig gezähnt. Nebenblätter sehr 
gross, breit länglich, stumpf, bald abfal- 
lend. Trugdolden achselständig, kurz ge- 
stielt, 6—8blumig. Blumen gross, weiss, 
jede einzelne beiderlei Geschlechts mit 2 
grossen elliptischen Blumenblättern. Frucht- 
knoten 5—6furchig, 5—6fächrig. Frucht 
beerenartig, nicht aufspringend, fast kuge- 
lig.. — DBegonien mit beerenartigen 5 — 
6fächrigen Früchten sahen die beiden Be- 
arbeiter der Begoniaceen, Klotzsch und 
A. Decandolle gar nicht, — Mann ent- 
deckte aus dieser Gruppe nicht blos die 
oben eitirte, sondern noch 3 andere Arten 
an der Ostküste von Afrika. — 

6) Sparaxis pulcherrima Hook. Irideae 
(tab. 5555). Ein Zwiebelgewächs vom Vor- 
gebirge der guten Hoffnung. Der schlanke 
Schaft wird im Vaterland bis 6 Fuss hoch 
und trägt auf seiner Spitze die gracil über- 
hängende einfache traubenförmige Rispe von 
Blumen. Blätter schmal schwertförmig. 
Bracteen gestreckt pfriemlich, fast ganz- 
randig. Blumen gross, purpurroth, glocken- 
förmig, 1", Zoll lang. Vorzüglich schönes 
neues Zwiebelgewächs, welches mit den 
andern Capzwiebeln die gleiche Cultur 
theilt. — 

7) Epidendrum myrianthum Lindl. 
(Lindl. Fol. Orchid. Epidendrum. Bot. Mag. 
tab. 5556), Eine liebliche ausgezeichnet 
schöne Orchidee, entdeckt vom Herrn 
Skinner in den Anden Guatemala’s. Blätter 
linien- lanzettlich, spitz, mit schwarz punk- 


und 


weiss, 


246 


tirten Scheiden. Stengel hoch und zweizei- 
lig beblättert, auf der Spitze die mäch- 
tige pyramidale Rispe tragend, in der Tau- 
sende dicht gedrängter schön carminrother 
Blumen gleichzeitig blühen, Bracteen pfriem- 
lich, DBlüthenstielehen und Fruchtknoten 
sehr lang. Kelchblätter länglich, stumpf. 
Blumenblätter linear-spathelförmig. Lippe 
länger als Blumenblätter, 3lappig, mit läng- 
lichen abstehenden stumpflichen Seitenlap- 
pen und vorn verbreiterten gespreizt zwei- 
lappigem Mittellappen. — 

Diese herrliche Art muss in der küh- 
lern Abtheilung des Orchideenhauses culti- 
virt werden. — 

8) Chamaeranthemum Beyrichii Nees. ß. 
variegatum (Tab. 5557). Wir werden bald 
bei einer Abbildung der Gartenflora Gele- 
genheit haben, über diesen hübschen klei- 
nen Decorationsstrauch fürs Warmhaus, 
mit silberfarben gezeichneten Blättern, zu 
sprechen. Die Blumen auf der Abbildung 
des Bot. Mag. haben fast die doppelte Grösse 
derer, wie solche im hiesigen Garten an 
kräftigen Exemplaren sich entwickelten. 

9) Luisia Psyche Rchb. fil. — Orchi- 
deae (tab. 5558). Eine Orchidee aus Ost- 
indien, mit kletterndem fusshohem Stengel 
und stielrunden Blättern, von der Tracht 
der Vanda teres. Blumen in kurzen achsel- 
ständigen I—3blumigen Trauben. In jeder 
der kurzen Trauben entwickeln sich die 
Blumen nach einander, so dass in jeder 
derselben stets nur eine Blume blühet. 
Kelch- und Blumenblätter gelbgrün, keil- 
förmig-länglich und nur das nach oben 
stehende Kelchblatt etwas breiter. Lippe 
ungetheilt, oval, am Grunde beiderseits mit 
ohrenförmigen schwarzbraun 
und netzförmig grüngelb gezeichnet. Ward 
von Low u. Comp. in Gärten Englands 
eingeführt. 


10) Thibaudia cordifolia Humb. Bonpl. 
Knth. (tab. 5559. — Humb. Bonpl. Knth. 
nov. gen. et spec. Ill. 271. tab. 255.) Vaec- 
ceinieae. Eine der schönen Vaccinieen 
von den Gebirgen des tropischen Amerika. 
Ein Strauch mit kurz gestielten, aus herz- 
förmigem Grunde ovalen 5—7nervigen Blät- 
tern, und in kopflörmige Trauben zusam- 


Anhängseln, 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


men gedrängten kurz gestielten Blumen, 
die mit aufgeblasener hellrother zolllanger 
Röhre und hellem Saume. — 

11) Bauhinia tomentosa L. var. glabra. 
L. spec. 536. — D. C. prodr. I. 514. — 
Bot. Mag. tab. 5560. — Strauch aus Ben- 
galen, mit den eigenthümlichen herzförmi- 
gen und vorn zweilappigen Blättern aller 
Bauhinia- Arten. Dünnfilzig -weichhaarige 
Bekleidung und schöne grosse gelbe Blu- 
men zeichnen diese Art aus. — 

12) Eulophia euglossa Rchb. fil. Rchb. 
fil. in Bot. Zeitg. 1852. tom. IX. pag. 35. — 
Bot. Mag. tab. 5561. — Orchideae. Vom 
„Old Calabar river‘ in Westafrika durch 
Mann in England eingeführt. — Schein- 
knollen spannen lang und vom Grunde nach 
der Spitze zu allmälig abnehmend, walz- 
lich. Blätter länglich-lanzettlich, 1 Fuss 
lang. Blüthenschaft“ entspringt am Grunde 
der Scheinknollen, eine fusslange Traube 
grünlicher Blumen tragend, die keinen Ef- 
fect machen. Bracteen linear-lanzettlich, 
länger als die Blumen. Kelch- und Blu- 
menblätter schmal bandförmig zugespitzt. 
Lippe 3lappig; die Seitenlappen hüllen die 
Griffelsäule ein, der Mittellappen weiss und 
am Grunde purpur. Spore kurz, fast keu- 
lenförmig. — 


13) Tillandsia xiphioides Ker. Brome- 
liaceae. (Bot. Reg. tab. 105. — Bot. Mag. 
tab. 5562). Von Dr. Gillies in den Cor- 
dilleren bei Mendoza gesammelt, hat diese 
schöne Bromeliacee mit grossen weissen 
herrlich duftenden Blumen noch wenig Ver- 
breitung gefunden. Blätter und Stengel 
sind mit einem silberweissen Filz dicht 
überzogen. Blätter aus breitem umfassen- 
dem Grunde allmälig pfriemlich verschmä- 
lert, 2—3 Zoll lang, gehöhlt und dem 
Rande eingekrümmt, Blüthentraube zweizei- 
lig, vielblumig. Bracteen schmal länglich- 
lanzettlich, dachziegelartig übereinanderlie- 
gend, zugespitzt. Kelchblätter pfriemlich- 
lanzettlich, die ziemlich grossen weissen 
Blumenblätter mit linearem langem Nagel 
und verkehrt-ovaler am Rande krauser 
Platte. 


14) Habranthus fulgens Hook. Amaryl- 
lideae (tab. 5563). — Zwiebelgewächs aus 


Il. Neue Zierpflanzen. 


dem tropischen Amerika von der Tracht 
einer Amaryllis. Eine robuste Pflanze mit 
blaugrünen 10—12 Zoll langen bandförmi- 
gen stumpfen zurückgekrümmten Blättern. 
Schaft stielrund, am Grunde purpur, trägt 
auf der Spitze 6—8 doldenständige gestielte 
Blumen, deren Blumenkrone je 4—5 Zoll 
im Durchmesser besitzt. Blumenkrone röh- 
rig-glockenförmig, mit kurzer goldgelber 
Röhre und Schlund und 6theiligem schar- 
lachrothem Saume, dessen Lappen länglich 
und zurückgebogen abstehen. Am innern 
Grunde jedes Blumenblattes stehen zwei 
fleischige 2spitzige Schuppen. 

15) Dendrobium dixanthum Behb. fil. 
Orchideae. (tab. 5564). Stengel aufrecht, 
stielrund, nach dem Grunde verschmälert, 
1!/, Fuss hoch. Blüthentrauben 2—-5blu- 
mig, kurz, aus den Knoten der blattlosen 
alten, Stengel seitlich entspringend. Kelch- 
blätter lanzettlich, spitz. Blumen goldgelb, 
Petalen länglich, spitz, wenig länger als 
Kelchblätter, am Rande klein gezähnelt. 
Lippe rundlich-oval, an der Spitze schwach 
ausgerandet, am Rande klein gezähnelt, am 
Grunde in den kurzen stumpfen kinnförmi- 
gen Sporn ausgehend. Die schmal lanzett- 
lichen 3—4 Zoll langen Blatter fallen lange 
vorher ab, bevor die Blumen erscheinen. 

16) Gladiolus Papilio Hook. Irideae. 
(tab. 5565). Ein reizendes neues Zwiebel- 
gewächs vom Vorgebirge der guten Hofi- 
nung, welches von D. Arnott an den Bo- 
tanischen Garten in Kew eingesendet wurde. 
Durchaus kahl, Blätter 2—3 Fuss lang, li- 
near-schwertförmig. Blüthenähre fusslang, 
spitzenstängig. Blumen von einander ent- 
fernt. Bracteen scheidig, länger als die 
Röhre der Blumen. Blumenkrone glocken- 
rachenförmig, mit fast gleichlangen breit 
verkehrt-ovalen Lappen, von denen die 3 


2AT 


äusseren und der obere innere blasspurpur 
und am Grunde gelb, während die beiden 
seitlichen inneren auf ähnlicher Grundtarbe 
mit je einem centralen dunkelpurpurnen 
Fleck, das von einer gelben Zone umgeben 
ist, gezeichnet sind. Narbe kurz 3lappig. 
17) Peristrophe lanceolaria Nees. — 
Acanthaceae (tab. 5566. — Nees in Wall. 
pl. as. rar. pag. 111-114. — D. C. prodr. 
XI. 496). — Halbstrauch aus Moulmein, 
welcher während 6 Wochen zur Winterzeit 
im Palmenhaus in Kew in voller Blüthe 
stand und gleichsam ein Seitenstück zu 
Justicia speciosa bildet. Strauch von 2 
—4 Fuss Höhe. Blätter länglich- oder 
oval-lanzeitlich, zugespitzt, kahl, 3—5 Zoll 
lang. Blumen in spitzenständigen Rispen, 
schön purpurrosa, mit schlanker langer 
Röhre und zweilippigem Saume. Obere 
Lippe länglich-oval, 1 Zoll lang, am Grunde 
mit weissem Fleck gezeichnet, grösser als 
Unterlippe. — Eingelführt durch Herrn Pa- 


rish. — 

18) Batemannia grandiflora Rehb. fü. 
Orchideae. — (tab. 5567. — Rechb. fil. in 
Bompl. 1856. (IV.) pag. 523). — Galeottia 


grandiflora Rich. et Gal.). — Epiphytische 
Orchidee, welche von Linden aus Neu- 
Granada eingeführt wurde. Scheinknollen 
oval, 2 Blätter tragend. Blätter lederartig, 
lanzettförmig, spitz, 3mal länger als die 
2—5blumigen grundständigen Blüthentrau- 
ben. Kelchblätter gleichlang (fast 2 Zoll 
lang), lanzettlich, zugespitzt, abstehend, 
auf grüngelbem Grunde der Länge nach 
purpurbraun gestreift. Die Blumenblätter 
ähnlich aber kleiner. Lippe 3lappig. Mit- 
tellappen länger als die aufwärtsgebogenen 
Seitenlappen, vorn zugespitzt, weiss mit 
Purpur-Streifen, am Rande gewimpert. — 


(E. R.) 


In. 


1) Die Rasendüngung mit Asche. 
Holzasche gilt als ein vortrefilicher Rasen- 
dünger, und hat die Eigenschaft, das Moos 
zu vertilgen und den Kleewuchs zu beför- 
dern. Für Wiesen ist daher Asche unüber- 


Notizen. 


trefflich, aber aus demselben Grunde für 
Gartenrasen, welcher kurz gehalten werden 
soll, ganz verwerilich. Man kann fast be- 
haupten, dass jeder Boden kleeartige Pflan- 
zen enthält, wenn sie auch nicht absichtlich 


248 


angesäet wurden. Düngt man nun mit 
Asche, so erscheinen die verkümmerten, 
kaum bemerkbaren Kleepflanzen plötzlich 
in Folge der Kali-Nahrung und werden so 
üppig, dass die glatte Schönheit des Gar- 
tenrasens verloren ist, bis die Asche end- 
lich nicht mehr wirkt. Ich habe selbst üble 
Erfahrung gemacht, indem ich Rasenstücke 
mit Asche düngen liess, in welchen ich 
keinen Klee vermuthete. J. 
2) Eineungewöhnliche Art Topf- 
pflanzen zu begiessen wird in der 
grossen Pariser Stadtgärtnerei im Bois de 
Boulogne, wo die Blumen für die öffentli- 
chen Anlagen gezogen werden, angewendet. 
Um Zeit zu ersparen werden die Pflanzen, 
welche eine solche Behandlung vertragen, 
z. B. die Scharlach-Pelargonien, von denen 
10,000 Stück von einer Sorte in einem Hause 
stehen, im Frühjahre bis zur Zeit, wo sie 
in das Freie kommen, mittelst eines Spri- 
tzenschlauchs begossen, indem man die 
Pflanzen förmlich überspritzt, so viel wie 
etwa ein starker Regen wirkt. Das Giess- 
rohr am Schlauche hat keine Brause, son- 
dern wird mit dem Finger so zugehalten, 
dass ein feiner Regen fällt, bald feiner, 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


bald stärker, was sich bald aus der Uebung 
lerst. Auf gleiche Weise werden im Som- 
mer alle in Töpfen stehenden Pflanzen be- 
gossen, und wahrscheinlich fliesst das Was- 
ser aus höher liegenden Behältern von selbst 
zu. Dass nicht nur in Paris, sondern auch 
bei uns in vielen Handelsgärtnereien die 
kleineren Topfpflanzen im Sommer mit der 
Brause aus grossen Kannen begossen wer- 
den, weiss Jeder, der in Handelsgärtnereien 
war. Es geht bei diesem Verfahren aller- 
dings manche Pflanze zu Grunde, aber dies 
ist im Verhältniss zur Arbeitsersparniss kein 
Verlust. Auch gedeihen die nicht krank 
werdenden Pflanzen durch das tägliche starke 
Ueberspritzen und die durch die Anfeuchtung 
des Materials, worin sie eingegraben sind, 
entstehende feuchte Luft desto üppiger. 
Nothwendig ist, dass die Pflanzen guten 
Wasserabzug haben. Wer diese Behandlung 
anwenden will, (die übrigens beschränkte 
Grenzen hat), giesse vorher die trockensten 
Pflanzen einzeln, und gehe einige Minuten 
nach dem Giessen die Pflanzen durch, um 
von denen, wo das Wasser stehen geblie- 
ben ist, dieses abzugiessen und zugleich 
das verstopfte Abzugsloch zu öffnen. J. 


3) Auswahl von Pflanzen für wissenschaftliche Zwecke, 


(Fortsetzung.) 


Ist noch nicht in 

verdient aber die 
Einführung, wegen ihrer eigenthümlichen 
Lebensweise und Ansehens. 

Dyckia rariflora, Schult. Bot. mag. 3449. 
Bot. Reg. 1782. Brasilien. Serra de Villa 
Ricca. — Habit. Rpr. G. 

Disteganthus basilateralis, Lemaire. v. Houtte 
fl. d. s. TI 227. Cayenne. Zierlicher 
Wuchs mit Ausläufern. Rpr, gen. 


Tillandsia usneoides, L. 
Gärten vorhanden, 


Fam. Orchideae *). 


Trib. Malaxideae. 


Pleurothallis prolifera, Ldl. Bot. mag. 3261. 


*) Bei keiner anderen Familie sind Be 


Blatt aufr. kapuzenf. Kleiner violetter 
Kelch, Blume versteckt, rosa. — Wuchs. 
Rpr. Trib. 

teres. Blatt aufrecht. 

Physosiphon Loddigesii, Lind]. (Stelis tu- 
bata, Lodd. bot. cab. 1607. Kleine, 
aber höchst merkwürdige Blumen, Kelch 
in ein Rohr verwachsen. 

Oberonia brevifolia. Habitus; gestreckter 
beblätterter Stengel. 


von Dilettanten unscheinbar genannten 
Formen in Wahrheit mehr interessant 
als hier. Die spärliche Auswahl möge 
man mit der gebotenen Beschränkung 
des Raumes entschuldigen. 


II. 


Megaclinium falcatum, Lindl. Bot. Reg. t. 
989. Bewegung der Lippe! 

Bolbophyllum umbellatum, Ldl. Bot. reg. 
1845 t. 44. Nepal. Blüthenstand '! 

 — barbigerum Ldl. Sierra Leone. Bot. 
mag. 5288. An der Lippe wird ein 
Kranz von langen Haaren mit Drüsen- 
knöpfehen durch geringen Luftzug 
bewegt. 

Dendrobium nobile, Ldl. Sert. t. 3. China. 

Knollstamm bis 2‘ lang; Blüthen zahl- 

reich gross, rosa und purpur, 

fimbriatum, Hook. Bot. mag. 4160. 

Nepal. Inflorescenz an blattlosen Zwei- 

gen. 

—  ceucullatum‘, RBr. Bot. mag. 2242. In- 
florescenz je 1blüthig dem Blatt gegen- 
über, und am blattlosen Ende. 

Eria rosea, Lindl. Bot. Reg. 978. 


Trib. Epidendreae. 


Coelogyne fimbriata, Lindl. Bot. Reg. 868. 
China. Wuchs fast rasenartig. Blüht 
leicht und reichlich. 

Wallichiana, Lindl. (C. undulata Hort.) 

Bot. mag. 4496. %. O.-Indien, Blüthen- 

stand reichblüthig, zweizeilig, nickend. 

Pholidota imbricata, Lindl. Bot. Reg. 1213. 
Lange Blüthenähre mit kleinen, den 
Maiglöckchen ähnlichen Blumen. Knoll- 
form! 

Epidendron cochleatum, Lindl. Bot. 

mag. 572. O.-Indien. Richtung der 

Blumenormal oben bleibend. Lippe violett 

fleckig. 

eiliare, Lindl. Bot. Reg. 463. W.-Indien. 

Blumen gelblich, gross, schmalblätterig, 

Lippe zerschlitzt. 

— elongatum, Jacq. Bot. mag. 611. W.- 
Indien. Blüthenstand fast ebenstraussig, 
Lippe nach oben gekehrt. — Wuchs. 

— aloifolium Läl. (nonL.) Batem, Orch. 
25. O.-Indien. Wuchs; Blätter dick, 
lang, hängend, Blumen gross, gelb; 
Fruchtknoten 5‘ lang. 

Laelia anceps, Lindl. Bot. mag. 3864. Me- 
xico. Knolle 4kantig. Blume gross. 

Brassavola cuspidata, Hook. (B. odo- 
ratissima, Rgl.) Bot. mag. 3722. Trini- 
dad. Blatt dick pfriemenförmig. Frucht- 


Notizen. 


249 


knoten der einsamen Blume 6” lang; 
ähnlich ist B. tuberculata. 

— glauca, Lindl. Bot. reg. 18 t. 44. Me- 
zico. Grosse grüne Blume mit weisser 
Lippe. Blatt breit, 

Cattleya erispa L.(Laelia.. . Rchb.j.) Bot. 

Reg. 1172. Brasilien. Grosse zarteBlume, 

Lippe violett, wellig. 

labiata Ldl. besond. var. Mossiae. Bot. 

Reg. t. 58. Brasilien. Lange keulige 

Knolle. Sehr grosse blassrothe Blume. 

— indermedia, Grah. Bot. mag. 2851, 
Brasilien. Farbenwechsel. Leichte Cul- 
tur; gr. Blume ‚mit sich verändernder 
Farbe. 

Bletia florida, RBr. Bot. Reg. 1401. O.-Ind. 
Knolle kuchenförmig. Habitus. 

Phajus grandifolius, Willd. (Bletia Tan- 
kervillae Sw.) Bot. Reg. 1924. O.-Ind. 
Breitestes und grösstes Blatt unter der 
Familie, grosse Blume auf 2’ langem 
Stiel. 


— mäculatus. Grösste Knolle! 


Trib, Vandeae., 


Angraecum bilobum. Bot. reg. 1841. t. 35. 
Blätter mit 2 Spitzen. 

— distichum, Ldl. Bot. mag. 4145. 
Afrika. Klein, dicht, zweizeilig be- 
blättert. 

Catasetum tridentatum, Hook. Bot. mag. 
2559. Trinidad. Seltsame grosse Blu- 
men, zeigen bisweilen dreierlei Formen 
derselben! als Monachantus viridis und 
Myanthus barbatus. 

— saccatum Ldl. Sert. 61. Darw. 1. c. pag. 
134. c. fig. „Die Catasetideen sind die 
merkwürdigsten aller Orchideen‘, Dar- 
win *)! 

Stanhopea tigrina, Batem, Bot. Reg. 1839. 
{.1. Bot. mag. 4197 Mexico. Sehrgrosse, 
violettfleckige Blumen, Wuchs der Blü- 
thenstengel! 

— insignis, Frost. Bot. mag. 2948. Bra- 
siliien. Grosse Blumen mit violetter 
getupfter Lippe undKelchblättern. Noch 


*) Darwin, über die Einrichtung zur Be- 
fruchtung der Orchideen. Stuttg. 1862. 


250 Gartenflora Deutschlands, 
mehrere andere: St. oculata, bucepha- 
lus sind ebenfalls werthvoll. 


Gongora atropurpurea, Hook. Bot. mag. 
3220. Demerara. Habitus; düstere 
Blumen. 
maculata. Ldl. Bot. mag. 3687. De- 
merara. Knolle gross, tief rippig. 
Acropera Loddigesii, Ldl. Bot. mag. 
3563. Demerara. Aehre herabhängend, 
Fruchtknoten zurückgebogen. 
Cymbidium giganteum, Wall. (non Sw.) 
Lindl. Sert. 4. Nepal. Buschiger Wuchs, 
reichliches Blühen im November. 


aloifolium, Sw. Bot. mag. 3897. 
(Epidendron . . . L) Malabar. Harte 
Blätter. Wuchs, leichte Cultur. 

triste Willd. Bot. mag. 3648. Zeylon. 
Sehr kleine Form. 


Maxillaria picta, Hook. Bot. mag. 3154. 
Brasilien. Leichte Cultur, reichliches 
Blühen. 


Harrisoniae (Ldl. (Lycaste 
Lal.) Bifrenaria ..... Colax 
mag. 2027. Brasil. April. 
gelbe Blume, violette Lippe. 
tenuifolia, Ldl. Bot. Reg. 1839 t. 8. Ve- 
racruz. Wuchs; blüht reichlich. 


Eulophia streptopetala Ldl. Bot. mag. 2931. 
Habitus. Cap. d. g. H. 

Cyrtopodium punctatum, Ldl. Bot. mag. 
3507 (Epidendron .. . L.) Guatemala. 
Stamm dick bis 5’ hoch, blüht selten, 
aber prachtvoll. 

Zygopetalum Mackayi, Hook. (Eulophia 
... Ldl.) Bot. Reg. 1433 und 2748. 
Brasilien. Leichte Cultur; 
Blume mit weiss und violetter Lippe. 

Triehopilia tortilis, Ldl. Bot. mag. 3739. 
Mexico. Habitus; glockenförmige grosse 
Lippe, gedrehte Kelchblätter. 

Oncidium altissimum, Sw. Bot. mag. 2990. 

(Epidendron . . . Jacq.) W.-Indien. Blü- 

thenstand reichblüthig, in bis 6‘ langer 

Rispe. Knolle gross. 

Papilio, Ldl. Bot. mag. 2795. Trini- 

dad. Höchst seltsame Blume mit gros- 

ser gelber Lippe und langen schmalen 

Kelchblättern. Knolle rundlich. 

flexuosum, Sims. Bot. mag. 2203. 


Bol 
Grosse zart 


schöne gr. 


Russlands und der Schweiz. 


Brasilien. Leichte Cultur. 
hellgelb. 

Oneidium spilopterum, Ldl. Bot. reg. 1845. t. 40. 

Grosse gelbe Lippe, kleine Kelchblätter. 

Wuchs zierlich. 

leucochilum Batem; Orch. t.1. Pax- 

ton, Mag. 7. 241. Mexico. Repr. der 

Blumen mit weisser Lippe, übrige Bl. 

Blätter grünlich mit rothen Flecken. 

Brassia macrostachya,Ldl. (B. striata, Hort.) 
Lindl. sertum, t. 6. Demerara auch B. 
cordata. Bot. mag. 3451. u. a. sind 
schön. Grosse Blumen mit langen 
schmalen Blättchen. 

Miltonia spectabilis, Ldl. Bot. mag. 4204. 
Brasilien. Knollesehrflach. Blume gross, 
zartgelb, Lippe violett. 

Renanthera coceinea, Lour. Bot. mag. 2997. 
China. Grosse Pfl., mit reichbl. Rispe. 
von hochrothen Blumen. 

Vanda tricolor. Ldl. Bot. mag. 4432. Java. 

Grösse (noch grösser ist die kostbare 

V. Batemanni). 

suavis Ldl. Java. Grosser Stamm, Blu- 

men braun, weiss und violett. 


Zierlich, 


Trib. Ophrydeae. 


Habenaria macroceras Spr. (Orchis Habena- 
ria, L.) Bot. mag. 2947. Jamaica. 
Sporn der Blume 4—5” lang. Kelchbl. 
sehr schmal. 

Goodyera discolor, Kes. (Haemaria .. . Ldl.) 
Bot. mag. 270. Brasilien. Wuchs krie- 
chend. 


Trib. Arethuseae. 


Sobralia macrantha, Ldl. Bot. mag. 4446; 
v. Houtte fl. d. s., VII. 669. Mexico. 
Wuchs, schilfartige Stengel bis 6° hoch; 
Grosse purpurne Blumen. 

Evelyna Caravata, Ldl. (Cymbidium hirsu- 
tum Willd.) Bot. mag. 5741. v. Houtt. 
fl. d.S. XIV. 1427. Guyana. Deckblätter 
gross, rosenf., Lippe sehr gross gelb; 


Stengel rauhhaarig. 
Vanilla planifolia, Andrw. Hayne, Arz. 


14, 22. Berg u. Schm. Arzn. Surinam. 
Nutzpfl. 
Cheirostylis marmorata Ldl. (Anoecochylu #8 


S 


| 
| 


III. 


Lowii Hort). Java. Braungrün. Blatt 
mit querlaufenden gelben Leisten, 

Physurus pietus, Hort. (Anoecochilus . 
Ld.) Brasilien. Blätter hellgrün, mit 
silberartigen Streifen. 

Anecochylus setaceus, Blm. (Dazu ge- 
hört wohl auch A. Roxburghii u. A. 
intermedius Hort.) Bot. mag. 4123, 
v. Houtte fl. d. s. 2, 15. Sammetig 
bläulichgrün, mit hochgelben Rippen. 
Java. 


Trib. Cypripedieae. 


Cypripedium insigne, Wall. Bot. mag. 
3412. Nepal. Leichte Cultur; Blüthe- 
zeit, Haare. Schönheit. 

— venustum, Wall. Bot. mag. 2129. Nepal. 
Wuchs. Blüthezeit. 

— caudatnm Ldl. v. Houtte fl. d. s. X. 
t. 566. N.-Granada. Kronblättchen 
schmal bis 8 lang. (Andere Orchi- 
deen mit sehr langen Blumenblättern 
sind: Uropedium Lindenii, Cypripedium 
caricinum, Brassia — Cirrhopatalum — 
Habenaria - Oncidum Arten.) 


Fam. Zingiberaceae (Scitamincae jupt.) 


Globba saltatoria R. Sch. (Mantisia .... 
Bot. mag. 1320. O.-Indien. Sehr selt- 
same Blume. 

Zingiber officinale Rosc. (Amomum Zin- 
giber, L.) Jacq. h. vind. 75. Berg und 
Sch. Arzneipfl. IV. 34. b. Ostindien. 
Erdstock „Ingwer“. 

Curcuma aromatica, Salisb. Rosc. Seit. 
t. 103. Nees, Arznpfl. Sppl. t. 10. Berg 
u. Sch. Arznpfl. 34. a. (Curcuma Zedoa- 
ria, Roxb.) Bot. mag. 1546. O.-Indien. 
Nutzpfl. 

Kämpferia rotunda, L. Bot. mag. 920. O.- 
Indien. Wuchs; blüht vor Entfaltung 
der Blätter. Rp. gen. 

Amomum Cardamomum. Fl. ind. Rumph. 
Amb. V.t. 95. Nees, Arzn. 64. O.-Ind. 
Nutzpfl. 

— granum Paradisi Willd. Nees, Arznpfl. 
65. O.-Ind. Nutzpfl. Rp. g. 

Elettaria Cardamomum, Woght. Mat. (Amo- 
num u. Alpinia.... Roxb. Corom.pl. 


Notizen. 


251 


t. 226. Berg. Arznpfl. II. 34. Malabar. 
Nutzpfl. R. g. 

Hedychium Gardnerianum, Rose. Bot. reg. 
771. Nepal. Sehr schöner Wuchs, zarte 
grosse Blumen. 

— coronarium, Kön. Bot. mag. 708. 
Jacq. fragm. 130. O.-Indien. Sehr gros- 
ser Wuchs und eben solche, hochgelbe 
Blumen. 

Alpinia nutans, Rosc. Globba... L; Ren- 
ealmia ... And) Bot. mag. 1903. O.- 
Indien. Grosser Wuchs, schöne Blume, 
aber selten erscheinend. 

Costus speciosus, Sm. Jaeq. ie. 
O.-Indien. Blattstellung! Rp. g. 

Thalia *) dealbata, Fras. Bot. mag. 1690. 

Carolina. Leichte Qultur. Rp. g. 

sanguinea Lem. (Stromanthe . . . Sond.) 

V. Houtte fl. d. s. 8. 785. O.-Indien. 

Besitzt ein einziges Ei in dem einzigen 

vollständigen Fache. 

Maranta arundinacea, L.) Bot. mag. 2307- 
O.-Indien. Nutzpfl. Arrow-root. 

— setosa. Dietr. (Phrynium .... Rose.) 
scit. 41.) Brasilien. Behaarung. 

Calathea zebrina, Don. (Maranta . 
Sims.) Brasilien, Bot. mag. 385. Fär- 
bung des Blattes. R. gen. 


Tan. 


Fam. Cannaceae (Marantaceae) **). 


Canna iridiflora, RzPv. Bot. mag. 1698. 
Bot. Reg. 609. Peru Habitus, gr. pur- 
purne Trompentf. hängend. Blm. 

Canna gigantea, Dsf. Bot. reg. 206. Bot. 
mag. 2316. Amerika. Sehr gross, 6‘ 
hoch; Blätter bis 2° breit; Blume ge- 
bogen. 

-—- orientalis, Rose. (C. indica, Roxb.; C. 

chinensis, Willd.) Rose. Seitam. ic. 12,13. 

O.-Indien. 

edulis, Ker. (C. indica, RzPv.) Bot. 

mag. 2948. Peru. Nutzpflanze. 


— 


*) Thaliae species cultae in hort. Berol. 
Appendix Catalogi 1857. 
Körnicke, die in unseren Gärten culti- 
virten Marantaceen, in Regel Gartenfl. 
1858. p. 76. 

(Schluss folgt.) 


**) 


nennen 


e 


252 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


W. Literatur. 


1) Norddeutsche Anlagen-Flora, oder 
Anleitung zur ‚schnellen Bestimmung der 
in den öffentlichen Anlagen, sowie in 
den gewöhnlichen Lustgärten vorkom- 
menden Zierbäume und Ziersträucher. 
Von Dr. Wilhelm Klatt. 
1865. 


Hamburg 
Verlag von Wilh. Jowien. 


Annehmend, dass in den Hamburger 
Anlagen mehr Ziergehölze vorkommen, als 
in den Anlagen und gewöhnlichen Lustgär- 
ten Kiels, Eutins, Ratzeburgs uud selbst 
Berlins, glaubt der Verfasser, dass jene 
Anlagen von Hamburg als Vertreter der 
Flora norddeutscher Anlagen gelten kön- 
nen. Der Verf. beruft sich dabei auf die 
Flora von Dr. Ascherson, die wir nicht 
kennen, die aber jedenfalls in einem grossen 
Irrthum und mangelhaft ist, wenn sie meint, 
dass in den genanten Orten keine andern, 
oder wie man schliessen muss, weniger Ge- 
hölze vorhanden sein sollen, als in den Ham- 
burger Anlagen. Wir getrauten uns allein 
aus den Gärten Berlins und der Umgegend | 
wenigstens !/, mehr Gehölze aufzufinden, 
als in der „Norddeutschen Anlagen -Flora‘ 
beschrieben sind, und zwar gute Arten und 
ebenso scharf bezeichnete Spielarten, 
der 


als 
Verf. aufgenommen hat, die neuen, 
seit etwa 5 Jahren angepflanzten gar nicht 
berücksichtigend. Ja wir behaupten sogar, 
dass selbst die Hamburger Gärten (aus- 
schliesslich des botanischen Gartens und 
der Booth’schen und Ohlendorfi’schen Baum. 
schulen) noch 100 Gehölze mehr hätten lie- 
fern können. Dass die Hamburger Anlagen 
noch andere Gehölze enthalten, als Herr 
Dr. Klatt beschrieben hat, wollen wir 
nicht behaupten, weil wir es nicht bewei- 
sen können und wir verpflichtet sind, die 
Wahrheit von des Verf.'s Angabe zu glau- 
ben; allein wenn man bedenkt, dass die 
dortigen Gehölze aus den dortigen reichen 
Baumschulen hervorgegangen sind, so muss 
man sich billig wundern, dass die Anlagen 
so arm in mancher Beziehung sein könnten. 
Sollten wirklich in Hamburgs Anlagen nur 


6 Spiraea vorkommen, und nur 2 Phila- 
delphus, nur 4 Salix? kein Juglans u. a. m. 
Dies ist unser Bedenken in Bezug auf den 
Inhalt des Buches an Gehölzen. Was diese 
selbst betrifft, so können wir , soweit unser 
Urtheil reicht, nur Lob und Anerkennung 
aussprechen. Die Methode ist gut und 
praktisch, die Beschreibung gut und aus- 
führlicher, als man bei dem geringen Um- 
fange des Buchs glauben sollte. Die Ein- 
theilung und Bestimmung nach Blättern ist 
gar nicht übel, und kann dem Suchenden 
schon etwas auf die Spur helfen. Wün- 
schenswerth wäre eine eben so eingehende 
Berücksichtigung der Knospen und Knos- 
penstellung gewesen, auf welche im blatt- 
losen Zustande. Alles ankommt. Den An- 
fang die Bestimmungstabelle 
nach den Blättern, worauf sich die Ab- 
bildungen beziehen (was man übrigens erst 
nach langern Suchen herausfindet). Dann 
folgt die Uebersicht nach dem Lin- 
neischen System, mit kurzer Blüthen- 
beschreibung. III. Die Uebersicht nach 
natürlichen Familien mit genauer 
Beschreibung. Endlich wird IV. die 
technische Benutzung von 94 Gehöl- 
zen angegeben. Die Zeichnung der 154 
Blattumrisse ist deutlich und gut, nur et- 
was zu stark aufgetragen, als wären die 
Bilder Nafurabdrücke mit Druckerschwärze. 
Wir empfehlen das kleine Buch allen Gärt- 
nern und Gartenfreunden, denen Jäger’s 
„Ziergehölze“ oder das „Arboretum musca- 
viense‘‘ von Petzold und Kirchner zu 
theuer sind, ja selbst solchen, welche beide 
Bücher besitzen. (J.) 


2) R. W. A. Wörmann: der Garten- 
ingenieur. Sechste Abtheilung. Die 
Cireulations- Wasserheizungen, mit Nie- 
der- und Hochdruck in ihrer Anwen- 
dung auf die Gärtnerei. 


macht 


Diese sechste Abtheilung des von uns 
wiederholt empfohlenen Werkes kritisch zu 
besprechen, verlangt mehr Erfahrung und 


IV. Literatur. 


Kenntnisse, als der Verfasser selbst hat, 
und da dies bei uns, offen gestanden, nicht 
der Fall ist, so wollen wir uns auf eine 
Kritik nicht einlassen, sondern dieses Buch 
- einfach empfehlen, indem wir es in jeder 
Beziehung seinen Vorgängern ebenbürtig 
erklären. War der Inhalt der früheren 
Bändchen den intelligenten Gärtnern mehr 
oder weniger bekannt, so ist die Wasser- 
heizung ein Feld, worin nur wenige Gärt- 
ner Bescheid wissen, und dann immer nur 
so viel, als sie selbst in der Heizung ihrer 
Glashäuser erfahren haben. Derselbe Fall 
besteht bei den Architekten, von denen 
unter Hunderten kaum einer eine Wasser- 
heizung anzulegen versteht, jedenfalls die 
bei der Gärtnerei vorkommenden Abwei- 
chungen nicht kennt. Diese Abtheilung ist 
aus diesem Grunde viel wichtiger und un- 
entbehrlicher als jede andere von Wör- 
mann’s Garten-Ingenieur. Die Abbildungen 
dieses Bändchens sind besonders zahlreich» 
was auch nöthig war. (J.) 


3) Nestel’s Rosengarten. 


Unter diesem Titel erscheint in der 
E. Schweizerbart'schen Buchhandlung in 
Stuttgart in zwanglosen Heften eine Art 
Rosenzeitung, in welchen die schönsten neuen 
und älteren Rosen in Oelfarbendruck aus- 
geführt abgebildet und beschrieben werden. 
Die erste Lieferung mit 4 Abbildungen ist 
bereits erschienen geeignet, 
dem Unternehmen Freunde zu erwerben, 
denn die Abbildungen sind wirklich ausge- 
zeichnet schön. Ausserdem wird die Ro- 
sencultur nach allen Seiten hin in beson- 
deren Artikeln besprochen. Bei den vielen 
Verehrern der Rosen wird das Werk vor- 
aussichtlich grossen Beifall finden, um so 
mehr, da wir in dieser Beziehung völlig 
vom Auslande, namentlich Frankreich ab- 
hängig gewesen sind. (J.) 


und ganz 


4) A. de Bary, neue Untersuchungen 
über Uredineen, insbesondere über Puc- 
cinia graminis. Berlin 1865. 


Durch die gründlichen Untersuchungen 
A. de Bary’s, Tulasne’s und anderer 


ee = 


233 
tüchtiger Forscher in dem Gebiet der nie- 
dern Pilze sind die meisten Rostpilze 
nur zu Entwicklungstadien höherer Pilze 
geworden. Eine eigenthümliche Erscheinung 
ist dabei die, dass der höhere Pilz meist 
nicht auf der gleichen Pflanze, die den nie- 
driger entwickelten Pilz 
wickeln kann. —— 


trägt, sich ent- 


Ein derartiges Verhältniss besteht zwi- 
schen dem Rost der Gräser und des Ge- 
treides (Puccinia graminis, straminis und 
Uredo linearis) und dem kleinen gelben 
Schüsselpilz der Berberis (Aecidium Berbe- 
ridis). Den Landwirthen war es schon lange 
bekannt, dass da, wo Berberis- Sträucher 
um die Felder gepflanzt wurden, der Ge- 
treiderost in höherem Grade auftrat. — Den 
innern Zusammenhang zwischen beiden Pil- 
zen, von denen der Rost nur ein Entwick- 
lungstadium des Aecidium Berberidis ist, 
zeigt nun A. de Bary in anschaulicher 
Weise und auf zahlreiche gründliche Unter- 
suchungen und Versuche gegründet. 


(E. R.) 


5) Charles Baltet, Praktische Anlei- 


tung zur Baumzucht, übersetzt von 
C. Lade. Ravensburg. 
Das hier von Ballet ins Deutsche 


übergegangene Werk ist eine kurz und 
bündig geschriebene Anweisung zur Ver- 
mehrung der im freien Lande aushaltenden 
Holzgewächse, — zur Anlage einer Baum- 
schule und der Pflege der Pflanzen in der 
Baumschule, — und endlich Aufzählung 
der verschiedenen Baum- und Strauchge- 
wächse, die in der Baumschule erzogen 
werden, nebst kurzen Angaben über deren 
Cultur und Vermehrung, 


Alles was in der Schrift gesagt ist, das 
ist das Resultat einer geläuterten Erfahrung, 
so dass wir dem Herrn E. Lade verbun- 
den sein müssen, dass er durch seine Ue- 
bersetzung die Ansichten und Erfahrungen 
eines der tüchtigsten Pomologen Frank- 
reichs auch für Deutschland nutzbar ge- 
macht hat. — 


(E. R.) 


254 Gartenflora Deutschlands, 
6) Der Erzgebirgische Garten- 
bau-Verein in Chemnitz. Es liegt uns 
der fünfte Bericht dieses Vereins vor, der 
sich Hebung des Obst- und Gartenbaues im 
Erzgebirge zur Aufgabe gestellt hat. Fünf- 
unddreissig Sitzungen hielt der Verein im 
Jahre, in welchen Gegenstände des Garten- 
baues besprochen wurden. Einige dersel- 
ben von allgemeinem Interesse wollen wir 
erwähnen. 


1) Gerberlohe als Bodenverbes- 
serungsmittel. Die Allg. Deutsche Gar- 
tenzeitung hat früher einen Artikel gebracht, 
in welchem die Gerberlohe als Dung- und 
Bodenverbesserungsmittel empfohlen wurde. 
In den meisten Gärtnereien wird Lohe zur 
Erwärmung von Warmbeeten gebraucht. 
Lang anhaltende und nie zu hohe Wärme, 
die solche erzeugt, empfehlen solche zu 
diesem Zwecke. Es liegt daher auf der 
Hand, dass es nützlich sein würde, wenn 
man die alte halb verweste und theils zur 
Erde gewordene Lohe in obiger Weise ver- 
wenden könnte. Die Mitglieder des Erzge- 
birgischen Gartenbauvereins sprachen sich 
dahin aus, dass die Lohe keinen Nutzen 
als Bodenverbesserungsmittel besitze. Wir 
schliessen uns dieser Ansicht an, denn Erde, 
die aus Lohe entstanden ist, ist in Wahr- 
heit an Pilanzennahrstoffen ausserordentlich 
Es giebt nun allerdings Gärtner, die 
als Vertheidiger derselben auitreten 
namentlich für diese anführen, dass manche 
Pflanzen und namentlich Palmen aus den 
Töpfen in die Lohe des Beetes durchwur- 
zeln und starke gesunde Wurzeln in sol- 
cher bilden. 


arm. 
und 


Das spricht aber noch lange nicht für 
die Nahrungsfähigkeit der Lohe, sondern 
nur dafür, dass auf kleine Gefässe be- 
schränkte Pflanzen, die die Neigung haben, 
weit ausgebreitete Wurzeln zu bilden, wo 
ihnen Gelegenheit geboten wird, mit den 
Wurzeln aus den Töpfen heraus in die um- 
gebenden Schichten gehen. Dies findet im 
nahrungslosen Sand, im Kohlenlösche in 
gleichem oder noch höherem Maasse wie in 
Lohe statt. Wo man von dieser Neigung 
der Pflanzen für diese selbst Vortheil ziehen 
will, wie z. B. bei der Cultur der Topfobst- 


Russlands und der Schweiz. 


bäume, die in möglichst kleinen Gefässen 
gehalten, doch kräftige Triebe bilden soll, 
da wird es keinem Cultuvateur einfallen, 
Lohe als Einfutterungsmaterial zu benutzen, 
— sondern man wählt dann eine kräftige 
dungreiche Erde, in die man solche im 
Sommer durchwurzeln lässt. 


Der Referent hat im Laufe seiner langen 
Praxis oft den Versuch gemacht, alte Lohe 
nur als Mischtheil von Composterde anzu- 
wenden, und er kann versichern, dass die 
Lohe auch da nur die Erdmasse vermehrt, 
ohne ihr erhebliche Nahrungstheile zuzu- 
führen, so dass nicht mit Lohe versetzte 
Erde stets bessere Resultate giebt, als mit 
Lohe versetzte. 

Der Referent kennt ferner keine Pflan- 
zengattung, die auf alter Lohe vorzugsweise 
gedeihe, — sofern solche darauf angewie- 
sen ist, nur aus dieser ihre Nahrung auf- 
zunehmen. — 

Also in allen den Fällen, wo es sich 
darum handelt, der Pflanze Nahrung zuzu- 
führen, ist alte Lohe ein unnützer, oder in 
schon armem Boden selbst schädlicher Misch- 
theil, da sie im Verhältniss zur Masse die 
Nahrungsfähigkeit des Bodens noch ver- 
mindert. 

Damit will der Reierent aber nicht für 
alle Fälle über alte erst theils zur Erde ge- 
wordene Lohe den Stab brechen. Sie mag 
in solchen Fällen zum Beispiel gute Dienste 
leisten, wo es sich darum handelt, nicht 
Nahrung zuzuführen, sondern die Masse zu 
vermehren und entweichende Dungstoffe 
aufzunehmen, so zur Ueberdeckung von 
Dunghaufen, die dazu bestimmt, Dungerde 
zu liefern, zur Untermischung mit an und 
für sich zu kräftigem Cloaken- Dünger etc. 
Sie wird ferner gute Dienste leisten, wenn 
ein roher Untergrund für Obstbäume nutz- 
bar gemacht werden soll, indem die Unter- 
mischung derselben zwischen einem schwe- 
ren bindigen Untergrund letzteren lockerer 
macht und dem befruchtenden und zer- 
setzender. Einfluss der Luft zugänglich macht. 
Auch in den obern Culturschichten eines 
zähen bindigen, an und für sich schon an 
Nahrungstheilen reichen Thonbodens, dürfte 
sie in ähnlicher Weise vortheilhaft für die 


IV. Literatur. 


Pflanzencultur einwirken, indem sie ein- 
fache mechanische Lockerung solchen Bo- 
dens bedingt. — 


Endlich gibt es noch eine von Allen 
anerkannte vortheilhafte Verwendung aus- 
gebrannter und zum kleinen Theil nur ver- 
wester oder auch ganz frischer Lohe. Es 
ist das die der Deckung des Bodens in 
Baumschulen, um Erdbeeren und anderes 
Beerenobst ete. Nur zur Deckung des Bo- 
dens verwendet befördert sie die Erhaltung 
einer gleichmässigeren Feuchtigkeit der Ober- 
fläche des Bodens, sowie einer gleichmässi- 
geren Bodentemperatur in sonnigen Lagen, 
da sie als schlechter Wärmeleiter die Ex- 
treme in dieser Beziehung ausgleicht. Da 
Deckung mit Lohe dem Boden den Zutritt 
der Luft nicht entzieht, so bleibt auch die 
Oberfläche des Bodens unter derselben 
locker und dem Zutritt der Luft zugänglich. 
Endlich enthält die Lohe keinen Unkraut- 
saamen. und hält somit den Boden reiner 
von Unkraut, sowie sie bei Erdbeercultur 
angewendet im Winter vor der schädlichen 
Einwirkung des Frostes schützt und im Som- 
mer das Beschmutzen der Früchte verhindert. 


Nach diesen aus der Deckung des Bo- 
dens mit Lohe gefolgerten Vorzügen wollen 
wir aber auch einen Nachtheil nicht ver- 
schweigen, — dass man nämlich beim Um- 
arbeiten des Bodens meist diese Deckung 
wegnehmen muss, damit solche nicht in 
den Boden kommt und die oberste wich- 
tigste Culturschicht an Nahrungstheilen ver- 
hältnissmässig ärmer macht. — 


2) Cultur der gefüllten Nacht- 
viole (Hesperis matronalis fl. pleno). Es 
ist eine Bemerkung, die allgemein gemacht 
wird, dass ein früherer allgemeiner Lieb- 
ling in unsern Gärten, die schöne gefüllte 
Nachtviole mit ihren köstlichen duftenden 
Blumen immer seltner wird. Mehrere Mit- 
glieder sprachen sich darüber aus. Wir 
schliessen uns dem an, was vom Herrn 
Hertzsch über deren Cultur gesagt wurde: 


Ein nicht gedüngter Lehmboden ist der 
zur Cultur günstigste, sofern für guten Ab- 
zug des Wassers gesorgt ist. In schwerem 
Boden kann die Lage durchaus sonnig sein, 


255 


in leichterem Boden ist dagegen eine von 
Bäumen halb beschattete Lage günstiger. 
In Bezug auf Vermehrung durch Theilung 
halten wir mit Herrn Hartmann die Thei- 
lung nach der Blüthe für günstiger als im 
Herbste. 


3) Ueber Bebauung kleinerer das 
Haus umgebender Gärten (bürgerliche 
Gartenkunst) hielt Herr Hertzch mehrere 
praktische gut gehaltene Vorträge, wobei 
den lokalen Verhältnissen um Chemnitz 
Rechnung getragen wird. Einem Irrthum, 
der gerade geeignet ist ein Vorurtheil fort- 
zupflanzen,, sei es uns erlaubt, entgegen zu 
treten. Der Verfasser räth nämlich davon 
ab, Menschendünger beim Gemüsebau anzu- 
wenden, weil viele Gemüse von solchem 
einen scharfen Geschmack erhielten. Ein- 
mal verstehen wir nicht, was durch „schar- 
fen Geschmack“ bezeichnet werden soll, — 
und ferner ist der besprochene Dünger für 
Sellerie, Kohlarten, Salate ete. sogar der 
beste, unter dessen Anwendung man das 
schönste ganz wohlschmeckende Gemüse 
erzieht. Die Pilanze zerlegt den aus fau- 
lenden Stoffen aller Art aufgenommenen 
rohen Nahrungssaft wieder so, dass von 
einer Uebertragung des Geschmaekes nicht 
die Rede sein kann, sonst würden wir über- 
haupt keine gedüngte Pflanze, sei es Dünger 
von Menschen oder Thieren, der angewandt 
wurde, essen können. 
solches Vorurtheil aber, dies noch 
dazu beitragen hilit, dass der beste kräf- 
tigste Dungstoff ott nutzlos verloren geht. 
In dieser Beziehung mag Nord- und Mittel- 
Deutschland von der Schweiz lernen, wo 
der in Rede stehende Dünger in jedem klei- 
nen Hausgarten als flüssiger Guss mit dem 
besten Erfolge zur Düngung des Gemüses 
jährlich angewendet wird. 


Schädlich ist ein 
weil 


4) Ueber Obstbau waren wiederholt in- 
teressante Verhandlungen im Schnosse der 
Gesellschaft. Einige interessante geschicht- 
liche Daten entnehmen wir 
selben: 


einer der- 


1768 ward das erste Werk herausge- 
geben, das die genauere Bestimmung der 
Obsorten anregte, es war das das Werk 
von Dahumel über Obstarten, 1794 ver- 


256 


öffentlichte Sickler sein Werk über die 
Pflaumensorten. 1795 gab der Vater des 
gefeierten Dichtere Schiller ein Obst- 
büchlein heraus. 1799 begann Diel die 
Veröffentlichung seines Werkes über die 
Kernobsorten und 1802 erschien das pomo- 
logische Handwörterbuch von Christ. 

Pomologische Vereine thaten gleichfalls 
das Ihre zur Hebung der Obstbaumzucht. 
Auf Anregung von Diel und Christ, den 
Vätern unseres deutschen Obstbaues, ent- 
stand 1796 die erste Pomologische Gesell- 
schaft in Deutschland. 1802 ward die Po- 
mologische Gesellschaft in Altenburg ge- 
gründet, 1814 die Landesbaumschule in 
Dresden, 1817 die zu Frauendorf in Bayern. 
Eine gute auf Quellen gestützte Geschichte 
des deutschen Obstbaues wäre ein für Viele 
interessantes Unternehmen! 

5) Ein Capital, das alle Gartenbauvereine 
mit Flammenschrift auf ihr Panier schreiben 
sollten, einem jeden so recht 
dringend ans Herz zu legen, das ist Scho- 
nung der nützlichen Thiere. Welch 
enormen Schaden haben wir uns selbst 
durch deren Vertilgung schon geschlagen 
und unmässige Ueberhandnahme des Unge- 
ziefers, gegen das der Mensch mit allen 
seinen Abwehrungsmitteln doch nichts aus- 
richtet, ist nur die Folge der schändlichen 
Vertüguang der nützlichen Thiere. Auch 
diese fanden im Schoosse der Gesellschatt 


um es 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


ihre eifrigen Freunde. Maulwürfe und Fle- 
dermaus soll man schonen, denn ersterer 
ist durch Vertilsung des Ungeziefers im 
Boden nützlicher als schädlich, letztere nur 
nützlich. Selbst die kleineren Raubvögel 
sind als Feinde der Mäuse mehr nützlich als 
schädlich. Krähen, Spechte und Enten sind 
fast nur nützlich, — aber Hühner und Tau- 
ben würden wir doch nicht empfehlen, in 
dem Garten "zu dulden, da sie da mehr 
schaden als nützen. — 

Dagegen sind fast alle kleineren Vögel 
nützlich, und es ist gar nicht zu entschul- 
digen, dass diese befiederten Sänger noch 
so oft zu einem Kitzel des Gaumens ge- 
schossen und verscheucht werden, — schänd- 
lich aber ist es, wie sie zur Zeit ihrer Wan- 
derung in Norditalien und auch noch an 
einzelnen Orten Deutschlands jetzt noch 
massenhaft geschlachtet werden. Das wäre 
ein Thema der Besprechung auf deutschen 
Garten-Congressen. Was hilft’s uns, wenn 
wir in einzelnen Gegenden soweit gekom- 
men, dass man diesen nützlichen Thieren 
Brütekästen in den Gärten einrichtet und 
solche schützt und schirmt, wenn solche an 
andern Orten wieder auf ihrer Wanderung 
zu Hunderttausenden geschlachtet werden. — 

Wir wünschen dem Vereine, der so 
alle Zeitfragen in seiner Mitte bespricht, fer- 
neres segensreiches Wirken in unserem ge- 
segneten Sachsenlande. (E. R.) 


Y. 


1) Die 41. Versammlung der Deutschen 
Naturforscher und Acrzte, welche in den 
Tagen vom 17. bis 22. September in Frank- 


Personalnotizen und Neuestes etc. 


einem Schreiben aus Galabat vom 10. Juni 
1865, dass Schimper, der bekannte Bota- 
niker aus Mannheim, in Abessinien bei dem 


furt a. M. abgehalten werden sollte, wird | Kaiser Theodor in Ehren stehe und sich 


in Anbetracht der politischen Verhältnisse 
dieses Jahr nicht stattfinden. 


2) Dr. Schweinfurth berichtet in 


gegenwärtig in Gaflat mit Kalkbrennen be- 


schäftige. (Petermann’s Mittheil.) 


I. Originalabhandlungen. 


1) Abgebildete Pflanzen. 


a) Rhododendron Aucklandi Hook fil. 


(Siehe Tafel 517.) 


Erieaceae 


R. Aucklandi Jos. Dalt. Hooker the 
Rhod. of the Sikkim Himalaya tab. 11. 
— Revue hort. 1855. pag. 81. — 

Frutex, cortice laevi pallido subpa- 
pyraceo; foliis amplis, petiolatis, ob- 
longo-ovalibus v. oblongis, basi corda- 
tis, acutis, margine planis, coriaceis, 
utrinque viridibus glabris, subtus palli- 
dioribus reticulato - venosis; floribus ma- 
ximis, 3—5 terminalibus, albis, pedun- 
ceulis longiusculis, glaucescentibus, pilis 
glanduliferis raris adspersis; calyce pa- 
telliformi, inaequaliter 5-lobo; corollae 
tubo late campanulato; limbo amplis- 
simo patente, 5-lobo, lobis emarginatis; 
staminibus 12— 18; antheris sub apice 
affixis; ovario glanduloso, 12 loculari; 
stylo valido, curvato; stigmate magno, 
disciformi. — 

Bildet nach Hooker 4—11 Fuss hohe 


schönsten von ihm entdeckten Arten 
und nannte es deshalb zu Ehren des 
Lords Auckland, der damals Gouver- 
neur von ÖOstindien war. In Cultur 
scheint diese Art noch selten geblüht 
zu haben. Wir waren daher sehr ge- 
spannt, als eines unserer Exemplare 
dieses Jahr eine Blüthendolde ent- 
wickelte. Hooker bildet diese Pflanze 
mit röthlichen Kelchen und fast 6 Zoll 
im Durchmesser haltenden Blumen ab, 
An unserer Pflanze waren die Kelche 
grün und die einzelnen Blumen hielten 
nur 31/, Zoll im Durchmesser. — 

Wir bemerken dazu, dass unser 
Exemplar kräftig und gesuud und un- 
gefähr 5 Fuss hoch ist. Vielleicht dass 
an älteren Exemplaren die Blumen 
grösser werden. 

Aber auch wenn die Blumen nicht 


Büsche und wächst im Himalaya ober- | jene enorme Grösse erreichen sollten, 


halb des Dorfes Choongtam. 


IX. 1866. 


Hooker 
hält dieses Rhododendron für eine der 


wie solche von Hooker abgebildet wer- 
den, ist das Rh, Aucklandi eine sehr 
17 


258 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


schöne und ausgezeichnete Art, die in | Staubfaden mit Anthere, gleich den fol- 


grösseren reich blühenden Exemplaren | genden Figuren vergrössert, 
eine wahrhaft glänzende Erscheinung | knoten und Griffel. 


darbieten muss. 
Erklärung der Tafel, 


(E. R.) 


2. Frucht- 
3. Querdurchschnitt 


des Fruchtknotens. 4. Die aufgesprun- 


1. Ein | gene Frucht. — 


b) Vriesia brachystachys 


(Siehe Tafel 518.) 


Bir onmleniTmagerenare: 


V. brachystachys; glabra; foliis 
late ligulatis, integerrimis, utrinque vi- 
ridibus, basi latioribus amplectentibus, 
apice acuminatis; scapo folia paullo su- 
perante, vaginis appressis involuto; 
spica abbrevita, disticha, bracteis com- 
presso - carinatis, patentissimis, approxi- 
matis, oblongo subfalcatis, basi cocei- 
neis, apice luteis, unifloris; floribus tri- 
gonis, luteis, bractea vix excedentibus; 
petalis calycem paullo superantibus. — 

Die beistehend abgebildete eigen- 
thümliche Pflanze haben wir unter dem 
Namen Vriesia brachystachys aus 
dem Gärten des Herrn James Booth 
und Söhne erhalten. 

Zweizeilig gestellte in eine Aehre 
vereinte Blumen, die von einer gekiel- 
ten Braktee gestützt werden, zeichnen 
in der Familie der Bromeliaceen die 
Gattungen Vriesia Lindl, und Platy- 
stachys C. Koch aus. Bei den Ar- 
ten der letzteren Gattung stehen am 
Blüthenschafte eigentliche Blätter, wäh- 
rend der Schaft der ersteren Gattung 
nur mit Brakteen besetzt ist. Wir sind 
daher der Ansicht, dass die in Rede 
stehende Art, von der wir nirgends 
eine Beschreibung finden können, wirk- 
lich zur Gattung Vriesia gehört, obgleich 
solche noch von dem Gattungscharakter, 


wie solchen Lindley von Vriesia gibt, 
durch die abstehenden einander nicht 
umwickelnden Narben sich unterscheidet. 

Die Blumen selbst bleiben sehr lange 
im Knospenzustand, und umschliessen 
in diesem schon vollständig ausgebil- 
dete Antheren und Griffel. Sie sind so 
lang oder wenig länger als die Brak- 
teen. Kelchblätter gekielt, bis zur Mitte 
roth, nach der Spitze zu gelblich. Blu- 
menblätter 3, gelb uud mit grünen 
Spitzen, bei der entwickelten Blume we- 
nig länger als der Kelch, in den unent- 
wickelten Blumen bedeutend kürzer als 
der Kelch, am Grunde Schuppen tragend. 

Blühet im April und Mai, bildet eine 
Masse junger dicht stehender Blattro- 
setten und pflanzt sich in Felge dessen 
schnell und leicht fort. 

Unsere Abbildung zeigt, dass die in 
Rede stehende Pflanze eine nette zier- 
liche Art ist, deren Blätter und Blü- 
thenschaft inelus, der Blüthenähre span- 
nenlang oder etwas weniger länger wer- 
den. Die kurze kaum 2 Zoll lange Blü- 
thenähre und die stark abstehenden 
dicht zweizeilig gestellten Brakteen, die 
einander nicht decken, kurze Blume 
etc., zeichnen diese Art von den an- 
dern bekannten Arten der Gattung aus, 

Cultur im niedrigen Warmhause. — 


I. Originalabhandlungen. 


Erklärung der Tafel. 
Blume in natürlicher Grösse, 
einzelnes Kelchblatt. 
öffnete Blume. 4, 
Griffel mit Narben. 


Fig. 1. 


Fruchtknoten und 
5. Ein Blumenblatt 


2. Ein 
3. Eine nicht ge- | Grund eines Blumenblatts mit Schuppen 


259 


nebst den 2 Schuppen am innern Grunde 
derselben und einem Staubfaden. 6. Der 


und Anthere vergrössert. 
(E. R.) 


cd) Authurium reflexum .h Par. 


(Siehe Tafel 519.) 


i 


Aroideae 


Caudice brevi; petiolo elongato, se- 
mitereti, antice excavato; geniculo pol- 
licari, sulcato; lamina elongato- cordi- 
formi, crasse coriacea, basi profunde 
cordata, apice acuminata; pseudoneurv 
intimo a margine late remoto, altero 
margini approximato; pedunculo recurvo, 
petiolo multoties breviore; spatha ovata, 
acuminata, Spadicem crassum cireiter 
aequans. — 

Der hiesige Garten hat das bei- 
stehend abgebildete Anthurium unter 
dem obigen Namen aus dem an neuen 
seltenen Pflanzen so reichen Garten des 
Museums zu Paris erhalten. Dasselbe 
gehört in die Gruppe der stammlosen 
Arten mit ungetheilten herzförmigen 
Blättern, die von 7—9 fussförmig ge- 
theilten Längsnerven durchzogen sind. 
Von diesen Längsnerven verlaufen die 
innersten gleich aufsteigend bis zur 
Spitze des Blattes und bilden einen vom 
Blattrand weit entfernten Nerven, mit 
dem die aus dem Mittelnerv abgehen- 
den Seitenneryen anastomosiren. Die 
2—3 äussern Längsnerven sind vom 
Ursprung an rückläufig und anastomo- 
siren dann zusammen in einem vor dem 
Blattrande liegenden Nerven, 

Schott hat diese Gruppe der stamm- 


losen herzblättrigen Anthurien mit der- 
artigem Nervenverlauf „Chondrophyl- 
lium“ genannt. Der kurze zurückge- 
bogene Blüthenschaft, der 4—6mal 
kürzer als der Blaitstiel, unterscheidet 
ausserdem diese Art von allen andern 
verwandten. 

Den Namen scheint der berühmte 
A. Brongniart gegeben zu haben, wir 
finden aber auch in den Schriften der 
Pariser Akademie noch keine Beschrei- 
bung dieser schönen Deeorationsptlanze. 
Unsere Abbildung stellt diese prächtige 
Pflanze in 1/, der natürlichen Grösse 
dar. Dieselbe stammt aus dem tropi- 
schen Amerika. 

is stammlose Art vermehrt sich 
solche etwas langsam, wenn man aber 
erst einmal ein kräftiges Exemplar be- 
sitzt, dann nehme man solchem den 
Kopf ab und der alte Stummel wird 
bald Seitentriebe bilden, die dann zu 
Abnehmern benutzt werden künnen, Das 
Stutzen oder Wegnehmen der Köpfe 
nehme man vom März bis Mai vor, 
weil zu dieser Zeit der alte Strunk am 
schnellsten und leichtesten Seitentriebe 
bildet. Vor dem Abnehmen lasse man 
den Ballen etwas austrocknen und giesse 
gar nicht oder nur sehr vorsichtig, 

17 * 


260 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


bis der alte Strunk neue Augen zu trei- | Decorationspflanzen in jedem Warmhause 


ben beginnt. 
kann meist gleich als eigne Pflanze ein- 
zeln in einen Topf gepflanzt und unbe- 
deckt im niedrigen Warmhause aufge- 
stellt werden, da er meist schon eigne 
Wurzeln beim Abnehmen besitzt, — 
oder solche doch sehr bald bildet. — 
Erwachsene Exemplare dienen als schöne 


Der abgenommene Kopf | und im Zimmer. 


(E. R.) 


' Erklärung der Abbildung, 


1. Eine Pflanze in 4facher Verklei- 
nerung. 2. Ein Blatt, in der Hälfte der 
Grösse. 3. Eine Blume von eben ge- 
sehen, vergrössert. 


2) Evonymus japonicus Thhrg. und dessen Abarten. 


Vom Evonymus japonieus Thbreg. 
(fl. jap. pag. 100) waren bis vor weni- 
gen Jahren ausser der grünblätterigen 
Stammart nur 2 Formen bekannt. Seit- 
dem nun zahlreiche Reisende ausser 
Siebold die Schätze der Japanischen 
Gärten in Europa eingeführt haben, sind 
auch von E. japonicus viele andere Ab- 
arten in Europa’s Gärten eingeführt 
worden, die sämmtlich als hübsche im- 
mergrüne Decorationspflanzen für’s Kalt- 
haus um so mehr Werth haben, als 
. solehe theils schön bunt gefärbte Blät- 
ter besitzen, 

Unter diesen zahlreichen Formen 
haben wir zunächst 2 Gruppen zu un- 
terscheiden. Von diesen theilen die 
einen den Wuchs von der schon lang 
bekannten Stammform, indem sie steif 
aufrechte Aeste bilden, die sich spar- 
sam verästeln. Die andern besitzen da- 
gegen einen niedrigen Wuchs, verästeln 
sich stark und sparriger, bilden aus 
dem Grunde ihrer Aeste von selbst Wur- 
zeln und klammern sich mit denselben 
in ihrem Vaterlande an Mauern und 
Stämmen ähnlich wie unser Epheu an. 
Die Formen dieser zweiten Gruppe 
gehen in unsern Gärten als Evonymus 
radicans und E. gracilis. Nach den Be- 


obachtungen des Herrn Maximowiez ist 
dieses aber nur die junge aus Samen 
erzogene Pflanze in dem ersten Lebens- 
eyclus. Später erhoben sich aus der- 
selben aufrechte robuste Stengel und 
Aeste, die gänzlich der bekannten 
Stammart gleichen. Wir haben es also 
hier mit 2 Formen der Entwickelung 
zu thun, die der sterilen und frucht- 
baren Form unseres Epheus gleichen 
und die beide ungeschlechtlich vermehrt, 
ihre Art des Wachsthums wenigstens in 
der ersten Zeit beibehalten und so das 
scheinbare Verhalten von 2 verschie- 
denen Arten zeigen. Wir weisen darauf 
hin, dass die fruchtbaren Aeste mit an- 
derer Blattform unseres Epheus unge- 
schlechtlich fortgepflanzt, gleichfalls 
Wachsthum und Blattform beibehalten 
und in den Gärten gleichfalls mit ver- 
schiedenen Namen belegt worden sind. 

Die uns bekannt gewordenen For- 
men des Evonymus japonicus Thbrg, 
sind die folgenden. 


I. Formen mit aufrechten wenig 

verästelten Zweigen von hohem 

Wachsthume, mit Blättern von 
1 vis 21/, Zoll Länge. 


1) E. japonicus Thunbrg. var. 


I. Originalabhandlungen. 


typicus, 
und wie der Stengel grün. 

2) E. jap. var. argenteo-varie- 
gatus. Aeste grünlich. Blätter oval- 
elliptisch, silberfarben gerandet. 

3) E. jap. var. aureo-variega- 
tus. Aeste goldgelb, Blätter länglich- 
oval, in der Mitte und nach dem Grunde 
zu nebst Blattstiel goldgelb. 

Nr. 1—3 sind die schon lange in 
unsern Gärten bekannten Formen, 

4) E. japonicus var. crispus. 
Aeste grünlich-weiss. Blätter länglich- 
oval, kraus, silberweiss gerandet und 
nüancirt, 

5) E. jap. var. ovatus. Aeste 
goldgelb. Blätter oval, schwarzgrün, 
in der Mitte vorzugsweise nach dem 
Grunde zu goldgelb. 

Von Maximowiez eingeführt und als 
E. japoniceus fol, ovatis luteo -variegatis 
vom Botanischen Garten in St. Peters- 
burg, sowie als E. japon. fol. ovatis 
aureo-variegatis von Mackoy in Lüttich 
und aus Gärten Englands abgegeben. 
Eine der schönsten Abarten, 

6) E. japonicus Thbre. var, 
sulphureo-variegatus. Aeste grün, 
Blätter oval-lanzettlich, breit schwefel- 
gelb gerandet und nuaneirt. — Als 
E. japonieus striatus von Mackoy und 
als E. jap. fol. sulphureo-marginatis 
von Van Houdte erhalten. — 


II. Blätter sehr gross, bis 3 Zoll 
lang, sonst gleich Abth, I. 


7) E. jap. macrophyllus. Aeste 
grün, Blätter sehr gross, oval, gegen- 
ständig oder an kräftigen Trieben auch 
zu 3 gestellt, grün. — E, japonicus 
maerophyllus h. Sieb. — 


III. Stengel und Aeste dünn, ge- 
bogen, am Grunde oft wurzelnd, 
stark verästelt. Wuchs buschig 


Blätter länglich elliptisch |und niedrig. 
nissmässig klein. 


| grün. 
gerandet. — 
marginatis van Houtte, — 
fol. argenteo - variegatis h. Sieb. — 


grün. 
ben und rosenroth gerandet, — E. ra- 
dicans roseo -marginatus H. Mack, 


261 


Blätter verhält. 


8) E. jap. gracilis,. Aeste weiss- 
Blätter elliptisch, silberfarben 
E. radicans fol. argenteo- 
E. gracilis 


9) E. jap. radicans, Aeste weiss- 
Blätter rundlich - oval, silberfar- 


10) E. jap. tricolor. Aeste grün, 
Blätter elliptisch- oval, silberfarben gelb 
und hellgrün gerandet und gescheckt. — 
E. trieolor h, Mack. — E, radicans fol. 
aureo-pietis h. Van Houtte — E. ra- 
dicans var. pietus h. Sieb. et h. Laur. — 

11) E. jap. reticulatus. Aeste 
Blätter länglich-oval, grün, mit 
E. gra- 


grün. 
weissen Adern gezeichnet, — 
cilis h. Sieb, 

12) E. jap. radicans viridis, 
Blätter oval- elliptisch, grün. — E. ra- 
dieans h. Sieb. — 

Sehliesslich wollen wir noch bemer- 
ken, dass die Cultur des Evonymus 
leicht ist und nur in zweierlei Bezieh- 
ungen Aufmerksamheit erfordert. Den 
steif aufrecht wachsenden Formen müssen 
rämlich während der Wachsthumspe- 
riode die Spitzen häufig ausgekneipt 
werden, um schöne buschige Exemplare 
zu erziehen. Ferner ist es nothwendig, 
die buntblätterigen Formen von Zeit zu 
Zeit zu durchgehen und diesen alle etwa 
erscheinenden grünblätterigen Triebe 
auszuschneiden, da diese nicht blos die 
Pflanze entstellen, sondern auch ein 
viel üppigeres Wachsthum zeigen, so. 
dass man, so fern es versäumt wird, 
solche fort zu schneiden, bald ausgear- 
tete Exemplare erhält. — 


(E. R) 


262 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


3) Unnatürliche Culturformen. 


Die Gärtner haben sich von jeher 
nicht mit denjenigen Formen begnügt, 
welche der natürliche Wuchs der Pflanze 
bildet, sondern dieselben in gezwungener 
Weise gezogen. Pflanzen, welche sich 
naturgemäss ausbreiten oder gar am Bo- 
den liegen, werden zu Bäumchen auf- 
gekünstelt, und aufrecht wachsende 
werden mit Gewalt niedergehalten, da- 
mit sie sich am Boden streeken und 
Einfassungen oder sogenannte Teppig- 
beete bilden. Beides kann nicht ganz 
verworfen werden, denn diese gekünstel- 
ten Formen vermehren die Abwechslung 
und können recht hübsch sein. Solche 
sind ausgebreitete Sträucher, welche, 
ihrem natürlichen Wuchse überlassen, 
sich wenig über den Boden erheben, 
aber auf Stämmehen veredelt Kronen 
mit hängenden Zweigen bilden. Wer 
kennt nicht die auf solche Art zu Bäum- 
chen gezogenen niedrigen Cytisus, Ca- 
ragana, Cctoneaster, Juniperus, Evo- 
nymus radicans, Cerasus, Rosen u. a. m.; 
wer freut sich nicht über ein hübsch 
gezogenes Bäumchen von Heliotrop und 
andern halbstrauchigen Blumen? Da- 
gegen kann sich an mühsam in die 
Höhe gezogenen Veilchen (sogenannte 
Viola odorata arborea), Petunien, Re- 
seda u. a. m. nur der Züchter erfreuen, 
weil er damit ungewöhnliche Schwierig- 
keiten überwunden hat. 

Gleiche Bewandtniss hat es mit den 
von Natur aufstrebenden, künstlich nie- 
dergehaltenen Pflanzen, welche die 
Mode der Teppigbeete auf eine bedenk- 
liche Weise für den guten Geschmack 
vermehrt hat. Diese Pflanzen sind al- 
lerdings für unsere jetzigen Bedürfnisse 
nicht zu entbehren, auch muss man 


gestehen, dass viele davon nicht nur | nige aufrecht. 


niedergehakt oder gebunden sehr hübsch 
aussehen, sondern auch sehr reich 
blühen. Ich erinnere nur‘ an Rosen, 
Heliotrop, Plumbago coerulea, Anagal- 
lis u. a. m., welche wirklich für nie- 
drige Beete wertlivoll sind. Aber man 
zieht Pflanzen zu Boden, deren ganze 
Natur einer solchen Behandlung wider- 
strebt, und hat davon unsägliche Mühe 
bei wenig Gewinn, der hauptsächlich 
in der Bewunderung von Leuten mit 
wenig Geschmack besteht. Den Gärt- 
ner selbst kann nur der Reiz des Un- 
sewöhnlichen und die Sucht, sich aus- 
zuzeichnen, zu solchen Ungehörigkei- 
ten fükren, denn er muss sich selbst 
sagen, dass er dieselben Farbeneffecte 
durch Anwendung anderer Blumen viel 
leichter hätte erreichen können. Ich 
ziele hier hauptsächlich auf zwei Pflan- 
zen, welche man in so unnatürlicher 
Weise verwendet: die Georgine oder 
Dahlie und Delphinium formosum. Die 
erstere sah ich schon vor etwa 15 Jah- 
ren von einem böhmischen Gärtner 20 
behandelt, und er bildete sich natürlich 
viel darauf ein, dass es ihm gelungen 
war, die steifen, so leicht zerbrechli- 
chen Zweige an den Boden zu heften. 
Derselbe Gebrauch ist aber, nach einer 
Bemerkung in Professor K. Koch’s Wo- 
chenschrift (wo er ebenfalls getadelt 
wird), gegenwärtig im Auslande beliebt 
geworden. Die Pflanzen, welche ich 
sah, lagen nicht ganz am Boden, son- 
dern waren 6— 8 Zoll über demselben 
an eine Art Gitter geheftet. Obgleich 
meist eine kurzstielige Sorte verwendet 
war, so sah es doch nicht schön aus, 
denn die keineswegs häufigen Blumen 
standen nach allen Richtungen nur we- 
Wollte man diese Ver- 


I. Originalabhandlungen. 


kehrtheit nachmachen, so müsste man 
dazu Sorten mit ganz aufrecht stehen- 
den Blumen wählen. Delphinium for- 
mosum wird besonders in England, wo 
man jetzt in Unnatürlichkeiten Grosses 
leistet, als Einfassung verwendet. Man 
pflanzt die schon Stengel bildenden 
Stauden schräg und hakt sie stets nie- 
der. Dies hat allerdings den Vortheil, 
dass sich die Nebenzweige besser aus- 
bilden und ziemlich zu gleicher Zeit 
mit der Hauptblume zur Blüthe kom- 
men, und es sieht eine solche Einfas- 
sung, wenn die Stauden recht dicht ge- 
pflanzt wurden, auf kurze Zeit prächtig 
aus. Aber sind aufrecht wachsende 
Delphinien nicht schon prächtig genug? 
muss gerade die Einfassung aus dieser 
Pflanze bestehen? Wir haben zwar zur 
Sommerzeit keine blaue Pflanze von 
solchem Effect, aber wer wollte nicht 
mit den reizenden grossblumigen blauen 
Lobelien zufrieden sein, die den gänzen 
Sommer blühen? Etwas Anderes wäre 
es, wenn man durchaus eine blaue Ein- 
fassung haben wollte und müsste, ohne 


263 


von einer anderen geeigneten Pflanze 
Vorrath genug zu haben. Dann würde 
Delphinium ein willkommener Ersatz 
sein. Wenn dieselben verblüht haben, 
so können unterdessen im Topf angezo- 
gene Nemophila insignis oder Zwerg- 
astern aus dem Lande ihre Stelle er- 
setzen. Uebrigens sieht man dem Del- 
phinium bei aller Pracht immer das 
Gezwungene an, und die Blüthenstengel 
haben sehr ungleiche Höhe, 

Es gibt eine sehr bestimmte Richt- 
schnur, welche Pflanzen zum Nieder- 
ziehen geeignet sind: erstens, dass die- 
selben sehr biegsam sind, zweitens, 
dass die Zweige sich stark und seit- 
wärts verästen. Bei der Rose und ähn- 
lichen Blumen werden die Hauptäste 
gezwungen niedergehalten, während die 
Zweige mit Blüthen sich wieder auf- 
richten. Bei Delphinium ist es anders, 
denn hier wird der eigentliche Blüthen- 
stengel niedergehalten und dieser muss 
sich krümmen, um die natürliche Rich- 


tung wieder zu erhalten. 
JE 


4) Die internationale Gartenbau- Ausstellung in London vom 
22. bis 31. Mai 1866. 


(Fortsetzung.) 


Gehen wir nun an der Hand des 
ofieiellen Cataloges *) und unserer eige- 
nen Notizen auf eine nähere Bespre- 


*) Der officielle Ausstellungs-Catalog, 
der schon am ersten Tage der Ausstellung 
publieirt wurde und dann in mehreren Auf- 
lagen erschien, enthält auf 144 Seiten: 

1) den Grundplan der Ausstel- 
lung; 


chung der ausgestellten Pflanzen ein, so 
haben wir in erster Linie die neuen 
Einführungen zu besprechen. J. Lin- 


9) die Liste der Patrone (I. M. die 
Königin Victoria, der Kronprinz, der 
Herzog v. Cambridge, die Herzogin von 
Cambridge und Prinzessin Marie von 
Cambridge) und Vicepräsidenten, un- 
ter diesen 1 Erzbischof, 4 Bischöfe, 4 Her- 


264 


den von Brüssel und J. Veiteh u. 
Söhne, beide längst bekannt als die 
bedeutendsten Pflanzenimporteure der 


zöge, 13 Grafen und viele Mitglieder des 
hohen Adels etc.; 

3) die Liste der Mitglieder des Ex- 
ecutiv-Comite, von dem wir schon ge- 
sprochen haben; 

4) die Liste der Mitglieder des Co- 
mit& für den botanischen Congress 
(Präsident: Professor Alph. DeCandolle, 
32 englische Botaniker als Mitglieder, von 
Coryphäen in der Botanik vermissen wir 
ungern die Namen eines Dr. J. D. Hooker 
und Bentham); 

5) die Liste der Abhan’dlungen, die 
im Congress vorgetragen und dis 
cutirt werden sollten; wie auch bel 
den früheren Congressen war Ueberfluss an 
Stoff, Mangel an geduldigen, bis an’s Ende 
ausharrenden Zuhörern; 

6) die Programme der Musik- 
chöre, die aufgeführt wurden a) während 
der Dauer der Ausstellung im angränzenden 
Garten der Gartenbau-Gesellschaft, b) beim 
grossen Bankett (weniger grossartig und 
ceremoniell hätte das Bankett sicher an 
Gemüthlichkeit gewonnen) in der Guild- 
hall (dem Rathhause der Stadt London) 
und c) bei der Abendunterhaltung (Con- 
versazione oder vielmehr Toilettenrevue, 
denn in den überfüllten Sälen war von Un- 
terhaltung kaum die Rede; man müsste 
denn Unterhaltung finden im Drängen und 
Gedrängtwerden) in den prächtigen Bilder- 
gallerien des Museums von Süd - Kensington. 
Die Musik wurde ausgeführt von den Mu- 
sikcorps der königl. Artillerie, der schot- 
tischen Füsilier- Garde und der Leibgarde; 

7) die Anordnungen die Ausstellung 
betreffend; 

8) die Liste der Concurse oder 
das Preisprogramm, mit Angabe der 
ausgesetzten Preise, der Namen der Ein- 
sender, und was uns das Wichtigste scheint, 
auch mit detaillirter Anfzählung der 
einzelnen Pflanzen jeder Einsendung, 
soweit die Einsender die Listen rechtzeitig 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Gegenwart, standen als die Hauptriva- 
len da, und dem Belgier wurde die Ge- 
nugthuung, auf der grössten Ausstel-. 


eingereicht hatten, dadurch erhält der Ca- 
talog einen bleibenden Werth. Jeder Sec- 
tion sind ausserdem die Namen der Preis- 
richter vorgedruckt, die diese Section zu 
beurtheilen hatten. Das Preisgericht war, 
entgegen dem Gebrauche auf continentalen 
Ausstellungen, fast nur aus Gärtnern von 
Profession zusammengesetzt, und zu 98 Eng- 
länder nur 10 Ausländer zugezogen wor- 
den. — Mit der Einladung in’s Preisgericht 
erhielt jeder Eingeladene schon die Anzeige, 
welcher Section er vom Executiv- Comite 
zugetheilt sei. Jede Section, aus 3, höch- 
stens 4 Mitgliedern bestehend, handelte 
durchaus selbständig und unabhängig von 
den übrigen, und da auch vom Büreau aus 
alles Nöthige auf’s Beste vorbereitet war, 
so wurden eine Menge Formalitäten und. 
Diseussionen erspart. und in wenigen Stun- 
den war Alles beendet. Als die Preisrichter 
am Vormittag des Eröffnungstages die Aus- 
stellung betraten, war das Lokal für Jeder- 
mann geschlossen, das ganze Arrangement 
war vollständig beendet, die Namen der 
Aussteller durften nirgends an den Gruppen 
angebracht sein: dagegen waren die Grup- 
pen vom Büreau aus mit 2 Nummern be- 
zeichnet, der Classennummer und der Num- 
mer der Reihenfolge in der Anmeldung. 
Unmittelbar nachdem die Sectionen des 
Preisgerichts ihr Urtheil dem Büreau abge- 
geben, eine Sitzung des Preisgerichts in 
pleno fand gar nicht Statt, — wurden Kar- 
ten mit dem Namen des Einsenders und 
dem gewonnenen Preise zu jeder Gruppe 
gesteckt. Die einzelnen oft sich nahe be. 
rührenden Gruppen waren sehr zweekmässig 
durch schmale rothe Bänder getrennt, so 
dass Preisrichter wie Publikum bei einiger 
Aufmerksamkeit die Grenzen jeder Einsen- 
dung leicht auffnden konnten, ohne dass 
durch diese Begränzung das Ensemble ir- 
gendwie gestört worden wäre; 

9) enthält der oficielle Catalog die Na- 
men und Adressen der Aussteller; 


I. Originalabhandlungen. 


lung Englands den Engländer zu be- 
siegen: Herr Linden erhielt in 3 Con- 
eursen für neue, durch den Aussteller 
selber importirte Pflanzen die ersten 
Preise, 

Es würde natürlich zu weit führen, 
alle die ausgestellten Neuheiten auch 
nur mit Namen aufzuführen, — wir 
wollen nur die vorzüglichsten kurz er- 
wähnen und im Allgemeinen noch be- 
merken, dass es fast sämmtlich Blatt- 
pflanzen des Gewächshauses waren, die 
als solche, und wenn sie auch noch so 
schön sind, nie eine so allgemeine Ver- 
breitung finden können und relativ da- 
her auch nicht denselben Werth haben, 
als eine „plant for the million“, 
wie der Engländer sagt, oder zu deutsch 
wie eine „Jedermannspflanze‘“, an der 
sich auch der Besitzer des kleinsten 
Hausgartens noch freuen kann. Nach 
einer solchen robusten, ausdauernden, 
schön blühendeu und wirklich distineten 
Neuheit sahen wir uns vergeblich um, 
und waren insofern auch nicht recht 
befriedigt von diesem Theile der Aus- 
stellung. Gerne hätten wir ein Dutzend 
der vorhandenen Neuheiten hergegeben 
für eine einzige solche Neuheit wie 


wir haben schon erwähnt, dass unter den 
360 Ausstellern nur 21 Ausländer figuriren, 
und nur Belgien würdig vertreten war; 

10) die Liste der zuerkannten 
Preise; die Preisrichter hatten sich strenge 
an den Wortlaut des Programms zu halten, 
und so konnten bei grösserer Anzahl von 
Coneurrenten in jeder Classe nur die vor- 
geschriebenen Preise vertheilt werden und 
manche sehr preiswürdige Einsendung musste 
unprämürt bleiben; 

11) ein Anhang mit Annoncen aller 
Art schliesst, wie in einer englischen Publi- 
eation kaum anders zu erwarten, diesen 
musterhaft und wunderbar rasch abgefassten 
interessanten Ausstellungs- Catalog. 


265 


z. B. eine Dielytra spectabilis, 
eine Spiraea prunifoliafl,pl., eine 
Deutzia graeilis u, s. w. ihrer Zeit 
waren. 

Unter den vielen neuen Pflanzen des 
Herrn Linden heben wir als ganz vor- 
züglich hervor die Dichorisandra 
musaica Lind., eine auffallend schöne 
Blattpflanze des Warmhauses, mit breit- 
eirunden, glänzend dunkel-olivengrünen 
Blättern und ganz ungewöhnlicher mo- 
saikartiger Zeichnung, in kleinen weissen 
Striehen, wohl die werthvollste aller sei- 
ner diesjährigen Neuheiten. In zweiter 
Linie stellen wir die Tradescantia 
undataLind., eine sehr hübsche Blatt- 
pflanze mit langen, schmalen, stark 
wellig gerandeten Blättern, auf hellgrü- 
nem Grunde mit dunkelgrünen Streifen. 
Das Philodendron Lindeni Wallis, 
ist eine hübsche, neue Art mit ziemlich 
kleinen herzförmigen, braungrün bron- 
zirten Blättern, die Blattstiele mit brau- 
nen weichen Borsten besetzt. — An- 
thurium regale Lind. scheint uns 
speeifisch nicht verschieden von dem 
prächtigen A. magnificum oder 
grande Hort., welches unter den 
Aroideen anderer Sammlungen in grossen 
herrlichen Exemplaren allgemeine Be- 
wunderung erregte und warme Empfeh- 
lung verdient. Cyanophyllum 
speetandum Lind,, an und für sich 
sehr schön, kommt leider zu spät, — 
vor Einführung des schöneren C. mag- 
nificum und der noch schöneren 
Sphaerogyne latifolia würde es 
Furore gemacht haben, jetzt wird es 
ziemlich unbeachtet mit so vielen an- 
deren kaum eingeführten Pflanzen den 
Weg zur Vergessenheit wandeln. Das 
ist ein traurig unverdientes Loos, — 
aber Undank ist nun mal der Weit 
Lohn! Dasselbe Loos kann man der 
Bignonia ornata Lind. und dem 


u 


266 


Eranthemum igneum Lind. pro- 
phezeien, ihre sehr ähnlichen Rivalen 
Bignonia argyraea und Eranth. 
sanguinolentum haben schon den 
Vorsprung und werden von den neuen 
Ankömmlingen kaum verdrängt wer- 
den. — Von Maranta hatte Linden 
nicht weniger als 25 (!) neue noch 
nicht im Handel befindliche Arten, oder 
vielmehr Formen einiger Arten, denn 
die grosse Aehnlichkeit in Habitus und 
Zeichnung deutet schon darauf hin, dass 
hier ein Botaniker noch eine wünschens- 
werthe Arbeit des Aufräumens_ findet. 
Es sind manche ganz vorzüglich schöne 
Sorten darunter, aber nur des Guten 
fast zu viel! Wir kennen als zur Elite 
gehörend nur die Maranta illustris, 
Legrelleana, Lindeni, princeps, 
roseo-pieta und virginalis.— Als 
neue blühende Pflanze, durch den Aus- 
steller eingeführt und noch nicht im 
Handel befindlich, erhielt die Psycho- 
tria nivosa von Linden den ersten 
Preis. Hier überwog wohl die bota- 
nische Richtung bei den Preisrichtern, 
denn die mit dem zweiten Preise be- 
dachte, vom Handelsgärtner J. Stan- 
dish ausgestellte Clematis Fortu- 
nei coerulea war ohne Zweifel gärt- 
nerisch schöner und werthvoller, denn 
die Psychotria nivosa mit ihren 
Rispendolden kleiner weisser mit dich- 
ten weissen Zottenhaaren besetzten Blü- 
then, so interessant sie auch ist, hat 
doch mehr nur botanisches Interesse. 
Bevor wir die Neuheiten des Herrn 
Linden verlassen, wollen wir noch 
dankbar des fleissigen Sammlers geden- 
ken, dem unsere Sammlungen schon so 
viele schöne Pflanzen verdanken, Es ist 
ein dentscher Gärtner, Gustav Wallis, 
der jetzt schon seit Jahren für das 
Etablissement des Herrn Linden die 
entlegensten Winkel der wenig bekann- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


ten immensen Gebiete des obern Ama- 
zonenstromes, von Ecuador und Peru 
unermüdlich nach neuen Pflanzen durch- 
forscht. Möge er, glücklicher als so 
viele seiner Vorgänger, gesund einst 
wieder zurückkehren und dann einen 
seinen Verdiensten und Kenntnissen ent- 
sprechenden Wirkungskreis erhalten! 
Die neuen Pflanzen aus der berühm- 
ten ‘Gärtnerei der Herren J. Veitch 
u. Söhne enthielten ebenfalls manche 
ausgezeichnete Neuheiten, theils von 
dem erst kürzlich von seinen Reisen in 
Japan, Australien, Neu-Caledonien etc. 
zurückgekehrten Sohne John Gould 
Veitch gesammelt, theils von dem Rei- 
senden dieser unternehmenden Firma 
Mr. Pearce aus Peru eingesandt. Als 
wahre Perlen heben wir hervor: Ma- 
ranta Veitchii (Phrynium Veit- 
chii C. Koch) von Peru, Begonia 
Pearcei Hook. ebenfalls von Peru 
und Primula cortusoides amoena 
Hook. von Japan. Alle drei sind die- - 
ses Frühjahr in den Handel gekommen 
und konnten daher nach dem Wortlaut 
des Programmes nicht in den ersten 
Classen coneurriren, sonst würden die 
ersten Preise wohl ohne Zweifel anders 
gefallen sein. Maranta Veitchii 
prangte schon auf den Ausstellungen in 
Brüssel und Amsterdam als Stern erster 
Grösse, sie war damals und ist auch 
heute noch die schönste aller Ma- 
ranten, und das will zumal jetzt nach 
den obenerwähnten neuen Einführungen 
Linden’s nicht wenig sagen. Man 
könnte jetzt allein mit den Maranta- 
Arten, wie mit den Begonien und Ca- 
ladien, ein ganzes Warmhaus besetzen, 
und wohl über Monotie in der Tracht, 
aber nicht in der Zeichnung und Fär- 
bung der Blätter klagen können. Die 
Maranten erfordern zu ihrem freudigen 
Gedeihen eine gelinde, nachhaltige Bo- 


L Originalabhandlungen. 


denwärme, daher eignen sie sieh be- 
sonders gut für Warmhäuser älterer 
Construction, die mit Lohbeeten ver- 
sehen sind. Wir wollen hier gelegent- 
lich bemerken, dass die alten Lohbeete 
übrigens sowohl in den belgischen, als 
in den englischen Handelsgärten wieder 
entschieden in Aufnahme kommen, es 
scheint, dass die durch Wasserröhren 
erwärmten Beete auch ihre Nachtheile 
haben und für manche Culturen doch 
guten Lohbeeten nachstehen. — Die 
Begonia Pearcei Hook. ist sehr 
distinet und ausgezeichnet schön, sie 
gehört zu den einziehenden Arten mit 
knolligen Rhizomen, Wuchs niedrig 
und buschig, Blätter sehr hübsch dun- 
kelgrün marmorirt auf hellgrünem Grunde, 
jung braungrün hell gefleckt, Blumen 
frei über das Laub hervortretend, gross 
und schön goldgelb. — Die Primula 
eortusoides amoena Hook. mit 
grossen Blüthendolden, die einzelnen 
Blumen wohl 3mal grösser als die der 
Pr. cortusoides, schön lilarosa mit weissem 
Auge, gefiel dem Referenten am besten 
von den blühend ausgestellten Neuhei- 
ien, wir wollen natürlich unsern Ge- 
schmack und unsere specielle Liebha- 
berei für solche kleine, hübsch blühende 
Stauden und Alpenpflanzen nicht als 
massgebend erachten, wir waren aber 
wirklich entzückt von dieser reizend 
koketten Japanesin, die hoffentlich in 
der Gesellschaft ihrer europäischen 
Schwestern sich gefallen und wie es 
scheint dankbarer blühen wird, als meh- 
rere dieser spröden Schönen. 

Von andern neuen Pflanzen der 
Herren Veitch u. Söhne nennen wir 
noch folgende: Aphelandra nov. sp. 
von Peru an A. Leopoldi erinnernd, 
aber jedenfalls ganz distinet und der 
Tracht nach vielleicht nicht zur Gattung 
Aphelandra gehörend, mit breiten 


267 


goldgelben Streifen längs der Blattrip- 
pen, eine viel versprechende Neuheit; 
Aralia nov. sp. von Neu-Caledonien, 
mit fingerförmigen Blättern, aus 11 sehr 
schmalen, am Rande zierlich gekräu- 
selten Blättchen zusammengesetzt, von 
allerliebster eleganter Tracht; Darwi- 
nia fimbriata von Australien, ein 
hübscher Kalthausstrauch, den Gene- 
tyllis- Arten ähnlich, mit rothen Deck- 
blättern, die überhängende tulpenähn- 
liche Glocken bilden; Bertolonia gut- 
tata von Madagascar ist eine jener rei- 
zenden, zarten Blattpflanzen, die nur 
unter sorgfältiger Pflege, in niedrigen, 
feuchten und schattigen Warmhäusern 
gedeihen, ihre dunkelbronzegrünen Blät- 
ter sind dem Rande nach von kleinen 
runden Flecken von rosaweisser Farbe, 
wie von einer lockeren Perlenschnur 
eingefasst; eine andere Bertolonia sp. 
mit breitem Silberbande auf den schwarz- 
grünen Blättern schien uns nicht ver- 
schieden von der älteren B. marmorata 
(Erioenema marmorea), wir haben 
sie jedoch nur flüchtig angeschaut und 
können unsirren; Coleus sp. von Neu- 
Caledonien ist dem C, Verschaffeltii 
ähnlich und wohl weniger schön; Co- 
leus Gibsoni, ebenfalls von Neu-Cale- 
donien mit schwarzbraunen, schmal grün 
gerandeten Blättern ist wohl nur eine 
Form des C. scutellarioides, wie 
des C. nigricans der Gärten, und von 


diesem durch niedrigeren Wuchs und 
kleinere Blätter unterschieden. 
Der Handelsgärtner W. Bull in 


Chelsea bei London hatte unter seinen 
neuen Pflanzen eine Bertolonia mar- 
garitacea, die der B. guttata von 
Veitch sehr ähnlich, wenn nicht mit die- 
ser ganz identisch war. Seine Malope au- 
stralis hat den ausgesprochenen Typus 
eines Proletariers, es ist ein Unkraut, 
von dem wir nicht begreifen, wie er 


268 


wagen mochte, eine solche Pflanze aus- 
zustellen; sehrhübsch dagegen war sein 
Eranthemum argyroneuron, ein 
hübsches Seitenstück zum Er. rubro- 
venium, (Gymnostachyum Ver- 
schaffeltii Lem.), ganz der gleiche 
Habitus und die gleiche Zeichnung, nur 
hier das Adernetz auf dunkelgrünem 
Grunde silberweiss, anstatt roth, es 
dürfte daher auch kaum specifisch von 
diesem verschieden sein; auch 
Phajus grandiflorus mit panachir- 
ten Blättern mag hier noch erwähnt 
werden als ansehnliche Blattpflanze, die 
zugleich schön blühend ist. — 

Vom Handelsgärtner Standish war 
die schon erwähnte Clematis Fortu- 
nei coerulea und ein japanesisches 
Farn, Athyrium Goeringianum 
tricolor, ausgestellt, beide verdienen 
als sehr schöne und distinete Neuheiten 
empfohlen zu werden, die erstere wird 
unstreitig sehr gesucht werden als die 
schönste der getüllten Clematis, das 
Athyrium hat schön geformte, praun- 
grün gefärbte Wedel mit heller Aderung, 
von derber lederiger Textur und soll in 
England Freien 
halten. 

Unter den übrigen als neu aus- 
gestellten Pflanzen verschiedener Ein- 
sender nennen noch als be- 
sonders ein Adian- 
tum Farlayense aus Westindien, 
ungemein starkwüchsig und gedrängt 
buschig, in der Wedelform an A. cur- 
vatum erinnernd, wahrscheinlich für 
Zimmereultur sehr gut geeignet, und 
einige interessante Pflanzen von Canada, 
eingeführt durch den Handelsgärtner 
R. M. Stark von Edinburg,; der seit 
Jahren die seltneren Stauden, Alpinen, 
Erdorchideen und Landfarne mit beson- 
derer Vorliebe sammelt und cultivirt, 
Es waren dies Pyxidanthera barbu- 


sein 


vollkommen im aus- 


wir 
bemerkenswerth 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


lata, Viola delphinifolia und As- 
pidium fragrans, die Wedel dieses 
letzteren haben einen sehr prononeirten 
Veilchenduft, der auch im Herbar sich 
erhalten soll. — Wir wunderten uns, 
auf einer Ausstellung, wie die Londoner, 
unter den neuesten Pflanzen auch eini- 
gen schon „alternden“ Neuheiten zu 
begegnen, wie z. B. der schon sehr 
verbreiteten Bambusa Fortunei va- 
riegata, dann Rhapis flabellifor- 
mis fol. var., Pinus tabulaeformis 
ete., — So etwas mag passiren auf Pro- 
vinzial- Ausstellungen, soll aber: hier 
doch nicht ungerügt bleiben. — 

Unser Bericht würde ermüdend lang 
werden, — möge er es nicht jetzt schon 
Maänchem geworden sein! — wollten 
wir nun auch die andern Concurse mit 
gleicher Einlässlichkeit durchmustern; 
sie hätten es allerdings wohl verdient, 
denn fast in jeder Classe wäre manches 
Vorzügliche zu erwähnen, — aber wir 
müssen uns doch summarischer Kürze 
befleissen und nur im Fluge noch diese 
herrlichen Culturen, diesen Reichthum 
der seltensten und schönsten Pflanzen 
aller Arten Revüe passiren lassen. 

Die gemischten Gruppen von 
blühenden Schaupflanzen des 
Warm- und Kalthauses waren sehr 
zahlreich und zeigten eine Cultur, die 
bisher nur ausnahmsweise von einzel- 
nen Gärtnern des Continents erreicht 
worden ist, die aber in England selbst 
nicht mehr ihren früheren Höhepunkt 
zu erreichen scheint, Wir erwähnten 
schon in der Einleitung, dass in Neu- 
holländern und Eriken nicht mehr die 
gleichen Leistungen zu Tage treten wie 
vor 15 und mehr Jahren. Es herrschte 
in diesen Gruppen bei aller Pracht eine 
unläugbare Monotie, weil die gleichen 
Pflanzenarten zu häufig wiederkehrten, 
So fehlten fast in keiner dieser Grup- 


I. Originalabhandlungen. 


pen: Erica Cavendishiana, Aero- 
phyllum venosum, Adenandra 
fragrans, Aphelexis macrantha, 


Dracophyllum gracile, Polygala 
Dalmaisiana, Genetyllis tulipi- 
fera, Pimelea Hendersoni und 
Rhynehospermum jasminoides, — 
es sind dies natürlich vorzüglich schöne 
und für Erziehung grosser Qulturexem- 
plare ganz besonders geeignete Arten, 
deshalb nennen wir sie auch gerne, 
aber wo die Auswahl so unendlich gross 
ist, sollte nicht jeder Gärtner die glei- 
chen Arten cultiviren, die sein Nach- 
bar auch zieht, sondern im Gegentheil 
seine Ehre darin suchen, andere wo- 
möglich noch difficilere Arten zu glei- 
cher Vollkommenheit zu bringen. 

Die gemischten Gruppen von 
Blattpflanzen waren ebenfalls sehr 
zahlreich und von vorzüglicher Cultur, 
besonders waren auch viele Palmen, 
Cyeadeen und Pandaneen darunter und 
bekundeten deutlich den Einfluss der 
vorhergegangenen internationalen Aus- 
stellungen von Brüssel und Amsterdam 
auf die englischen Besucher und den 
dadurch bewirkten Umsehwung in der 
Geschmaeksrichtung, denn noch vor we- 
nigen Jahren hätte man diese so äus- 
serst decorativen Pflanzen vergeblich 
auf einer englischen Ausstellung ge- 
sucht. 

Von besonderem auch morpholo- 
gischem Interesse war eine monströse 
Form des Pandanus utilis, von 
Veitch als P. Veitehii ausgestellt 
und neuerdings in der Revue horti- 
cole von Carriere als P. flabelli- 
formis *) beschrieben und abgebildet. 


*) Warum nicht richtiger als P, utilis 
var. flabelliformis? Carriere, 
bekanntlich einer der tüchtigsten und geist- 
reichsten französischen Gartenschriftsteller, 


269 


Die bei allen Pandaneen ausschliesslich 
vorkommende Spiralstellıng der Blätter 
war hier vollständig 


einer streng 


ist ein enthusiastischer Anhänger der Dar- 
win’schen Theorieen über Entstehung und 
Umwandlung der Species, — als solcher 
behauptet er, dass fortwährend noch neue 
Arten entstehen können und wirklich ent- 


stehen. — Der gleiche Mann, der mit so 
viel Scharfsinn in früheren Artikeln der 
Revue horticole die Speciesmacherei 


mancher Botaniker so oft und so treffend 
getadelt hat, der das Lächerliche nachweist, 
eine Viola tricolor z. B. in einige und 
20 Species, ein Leontodon Taraxacum 
in 30 oder mehr Species zersplittern zu 
wollen, — der noeh ganz kürzlich nach- 
zuweisen sucht, dass Pfirsiche, Nectarinen 
und Mandeln nur Formen einer gleichen 
Art sind, — er verfällt jetzt in den ganz 
gleichen Fehler, wenn er eine monströse 
Form, wie die obige, als Art beschreibt, 
wenn er eine Cypresse, die in einem fran- 
zösischen Garten entstanden ist, und von 
der er selber sagt, sie sei sehr wahrschein- 
lieh von Cupressus Goveniana gefal- 
len, als neue Art hinstellt. (Vide Revue 
horticole Jahrgang 1866 Nr. 13 u. 14). — 
Glaubt Carriere wirklich, dass die Nach- 
kommenschaft durch Samen von jenem 
Pan danus, oder von dieser Cupressus 
cornuta den von ihm gegebenen Artcharak- 
ter getreu beibehalten werde? — Nein, er 
ist zu tüchtig und zu erfahren als Gärtner, 
— er weiss recht gut, dass solche Formen 
nur durch ungeschlechtliche Fortpflanzung 
constant erhalten werden können, — grade 
so wie jene Formen von Viola tricolor, 
Leontodon etc. — Aber wo sind seine 
neuen Arten dann geblieben, wenn die ge- 
schlechtlichen Nachkommen in ihrer grossen 
Mehrzahl voraussichtlich wieder die alten 
Pandanus utilis und Cupressus Go- 
veniana darstellen? — Sind solche Arten 
nicht vollständig gleichwerthig mit jenen 
viel getadelten Arten?! — „Les extremes 
se touchent‘‘ — das zeigt sich auch hier 
wieder als wahr! — 


270 


zweizeiligen gewichen, 
plar bildete daher einen colossalen Fä- 
cher von regelmässigster Form, etwa 
6 Fuss hoch und 10 Fuss breit, eine 
wahrhaft frappante Erscheinung! Wir 
kennen keine ähnliche morphologische 
Missbildung, wo eine spiralige Blatt- 
stellung bei sehr verkürzten Interno- 
dien zu einer zweizeiligen geworden. 
Es liefert dieser seltsame Pandanus un- 
serer Ansicht nach den schlagendsten 
Beweis für die Richtigkeit der Behaup- 
tung, dass die spiralige Blattstel- 
lung nur Folge einer Achsen- 
drehung der Pflanze sei, unter- 
bleibt diese Achsendrehung durch ir- 
gend welehen uns unbekannten Grund, 
so ist allerdings leicht zu begreifen, dass 
nun die Blattstellung zweizeilig sein 
muss. — 

Ein Thamnopteris Nidus (As- 
plenium Nidus), das bekannte Vo- 
gelnestfarn, hatte wahrhaft gigantische 
Grösse erreicht, ebenso eine Gleiche- 
nia Speluncae und manche Aroideen. 
Phormium tenax variegatum, der 
Neuseeländer Flachs, mit schön gelb 
gebänderten Blättern, ist als werthvolle, 
sehr decorative Neuheit zu erwähnen. 

Von technisch und officinell 
wichtigen Pflanzen waren 4 interes- 
sante Sammlungen ausgestellt; die des 
Herrn Linden erhielt den ersten Preis 
und enthielt manche Seltenheit, so z.B. 


das Exem-| chaerium firmum), 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


die Cocanuss 
(Erythroxylon Coca) u. Ss. w. 

In den Sammlungen ausdau- 
ernder Ziersträucher und Bäume 
fanden wir manche nicht nur durch Neu- 
heit, sondern auch durch Schönheit 
ausgezeichnete Sachen. Deutzia cere- 
nata fl. pl. und Weigelia horten- 
sis nivea sind die schönsten der neu- 
eren laubabwerfenden Ziersträucher. Vi- 
burnum plieatum von Japan ist 
nicht mehr neu, darf aber als noch we- 
nig verbreitet und sehr reichblühend 
und schön erwähnt werden; hier in 
Zürich hält es ohne Bedeckung recht 
gut aus. — Osmanthus ilieifolius 
mit seinen buntblätterigen Varietäten 
ist ein allerliebster immergrüner Strauch, 
bezüglich seiner Ausdauer aber erst 
noch zu erproben; als niedrig und 
buschig wachsend aber auch für Topf- 
eultur zu empfehlen. — Von Aucuba 
japonica, diesem Lieblinge der Eng- 
länder, und ihren neuen Varietäten wa- 
ren sehr schöne mit Früchten bedeckte 
Exemplare ausgestellt, wo sie in ge- 
schützten Lagen (nördliche Exposition 
und Lehmboden) noch ausdauert, sollte 
man ihre Anpflanzung nicht versäumen. 
Das Gleiche gilt von den schönen Ilex- 
Arten und Formen und von Buxus, 
immergrüne Gruppen haben im Winter 
besonders unendlichen Reiz, und die 
Auswahl ist jetzt gross genug, umauch 


die edle Chinarinde (Cinchona nobi-|in kälteren Gegenden das belebende 
lis), die Guttapercha (Sapota Mül- | Grün im Winter nicht entbehren zu 


leri), die Brechnuss von Chiapas 
(Strychnos Cabalonga), das ächte 
Palisander- oder Jacarandaholz (Ma- 


müssen. — 
(Fortsetzung folgt.) 


(E. O0.) 


L Originalabhandlungen. 


271 


5) Cultur des Blumenkohls in Petersburg. 


Von Herrn Gratscheff, Gemüse - Gärtner, 


1. Anzucht aus Samen. 


Der Same wird auf dieselbe Weise 
ausgesäet, wie bei andern Kohlsorten. 
Die frühesten Saaten säet man im Ja- 
nuar im Treibhaus und im Februar in’s 
früheste Mistbeet aus; bei der Aussaat 
der übrigen Sorten in’s Treibbeet richtet 
man sich meistens nach der Zeit, in 
der man die Blumen haben will. Die 
am frühsten ausgesäeten Sorten zieht 
man im Treibbeet auf. Wegen des 
hohen Preises des Blumenkohlsamens 
soll man bei der Aussaat nicht allzu 
verschwenderisch sein; man säe etwas 
weit, und wenn es beim Aufgehen doch 
noch überschüssige Pflänzchen gibt, so 
ziehe man solehe aus, verstopfe sie un- 
ter Fenster eines anderen Mistbeetes 
und pflanze sie dann in’s Land. Wird 
die Aussaat im Mai vorgenommen, so 
thut man besser, dazu ein kaltes Mist- 
beet zu wählen, indem sich zu dieser 
Zeit im freien Lande grosse Mengen 
Erdflöhe zeigen. Im Treibbeet kann 
man die aufgehenden Pflanzen durch die 
Fenster schützen, welche man jedoch 
am Tage der Lufteirculation halber un- 
gefähr einen Zoll hoch auf Kerbhölzer 
hebt. Ausserdem wird täglich ein- bis 
zweimal gespritzt, was die Erdflöhe 
ebenfalls fernhält. Wenn der Sämling 
erst einmal eigentliche Blätter bildet, 
richten die Erdflöhe weiter keinen er- 
heblichen Schaden an; überhaupt ist es 
unstatthaft, die Samenpflanzen zu lange 
unter Glas zu halten, da sie sonst beim 
Versetzen in’s freie Land schlecht fort- 
kommen. Den in’s Treibbeet ausge- 
säeten Samen deckt man !/, Zoll hoch 


mit feingesiebter Erde, und um das Aus- 
trocknen der Erde zu verhüten, deckt 
man noch DBastmatten darüber; bei 
trockenem Wetter werden diese Bast- 
matten jeden Abend durch Giessen an- 
gefeuchtet. Nach drei oder vier Tagen 
muss jede derselben vorsichtig aufgeho- 
ben werden, damit man nachsehen 
kann, wie weit die Aussaat gediehen, 
Zwei Manı müssen dabei, der eine oben, 
der andere unten vorsichtig anheben, 
damit die jungen keimenden Pflanzen 
nicht abgebrochen werden. Von äus- 
serst wohlthätiger Wirkung ist es, wenn 
man gleich nach dem Abnehmen der 
Bastmatten ein wenig spritzt. Regnet 
es übrigens um diese Zeit einmal, so 
ist das Aufiegen von Fenstern und Bast- 
matten, sowie das Spritzen überflüssig 
und kann sogar schädlich werden, da 
durch zuviel Feuchtigkeit das Abfaulen 
der Würzelchen bedingt wird. 

Gute Keimpflanzen besitzen einen 
kurzen Stengel und fleischigen Samen- 
lappen, und solche nur berechtigen zur 
Hoffnung auf erfoigreiche Blumenkohl- 
ernte, indem sich dann die Spitzen- 
oder Herzknospen gemeiniglich gleich- 
falls kräftig entwickeln. 


2. Specielle Cultur. 


Die Lage des zur Cultur bestimm- 
ten Landes soll zur Frühpflanzung von 
mittlerer Höhe, bei Spätpflanzung aber 
weniger hoch sein. Der Boden des 
Landes soll ein nahrhafter schwarzer 
Culturboden, der vorher gut gedüngt 
wurde, sein. Den Beeten gibt man nur 
geringe Höhe, nicht über 7—10 Zoll, 
und werden solche mit drei Reihen 


272 


Pflanzen im Verband bepflanzt. Frühe 
Sorten setzt man wegen ihres geringen 
Umfanges nur 10—12 Zoll auseinander; 
bei späten Sorten, die mehr Blätter bil- 
den, lässt man einen Zwischenraum 
von 14 Zoll. Auf Gemüsländern benutzt 
man in der Regel den übrigen Raum 
bis zum Grösserwerden des Blumenkohls 
zur Anzucht von Spinat, da dieser drei 
Wochen nach der Aussaat zum Verkauf 
kommen und oft schon für sich allein 
die Auslagen für Unterhaltung der Blu- 
menkohlpflanzung bezahlt machen kann, 
Nach Ausnehmen des Spinats wird das 
Beet gejätet; darnach giesst man die 
beim Einpflanzen um jede Blumenkohl- 
pflanze gebildete Vertiefung voll Was- 
ser und füllt sie darauf mit Erde. So 
verfährt man bei der Zucht des Blu- 
menkohls in grösserem Massstabe; hat 
man nur 5—10 Beete, so thut man 
besser, die Höhlungen um die Pflanzen 
den ganzen Sommer hindurch zu lassen, 
da sie bei trockenem Wetter das beste 
Mittel zum gründlichen Begiessen an 
die Hand geben. — Sobald alle Blätter 
entwickelt sind, beginnt die Blumenbil- 
dung, Bei frühen Sorten reichen die 
Blätter kaum über die Blume hinaus; 
bei späten bedecken sie solche 
vollständig. Bei mittlerer Temperatur 
erwachsener Blumenkohl wird voll, gross 
und weiss; bei grosser Hitze wachsen 
aber überall zwischen den Blüthentrie- 
ben junge Blättchen heraus und machen 
die Blume unschön; ja oft entwickelt 
sich dann die Blume beinahe gar nicht, 
so dass er zum gewöhnlichen Gebrauche 
beinahe völlig untauglich wird. Wenn 
sich die Blume zeigt, knicken die meisten 
Gemüsegärtner, um solche zu decken, 
ein paar Blätter ein, da sie sonst bei 
ihrer Zartheit leicht gelb und unansehn- 
lich wird. Zudem schützt sie besagtes 
Mittel vor dem nicht weniger schädli- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


chen Staub und Schmutz. Vortheil- _ 
hafter wäre es noch, die Blätter gleich 
nach dem Erscheinen der Blume über 
derselben zusammenzubinden, wenn das 
nicht bei Massencultur beinahe unmög- 
lich erschienee Der Blumenkohl wird 
übrigens dadurch ungemein gross, zart 
und weiss; nur darf man nicht verges- 
sen, bei trockenem Wetter Abends zu 
giessen. 


3. Ernte und Aufbewahrung. 


Die Ernte des Blumenkohls zieht 
sich von Mitte September bis gegen 
Mitte October. Man schneidet alle 
Köpfe, die genügende Grösse erlangt 
haben, ab, wirft sie auf einen Haufen 
und fängt nun an, die nicht vollkom- 
men geschlossenen Köpfe herauszusu- 
chen, um sie noch im Laufe des Herbstes 
zu verkaufen. Es besteht nämlich die 
Masse des sogenannten Käses des Blu- 
menkohls aus einer Menge vom Strunke 
ausgehender Seitenäste und Aestchen, 
die zufolge monströser Umbildung so 
dicht an einander. gedrängt sind, dass 
sie gleichsam ein Ganzes bilden; beim 
Eintritte der Ueberreife jedoch gehen 
diese Aeste auseinander. Solche aus- 
einandergegangene Köpfe soll man gleich 
verkaufen oder sie wenigstens nicht 
länger als 2—3 Wochen aufbewahren; 
denn das Auseinandergehen, wenn es 
einmal angefangen, nimmt äusserst 
raschen Fortgang. Die geschlossenen 
Köpfe können bis in den März aufbe- 
wahrt werden. 

Nach dem Sortiren schneide man 
den Strunk soweit ab, dass die Blume 
noch zur Genüge von Blättern bedeckt 
bleibt; darnach spalte man den übrig- 
bleibenden Theil des Strunkes 2 Zoll 
weit über’s Kreuz und stutze zugleich 
die Blattenden auf einen Abstand von 
2—31/, Zoll von der Blume, Das Spal- 


U ÜTIL % ROCK, 7% 


/ 


Le a 
BL ven 


a Der pi 


I. Originalabhandlungen. 


ten des Strunkes hat den Zweck, den 
Saftumlauf und somit das weitere Wachs- 
thum des Blumenkohls aufzuheben. Es 
ist eine gewöhnliche Erfahrung, dass 
‚ohne diese Vorsichtsmassregel die Blume 
selbst im Eiskeller weiter wächst und 
auseinandergeht. Die so behandelten 
Köpfe werden nun in Körbe gelegt und 
zwar ziemlich gedrängt und mit der 
Blume nach unten; die Körbe stellt 
man darauf einen neben den andern in 
den Eiskeller auf das Eis, Sind nicht 
genug Körbe da, so legt man die Köpfe 
den Strunk nach oben in zwei oder 
besser nur in einer Lage direct auf's 
Eis, 

Während die Mehrzahl der Blumen 
gerade in der Zeit vom letzten Drittel 
des Monats September bis gegen Mitte 
October die grösstmögliche Fülle und 
Dichtigkeit erreicht, bleibt in der Regel 
ein Theil in der Entwiekelung zurück, 
sei es nun, dass er zu spät gesetzt 
wurde, sei es auch zufolge der Unbill 
der Witterung. Diese kleineren Köpfe 
nimmt man nach Mitte Oktober, oder 
falls es frieren sollte, bald nach Anfang 
Oktober sammt Wurzeln aus und bringt 
sie in den Keller oder in einen Schup- 
pen. Da Letzteres bei der Cultur im 
Grossen nicht leicht angewendet wer- 
den kann, so legt man in diesem Falle 
die Köpfe auf einen 5 Fuss hohen und 
ebenso breiten Haufen zusammen, wo- 
bei man die Wurzeln nach der Mitte 
des Haufens, die Blattenden nach der 
Aussenseite schauen lässt. Die Haufen 
werden mit Bastmatten gedeckt, und 
diese der grössern Festigkeit halber mit 
etwas Erde überschüttet. Den ersten 
warmen Tag benutzt man zum Sortiren 
und bringt dann die genügend ausge- 
reiften Köpfe nach Zurückschneiden und 
Spalten des Strunkes und Stutzen der 
Blätter in den Eiskeller, die kleinen 

IX. 1866. 


213 


Köpfe aber, die noch wachsen können, 
in den Gemüsekeller oder in einen 
Schuppen, indem man nur die Blatten- 
den wegschneidet, die Wurzel jedoch 
nicht beschädigt, Reihenweise in den 
Boden eingegraben wächst der Blumen- 
kohl selbst im Aufbewahrungsorte fort, 
indem die Nahrungssäfte immer noch 
von der Wurzel zu den oberen Theilen 
steigen können; ja es kommt vor, dass 
sogar die Wurzeln weiter wachsen. Im 
Gemüsekeller und Schuppen soll die 
Temperatur nicht über — 1° steigen 
und nicht unter — 1° fallen; an der 
freien Luft dagegen hält der Blumen- 
kohl selbst — 20 aus, verliert jedoch 
bei starken oder wiederholten Herbst- 
frösten seinen Wohlgeschmack und kann 
in manchen Fällen beim Kochen völlig 
schwarz und ungeniessbar werden. In 
der gleichmässigen Temperatur des Eis- 
kellers hält sich der Blumenkohl ausge- 
zeichnet, während plötzliche Uebergänge 
sein Faulen sehr begüustigen. 


4. Samenproduction. 


Der Blumenkohlsamen wird hier ge- 
wöhnlich aus England und aus Erfurt 
bezogen; in neuester Zeit bezieht man 
denselben auch aus Paris. Der Versuch, 
am Orte selbst vom Erfurter Zwereblu- 
menkohl und dem englischen späten 
Blumenkohl Samen zu erziehen, gelang 
nicht völlig; die aus solchem Samen er- 
zogenen Blumen wurden unansehnlich. 
Bei von mir selbst mit dem Erfurter 
Zwergblumenkohl angestellten Versuchen 
säete ich die Samen im Januar im Treib- 
haus aus und versetzte dann die jungen 
Pflanzen in’s Mistbeet. Im Mai nimmt 
man die Fenster fort, errichtet aus ein- 
geschlagenen und übergebundenen Stä- 
ben ein Lattengerüst über den Pflanzen 
und deckt bei etwaigen Spätfrösten 
über dieses Gerüst Bastmatten. Die 

18 


274 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


schlechteren Blumen wurden Ende Som- |in einem trockenen Raume an Stangen 
mer verkauft, die schöneren zum Be- | auf und legt zum Aufsammeln früher 
hufe des Samentragens im Beete ge- | herausfallender Samen ein Tuch unter, 


lassen. 
über dem Rande des Beetes ein Latten- 
gerüst machen, dessen ()Juerlatten 7 Zoll 
von einander entfernt waren. Durch 
letztere sollten die Pflanzen gestützt 
und vor dem Abbrechen bewahrt wer- 
den. Im Ganzen schliesst sich nun die 
Cultur der zum Samentragen bestimm- 
ten Pflanzen der Cultur der Kopfkohl- 
samenpflanzen an. Wenn die Schoten 
gelb werden, schneidet man die frucht- 
tragenden Stengel ab und hängt sie bis 
zum völligen Austrocknen in Bündeln 


Il. 


Ich liess nun 10 Zoll hoch | Wenn die Samenstengel und Schoten 


hier vollstängig ausgetrocknet sind, so 
breitet man sie auf ein Tuch und geht 
mit einer Walze leicht darüber hiu, da- 
mit die Körner von der Hülle befreit 
werden. Am Ende reinigt man den 
Samen mit einem Siebe und bewahrt 
ihn während des Winters in Papierbeu- 
teln oder in Säcken auf. Die Säcke 
stelle man in ein trockenes mässig war- 
mes Zimmer, nur nicht direct auf den 
Boden desselben. 


Notizen 


1) Auswahl von Pflanzen für wissenschaftliche Zwecke. 
(Schluss.) 


Canna patens, Rosc. (C. indica, Curt. C. coc- 


cinea, Lk.) Bot. mag. 756. China. Blu- | 


men mit viel gelb, gross, Kronzipfel 
grünlich. 

glauca, L. Bot. mag. 2302. S.-Amerika. 
Gelbliche Blumen, graugrünes Laub. 
speciosa, Ker. Bot. mag. 2317. Ne- 
pal. Zeigt nur 2 breite Blumenblätter, 
mit je 2 Zähnchen. 

discolor, Ldl. Bot. Reg. 1231. Trinidat. 
Sehr grosses braunroth gerandetes Blatt; 
blüht selten. 

Warszeivizii, Otto Dtt. Bot. mag. 
4854. Costa rica. Habitus, violette 
Stengel, Blumen tiefroth. 

lutea, Rosc. Bot. reg. 773. O.-Indien. 
Ganz gelb. 


Fam. Musaceae. 


Heliconia Bihai, L. Bot. mag. 374. Cara- 
cas, Hochrotlie grosse Deckblätter. 


Heliconia psittacorum, Curt. Bot. mag. 502. 
S..Amerika. Gelbrothe Deckblätter und 
Blumen, mit fast schwarzem Flecken. 

Musa ornata, Roxb. (M. rosacea Hort.) 

Bot. reg. t. 706. Lodd. bot. cab. 615. 

Madagascar. Blüht schr oft, und ist für 

kleine Gewächshäuser am besten ge- 

eignet. 

Cavendishii, Paxt. Magaz. III 51. 

(M. sinensis, Hort.) China. Nutzpfl. Kann 

in einem warmen freien Grunde der Ge- 

wächshäuser zur Fruchtreife kommen. 
coccinea, And. Bot. mag. 1559. China. 

Hochrothe Deckblätter, 

paradisiaca L.*). Tilesius Musa 1—4, 

Trew. Ehret. t. 18. O.-Indien. Nutzpfl.; 

für die meisten Gewächshäuser zu gross; 

eben so M. Ensete, Bruce. 


*) C. Koch, die Paradisfeigen, Wochen- 


schrift f. Gärt. 1863. 


I. Notizen. 


Strelitzia parvifolia var. juncea, Lk. Cap- 
land. Bot. reg. 516. Verkleinerung der 
Blattfläche! Blüht kaum. 

Reginae, Banks. Bot. mag. 119. 120. 
Capland. Leichte Cultur und Blüthe, 
doch selten Fruchtreife. 


Fam. Aroideae. 


Trib. Araceae. C. Koch. 


Ambrosinia Bassii, Murr. Linnaea XI. t.5. 
Schott. gen. t. 3. Italien. Sehr merkw. 
Einrichtung des Blüthenstandes. 

Arisarum vulgare, Targ. (Arum Arisarum, 
L.) Schott. gen. t. 5. Reichb. D. Fl. 
VII. 7. Italien. R. gen. 

Pinellia tuberifera, Ten. (Atherurus ter- 
natus, Blm. Arum ternatum, Thbg.) 
Schott. Aroid. t. 4 Japan, O.-Indien. 
Knollen am Blattstiel; hält im Freien 


aus. 
Arum italicum, Mill. Bot mag. 2432. Rchb. 
D. fl. VII. 11. Italien. 


Typhonium trilobatum, Schott. (Arum... 
A. orixense, Roxb.) Bot. mag. 339. 
Ceylon. Braune Blumenscheide, übel- 
riechend. 

Helicodiceras erinitus, Schott (Arum ... 
Ait.) v. Houtte fl. d. s. 445. Bot. Reg. 
831. Balear-Insel. Merkw. Blattform 
und Blattscheide. 

Dracuncnlus vulgaris, S. (Arum Drac.L.) 
Schott. gen. t.22. Griechenland. Rpr. G. 

Sauromatum pedatum, Schtt. gen. t. 11. 
Link u. ©. t. 8. O.-Indien. Rpr. g. 

Conophallus bulbifer Sch. (Amorphophallus 
-.. Blm.) Arum bulbiferum, Roxb. 
Bot. mag. 2072 und 2580. O.-Indien, 
Sehr grosse Blumenscheide, vor Entfal- 
tung der Blätter blühend. Knollen am 
Blatt, 


Trib. Caladieae. 


Colocasia antiquorum, Schtt. (C. nym- 
phaeifolia, Kth.; C. esculenta, Schtt.) 
Schott gen. t. 37. Ost.-Indien. Nutzpfl. 
Habitus, kolossales Blatt. 

Ariopsis peltata, Grah. Bot. mag. O.-Ind. 
Klein, Blattform. 

Remusatia vivipara, Schtt. gen. t. 36. (Col- 


275 


ocasia asamica, Hort.) O.-Indien. Blüht 
vor Entfaltung der Blätter. 
Alocasia macrorhiza, Schtt. gen.t. 40. (Arum 
eregrinum, L. Colocasia odora, Brong.; 
C. indica Kth.) O.-Indien. Mächtiger 
Wuchs, Stamm 6° hoch, 4--6° dick. 
eueullata Schtt. (Colocasia Wight. pl. 
ind. or. Il. 787.) Schit. Arum ram- 
cosum, Hort.) Ostindien. Stammbildung. 
odora C. Koch. (C. Coladium . 
Bot. reg. 641). O.-Indien. Wärme beim 
Blühen. Geruch. 
Caladium pietum, DC. (C. bicolor, Kth.) 
Brasilien; mit vielen Varietäten. v. Houtte 
“fl. d. s. 1346. 1347. Illustr. horticole 
t. 252, 316, 322. 
bicolor, Vent. hort. Cels. t. 30. Bot. 
mag. 820, 2543. Brasilien, Guiana. 
Hat viele Variet. s. v. Houtte fl. d. s. 
1348, 1349. 1350. und Ilustr. hortic. 
257. 322. 
haematostigma, Hort. Berol. Brasilien. 
Hierher viele Variet. mit versch. rothen 


Flecken; s. v. Houtte fl. d. s. 1352. 
Ill. hortic. 293, 294, 185. 
— Poecile, Schott. Brasil. Guiana. Hier- 


her mehrere Varietäten mit weissen 

Flecken auf den Blättern. Illustr. hortic. 

354. 

appendiculatum, Schtt. (Arum ... 

Hort.) Vaterland? Erhebungen der Blatt- 

fläche! 

Syngonium auritum, Schott. gen. t. 48. 
(Arum ... L. Jacg. H. Schönbr. t. 186. 
S.-Amerika. Blattbildung. 

Anchomanes Hookeri, Schtt. gen. t. 34. 
W.-Afrika. (Caladium petiolatum, Hook. 
Bot. mag. 3728 u. 5394 — Pythonium 
Hookeri, Kth.) Blattform ! 


Trib. Philodendreae. 


Philodendron cannaefolium, Mart. (Bauersia 
ventricosa, Hort.; Caladium crassipes, 
Hort.) Brasilien. Blattstiele! 
squamigerum, Pöpp. E. (C. crinipes, 
Brongn.) Hortic. univ. V. e. ic. Herb. 
gen. d. l’am. 2. ser. IV. t. 46. Peru. 
Blattstiel mit Schuppen. 
Imbe, Kth. non Schott (Philodendron 
imboides, C. Koch), grosser Wuchs. 
18 * 


276 


Philodendron coriaceum, Endl. Hook. ex. fl. 
210. Brasil. Habitus. 
tripartitum , Schtt. Jacqg. H. Schbr. 190. 
Caracas. Blattform. Luftwurzeln. 
Pinnatiidum, Kth. Jacg. H. Schbr. 187. 
Caracas. Blattform. 
bipinnatifdum , Schtt. (Sphinctostrigma 
. .. Schtt. Blattform. 
Pothos scandens, L. Bot. Reg. 1337. O.-Ind. 
Habitus, Blatt. 
Anthurium violaceum, Schtt. Lodd. Bot. 
Cab. 632. Schott. gen. Ar. t. 94. S.- 
Amerika. Frucht violett, bisw. weiss. 
caudatum, Kth. Caracas? Stamm, 
Blätter fingerig; Randberippung! 
acaule, Schott. (Pothos Jongifolia Hort., 
P. acaulis, Jacq. Am. 231. Hook. ex. 
Bot. 122. S.-Amerika. Blattform. 
lanceolatum, Kth. (Pothos ... . 
S.-Amerika. 
crassinervium, Schott. ic. 11. 4. Bot. 
mag. 2981. Jacg. ic. r. 609. Pothos 
maxima, Dsf. — Caracas. — Wuchs. 
macrophyllum, Endl. Pothos .... . Sw. 
non Willd. W.-Indien. Blätter gestielt 
aber pfeilf., sehr gross. 
digitatum, Kth. (Pothos . 
ic. 611.) Caracas. Blattform. 
wurzeln. 
Scherzerianum, Schott. Regel, Gfl. 
1865. t. 482. Bot. mag. 5319. Costa- 
rica. Blüthenscheide hochroth. 
obtusatum. In Kewgesehen. 
gross herzförmig. 
Dracontium polyphyllum, L. Bot. Reg. 700. 
Surinam. Blattform vielfach zerschlitzt. 


5) 


. Jacq. 
Luft- 


Blätter 


Trib. Anaporeae. 

Aglaeonema commutatum, Sch. (A. maran- 
tifolium). Blume Rumphia 66. — Am- 
boina.. Same ohne Eiweiss. 

Dieffenbachia Seguine Sch. (Arum ... L. 
Caladium . . . Sect.) Bot. mag. 2606. 
W.-Indien. Scharfer Saft. 

Spathiphyllum longirostre Schott. Mexico. 

cannaefolium, Schott. Aroid. t. 1. 

(Massowia . . . C.Koch); Pothos . . 

Bot. mag. 603. — Scheide inwendig 

weiss. 

lancaefolium, Schtt. Aroid. t. 3. Jacq. 

ic. rar, 612. Caracas. Grüne Scheide. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Orontium aquaticum L. amoen. III. 1. Lodd. 
6. Cab. 402. Carolina. 

Richardia africana, Kth. (Calla aethio- 
pica L. Zantedeschia ... Sprg.) Bot. 
mag. 832. Cap. d. g. H. Sehr lehr- 
reiche Pflanze für den Unterricht. 

Stylochiton hypogaeum, Lepr. Anm. d. sc. 
nat. I. 2, 5. Merkw. Bau des Blüthen- 
standes. O.-Indien. 


Trib. Monstereae. 


Monstera deliciosa, Liebm. (= ? M. Len- 
nea, ©. Koch. Philodendron pertusum, 
Kth.) S.-Amerika, Cumana. Blätter fie- 
derspaltig, durchbrochen. Wohlgeruch 
der Früchte! Rhap hiden derselben. 

— pertusa, Adams. (Dracontium „..L.) 
Jacg. H. Schönbr. 184. Columbia. Blatt 
einfach, durchbrochen. 

Scindaspus pertusus, Schtt. (Pothos.... 
Roxb. Wight. ic. pl. 3, 781. Rheed. H, 
mal. XII. 20. Coromandel. Blätter in 
der einen Hälfte durchlöchert. — 


Fam. Pistiaceae. 


Pistia stratiotes, L. Bot. mag. 4564. V. 
Houtte fl. d. s. 6, 625. Klotzsch. Abh. 
d. Ak. z. Berlin 1852. W.-Indien. Sehr 
merkw.! aber schwer zu cultiviren. 


Fam. Pandaneae. 


Pandanus pygmaeus, Thouars. (P. gramini- 
folius Hort, pr. pt. Freyeinetia gramini- 
folia, Hort.) Bot. mag. 4736. J. Mauri- 
tius. Blüht nicht selten. 

inermis, Roxb. (amaryllidifolius, Hort. 

P. javanicus, Hort. pr. pt.) Java. Statt- 

lich und doch für kleinere Häuser ge- 

eignet, für welche P. utilis, Bory und 
odoratinimus zu gross werden. 

Freyeinetia imbricata, Blm. (F. javanica 
Hort) Blume, Rumphia 41. Java. — 
Habitus. R. gen. 

Cyelanthus Plumieri, Poit. Mem. Mus. 9, 3. 
Martinique. Morphologisch höchst merk- 
würdig, aber schwer zu cultiviren. 
(Vergl. auch C. bipartitus, Poit. Diet. 
sc, n. D, 6.) 


II. Notizen. 


Ludovicialancaefolia(Carludovica.... . Hort.) 
V. Houtte fl. d. s. 1515. Guiana. Blüht 
leicht, morphologisch sehr merkwürdig. 
Carludovica palmata, RzPv. W.-Indien. Ha- 
bitus. Nutzpfl 
Hookeri. Blüht leichter als 
ebenso C. plicata, H. Berol. 
Phytelephas macrocarpa, RzPv. 
fl. d. S. V. 496. Peru. 
„vegetabilisches Elfenbein“. 


_ vorige, 
V. Houtte 
Nutzpflanze, 


Fam. Palmae”). 


Trib. Arecinae, 


Chamaedorea elatior, Mart. (1834) Palm. 
126. (Ch. Karwinskiana, Wendl.) 
Ernesti Augusti, H. Wendl. Gua- 
temala. Ausgezeichnet durch verdickte 
rothgelbe Fruchtzweige. 

Lindeniana , Wendl. (Ch. elegans, und 

gracilis Hort. plur.) Blüht reichlich. 

desiımoncoides, Wendl. (Ch. repens, 
und elatior, u. scandens Hort.) Mexico. 

Wuchs; Blattspitzen. 

Malorties gracilis, Hr. Wndl. (Chaemado- 
re& fenestrata Hort.) Mexico. — Sehr 
klein, durchlöcherte Blätter. 

Livistona humilis, RBr. Mart. Palm. 109. 

Trop. Australien. 

chinensis, RBr. Mart. Palm. 146. (La- 

tania borbonica Lam. Saribus chinensis, 

Wall.) S. China. Leichte Cultur, schö- 

nes Ansehen. 

Areca rubra, Bory. (Euterpe pisifera, ß, 
Gärtn.) Mart. P. 154. Mascarenen-Ins. 
Sehr empfehlenswerth durch den zier- 
lichen Stamm. 

Seaforthia elegans, RBr. (Ptychosperma.... 
Wndli.) Mart. P. 105. Trop. Australien. 
Zierlicher Wuchs. 

Caryota urens, L. Mart. P. 107. O.-Indien. 
Unentbehrlick für eine morphologische 
Sammlung, durch die Blattform. Staub- 
fäden zahlreich! 


®) S. Wendland, Index Palmarum, Cyclan- 
thearum, Pandanearum, Cycadearum quae 
in nostis europaeis coluntur.: Hannover 
1854. 


| Elais guineensis, 


277 


Trib. Calameae. 


Calamus Rotang, L. Rumph. Amb. V. 
61--58. Grifith. P, M2. Schlingender 


Wuchs. Nutzpfl. 

— anceps. O.-Indien. Wuchs. 

— refractus. O.-Indien. Stacheln flach. 
3 gabelig. 

Metroxylon laeve, Mart. (Sagus ... 


Rumph.) Griff. Palm. 182. China, Nutz- 
pflanze „Sagopalme‘‘. 


Trib. Borassineae. 


Geonoma simplicifrons, Willd. (G. Will- 
denowii, Klz.) Mart. P. 15. Venezuela. 
Blattbildung. 


Trib. Coryphinae. 


Sabal Adansonii, Guers. (Corypha pu- 
mila, Walt.) Bot. Mag. 1434. Mart. P. 
103. Carolina. Für kleine Gewächs- 
häuser ein passender Repräsentant der 
Fächerpalmen. Blüht leicht und trägt 
Früchte. 

Chamaerops humilis, L. S.-Europa, N. 
Afrika. Bot. Mag. 2152. Mart. P. 120 
Repr. g. 

— excelsa, Thbg. Mart. Palm. 125. China 
Japan. Habitus, leichtes Gedeihen. 
Rhapis flabelliformis, Ait. Bot. mag. 
1371. Mart. P. 144. China, Sehr guter 
Repräsentant des Habitus der kleinen 

Strauchpalmen. Blüht leicht. 

Corypha umbraculifera L. O.-Indien. Illustr. 
hostie. 337. Mart. P. 118. Zwar pracht- 
voll aber nur leicht allzugross. 

Phoenix dactylifera, L. Mart. P. 120. N.- 
Afrika. Rpr. gen. M.-Afrika. Nutzpflanze. 
Blüht bei uns nie. 


Trib. Cocoinae. 


Astrocaryum Ayri, Mart. Palm. t. 59. Bra- 
siiien. Schöner Stamm mit Stacheln 
und kleinen Blättern. 
mexicanum. sStacheln sehr gross. 

Jacg. Mart. P. 54. W.- 
Afrika. Nutzpfl. „Palmöl“. 

Diplothemium maritimum, Mart. Palm. 75. 
Brasil. Blattfiederungin Büscheln; Stamm 
niedrig. 


278 


Cocos oleracea, Mart. Palm. 82. Brasilien. 
Rpr. gen. Leichtere Cultur als C. nu- 
citera. 

Syagrus plumosa, Wndl. (Cocos . . . Lodd.) 
Nördl. Brasilien. Sehr zierlicher Wuchs. 

Desmoncus macroacanthus Mart. Wallace. 
Palms. 27. Surinam. Hübsche Stamm- 
bildung und schwarze Stacheln. 

Jubaea spectabilis, Humb. Kth. Mart. 
P.. 151. (Cocos chilensis, Mol.) Chili. 
Leichte Cultur, schöner Wuchs. 


Schlusswort 


Der Raum der „Gartenflora‘“ erlaubt 
nicht diese Aufzählung weiter fortzuführen, 
wesshalb dieselbe hiemit abgeschlossen wer- 
den muss. Ein solches kritisches, mit Ci- 
taten der Abbildungen, und andern Bemer- 
kungen versehenes Verzeichniss, der für 
Gärten wahrhaft wichtigen und merkwür- 
digen Vertreter des Pflanzenreiches, aus der 
grossen Reihe der Dicotylen, muss daher 
unterbleiben, und erst hoffen auf eine an- 
dere Weise in dieHände und zum Gebrauch 
der Liebhaber zu kommen. Möge dieser 
Versuch erst zeigen, dass sehr viele Pflan- 
zen unserer Gärten der Cultur nicht werth 
sind, und deren Entfernung für diejenigen 
Raum schaffen, welche als werthvolle Formen 
erkannt werden. (Schnizlein.) 


2) Culturen um Palermo. Das 
Terrain der Provinz Palermo wird in drei 
Zonen getheilt; in die „Meereszone‘* bis zu 
500 Mct. Meereshöhe, in die „Mittelzone‘ 
bis zu 1000 und die „‚Gebirgszone‘“ bis zu 
2100 Met., bis zu welcher Höhe sich die 
höchsten Gebirge der Provinz erheben und 
in welcher der Schnee sich bis April, ja in 
einigen mehr nördlichen Punkten auch bis 
Ende Juni erhält. 

In der ersten Zone gedeihen: die in- 
dische Feige, der Summach, der Oelbaum, 
die Weinrebe, die Mannaesche, der Maulbeer- 
baum, die Pomeranze, die Limonie und in 
manchen Jahren trägt auch die Palme ihre 
reifen Früchte. In der zweiten Zone wer- 
den cultivirt der Oel-, der Mandel-, der 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Nussbaum, die Haselnuss, die Kastanie, der 
Maulbeerbaum, die Weinrebe und in der 
dritten Zone kommen vor die Buche, die 
Tanne und dic Stechpalme. 

Die Pomeranzen- und Limonie-Pflan- 
zungen haben sich seit zwanzig Jahren auch 
in die zweite Zone ausgedehnt; gedeihen 
sehr gut und geben bessere Früchte, wenn 
nur die Lage vor den Nordwinden geschützt 
ist. Die Früchte der in Kalk- und Sand- 
boden cultivirten Pomeranzen- und Limo- 
nienbäume kommen am frühesten zur Reife; 
lässt man aber dieselben über die gehörige 
Zeit am Baume, oder fallen sie zu Boden, 
so sind sie zu keiner Seefracht geeignet. 
In thonigem Boden hingegen kommt die 
Frucht später zur Reife, und ist wie jene 
von in höheren Lagen cultivirten Bäumen, 
wo man sie bis im April abnehmen kann, 
zu jeder weiten Seereise nach England oder 
Amerika verlührbar. In solchem Boden 
und hohen Lagen kann man die Frucht 
auch bis im Juli am Baume lassen und es 
gewährt jedenfalls prachtvollen Anblick, die 
reifen Früchte unter den neu entwickelten 
Blüthen und neuen Früchten hängen zu 
sehen. — Solche in wärmster Jahreszeit 
gepflückte Pomeranzen haben in Sicilien 
den grössten Anwerth. — Am theuersten 
werden gezahlt die Pomeranzen, die im 
November und im März in Handel kommen, 
am wohlfeilsten sind die von December und 
Januar, weil sie da am meisten vorkom- 
men; das nehmliche gilt auch von den Li- 
monien. 

Die edle Pomeranze und die Limonie 
werden auf die wilde Pomeranze (Citrus bi- 
garadia Riss.) gepfropft — auf diese Art 
widerstehen die Bäume leichter den Ein- 
flüssen des Schnees und des Windes. Aus 
Saamen werden höchst selten Pflänzlinge 
gezogen — die Vegetation ist sehr lang- 
sam, an den Zweigen zeigen sich Dornen, 
welche bei heftigen Winden durch. starke 
Bewegung der Zweige die Früchte beschä- 
digen und dadurch zur Versendung untaug- 
lich machen. 


Die in Rede stehenden Pflanzungen be- 
nöthigen für gewöhnlich von Anfang Mai 
bis Ende September eine wesentliche Be- 


II. Notizen. 


wässerung, und nur bei starker Belaubung, 
wenn die Sonne nicht bis zum Fuss des 
Baumes durchdringt, genügt selbe alle 14 
bis 15 Tage zu bewässern. 

Die Bäume werden in vier- oder fünf- 
eckigen Zeilen gepflanzt, 4—5 Meter von 
einander entfernt — jeder Pomeranzenbaum 
gibt 4—600, der Limoniebaum 600—1000 
Früchte. Zur Verfrachtung dürfen nur gänz- 
lich unbeschädigte Früchte genommen wer- 
den, und man rechnet 1200—1400 Stücke 
zu 12—19 Francs. In der Provinz Palermo 
umfassen beidartige Pflanzungen eine Fläche 
von 8—10000 Hectaren, die einen Ertrag 
von 30—36 Millionen Francs geben — und 
von Jahr zu Jahr dehnt sich die Cultur der- 
selben immer mehr aus. 


In den letzten zehn Jahren hat sich in 
einigen Localitäten eine Cryptogame an den 
Limonienbäumen, — S*’amm, Blätter und 
Früchte — gezeigt, welche „schwarze Krank- 
heit“ grossen Schaden gemacht hat; als 
Gegenmittel bewährten sich der Schwefel, 
‘das Kohlenpulver und ein Gemenge von 
ungelöschtem Kalk, Lehm und Kuhmist in 
gleichen Theilen in wenig Wasser aufgelöst. 
(N. Turrisi-Colonna appunti sulla col- 
tura e commercio degli agrumi. Giorn. di 
sc. nat. ed econ. I. i. Palermo 1865.), 


3) Seetion für Obst- und Garten- 
bau der schlesischen Gesellschaft. 
Sitzung vom 17. Februar 1864. Herr 
Geheimer Medizinalrath Prof. Dr. Göppert 
lieferte Beiträge zur Geschichte der 
Gärten, insbesonderein Schlesien; 
auszüglich hiervon Folgendes: 

Vielfach knüpfen sich an die Riesen 
der Vegetation, an die Bäume, Erinnerungen 
merkwürdiger Begebenheiten, so dass viele 
von ihnen mit Recht schon längst in die 
Reihe der historischen Denkmäler getreten 
sind. Jedoch auch die zarteren Bürger des 
Gewächsreiches erlangen oft historische Be- 
deutung, wenn es sich, wie bei Oulturpflan- 
zen, um Erforschung ihres Ursprungs oder 
vielmehr ihrer Urheimath handelt. Die Völ- 
ker haben sie einst auf ihren Wanderungen 
mit sich geführt und in ihre neue Heimath 
verpflanzt, Daher die wichtigen Aufschlüsse, 


279 


die solche Untersuchungen über jene zu ge- 
ben vermögen, wobei zu bedauern ist, dass 
das Glück bisher solche Forschungen nur 
wenig begünstigte. Denn noch ruht ein 
dichter Schleier über den heimathlichen Ver- 
hältnissen vieler und gerade der wichtigsten 
Culturpflanzen, wie z. B. der Getreidearten 
u. m. a. Ich habe mich mit diesem Gegen- 
stande oft und gern beschättigt. So erregte 
u. a. stets meine Beachtung die Zusammen- 
setzung der Flora der Gärten unserer Land- 
bewohner, namentlich im Gebirge, die 
sich in seltener Uebereinstimmung mit der 
von ganz Deutschland, ja selbst des fernen 
Norwegens, und wieder mit dem Inhalt der 
Gärten der klassischen Zeit der Griechen 
und Römer befindet, in sofern diese schon 
zu den Zeiten von Theophrast, später 
Virgil, Columella, Plinius, Diosco- 
rides, Galen ein Gemisch von fast den- 
selben Küchen-, Arznei- und Zier- 
pflanzen cultivirten. 


Als die Ursache dieser jedenfalls höchst 
merkwürdigen Thatsache stellt sich eine 
Verordnung Karls des Grossen heraus, 
wie Prof. Dr. Kerner in Innsbruck zuerst 
nachgewiesen hat. Karl der Grosse be- 
fahl nämlich, den Anbau des Landes, ins- 
besondere aut den zahlreichen, in seinem 
weiten Reiche zerstreuten Meiereien, nach 
römischem Muster zu betreiben, und erliess 
im Jahre 812 höchst wahrscheinlich von 
den an seinem Hofe sich aufhaltenden Be- 
nedictinermönchen mit Benutzung der be- 
kannten Schrift von Columella „De re rus- 
tica‘‘ verfasste Vorschriften, sogenannte Ka- 
pitularien, in denen auch die Pflanzen an- 
geführt werden, die man in den Gärten zu 
medicinischen und ökonomischen Zwecken 
erziehen sollte; merkwürdigerweise stimmen 
sie genau mit den ober genannten überein, 
welche wir heut noch in unseren Bauern- 
gärten antrefien. Durch Geistliche und 
Klöster, die Träger der damaligen Cultur, 
wurden sie bei neuen Stiftungen immer wei- 
ter verbreitet und gelangten so ohne Zwei- 
fel auch in unsere Provinz, deren Anbau 
insbesondere durch den vom 11.—13. Jahr- 
hundert berufenen Cisierzienserorden sehr 
gefördert ward. Sichere schriftliche oder 


280 


urkundliche Belege lassen sich meines Wis- 
sens hierüber wohl nicht ermitteln, wohl 
aber zeigen einzelne Notizen und spätere 
Nachweisungen über den Inhalt unserer da- 
maligen Gärten den hier angedeuteten Zu- 
sammenhang. 


Die ersten sicheren Nachrichten über 
dieselben, und zwar Breslau’s, finden wir 
schon bei Eschenloer (1490), jedoch 
ohne Angabe des Inhalts, was auch von 
einem andern auf der Dominsel im J. 1489, 
von dem Canonicus zu St. Johann und prak- 
tischen Arzte Bartolomäus Mariensüss 
angelegten Garten gilt. Er beschäftigte sich 
viel mit Blumencultur, wie dies auch seine 
in der hiesigen Domkirche noch vorhan- 
dene Grabschrift v. J. 1804 besagt. Unser 
verdienstvoller Henschel betrachtete ihn 
als den ersten bekannten Pflanzenkenner 
unserer Provinz. Mit noch grösserer Ge- 
wissheit haben wir dafür Achilles Cro- 
merus (nach Clusius fürstbischöflicher Ge- 
heimerrath in Neisse) anzusehen, welcher im 
mährischen Gesenke etwa im J. 1578 bota- 
nisirte und mehrere der interessantesten 
Pflanzen desselben, wie den punktirten En- 
zian, das gelbe Aconit, entdeckte und an 
Clusius, den berühmtesten Botaniker jener 
Zeit, nach Wien für dessen Flora Oester- 
reichs, Ungarns etc. sendete. Unser Rie- 
sengebirge wurde zuerst von A. Matthio- 
lus, Leibarzt des Kaisers Rudolph II., be- 
sucht. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts 
erfreuten sich noch mehrere Breslauer Gär- 
ten eines grossen Rufes, wie aus der von 
Conrad Gessner gelieferten Beschrei- 
bung der Gärten Deutschlands vom J. 1560 
sich ergiebt. Namentlich erwähnt er den 
Garten eines gewissen Vuoissel in Bres- 
lau. Weit übertraf ihn aber der Garten des 
Dr. Laurentius Scholz sowohl an In- 
halt, wie an Originalität der Anlagen. — 
Ueber Getreidearten, Landbau, Viehzucht, 
Ackerinstrumente giebt eine von mir aufge- 
{undene Schrift vom J. 1590 nähere Aus- 
kunft, von Martin Grosser, Pastor zu 
Schebitz. Auch der Inhalt dieser Schrift 
erinnert an Einrichtungen Karls des Grossen, 


die fast unverändert bis in das vorige Jahr- 


hundert hinein sich erhalten haben, ja zum 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Theil heut noch bestehen. Dem ersten 
Werke über Gärtnerei begegnen wir erst 
später, im 17. Jahrhundert, verfasst von 
J. Chr. Hübner, fürstl. Lustgärtner in Ohlau, 
unter dem Titel „Horticultura“, d. i. kurze 
und verständliche Anleitung, wie Lust-, 
Obst- oder Küchengärten anzulegen mit 
Fleiss verfertiget, Neyss 1670. Seit den 
Zeiten Schwenkfelt’s und Laurentius Scholz’s 
hatten unter anderem folgende Gewächse in 
unsere vaterländischen Gärten Eingang ge- 
funden: die Monatsrose, die Kaiserkrone, 
die asiatische Gartenranunkel, Iris susiana, 
Yucca gloriosa, Tuberose aus Mexico, die 
Passionsblume aus Brasilien, die Topinam- 
bur und rothe Lobelia cardinalis aus Nord- 
amerika. Auch scheint um diese Zeit oder 
kurz vorher die Cultur der Citronen und 
Orangen bei uns begonnen zu haben, von 
denen er sagt, dass man grosse Stämme 
aus Genua und Lissabon kommen lasse. — 
Noch ungleich umfassender und reichhalti- 
ger ist ein zweites, 22 Jahre später erschie- 
nenes Werk: „Des schlesischen Gärtners 
lustiger Spaziergang oder nützlicher Garten- 
discurs etec.‘“, von Georg Herbsten, her- 
zogl. würtemb. Lust- und Blumengärtner 
zu Korschlitz, Oels 1692, 444 Seiten mit 
mehreren Kupfern und Plänen der Gärten 
von Sibyllenort, Bernstadt und Korschlitz. 


Aus diesem für die Geschichte unserer 
einheimischen, ja der gesammten deutschen 
Gärten wichtigen Werke, die so ziemlich 
überall sich nicht wesentlich von einander 
unterschieden, erfahren wir unter andern, 
dass man in Bernstadt 1687 die erste Ross- 
kastanie in Schlesien pflanzte, desgl. die 
weisse Akazie, den Gerberbaum aus Nord- 
amerika, ferner die Baumwollenstaude, den 
Oelbaum, die erst 1684 aus Peru nach Eu- 
ropa gebrachte Kapuzinerkresse Tropaeolum, 
Dattelpalme, Pinie, Pinus Pices, Campa- 
nula pyramidalis. Ein ziemlich gleichzeiti- 
ger Schriftsteller, der Herausgeber von Ni- 
colaus Hennelius von Hennenfelds Silesio- 
graphie, Michael Joseph Fiebiger (Silesio- 
graphia renovata 1704), welcher der Schil- 
derung des damaligen Zustandes der Gar- 
ten - und Feldcultur einen eigenen Abschnittl. 
p. 215—302 widmet, führt p. 262 18 Gärten 


TI. Notizen. 


auf, die zu damaliger Zeit wegen Schön- 
heit und Mannichfaltigkeit der Gewächse in 
vorzüglichem Rufe standen und zum Theil 
heut noch floriren. Es sind der bischöf- 
liche in Neisse, der Lobkowitz’sche in Sa- 
gan, der Oppersdorf’sche zu Ober-Glogau, 
der Gellhorn’sche zu Peterswalde, der 
Nostiz’sche in Neuland, Lobris und Profen, 
der Neidhart’sche zu Kriechen, der Fran- 
kenberg’sche zu Wartha, der Fernemont’sche 
in Schlawe, der Plenk’sche in Hünern und 
Krischanowitz, der Malzahn’sche in Gr.-Pe- 
terwitz, der Seiler’sche in Lilienthal, und 
der zu sSibyllenort. In Breslau brachte 
Dr. Kaltschmidt 1702 die Ananas zum 
Blühen und Fruchttragen und schickte die 
Frucht zum Beweise der Seltenheit in da- 
maliger Zeit nach Wien an den kaiserlichen 
Hof. Cactus grandiflorus blühte zuerst 1719 
in Breslau. Die ersten Früchte des Kaffee- 
baumes erntete man 1737 zu Oels. Der 
Sitte des Zeitalters gemäss beachtete man 
besonders pflänzliche Curiositäten, Lilien 
mit bandförmigen Stengeln, sprossende Ro- 
sen, Birnen, Anemonen, Nelken, Tulpen 
und dergl. 

Die Cultur der Blumen in Gärten trat 
von jener Zeit an einigermassen zurück, 
die der waldbewohnenden Gewächse begann, 
in Folge der Umbildung der damaligen gärt- 
nerischen Anlagen von steifer Zierlichkeit 
in waldähnliche Partien oder Landschafts- 
gärten. Die Einführung der nordamerika- 
nischen Bäume und Sträucher bahnte hierzu 
den Weg. Gegen Ende des 17. Jahrh. ver- 
suchte man in England zuerst Bäume und 
Sträucher Nordamerika’s aus den Gegenden 
zwischen dem 38. und 45.° n. Br. in grös- 
sercr Ausdehnung anzupflanzen, womit man 
in Deutschland etwa zwischen 1730 — 39 
folgte. Der Landdrost v. Münchhausen 
zu Schwobber bei Herford und der Hofrich- 
ter v. Veltheim zu Harbke im Braunschwei- 
gischen waren die ersten, die nicht blos 
zur Zierde der Gärten, sondern zu forstli- 
chen Zwecken Anpflanzungen dieser Art be- 
gründeten, von denen jedoch nur noch 
Reste existiren. Die Hoffnungen, welche 
man anfänglich auf sie als vorzügliche Sur- 
rogate einheimischer Waldbäume setzte, 
wollten spätere Erfahrungen nicht bestäti- 
gen und so beschränkte man sich mehr, 
sie als Zierpflanzen unserer Anlagen zu ver- 
wenden. In Schiesien scheint man zuerst 
in Falkenberg, und zwar zwischen 1780—86, 
jene Culturen versucht zu haben, wovon 
höchst respectable Reste noch Zeugniss ge- 
ben, wie ein einst 60 Fuss hoher, leider 
vor 7 Jahren vom Sturme gebrochener, Tul- 
penbaum von 7 Fuss Umfang; wohlerhalten 
sind dagegen: Quercus coceinea, 68 F. Höhe, 
7 F. Umfang; Quercus rubra, 65 F. Höhe, 
6 F. Umfang; Juniperus virginiana, 42 F. 


281 


Höhe, Al, F. Umfang; Magnolia acuminata, 
50 F. Höhe, 4 F. Umfang; Thuja oceiden- 
talis, 40 F. Höhe, 4 F. Umfang; Pinus ca- 
nadensis, 50 F. Höhe, 6 F. Umfang; ein Pi- 
nus Strobus von 90 F. Höhe und fast 8 F. 
Umfang, ein bewunderungswürdiger Baum. 
Der seltenste, wohl nur in wenig deutschen 
Gärten vorhandene von mir noch nie lebend 
gesehene ist der Tupelubaum Nyssa aqua- 
tica von 32 Fuss Höhe und 2®/, Fuss Um- 
fang. Alle diese geradezu culturhistorisch 
interessanten Bäume des auch anderweitig 
durch überaus schöne Vegetation und grosse 
Auswahl verkäuflicher Holzgewächse ausge- 
zeichneten Parkes verdienten wohl auf ir- 
gend eine Weise vor andern kenntlich ge- 
macht zu werden. Durch vortreffliche Baum- 
partien zeichnen sich auch die benachbarten 
Parke von Schedlau, Tillowitz aus. Ferner 
wurde der bis jetzt noch niemals erwähn- 
ten, sehr zierlichen städtischen Promenaden 
von Patschkau gedacht, wie sie in Schlesien 
keine Stadt gleicher Grösse aufzuweisen hat, 
der vielen auf so kleinem Raume vereinig- 
ten schönen Gartenanlagen der Grafschaft 
Glaz, Kunzendorf, Ullersdorf, Grafenort, 
Pischkowitz und insbesondere von Eckers- 
dorf, dann des diesseits nur wenig bekann- 
ten prächtigen gräflich Schaffgoth’schen Par- 
kes zu Wildschütz in Oesterr.-Schlesien bei 
Johannisberg, und als allen gemeinsamer 
Charakter Verbindung von mehr oder min- 
der, zum Theil höchst ausgezeichneter Blu- 
mengärten mit Parkanlagen bezeichnef. Nach 
Vergleichung des Sonst und Jetzt ist sicht- 
liches Fortschreiten nach dieser Richtung 
hin in Schlesien wohl nicht zu verkennen, 
doch Achtung vor Bäumen aller Art und 
Einsicht in den Nutzen derselben noch lange 
nicht ausreichend verbreitet, wie die baum- 
armen Gegenden zwischen Breslau, Brieg, 
Grottkau, Strehlen u. s. w. hinreichend be- 
weisen. Welche Benutzung des Areals zu 
Baumpflanzungen anderswo, z. B. in Dör- 
fern des benachbarten Mährens (bei Hra- 
disch), und welche nur zu häufig stattfin- 
dende Vernachlässigung z. B. der Dorfanger 
bei uns! Nach Hinweisung auf nicht min- 
der zahlreiche treffliche Anlagen in Nieder- 
schlesien, unter andern auf Mallmitz bei 
Sprottau mit seinem in Schlesien kaum über- 
troffenen Reichthum an alten Eichen und 
schönen Nordaierikanern aus dem Anfange 
dieses Jahrhunderts, Sagan, der Krone von 
allen u. s. w., des auch noch kaum gewür- 
digten wahrhaft romantischen Naturparkes 
zu Matzdorf bei Löwenberg, einem würdi- 
gen Rivalen Buchwald’s, ward der Vortrag 
geschlossen, der ausführlicher von Belägen 
begleitet in den Verhandlungen der schle- 
sischen Gesellschaft erscheinen wird. 

E. H. Müller, Secretär der Section. 


282 


Il. 


Gartenflora Dentschlands, Russlands und der Schweiz. 


Literatur. 


1) Illustrirte Monatshefte für Obst- | Krone, erhalten Stäbe. — Halbstämme mit 


und Weinbau; Organ des Deutschen 
Pomologen- Vereins, unter der Redac- 
tion von Oberdieck, Fehleisen und 
Lucas. 


Wir haben schon früher angezeigt, dass 
obiges Werk seit 1865 an die Stelle der 
Monatsschrift für Obstbau von Oberdieck 
und Lucas getreten ist. — Wir geben im 
Folgenden einige Notizen aus dieser wich- 
tigen Zeitschrift, die die Interessen und 
Fortschritte unseres deutschen Obstbaues, 
unter den Auspicien dreier so tüchtiger 
Männer, vertritt. 

a) J. Kienart spricht über Erziehung 
der Bäume in der Baumschule ohne Pfähle 
und E. Lucas begutachtet solche. Um das 
Abbrechen der ohne Pfähle erzogenen Hoch- 
stämme zu vermeiden, wird empfohlen zu 
schwachen die Spitze auszukneipen und 
ausserdem bei allen die Seitentriebe stehen 
zu lassen, welche dann über dem dritten 
Auge eingekneipt werden. Für das mildere 
deutsche Klima hat sich diese Erziehungs- 
weise des Hochstammes bewährt, — in 
dem rauhen Klima Petersburgs und des 
mittleren Russlands taugt solches aber gar 
nichts, weil die Wunden des Stammes, die 
durch das spätere Wegnehmen der stehen 
bleibenden Seitenäste entstehen, rie mehr 
vollkommen heilen und durch sie schon in 
dem jungen Baum unheilbare Brandwunden 
entstehen. Um dauerhafte Bäume für un- 
ser Klima zu erziehen, müssen solche mit 
durchaus glattem Stamme ohne Wunden er- 
zogen werden, weshalb die Nebenzweige 
schon jung abgenommen werden müssen. 

Der Referent erzieht daher in seiner 
Baumschule fast ausschliesslich die für unser 
Klima viel geeigneteren Halbstämme. Diese 
werden im Allgemeinen ohne Stangen er- 
zogen. Solche, die so schwach im Stamme, 
dass sie die Krone noch nicht tragen kön- 
nen, werden noch einmal ein Stück zurück- 
geschnitten. Einzelne aber, die schön, aber 
doch etwas zu schwach zum Tragen der 


glattem wundenfreiem Stamme und in gleich 
rauhem Klima erzogen, erweisen sich nach 
des Referenten und anderer Obstzüchter 
Russlands übereinstimmendem Urtheile als 
die zur Anpflanzung geeignetesten Bäume. 
Selbst aus Riga und Reval bezogene Obst- 
bäume verlor der Referent zu mehr als 1], 
und aus Deutschland bezogene Bäume sind 
dem sichern Untergange ausgesetzt. 


b) Jaeger über Pfirsicheultur. 
Wir geben diesen kurzen Artikel unseres 
geehrten Freundes, den wir aus eigner Er- 
fahrung gegenüber der französischen Me- 
thode mittelst Einkneipens der Triebe im 
Sommer vollständig bestätigen können. 
Herr Jaeger sagt über Pfirsicheultur in 
Thüringen: 


„Im Sommer bindet man alle Zweige, 
welche nicht überflüssig sind, also die nicht 
nach hinten und vorn, oder zu dicht stehen, 
in entsprechender Richtung an, entspitzt 
(pincirt) aber niemals. Im Spätherbst, 
wenn die Blätter abfallen, wird der Baum 
losgebunden und beschnitten. Die Leit- 
zweige werden so zurück geschnitten, wie 
es der Platz erlaubt, sıärkere Triebe um 
!/, der Länge, schwächere um die Hälfte, 
kurze gar nicht. Dann bindet man Aeste 
und Zweige wieder an, deckt die Bäume 
mit Fichtenreisig. Im Frühjahr fallen die 
Nadeln der Deckzweige ab und die Pfirsich- 
bäume blühen noch unter der noch nicht 
entfernten Deckung.“ -- Der Referent hat 
unter ähnlichen Verhältnissen früher den 
Schnitt im Frühlinge vorgenommen, wobei 
die Deckzweige abgenommen, aber dann 
noch zum Schutz bis nach der Blüthe wie- 
der vor geheitet wurden. Er geht ferner 
mit Herrn Jaeger ganz einig, dass der- 
artig behandelte Pfirsichbäume reichlich und 
gut ausgebildete Früchte tragen, und wahr- 
scheinlich im Winter unempfindlicher gegen 
die Kälte sind, als im Sommer pingirte. 


Herr Jaeger sagt endlich, dass er 


III. Literatur. 


durch wiederholtes Entspitzen (Pincgiren) im 
Sommer gar keine Erfolge erhalten habe. 


c) Frühe Traubensorten. E. Lu- 
cas empfiehlt als gute, auch in schlechten 
kalten Sommern reifende Traubensorten: 
die frühe Malinger Traube, (Beeren 
goldgelb), die frühe Leipziger, die 
frühe Magdalenen, den Kaisergut- 
edel, die Frühe von Saumur, den Ro- 
then Gutedel, den Pariser Gutedel 
und Jostings St. Alban Traube. 


d) Conservirung von Nummerhöl- 
zern etc. Prof. Dr. Seelig in Kiel em- 
pfiehlt, Etiquetten und Stäbe aus Holz auf 
folgende Weise zu behandeln, um sie vor'm 
Faulen zu schützen. In 10 Litres kochen- 
dem Wasser wird 1 Pfd. Kupfervitriol ge- 
löst. Diese Lösung wird warm über die 
imprängnirenden Hölzer, die dicht überein- 
ander in ein Gefäss eingeschichtet sind, ge- 
gossen, so dass letztere noch von der Flüs- 
sigkeit bedeckt sind. Sollen letztere nur an 
dem Theile, der in den Boden kommt, im- 
prägnirt werden, so stellt man sie dicht 
neben einander aufrecht in ein Gefäss ein 
und giesst die Flüssigkeit nur auf die Höhe 
ein, in der solche vor Fäulniss geschützt 
werden sollen. Nach 24 Stunden werden 
solche aus der Flüssigkeit herausgenommen, 
und nachdem sie soweit abgetrocknet, dass 
sie sich nicht mehr nass anfühlen, in ähn- 
licher Weise in ein anderes Gefäss, das mit 
einer gesättigten Lösung von frisch gebrann- 
tem Kalk in Wasser gefüllt ist, eingelegt 
oder eingestellt. Hier bleiben sie abermals 
24 Stunden stehen, worauf man sie ab- 
trocknen lässt, um sie nun zu brauchen. 
Bei diesem Verfahren vertreibt der Kalk 
vermöge seiner grössern Affinität das Kupfer 
aus seiner Verbindung mit Schwefelsäure, 
um sich selbst zu schwetelsaurem Kalk oder 
Gyps zu bilden. Weiches derartig präpa- 
rirtes Fichten - und Föhrenholz war, nach- 
dem es 3 Jahre im Boden gesteckt hatte, 
noch ganz unverändert und gesund. Ebenso 
zeigten solche in Blumentöpfe eingesteckte 
Etiquetten durchaus keinen schädlichen Ein- 
fluss aut die Pflanzen. 

e) Der Rothe Stettiner Apfel. 
Jaeger theilt mit, dass der Rothe Stettiner 


283 


in Thüringen immer seltener werde, und 
duss ein Exemplar desselben, das er selbst 
im Garten habe, immer mehr zurückgehe 
und sehr schwache Ernten gebe. Lucas 
bestätigt das gleiche Verhältniss für Würt- 
temberg. — Während nun aber Jaeger 
dies in localen Ursachen sucht und an ein 
Zurückgehen oder Aussterben der Obstva- 
rietäten in Folge fortgesetzter ungeschlecht- 
licher Vermehrung nicht glaubt, sagt zwar 
Lucas einerseits, dass der Rothe Stettiner 
in Württemberg überhaupt nicht mehr an- 
gepflanzt und vermehrt wird, — anderer- 
seits sagt er aber auch: „so gut wie Varie- 
täten von Zierpflanzen wieder eingehen, 
findet das auch bei Obstsorten, nur viel 
langsamer statt‘‘ — das ist sehr unklar! 


Wir theilen Jaeger’s Ansicht vollkom- 

Was Lucas über das Eingehen von 
Obstsorten sagt, nennen wir unklar, weil 
er auf keinen Grund zurück geht. — Al- 
lerdings müssen Obstsorten eingehen, so- 
bald solche durch für lokale Verhäitnisse 
geeignetere Sorten ersetzt sind und auf sie 
desshalb kein Gewicht mehr gelegt wird, 
— oder mit andern Worten solche nicht 
durch junge kräftige Exemplare ersetzt wer- 
den. Ein solches Eingehen wird aber nicht 
durch Ausartung bedingt, sondern beruht 
auf dem Mangel an Pflege und Nachzucht. 


men. 


Endlich kann man auch nicht von einer 
Obstsorte verlangen, dass sie in allen Lo- 
kalitäten die gleichen Vorzüge zeige, die 
solche an dem Orte auszeichnet, wo solche 
entstanden ist. Unsere nordischen Klaräpfel 
werden in mildern Klimaten nie glasig und 
behalten bei uns diese Eigenschaft sehr 
constant. Die für den Norden Deutschlands 
vorzüglichsten Obstsorten können im Süden 
Deutschlands angebaut sehr bedeutende Un- 
terschiede in Bezug auf Tragbarkeit und 
Güte zeigen und umgekehrt. Die Aufgabe 
der Pomologie ist es ja gerade, diejenigen 
Obstsorten in Folge von Versuchen ausfin- 
dig zu machen, die für gegebene locale 
Verhältnisse die besten sind. — 

Welch mächtigen Einfluss Cultur, Klima, 
Boden auf die Ausbildung der gleichen Obst- 
sorte übt, das haben wir hier im Norden 
in besonders auffallendem Grade zu sehen 


284 


Gelegenheit. Der edle feine Calvill wird in 
unserem unwirthbaren Klima zum kaum 
wohlschmeckenden Schlotterapfel, — wir 
schliessen daraus aber nicht auf Ausartung, 
Aussterben ete.,, — sondern nur darauf, 
dass solche Sorten für unser Klima als un- 
tauglich nicht angebaut werden können, — 
weil in denselben die Bedingungen zur voll- 
kommenen Entwickelung nicht vorhanden 
sind. — 

f) Die Blutlaus. Dieses gefährliche, 
von uns mehrfach besprochene Insect richtet 
noch fortwährend arge Verheerungen an 
Apfel- und Birnbäumen in Baumschulen und 
Obstgärten des westlichen Deutschlands und 
Frankreichs an. E. Lucas empfiehlt als 
sicheres unschädliches Mittel, die mit den 
weisswolligen Läusen befallenen Stellen der 
Rinde mit Erdöl oder Schieferöl zu über- 
streichen. Ein anderes Mittel empfiehlt 
A. Delaville, das uns aber ebenso wie 
Herrn Lucas als zu gewaltsam erscheint. 
Derselbe bürstet erst im Herbst nach dem 
Fall des Laubes die befallenen Stellen mit 
einer scharfen Bürste ab, badet solche darauf 
mit kochendem Wasser, scheidet dann die 
verdorbenen Stellen bis auf’s gesunde Holz 
aus und badet dann zum zweiten Male mit 
kochendem Wasser. — Sollten kochendes 
Wasser und die verursachten Wunden nicht 
schädlich sein? und ist es nicht rationeller, 
mit Lucas gleich beim Auftreten des Uebels 
durch Tödten der Insecten zu steuern, an- 
statt bis zum kommenden Herbste zu 
warten? 


g) Ringeln des Weinstocks. Das 
Ringeln der Fruchtreben nach der Blüthe 
hat im Pomologischen Institute zu Reut- 
lingen ganz ausgezeichnete Resultate in Be- 
zug auf Ausbildung der Trauben gegeben. 


h) Von Bosc über empfehlens- 
werthe Apfelsorten. Der Verfasser be- 
spricht einige länger bekannte Aepfel und 
stellt 3 Russische Sorten voran, die in 
Deutschland umgetauft worden sind, näm- 
lich den Weissen Astrachan. Wir ver- 
muthen, dass dies der gleiche Apfel ist, 
der in den ÖOstseeprovinzen allgemein als 
Weisser Klarapfel verbreitet ist. In 
dem pomologischen Garten des Referenten 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


wird die deutsche und russische Sorte eul- 
tivir. Sie trugen aber noch keine Früchte 
und so enthält sich derselbe eines Urtheils. 
Lucas führt (Illustr. Handbuch I. 87) auch 
Naliw als synonym auf. Als Naliw wer- 
den aber in Russland sehr verschiedene 
Aepfel angebaut, so dass wir auch in Bezug 
auf die identische Russische Bezeichnung 
noch zurückhalten müssen. Ob der als 
Fanarik (Laterne) in Moskau verbreitete 
Apfel vielleicht identisch, können wir erst 
später entscheiden. 

Der zweite Apfel ist Kaiser Alexan- 
der oder der von Petersburg bis zum Sü- 
den Russlands gebaute Aport. Lucas 
(Ill. Handb. I. 109) schreibt Aporta Nali- 
wia, das ist falsch, Aport ist der Rus- 
sische Namen und Naliwia ist ganz über- 
flüssig und unrichtig hinzugesetzt, denn als 
Naliw (nicht Naliwia) werden in Russland 
überhaupt cicadirende oder Glasäpfel be- 
zeichnet. 

Als dritter Apfel wird Possart's Na- 
liwia genannt (Illustr. Handb. 193). Das 
ist der ebenfalls von Petersburg bis zum 
Süden Russlands verbreitete Belui Naliw 
Russlands, von dem hier viele Spielarten 
vorkommen, von denen der Referent nur 
die beste in seinem pomologischen Garten 
beibehalten hat. Derselbe gehört in Peters- 
burg noch zu den verbreitetsten, unseren 
härtesten Wintern widerstehenden Aepfeln. 

Russland wird ausser diesen 3 Aepfeln 
noch manche andere Sorten dem Auslande 
liefern können, die diese Aepfelsorten noch 
übertreffen dürften. Der Referent cultivirt 
schon mehr als 250 Russische Aepfelsorten, 
von denen er auch in den letzten Jahren 
wiederholt Edelreiser nach Deutschland, 
Schweden und England vertheilt hat. Na- 
mentlich dürften darunter sich viele für die 
rauheren Gegenden Deutschlands sehr werth- 
volle Sorten finden. 


Als ternere allgemein empfehlenswerthe 
Aepfel nennt Von Bose die Weisse Win. 
terschafsnase und den Ordens-Apfel- 


Ueber das Gedeihen der bessern Aepfel 
Deutschlands in Petersburg behält sich der 
Referent vor, später Berichte zu geben- 
Einstweilen kann derselbe nur sagen, dass 


II. Literatur. 


nur wenige im andern Europa als dauer- 
hafte harte Sorten empfohlene noch in Pe- 
tersburg gedeihen. Selbst der in dieser Be- 
ziehung so renommirte Gravensteiner 
geht hier nicht. Sein Holz erhält nicht die 
gehörige Reife und erfriert. Dagegen haben 
wir einen dem Grafensteiner sehr ähn- 
lichen Apfel (vielleicht die akklimatisirte 
Sorte) aus Pskoff erhalten, der unser 
Klima noch erträgt. 

i) Besprechungen über Obstbau 
auf dem Oongress zu Erfurt. Lucas 
theilt diese Besprechungen ziemlich einläss- 
lich mit. Das Resultat bestand in vorzugs- 
weiser Empfehlung der Pyramidenform, 
unter den künstlichen Formen der Obst- 
bäume. Der Boden muss aber frisch krältig 
und gut und nicht zu stark gedüngt sein, 
die Aeste sollen einander nicht zu nahe 
stehen, damit die Bäume nicht zu dicht 
werden. Als frühtragende, leicht auszu- 
führende, — aber nicht so haltbare Form, 
wird der Cordon genannt. (E. R.) 


2) Abhandlungen der Schlesischen 
Gesellschaft für vaterländische 
Cultur für 1864. 


Wir haben regelmässig der für uns in- 
teressantern Abhandlungen, dieser an gründ- 
lichen und tüchtigen Abhandlungen reichen 
Schrift, gedacht. Diesmal erwähnen wir: 


1) F. Cohn, über den Staubfall am 
22. Januar 1864. Dieser Staubfall fand auf 
einer Länge von 40 Meilen und einer Breite 
von 11 Meilen in der Provinz Schlesien, und 
zwar bei Südwind statt. Cohn hat alle An- 
gaben und Beobachtungen exact zusammen- 
gestellt und kommt zum Schlusse, dass der 
gefallene Staub theils von den Berghalden 
der Provinz selbst stammen dürfte, — theils 
aber auch vielleicht aus weiterer Entfer- 
nung durch die Luft bis nach Schlesien ge- 
tragen wurde. 

9) Dr. Rosenthal über Giftpflanzen 
aus der Familie der Leguminosen. In die- 
ser Zusammenstellung figuriren auch manche 
in unsern Gärten sehr verbreitete Pflanzen. 
Cytisus Laburnum L. enthält in seiner 
Rinde und Samen einen scharfen Giftstoff, 
den Cytisin, und sind auch schon verschie- 


285 


dene Vergiftungen in Folge deren Genuss 
vorgekommen. Von urserer gewöhnlichen 
Robinin Pseudacacia erregt die Wurzel Er- 
brechen und Durchfall. Styphnolobium (So- 
hora) japonicum enthält in allen Theilen 
einen giftigen Stoff, den Kathartin. — Die 
berüchtigste Giftpflanze dieser Familie ist 
aber die schon von uns besprochene Calabar- 
Bohne (Physostigma venenosum Balffour.). 


Interessant für Jedermann sind ferner 
des Herrn Geheim. Med.-Raths Göppert 
Mittheilungen über die Flora des Riesenge- 
birges, Dr. Schneider’s Mittheilungen über 
Dr. De Barys Untersuchungen über die Ent- 
wickelung parasitischer Pilze und 
Menge anderer kleinerer Mittheilungen. 


eine 


Von den Verhandlungen der Section 
für Garten- und Obstbau haben wir die 
wichtigsten schon früher ausführlicher mit- 
getheilt. 


3) Siebold, 
Japonais, 


Indicateur de Jardins 


Es ist das eine Publication von Seite 
des Gärtners des Herrn von Siebold zu 
Leyden, der fast ausschliesslich der Cul- 
tur und Einführung von Pflanzen Japan’s 
gewidmet ist. Zwei Tafeln geben die Dar- 
stellung von Japanischen Miniaturgärten für 
das Frühjahr und den Sommer. Kleine 
Hausgärten, mit Hügeln, Grotten, Wasser- 
parthien etc., geschmückt mit Miniaturpflan- 
zen im Geschmack der Japanesen. 


In besondern Beilagen stellt nun Sie- 
bold Pflanzen zu physiognomischen Gruppen 
zur Bildung japanischer Landschaften in 
unsern Gärten zusammen. (E. R.) 


4) A. Famintzin, die Wirkung des 
Lichtes auf das Wachsthum der 
keimenden Kresse. Leipzig bei 
L. Voss. — 


Der Verf. hat eine Reihe von Versuchen 
über das Wachsthum der keimenden Kresse 
im Dunkeln, im Tageslicht und beim Licht 
einer Kerosin-Lampe gemacht; die Resul- 
tate seiner Forschung sind: 


1) Das Stengelchen (der zwischen Wur- 
zeln und Cotyledonen liegende Theil der 


286 


Keim-Pflanzen), zeigt alle Eigenschaften 
eines wirklichen Stengels. 

2) Das Stengelchen wächst nur bei der 
ersten Entwickelung der gaszen Länge nach, 
später aber findet das Wachsthum nur unter 
seiner Spitze statt. 

3) Im Lichte gesäet entwickelt sich das 
Stengelchen, welches oben die Cotyledonen 
trägt und am Grunde mit seinen Wurzeln in 
die Erde eindringt. Nun entwickelt sich auch 
zwischen den Cotyledonarblättern das Knösp- 
chen zur Blattrosette und dem Stengel. — 
Im Dunkeln ausgesäet wird das Stengelchen 
3—6mal länger als im Lichte, das Blattgrün 
entwickelt sich nicht und das Knöspchen 
kommt nicht zur Entwickelung und die 
Entwickelung der Wurzeln nach unten ist 
sehr schwach. Die Messung zeigte dem 
Herrn Femintzin, dass bis zum Ende der 
Keimung im Dunkeln, also nach 11—12 Ta- 
gen, die Wurzeln um so weniger gewachsen, 
als das Stengelchen um zu viel gewachsen 
war, so dass nach 11 Tagen die Länge 
von Wurzel und Stengelchen zusammen 
gerechnet ungefähr das gleiche Maass heraus- 
kam bei den im Dunkeln und im Lichte 
gewachsenen Pflanzen, — oder mit andern 
Worten, — im Dunkeln keimende Pflanzen 
bilden ein 3—6mal längeres Stengelchen — 
und eine 3—6mal kürzere Wurzel, als im 
Lichte keimende Pflanzen. 

4) Ebenso wie das Wachsthum der Wur- 
zel ist auch das Wachsthum der Nebenwür- 
zelchen vom Lichte beeinflusst. Bei im 
Lichte keimenden Pflanzen treibt die Haupt- 
wurzel eine Menge von Seitenwurzeln, — 
im Dunkeln keimende Pflanzen entwickeln 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


diese Nebenwurzeln aber gar nicht, obgleich 
die Rudimente derselben vorhanden sind. 

5) Es bestätigen diese Versuche, dass 
die erste Entwickelung der Keimpflanze von 
den im Samen aufgespeicherten Nahrungs- 
stoffen bedingt wird, — dass aber Ent 
wickelung des Knöspchens und der Neben- 
wurzel schon in Folge der selbstständigen 
Aufnahme und Ernährung der jungen Pflanze 
vor sich geht. 

Im Dunkeln gekeimte Pflanzen ans Licht 
gebracht beginnen allmälig normal zu 
wachsen, — im Lichte gekeimte Pflanzen 
ins Dunkle gestellt wachsen fast gar nicht 
mehr. 

7) Durch Beleuchtung mit einer Kero- 
sinlampe lässt sich eine anscheinend durch- 
aus normale Keimung der Kresse erzielen. 


| Im gelben Lichte (durch saures chromsaures 


Kali durchgehendes Licht), war die Kei- 
mung der im vollen Lampenlichte analog, 
nur fand gar keine Beugung der Pflanze 
nach dem Lichte statt; — im blauen Lichte 
(durch Kupferoxyd- Ammoniak hindurch ge- 
gangenes Licht), keimt dagegen die Kresse 
ganz wie im Dunkeln, nur findet eine starke 
Beugung der Pflanze nach dem Lichte statt. 
(E. R.) 


5) Carl Heinrich Salomon, die Farne 
fürs freie Land. 


Diese Schrift enthält eine kurze Anlei- 
tung zur Cultur der Farn im freien Lande, 
worauf das Verzeichniss der in Deutschland 
im freien Lande ausdauernden Farn folgt. 
Bei jeder Art ist die Synonymie und das 
Vaterland angegeben. (E. R.) 


IV. Personalnotizen und Neuestes etc. 


1) Dr. Seemann, welcher mit einigen 
Untersuchungen zu Neu-Segovia und an- 
dern weniger bekannten Theilen Central- 
Amerika’s beauitragt ist, hat am 2. März 
Southampton verlassen und ging über 
St, Thomas und Panama nach Realejo am 


wo er sich ausschiffen 
(Bot. Zeit.) 


Grossen Ocean, 
wird. 


2) Der Nestor der schwedischen Bota- 
niker: Christian Stenhammar, Doctor 
der Theologie und Philosophie, Probst in 


IV. Personalnotizen. 


dem Kirchspiel Häradshammer , Mitglied der 
schwedischen Akademie der Wissenschaften, 
geb. am 18. October 1783, starb am 10. Ja- 
nuar d. J. Die Botanik und insbesondere 
die Lichenologie hat in ihm einen ihrer 
wärmsten Freunde und unermüdlichsten Ar- 
beiter verloren. (Regensb. Flora.) 


3) Die von Agassiz geleitete wissen- 
schaftliche Expeditionzur Erforschung 
Südamerika’s hat sich in vier Abthei- 
lungen gespalten, deren erste von Agassiz 
selbst geführt, das Stromgebiet des Ama- 
zonen - Flusses bereist. Eine andere Division 
hat die Küste von Bahia bis Rio de Janeiro 
und nach Westen bis zum San Francisco, 
die dritte, mit der gleichen Südgränze, dem 
Wendekreis des Steinbockes, das westlich 
von San Francisco gelegene Binnenland zu 
untersuchen; das Feld der vierten Division 
endlich ist das Gebiet, welches von dem 
Wendekreis des Steinbockes, dem Parana 
und der Meeresküste eingeschlossen wird. 

(Oestr. bot. Zeitschr.) 


4) G. Schweinfurth ist von seinen 
Reisen im nordöstlichen Afrika glücklich 
und wohlbehalten nach seiner Vaterstadt 
Riga zurückgekehrt. 


5) D. Th. Kotschy, der durch seine 
Botanischen Arbeiten und Reisen im Oriente 
und in Afrika bekannte Oesterreichische Bo- 
taniker, starb kürzlich in Wien. Mit ihm 
ist nicht nur ein um die Erforschung der 
Pflanzenwelt vielfach verdienter Mann ge- 
storben, sondern auch ein Mann, der mit 
hingebender Liebe sich dem wissenschaft- 
lichen Studium gewidmet, worüber er in 
seinen vielfachen interessanten Reiseberich- 
ten, in seiner Monographie von Quercus 
etc., ebenso viel Zeugen hinterlassen hat. 


3) Ferdinand Jühlke ist zum Direc- 
tor der Königlichen Landesbaumschule und 
Gärtner -Lehranstalt in Sanssouci bei Pots- 
dam ernannt worden. Die vom Herrn Di- 
rector Jühlke seither in Erfurt betriebene 
Gärtnerei und Samenhandlung ist unter der 
Firma „Ferdinand Jühlke Nachtolger“ 


287 


an die Herren Putz und Roer überge- 
gangen. Die Herren Putz und Roer ha- 
ben schen seit vielen Jahren für’s gleiche 
Geschäft gearbeitet und das volle Vertrauen, 
das unser geehrter Freund Jühlke densel- 
ben schenkt, indem er denselben erlaubt, 
seinen Namen als Firma zu führen, kann 
Jedem eine Garantie sein, dass das betref- 
fende Geschäft im gleichen soliden Sinne 
fortgeführt wird. 


Wir freuen uns, dass die Hohen Be- 
hörden in Berlin einen so bewährten und 
tüchtigen Mann wie unsern geehrten Freund 
Jühlke an diese für den Gartenbau Preu- 
sens und Deutschlands so wichtige Stelle 
berufen haben. Nur ein Mann, der in glei- 
chem Grade wie F. Jühlke praktische und 
wissenschaftliche Bildung vereinigt, vermag 
als Director der einzigen Gartenbauschule 
Deutschlands darauf hin zu wirken, — dass 
aus solcher gebildete tüchtige Gärt- 
ner (im wahren Sinne des Wortes, d. h. 
junge Männer mit hingebender Liebe für’s 
Fach, die keiner praktischen Arbeit sich 
schämen und ihre wenigen Ruhestunden 
zum Theil zu wissenschaftlichen Studien 
verwenden) hervorgehen. Jühlke hat selbst 
in dieser Weise gelebt, gearbeitet und ge- 
wirkt, — die Aufopferung, Hingebung und 
Liebe, die er bis jetzt stets und immerdar 
für Hebung des Gartenbaues bethätigte, 
wird derselbe auch auf seine neue Stellung 
zum Segen weiter Kreise übertragen. 


In Erfurt gelang es unserem Freunde 
als Direetor der Gartenbaugesellschaft all 
die vielen intelligenten Kräfte, die Erfurt in 
so reichem Maasse im Gebiete des Garten- 
baues besitzt, — obgleich solche in steter 
Coneurrenz mit einander stehen, — den- 
noch zu vereinigen. 


Möge es der Energie, der Thatkraft 
der Einsicht und Liebenswürdigkeit unseres 
geehrten Freundes nun auch gelingen, alle 
die ihm in seiner neuen Stellung etwa ent- 
gegenstehenden Schwierigkeiten zu beseiti- 
gen und die schlimmste aller Klippen für 
Gartenbauschulen zu beseitigen, — indem 
es ihm gelingen möge, den jungen Leuten 
das gleiche Interesse für die praktische, — 


288 


wie für die wissenschaftliche Seite des Gar- 
tenbaues einzuimpfen. (E. R.) 


7) Der Professor emer. und wirkl. 
Staatsrath A.’von Nordmann, der Bota- 
nischen Welt durch die zahlreichen Ent- 
deckungen, die derselbe in der Krim, dem 
Caucasus und überhaupt im Süden Russ- 
lands, an seltenen und neuen Pflanzen 
machte, starb am 25. Juni d. J. in Helsing- 
fors. Steven benannte nach demselben die 
schöne Tanne des Caucasus, die so ge- 
schätzte Pinus Nordmanniana. Im Jahre 
1865 besuchte Nordmann den Congress zu 
Amsterdam und theilte dort eine von ihm 
verfasste Biographie von Stevens mit. — 
Das Herbarium des K. Botanischen Gartens 
in St. Petersburg hat erst vor 2 Jahren von 
Nordmann den Rest seiner Sammlungen 
aus dem Süden Russlands erworben. Le- 
debour ward bei der Bearbeitung seiner 
Flora rossica in besonders hohem Grade 
von Nordmann durch Mittheilung der von 
ihm gesammelten Pflanzen unterstützt. 


(E. R.) 


8) Dr. Georg Mettenius, Professor 
der Botanik in Leipzig, starb am 18. Au- 
gust an der Cholera. — So musste diese 
Geissel des 19ten Jahrhunderts auch einen 
der verdientesten und geistreichsten Forscher 
im Gebiete der Botanik dahinraffen und 
zwar im 43. Jahre seines Lebens, das noch 
so manche schöne Blüthe und Frucht für 
die Wissenschaft getragen haben würde. 


| 


a 


5 - 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Wir haben die zahlreichen Werke von 
Mettenius in der Gartenflora wiederholt 
besprochen. Seine Arbeiten über die Farn, 
theils in einem nicht vollendeten Werke, 
das bis jetzt einzelne der grösseren Gat- 
tungen (Aspidium, Polypodium, Asplenium) 
behandelt, — theils in dem Werke über die 
im Botanischen Garten zu Leipzig cultivirten 
Farn, niedergelegt, — gehören zu den 
besten und ausgezeichnetesten Arbeiten in 
dieser Richtung. Mettenius verband aber 
mit dem Studium der Arten auch das Stu- 
dium der Entwickelungsgeschichte und hat 
in dieser Beziehung gleichfalls eine Reihe 
ausgezeichneter Arbeiten, theils über die 
Farn, theils über die Cycadeen etc. publi- 
eirt. Sein Name wird daher in der Wissen- 
schaft fortleben, der er sein Leben, sein 
Streben und sein bedeutendes Talent zuge- 
wendet hatte. (E. R.) 


9) Aus Woronesch. Im Allgemeinen 
Alles gut gediehen, aber Ungeziefer aller 
Art hat entsetzliche Verheerungen ange- 
richtet. Bombyx Orion und B. dispar ha- 
ben ganze Eichenwaldungen kahl gefressen, 
die Apfelmotte frass ganze grosse Gärten 
kahl, Prunus Padus war von Hypomoneuta 
evonymella nicht blos kahl gefressen, son- 
dern mit dem Gewebe der Raupen, wie mit 
einem weissen Tuch überzogen (in Peters- 
burg ebenfalls). Aepfel tragen daher wenig, 
Birnen besser, Kirschen ziemlich, Die Pro- 
ducte des Feldes sierd alle reichlich vor- 
handen. — 


. Originalabhandlungen 


41) Abgebildete Pflanzen. 


a Hydrangea japonica Sieb. 


et Zuee dd. ma 


erosepala. 


(Siehe Tafel 520.) 


Hydran 


Herr E. Maximowiez führte neben 
vielen anderen schönen Pflanzen, na- 
mentlich auch mehrere Hydrangeaceen 
aus den Gärten Japan’s in den botani- 
schen Garten zu Petersburg ein. Einige 
derselben wurden schon früher in der 
Gartenflora abgebildet. Von 2 ächten 
Hydrangea- Arten geben wir in diesem 
Hefte die Abbildung. 

Die erste derselben ist eine Form 
der Hydrangea japonica. Die Hydran- 
gea japonica unterscheidet sich durch 
die gezähnten Kelchblätter der sterilen 
Blumen von den verwandten Arten. In 
den Gärten Japan’s gehört solche zu 
den Lieblingspflanzen und kommt dort 
in zahlreichen Formen vor, Unter 
den vom Hrn. Maximowiez eingeführten 
Exemplaren fanden sich viele Formen. 
Die Vergleichung zeigte, dass die mei- 
sten derselben schon früher in Europa 

X, 1866, 


ge 


ace2e. 


eingeführt und als Hydrangea japonica 
verbreitet wurden. 
Wir stellen die im hiesigen Garten 
eultivirten Formen folgendermassen fest: 
H. japonica Sieb. et Zuce. in 
nov. act. Leopold. XIV. pag. 689. — 
D. C. prodr. IV. 696. 

«&) typica; Blätter aus keilförmigem 
Grunde länglich - oval. Sterile 
Strahlblumen 4—6, jede mit 4 ver- 
kehrt oval rhomboidischen spitz- 
lichen Blumenblättern, die weiss 
und rosa nüancirt. Fruchtbare 
Blumen, rosa. — H. japonica 
Sieb. et Zuce. fl. jap. tab. 53. — 
Lindleyi; die unteren und ober- 
sten Blätter gleich der vorher- 
gehenden, die oberen aus abgerun- 
detem Grunde oval. Strahlblumen 
4—6, jede mit 4 herzförmig-ovalen 
spitzliichen Blumenblättern , die 

19 


ß) 


290 


y) 


ö) 


9) 


n) 


Gartenflora Deutschlands, Russiands und der Schweiz, 


weiss und rosa nüancirt. Frucht- 
bare Blumen, rosa. H. japonica 
Lindl. Bot. Reg. XXX. tab. 61. — 
roseo-alba Van Houtte. Blät- 
ter aus abgerundetem Grunde fast 
herzförmig-oval. Sirahlenblumen 
4—6, jede mit 3—5 herzförmigen 
zugespitzten Blumenblättern, die 
im Gewächshaus cultivirt weiss 
und an.der Spitze rosa, im freien 
Lande eultivirt schön carminrosa. 
Fruchtbare Blumen weiss. H. ja- 
ponica rosalba Van Houtte Flore 
des serres tab. 1649 — 1650. 
Von Van Houtte als einer 
schönsten neuen Blüthensträucher 
empfohlen. — 

mäcrosepala. Der vorhergehen- 
den Form sehr nahe, die Blätter 
der sterilen Blumen werden aber 
bis 1!/3 Zoll breit. Eine schöne 
carminrosa Färbung derselben, 
stellt sich gleichfalls später bei 
der Cultur in freier Luft ein. 
Diese neue, von Maximowiez ein- 
geführte Form stellt unsere Ab- 
bildung dar. 

caerulescens. Blätter aus ab- 
gerundetem Grunde oval. Strahl- 
blumen 4—6, oder zuweilen auch 
7—14, mit am Grunde abgerun- 
deten ovalen spitzlichen Blumen- 
blättern, die weiss und lichtrosa 
nüancirt. Fruchtbare Blumen blau. 
— H. japonieca var. caerulea Hook. 
Bot. Mag. tab. 4253. — 
variegata. Es ist das die be- 
kannte Abart mit weiss gerandeten 


der 


Blättern. H. japonica fol. albo- 
variegatis Flore des serres tab. 
696. — Besitzt zahlreiche sterile 


Strahlenblumen. 

plena; Blätter aus keilförmigem 
Grunde breit oval, zugespitzt. Fast 
sämmtliche Blumen der grossen 


Blüthencorymbe steril und mit 
grossen, den der Strahlenblumen 
ähnlichen rosenrothen Kelchblättern 
versehen, die zu 4 oder seltener 
zu 5 Stehen, sehr gross sind, aus 
keilförmigem Grunde breit oval 
und vorn spitzlich. 

Diese gefüllte Form der H. japo- 
nica hat eine ebenso dicht gefüllte 
mächtige Corymbe von Blumen, wie un- 
sere gewöhnliche H. Hortensia D. C., 
von der sich unsere Pflanze nur noch 
durch die gezähnten, sehr grossen 
Kelehblätter der sterilen Blumen unter- 
scheidet. Diese Form bildet den Ueber- 
gang nach Hydrangea Hortensia D. C., 
bei deren üppigeren gut ceultivirten 
Exemplaren ebenfalls  sterile Blumen 
vorkoınmen, wo einzelne der Kelchblät- 
ter mit einzelnen Zähnen unterhalb der 
Spitze versehen sind. Die enorme 
Grösse der einzelnen Blumen unter- 
scheidet die gefüllt blühende H. japo- 
nica aber noch ausserdem. 

Trotz dem sind wir der Ansicht, 
dass H. japonica Sieb. et Zucee. 
nur die wilde Stammart unserer H.Hor- 
tensia D. C. darstellt und dass die For- 
men C. und &. die Uebereänge bilden, 
dass unsere lortensie als H. japonieca 
n. Hortensia aufzuführen wäre, 

Von Hydrangea Hortensia 
D. C. bilden Siebold und Zuecarini 
(Flora jap. tab. 52) eine Form ab, die 
in den Gärten Japan’s stets blau blüht 
und liegen solcher den Namen H. Otaksa 
bei. Herr Maximowicz hat auch diese 
Form in den Petersburger Gärten ein- 
geführt. Solche ist ganz identisch mit 
unserer H. Hortensia, hat aber die Ei- 
genthümlichkeit, auch in nicht künstlicher 
Erdmischung blaue Blumen zu erzeu- 
gen, weshalb wir solche als H, japo- 
nica $ Otaksa aufführen. Schliess- 
lich noch die Bemerkung, dass wir den 


I. Originalabhandlungen. 


späteren Namen'H. japonica nur deshalb 
beibehalten, weil unter diesem die wilde 
Stammart zuerst beschrieben wurde und 
andererseits H. Hortensia gerade die 
Gartenform am besten bezeichnet. 


dt) Hydrangea stellata Sieb. 


291 


Zu den Formen von H, japonica 
dürfte auch H. acuminata Sieb. Zuce, 
fl. jap. tab. 56 und 57 fallen. 


et Zuee var. 


prolifera. 


(Siehe Tafel 521.) 


Hydrangeaceae 


H. siellata Sieb. 
tab. 59. — H. foliis e basi rotundata 
ovato-oblongis, acutis v. acuminatis, 
argute serratis, pubescentibus, oppositis 
petiolatis; eymis amplis, terminalibus, nu- 
dis, floribus radiantibus numerosis; sepa- 
lis flor. radiantium ovato — v. oblon- 
go-ellipticis, acutiuseulis, 
pallide cyaneis v. roseis, plerumque 10 
—15 in quovis flore. 

ß) prolifera; foliis acuminatis; cy- 
mis amplissimis globosis densiflo- 

ris, floribus subomnibus radiatis e 

centro flores minores similes 1—5 

exscerentibus, sepalis roseis. — 

Diese, für die Gärten Europa’s noch 
durchaus neue Hydrangea der Gärten 
Japan’s bezeichnen wir als die ausge- 
zeichnetste Einführung des Hrn. Maxi- 
mowiez in tioristischer Beziehung. Es 
ist das ein durchaus würdiger Rival un- 
serer alten Hortensia, d. h. eine Hy- 
drangea mit gefüllter Blume. Der Blü- 
thenstand, den wir abbilden, wurde von 
einer schwachen Pflanze getragen und 
ist es daher zu vermuthen, dass solcher 
bei kräftigen Pflanzen wahrhaft colos- 


et Zuce. fl. jap. 


integerrimis, 


sale Verhältnisse zeigen dürfte. Von 
der armblumigen Form mit blauen Blu- 
men, die Siebold abbildet, zeichnet sich 
unsere neue Form durch die Massen 
dicht gedrängter Blumen aus, von denen 
jede einzelne nicht blos im gewohnten 
Sinne des Wortes gefüllt, sondern aus- 
serdem aus ihrer Mitte noch 1—5 klei- 
nere Blumen entsendet, die wiederum 
gefüllt, und anfänglich gelbgrün, später 
aber rosa gefärbt sind. — Fruchtbare 
Blumen ohne Strahl entwickelte unsere 
Pflanze wenig und diese ganz monströs, 
im Innern des Blüthenstandes. 

Herr Maximowiez erhielt diese 
Pflanze aus den Gärten Japan’s,. Nur 
ein schwaches Exemplar erreichte Pe- 
tersburg in noch lebendem Zustande 
und der einzige Stengel, den dieses 
Exempiar im Jahre 1865 bildete, trug 
im Juni dieses Jahres den abgebildeten 
Blüthenstand. 

Cultur und Vermehrung beider in 
Rede stehenden Arten durchaus gleich 
der der gemeinen Hortensia. — 

(E. R.) 


19 * 


292 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


e) Hemerocallis Middendorfii Trautw. 
et Mey. 


(Siehe Tafel 522.) 


Liliaceae. 


H. Middendorffii, floribus 3—4 | det sich dadurch sofort von den ande- 


in capitulum terminale collectis, nervis 


laciniarum interiorum planarum ramosis. | gelben 


— Trautv. et Mey. in Fi. och. (Midd. 
Reise I. tom. Il.) pag. 94. — Maxim. 
prim. fl. am. pag. 286. — Regl. fl. uss. 
pag. 153. — H. Dumortieri Morr. hort. 
belg. II. pag. 195 Fig. 43. — H. Sie- 
boldi H. Siebold. 

Eine noch im Petersbnrger Klima 
ohne allen Schutz im freien Lande aus- 
dauernde Staude, die v. Middendorff 
am Ujakon-Busen in Östsibirien ent- 
deckte, Dieselbe geht aber von da 
längs der Küste bis zur Amurmündung 
und südlicher bis Japan. 

Dieselbe trägt ihre schönen gold- 
gelben Blumen in einem dichten kopf- 
förmigen Blüthenstande und unterschei- 


ren Arten der Gattung Hemerocallis mit 
Blumen. Morren hat solche 
später als H. Dumortieri beschrieben 
und Siebold hat solche als H. Sieboldi 
versendet. 

In Cultur ist diese Art ebenso ro- 
bust und leicht zu ziehen als H. fulva, 
flava und graminea und dürfte sich ganz 
besonders zur Verzierung der Ufer von 
Teichen und Bächen eignen. Die Farbe 
der Blumen ist schöner und glänzender 
intensiv goldgelb, als die aller anderen 
Arten. Gedeihet in jedem Gartenboden, 
blüht in Petersburg im Juni und Juli 
und wird durch Samen- und Wurzel- 
theilung leicht und schnell vermehrt. 

(E. R,) 


2) Vierter Nachtrag zu dem alphabetischen Verzeichnisse sämmıt. 
licher botanischen und landwirtheachaftlichen Gärten, sowie der 
botanischen Museen, Herbarien und verwandten Institute in 
allen fünf Weilttheilen, mit Angabe ihres derzeitigen Vorstands- 


personals. 


Berlin: K. Herbarium. Dr. Ascher- 
son nicht Custos, sondern Assistent bei 


Adelaide in Südaustralien: Bo- 
tanischer Garten. Dr. R. Schomburgk, 


Direetor desselben. demselben. 

Bamberg: Botanischer Garten. Breslau: Promenade und Park. 
Dr. Funk und Dr. Haupt, Vorsteher | Stadtgärtner Lösener. 
desselben. Brüssel: Botan. Garten. J. E. 


Bommer, conservateur des collections. — 
B. Gailly, chef de culture, — 


Barcelona: Botanischer Garten. 
A, Chaves, hortulanus primarius. 


I. Originalabhandlungen. 


Darmstadt: G. F. Schnittspahn, 
Hofgartendirector, + den 22. December 
1865. 

Dresden: Botanischer 
G. A. Poscharsky, Inspector. 

Eldena: Dr. E. Baumstark, Di- 
rector der landwirthschaftlichen Akade- 
mie. — G. Zarnack, Akad. Gärtner, 7 
Ende April 1869. 

Frankfurt a. M.: Botanischer 
Garten des Senkenbergischen Institutes. 
Prof. Dr. Fresenius, Director. 

Genf: Botan. Garten. W. Nitzsch- 
ner, Inspector. 

Görlitz: Städtischer botanischer 
Garten. Pack, Conservator. 

Hildesheim: Landwirtschaftliche 
Lehranstalt. E. Michelsen, Director. 

Hochburg im Breisgau: Land- 
wirthschaftliche Bildungsanstalt. Jäger, 
Vorstand. 

Hohenheim: 
Forstwirthschaftliche Akademie. 


Garten. 


K. W. Land- und 
Wer- 


ner, Director; Ronzelmann, Instituts- 
gärtner. ! 
Jena: Universität. Dr. Hallier, 


bisher Privatdocent,, jetzt ausserordentl. 
Prof. der Botanik. 

Kew: Sir W. Hooker. + den 12. 
August 1865. D. Hooker, seit 
dem 1. November 1865 Director der K. 
Gärten. 

London: 
Nov. 1865. 

Mexico: D, Bilimek, Custos des 
Kais, Mexik. Museums. 

München: Universität. Dr. Eich- 
ler, Privatdocent der Botanik. 

Muskau in der Lausitz: 
Arboretum. Petzold, Director. 

Neapel: hort. reg. G. Gasparrini 
horti praefeetus et bot. professor. — 
J. A. Pasquale et C. Licopoli, adju- 
tores, 

Neustadt - Eberswalde: 


Dr. Lindley, + den 1. 


Grosses 


Kgl. 


293 


Forstlehranstalt. Botanische Forstpartie. 
Direetor Prof. Dr. Ratzeburg, 

Nikita: H. Zabel, Director. 

Odessa: K. Universität. Cien- 
kowsky und A. Janowitsch, Prof. der 
Botanik, 

Pesth: hort. bot. reg. seient. univ. 
hung. Dr. F. X. Linzbauer, propaedeu- 
matis chirurgiae prof. reg. p. o.h. t. 


supplens horti director. — J. Fekete, 
hortulanus sodalis primarius. 
Pesth: Universität. Dr. L. Ju- 


rangi, ausserordentlicher Prof. der Bo- 
tanik. 

Pesth: 
A. von Kubinyi, Director, — 
Frivaldsky, Custos. 

Petersburg: K. Botan. Garten. 
S. Rosanoff, Bibliothekar. — E. Ender, 
Obergärtner. 

Potsdam: K. Landesbaumschule. 
Generalgartendireetor Lenne, 7 den 23. 
Januar 1866. — Jühlke, Gartenbau- 
director. 

Schönbrunn bei Wien: F. An- 
toine, Direetor der K. K. Hofgärten. 

Siena: hort. bot. A. Tassi, bot. 
prof. et horti praefectus. — J. Fabbri, 
hortulanus primarius. 

Tetschen an der Elbe in Böh- 
Treiberei, besonders Orchideen- 

Obergärtner E. Lagler. 

Tharand: K. S. Akademie für 
Forst- und Landwirthe. J. F. Judeich, 
K. S. Oberforstrath und Director. (Bis- 
her Forstrath und Director der Forst- 
lehranstalt zu Weisswasser in Böhmen, 
an die Stelle des bisherigen Directors 
H. v. Berg). 

Tiflis: Dr. G. Radde, 
des Kaukasischen Museums. 

Weisswajsser in Böhmen: Stän- 
dische Forstlehranstalt. Director Prof. 
Dr. E. Purkinge. 

Wien: Polytechnikum. Professor 


Nationalmuseum. Baron 
J. von 


men: 
eultur. 


Director 


294 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Leyboldt, 7 seit dem 10. Juni 1859.— | botanischer und landwirthschaftlicher 
Dr. G. A. Kornhuber , Prof. der Bo- | Gärten oder botan. Museen ete., bei de- 
tanik. nen wir unwissentlich falsche oder lücken- 
Wien: K, K. Botan. Hofkabinet. | hafte Angaben gemacht, oder die wir 
Dr. C. G. T. Kotschy, Custosadjunkt, 7 | unabsichtlich ausgelassen haben, um 
den 11. Juni 1866. gütige berichtigende und ergänzende 
Indem wir dem Herrn Geheimen | Mittheilungen, damit die für das nächste 
Medicinalrathe Dr. Göppert und Herrn | Jahr beabsichtigte neue Ausgabe un- 
Dr. Senoner für ihre gütigen Berichti- | seres ‚Alphabetischen Verzeichnisses“ 
gungen und Ergänzungen unseren ver- | möglichst vollständig werde. 
bindlichsten Dank sagen, ersuchen wir | St. Petersburg, den 28, Juni (10, Juli) 1866 
nochmals alle diejenigen Herrn Vorstände F. v. Herder. 


3) Geschichtliche Notizen über die Entwicklung der Gärtnerei 
in Berlin und Potsdam. Von Paul Sorauer. 


Wir haben bisher einige der Haupt- | ten Bruchstücke auch schon einigen An- 
eulturzweige der Berliner Gärtnerei ken- | spruch auf Werth machen, da ich ausser den 
nen gelernt. Obgleich dieselben nun | bereits gedruckten Angaben, schätzens- 
noch nicht hinreichen, ein vollständiges | werthe mündliche und schriftliche Beiträge 
Bild des hiesigen Betriebes zu geben | gediegener Gärtner erhalten. Bei dieser 
und erst durch fortgesetzte Skizzen all- | Gelegenheit mag mir erlaubt sein, denje- 
mälig diesem Ziele näher zu kommen |nigen, die mich besonders freundlich und 
suchen, so werden sie doch genügt ha- | theilnehmend seit Janger Zeit mit ihrem 
ben, das Prineip, das der Berliner | Rathe unterstützt haben, hier Öffentlich 
Gärtner befolgt, zu kennzeichnen. zu danken. Es sind dies die Herren 

Es dürfte daher jetzt nicht mehr | Inspector Bouche, Herr Hofgärtner Fin- 
zu früh erscheinen, auf die Beantwor- | telmann, Herr Obergärtner Gärdt, Herr 
tung der Frage etwas näher einzugehen, | Kunstgärtner Kühne und Herr Ober- 
wie sich diese Intensität im Gartenbau | gärtner Reinecke. 
allmälig aus den ursprünglichen rohen 
Anfängen herausgebildet habe. 

Die Beantwortung dieser Frage ist Wald- und Torfmoos waren die 
eben nicht ganz leicht, da directe Vor- | zwei Erzeugnisse, die in den ältesten 
arbeiten in diesem Sinne nicht exi- | Zeiten dem Boden entsprossen, der 
stiren und die betreffenden Notizen aus | heute das üppigste Gemüse, die Millio- 
grösseren allgemeineren Werken heraus- | nen von Blumenzwiebeln, die prächtig- 
gesucht werden mussten. Dass unter sol- |sten Anlagen u. s. w. trägt. — Bis 
chen Umständen eine erschöpfende Be- | zum fünften Jahrhundert lebten die Ger- 
handlung der Frage noch nicht möglich | manen in den Eichenhainen, die ur- 
war, ist selbstverständlich und wohl ent- | sprünglich den feuchteren Bodenpartien 
schuldbar; es dürfte aber die hier geliefer- | entsprungen und die erst später durch 


I, Originalabhandlungen. 


Kiefernwald !ersetzt worden sind. Die 
zahlreichen, in der Umgegend gefunde- 
nen Arm- und Beinringe, mit denen 
versehen der Deutsche nur den heiligen 
Hain betreten durfte, sind die Andenken 
jener einfachen Zeiten. Als das Rö- 
merreich unter Octavianus Augustus 
den Cheruskerfürsten Arminius bedrohte, 
waren aus der Mark Hülfstruppen nach 
Westen gezogen und somit schon damals 
die ersten Anfänge zu jener grossen Be- 
wegung der Völker gemacht, welche 
drei und ein halbes Jahrhundert später 
die Geschichte mit dem Namen der Völ- 
kerwanderung bezeichnet hat. — Die 
verlassenen Wohnsitze der Germanen 
in hiesiger Gegend nahmen neue Völ- 
kerschaften, die von Osten kamen, ein. 
Das Mittelalter fasste sie unter dem Na- 
men der Weneden zusammen und ihre 
Herrschaft erstreckt sich weit hinaus 
nach Westen, wohin sie 562 den Ava- 
ren, einem Hunnenreste, Hülfe gegen 
die Franken schickten. Letztere aber 
drangen, dasChristenthum lehrend, sieg- 
reich immer weiter nach Osten vor und 
862 kämpfte der König Ludwig wider 
den in unserer Heimath herrschenden 
König Chotzomvizel, (d. h. den Gothen 
ein Weisel), besiegte diesen und setzte 
Herzöge hier ein. Dieser Chotzomvizel 
soll der Insel Potsdam den Namen ge- 
geben haben; denn diese hiess urkund- 
lich zuerst: „insula Chotiemvizles“, Die 
Hauptmasse der Bevölkerung war immer 
noch durch die Wenden gebildet, welche 
noch lange durch hartnäckige Kämpfe 
die Sieger beunruhigten. Erst 1134 ge- 
lang es Albrecht dem Bären aus dem 
Hause Anhalt, der von dem Kaiser mit 
der Mark belehnt worden war, hier fe- 
sten Fuss zu fassen und im ungestörten 
Besitze des schwer Erworbenen zu blei- 
ben. Nach einigen Geschichtsforschern 
soll Albrecht der Bär der Stadt Berlin 


295 


die 1244 zum ersten Male urkundlich 
genannt wird, den Namen gegeben ha- 
ben. Der Name Potsdam wird als die 
Bezeichnung eines Ortes im Jahre 993 
in einer Schenkungsurkunde gebraucht, 
die der Kaiser Otto III. ausfertigen liess, 
als er die Ortschaften Potstupimi (Pots- 
dam) und Geliti (Geltow) seiner Muhme, 
einer Aebtissin, vermachte. Kopisch ei- 
tirt in seinem anmuthigen Werke, ‚die 
königlichen Schlösser und Gärten zu 
Potsdam „den Wortlaut der Urkunde: 
Potstupimi et Geliti dieta .....». 
in insula Chotiemwitzles sita . 
etc. und erklärt die Zusammensetzung 
des Wortes Potstupimi aus dem Namen 
einer alten Butonischen Niederlassung 
‚„Pots“ und dem in das slawische dubie 
übersetzten deutschen Worte Eichen. 
welches der Name einer Burg gewe- 
sen ist. 

Die Mark erfreute sich einer se- 
gensreichen glücklichen Zeit unter der 
fast zweihundertjährigen Regierung der 
anhaltinischen Linie und namentlich 
war es das junge Berlin, das von den 
Herrschern begünstigt, sehr schnell em- 
porwuchs, bald den älteren Schwestern- 
ort Kölln, (wendisch Koln) jetzt noch 
Köln am Wasser genannt, überflügelt 
hatte und 1253 schon als Muster für 
andere junge Städte galt. Bei der nahen 
Lage der Grenzen des feindlichen Lan- 
des und den nach dem Aussterben der 
Herrscher aus der anhaltinischen Linie 
hereinbrechenden unruhigen Zeiten ent- 
stand bald zum Schutze der Stadt eine 
leichte Befestigung, die sich allmählig 
zu Stadtmauer und Graben ausbildete. 
Unter den jetzt folgenden Herrschern 
der Bayerischen und Luxemburgischen 
Linie kam die Mark sehr herab und die 
Nachrichten, die wir bis zu Anfang des 
15. Jahrhunderts über den Culturzustand 
der Mark finden. zeigen nur zu deutlich, 


Fa er u ° 


296 


dass ein Jeder der Herrscher nur darauf 
bedacht war, aus dem oft verpfändeten 
Lande soviel Geld als möglich zu zie- 
hen, unbekümmert um das Wohlergehen 
der Bevölkerung. Es war daher natür- 
lich, dass dieselbe mehr und mehr die 
Spannkraft zum Schaffen verlor und die 
Industrie, die sich durch die Einwande- 
rung der Holländer unter den Askaniern 
so sehr gehoben hatte, immer mehr zu- 
rücksank. In solchem trostlosen Zu- 
stande übernahm im Jahre 1412 der 
Burggraf Friedrich von Nürnberg, der 
vom Kaiser Sigismund zum Verweser 
eingesetzt worden war, die Mark. Mit 
ihm begann die Reihe der Hohenzollern- 
schen Fürsten und für die Mark eine 
neue und glorreiche Epoche. Von der 
mit Friedrich beginnenden Reihe der 
Churfürsten von Brandenburg, die bald 
ihren dauernden Sitz in Berlin nahmen, 
erbaute Friedrich II., der Eiserne, das 
erste Schloss in Berlin und Joachim I. 
(1499—1535), der besondere Liebe für 
Kunst und Gelehrsamkeit hatte, viele 
Künstler und (Gelehrte an seinen Hof 
zog, baute sich zuerst eine Burg in 
Potsdam, weil er gern dort verweilte. 
Sein Nachfolger, Joachim II., legte an 
einer Seite der Burg einen dreieckigen 
Schlossgarten an, den der Churfüst Jo- 
hann Georg 1571 — 98 erweiterte und 
durch seinen Amtsschreiber mit einer 
Anzahl Obstbäume bepflanzen liess. 
Dies sind die ersten Spuren und 
Anfänge von den Anlagen, die jetzt zu 
den schönsten von Europa gehören und 
dies sind die Anfänge der Luxus-Gärt- 
nerei überhaupt. Ausser den gewöhn- 
lichsten Gemüsen und Früchten wurde 
nur Hopfen im Grossen eultivirt und 
das damalige Amt von Potsdam besass 
einen sehr grossen Hopfen- und zwei 
Gemüsegärten; kleinere wurden ausser- 
dem an die Bürger gegen Zins verpach- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


tet. Unter dem Churfürsten Joachim 
Friedrich 1598— 1608 sehen wir schon 
einen 4 Morgen grossen Weinberg (am 
jetzigen Brauhausberge) entstehen, der 
jährlich gegen 20 Tonnen Wein lieferte. 
Die Gemahlin dieses Churfürsten legte 
den Grund zu einem grösseren Lustgar- 
ten, der durch einen breiten Weg in 2 
Theile getheili wurde, in einen grösse- 
ren, regelmässig mit Reihen von 
Obstbäumen dicht besetzten, und einen 
kleineren, südlich gelegenen Theil, der 
als Blumengarten benutzt wurde. Die- 
ser Blamengarten war ein Netz von sich 
rechtwinkelig schneidenden Wegen, zwi- 
schen denen kleine Beete je nach der 
Jahreszeit mit Anemonen, Narzissen, Ro- 
sen, Nelken, Leykoyen, Lack, Lilien und 
Astern bepflanzt waren. Zu diesem 
Garten war bereits ein churfürstlicher 
Gärtner angestellt, der ein Schüler des 
Berliner Schlossgärtners Desiderius Cor- 
tianus war, In Berlin wurde unter 
Joachim Il. (1535-71) der Anfang zum 
Thiergarten gemacht und unter seinem 
Nachfolger Johann Georg wurde der 
jetzt mit dem Namen Lustgarten be- 
zeichnete Platz zum Obst- und Gemüse- 
garten eingerichtet. Unter den beiden 
Nachfolgern Joachim Friedrich’s , unter 
Johann Sigismund 1608—1614 und Ge- 
org Wilhelm 1619 — 1640 wüthete 
der dreissigjährige Krieg, wo bald die 
Kaiserlichen, bald die Schweden plün- 
dernd und zerstörend die ganze Mark 
heimsuchten. Und konnte wohl Jemand 
an die Pflege der Künste denken, und 
an die Ausbildung der Industrie zu einer 
Zeit, wo dem Einwohner von dem mor- 
gen nachrückenden Freund das letzte 
Stück vielleicht weggeholt wird, das ein 
mitleidiger oder übersättigter Feind heute 
zurückgelassen? Wir übergehen jene 
Zeit der Schrecknisse und beschäftigen 
uns mit jenen Thaten, die der Nachfol- 


IL. Originalabhandlungen. 


ger des 1640 sterbenden Georg Wilhelm, 
der grosse Churfürst vollbracht hat. 

Die Geschichte ist gerecht und sie 
hat nicht umsonst den Churfüsten Frie- 
drich Wilhelm den Grossen genannt. 
Gross im Kriege und grösser noch im 
Frieden, war er der Wiedererwecker, 
der Beförderer der Kunst, ein thätiger 
Helfer und Gönner der Wissenschaft. 
Als der grosse Churfürst die Regierung 
antrat, besass er nicht viel mehr als 
das Recht, verlornes Land wieder zu 
erobern. Er hat mehr gethan, als die- 
ses; er hat die Bewohner dieses Lan- 
des ‘zu glücklichen Menschen gemacht. 
Mitten in den Kämpfen um sein Land 
dachte schon der grosse Churfürst da- 
ran, sich auf der Insel Potsdam einen 
heiteren Aufenthalt zu gründen. Im 
Jahre 1664, nachdem er die Erbhuldi- 
gung in Preussen angenommen, begann 
er auch sofort die Verwirklichung seines 
Planes, indem er eine Masse Herrschaf- 
ten, die Privateigenthum waren, ankaufte 
und Anstalten machte, die verschie- 
denen schönen Punkte der Insel 
‚Potsdam zu einem organischen 
Ganzen zu vereinigen. 

Seine erste Sorge war der Bau ei- 
nes neuen Stadtschlosses und 1660 liess 
er die Thürme und Ringmauern, die die 
alte Burg Joachim’s noch umgaben, nie- 
derwerfen und errichtete auf dem Grund- 
bau der alten Burg ein neues Schloss 
mit drei Geschossen, dessen stattliche 
Freitreppe die grüne Treppe genannt 
wurde. Dieser Name kam von den 
Orangenbäumen in Kästen, die auf der 
Treppe aufgestellt waren. Der zu dem 
Schlosse gehörige Lustgarten war wenig 
von den starren Formen der ersten An- 
lage abgewichen und scheint auch den 
Wünschen des Besitzers entsprochen zu 
haben, welcher von hier aus zu den 
schönsten Punkten der Umgegend lange 


297 


Linden-Alleen führen liess, Die schöne 
Gegend in der Nähe des Glienicker 
Werders regte ihn an, sich dort ein 
Lustschloss zu bauen. Nach Kopisch 
zerfirlen sämmtliche der Hauptgärten 
des grossen Kurfürsten in drei Abthei- 
lungen. 1) Ein Oblong von 20 Ruthen 
Breite und 52 Ruthen Länge, welches 
durch einen Mittelgang und einen ()uer- 
gang in 4 Theile zerfiel; die ersten bei- 
den Abtheilungen enthielten 2 viereckige 
Karpfenteiche, das zweite Oblong 15 
Ruthen breit und 33 Ruthen lang, war 
durch einen um dasselbe geleiteten Gra- 
ben zur völligen Insel gemacht worden 
und bildete die nächste Umgebung des 
7 Fenster breiten 3stöckigen Schlosses 
mit seinen einstöckigen Nebengebäuden. 
Das dritte Oblong, 20 Ruthen breit und 
105Ruthen lang, hatte an der Südwest- 
seite eine grosse Allee. Im Nordwesten 
dieser Anlage liess der Churfürst 5000 
Bäume pflanzen und auch auf die mit 
schönen Eichen bewachsene Pfaueninsel 
lenkte er bereits seine Aufmerksamkeit, 
indem er dorthin ein Jägerhaus bauen 
liess. Eine Hauptsorge blieben für ihn 
aber die Weinberge, deren es in der 
Umgebung eine bedeutende Anzahl gab 
und mit deren Beaufsichtigung die bei- 
den damals angestellten Gärtner, von 
denen jeder 120 Thaler Gehalt bekam, 
beauftragt waren. 

Diese Aufsicht musste eine gewis- 
senhafte sein, denn der Churfürst war 
selbst Gärtner; er pflanzte und veredelte 
Obstbäume und man erzählt, dass sein 
Feldmarschall Derfflinger, der ihm im 
Kriege so treu geholfen, ihm auch im 
friedlichen Geschäfte des Pilanzens treu 
zur Seite stand. Er erhielt nebst dem 
Hausmeister, Herrn v. Schwerin , stets 
die ersten Sämereien, besonders von 
Gemüsen, die der Churfürst oft ver- 
schrieb und diese beiden Männer waren 


298 


es auch, die mit dem Churfürsten die 
ersten Kartoffel zogen. 

Unter solchen Umständen konnte 
man erwarten, dass der Gartenbau ge- 
deihen würde und ces wird uns daher 
jetzt weniger überraschen, wenn wir 
hören, dass zur Verbesserung der Wein- 
berge, die sich rings in der Umgegend 
erhoben, der grosse Churfürst edle Wein- 
reben vom Rhein, aus Ungarn. Frank- 
reich und Italien kommen liess und dass 
die Sage geht, es wären im Jahre 1678 
im Bereich des Amtes Potsdam 848 
Tonnen Wein gezogen worden, Dass 
eine solche Ernte kein Ding der Un- 
möglichkeit gewesen, wird uns klar, 
wenn wir bedenken, dass bei einem sol- 
chen Beispiele des Herrschers gewiss die 
Unterthanen nicht zurückblieben; so be- 
deckte sich dann auch nach urkund- 
lichen Ueberlieferungen damals die ganze 
Nordseite des heiligen Sees mit Wein- 
pflanzungen und man zählte mehrals 1500 
Obstbäume allein in den churfürstlichen 
Gärten, die schon damals von reichen 
Wasserwerken belebt wurden. So fand 
man ausser einer Wasserorgel 6 grös- 
sere Springbrunnen und um das Schloss 
herum 36 kleinere, sowie 27 Caskaden. 
kechnen wir nun dazu, dass Garten und 
Park mit kleinen Lusthäusern, Statuen 
und dgl. erfüllt, dass die Umgegend 
durch kleine Schlösser geschmückt war, 
dass reiche Alleen den Park umgaben 
und gut gepflegte Aecker in der Ferne 
dem Beschauer den Anblick des Nütz- 
lichen neben dem des Schönen in der 
Nähe vorführten, so werden wir es 
glaubhaft finden, wenn uns berichtet 
wird, dass die Gärten des Churfürsten 
Friedrich Wilhelm die ersten in Deutsch- 
land, vielleicht sogar die ersten des 
ganzen nördlichen Europas waren. 

Der Geschmack jener Zeit war im 
Gartenstyl der holländische, bei dem 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


sich bereits der Einfluss der französi- 
sehen Mode geltend zu machen anfing, 
dieselbe breitete sich schnell aus, was 
wohl auf Rechnung der vielen Franzo- 
sen zu setzen war, welche 1685 durch 
die Aufhebung des Ediktes von Nantes 
aus ihrem Vaterlande vertrieben, am 
preussischen Hofe eine willkommene 
Aufnahme fanden. 

Für die Verschönerung seiner Re- 
sidenz sorgte der grosse Churfürst aus- 
ser durch Bauten auch durch die be- 
sondere Sorgfalt, die er nebst seiner 
Gemahlin dem Lustgarten zuwendete. 
Diesem Garten stand der ‚Churfürstlich 
Brandenburgische Hoff-Medikus und Gar- 
tenvorsteher Sigismund Elsholz‘“ vor 
und derselbe veröffentlichte im Jahre 
1666 ein Buch über „Gartenbaw oder 
Unterricht von der Gärtnerey“, aus dem 
wir ersehen, wie ausgebildet die Gar- 
teneultur jener Zeit gewesen. Kann 
sich der Autor auch noch nicht frei ma- _ 
chen von der von den Alten geerbten 
Ansicht, dass jede Arbeit bei bestimm- 
ten Mondphasen gemacht werden müsse, 
und erzählt er auch noch von „Drey 
zweifelhafften Vermehrungen: durch die 
Blume, durch den Saft und durch die 
Asche“ einer Pflanze, wie es Theophrast 
beschreibt, so sind doch ändrerseits eine 
Menge trefilicher Anmerkungen, die auch 
jetzt noch ihre Anwendung finden, da- 
rin. Die sämmtlichen Geräthe, die der 
Verfasser sorgsam abbildet, gleichen fast 
ganz den unsrigen. Auch giebt er 
Ideen über die Anlage von Glashäusern 
bei seiner Beschreibung der beiden 
grossen Orangenhäuser, welche sich auf 
den beiden Längsseiten des Lustgartens 
hinzogen. So räth er z. B. zu beweg- 
lichen Fenstern, um während des Som- 
mers das ganze Glashaus fortnehmen 
zu können und empfiehlt auch das Aus- 
pflanzen in den freien Grund innerhalb 


I.  Originalabhandlungen. 


der Häuser. — Als Ursache des Bran- 
des an den Obstbäumen gibt er Fol- 
gendes an: „Darnach, wenn bey dem 
. Versetzten ein Baum seynen stand nicht 
wieder kriegen, sondern die braune 
Ostseite nach Westen zuwendet, 80 
kommt die Nordseite gegen Süden. Weil 
nun sotane Nordseite der Mittagssonne 
nicht gewöhnet, so wird ihre Rinde aus- 
gedörret und vom Holz abgesondert, 
auch wohl bissweilen gespalten: Daher 
geschieht es, dass der Baumbrand nir- 
gend öfter, als an der Südseite der 
Bäume gesehen wird. Ist derowegen 
bei dem Versetzen der Bäume keines- 
wegs gering zu achten.‘ — 

Wir sehen, wie sich der Gärtnerei 
um diese Zeit die ersten intelligenten 
Kräfte zuwandten. Und zu dieser Grund- 
lage kamen nun die französischen Gärt- 
ner und unter dem Nachfolger des gros- 
sen Churfürsten Friedrich III., (später 
König Friedrich I.) auch 5—6000 Wal- 
lonen aus dem Fürstenthum Oranien, 

Der Sinn des neuen Herrschers 
für die Kunst liess die intelligenten 
Kräfte nicht lange unbenutzt; denn bald 
nach seiner Krönung am 18. Januar 
1701 liess er breite, schattige Alleen 
durch den Thiergatten nach Charlotten- 
burg, nach Schönhausen und Friedrichs- 
felde (kleine Flecken mit schönen Gär- 
ten in der Nähe Berlin’s) anlegen. Unter 
ihm entstanden die Akademie der Wis- 
senschaften und Künste in Berlin, der 
Prachtbau des Schlosses, des Dom’s, 
das Zeughaus und die lange Brücke mit 
der Statue des grossen Churfürsten. 

Auch dem Potsdamer Lustgarten 
wendete König Friedrich I. seine Sorge 


299 


zu und gab ihm seine jetzige Gestalt. 
Die Früchte, die damals dort gezogen 
wurden, sollen ausgezeichnet gewesen 
sein und der benachbarte Hofgarten zu 
Bornim zählte z. B, 119 Aprikosen- 
bäume, 96 Pfirsich, 158 Weinstöcke, 
289 Birnbäume, 203 Kirschen, 2 Cor- 
nelkirschen, 1 grossen Maulbeerbaum, 
9 Wallnussbäume und 10 Mandelbäume 
sowohl am Spalier, als im Freien. Die 
Mistbeete waren gut im Stande und 
16 gläserne Glocken für Melonen vor- 
handen, Auch wird im Potsdamer Ar- 
chiv ausserdem eines Blumentopfes aus 
Porzellan. 30 irdener Töpfe mit Henkel 
und 60 ebensolcher ohne Henkel Er- 
wähnung gethan. Die Beete, die be- 
sonders reich an Tulpen, waren mit 
Buchsbaum umzogen und in der Mitte 
eines jeden befanden sich 2 Schneeball- 
Bäume. Glashäuser waren hier noch 
nicht vorhanden. Die geistreiche Ge- 
mahlin des Königs, Sophie Charlotte, 


| hatte 1694 von ihrem Gemahl den Ort 


Lietzen bei Berlin zum Geschenk er- 
halten. Dort entstand jetzt durch den 
Baumeister Schlüter ein Schloss und 
der Gartenkünstler Le Nötre legte dazu 
den grossen Park an, der seit dieser 
Zeit ein Lieblingsaufenthalt der König- 
lichen Familie geworden und der jetzt 
unter seinen ehrwürdigen Bäumen das 
Mausoleum schützend birgt, die Ruhe- 
stätte der Preussen unvergesslichen Kö- 
nigin Louise. 

Dieser Ort ist Charlottenburg. des- 
sen Name von der ersten Besitzerin des 
Schlosses herrührt. 


(Fortsetzung felgt.) 


300 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


4) Ungewöhnliche Gartenzierpflanzen. 


Die Pariser Stadtanlagen, einschliess- 
lich Park von Vincennes und Bois de 
Boulogne sind gegenwärtig Schulen für 
neue Pflanzen-Decorationen, denn dort 
werden, so zu sagen, alle Pflanzen pro- 
birt, ob sie im Soinmer im freien Lande 
gezogen werden können, oder wenig- 
stens mit eingesenkten Gefässen zum 
Schmucke der Anlagen dienen können. 
Solche Versuche sind natürlich höchst 
nützlich und eine Schule für die Gär- 
ten aller Länder, wo Aehnliches mög- 
lich ist. Dass man bei Versuchen auch 
auf Pflanzen verfällt, die eine solche 
Bevorzugung nicht verdienen, dass das 
Gute, alte Bewährte durch die neuen 
Fremdlinge unterdrückt wird, ist selbst- 
verständlich. Es war aber auch eine 
solche Revolution in Paris (also Frank- 
reich) recht nothwendig, denn man 
musste erstaunen, wie einfürmig früher 
der Blumenschmuck in den Pariser Gärten 
gehalten war, nicht einfach in der Ver- 
wendung, sondern wirklich nur auf ei- 
nige wenige Prunkpflanzen beschränkt. 
Nach verschiedenseitigen Mittheilungen 
zu schliessen, ist man dort jetzt in das 
Gegentheil verfallen und artet in Ueber- 
füllung und Sucht nach vorwiegend Fremd- 
artigem aus, und gefällt sich in barrocken 
Verbindungen. Ich glaube auch, dass 
die jetzt übertriebene Anwendung der 
roth- und weissblätterigen Pflanzen dort 
ihren Ursprung hat. 

Wenn jetzt alles auf Paris sieht, 
so darf man nicht vergessen, dass Ber- 
lin und Potsdam schon vor mehr als 
30 Jahren eine ähnliche, aber viel ed- 
lere Schule war, und es noch jetzt ist. 
Schon Gartendirector Otto im könig- 


geeignet scheinenden Pflanze und ver- 
breitete sie von da in die königlichen 
Gärten, wo dann von den königlichen 
Hofgärtnern H. Sello, C. und G. Fin- 
telmann, Nietner u, a. m. Ver- 
suche im Grossen gemacht wurden, die 
sie auch mit von anderer Seite erhal- 
tenen Pflanzen umfassend anstellten. 
Diesen Männern verdanken wir zunächst 
die Einführung und Kenntniss der ge- 
schmackvollen Verwendung der älteren 
Blattpflanzen. Der Nachfolger Otto’s, 
Garteninspector C. Bouche&, verfolgte 
denselben Zweck, wo möglich noch eifri- 
ger und führte seit mehr als 20 Jah- 
ren manche der schönsten Zierpilanzen 
in die Gärten ein, Ich muss, um Allen 
gerecht zu werden, noch einiger Män- 
ner gedenken, welche früher Gärtner 
des botanischen Gartens, später Ober- 
gärtner in Prientgärten wurde, vorzüglich 
der Herren Pilder in Wilmersdorf bei 
Berlin und Gäerdt im Borsig’schen 
Garten zu Moabit, welche seit Anfang 
ihrer selbsständigen Stellung nach jeder 
Seite hin Versuche mit decorativen 
Pflanzen machten und, wenn man 80 
sagen darf, die Erfinder mancher jetzt 
überall nachgeahmten Pflanzenzusammen- 
stellung wurden. Es würde zu weit füh- 
‚ wenn ich berichten wollte, was 
andere Gärtner, namentlich auch jün- 
gere, noch nicht genannte Königliche 
Gärtner geleistet haben, und ich be- 
merke nur noch, dass Berlin und Pots- 
dam in Erfindung neuer Decorationen 
und Anwendung neuer Pflanzen in der 
angedeuteten Weise fortfahren. 

Herr ProfessorK. Koch hat in der 
„Wochenschrift für Gärtnerei und Pflan- 


ren 


lichen botanischen Garten untersuchte | zenkunde“ mehrmals Nachricht von den 
den decorativen Werth fast jeder ihm | Pariser Pflanzendecorationen gegeben, 


I. Originalabhandlungen, 


auch einzelne Anlagen beschrieben. Ich 
will die dort genannten Pflanzen nicht 
aufzählen, sondern nur die Notizen 
eines deutschen Gärtners mittheilen, 
‘welcher längere Zeit in den Pariser An- 
lagen und in der zur Anzucht der nö- 
thigen Blumen bestimmten Gärtnerei im 
Boulogner Wald (genannt ,‚‚Muette‘) 
gearbeitet hat, wodurch die Aufzählung 
in der Wochenschrift vervollständigt 
wird. 

Vorigen September im 
Park von Monceaux eine blühende Musa 
Ensete im Freien, allerdings mit dem 
Kübel eingesenkt. Grosse Gruppen von 
Musa rosacea und chinensis (Cavendishi) 
sind sehr gewöhnlich. Solanum 
amazonicum, unstreitig das am schön- 
- sten blühende dieser Gattung, aber bis- 
her fast nur im Warmhause ceultivirt, 
schmückte 1865 mehrere Beete und 
blühte prächtig. Häufig ist Solanum 
marginatum, seltener S. discolor (im 
Schatten) angepilanzt. — Häufig sind 
die farbigen Coleus Verschaffelti, Achy- 
ranthes Verschaffelti (Iresine Herbsti), 
Althernanthera paronychioides, Gna- 
phalium lanatum, Centaurea ragusina, 
Konigia maritima fol. var, Cerastium to- 
mentosum, Cineraria maritima. Mit 
Cerastium umgiebt man häufig Conife- 
ren (was oft wiederholt ziemlich när- 
risch aussehen muss). — Hibiscus rosa 
sinensis fl. pl. in mehreren Farben, 
blühte lange und voll. Von Saccharum 
officinale, dem Zuckerrohr, sah man 
mächtige Exemplare (was mir wenig- 
stens ganz neu ist). — Cassia flori- 
bunda und laevigata kommen häufig 
vor. Von Fiecus elastica sind ganze 
Gruppen angepflanzt. — Hedychium 
Gardnerianum blühte dankbar, auch als 
junge Pflanze, (blüht nur an jungen 


sah man 


301 


Trieben und schon 1846 bei mir im 
Freien). — Von Caladium (Colocasia) 
werden ©. DBataviense, antiquorum, 
albo-violaceum ete. ausgepflanzt, von Be- 
gonia sind ricinifolia, fuchsioides, In- 
grami, lueida, Prestoniensis, discolor 
sind häufiger als tomentosa,, Rex var. 
empereur (magnifica?), xanthina splen- 
dens ete. — Von Canna sind alle be- 
kannten Sorten ausgepflanzt, darunter 
eine sehr grossblätterige Ü. gigantea, 
welche von den in Deutschland verbrei- 
teten ganz verschieden sein soll. 
Was unter Dianthus semperilo- 
rens*) mit rothen und weissen Blumen 
versteht, welche Nelke dort viele Beete 
einnimmt, weiss ich nicht. Cyr- 
tanthera magnifica wird als Einfassung 
(2 etwas hoch!) benutzt, und von Eu- 
calyptus Globulus findet man ganze 
Gebüsche. — Das beliebteste Pelargo- 
nium zum Auspflanzen ist Gloire de 
Paris, welches viel mehr vertragen soil 


man 


als andere Sorten. Diese auch bei uns 
verbreitete , sehr grossdoldige Sorte 
wächst etwas hoch und dünn. Sollte 


man in Paris vielleicht eine andere Sorte 
haben? Ein einziges Haus von diesem 
Pelargonium enthielt 10,000 Stück. — 
Von Lantanen ist Lantana delicatissima 
bevorzugt, welche ganz niedrig bleibt, 
von Heliotropien Madame. boulanger, 
Madame Michel, Reine d’hiver, Reine des 
Sehr beliebt ist Ageratum 
coelestinum (Coelestina coerulea) fol. 
var., welches niedergehakt viel rei- 
cher blühen soll. In Deutschland be- 
ginnt diese Pflanze erst im Spätsommer 
zu blühen und erfriert olt, wenn sie 
am schönsten ist. J. 


violettes, — 


*) Ein Bastard von unserer Gartennelke. 


302 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


5) Das landwirthsechaftliche Nluseum des Ministeriums der 
BReiehsdomänen in St. Peiersburg. 


Das landwirthschaftliche Museum, 
welches in Petersburg seit einigen Jah- 
ren eingerichtet worden ist, hat den 
Zweck 1) den Landwirthen diejenigen 
Gegenstände zur Anschauung zu brin- 
gen, mit denen sie sich vornehmlich zu 
befassen haben, 2) in Russland zur Ver- 
breitung nützlicher landwirthschaftlicher 
Geräthschaften und Maschinen beizu- 
tragen, 3) russischen Mechanikern Ge- 
legenheit zu bieten, die Einrichtung der 
in der Landwirthschaft gebräuchlichen 
Geräthschaften und Maschinen gründlich 
kennen zu lernen, Zeichnungen von 
denselben aufzunehmen und sie nachzu- 
ahmen , zu welchem Zwecke es erlaubt 
ist, gegen ein Pfand Modelle nach Hause 
zu nehmen, 4) mittelst in dem Lokale 
zu haltender erläuternder Vorträge als 
Pflanzschule wissenschaftlicher und prak- 
tischer Kenntniss in allen Zweigen land- 
wirthschaftlicher Technik in Russland 
zu dienen und 5) den mit dem Studium 
der Landwirthschaft Beschäftigten die 
nöthigen Hülfsmittel als Bücher, Zeich- 
nungen, Tabellen ete. an die Hand zu 
geben. 


A. Mechanische Abtheilung. 


Es sind in derselben alle nützlichen 
Geräthschaften und Maschinen, von den 
einfachsten an bis zu den allerzusam- 
mengesetztesten, vertreten. Die einzel- 
nen Gegenstände sind durch Etiquetten 
mit Angabe der Benennung, des Preises 
und Verfertigungsortes bezeichnet. Sie 
sind in folgende Unterabtheilungen ver- 
theilt: 


I. Geräthschaften zur Beackerung. 


Amerikanische, deutsche, französi- 


sche, englische und russische Pflüge, 
Hakenpflüge, Esgen, Schnellpflüge, 
Walzen, Apparate zum Schollenzermal- 
men u. dgl. m. Ausserdem eine Samm- 
lung von Modellen, welche die allmälige 
Vervollkommnung der zum Pflügen ge- 
brauchten Geräthschaften darstellt. 


Geräthschaften zum Besäen des 
Ackers. 


II. 


Sämaschinen, Instrumente zum Se- 
tzen, Qultivatoren u. dgl. m. 


III. Geräthschaften zur Ernte. 


Sensen, Sicheln, Kornschneidema- 
schinen, Rechen für Pferdekraft, Heu- 
wendmaschinen, Heupressen u. dgl. m. 


1V. Geräthschaften zum Dreschen, Wor- 
feln und Sortiren der Körner. 


Grosse und kleine Dreschmaschinen, 
Dreschflegel für Mais und Klee, Sortir- 
geräthschaften. 


V. Geräthschaften zum Transportiren, 
Zwei- und vierspännige Erntewa- 
gen, Karren, Wasserkarren, Pflugschlit- 


ten u. dgl. m. 


Geräthschaften zum Drainiren und 
zur Wiesenbearbeitung. 


ER 


Maschinen zur Drainröhrenberei- 
tung, zum Drainiren, Wieseneggen, Mo- 
delle der verschiedenen Drainir- und Be- 
wässerungsmethoden. f 


VII. Geräthschaften zur Verarbeitung 
von Produkten der Landwirthschaft. 


Pferde- und Dampfmühlen, Wurzel- 
und Strohschneidemaschinen, Maschinen 


I. Originalabhandlungen. 


zum Zerschroten der Oelkuchen, des 


Kornes u. dgl. m. 


VIII. Motionsapparate. 


Wellen, Locomobile,, arbeitendes 
Modell einer Dampfmaschine, 


IX. Maschinen zum Wasserheben. 


Pumpen nach den wichtigsten Sy- 
stemen, Pumpenstengel, Klappen; mit- 
telst Wasser und der Lenoir’schen Gas- 
maschine in Thätigkeit gebrachte Mo- 
delle von hydraulischen Rädern, Turbi- 
nen und Wasserhebemaschinen. 


X. Zubehör der Milchwirthschatt. 


Geschirre, Milchmesser, Geräth- 
schaften zur Milch- und Käsebereitung 
u. dgl. m. 


XI. 


Geschirr, Joche, 
mente u. dgl. m. 


Zubehör der Viehwirthschaft. 


Veterinär-Instru- 


XII. Zubehör der Bienenzucht. 


Bienenstöcke nach verschiedenen 
Systemen und anderes Geräth. 


XIHI. Geräthschaften aus verschiedenen 
Zweigen der Landwirthschaft. 


Hier sind Gegenstände placirt, die 
in den vorigen Gruppen nicht gut un- 
tergebracht werden konnten, als: Ma- 
schinen zum Wäschereinigen, Bleichen; 
Deceimalwagen, Maschinen zum Weben 
von Strohmatten , Flachsbrechen, Kno- 
ehenmahlen, Holzspalten, Hand- und 
Dampfsägen, tragbare Essen u. 8. w. 


XIV, Landwirthschaftliche Baulichkei- 


ten. 
Modelle von Dreschtennen, Dörr- 
räumen, Viehhöfen, Schafställen und 
dgl. m, 


303 


XV. Gartenwerkzeuge. 


Garten - und Veredlungsmesser, 
Baumscheeren, Obstbrecher, Geräthe 
zum Pflanzen, Säen u, Ss. w. Die Wir- 


kung zusammengesetzler Maschinen wird 
durch beigelegte Zeichnungen erläutert, 


B. Technische Abtheilung. 


Diese Abtheilung sehliesst die in 
der Landwirthschaft gebrauchten und 
derselben erzielten Produkte der 
drei Naturreiche in sich, Ausser den 
Fachmann speeciell interessirenden Samm- 
lungen finden sich: 


von 


XVI. Stoffe, die dem Menschen und 
den Hausthieren zur Nahrung dienen. 


Vorausgestellt ist ein anatomisches 
Phantom des menschlichen Körpers, mit. 
Angabe des Zahlenverhältnisses der ein- 
zelnen Bestandtheile desselben. Die 
wichtigsten Nahrungsmittel (in Mengen 
von 1 Pfd.) und. daneben ihre Bestand- 
theile in denselben Verhältnissen, wie 
solche sich in den Nahrungsmitteln finden; 
ebenso das Futter der Hausthiere und 
dessen Bestandtheile. (Zur leichteren 
Bestimmung der Nahrungsfähigkeit aller 
dieser Stoffe sind vergleichende Tabellen 
beigefügt; ebenso Tabellen über den 
Verbrauch gewisser Nahrungsmittel in 
verschiedenen Ländern u. s. w.) 


XVIl 


Sammlung aller europäischer Woll- 
sorten (gegen 200 Muster), von ge- 
gerbten und rohen Vliessen. 

Sammlung von Produkten der wich- 
tigsten Hausthiere, nach den Thieren 
geordnet, von denen sie kommen. Vom 
Rindvieh: Milch, Butter, Käse, Horn, 
Knochen, Haut, Leim, u.s. w., vom Pferde: 
Haar, Haut u.s.w.; vom Schafe: Wolle, 
Gewebe, Schafspelze u. s, w. 


Erzeugnisse von Hausthieren. 


304 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


XVII. Hülfsmittel zur Naturgeschichte | Wetzsteinen dienen; Muster von plasti- 


der Hausthiere. 


Abbildungen und Papiermache-Mo- 
delle der verschiedenen Racen von Haus- 
thieren. (Ueberall !/, nat. Grösse). 

Präparate zur Anatomie der Haus- 
thiere, theils zum Auseinandernehmen, 
theils einzeln, als: vom kranken und 
gesunden f'usse des Pferdes, von Pfer- 
dezähnen aus verschiedenen Altersstufen, 
von Rindsmagen, Ochsenzähnen, u. s. w. 

Sammlung ausgestopfter Hausvögel, 
besondere der verschiedenen Hühner- 
racen. 


XIX, Produkte des Pflanzenreichs, 


a) Sammlung von in wirthschaft- 
licher und technischer Beziehung wich- 
tigen Pflanzen. Es sind sowohl die 
ganzen Pflanzen, als besondersihre wich- 
tigen Theile ausgestellt. Darnach kom- 
men die daraus gefertigten Erzeugnisse: 
Mehl, Brod, Graupen u. s. w. Beigefügt 
sind erläuternde Tabellen. 

b) Sammlung von für die Forst- 
wirthschaft wiehtigen Pflanzen. 
den Bäumen und Sträuchern sind Zweige, 
Blüthen, Früchte, Holzdurchchnitte und 
die von ihnen gewonnenen Produkte, als 


Holzwaaren, Bast, Matten u. s. w. aus- 
gestellt. 
XX. Produkte des Garten- und Ge- 


müsebaues. 
Zeichnungen und Modelle der be- 


sten Früchte und Gemüse, 


XXI. Produkte des Mineralreichs. 


Die Gebirgsarten, die zu Mühl- und 


Von 


schen Thon-Töpferwaaren. 


XXIII. Düngstoffe. 

Muster der in der Landwirthschaft 
gebrauchten Düngstoffe nebst ihren Be- 
standtheilen. Ueber die Zahlenverhält- 
nisse der Bestandtheile zu einander sind 
Tabellen beigefügt. 


XXIII. Werke über Landwirthschaft 
und ihre Nebenwissenschaften. 

Es sind hier die besten in dieser 
Richtung in Russland herausgekommenen 
Schriften aufgelegt. 

XXIV,. Messinstrumente. 

Apparate zum Änalysiren verschie- 
dener Bodenprodukte, Wollmesser, Mass- 
stäbe, Dynamometer, Araeometer für 
Jauchen u, dgl. m. 


Dieses Museum ist vom Ministerium 
der Reichsdomänen gegründet worden 
und befindet sich in dem grossen frühe- 
ren Exerzierhause gegenüber dem Win- 
terpalais in dem Centrum der Stadt. 
Als Direetor steht demselben Hr. Nico- 
lai Wassiliwitsch Tschernaietf vor. — 

Mit dem Museum ist ein Comptoir 
verbunden, welches die Ausführung von 
Bestellungen auf Maschinen und andere 
in das Bereich der Landwirthschaft ein- 
schlagende Gegenstände übernimmt. 

Montag, Mittwoch und Freitag ist 
das Museum dem Publikum ohne Ein- 
trittspreis geöffnet. 

Ausserdem werden im Museum die 
ausgestellten Gegenstände von den An- 
gestellten erklärt und Vorträge über 
Landwirthschaft gehalten. — 


I. Originalabhandlungen. 


305 


6 Ueber Cyperus alternifolius fol. variegatis und die Erhaltung 
buntblätteriger Spielarten. 


Eine wirklich schöne Decorations- 
pflanze für Gewächshäuser, für Zimmer- 
aquarien, — oder auch zum Auspflanzen 
an die Ränder von Bassins etc., ist der 
Cyperus alternifolius L. aus Madagas- 
gar. Die auf den 1—3 Fuss hohen 
Schaften schirmförmig gestellten schma- 
len grasförmigen Blätter hängen schön 
über und geben dieser Pflanze eine so 
recht fremdartige Tracht. 

Es war daher die Verbreitung der 
Abart mit weiss gestreiften Blättern und 
oft auch mit rein weissem Schafte durch 
Van Houtte wohl zahlreichen Blumen- 
freunden, und insbesondere den 
Freunden der Aquarien, sehr willkom- 
men. Diese Abart wurde vom Gärtner 
des Herrn Hänel in Magdeburg, Herrn 
Dressler, zufällig erzogen und vom 
Herrn Louis Van Houtte verbreitet. So 
schön diese weiss panachirte Form nun 
auch ist, — so besitzt sie doch den 
Fehler, sehr leicht wieder auszuarten 
und so mancher, der solche angeschafft, 
hat bald an Stelle derselben nur noch 
die grüne gewöhnliche Form behalten, 
Auch im hiesigen Botanischen Garten 
erging es uns So. 

Nahrhafte Erde, — und besonders 
auch die Vermehrung durch Stecklinge, 
scheinen das Ausarten zu bedingen. Man 
pflanze daher, um diese Form sich zu 
erhalten, solche in kleine Töpfe in eine 
magere Heide- oder Torferde und stelle 
sie ins Wasser oder in Untersätze mit 
Wasser zur Zeit der Triebperiode. End- 
lich vermehre man solche nicht durch 
Stecklinge, sondern nur durch Theilung 
des Wurzelstockes. 

Wir haben schon darauf aufmerk- 
sam gemacht, dass von Siebold auf 

X. 1866. 


dem Congress zu Brüssel, eine, wie es 
scheint, Lieblings-Idee desselben, 
sehr ausgesponnen und ausgemalthat, — 
dass nämlich die panachirten Abarten, 
in Folge der Ueberführung der Pflanzen 
in kältere Klimate, entständen und dass 
die zahlreichen Spielarten der Art, die 
sich in den Gärten Japans finden, diese 
Art der Entstehung hätten. 

Wir erwiederten schon auf dem Con- 
eress in Brüssel dem Herrn von Siebold, 
dass die vielen buntblätterigen Pflanzen, 
welehe die Japanesen !cultiviren, sich 
einfach dadurch erklärten, dass in Japan 
die Mode nicht einen derartigen Einfluss 
auf die Cultur der Zierpflanzen bis jetzt 
gehabt habe, wie in den Gärten Europas, 
wo neue Einführungen stets das Alte 
verdrängen und unsere Culturen in Zeit 
von wenigen Jahrzehnten einen ganzan- 
deren Ausdruck geben. In Japan sind 
factisch schon seit Jahrhunderten die 
buntblätterigen Spielarten der eigenen 
heimischen Pflanzen, von den Garten- 
freunden gesucht. So würden zufällig 
entstandene Spielarten der Art, dort schon 
seit Jahrhunderten in den Gärten zu fixi- 
ren versucht und so erklärt sich die ver- 
hältnissmässig grosse Masse buntblätte- 
riger Pflanzen in Japans Gärten schr 
leicht, ohne eine sicher falsche 
Hypothese als Grundlage annehmen zu 
müssen. 

Dass dies wirklich die Ursache ist, 
das zeigt der gegenwärtige Zustand un- 
serer Culturen sehr deutlich. Kaum 
sind panachirte Pflanzen ein beliebter 
Modeartikel geworden, und schon 
tauchen in unseren Gärten eine ganze 
Masse buntblätteriger Abarten von alten 
bekannten Pilanzen und selbst von sehr 

20 


306 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


vielen bei uns wild wachsenden Pflan- | blos der in Rede stehende C. alternifo- 
zenarten auf, — und die Masse dersel- | lius leicht wieder zur grünen Stammform 
ben wird sich voraussichtlich auch ferner- | zurückkehrt, sondern dass dies sehr viele 
hin noch rasch vermehren, — so lange | solcher panachirter Formen zu thun 
die Liebhaberei für derartige Pflanzen | pflegen. Zur constanteren Erhaltung 
bei uns andauert. derselben haben uns die Gärtner Japans 

Die Entstehung der panachirten Ab- | den rationellsten Weg gezeigt, indem 
arten ist eine rein zufällige. Es ist da- | dieselben (nach den Mittheilungen des 
bei sogar thatsächlich durch eine Menge | Herrn C. Maximowiez, eines durchaus 
constatirter Fällenachgewiesen, dass sel- | zuverlässigen Beobachters), diejenigen 
ten ein ganzes Exemplar diese Umbil- | Individuen, die zur grünen Stammform 
dung von sich aus einging, — Sondern | zurückkehren wollen. recht trocken hal- 
dass sich die Panachirung zufällig an |ten und der vollen Einwirkung der Sonne 
einzelnen Aesten eines Individuums | aussetzen. Also Entziehung von Nah- 
zeigte. Durch Wegschneiden dieser zu- | rung macht zolehe paranchirte Formen 
fällig panachirt gewordenen Theile des | constanter und das simmt vollständig 
Individuums und ungeschlechtliche Fort- | mit den bei uns gesammelten Erfahrun- 
pflanzung derselben durch Stecklinge | gen, indem es vorzugsweise üppig wach- 
oder Veredlung, wurden diese Formen | sende Exemplare sind , welche zur grü- 
dann erst zu fixiren gesucht. nen Stammform zurückkehren. 

Bekannt ist es ferner, dass nicht (E. R.) 


%) Cultur der Franciscea-Arten. 


Die Franeiscea-Arten sind leicht zu | erlaubt, etwas gelüftet und nur schwach 
erziehen und zu cultiviren. Man stellt | beschattet. Ein zur Zeit des Triebes 
solche auf einem Tische des niedrigen | von Zeit zu Zeit, etwa alle 10 Tage, 
Warmhauses nahe dem Lichte auf und | wiederholter Dungguss, wird einen üppi- 
pflanzt sie in eine lockere lehmige Wie- | gen Trieb und zahlreiches Erscheinen 
senerde der !/, Heideerde oder Lauberde | kräftiger Blumen, sehr befördern und ist 
und wo der Sand in der Erde fehlt, | einer Vermischung der Erde mit verrot- 
auch noch Sand beigemischt wird. Mitte | tetem Kuhdünger , sehr vorzuziehen. — 
Februar wird vorsichtig verpflanzt und | Sollten einzelne Triebe zu lang werden, 
dabei eine starke Scherbenunterlage zum | so wird. deren Spitze ausgekneipt und 
Abzug des Wassers gegeben. Um diese | ausserdem müssen junge üppig wach- 
Jahreszeit ist es von sehr vortheilhafter | sende Pflanzen nach 8&—10 Wochen zum 
Wirkung, wenn man den Topf in ein | zweiten Mal umgepflanzt werden. Bei 
erwärmtes Beet einsenken kann, um der | diesem zweiten Umpflanzen wird aber 
Pflanze unter Einfluss von Bodenwärme, | der Ballen gar nicht beschädigt, sondern 
den Trieb machen zu lassen. Bei hel- | die Pflanze, nachdem nur die Scherben- 
lem sonnigem Wetter wird fleissig ge- | unterlage entfernt ist, vorsichtig in einen 
spritzt, wenn es die äussere Temperatur | etwas grösseren Topf gepflanzt. Nach 


II. Neue Zierpflanzen. 


Vollendung des Triebes stellt man die 
Pilanze wieder auf einen Tisch oder 
Sandbeet, ohne solche einzusenken und 
lässt sie so bis zum folgenden Februar 
stehen. 

Vermehrung durch Stecklinge, die 
vom Januar bis zum Juli gesteckt wer- 
den. Man wählt hierzu jüngere Zweige, 
die unmittelbar unter einem Auge abge- 
. schnitten werden und ins warme Ver- 


a) Abgebildet im Botanical Maga- 
zine. 


1) Peperomia marmorata Hook. Pipe- 
raceae. Eine vom Sammler der Royal Hor- 
tieultural Society, Herrn Weir, aus Südbra- 
silien eingeführte buntblätterige Decorations- 
pfanze für's Warmhaus, die von den Herren 
Veitch u. Sohn alsP. arifolia vertheilt wurde. 
Eine durchaus kahle robuste Pflanze, mit 
stielrundem verästeltem Stengel. Blätter ge- 
genständig, dicht gestellt, fleischig, aus tief 
herzförmigem Grunde oval, stumpf, mit über- 
einander liegenden Basallappen, oberhalb 
braungrün und silberweiss marmorirt, unter- 
halb heller, 5nervig. Die 4—6 Zoll langen 
schwanzförmigen Blüthenkätzchen fast spi- 
tzenständig, stielrund, gestielt. Bracteen 
schildförmig, mit verbreiteter kreisrunder 
Spitzenfläche und dickem, verkehrt kegel- 
förmigem Stiel. Fruchtknoten verkehrt ei- 
förmig, drüsig, Narbe fast spitzenständig, 
sitzend, scheibenförmig, gewimpert. — Nach 
Hooker eine vorzüglich schöne Decorations- 
pflanze, die das ganze Jahr hindurch in 
vollem Blätterschmuck prangt. — 

(Tab. 5568). 

2) Ericinella Manni Hook. Evriceae. 
Dalton Hooker beschrieb diesen bis 12 Fuss 
hohen Strauch, aus der Gruppe der Heide- 
kräuter, schon im Journal of the Linn. So- 


Neue Zie 


30% 


mehrungsbeet, oder unter Glocken in 
Näpfe gesteckt und in ein Warmbeet 
eingesenkt, leicht und schnell sich be- 
wurzeln. Wie bei den meisten Steck- 
lingen ist es auch hier vorzuziehen, die 
Stecklinge in eine übergebrachte Schicht 
reinen Flusssandes zu stecken, da sie 
im Sand sicherer und schneller, als in 
Erde gesteckt, sich bewurzeln, 
E, Regel. 


rpflanzen. 


von G. Mann auf der Westküste von Afrika 
in einer Höhe von 10,000 Fuss über’m Meere 
auf Fernando Po und bei 4—11,000 Fuss auf 
den Cameroons Gebirge, entdeckt. In der 
Tracht gleicht dieser zarte Strauch gänzlich 
einer Erica. Ein viertheiliger Kelch, von dem 
ein Lappen viel grösser als die andern, 4—5 
Staubfäden und eine schildförmige Narbe 
charakterisiren die Gattung. Ein sehr ästi- 
ger Strauch von zartem Wuchs. Aestchen 
weichhaarig-ülzig. Blätter schmal linear, zu 
4 in Quirlen, kahl. Blüthenstielchen spitzen- 
ständiglänger als die Blätter, 3blumig. Blumen 
klein, glockenförmig, roth. Staubfäden ein- 
geschlossen. Griffel hervorsehend. Cultur 
mit den andern Heidekräutern. — 
(Tab. 5569.) 

3) Polychilos cornu -cervi Kuhl van 
Hass! (R®. vSENNOrch Tabak 8 Pha- 
laenopsis cornu-cervi Rchb. fill. Xen. Or- 
chid. Epiphytische Orchidee von der 
Tracht einer Phalaenopsis aus Moulmein. 
Blätter stehen am Stengel zweizeilig, leder- 
artig, keilförmig-länglich, ungefähr eine 
Spanne lang, spitz. Blüthenstiel seiten- 
ständig, aufrecht, nach oben keulig verdickt, 
die Blumen in einer 6—12 blumigen Traube 
tragend, die Blüthenspindel geflügelt. Kelch- 
und Blumenblätter länglich-lanzettlich, aus- 
gebreitet, spitz, kaum 1 Zoll lang, auf gel- 
ben Grunde mit rothen Querstreifen. Die 


eiety VI. 16 und VII 203. Derselbe ward | Lippe mit kurzen abgerundeten Seitenlap- 


20 * 


308 


pen und mondförmigen, stark verbreiterten 
Spitzenlappen, von weisslicher Farbe, unmit- 
telbar in die halbstielrunde verlängerte Grif- 
felsäule übergehend, die am Grunde 2 Höcker 
trägt. — (Tab. 5570). 
4) Tacsonia Van-Volxemii Lem. Eine 
der schönsten Passifloren mit scharlachrother 
Blume, die die Gartenflora schon besprach. — 
(Tab. 5571). 
5) Miltonia anceps Rchb. fil. (Rchb. Xen. 
Tab. 21. — Odontoglossum anceps Kl. Allg. 
Grtztg. 1851.) — Eine epiphytische Orchidee 
Brasiliens. Scheinknollen zusammengedrückt, 
länglich-oval, tragen je 2 längliche Blätter. 
Blüthenstiel zweischneidig mit einer spitzen- 
ständigen Blume, etwas länger als die Blät- 
ter. Kelch- und Blumenblätter länglich- 
lanzettlich, zurück gekrümmt abstehend oli- 
venfarbig. Lippe leierförmig weiss und mit 
einzelnen Purpurstreifen und Flecken ge- 
zeichnet, so lang als die Blumenblätier, am 


Grunde behaart und mit 3 kurzen Leisten 
auf der Scheibe. Griffelsäule kreisförmig, 
gezähnt. 


(Tab. 5572.) 
6) Mussaenda luteola Delil. (Delile in 
Caill. pl. Afrig. 65. Tab. 1. Fig. 1.— D.C. 
prodr. IV. pag. 371. — Rubiaceae. — Ein 
hübscher Strauch von der Westküste Afrikas, 
der gleich den anderen Massaenda - Arten 
unserer Gärten, weisse Bracteen besitzt, wel- 

che die Dolden gelber Blumen umgeben. 

(Tab. 5573.) 


b) Abgebildet in Illustration horti- 
cole. 


7) Dieffenbachia gigantea h. Versch. 
Wir haben dieser hübschen Aroidee, die Hr. 
Baraquin von den Ufern des Amazonenstro- 
mes in den Garten des Hrn. A. Verschaffelt 
einführte, schon wiederholt gedacht. Ch. 
Lemaire deutet solche, wie es uns scheint, 
mit vollem Rechte als eine Abart der aus 
den gleichen Gegenden stammenden D. Ba- 
raquiniana Ch. Lem., die sich durch längere 
weiss marmorirte Blattstiele unterscheidet, 
sowie deren längliche grosse Blattfläche, 
durch häufigere grosse längliche Silberflecken 
zwischen den Venen gezeichnet ist. — 

(Tab. 471). 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


8) Comparettia coceineu Lindl. Epi- 
phytische niedliche und schöne Orchidee 
aus Brasilien. Scheinknollen länglich-spin- 
delförmig. Blätter 5-6, meist schmal-lan- 
zettlich, spitz. Blüthentrauben achselstän- 
dig, 5—7blumig. gracil, spannenlang, die 
Blätter überragend. Aeussere und innere 
Blüthenhüllblätter klein, oval, fast gleichlang, 
aufwärts gerichtet und zusammen neigend, 
gelblich-roth; das äusserste obere in einen 
eingekrümmten zolllangen dünnen Sporn 
ausgehend. Lippe scharlach, fast 3mal so 
lang als die Blumenblätter (3/, Zoll lang), 
genagelt, am Grunde mit 2 ohrförmigen 
kleinen Seitenlappen und 2 kurzen, vom 
Sporn der Blumenblätter umhüllten Spor- 
nen; der Vorderlappen sehrbreit, quadratisch- 
verkehrt herzförmig. 

Von dieser schönen und noch sehr sel- 
tenen Orchidee erhielt der Garten des Hrn. 
A. Verschaffelt Exemplare vom Hrn. Pinel, 
die in Brasilien gesammelt wurden. — 

(Tab. 472). 


9) Camellia Olodia. Blumen gut ge- 
füllt, lebhaft scharlach-rosa. 
(Tab. 473). 
10) Angraecum sesquipedale Aub. Du 
Petit Th. (Hist. Orchid. d’Afrique Tab. 66. 
— Bot. Mag. Tab. 5113). Schon früher 
ward diese Orchidee Madagaskars mit den 
mächtigen weissen Blumen nach der eit. Ab- 
bildung des Bot. Mag. von uns besprochen. 
(Tab. 475). 
11) Ficus Carica L. var. du chateau 
Kennedy. Eine Abart der Feige, die sich 
durch grosse Früchte und ausserordentlich 
frühe Reifezeit, auszeichnet. Stammt von 
einem Baum, der in den Gewächshäusern 
des Schlosses Kennedy in Schottland seit 
langer Zeit ceultivirt wird. 
(Tab. 476.) 
12) Rosa Thea Marechal Niel. Theerose 
mit grossen gut gefüllten nanking-farbenen 
Blumen. (Tab. 477). 
13) Habranthus fulgens Hook. Bereits 
erwähnt nach der Abbildung der Bot. Mag. 
Tab. 5563. — (Tab. 478). 
14) Azalea indica var. Reine des Pays- 
bas. Eine ausgezeichnet neue Abart mit 
grossen, aus blassrosa in’s weisse überge- 


II. Notizen. 


henden Blumen, deren obere Blumenblätter 
dicht purpur punktirt sind. Erzogen vom 
Hrn. Maenhout. (Tab. 479). 
15) Dendrobium dixcanthum Rochb. fl. 
Erwähnt nach der Abbildung des Bot. Mag. 
Tab. 5564. (Tab. 480). 


ec) Abgebildet in Belgique horticole. 


16) Bigarreau de la Caserne. Eine 
Herzkirsche mit enorm grossen Blättern, die 
bis 1 Fuss lang und bis ?/, Fuss breit wer- 
den. Früchte sehr gross, hellgelb mit rother 
Sonnenseite, von vortreffllichem Geschmack. 
Diese merkwürdige Abart soll in den Baum- 
schulen des Herrn Jacobs in der Nähe von 
Malines aus Samen entstanden sein. Hr. E. Mor- 
ren macht aber darauf aufmerksam, dass diese 
neue Sorte mit einer alten der Vergessenheit 


1) Aquarien von Meerpflanzen. 
Herr Prof. Ferdinand Cohn berichtete über 
seine Versuche, Meeres-Organismen in einem 
kleinen See-Aquarium lebend zu erhalten. 
Durch die Güte des Präsidenten der zoolo- 
gischen Gesellschaft in Hamburg, Herrn 
Meyer, und des Custos des dortigen gross- 
artigen Aquariums, Mr. W. Alford Lloyd, 
hatte derselbe Ende October vorigen Jahres 
eirca 60 Pfund Seewasser von Helgoland, 
sowie im Januar 1865 eine grosse Sendung 
lebender Seepflanzen und Seethiere, meist 
von der Südküste von England, erhalten. 
Letztere waren in einer Blechkiste mit zahl- 
reichen Fächern, ohne Wasser, aber in See- 
gras (meist Fucus canaliculatus und Entero- 
morpha) sorgfältig verpackt, versendet und 
unbeschädigt hier angekommen; diein Was- 
ser verschickten Crustaceen und Fische da- 
gegen waren bei ihrer Ankunft sämmtlich 
todt. Das Seewasser wurde in ein grosses 
Glasgefäss (eine grosse Goldfischglocke) auf 
eine Schicht von Kies gegossen, die es in 
einer Höhe von circa 5 Zoll bei circa 300 


309 


anheimgefallenen Sorte, der „Tabakblät- 
terigen Kirsche“ (Cerasus nicotianifolia) 
identisch zu sein scheine, einer Sorte, die 
ebenso grosse Blätter besitzt aber selten 
Früchte trägt. Diese letztere Kirsche soll aus 
der Ukraine stammen und ist von Pallas zuerst 
beschrieben worden. Noisette beschreibt 
solche als Bigarreau a grandes feuilles in 
seinem 1821 erschienenen „Jardin fruitier‘‘ 
und 1825 als Bigarreautier & feuilles de ta- 
bac ou Cerisier des quatre & la livre (Kir- 
sche mit Tabakblättern oder Kirsche von 
4 auf 1 Pfund. — Nach diesen von unseren 
geehrten Herrn Collegen gesammelten No- 
tizen- ist es also wahrscheinlich, dass es 
diese alte lang bekannte Kirschsorte ist, die 
unter einem neuen Namen jetzt verbreitet 
wird. — (E. R.) 


Notizen. 


Quadratzoll Oberfläche bedeckte; es roch 
anfangs stark nach Schwefelwasserstoff, doch 
verlor dieser Geruch sich bald, das Wasser 
wurde völlig klar und durchsichtig, doch 
besitzt es eine entschieden gelbliche Farbe. 
Die Meer-Organismen wurden in das Aqua- 
rium eingesetzt, nachdem das Wasser über 
zwei Monate sich selbst überlassen gewesen, 
aber durch Entwickelung einzelner Keime 
sich mit Diatomeen (insbesondere Amphi- 
prora alata) und Entomastaceen sehr reich- 
lich erfüllt hatte; die Thiere setzten sich so- 
fort an die Glaswände oder an Felsstücke 
fest, mit denen der Boden des Gefässes be- 
legt war. Das ganze Aquarium befindet 
sich in meinem während des Winters ge- 
heizten Studirzimmer, dicht am Fenster; 
zur Verhütung der Verdunstung ist es mit 
einer lose aufliegenden Glasscheibe bedeckt. 
Unter diesen Verhältnissen blieb die Tem- 
peratur des Meerwassers überaus gleichför- 
mig; während die Zimmertemperatur oft an 
einem Tage zwischen 2 bis 20 Grad R. 
schwankte, variirte die Temperatur des Aqua- 


310 Gartenflora Deutschlands, 
riums höchstens zwischen 7 und 12 GradR. 
Das Wasser ist niemals filtrirt, abgezogen 
oder erneuert worden, nichts desto weniger 
hat es seine ursprüngliche Klarheit ganz 
unverändert behalten. Die einzige Vorsichts- 
massregel bestand in der Entfernung der 
beim Füttern der Actinien mitrohem Fleisch 
von diesen Thieren übrig gelassenen Spei- 
sereste vermittelst einer Pincette. Eben so 
hat sich der grösste Theil der Seethiere le- 
bend erhalten; sie fressen, wachsen und 
pflanzen sich in völlig normaler Weise fort. 
Nur in den ersten Tagen ging ein Theil der 
Thiere in Folge eines im Wasser eingetrete- 
nen Fäulnissprocesses zu Grunde, dessen 
Ursache ein abgestorbener Seeschwamm war, 
der sofort in Verwesung überging. Gäh- 
rungs-Infusorien in zahlloser Vermehrung 
machten damals das Wasser trübe; Schwe- 
felwasserstoff, welcher sich um die verwe- 
sende Substanz entwickelte, schwärzte den 
Sand und tödtete die Thiere in der Nähe 
des Fäulnissherdes. Nach Entfernung des 
letzteren wurde das Wasser bald wieder 
klar und die Thiere und Pflanzen, welche 
jene Katastrophe überlebt hatten, sind fast 
sämmtlich noch heute lebendig. Unter er- 
steren heben wir hervor: mehrere Varietäten 
der Seenelke (Actinoloba Dianthus), der 
Seeanemone (Actinia Mesembryanthemum); 
einzelne dieser Thiere hat der Vortragende 
vor 8 Monaten selbst aus Helgoland mitge- 
bracht; ferner das Seemasslieb (Sagartia 
bellis), Sagartia viduata, elegans, venusta; 
die königliche Eichelkoralle (Balanophyllia 
regia), mehrere Arten von Serpula, eine 
Seeeichel (Balanus); von Schnecken Littorina 
litorea, Nassareticulata, und Purpura Lapillus ; 
letztere hat sich durch Eier vermehrt, und 
einen Mytilus, der Monate lang sich leben- 
dig erhalten hatte, durch Anbohren der 
Schale getödtet. Zahllos sind die mikros- 
kopischen Organismen, insbesondere Infu- 
sorien, Foraminiferen, Entomostraceen, An- 
neiden und Bryozoen, Tealia crassicornis, 
so wie ein Paar andere Seerosen waren 
zeitig abgestorben; desgleichen drei grosse 
Sabellen; doch sind statt ihrer ein Paar 
kleine Sabellen neuerdings erschienen. Die 
Meeralgen haben sich fast sämmtlich erhal- 


Russlands und der Schweiz. 


ten und weiter entwickelt, darunter eben 
sowohl Phycochromaeeae (Spirulina versi- 
color n. s., Oscillaria nigra, Beggiatoa gi- 
gantea n.s.,) als Chlorospermeae (Derbesia, 
Cladophora, Ulva, Phycoseris) Phaeosporeae 
(Eetocarpus, Sphacelaria, Cladostephus, Lami- 
naria, Fucus) und Florideae (Bornetia, Cocco- 
tylus, Ptilota, Delesseria, Hypoglossum, Polyi- 
desetc.);eben so viele Arten marinerDiatomeen. 

Hr. Lloyd hat sich um die Wissen- 
schaft grosses Verdienst erworben, indem 
er die Bedingungen kennen lehrte, unter 
denen sich grosse Seeaquarien mit einer rei- 
chen Bevölkerung, welche ein treues Bild 
des Meereslebens im Grossen gewährt, sich 
Jahre lang in vollkommen gutem Zustande 
erhalten lassen; der vorliegende Versuch 
beweist aber, dass auch im Kleinen, ohne 
alle complieirte Einrichtungen, der Natur- 
freund sich eine Anschauung der wunder- 
baren Meeresorganismen, der Forscher aber 
mitten im Binnenlande ein reiches Material 
für Beobachtungen und Untersuchungen zu 
verschaffen vermag, das man bisher nur 
durch Aufenthalt an der Küste selbst zu- 
gänglich glaubte. 

Postserpt. Wir geben diesen Artikel 
unseres verehrten Freundes unverändert 
wieder, bemerken aber, dass die Professoren 
Münter und G. Reichenbach in Amsterdam, 
wo Prof. Cohn den gleichen Gegenstand an- 
regte, die Möglichkeit bezweifelten, dass das 
Seewasser in solchen Aquarien sich so lange 
frisch erhalte. Beide Herren führten Erfah- 
rungen gegen die Ansicht Prof. Cohn’s an. 
Es müssten also zu dem von Prof. Cohn 
erhaltenen Erfolge besonders günstige Ver- 
hältnisse mitgewirkt haben. Vielleicht liegt 
in dem Umstande die Ursache des Gelin- 
gens, dass das Seewasser nicht sofort, son- 
dern erst nach zwei Monaten mit Pflanzen 
und Thieren besetzt wurde. Wir würden 
Prof. Cohn sehr dankbar für Mittheilung seiner 
ferneren Erfolge sein. (E. R.) 

2) Die Erforschung der Portugisischen 
Colonie Angola in den Jahren 1850—1860 
durch Dr. Fr. Welwitsch. 

Die Port. Colonie Angola liegt auf der 
Westküste Afrikas, zwischen dem 6. und 
16. Grade südlicher Breite und besitzt das für 


= 


IIL 


alle Europäer so mörderisch wirkende Kü- 
stenklima dem Dr. Smith und die andern 
Begleiter des Dr. Tnckey erlagen, als sie 
den Zairo-Strom untersuchen wollten. 

Prof. Fenzl giebt in den Sitzungsbe- 
riehten der Kais. Akademie der Wissenschaf- 
ten zu Wien, einen kurzen, sehr anziehenden 
Bericht von Welwitsch’s Aufenthalt in die- 
sem ungesunden Lande, wie er von Fieber 
und Geschwüren geplagt, dennoch unbeirrt 
die Untersuchung des Landes fortsetzte, ja 
selbst landeinwärts 250 Meilen vordrang und 
endlich im letzten Jahre das nach Osten 
liegende, 6000 Fuss über dem Meeresspiegel 
liegende Hochplateau besuchte. 

Welwitsch entdeckte während 
Aufenthaltes in Angola eine grosse Menge 
höchst interessanter Pflanzen, — so fand er 
hier eine parasitisch wachsende Rhipsalis, — 
den ersten Repräsentant der grossen Familie 
der Cacteen, dessen Vaterland nicht Ame- 
rika ist. Hier fand er auch den in Westin- 
dien cultivirten sogenannten Amerikani- 
schen Muscatnussbaum (Menodora My- 
ristica), der nur durch die Neger nach Ame- 
rika gebracht ward, dessen Vaterland aber 
jetzt erst von Welwitsch nachgewiesen 
wurde. Nicht weniger interessant ist das 
Vorkommen einer blaublühenden, im Sumpfe 
wachsenden Ouvirandra, und eine zur Gat- 
tung Hyphaena gehörenden verästelten 
Palme, von der unser Reisende einen 5 Stun- 
den langen dichten Wald entdeckte. 

Als ganz neue interessante, von Wel- 
witsch entdeckte Pflanzenformen, wie solche 
fast nur Afrika hervorbringt, ist eine Mu- 
sacce zu erwähnen, die auf felsigem zer- 
klüftetem Boden ungefähr 2000 Fuss über’m 
Meere im Gebirge Pungo Adongo wächst 
und einen tonnenartig aufgetriebenen 5—6 
Fuss im Durchmesser haltenden Stamm be- 
sitzt. Die seltsamste von uns früher schon 
besprochene Pflanze, die Welwitsch in An- 
gola entdeckte, ist der Tumbo der Einge- 
borenen, jener eigenthümliche seltsame 
Baumzwerg, den Hooker als Welwitschia 
mirabilis beschrieben hat. Dieser Gnome 
unter den Bäumen wird wohl mehr als 100 
Jahre alt und bildet doch kaum einen einige 
Zoll bis 2 Fuss hohen dicken Stamm, der 


seines 


Notizen. 


311 


2 mächtige 6—18 Fuss lange breite flache 
lederartige, in viele bandförmige Streifen 
zerschlitzte und am Boden liegende Blätter 
trägt, die so alt als der Baum selbst sind, 
d. h. sich nicht erneuern. Die Spitze dieses 
Baumzwerges gleicht einer runden, aus 2 
Klappen bestehenden warzigen Tischplatte 
von 2—4 Fuss Durchmesser, aus deren Um- 
kreise jährlich die verzweigten Blüthenstände 
hervorbrechen, die carmoisinroth tannen- 
zapfenartige weibliche Blüthenkätzchen von 
2 Zoll und kleinere _zwitterige 
tragen. 

Das merkwürdigste und der einzige bis 
jetzt bekannte Fall ist der, dass die beiden 
einzigen Blätter dieses Baumes die Cotyle- 
donen oder Samenblätter sind, welche dieser 
Baum als einziges Blattorgan sein ganzes 
Leben hindurch trägt. Hooker rechnet die 
Welwitschia zur Familie der Gnetaceen, — 
wir würden uns nicht wundern, wenn sol- 
che noch unter den fossilen Pflanzen der 
ältesten Epochen entdeckt würde, so dass 
sie gleich den Cycadeen aus uralter Zeit 
unserer Erde als abgerissenes Glied einer 
ganzen Entwickelungsreihe auf unsere Zeit 
als vereinzeltes Monument herabgekommen, 
zu betrachten sein würde. Dieser Monstre- 
Zwerg, wie ihn Fenzl treffend bezeichnet, 
gräbt sich mit seinen dicken Wurzeln tief 
in den Boden ein und wächst bei Cabo Ne- 
gro (15040. s. Br.) auf einem dürren Bo- 
den bei 3—400 Fuss über dem Meere. 
Später entdeckte Monteiro bei 14% 20 s. 
Br. und Baines und Anderson zwischen 
22 und 23° s. Br. die gleiche Pflanze auf 
ähnlichen Lokalitäten. Semper aliquid novi 
ex Africa rufen Hooker und Fenzl bei Er- 
wähnung dieser merkwürdigen Pflanze aus. 

Dr. Welwitsch ist aus Steiermark 
gebürtig und bereitet jetzt die Herausgabe 
seiner Reise vor. (E. R.) 

3) Ein essbarer Pilz Sieiliens. Hr. 
Prof. J. Inzenga in Palermo gibt im Giorn. 
del R. Ist. d’incor. (Ser. 3. Aub. 1. N. 6. 
p- 137.) die Beschreibung eines in Sicilien 
namentlich auf den Höhen von Nebrodi oder 
Madonie nach dem Schmelzen des Schnees 
vorkommenden Pilzes, Agaricus nebrodensis 
der dem Ag. Eryngii D. C. nahesteht. Dieser 


Länge, 


312 


ist allgemein bekannt, sehr gesucht wegen 
seiner Schmackhaftigkeit und doch den Be- 
obachtungen der Botaniker entgangen; 
Fries, Vittadini und Briganti machen 
keine Erwähnung. Findet sich auf faulen- 
den Wurzeln von Elaeoselinum asclepium 
Tart. von Opoponax Chironium Kch., von 
Prangos ferulacea DC. Dieser Pilz wird in 
Palermo um sehr theuren Preis verkauft, 
da die betreffenden Localitäten von den 
Grundeigenthümern den Schwämmesammlern 
um hohen Preis verpachtet werden. 

4) Mostproben. Baron Babo gibt 
in der Land- und Forstwirthschaftl. Zeitung 
von Wien (Nr. 7. 1865) eine Liste der Most- 
gewichte und der Säuregehalte von Weinen 
aus den Versuchsweinbergen in Klosterneu- 
burg im Jahre 1864 und bemerkt, dass der 
blaue Burgunder am allerbesten, gelber 
Ortlieber, weisser Burgunder und weisser 
Clevner aber auch vollständig reif geworden 
seien, daher diese Rebsorten am meisten an- 
gepflanzt werden sollten; Babo bemerkt {er- 
ner, dass an einer Mauer gezogene kleine, 
eine viel bessere Analyse geboten haben als 
jene, die in offenen Weingärten gezogen 
waren, indem weisser Riesling vom freien 
Lande 16.9 °), Zucker, von der Mauer aber 
21 °%, Zucker enthalten habe. Bar. Babo 
wünscht daher, dass sämmtliche, in den 
Weingärten befindliche Mauern mit Spalieren 
versehen werden. 

65) Der Amerikanische Thee- 
strauch. Amerikanische Zeitungen ent- 
hielten die Nachricht, dass ein Chinese in 
Pensylvanien den ächten Theestrauch ent- 
deckt habe, dass solcher dort in grosser 
Ausdehnung wachse und einen vorzüglichen 
Thee gebe. Asa Gray theilt im Ameri- 
can Journal of Science mit, dass dieser 
vermeintliche Theestrauch, der Ceanothus 
americanus oder Neu-Jersey Thee sei, der 
schon während des Amerikanischen Befrei- 
ungskrieges als Thee-Surrogat benutzt ward, 
aber freilich einen sehr schlechten Thee lie- 
fert. — 

6) Die Copulation im Herbste 
und über den Erfolg von Frühjahrs- 
veredlungen. Oberdieck giebt in der 
Monatsschrift für Pomologie einen Berichtüber 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


verschiedene vorgenommene Veredlungen. 
Daraus geht hervor, dass im September 
auf's schlafende Auge gemachte Copulatio- 
nen fast ohne Ausnahme gut anwuchsen. 
Die nachfolgenden stärkeren Winterfröste 
beeinträchtigen, diese Operation nicht *) 
und haben nur dann einen schädlichen Ein- 
fluss, wenn dieser überhaupt so hoch steigt, 
dass er das jüngere Holz tödtet. Bei den 
Steinobstsorten hatte dagegen die Herbstco- 
pulation weniger gute Erfolge. 

In Betreff der Frühlingscopulation be- 
merkt Herr Oberdieck, dass die Witterung 
einen grossen Einfluss auf solche zeige. Im 
vergangenen Frühjahre habe ein trockenes 
Wetter, verbunden mit kalten dörrenden 
Winden vorgeherrscht. In Folge dessen seien 
viele aufgesetzte Reiser ganz abgetrocknet, — 
andere seien in Knospen stehen geblieben 
und hätten erst während der Regengüsse im 
Juni einen kümmerlichen Trieb gebildet. 
Herr O. scheint einen Theil der Schuld auf 
die trockenen Winde zu schieben, die bei der 
Ausführung der Operation herrschten, indem 
dadurch die Schnittflächen von Edelreis und 
Wildling zu sehr abtrockneten. 

Wir können aus dem Bereich unserer 
Erfahrungen versichern, dass überhaupt nur 
der Einfluss des trockenen Wetters und der 
kalten trockenen Winde diese nachtheilige 
Folge bedingten. Hier in Petersburg herr- 
schen leider mit Erwachen der Vegetation 
die rauhen kalten Ostwinde bei trockenem 
Wetter vor. Das Frühjahr ist überhaupt so 
kurz, die Entwickelung der Vegetation 
nach dem langen Winter so schnell, dass 
man in grossen Baumschulen kaum an die 
Vornahme der Copulation im freien Lande 
stehender Wildlinge denken kann. Wir sind 
daher genöthigt, in unserer Baumschule die 
Veredlungen im Laufe des Winters vorzu- 
nehmen. Die Wildlinge werden zu diesem 


*) Wir haben im Herbste 1864 derartige 
Versuche in Petersburg gemacht. Nicht eine 
einzige der im Herbst im Freiem gemachten 
Copulationen, sowie auch der in die Seite 
ausgeführten Veredlungen war im Frühling 
1865 noch gut. 


III. 


Behufe in einen frostfreien Erdkeller ein- 
geschlagen und dann mit dem Aufgehen 
des Bodens im Freien eingepflanzt. 

Da viele Tausende von Wildlingen jähr- 
_ lich veredelt werden, so dehnt sich auch 
das Auspflanzen auf mehrere Wochen aus, — 
und der Einfluss des Wetters, das dem 
Auspflanzen folgt, macht sich so sehr be- 
merklich, dass wir Schulbeete hatten, wo 
fast alle Veredlungen angenommen, — wäh- 
rend auf andere Schulbeete oft kaum die 
Hälfte oder zuweilen noch weniger ange- 
wachsen waren. So wuchsen im Frühlinge 
1864 die zuerst und die zuletzt eingepflanz- 
ten am besten, die in der Zwischenzeit ge- 
pflanzten dagegen am schlechtesten. Den 
zuerst und zuletzt gepflanzten war milderes 
und fruchtbares Wetter, denen in der Zwi- 
schenzeit gepflanzten trockenes Wetter mit 
kalten dörrenden Winden gefolgt. Von ei- 
nem Einfluss der Witterung auf die Ausfüh- 
rung der Veredlung selbst kann bei uns 
keine Rede sein und die Wurzeln der Wild- 
linge konnten beim Einpflanzen nicht leiden, 
da sie inLehmbrei eingetaucht und bis zum 
Pflanzen in mit nassen Tüchern gedeckten 
Körben vor dem Einfluss der trockenen 
Winde geschützt werden. 

Wir sind hier im hohen Norden ge- 
wohnt, uns gegen den Einfluss des rauhen 
Klimas bei allem unseren Unternehmungen 
schützen zu müssen. Bei Ausführung von 
wenigen Veredlungen schützt ein schief 
über die Veredlung eingesenkter Tannen- 
zweig, — bei Veredlungen in so grosser 
Ausdehnung, kann man aber derartige 
Schutzmittel nicht anwenden und ist der Er- 
folg eben von der Witterung abhängig, 
wenn man nicht Umhüllung mit Beuteln 
von geöltem Papier anwenden will. — 

Unser Obstbau im hohen Norden Russ- 
lands liegt noch im Stadium der Entwicke- 
lung, — jetzt regt sich aber auch bei uns 
allenthalben das Interesse und. die Pomolo- 
gische Anstalt des Unterzeichneten macht 
es sich zur Aufgabe, in allen Theilen des 
Obstbaues Erfahrungen zu sammeln und 
Obstbäume in solchen Sorten zu erziehen, 
die für unser Klima noch geeignet sind. 
Schon jetzt cultivirt solche an 800 Sorten 


Notizen. 


313 


Aepfel und versprechen wir unsern Lesern 
alle wichtigeren Erfahrungen mitzutheilen. 

Nach dieser Abschweifung zu Oberdick’s 
Artikel zurückkehrend, notiren wir aus 
solchem, dass derselbe wieder beginnt, sich 
bei seinen Veredlungen eines warmflüssigen 
Baumwachses zu bedienen, weil das kalt- 
flüsssige bei kaltem Wetter so schwer trock- 
net. Auf 1 Pfd. Colophonium wird 4 Loth 
Wachs und 2— 2!/, Loth Rindertalg oder 
auch dicker Terpentin zugegeben. Auch hat 
Herr Oberdick wiederholt eine schädliche 
Einwirkung des kaltflüssigen Baumwachses 
bemerkt. (E. R.) 

6) Solandra grandiflora. Im Gar- 
deners Chronikle empfiehlt Herr F. Brown 
die Cultur dieses alten Bewohners unserer 
warmen Gewächshäuser auf das Nachdrück- 
lichste. Um solche in ganzer Schönheit zu 
sehen, wird die folgende Cultur empfohlen. 
— Im April nimmt man eine junge kräftige 
Pilanze, verpflanzt solche in eine nahrhafte 
Erde und stellt sie in ein niedriges Warm- 
haus mit feuchter Atmosphäre, wo man ihr 
alle die Sorgfalt zuwendet, die man für 
Pflanzen anwendet, die zu einem raschen 
üppigen Wachsthume gebracht werden sol- 
len. Man verpflanze wiederholt und kneipe 
die Spitzen der jungen Aeste über dem 3. 
oder 4. Blatte aus. 

Am Ende vom Sommer wird die Tem- 
peratur erniedrigt und Wasser wird nur 
noch sparsam gegeben. 

Gar grosse Töpte liebt die Pflanze nicht, 
weshalb im nächsten April nur dann ein 
abermaliges Verpflanzen vorgenommen wird, 
wenn dieses wirklich nothwendig sein 
würde. Dagegen müssen die Zweige um 
diese Zeit gestutzt werden, woraufdie Pflanze 
wieder eine ähnliche Behandlung wie im 
Jahre vorher erhält. In der Mitte des Som- 
mers wird die Pflanze in ein Kalthaus ge- 
stellt und erhält hier nur wenig Wasser. 
Sobald die Triebe nun genugsam abgehäfrtet, 
stellt man die Pflanze in einer sonnigen 
Lage ganz im Freiem auf und hält sie hier 
durchaus trocken, bis endlich die Blätter 
abfallen, wodurch sich an den kurzen Zwei- 
gen die Blumenknospen vorbilden. 

Vor dem Eintritt des Frostes wird die 


314 


Pflanze in einem Warmhause auf der kühl- 
sten Stelle aufgestellt und hier vollkommen 
trocken gehalten. Erst im nächsten Früh- 
linge stellt man solche wieder in der wärm- 
sten zum Antreiben bestimmten Abthei- 
lung auf, und spritzt anfangs nur bei 
hellem Wetter täglich die Zweige. So wer- 
den Blätter und Blumen bald erscheinen, 
worauf man allmälig anfangen kann von 
Neuem Wasser zu geben, bis zuletzt zur 
vollständigen Entwickelung des Flors, sogar 
einige Dunggüsse gegeben werden können. 

Ein ausserordentlich reicher Flor der 
grossen gelblichen Blumen ist der Lohn 
solch rationeller Behandlung. 

Wir machen unsere Leser und beson- 
ders jüngere Gärtner auf die mannigfachen 
Winke, die hier eine geläuterte Erfahrung 
bietet, aufmerksam, die wir in Folgendem 
zusammenstellen, nämlich: 

a) durch vollkommenen Ruhezustand 
und Trockenheit zur Zeit der Ruhe, wird 
auf Blumenbildung bei den laubwerienden 
Pflanzen hingearbeitet, sofern eine Behand- 
lung vorausging, die für kräftige Ausbildung 
des Holzes sorgte. 

b) Nach dem Ruhezustand und Trocken- 
heit sollen die Wassergaben sehr vorsichtig 
gereicht werden, bis neue kräftige Vegeta- 
tion eingetreten ist. Wie manche kostbare 
Pflanze tödtet der Unverstand, durch vor- 
schnelles Giessen nach der Ruheperiode 
oder wenn ein kränklicher Zustand in Folge 
eines längeren Transportes etec., eingetreten 
ist. (E. R.) 

7) Anfertigung von Conserven 
in Jennings-Steingutgefässen. 


Die Appert’sche Methode des Conservi- 
rens von Nahrungsmitteln. 


Die Methode des Aufbewahrens von 
Nahrungsmitteln durch Abhalten der Luft 
ist die rationellste, einfachste, wohlfeilste 
und sicherste. 

So vorzüglich die Appert'sche Methode 
an und für sich ist, so haben sich in Bezug 
auf die dazu verwendeten Blechdosen doch 
mancherlei Uebelstände herausgestellt. Das 
umständliche und unzuverlässige Verlöthen 
der Deckel, das oft vorkommende Rosten 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz, 


im Innern der Dosen, der dadurch herbei- 
geführte Beigeschmack des Inhaltes, das 
Einbüssen der ursprünglichen frischen Farbe 
mehrerer Früchte u. s. w., sowie endlich die 
später beim Verbrauch der Conserven, mit 
dem Oeffnen der Blechdosen verbundene 
Schwierigkeit, sind als die wesentlichsten 
anzugeben. 

Für die mangelhaften Blechdosen einen 
Ersatz zu finden, war seit Jahren das eifrig- 
ste Bestreben der Fachleute, deren Vor- 
schläge jedoch als zweckentsprechend sich 
nicht erwiesen, bis durch die von George 
Jennings in London im Jahre 1861 gemachte 
und patentirte Erfindung der luftdichtschlies- 
senden Deckel es ermöglicht ist, Steingut- 
gefässe eigens dazu construirter Form, zum 
Conserviren der Nahrungsmittel nach der 
Appert’schen Methode zu verwenden, wo- 
durch allen Mängeln, die sich bei Blechdo- 
sen herausgestellt, abgeholfen ist. 


Die Jenning’schen Steingut-Gefässe, 


Die eigens zu den luftdichtschliessenden 
Deckeln verfertigten Gefässe sind in der 
Oeffnung, genau mit dem Maas des betref- 
fenden Deckels übereinstimmend. Dieselben 
aus dem bekannten vorzüglichen, 
durch und durch verglasten englischen 
Steingut. Diese Gefässe sind ausserdem 
durch eine innere und äussere Kieselglasur 
vor jeder Einwirkung von Säuren etc. ge- 
schützt und sind durch ihre Stärke, sowie 
durch ihre Eigenschaft beim Kochen nicht 
zu zerspringen, von unvergänglicher Dauer. 
Sie haben vor Glasgefässen, gleicher Form, 
den Vorzug, den Inhalt vor den nachtheilig 
auf denselben wirkenden Lichtstrahlen, so- 
wie vor plötzlichen Temperaturwechseln zu 
sowie beim Kochen nicht zu 


sind 


schützen, 
springen. 


Die Jennings’schen luftdichtschliessen- 
den Deckel. 


Die Deckel bestehen aus einem runden, 
etwas gewölbten Weissblech, in dessen um- 
gebogener Kante der äussere Rand eines 
Gummi-Ringes luftdicht befestigt ist. Die 
innere Seite desDeckels ist durch einen un- 


II, 


löslichen Gummilack vor 
schützt. 

Beim Gebrauch obiger Gefässe mit die- 
sen Deckeln kehrt man den Gummiring auf- 
wärts über die Kante des Deckels, legt den 
Deckel auf das zu verschliessende Gefäss, 
und zieht den Gummiring über die Kante 
des Deckels herunter. Derselbe presst sich, 
zufolge seiner Elastieität, so dicht an die 
äussere Wandung des Gefässes, dass 
Eindringen der Luft zwischen Gummiring 
und der äusseren Wandung des Gefässes 
unmöglich ist, also ein luftdichter Verschluss 
erzielt wird. Beim Oefinen eines solchen 
Gefässes lüftet man an einer Seite etwas 
den Gummiring, damit die äussere Luft hi- 
nein zu dringen vermag, und der Deckel 
ist ohne jegliche Schwierigkeit abzuheben. 

Der Gummiring ist durch ein eigenes 
Vertahren, welches ein Geheimniss des Er- 
finders ist, so präparirt, dass er weder 
durch das Kochen im Wasserbade, noch 
durch Säuren etc. angegriffen wird. 


dem Rosten ge- 


ein 


Die Vorzüge der Jennings’schen Stein- 
gut-Gefässe mit luftdicht - schliessenden 
Deckeln, im Vergleich zu Blechdosen. 


Ausser dem oben Gesagten ist noch 
Folgendes zu bemerken. 

Die Jennings’schen Steingut-Gefässe mit 
luftdichtschliessenden Deckeln kosten weni- 
ger als die Blechdosen, inclusive des ersten 
Verlöthens. Die Steingefässe sind unver- 
gänglich; bei den Deckeln ist, wenn auch 
mehr als zweijährige Erfahrungen nicht vor- 
liegen, doch anzunehmen, dass dieselben 
auf einen Zeitraum von Jahren brauchbar 
bleiben und wenn solche dann durch neue 
ersetzt werden müssen, so ist die Beschaf- 
fung derselben, bei dem geringen Preise, 
unwesentlich. 

Durch die Umständlichkeit des Verlö- 
thens wird namentlich auf dem Lande, wo 
der Klempner oft weit herzuholen ist, man- 
che Hausfrau davon abgehalten, Gemüse etc. 
einzukochen und dieselbe zieht es in vielen 
Fällen als vortheilhafter und billiger vor, 
die von den Fabriken haltbarer Speisen ver- 
käuflichen Conserven zu hohen Preisen zu 
kaufen. Dieser Nachtheil fällt bei den Jen- 


Notizen. 


315 


nings’schen Gefässen mit luftdichtschliessen- 
den Deckeln gänzlich fort, eine jede Haus- 
frau kann zur Zeit, wo die Gemüse und 
Früchte am billigsten sind, ihren Bedarf 
für das ganze Jahr einkaufen und einkochen 
und somit zu jeder Jahreszeit ebenso billige 
Gemüse, Früchte etc. als im Sommer und 
Herbst haben. 


Anleitung, das Verfahren beim Einko- 
chen zu erproben. 


Den Hausfrauen, denen das Verfahren 
des Conservirens von Nahrungsmitteln durch 
Abhalten der Luft noch nicht bekannt ist, 
sei es empfohlen, kleine Versuche mit Bouil- 
lon, Ragout oder andern täglich im Haus- 
stande zugänglichen frischen Esswaren, nach 
dem unten angegebenen Verfahren, anzu- 
stellen. Wenn nach 10—12 Tagen der In- 
halt untersucht und gut befunden wird, so 
ist solches ein sicherer Beweis, sowohl von 
dem richtigen Einkochen, wie auch von der 
Zweckmässigkeit der Gefässe und Deckel, 
da nach bekannten Erfahrungen, Conserven, 
die sich 12 Tage gehalten, auch Jahre hi- 
naus vor Verderben geschützt sind. 


Das Verfahren beim Einkochen. 


Erforderniss eines guten Gelingens ist 
es, dass die zum Conserviren bestimmten 
Nahrungsmittel vollkommen frisch und un- 
verdorben sind und in denselben der Keim 
der Säuerung oder Fäulniss nicht schon ent- 
wickelt sei. 

Alle zum Conserviren bestimmten Nah- 
rungsmittel können vorher so zubereitet 
werden, als ob sie gleich genossen werden 
sollten, doch ist man an diese Bedingung 
nicht striete gebunden, wie aus nachstehen- 
dem speciellen Nachweis über das Einkochen 
der Gemüse und der dabei angegebenen 
Abweichungen ersichtlich ist. 

Die Nahrungsmittel werden, sobald sie 
zubereitet sind, kochend heiss, in die Ge- 
fässe bis zum Rande gefüllt, damit keine 
Luftblasen entstehen, und nach Auisetzen 
der Deckel so wenig Luft als möglich ein- 
geschlossen bleibt. Die Gefässe werden 
dann sofort mit den Deckeln verschlossen. — 
Da die in den Gefässen eingeschlossene 


316 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Masse und die darin enthaltene Luft durch | Das specielle Verfahren beim Einkochen 


das Erhitzen im Wasserbade sich ausdehnen 
und den Deckel abheben würden, da der 
Gummiring allein diesem Drucke keinen ge- 
nügenden Widerstand zu leisten vermag, so 
ist es nothwendig, dass man den Deckel 
durch verzinnten Kupfer- oder Eisendrath 
in der Weise, wie solches bei moussirenden 
Getränken, als Sodawasser etc. geschieht, 
befestige. Zu diesem Zwecke und um das 
Abgleiten des Drathes zu verhindern, ist 
der Hals der Gefässe conisch construirt. 


Nach geschehener Befestigung der Deckel 
auf die Gefässe, werden dieselben neben- 
einander, auf einer Unterlage von etwas 
Stroh oder Heu, in einen Kessel gereiht, 
dieser mit Wasser so weit gefüllt, dass das- 
selbe die Gefässe überragt und in diesem 
Wasserbade während 2—3 Stunden anhal- 
tend gekocht. 


Während des Kochens im Wasserbade 
dehnt sich die in dem Gefässe befindliche 
Masse dermaassen aus, dass sie das Gefäss 
vollständig füllt und dadurch die darin be- 
findliche Luft mit aller Kraft gegen den 
Blechdeckel presst, welchen abzuheben sie 
jedoch nach vorhergegangenem Befestigen 
nicht vermag. Auf diese Weise zusammen- 
gepresst, entweicht die Luft zwischen dem 
Gummiring und der äusseren Wandung des 
Gefässes, wodurch das Gefäss nach dem 
Kochen im Wasserbade luftleer wird. 


Nach Beendigung des Kochens im Was- 
serbade und nachdem das Wasser im Kes- 
sel, worin solches vor sich gegangen, abge- 
kühlt ist, werden die Gefässe herausgenom- 
men, abgetrocknet und am besten an einem 
kühlen luftigen Ort aufbewahrt. 

Ein Abnehmen des Deckeis von den 
Gefässen, um den Inhalt zu prüfen, wird 
unbedingt ein Verderben der Conserven zur 
Folge haben, auch wenn der Deckel sofort 
wieder aufgesetzt wird. Es ist daher zu 
empfehlen, wenn zu befürchten steht, dass 
solches aus Neugierde geschehen könne, 
durch Versiegeln oder durch Ueberkleben 
von gummirten Etiquetten, welche letztere 
sich noch dazu eignen, den Inhalt etc. zu 
bezeichnen, dem vorzubeugen. 


der Gemüse, 


In Nachfolgendem seien speciell einige 
verschiedene Bereitungsarten von Gemüsen 
angegeben. Die zum Einkochen bestimmten 
Gemüse müssen jung, aber doch ausgewach- 
sen sein und sobald als thunlich, nachdem 
sie abgenommen sind, eingekocht werden. 


Spargel. 


Der lange Spargel wird, nachdem er 
sauber geputzt, am besten roh (weil er 
sonst durch das Kochen zu mürbe wird und 
zu schwer zu behandeln ist), mit den Köpfen 
nach oben in die Gefässe gethan, dasselbe 
mit kochendem Wasser bis an den Rand 
gefüllt, sofort mit dem Deckel verschlossen, 
und damit, wie beschrieben, weiter verfah- 
ren. Der gebrochene Spargel kann roh, 
wie beim langen Spargel beschrieben, oder 
auch vorher gekocht, in die Gefässe gefüllt 
werden. In letzterem Falle ist zum Auffül- 
len des Gefässes das Wasser, in welchem 
die Spargel gekocht sind, zu verwenden. 


Erbsen. 


Erbsen in Butter. Auf 1 Quart 
(Preuss.) ausgebrochene Erbsen nimmt man 
1/, Pfd. rein ausgewaschene Butter, mengt 
die einmal im Wasser aufgekochten, gut 
abgetropften Erbsen (oder auch die rohen 
eingekochten) und lässt sie auf schwachem 
Feuer, unter wiederholtem Umschwingen, 
weich dunsten und füllt sie dann bis an 
den Rand recht fest in die Gefässe, ver- 
schliesst solche sofort mit dem Deckel und 
verfährt wie vorhin beschrieben. 

Erbsen in Wasser. Bei diesem Ver- 
fahren werden die Erbsen in hinreichendem 
Wasser ziemlich gar gekocht, abgetropft, 
in die Gefässe gethan und diese mit frischem 
kochenden Wasser aufgefüllt, mit dem De- 
ckel sofort verschlossen und wie vorhin be- 
schrieben, damit weiter verfahren. 


Grosse Bohnen. 


Bei Bohnen ist hauptsächlich darauf zu 
achten, dass ganz junge Bohnen genommen 
werden, weil andere die Farbe verändern. 


IT. Notizen, 


. Das Einkochen der Bohnen ist demje- 
nigen der Erbsen vollkommen gleich, und 
nach der, bei diesen beschriebenen Art, zu 
"verfahren. 


Schnittbohnen, Brechbohnen und Spinat. 


Diese Gemüse müssen jedenfalls blan- 
chirt, das Wasser rein abgetropft, dann in 
die Gefässe gethan und diese mit frischem 
kochenden Wasser autgefüllt, sogleich ver- 
schlossen und wie oben weiter damit ver- 
fahren werden. 


Verfahren beim Einkochen von Suppen, 
Wild, Ragout’s, Pasteten und Fischen, 


Alle diese Speisen werden vorher ganz 
in derselben Weise zubereitet, als wenn sie 
gleich genossen werden sollten, werden heiss 
in die Gefässe gethan und diese bis zum 
Rande gefüllt, sogleich verschlossen und 
in der vorher angegebenen Weise damit 
weiter verfahren. 


Das Einmachen von Früchten. 


Bei den vielen verschiedenen Arten des 
Einmachens der Früchte würde es zu weit 
führen, dieselben einzeln aufzuführen. Es 
ist hauptsächlich nur darauf hinzuweisen, 
wie solches auch immer ausgeführt werde, 
dass die Gefässe bis zum Rande gefüllt 
werden, sofort verschlossen und wie be- 
schrieben im Wasserbade gekocht werden. 


Anderweitige Verwendung der Jennings’- 

schen Steingut-Gefässe mit luftdicht- 

schliessenden Deckeln als zum Conser- 
viren von Nahrungsmitteln, 


Die Jennings’schen Steingut-Gefässe mit 
luftdichtschliessenden Deckeln sind im Haus- 
stande, ausser der Verwendung zum Con- 
serviren von Nahrungsmitteln ihrer Billigkeit 
und fortdauernden Verwendbarkeit wegen 
noch in allen Fällen mit Nutzen zu gebrau- 
chen, wo sonst zum Verschluss Papier, 
Schweinsblase etc. verwendet wird. 


8) Obstbaumschule der Schlesi- 
schen Gesellschaft für Vaterländi- 
sche Cultur. In der Sitzung der Gesell- 
schaft am 18. Octbr. wurden noch Exem- 


317 
plare vorgelegt von dem in der vorigen 
Sitzung zum Druck bewilligten Verzeichniss 
richtig benannter Obstbaum - und Strauch- 
sorten, welche aus dem mit Unterstützung 
eines hohen königl. landwirthschaftlichen 
Ministeriums gepflegten Garten der Section 
für Obst- und Gartenbau (Matthiasstr. 90), 
der Schlesischen Gesellschaft für vaterlän- 
dische Cultur zu Breslau im Herbst 1865 
und - Frühjahr 1866 unter den darin ange- 
führten Bedingungen, für Mitglieder dieser 
Section aber mit einer Preissermässigung 
von 25 Proz., käuflich zu haben sind und 
solche, welche ausserordentliche Beiträge 
für diesen Garten leisten, noch besondere 
Berücksichtigung erfahren, auch Edelreiser 
gratis erhalten. In diesem Verzeichniss 
sind die Arten der verschiedenen Frucht- 
gattungen, nach den in dem vorjährigen 
Verzeichniss zur Anwendung gebrachten 
Systemen geordnet und mit denihnen, nach 
dem illustrirtten Handbuch für Obstkunde 
von Jahn, Lucas und Oberdieck zukommen- 
den richtigen Namen aufgeführt, in verkäuf- 
lichen 98 Sorten Aepfel, 77 Sorten Birnen, 
3 Sorten Kirschen, 17 Sorten Pflaumen, 15 
Sorten Aprikosen und Pfirsichen, 31 Sorten 
Weinreben und 62 Sorten Stachel-, Johan- 
nis-, Himbeeren und Erdbeeren, welche aus 
den sichersten und besten Quellen in dem 
Garten der Section sorgfältig unter richtigen 
Namen cultivirt und erhalten werden. Den 
Namen der Baumobst-Sorten ist diesmal 
nicht allein die Bezeichnung, in welcher 
Form die jungen Stämmchen abgebbar sind, 
die üblichsten Synonyma für dieselben, wie 
auch die Zeit der Reife und Dauer der 
Früchte, sondern auch, welche Sorten auf 
den deutschen Pomologen- Versammlungen 
besonders zu allgemeinem Anbau empfohlen 
wurden, und ferner Angaben über deren 
Werth als Tafel- oder Wirthschaftsobst, Ei- 
genschaften der Bäume selbst und deren 
geeignete Standorte hinzugefügt. Das Ver- 
zeichniss ist von dem Secretär Herrn E. H, 
Müller stets zu beziehen. 


Es ist ein erfreuliches Zeichen, dass in 
Deutschland die hohe Wichtigkeit des Obst- 
baues für die Landescultur immer mehr er- 
kannt wird, dass solche von allen Vereinen 


318 


befördert und namentlich in Preussen, jetzt 
auch vom Landwirthschaftlichen Ministerium 
kräftig unterstützt wird. 
(E. R.) 
9) Hibiscus Moscheutos zur Pa- 
pierfabrikation. Derselbe wächst in 
den Sümpfen der südlichen Staaten Nord- 
amerikas wild. Seine Wurzeln dauern aus 
und seine 4—7 Fuss hohen Stengel enthal- 
ten ein zur Papierfabrikation sehr geeignetes 
Fasergewebe. In Nordamerika hat man 
schon begonnen, diese Pflanze zu diesem 
Zwecke anzubauen. (Flora.) 


12) Gyneriumargenteum, dasPam- 
pasgras zu kräftiger Entwickelung 
und in reichliche Blüthe zu brin- 
gen. Herr Buckstein zu Gross-Bartensleben 
schlägt hierzu in Neuberts Magazin die fol- 
gende Cultur vor, die uns sehr nachah- 
mungswerth erscheint und in ihren Grund- 
zügen bei allen Blattpflanzen vorzügliche 
kesultate haben dürfte. Zeitig im Frühlinge 
oder auch schon im Winter, werden 6 Fuss 
tiefe und 7 Fuss im Quadrat haltende Lö- 
cher ausgegraben und die ausgebrachte Erde 
fortgeschafitt. Auf den Boden der Grube 
kommt nun eine 2 Fuss hohe Lage von 
Steinen, die lose über einander gelegt wer- 
den, damit zahlreiche Lufträume zwischen 
den Steinen bleiben. Dann werden !/, Fuss 
hoch kleinere Steine übergebracht, um das 
Durchiallen der Erde zu hindern. In diese 
Lage werden 2zöllige Drainröhren eingelegt 
und durch aufrecht stehende Röhren, die 
1/, Fuss über den Boden hervorragen mit 
der äusseren Luft in Verbindung gesetzt, 
um auf diese Weise eine vollständige Bo- 
denlüftung zu vermitteln. Ueber die Steine 
kommt nun zunächst 1 Fuss hoch kurzer 
Mist und der obere Theil der Grube wird 
mit einer Mischung von 1 Theil Moorerde, 
1 Theil Lauberde mit Sand und ein Theil 
verrotteter Kuhdüngererde aufgefüllt. In die 
Mitte der Grube wird nun ein starkes Exem- 
plar des Gynerium gepflanzt und anfangs 
schwach angegossen, bis es zu wachsen be- 
ginnt. Von jetzt an erhält die Pflanze aber 
wöchentlich dreimal einen starken Guss mit 
einer schwachen Auflösung von Guano und 
Hornspänen. 


Ausserdem werden noch von. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Zeit zur Zeit zur besseren Erwärmung des 
Bodens 3—4 Giesskannen voll kochenden 
Salzwassers in die Röhren eingegossen, 
Auf diese Weise hat Hr. B. üppig blühende 
Exemplare dieses schönen Grases in wahr- 
haft gigantischen Verhältnissen erzogen, — 
freilich nicht ohne Mühe und Kosten, wie 
viele unserer Leser denken werden. — 


11) Anzucht von Zwetschenbäu- 
men aus Samen. Die Zwetschensteine 
pflegen bei der Aussaat nicht gut aufzu- 
gehen. Man benutzt daher meist Ausläufer 
zur Erziehung der Zwetschenbäume in Baum- 
schulen. Durch Aussaat erhält man aber 
schönere kräftigere Stämme. Nach. einer 
Einsendung des Herrn Koppe in Neuberts 
vielgelesener Monatsschrift verfahre man in 
folgender Weise. Im Herbst werden die 
Zwetschenstämme, sowie man solche frisch 
bei der Verwendung der Früchte erhält, so- 
fort in Kästen in feuchten Sand schichten- 
weis eingeschichtet und im Keller bis zum 
nächsten Frühlinge aufbewahrt. Im. Früh- 
linge legt man solche auf gut rijolten etwas 
feuchten Boden, wo sie sämmtlich bald 
keimen werden. Im nächsten Frühlinge 
pflanzt man die jungen Pflanzen in einen 
Abstand von 1'/, Fuss in 2 Fuss von einan- 
der entfernten Reihen auf rijoltem Boden 
und giesst anfänglich bei trockenem Wetter. 
Im folgenden Frühjahr schneidet man solche 
am besten auf 2—5 ZollHöhe über den Bo- 
den zurück und lässt alle Triebe gehen, 
um dann im folgenden Jahre die schwä- 
cheren fort zu schneiden und aus dem stärk- 
sten Trieb den Stamm zu erziehen. — Ne- 
ben diese Culturmethode des Herrn Koppe 
stellen wir die vom Herrn F. Luckow, wel- 
che obigen Resultaten theils widerspricht 
und vom Hrn. Lucas in der Pomologischen 
Monatsschrift bestätigt wird. 

Herr Luckow hatte das gleiche gute Re- 
sultat mit der Anzucht der Zwetschen aus 
Steinen. Auck er nimmt die Steine aus gut 
gereiften Zwetschen im Herbst, reinigt sol- 
che sofort in Wasser und säet sie dann 
entweder sofort aus oder schichtet sie in 
Sand bis zum Frühling ein. Beide Metho- 
den hatten gleich guten Erfolg. Herr Lu- 
ckow weist noch darauf hin, dass die aus 


IV. Literatur. 


den Zwetschen genommenen Steine nicht 
etwa mit dem theils an solchen hängenden 
Fleische erst aufHaufen liegen bleiben dür- 
fen, indem sie hier in Gährung kommen 
und die Keimkraft verlieren. — 


Bis hierher stimmen die Erfahrungen 
beider überein, nun aber tritt der grosse Un- 
terschied ein, dass es Herrn Luckow nicht 
gelang, aus den jungen, aus Samen erzoge- 
nen Zwetschenbäumehen Hochstämme zu 
erziehen, da solche trotz wiederholten Zu- 
rückschneidens im Frühling bis nahe an die 


Erde, — trotz des Einstutzens der Seiten- 
zweige etc., einen strauchartigen Wuchs 
beibehielten. — Als er dagegen im 3. Jahre 


nach dem Pflanzen, solche über der Erde 
veredelte, da gelang es ihm, einen Stamm 
aus dem Edelreis zu erziehen, der schon 
am Ende des zweiten Jahres die Höhe von 
6 Fuss zum Kronenschnitt erreicht hatte. 
Woher kommt der grosse Unterschied 
im Erfolg, den beide Züchter hatten. Re- 
sultirt solcher aus den Bodenverhältnissen, 
— oder daraus, dass Hr. Koppe alle Zweige 
seiner Samenpflanzen der Zwetschen stehen 
liess und dann erst im nächsten Frühling 
durch Wegschneiden der schwächeren Zweige 


319 


den Stamm bildete? Der Zwetschenbaum 
ist ein so wichtiger Obstbaum und verdient 
es wohl, dass erfahrene Züchter hier Auf- 
schluss geben. (E. R.) 


12) Der Giftsumach (Rhus Toxico- 
dendron). Das Deutsche Magazin erzählt 
einige Fälle, wo in Folge der Berührung 
dieser stark giltigen Pflanze, Geschwulst am 
ganzen Körper und sogar Eiterung unter 
heftigen Schmerzen eingetreten. Auch dem 
Referenten sind einzelne solcher Beispiele 
bekannt, doch sind solche gegenüber der 
Häufigkeit, in der man diesen Strauch in 
unsern Gärten angepflanzt findet, immerhin 
selten. Warmes feuchtes Wetter und der 
Beginn des neuen Triebes dieses Strauches 
scheinen solchen gefährlicher zu machen 
und namentlich wirkt zu solcher Zeit der 
Saft dieser Pflanze, wenn er auf die Haut 
kommt, gefährlich. Es ist deshalb schon 
vielfach vor der Anpflanzung desselben, so- 
wie seines ebenso verdächtisen Milchbru- 
ders, desR. radicans in den Gärten gewarnt 
worden und wir vereinen unsin dieser War- 
nung mit unserm geehrten Collegen Herrn 
Neubert. — 


V, Literatur. 


1) E. Boissier, Icones Euphorbiacearum 
ou Figures de 122 &speces du genre 
Euphorbia. Paris 1866. Bei Vicior Mas- 
son et fils. — 


Der berühmte Genfer Botaniker, Ed- 
mond Boissier, arbeitet mit bewunderns- 
würdiger Thätigkeit im Gebiete der beschrei- 
benden Botanik. Nachdem er selbst in 
früheren Jahren den ganzen Süden Europas, 
einen Theil Nordafrikas und des Orientes 
durchforscht, haben wir von demselben nicht 
allein die vorläufigen Beschreibungen einer 
Masse von ihm entdeckter Pflanzen erhalten, 
sondern Boissier ging weiter, — er vertheilte 
auch die von ihm gesammelten Pflanzen- 


schätze an die bedeutendsten Herbarien Eu- 
ropas und Amerikas. Der Gartenbau, dessen 
eifriger Freund und Förderer derselbe ist, 
verdankt ihm die Einführung einer Menge 
der von ihm entdeckten Pflanzen, die er zu- 
erst im eigenen Garten zu Valeyres im Can- 
ton Waad cultivirte und deren Samen dann 
durch den botanischen Garten in Genf ver- 
theilt wurden. Die Gartenflora hat von man- 
cher seiner Einführungen Beschreibungen 
und Abbildungen ihren Lesern gegeben. — 

Gegenwärtig hat Boissier als Haupt- 
arbeit die Bearbeitung einer Flora orientalis 
vor, deren erster Band binnen Jahresfrist 
erscheinen wird. Damit aber nicht zufrie- 
den, fand Boissier nebenbei immer auch noch 


320 


Zeit zu monographischen Arbeiten. Die Fa- 
milie der Plumbagineen und die schwierige 
Gattung Eu phorbia sind von ihm in Can- 
dolles Prodromus publicirt worden und das 
oben angezeigte Prachtwerk in Folio giebt 
nachträglich die Abbildung von 120 theils 
neuen, theils wenig gekannten Arten der 
Gattung Euphorbia. 

Wer von Naturforschern nur einiger- 
massen weiss, welche financielle Schwierig- 
keiten heut zu Tage die Ausgabe solcher 
mit Tafeln versehener grosser wissenschaft- 
licher Werke hat, der kann es auch beur- 
theilen, welche Opfer an Zeit und Capital 
von Boissier im Laufe der Zeit zur Förde- 
rung der Wissenschaft gebracht worden sind, 
die dieser hochverdiente Mann sich zur Le- 
bensaufgabe gewählt hat. Die kleine Schweiz 
kann deshalb stolz darauf sein, dass seit 
Gerners Zeiten, sie stets zu den ersten be- 
kanntesten Forschern im Gebiete der Bota- 
nik ihr Contigent gestellt hat, glänzen doch 
auch jetzt neben E. Boissier, ein A. Can- 
dolle und dessen Sohn (Grossvater, Sohn, 


Enkel berühmte Botaniker) Reuter, Heer, 


Meissner und der in München lebende 
C. Nägeli, als ebenso viele unvergängliche 
Namen im Kreise der Botanik unserer Zeit. 


(E. R.) 


2) Sulle pianti fossili del Trias di 
Recoaro raccolte dal Prof. A. 
Massalongo osservazioni del 
Barone Achille de Zigno. 


K 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Baron von Zigno in Padua giebt im an- 
gezogenen Werke die Beschreibung und Ab- 
bildung der vom berühmten Monographen 
der Familie der Flechten, Professor Massa- 
longo in der Trias von Recoaro entdeckten 
fossilen Pflauzen. (E. R.) 


3) Bulletin de la Societe Imperiale 
des Naturalistes de Moscou 1865. 
Nr. 4. 


An Gegenständen, die in unser Gebiet 
gehören, enthält dieses Heft nur 2 Abhand- 
lungen. 

Die eine von dem berühmten Natur for- 
scher K. Baer, in welcher der Autor das 
Niederfallen von phosphoresecirenden Schleim- 
und Gallertmassen, die man für Meteorfälle 
gehalten hat, auf durch Vögel ausgebro- 
chene Massen von verzehrten Fröschen und 
Vegetabilien, zurück zu führen sucht und 
dafür einzelne Beispiele aufführt. 

Die zweite Abhandlung ist eine Arbeit 
über die Familie der Betulaceen vom Re- 
ferenten, ein Vorläufer zu der in De Can- 
dolle’s Prodromus nächstens erscheinenden 
Bearbeitung dieser Familie, in der eine 
Uebersicht gegeben und einige neue Arten 
beschrieben und abgebildet sind. Die aus- 
gezeichnetste dieser neuen Arten, ist Betula 
Maximowiczii, eine prächtige Birke aus 
Japan, mit grossen, einer Linde ähnelnden 
Blättern. (E. R.) 


. Originalabhandlungen. 


1) Abgebildeie Pflanzen. 


a) Calypso borealis Salsb. 


(Siehe Tafel 523, 


Fig. 1—2, a—c.) 


Orcehideae. 


C. borealis Salsb. Parad. Lond. t, |schen Klima noch wenig Exceursionen 


89.— Pursh. fl. of North Am. II. 194, 


macht, so dass auch in den Herbarien 


— Ledb. fl. ross. IV. 52. — Hook. Bot. | diese Pflanze zur Seltenheit gehört. Um 


Mag. Tab. 2763. 

Beigehend geben wir die Abbildung 
der zartesten und lieblichsten Erdorchi- 
dee des Nordens Russlands, Asiens und 
Nordamerikas, wo solche zwischen Moos 
in einer lockeren Erde wächst, die von 
den abgefallenen Blättern und Zweigen 
des Waldes gebildet ist. Im Jahre 1827 
bildete Hooker diese liebliche Pflanze im 
Betanical Magazine nach einer lebenden 
Pflanze ab, die aus Canada nach Kew 
gesendet worden war. Seitdem scheint 
diese Pflanze aber nicht mehr in Oultur 
gekommen zu Sein. 

Die Pflanzen des Botanischen Gar- 
tens in St. Petersburg stammen aus 
den Wäldern um Lisino, 14 Meilen 
von Petersburg, wo solche stellen- 
weise häufig wächst. Sie blüht aber 
schon zu einer so frühen Zeit, nämlich 
Mitte Mai, wenn man in unserem nordi- 

XI. 1866. 


Petersburg, wo diese Pflanze gleichfalls 
wachsen soll, haben wir solche noch 
nicht gefunden. Die Wurzel besteht aus 
einer kleinen schuppigen Knolle, die 
2—3 Wurzelfasern aussendet. Jede 
Knolle trägt ein wurzelständiges Blatt 
und einen einblumigen, mit häutigen 
Scheiden besetzten Blüthenschaft, der 
unterhalb der Blumen eine kleine, lineare 
rosenrothe abstehende Bractee trägt. 
Das Blatt unserer Pflanzen ist oval oder 
fast lanzettlich oval, in den halbrunden 
oben rinnigen Blattstiel am Grunde ver- 
schmälert (am Grunde nicht herzförmig, 
wie solches Hooker abbildet), von 7 
Längsnerven durchzogen und längs der- 
selben faltig, kaum 2 Zoll lang und mit 
ungefähr zolllangem Blattstiel, Blüthen- 
schaft 5—6 Zoll hoch, zart und gebogen. 
Blume zart rosa, nickend, ungefähr 1 
Zoll im Durchmesser. Lippe länglich, 
21 


322 


nach vorn sackförmig, 


unterhalb der | Unterlage von Moos im Topfe. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Im 


Spitze in 2 kurze Hörnchen ausgehend, | Sommer schattiger Standort im Freien, 
auf der Scheibe mit 3 kurzen bartigen |im Winter Standort in frostfreien Bee- 


Schwielen. Blüthenhüllblätter linien- 
lanzettlich, aufsteigend. Griffelsäule in 
ein concaves ovales blumenblattartiges 
Blatt ausgebreitet. Anthere zweifäche- 
rig. Zwei Pollenmassen, von denen jede 
wiederum zweitheilig. 

Cultur im Topfe in einer lockeren 
Erde aus Tannennadeln und Moos, mit 


ten, oder auf der Nordseite von Kalt- 
häusern bei 1—2° R. Im Frühling 
stellt man die Pflanze in einem niedri- 
gen Kalthause oder Fensterbeete nahe 
dem Glase auf und lüftet stark. — 

a) Griffelsäule, b) Anthere, ec) Spitze 
der Griffelsäule mit den Pollenmassen, — 


b) Bossiaea Hendersoni. 


(Siehe Tafel 523. Fig. 3. d. e.) 


Leguminoszae, 


B. Hendersoni hort.; ramis te- 
retibus, erectis, puberulis; ramulis dense 
distiche foliosis; foliis oppositis, minimis, 
ovato- v. subeordato-subrotundis, acutis 
eiliolatis; stipulis subulatis petiolum vix 
aequantibus; pedicellis axillaribus folia 
multo superantibus, pilosulis, sub apice 
bibracteolatis; calycibus leguminibusque 
glabris. — 

Wir haben den in Rede stehenden 
kleinen niedlichen Strauch aus Neuhol- 
land aus dem Garten von James Booth 
und Söhne in Hamburg als B. Hender- 
soni empfangen. Eine Beschreibung 
dieser Pflanze konnten wir nicht auffin- 
den. Ebenso überzeugten wir uns, dass 
solches eine ausgezeichnete, überhaupt 
noch nicht beschriebene Pflanze ist, die 
sich schon durch die gegenständigen 
Blätter von allen anderen bekannten 
Bossiaea-Arten unterscheidet. Auch die 


tung aufzustellen, wozu die nur 3 Sa- 
men umschliessende lang gestielte Hülse 
einen ferneren Character abgeben könnte, 

Bildet einen kaum fusshohen Strauch 
mit stielrunden gegenständigen oder zu 
3 stehenden Aestchen, sehr kleinen 
rundlichen, zweizeilig gestellten Blättern 
und niedlichen achselständigen Blumen, 
deren Blüthenstiel viel länger als die 
Blätter. Der Kelch zweilippig. Die 
Oberlippe sehr gross, 2lappig, mit ab- 
gerundeten, oder nach unten fast schna- 
belförmig kurz gespitzten Lappen, wel- 
che während der Blüthe aufrecht, nach 
der Blüthe zurückgeschlagen sind. Blu- 
men von innen goldgelb, die Fahne von 
aussen dunkelbraunroth. Cultur gleich 
der der anderen zarten Neuholländer. 
Blüht im Mai, — 


Fig. d) ein Kelch mit den Staub- 


ganze Tracht der Pflanze weicht von | fäden. Fig. e) Kelch nebst der jungen 


Bossiaea ab, so dass man in Versuchung 
kommen könnte, solche als neue Gat- 


Frucht. Beide schwach vergrössert. 


I. Originalabhandlungen. 


c() Asperula azurea Jaubk 


ß. 
(Siehe Tafel 
Rubi 


A. azurea Jaub. et Spach, ill. pl. 
or. pag. 150. 151. tab. 82. — Walp. 
rep. VI. pag. 24. — P. setosa; foliis 
in pagina superiore setis raris adsper- 
sis. — 

Die Einführung dieser niedlichen 
einjährigen Pflanze danken wir dem 
Hrn. Dr. Radde, Director des Cauca- 
sischen Museums in Tiflis. Dieselbe ist 
unserer Asp. arvensis nahe verwandt, 
aber dadurch gut verschieden, dass die 
borstig behaarten Blättchen des Involu- 
erums und die Bracteen mehr als noch 
einmal so kurz als die himmelblauen 
in Köpfen stehenden Blumen sind. Wir 
rechnen diese Pflanze zu den schönsten 
und zierendsten Einjährigen Pflan- 


323 
et Spach. 
setosa 
523 Fig. 4.) 
aeae. 
den. Unseren zahlreichen Correspon- 


denten, denen wir die Samen des Cau- 
casus von Radde gesammelt mittheilten, 
zeigen wir gleichzeitig an, dass wir den 
Samen dieser niedlichen Pflanze als 
Asperula spec, Nr. 44 vertheilten. 

Gehört zu den Pflanzen von ganz 
leichter Cultur. Die Samen werden so- 
fort in’s freie Land in eine lockere san- 
dige Erde auf sonnigen Standort ausge- 
säet und entwickeln ihre lieblichen Köpfe 
himmelblauer Blumen in reichlicher 
Menge im Juni und Juli. Schön als 
Pflanze zu Einfassungen, — 

Unsere Exemplare bilden eine leichte 
Form, deren Blätter nicht kahl, sondern 
auf der Oberfläche mit einzelnen Borsten, 


zen, die in letzter Zeit importirt wur- | besetzt sind. — (E. R.) 
dd) Seutellaria aurata Lem. 
(Siehe Tafel 524.) 
Labiatae. 
Sceutell. aurata Lem. (Ilustr. hort.) | glänzende Erscheinung dar, — unsere 


X. tab. 368. — Bot. Mag. tab. 5525. — 

Wenn unsere Leser die oben ci- 
tirte Abbildung von Sc. aurata mit der 
unseren vergleichen, so werden solche 
den Unterschied finden, der meist zwi- 
schen den Abbildungen der Gartenflora 
und denen der Belgischen Garten-Jour- 
nale stattfindet. Die Abbildung im Illu- 
stration stellt diese Pflanze als eine 


zeigt eine armblumigere, wohl hübsche 
Art, die aber viel bescheidener und an- 
spruchsloser auftritt. Wir bemerken 
dies, weil es Grundsatz der Gartenflora 
ist, keine Pflanze verschönert, — oder 
in einem Zustande, wie solche etwa 
werden könnte, — sondern genau nach 
der Natur darzustellen. Auch Hooker, 
der tab. 5525 kürzlich eine Abbildung 
21 * 


324 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. - 


dieser Pflanze im Bot. Mag. gab, fiel| mit einzelnen kurzen Haaren besetzt, 
das gleiche auf, er bildete deshalb von | unterhalb heller und auch unter der 


seiner Pflanze eine Abart mit kleineren 
Blumen. Die bei uns blühende Pflanze 
stammt aber direct aus dem Garten A. 
Verschaffelt’s, so dass nur die Auffassung 
den Unterschied bedingt. Bildet fuss- 
hohe Stengel, die dicht mit kleinen ein- 
fachen oder an der Spitze drüsigem 
Haaren besetzt sind. Blätter gegen- 
ständig, gestieli, aus herzförmigem 
Grunde länglich -elliptisch, spitz oder 
stumpflich, am Rande schwach buchtig 
ausgeschweift, oberhalb dunkelgrün und 


Lupe nur undeutlich kurzhaarig. Blu- 
men goldgelb, in armblumigen spitzen- 
ständigen einzelnen lockeren einseitigen 
Trauben. 

Eine halbstrauchige Warmhaus- 
pflanze, die vom Sammler des Herrn 
Verschaffelt, Herrn Baraquin, aus Bra- 
silien in den Garten des Herrn Ambr. 
Verschaffelt eingeführt wurde. 

Eig. I ein Staubfaden, Fig. 2 der 
Griffel. Fig. 3 der Fruchtknoten ver- 
grössert. (E. R.) 


Eupatorium riparium Hort. 


(Siehe Tafel 525.) 


G.o'’m,p 0 si t,ae. 


(Sect. III. Eximbriearia, capitulis 
10—20 floris. D. C. prodr. V. pag. 
169— 173). — Fruticosum; ramis tere- 
tibus, ramulis hispidulis; foliis oppositis, 
oblongo-lanceolatis, in petiolum angusta- 
tis acuminatis, triplinerviis, grosse acu- 
teque dentatie, basi apiceque integris, 
supra glabrescentibus, subtus ad nervos 
valde prominentes sub lente hirtulis; 
corymbis terminalibus axillaribusque, po- 
Iycephalis; capitulis pedicellatis; pedun- 
eulis involucrisque puberulis. — 

Aus dem Garten der Herren Haage 
und Schmidt in Erfurt erhielt der Pe- 
tersburger Garten das in Rede stehende 
Eupatorium, das sehr wahrscheinlich 
aus den Gebirgen Amerika’s stammt. Es 
ist ein ziemlich schwieriges Uuterneh- 
men, eine neue Art der Gattung Eu- 
patorium aufzustellen, einer Gattung, 


die schon Hunderte von Arten zählt. 
Dennoch haben wir das E. riparium 
der Gärten, mit den Beschreibungen 
der bis jetzt bekannten Eupatorien ver- 
glichen und wir konnten keine Art auf- 
finden, mit der dasselbe vereinigt wer- 
den konnte. Es bildet einen niedrigen 
I—2 Fuss hohen, stark verästelten 
Strauch, der im Kalthause eultivirt, im 
Mai seine weissen Blüthenköpfe in zahl- 
reichen Corymben entwickelt. Als Pflanze 
von leichter Cultur, die durch Stecklinge 
und Samen sich leicht vermehrt, dürfte 
dieser kleine Zierstrauch sowohl zur 
Cultur im niedrigen Kalthause, — wie 
zum Auspflanzen während des Sonımers 
ins freie Land, allgemein zu empfehlen 
sein. Ist mit E. puberulum D. C. und 
Eupatorium rhomboideum H, B. K. zu- 
nächst verwandt. Das erstere unter- 


I. Originalabhandlungen. 


scheidet sich aber durch sitzende Blü- 


325 


Fig. I, ein Hüllkelch. Fig. 2. 


thenköpfe und das andere durch stumpf- | Früchtehen mit Pappus und Blumen- 


liche Blätter. (E. R.) 


| krone, — 


Beide vergrössert. — 


2) Allium ursinum, der Bärlauch als Gartenpflanze. 


Jedes Frühjahr, ehe die Bäume 
grün werden, freue ich mich über die, 
Maiblumen (Convallaria majalis) glei- 
chenden, üppig grünenden Blätter des 
Bärlauchs, welchen ich aus hiesigen 
schattigen Wäldern, wo er an nassen 
Stellen in Menge wächst, in den Blu- 
menpark um meine Wohnung verpflanzt 
habe. Kommt dann der Mai, dann zei- 
gen sich einige Zoll über der undurch- 
dringlichen Blättermasse grosse Dolden 
schneeweisser Blumen, die einzelnen 
Blüthen etwas kleiner als bei A. Moly, 
aber die Dolden grösser. Ich schätze 
diese Blüthen im Bezug auf das An- 
sehen viel höher als Maiblumen und die 
hier ebenfalls alle Gebüsche überziehen- 
den rothen und weissen Corydalis. Kaum 
ist aber der Mai zu Ende, so werden 
die Blätter des Bärlauchs gelb, die Sa- 
men reifen und fallen aus, und bald 
darauf sieht man nichts mehr davon, 
denn die gelben Ueberreste werden von 
der verschönernden Natur durch andere 
Waldkräuter vollständig bedeckt, beimir im 
Garten durch Stellaria nemorum, die ich 
ebenfalls für eine reizende Pflanze halte, 
und Circaea lutetiana. Ueber die Oul- 
tur ist wenig zu sagen, und im Grunde 
kann man das Wachsen in und von Ge- 
büschen keine Cultur nennen. Man 


pflanzt einige Zwiebeln an und überlässt 
sie sich selbst. Bald breiten sich die 
Pflanzen durch Brut aus, noch mehr 
durch Samenausfall, indem die Samen 
in den Kapseln keimen, (was ich da- 
raus schliesse, dass die jungen Zwie- 
beln immer büschelweise zusammen- 
sitzen,) und durch das Reinigen der Ge- 
büsche im Frühjahr noch mehr verbrei- 
tet werden. Die erste Bedingung für 
das Gedeihen ist ein nasser, wenigstens 
im Frühjahre nasser Standort. In den 
Wäldern sitzen die Zwiebeln meistens 
in einem schwarzen Boden, welcher im 
Frühjahre fast Schlamm ist und biswei- 
len mit den Zwiebeln von den Felsen, 
die er nur schwach bedeckt, heruuter- 
rutseht, und an der Stelle, wo dies Al- 
lium bei mir im Garten verwildert ist, 
steht im Frühjahr das Schichtwasser 
ebenfalls hoch bis zum Austreten, wäh- 
rend der Platz im Sommer vollständig 
austrocknet. — Sollte Jemand Samen 
und Zwiebeln von mir wünschen, so bin 
ich gerne zur Abgabe bereit, müsste 
aber zum Sammeln schon bis Mai ver- 
anlasst werden. Zwiebeln kann ich nur 
im ersten Frühjahre abgeben, weil die 
abgestorbenen schwer aufzufinden sind. 


J. 


326 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


3) Geschichtliche Notizen über die Entwicklung der Gärtnerei 


in Berlin und Potsdam. 


Von Paul Sorauer. 


(Fortsetzung.) 


Während bisher das Prächtige und 
Schöne, das Künstlerische und Geniale 
sich des besonderen Schutzes des Hofes 
erfreute, sehen wir jetzt, im Jahre 1713, 
mit dem Regierungsantritte König Frie- 
drich Wilhelm I., vorzugsweise das 
rein Nützliche in den Vordergrund tre- 
ten. Der erste Beweis für diese einge- 
schlagene Richtung war die Errichtung 
eines grossen Küchengartens, der zum 
Theil jetzt noch besteht. Das darin er- 
baute schlichte Lusthaus nannte der 
König sein Marly. Der Potsdamer 
Lustgarten aber wurde, sowie der zu 
Berlin, ein Exereierplatz und der Blu- 
mengarten des Schlosses Glienicke wurde 
Gemüsegarten, in dessen Nähe eine 
Maulbeerplantage angelegt wurde, weil 
der König den Seidenbau im Grossen 
zu betreiben beabsichtigte. Allein die 
Pläne, die in Betreff dieser Qultur ent- 
worfen waren, konnte erst sein Nach- 
folger Friedrich der Grosse zur Ausfüh- 
rung bringen und diesem verdankt auch 
die Gärtnerei im Ganzen ihren unge- 
heueren Aufschwung. Namentlich ist 
es die Landschaftsgärtnerei, um die sich 
Friedrich II. verdient gemacht hat; denn 
er ist es, der die Pläne einer Vereini- 
gung der sämnitlichen, um Potsdam he- 
rumliegenden zerstreuten Anlagen wie- 
der aufnahm und somit einen Plan, der 
seit den Zeiten des grossen Churfürsten 
gänzlich in den Hintergrund getreten 
war, seiner Ausführung entgegen brachte, 

Durch ihn erhielt das Potsdamer 
Schloss seine, nach den Entwürfen des 


Säulen, Statuen u, s.w. und das durch den 
früheren Herrscher zum Reitstall umge- 
wandelte Orangerie-Gebäude des Schlos- 
ses wurde seiner früheren Bestimmung 
wiedergegeben. Auch der zum Exer- 
cierplatz umgewandelte Lustgarten ver- 
lor seine ehemalige Gestalt aus der Zeit 
der Riesensoldaten und wurde wieder 
Blumengarten, in dessen Mitte eine 
grosse Neptunusgruppe gesetzt wurde. 
Rings um diese Gruppe standen 24 
grosse Orangenbäume in bleiernen und 
kupfernen vergoldeten Vasen, zwischen 
welchen ebenso viele geradgeschnittene 
Taxuspyramiden sich befanden. 

Das Hauptwerk des grossen Königs 
aber ist die Anlage von Sanssouci, des- 
sen Ausführung durch eine Cabinets- 
ordre des Jahres 1744 an befohlen war. 
Es heisst darin, dass eine Anhöhe zwi- 
schen dem Königlichen Küchengarten 
und der Domäne Bornstädt terrassirt und 
nach speeieller Zeichnung mit einer An- 
lage versehen werden sollte. Dieser 
Hügel, der seiner vielen Lehmgruben 
wegen nur der wüste Berg genannt 
wurde, zeigte in Kurzem die berühmten 
6 Terrassen von Sanssouci, jede von 
10 Fuss Höhe, mit 840 Glasfenstern, 
in denen 168 Nischen die feinsten Wein- 
und Obstsorten gezogen werden sollten. 
Diese 6 Terrassen wurden durch die 
den unteren Garten mit dem 60 Fuss 
höheren Plateau verbindende Freitreppe 
von 2970 Fuss Länge bestiegen. 

Nach der Rückkehr des Königs 
aus Böhmen 1745 gab er Befehl von 


Freiherrn v. Knobelsdorf ausgeführten ; Berlin aus, ein Lustschloss auf diesem 


Verschönerungen durch korinthische 


Plateau aufzubauen und er skizzirte 


I. Originalabhandlungen. 


dazu den Plan mit eigener Hand. Die- 
ser Bau kostete 306,843 Thaler, wäh- 
rend der Terrassenbau 47,909 Thaler 
erfordert hatte, 

Am westlichen Ende des Plateaus 
befand sich die königliche Gruft, auf 
welche hindeutend der grosse König zu 
dem Marquis d’Argent einst sagte: 
„Quand je serais la, je serais sans 
souci.* — Seinem Könige nach nennt 
das Volk seitdem jene prächtige Schöpf- 
ung Sanssouci *). — 

Zum völligen landschaftlichen Ab- 
schluss des grossartigen Terrassenbaues 
gehörte aber auch die Umbildung der 
am Fusse derselben sich hinziehenden 
moorigen Wiesen und Sandbänke in 
freundliche Anlagen. 

Mit welcher Energie auch dieses 
Werk in Angriff genommen, und der 
meist sumpfige Boden ausgefüllt wurde, 
zeigt die Thatsache, dass alles Fuhr- 
werk in der Nähe Potsdam’s, selbst das 
königliche helfen musste, Schutt und 
Steine herbei zu schaffen und Kähne 
von Breslauer Schiffern holten fruchtbare 
Erde aus der Magdeburger Gegend. 
Schon 1747 war das Werk iın Grossen 
vollendet. Zu beiden Seiten der Terras- 
sen zogen sich Laubholz und Lerchen- 
pflanzungen hin; auf jeder der 6 Terras- 
sen hatte der Gärtner Krutisch aus 
Hessen und Heintze aus Rheinsberg 16 
prächtige, an 15—20 Fuss hohe Taxus- 
pyramiden aufgestellt, zwischen welche 
paarweise Zwergobst - Stämme gepflanzt 
waren. Den Hintergrund bildeten nie- 
drige geschorene Hecken, welche von je 
2 zusammenstehenden Orangenbäumen 
überragt wurden, 

Diese berühmt gewordene Orangerie 


*) Kopisch behauptet, dass dieser Name 
schon früher existirt habe. 


327 


war zum Theil aus Schlesien verschrie- 
ben worden, wo dieser Culturzweig bei 
der Eroberung des Landes schon in. 
voller Blüthe stand und von wo der 
König auch seinen ersten Orangengärtner, 
Hillner, kommen liess. Derselbe pflegte 
die Orangenbäume so gut und wusste 
dadurch den König so sehr für seine 
Pileglinge einzunehmen, dass derselbe 
bald aus allen Weltgegenden Orangen- 
bäume zusammenkaufte und seine gross- 
artige berühmte Sammlung bis auf 600 
Stämme brachte. Im südosten des 
Lustschlosses wurde zu dieser Zeit das 
erste hier gesehene Treibhaus errichtet, 
das 320 Fuss lang und 20 Fuss tief 
war und an seiner Nordseite eine stei- 
nerne Mauer mit heizbaren Kaminen für 
die Thonöfen im Innern, sowie eine Ka- 
nalheizung unter dem Fussboden besass. 
Dieses neue Treibhaus wurde dem Hof- 
gärtner Sello übergeben, damit er für 
den König Kirschen treiben möge. 

Es hatte nämlich den Berlinischen 
Nachrichten vom 12. September 1735 
zu Folge ein französischer Gärtner 
„Pierre Amry (?) vor dem Stralower- 
„Thore vor etlichen Jahren die schöne 
„Kunst erfunden, dass er durch Gottes 
„Gnade einen Kirschbaum (er sei so 
„gross oder so klein, als er wolle) 
„binnen Anfang Februarii in den Stand 
„setzen könne, dass er die schönsten 
„Blätter und Blüthen zugleich als wie 
„im Sommer presentiret. In Tragung 
„der Früchte kann er durch sonderliche 
„Treibung dahin gebracht werden, dass 
„selbige Kirschen vom Monat April bis 
„Anfang Junii von diesen getriebenen 
„Bäumen zu haben sind.“ 

Diese Kunst verstand denn auch 
der Hofgärtner Sello, der schon im fol- 
genden Jahre nach der Errichtung des 
Treibhauses. am 27. März 1748 ein Des- 
sert von Kirschen, Pflaumen, Pfirsichen 


328 


und Weintrauben dem Könige übergab. 
Durch solche Lieferungen wurde die 
Freude des Königs an getriebenem 
Obste so vermehrt, dass er alsbald noch 
eine neue Treiberei anlegen liess und 
auch Privaten ermunterte, sich mit die- 
sem Gegenstande zu befassen; manch- 
mal zahlte er im März für eine Kirsche 


2 Thlr. und einmal für ungefähr 4 
Schock an 700 Thaler. (s. Kopisch 
pag. 93). 


Wir erwähnen diesen kleinen Zug, 
um die Vorliebe des Königs für die Ge- 
nüsse der Gartenkunst zu zeigen undsomit 
den Erklärungsgrund für die grossarti- 
gen Anlagen zu geben, die durch ihn 
entstanden und in deren Beschreibung 
wir noch für einige Zeit den Entwicke- 
lungsgang der Gärtnerei werden verfol- 
gen müssen. 

Nach dem 7jährigen Kriege wirk- 
ten in Sanssouci und Umgegend 9 Hof- 
gärtner, von denen jeder sein besonderes 
Revier hatte, So besorgte 1) der Hof- 
gärtner Samuel Sello den Küchengarten 
von 133/; Morgen, in welchem eine 
Sonnentreibmauer 690 Fuss lang, mit 83 
grossen Fenstern zu Pfirsichen, Apriko- 
sen und Wein und ein hölzernes Boh- 
nenhaus sich befanden; ferner ein an- 
deres von 841/, Fuss Länge; sodann 
ein hohes Haus zu Pfirsich, Wein und 
Pflaumen von 2351/, Fuss Länge; aus- 
serdem gab es noch eine Menge Mist- 
beete und die den Garten einschliessen- 
den Bretterwände mit Spalierobst zu 
besorgen. 

2) Dem Bofgärtner Johann Hillner 
waren zur Pflege übergeben: das grosse 
massive Örangeriehausvon 496 Fuss Länge 
mit 140 Unter- und ebenso viel Ober- 
fenstern, das kleine Orangenhaus, 296 
Fuss lang; daneben ein Feigenquartier 
von 65 Fuss Länge, ein vor diesem 
liegendes Kirsch- und Weintreibhaus 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


mit Kanalheizungen, sowie eine kleine 
31 Fuss lange Kirschtreiberei und 
schliesslich noch 2 Feigenmauern. 

3) Der Hofgärtner Joachim Ludwig 
Heydert besorgte den Lustgarten und 
das darin gelegene Orangenhaus, sowie 
die meisten Alleen um das Schloss 
herum. 

4) Der Hofgärtner Heinrich Chri- 
stian Eckstein besorgte die Grasplätze 
vor dem neuen Palais, die davon süd- 
lich und nördlich gelegenen 8 abgeson- 
derten, mit Hecken umgebenen Obst- 
gärten, die zwei Plantagen und das 
Heckentheater; nördlich des Neuen Pa- 
lais drei Sonnenmauern von je 221 Fuss 
Länge und mit 158 Fenstern zu Pfirsich 
und Aprikosen; ein Orangenhaus von 
210 Fuss Länge, den alten Weinberg 
am Belvedere mit 3 Talutmauern von 
480, 460 und 440 Fuss Länge mit 344 
grossen und ehensoviel kleinen Fenstern 
zu Pfirsich und Wein und endlich noch 
einen neuen Weinberg mit 3 Talut- 
mauern von 318, 305 und 300 Fuss 
Länge, 

5) Der Hofzärtner Salzmann hatte 
die Alleen zwischen Potsdam und Sans- 
souei, sowie die 6 Terrassen (jede 500 F. 
lang) eiu Feigenhaus von 16 Fenstern, 
sowie eine Feigenmauer mit 80 Fen- 
stern. Der Kürze wegen unterlassen 
wir die Aufzählung der Alleen und Bos- 
quets, welehe jeder Hofgärtner ausser- 
dem zu besorgen hatte und wir erwäh- 
nen nur noch: 

6) den Hofgärtner Steinert, welcher 
den Pisang- und Melonenbaumtreibereien 
zu besorgen hatte. 

7) Der Hofgärtner Krutisch versah 
die Melonen-Gurken - und Erdbeertrei- 
perei und ein grosses hohes Treibhaus 
zu Pfirsich und Pflaumen, 2 niedrige 
Treibmauern mit Kanal- und Ofenhei- 
zungen von 170 und 144 Fuss Länge, 


I. Originalabhandlungen. 


die zum Triebe von Bohnen und Pfir- 
sich bestimmt waren; sodann 1205 Fuss 
Sonnenmauern (also ohne Heizvorrich- 
tung) zu Wein und Pfirsich; dazwischen 
Melonenkästen; schliesslich ausser Obst- 
plantagen und Feigenquartieren noch 
einen Weinberg mit 6 Talutmauern in 
einer Gesammtlänge von 1088 Fuss zu 
ausländischen Weinen, 

8) Der Hofsärtner Pleymer besorgte 
nur die Ananastreiberei in einem massi- 
ven Kasten hinter dem Pisanghause und 
einen mit 12 liegenden und ebenso viel 
stehenden Fenstern versehenen gemauer- 
ten Kasten. 

9) Der Hofplanteur Wilhelm Sello 
hatte fast sämmtliche Plantagen und 
Alleen, sowie Obstbaumgquartiere von 
dem Neuen Palais und eine lange Fei- 
genmauer zu versehen, 

Sämmtliche Anlagen, soweit sie 
Blumengärten und Parks betrafen, wa- 
ren im architektonischen (französischen) 
Geschmacke: eckige Blumenbeete und 
gerade Alleen, genaue geschornee Hecken 
u. Ss, w.; aber schon war draussen die 
neue Richtung, die natürliche (englische, ) 
aufgetaucht und kaum hatte der grosse 
König die Augen geschlossen, so traten 
.auch diese neuen Ideen an die präch- 
tigen Gartenschöpfungen heran und der- 
selbe Salzmann, der bisher seine Alleen 
nie anders als rechtswinkelig zu einan- 
der und gerade sich denken konnte, 


musste nun auf königlichem Befehl 
schlängelnde Wege durch den Park 
ziehen. 


Ja die Alles umformende Hand des 
Apostels jenes natürlichen Styls, Eiser- 
beck’s, wollte selbst die Terrassen von 
Sanssouci in einen Rasenabhang um- 
wandeln, als glückliche Weise der Kö- 
nig Friedrich Wilhelm III. selbst Halt 
gebot. Doch die zu dieser Zeit neu 
entstehenden Anlagen am heiligen See, 


329 


am neuen Garten und am Marmorschloss 
wurden von dem obenerwähnten Eiser- 
beck, dem Zögling der Wörlitzer Schule, 
bald im natürlichen Geschmack gezeich- 
net. Von dieser Zeit datiren sich die 
grösseren Baumschulen in der Ümge- 
gend Berlin’s und Potsdam’s, denn die 
grossartigen Pflanzungen mussten oft 
mit allem nur erlangbaren, überall zu- 
sammengekauften Material bestellt wer- 
den und gingen daher zum Theil wieder 
aus. Diese neuen königlichen Baum- 
schulen cultivirten aber neben den 
Wald- und Alleebäumen auch ganz be- 
sonders die Obstsorten, von denen die 
neuesten und besten (holländischen) 
Sorten angeschafft wurden. 

Die Zeiten der französischen Inva- 
sion und der Befreiungskriege hemmte 
die gedeihliche Entwicklung der Garten- 
kunst natürlich ebenso, wie die aller 
anderen Künste, aber kaum war der 
König als Sieger aus Paris zurückge- 
kehrt, als er auch bald wieder an die 
Verschönerung der berühmten Anlagen 
Hand anlegte, doch wollten dieselben 
in der ersten Zeit nicht gedeihen, da 
es an passenden Kräften zur Ausführung 
fehlte. Da trat Lenne, ein Rheinländer, 
im Jahre 1816 hier auf; sein erstes 
Studium war der Neue Garten, dann 
Glienicke, die Pfaueninsel u. s. w. Wir 
übergehen die Aufzählung der einzelnen 
Leistungen, da dieselben doch nur bei 
der Besichtigung der Anlagen selbst 
gewürdigt werden können. 

Die Pfaueninsel, der Lieblingsort 
des Königs, zeigte zu jener Zeit einen 
140) R. umfassenden Rosengarten, der 
alle damals nur irgend empfehlenswer- 
then Rosen enthielt. Die Zahl der 
Hochstämme und Halbstämme belief sich 
auf 3000, ungerechnet die dazwischen 
gepflanzten Büsche von Centifolien und 
dgl. Der Hauptgegenstand aber, wess- 


330 


wegen die Pfaueninsel in der Entwick- 
lungsgeschichte der Gartenkunst beson- 
ders hervorgehoben zu werden verdient, 
ist die Pflanzensammlung, die um das 
Jahr 1830 hier entstand. Der Anfang 
dazu wurde in diesem Jahre durch den 
Ankauf der Foulchirun’schen Palmen- 
sammlung in Paris gemacht. Diese 
Sammlung wurde in einem 110 Fuss 
langen, 40 Fuss tiefen und 42 Fuss 
hohen Glashause untergebracht und 
wurde fast mit jedem Jahre vermehrt. 
Eine grosse Fächerpalme kam aus Pop- 
pelsdorf bei Bonn, eine 24 Fuss hohe 
Dracaena Draco undeinen 17 Fuss hohen 
Pandanus utilis lieferte der botanische 
Garten zu Berlin. Im Jahre 1835 wur- 
den für 1279 Thaler Palmen in Ham- 
burg gekauft, nachdem Lenn& schon 
früher von dorther Sagopalmen hatte 
kommen lassen, Im Jahre 1837 traf 
auch die durch Ankauf erworbene Par- 
mentier’sche Palmensammlung hier ein, 
die unter der Pflege des eifrigen Fintel- 
mann sich sämmtlich in trefflicher Cul- 
tur erhielten. 

Aber auch die Umgebung des Pal- 
menhauses sollte den Besucher gleich- 
sam vorbereiten zum Eintritt in die Tro- 
penwelt und da versuchte Fintel- 
mann, (unseres Wissene nach zuerst 
in Nord-Europa) während des Sommers 
Palmen in’s Freie zu stellen und wär- 
mere Blattpflanzen in den freien Grund 
zu stellen. Ihm verdanken wir die all- 
gemeine Anwendung und Verbreitung 
von Riecinus, Heracleum, Uhdea u. s, w., 
denn diese Pflanzen waren es besonders, 
die nebst den Canna’s in grossen Grup- 
pen vor dem Hause vegetirten. Schon 
einige Jahre früher hatte Lenn& eine 
neue Arbeit, das niedliche Charlotten- 
hof, übernommen, das, zum Theil ein 
morastiges Ackerstück, nach den Ent- 
würfen des Kronprinzen, welcher es 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


zum Geschenk erhalten hatte, ausgeführt 
wurde, Es unterscheidet sich von den 
ähnlichen Schöpfungen dadurch, dass 
der landschaftliche Styl nicht bis 
dicht an die Villa hin beibehalten wor- 
den ist, sondern erst allmählig in den 
architektonischen Blumengarten über- 
ging. 

Die nächsten Schöpfungen Lennes, 
Glienicke und Babelsberg übergehen 
wir und wenden uns der grössten Auf- 
gabe des Künstlers, mit der Verwirk- 
lichung der Idee des kunstliebenden Kö- 
nigs Friedrich Wilhelm IV., der alle 
die im Laufe der Zeit vereinzelt ent- 
standenen Anlagen endlich zu einem 
Ganzen zu vereinigen strebte. 

Dabei wurde auch der Umbau des 
Schlosses Sanssouci begonnen und die 
Wohnung des Hofzärtners Sello in eine 
italienische Villa verwandelt, die das 
Bild einer italienischen Landschaft ver- 
vollständigen sollte, welehes an einer 
Seite des Schlosses der König zu ent- 
rollen beabsichtigte. Zu diesem Zwecke 
wurden die Maulbeerbaume einer vor- 
beiführenden Allee durch reizende Wein- 
festons mit einander verbunden und der 
nach den tiefer liegenden Gärten füh- 
rende Abhang wurde mit Kardi, Arti- 
schocken u, dgl. bepflanzt. 

Wie vordem Fintelmann auf der 
Pfaueninsel, so hat hier Selle in noch 
grösserem Maassstabe die Blattpflanzen 
im Freien angewendet und erst durch 
diese glücklichen Versuche ermuntert, 
ahmte man dann anderwärts dieselben 
nach. Besonders verwendet wurden 
Exemplare der Gattungen: Agave, Yu- 
cca, Cordyline, Arum, Heracleum, Canna, 
Tussilago, Nieotiana, Solanum, Uhdea, 
Wigandia, Polymnia, Helianthus, Aralia, 
Cyperus, Phormium tenax, Panicum pli- 
catum und Gunnera scabra, 

Jetzt wurde das Dorf Sacrow in 


I. Originalabhandlungen. 


den Kreis der Verschönerungen gezogen 
und westlich von Charlottenhof entstand 
die neue Fasanerie, wobei gleichzeitig 
die Verlegung der Landesbaumschule 
nach Alt-Geltow statt fand. Diese 
Schule war in ihrem besten Gedeihen; 
sie zählte im Jahre 1847 an 1500 Obst- 
sorten, von denen Reiser an Unbemit- 
telte gratis vertheilt wurden; sie ver- 
kauft jährlich bis zu 300,000 Stück 
Reiser und der Rechnungsabschluss des 
Jahres 1865 erwies im vorhergehenden 
Jahre einen Verkauf von 132,973 Stück 
Obstbäumen und Ziergehölzen. Im 
Jahre 1847 erfolgte durch den dama- 
ligen Gartenconducteur Meyer die An- 
lage der durch die Augustin’sche Gärt- 
nerei so berühmt gewordenen Wildpark- 
station, Neue Anlagen erfolgten im 
Bornstädter Thale und unter Sello’s em- 
siger Hand in Novawess, dessen armer 
Flugsand erst durch Kiefern und Ge- 
treidesaaten, die in der ersten Zeit nur 
kümmerlich ihr Leben fristeten, allmälig 
in Culturland umgeschaffen werden 
musste. Wir nahen endlich einer der 
letzten und lieblichsten Schöpfungen 
der Neuzeit, der Gründung derFriedens- 
kirche bei Potsdam und der Umgestal- 
tung eines Theiles des Marly- Garten, 
der bisher Obst- und Gemüsegarten ge- 
wesen, in einen lieblichen pleasure 
ground, der den Stand der heutigen 
Landschaftsgärtnerei am besten zu cha- 
rakterisiren im Stande ist. Er besitzt 
nichts von jener Ueberladung mit Blu- 
men, nichts von jener kunstvollen Schnör- 
kelei, die in anderen Theilen aus Pietät 
für frübere Zeiten beibehalten worden; 
er zeigt eine Einfachheit im Plan und 
Ausführung, die das Zeichen der wah- 
ren Kunst ist, Er ist ein liebliches 
Idyli, dieser kleine Garten. — Auf dem 
Plateau in Sanssouci dagegen hat sich 
Pracht und Eleganz weiter entfaltet 


331 


durch die Errichtung des schönen Oran- 
geriehauses, welches ein2 Länge von 
980 Fuss besitzt und aus einem Mittel- 
bau besteht, an den sich jederseits ein 
in 9 Quartiere getheilter Flügel von 
335 Fuss Länge anschliesst. Die Hei- 
zung geschieht zum Theil durch Kanäle, 
zum Theil durch Wasserheizung und 
die Zahl der Bewohner des Hauses be- 
trägt gegenwärtig 400 Stämme, von de- 
nen 350 Orangen, der Rest aber grosse 
Granaten, Myrthen und Lorbeerbäume 
sind. — 

Wir sind in der neuesten Zeit an- 
gelangt und haben gesehen, wie aus 
den ersten Anfängen sich allmälig diese 
grossartigste Schöpfung deutscher Land- 
schaftsgärtnerei entwickelt hat. Jede 
Epoche hat an ihr gearbeitet und auch 
jetzt geht keine an ihr vorüber, ohne 
ein Zeichen ihrer Existenz zu hinterlas- 
sen. Auch die neueste Epoche der 
französischen Luxusbaumzucht hat be- 
reits mehrfach in kleineren, von dem 
jüngeren Lepere selbst angelegten Obst- 
quartieren ihre Vertretung gefunden, so 
dass der Kenner denn bis auf den heu- 
tigen Tag eine Stufenleiter der Fort- 
schritte in der schönen Gartenkunst hier 
finden kann, 

Daher begannen wir mit der Be- 
sprechung dieses Theiles der Gäfrt- 
nerei. 

Bevor wir nun zur Entwickelungs- 
geschichte des zweiten Theiles des Gar- 
tenbaues, der wissenschaftlichen Gärt- 
nerei übergehen und uns somit näher 
nach Berlin zu wenden, sei es erlaubt, 
hier für den dritten Theil, die Handcls- 
gärtnerei vorzugreifen durch die Schil- 
derung des Obstbaues in Werder. In 
der Nähe Potsdam’s und der Landes- 
baumschule kann diese intensive Be- 
nutzung des Bodens durch Gartenbau 
gleichsam als Beleg dienen für die gün- 


332 


stigen Folgen, die die Pflege der Gärt- 
nerei in den höchsten Kreisen auf die 
niedrige Bevölkerung ausübt. 


Das Städtchen Werder liegt in ei- 
nem etwas hügeligen Terrain, ungefähr 


eine Meile von Potsdam und hat im 
Osten die Havel. Die Hügel, die zur 
Obsteultur dienen, haben keinerlei 


Schutz und sind grösstentheils mit Flug- 
sand bedeckt. Der Untergrund ist stel- 
lenweise ein bündiger Lehm, oft auch 
schon vollständiger Thon. Diesem Bo- 
den nun verdankt der Bewohner von 
Werder seine reichen Ernten, für die 
er in Berlin die beste Absatzquelle und 
in der schiffbaren Havel den besten 
Transportweg findet. 


Das Haupterzeugniss des Bodens 
sind Kirschen, die entweder unregelmäs- 
sig in niedrigen Bäumen auf den Hü- 
geln stehen (die besseren Sorten), oder 
an den Landstrassen und Feldwegen 
der Umgegend angepflanzt sind (die ge- 
wöhnlichen Sauerkirschen). 


Unter den guten, unter directer 
Aufsicht der Familie stehenden Kirsch- 
bäumen sucht man aber grösstentheils 
vergebens die in den Katalogen als gut 
empfohlenen Sorten; ein grosser Theil 
nämlich der dort gezüchteteten Kirschen 
besteht aus Kernsorten, d. h. dort ge- 
fallenen Sämlingen, die, nachdem sie 
einige Jahre hindurch sich als gut er- 
wiesen, durch Veredlung fortgepflanzt 
werden und den Namen des Züchters 
erhalten. In diesem Verfahren der ei- 
genen Anzucht von solchen, dem Boden 
zusagenden Sorten liegt jedenfalls mit 
ein Hauptgrund der ausserordentlichen 
Ertragsfähigkeit der Bäume und wir 
glauben, nicht zu fehlen, wenn wir die 
empfehlenswerthesten Sorten unter den 
dort gebräuchlichen Namen, von denen 
einige sich bereits in Katalogen vorfin- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


den, aufführen. Von den frühen Sorten 
ist zu nennen: 

l) Die „Braune von Liech- 
feldt“, eine kleine braunschwarze Herz- 
kirsche mit weichem Fleische; der Baum 
trägt sehr reich und wächst stark in die 
Breite, weniger in die Höhe. 


2) Die „Frühe Puhlman.n’sche“ 


ist ebenfalls eine nur kleine Frucht 
von dunkelrother Farbe; der Baum 
wird aber seiner Tragbarkeit wegen 


ebenfalls allgemein gebaut. 

3) Die „Frühe Werder’sehe“ 
oder „Kleine Schmidt-Kirsche‘“, eine 
runde kleine Frucht, welehe ähnlich 
der gewöhnlichen schwarzen Herzkirsche, 
aber reicher tragend als diese ist, Auch 
hier geht die Krone des Baumes bedeu- 
tend in die Breite, wodurch das Pflücken 
sehr erleichtert wird. 

4) Die „Grosse frühe Schwar- 
ze von Werder“ oder „grosse Sehmidt- 
kirsche‘* ist eine grosse schwarze Frucht, 
ebenfalls Herzkirsche von sehr süssem 
Geschmacke und feinem Fleische; der 
Baum trägt aber weniger reich als die 
andern. 

5) Die „Frühe Bunte von Wer- 
der“ ist eine kleine hellrothe süsse 
Frucht, die alljährlich im reichlichsten 
Maasse trägt. 

I. Mittelfrühe Sorten sind: 

6) Die „Grosse Braune von 
Werder“, eine Frucht von vorzüg- 
lichem Geschmacke und richtiger Herz- 
form; sie hat sehr lange Stiele und ein 
weiches, violett aderiges Fleisch. 

7) Die „Ochsenherzkirsche“* 
ist der vorhergehenden ähnlich und 
wird wie diese besonders viel gebaut. 

8) Die „Doctorkirsche“. Mit 
diesem Namen hat der schlichte Mann 
eine Frucht bezeichnet, die allerdings 
ein jedes Examen gut bestehen und dem 
kritisirendsten Obstkenner munden wird; 


I. Originalabhandlungen. 


sie ist die grösste und unserer Meinung 
nach die schmackhafteste Frucht der 
Berge; ihre Gestalt ist mehr breit als 
lang und nähert sich der Nierenform; 
ihr Fleisch ist weich und sehr schmel- 
zend; ihre Tragbarkeit aber weniger 
gross als die der anderen Sorten. 

Ilf. Von späteren Sorten baut man: 

9) Die „Grösste späte Braun- 
schwarze‘ oder „späte Braune‘ eine 
Knorpelkirsche in länglicher Herzform. 

10) Die „Schwarze Knorpel- 
kirsche“ist eine schöne grosse schwarze 
Frucht mit saftigem hartem Fleische; 
der Baum trägt sehr reich. 

11) Die „Bunte Knorpelkir- 
sche“ ist eine grosse rothe Frucht 
von herzförmiger Gestalt mit knacken- 
dem, schmackhaftem Fleische. 

12) Der „Königsknupper“ ist 
eine vorzüglich süsse bunte Knorpelkir- 
sche von hellrother Farbe, von der mit 
Genugthuung der Werder’sche Züchter 
erzählt, dass der König Friedrich Wil- 
helm IV bei einem Besuche die Frucht 
hier erprobt und so schmackhaft gefun- 
den habe, dass sich der Besitzer dieser 
Sorte erlauben durfte, mehrmals Früchte 
nach der Königlichen Tafel zu senden. 
Diese Sorte ist bis jetzt noch wenig ge- 
kannt und verbreitet. 

Dies wären die erwähnenswerthe- 
sten Sorten, die bei den verschiedenen 
Züchtern unter gleichem Namen zu fin- 
den sind; ausserdem giebt es aber noch 
mehıere Sämlinge, die recht gut, jedoch 
bis jetzt ohne Namen und allgemeine 
Verbreitung sind. Wie wir oben er- 
wähnt, wird an Strassen und Feldwegen 
vorherrschend die gewöhnliche Sauer- 


333 


Aepfel, die in grösseren ()uantitäten 
auf den Markt kommen und zwar ver- 
dient der „Bastard Calvill“ zuerst ge- 
nannt zu werden (derselbe wurde auf 
der Görlitzer Pomologen - Versammlung 
als „London-Pepping‘‘ bezeichnet), der 
ähnlich dem ‚‚Calvill blanc“ aber ohne 
Flecken und dauerhafter ist. Ferner 
ger „Wachsapfel“, der rothe Stettiner, 
der „Rahmapfel“ und eine Frucht, die 
als ,„rothes Hähnchen“ in Berlin allge- 
mein gekannt und sehr gesucht ist. 

Einen besonderen Antheil an der 
Bodenrente aber liefern die zwischen 
den weitläufig gepflanzten Obstbäumen 
eultivirten Unterfrüchte, von denen zu- 
erst die Erdbeeren erwähnenswerth sind, 
die als Einfassung den allerdings nicht 
sehr künstlich angelegten Wegen die- 
nen; am meisten findet man die weisse 
und rothe Ananas-Erdbeere, wohl auch 
die „Mammouth‘, sowie eine kleine ko- 
nische rothe Frucht cultivirt. Von Him- 
beeren wird nur die ‚Grosse Rothe“ 
und die ‚Gelbe von Malta“ gebaut; 
von anderen Beeren die weisse und 
rothe Kirsch-Johannisbeere und verschie- 
dene Sorten von Stachelbeeren. Auch 
einige Sorten Wein sind zu finden und 
zwar besonders der frühe Leipziger, der 
Elberling und der Schönedel. Selbst 
einige frühe Pfirsich sind zu sehen, die 
zum Theil von auf den Bergen selbst 
aus Samen gezogenen Halbstämmen 
kommen. 

Mit diesem Material erarbeitet sich 
nun der Obstzüchter auf dem märkischen 
Sande ein kleines Kapital und der Spe- 
eulationsgeist hat ihn dieses bald wieder 
zweckmässig anlegen gelehrt; so hat er 


kirsche angepflanzt, hier und da auch | beispielsweise sich seit einigen Jahren 
die gewöhnliche Bauernpflaume, die der | ein Dampfschiff gebaut, das während 


zweite Hauptartikel der Werder’schen | des Sommers 


Cultur ist, 


das Obst nach Berlin 


führt. Wer nicht zu dieser Actienge- 


Von Kernobst sind es besonders | sellschaft gehört, lässt sein Obst per 


334 


Wagen oder mit der Bahn nach Berlin 
führen. Diese (uantitäten entziehen 
sich grösstentheile der Rechnung und 
die Zahl von 42,750 Schefiel, die einen 
Werth von 60 bis 70,000 Thlr. reprä- 
sentiren, umfasst daher nur die im vo- 
rigen Jahre mit dem Dampfschiff nach 
Berlin transportirten Früchte. 

Wer sich die Bestellung als eine 
genau nach den Regeln der Kunst ge- 
triebene vorstellt und vermuthet, dass 
vielleicht schon cordons u. palmette, so- 
wie die anderen Hülfsmittel des franzö- 
sischen Baumsehnittes auf den Werder- 
schen Bergen zu finden sind, der irrt 
sich gewaltig, denn diese Berge geben 
im Gegentheil ein Bild der scheinbar 
grössten Unordnung. Denken wir uns 
über den Hügel ordnungslos Kirsch- 
und Pflaumenbäume gepflanzt, auf den 
freieren Stellen stehen Weinstöcke an 
Pfählen, an deren Fuss noch die Grube 
ist, in der sie im vorigen Winter ein- 
gelegt gewesen und die sie im folgenden 
wieder aufnehmen wird. 

Mitten in einer solchen Grube und 
auf einem solehen Walle stehen einige 
Kartoffelpflanzen und zwischen zwei be- 
nachbarten Weinstöcken in stiller Ein- 
tracht ein mit Früchten bedeckter Him- 
beerstrauch und eine Johannisbeere und 
zwischen allen diesen in Reihen, die 
ungefähr den nächsten Wegen parallel 
laufen, vereinzelte Salatpflanzen und 
Zwergbohnenstauden. Dieses Durchein- 
ander der Bestellung kommt von der 
rein praktischen Ansicht, dass jeder 
Raum, wo er auch immer sei, benützt 
werden müsse. Wer aber daraus auf 
Sorglosigkeit in der Bestellung Schlies- 
sen würde, irrt gewaltig, denn wo er 


Gartenilora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


auf diesen Culturflächen auch seinen 
Blick hinwerfen mag, so wird er, nir- 
gends eine Spur von Unkraut finden; 
der Boden wird sehr oft durchgeschau- 
felt und auf diese Weise das Unkraut 
abgestochen; im Herbst werden die 
Stämme der Bäume gesäubert, Moos 
und Insekteneier entfernt und Raupen- 
nester wird man schwerlich in den gut 
gelichteten Kronen entdecken können. 

Diese äusserste Reinlichkeit ist ne- 
ben einer kräftigen Düngung das ganze 
Geheimniss des Obstzüchters. Die Art 
und Weise dieser Düngung ist eine ei- 
genthümliche; es werden nämlich im 
Winter an zwei gegenüberliegenden Sei- 
ten eines jeden Obstbaumes in einiger 
Entfernung vom Stamme etwa 2—3 F, 
tiefe Gruben gemacht, in die verotteter 
Pferde- oder Kuhdung hineingebracht 
und wieder mit Erde bedeckt wird. Im 
nächsten Jahre kommen die andern bei- 
den Seiten daran gedüngt zu werden 
und nun hat der Baum wieder für einige 
Zeit zur Genüge. Vortheile dieser Me- 
thode sind die geringere Störung, die 
der Baum in seinem Wachsthum erfährt 
und die längere Wirksamkeit der Dün- 
gung. 

So liegen gegenwärtig die Culturen 
im märkischen Sande, der freilich einer 
thatkräftigen Hand und einer gesunden 
Intelligenz bedarf, um mit den frucht- 
barsten Ländereien zu _concurriren, 
Beide zeigt unsere Gärtnerei, und wir 
haben in den früher besprochenen Qul- 
turen schon weitere Beweise aus Berlin 
selbst beigebracht. 


(Schluss folgt.) 


I. Originalabhandlungen. 


4) Grammatosorus (Schrifthaufen) Blumeanus, 


So nennen wir ein eigenthümliches 
- Baumfarn, das wir unter dem Namen 
Aspidium Blumeanum aus dem 
Garten der Herren Booth in Flottbeck 
erhielten. Aspidium Blumei ist eine 
ganz verschiedene Pflanze. Ferner kann 
die in Rede stehende Pflanze, obgleich 
deren Blätter denen des Aspidium trifo- 
liatum sehr ähnlich sind, nicht einmal 
zur Gattung Aspidium gerechnet wer- 
den. Die Fruchthaufen sind nämlich 
ausserordentlich unregelmässig, bald li- 
near, bald nierenförmig, bald buchsta- 
benartig gebogen etc., und sitzen auf 
den zarteren Venen, die zwischen den 
fiederförmig verlaufenden Seitennerven 
sitzen. Das Indusium ist seitlich den 
zarten Venen angewachsen, auf denen 
die Fruchthaufen sitzen. Diese Anhef- 
tung des Indusiums stimmt also mit den 
Gattungen aus der Gruppe der Asple- 
nien überein und würde unsere Pflanze 
den Gattungen Athyrium und Campto- 
sorus zunächst stehen. Der Verlauf der 
vielfach anastomosirenden Venen, auf 
denen die unregelmässigen Fruchthaufen 
stehen, bietet aber einen so wichtigen 
Unterschied, dass auch hier unsere 
Pflanze nicht untergebracht werden kann. 

Mit innerem Widerstreben stellen 
wir solche daher als neue Gattung auf. 
Mit Widerstreben oder Zweifel sagen 
wir, weil es uns kaum glaublich, dass 
dieses ausgezeichnete Farn noch nicht 
beschrieben sein sollte und doch konn- 
ten wir in der uns zu Gebote stehenden 
ziemlich vollständigen Literatur über die 
Familie der Farn, keine Gattung und 
auch in den ähnlichen Gattungen keine 
Art finden, mit der wir unsere Pflanze 
vereinigen könnten, 

Unsere Pflanze hat einen aüfrech- 


ten fusshohen Stamm und trägt auf der 
Spitze desselben die von 2 Fuss langen 
Stielen gestützten Blätter, deren Schnitt 
und Form ganz denen des Aspidium tri- 
foliatum gleicht. _ 

Der beistehende Holzschnitt a. stellt 


ein Stück” eines Fiederblattes in natür- 
licher Grösse mit dem Aderverlauf und 
den Fruchthaufen dar. Die Figur b. 


336 


giebt eine Vergrösserung vom Aderver- 
lauf und den Fruchthaufen. 

Wir haben den Artennamen beibe- 
halten, unter dem wir diese Pflanze von 
Booth in Flottbeck erhielten und geben 
die folgende Beschreibung. — 

Grammatosorus. Fruchthaufen 
zerstreut, einzeln, einseitig, auf dem 
Adernetz der amastomisirenden Venen 
zwischen den Seitennerven stehend, un- 
regelmässig, linear, länglich, nierenför- 
mig oder fast verästelt. Indusium seit- 
lich der fertilen Vene angewachsen. 
Die Fruchtkapseln 
kommenen verticalen Ring umgeben und 
sich mit einem Querspalt öffnend. — 

Gr. Blumeanus (Aspidium Blu- 
mei h. Booth.) Die ganze Pflanze kahl. 
Stamm aufrecht. Blattstiel 11/,—2 F. 
lang, stielrund, oberhalb mit schwacher 
Furche, die jüngsten Blattstiele mit ein- 
zeln lanzettlichen Schuppen besetzt, die 


mit einem unvoll- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


später abfallen. Blattfläche 3-seitig-herz- 
förmig, ungefähr 1!/, Fuss lang, 3 thei- 
lig. Die Theilblättchen gestielt; die bei- 
den seitlichen ungleich gross, meist un- 
gleichseitig, indem die untere Hälfte 
mehr entwickelt ist als die obere, läng- 
lich oder oval-lanzettlich, zugespitzt, 
unregelmässig buchtig gelappt. Lappen 
fast 3-seitigstumpf, ganzrandig, die nach 
unten reichenden länger als die nach 
oben gerichteten. Das mittlere Theil- 
blatt nochmals 3-schnittig oder tief 
3-theilig; die Blätichen der zweiten 
Ordnung und die Lappen fiedernervig, 
länglich-lanzettlich, zugespitzt, ganzran- 
dig oder ausgebuchtet oder buchtig ge- 
lappt. — 

Wenn der Name, unter dem wir 
dieses hübsche Baumfarn erhielten, ei- 
nen Anhaltspunkt giebt, so stammt es 
aus Ostindien. — Cultur im Warm- 
hause. — (E. R.) 


5) Der Löwenzahn (Taraxaceum Dens leonis) als Salatpflanze. 


Wir führen Pflanzen fremder Län- 
der von sehr zweifelhaftem Erfolg in 
unsere Gärten als Nutzpflanzen ein und 
vernachlässigen dagegen unsere eigenen 
wildwachsenden Pflanzen, die gute und 
durchaus sichere Resultate geben. Zur 
Zahl der letzteren gehört unser gemei- 
ner Löwenzahn, der in allen Wiesen 
massenhaft wild wächst und besonders 
auf Rasenplätzen unwillkommenes 
Unkraut ist, da er sich da immer schnell 
mittelst der von der Luft herbeigetra- 
genen Samen, die von ihrer jFederkrone 
getragen, gleich einem Ballon die Luft 
auf weite Entfernungen durchsegeln, im- 
mer schnell wieder einnistet. Wir ha- 


ein 


sen, dass die jungen Blätter desselben 
wirklich einen sehr delicaten Salat ge- 
ben. den man zu jeder Zeit im Winter 
sich mit leichter Mühe im Treibbeete 
oder Gewächshause verschaffen kann, 
Ueber denselben gab Hr. Lebeuf und 
Louesse im Journal der Pariser Garten- 
baugesellschaft im vergangenen ‚Jahre 
einen interessanten Artikel, in welchem 
gezeigt wird, dass, soferne man sich 
auf gutem Culturlande kräftige Pflanzen 
desselben aus Samen anzieht, das Pro- 
duct an guten jungen Blättern ein 
noch reichlicheres und zarteres ist, als 
von den Pflanzen, die mit beschädigten 
Wurzeln den Wiesen entnommen wer- 


ben schon wiederholt darauf hingewie- ! den. 


Taf 525 


I. @riginalabhandlungen. 


Die Cultur desselben zur Treiberei 
den Winter hindurch schliesst sich ganz 
der unserer Cichorienwurzel an. Man 
legt die Wurzeln in Holzkästen ein und 
stellt solche warm, wenn man die Blät- 
ter zum Salat erzielen will. Um im 
freien Lande von demselben den ersten 
Salat zu erhalten, den die erwachende 
Vegetation überhaupt hervorbringt, wird 
er auf Beete gepflanzt und ungefähr 


337 


4 Zoll hoch mit trockener lockerer Erde 
noch überdeckt, Die Blätter werden 
dann 4 Wochen lang ganz jung, wie sie 
den Boden durchdringen, gleich den 
Spargelstengeln über der Wurzel abge- 
schnitten. Der Geschmack der jungen 
Blätter des Löwenzahns ist feiner und 
besser als der der Cichorienwurzel. — 
(E. R.) 


6) Behandlung und Verwendung der rasenartig wachsenden 
Stauden. 


Unter den im Freien aushaltenden 
Stauden giebt es viele, welche durchaus 
keine Vermischung mit höheren vertra- 
gen, überhaupt nicht durch Umgraben, 
Hacken und Verpflanzen gestört sein 
wollen. Zugleich machen diese Pflan- 
zen nur dann Effect, wenn sie allein 
einen Platz füllen, sei es ein Beet oder 
eine Abtheilung einer Felsenanlage. 
Solche Pflanzen gedeihen entweder bei 
der Vermischung mit höheren so schlecht, 
dass sie nicht erfreuen können, oder 
sie gehen gar zu Grunde, wenn nicht 
wegen Mangel an Licht, doch durch un- 
geschickte Arbeiter, welche sie mit um- 
graben oder beim Graben beschädigen. 
In jedem Falle ist eine Vermischung 
mit hohen Pflanzen unschön. Man muss 
daher diese Blumen stets in Menge zu- 
sammenpflanzen, theils als breite Ein- 
fassungen, theils als eigentlichen Blu- 
menrasen. Bei einigen ist die Belau- 
bung von höherem Werthe, als die Blu- 
men, z. B. bei Vinea, Cerastium, Sedum, 
Saxilraga u. a. m., desshalb kommt 
alles darauf an, dass solche Pflanzen in 
solchen Formen zusammengestellt wer- 
den, welche auch nicht blühend gefallen 

XI. 1866. 


können, Man bringt diese Blumenrasen 
am besten auf Abhängen oder Felsen- 
beeten an, und kann kleine Hügel z.B. 
um ein kleines Gartengebäude, Böschun- 
gen und Terrassenränder damit bedecken, 
was zur Zeit der Blüthe einen Anblick 
gewährt, wie man ihn auf ebenen Bee- 
ten nie erreicht. Es empfiehlt sich da- 
her auch, eigens zu diesem Zwecke 
passende Erhöhungen zu bilden, wenn 
keine vorhanden sind. Diese Verwen- 
dung hat den nicht genug zu schätzen- 
den Vortheil, dass man damit steile Ab- 
hänge schmückt, welche ausserdem un- 
verziert bleiben müssten, weil eigent- 
liche Blumenbeete mit lockerem Boden 
nicht daran bestehen können, während 
diese Pflanzen den Boden befestigen. 
Einmal gepflanzt, bedürfen sie keiner 
anderen Pflege, als dass man das herein- 
wachsende Unkraut und Gras, besonders 
Quecken (Triticum repens) entfernt, und 
nach Jahren einmal umpflanzt, wobei 
die Erde gänzlich erneuert wird. Aller- 
dings giebt es auch durch Unfälle ent- 
standene Lücken auszufüllen. 

Es ist nicht gleichgiltig, welche 
Form diese Blumenrasen bilden, nament- 

22 


338 


lich, wenn sie an regelmässigen Abhän- 
gen im Grase angebracht sind, wo sie 
überall bemerkt werden, In diesem 
Falle empfiehlt sich, wenn nicht immer, 
aus ihnen künstliche Figuren zu bilden, 
wie man sie auf Teppichen, Tapeten 
u. s, w. hat, und hierzu eignen sie sich 
viel besser, als andere höhere Blumen. 
Denkt man sich eine künstliche Figur 
in einem regelmässig geformten Rasen- 
hange im Hintergrunde des Gartens, 
von weitem sichtbar, oder an der Bö- 
schung einer Terrasse oder Rampe (Auf- 
fahrt), aus lebhaftem vom Rasen abste- 
chendem Grün, Roth und Weiss gebil- 
det, zu Zeiten reich mit Blumen ge- 
schmückt, so wird man leicht auf den 
überraschenden Effeet schliessen kön- 
nen *). 

Wie man ganze Abhänge mit sol- 
chen Pflanzen bekleidet, Einfassungen 
davon bildet, oder sie in einer Felsen- 
anlage verwendet, bedarf keiner beson- 
deren Angabe. Es sei nur bemerkt, 
dass nur wenige Pflanzen wirklich gute 
Einfassungen bilden, die meisten aber 
bei Beeten im Rasen nicht zu gebrau- 
chen sind. Will man solche Einfassun- 
gen z. B. von kriechenden Phlox, Iris 
pumila, Saxifraga (mehre Arten), Au- 
brietia, Gentiana acaulis, Arabis albida 
etc., man die Rabatten und 
Wege besonders breit einrichten. Die 
Bepflanzung kann sehr verschieden sein. 

Will man eine Figur, welche den 
ganzen Sommer wirkungsvoll bleibt, so 
wähle man Pflanzen, bei welchen die 
Blüthe Nebensache ist. 


so muss 


*) In meinem so eben erschienenen 
Buche, „der immerblühende Garten“ 
(Leipzig, Verlag von O. Spanner) habe ich 
mehrere solche Teppichbeete abgebildet und 
Beispiele für die Bepflanzung angegeben. 

DIT. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Folgende ausdauernde Pflanzen sind 
zu Blumenrasen besonders geeignet: 
Anemone Hepatica, Arabis albida (cau- 
casica), besonders die Varietät mit bun- 
ten Blättern. A. alpina, Armeria alpi- 
na, A, plantaginea, A. vulgaris, Asarum 
europaeum, Aster alpinus, Bellis peren- 
nis (Tausendschönchen , Maassliebe), 
Campanula pulla, C. pusilla, Cerastium 
Biebersteini, C. tomentosum, Convallaria 
majalis, Dactylis glomerata fol. var., 
Dianthus alpinus, D. caesius, D. plu- 
marius fl. pl. (Federnelke), Dicentra 
(Dielytra) formosa, Gentiana acaulis, 
Gnaphalium arenarium, G. dioicum, Ibe- 
ris sempervirens, Iris pumila, Lychnis 
alpina, L. Viscaria fl. pl. (Pechnelke), 
Omphalodes verna (Gartenvergissmein- 
nicht), Oxalis Acetosella, Phlox amoena 
(pilosa), P. nivalis oder setacea alba 
(Nelsonii), P. reptans, P. setacea, P. 
subulata, P. verna, Primula acaulis in 
gefüllten Varietäten. Saponaria 
ocimoides, Saxifraga bryoides, S. cae- 
spitosa, S. hypnoides, S. sedoides u. a. 
m., Sedum album, $. carneum fol. var., 
S. coceineum, S. hybridum, S. roseum, 
S. Sieboldii, S. spurium u. a. m., $i- 
alpestris, 


vielen 


lene Sisyrinchium anceps, 
Trifolium repens fol. atropurpureis, Vi- 
nia herbacea, V. minor, in mehreren Va- 
rietäten, besonders auch die Var. fol. 
variegatis. 

Von den genannten empfehlen sich 
folgende zur Bekleidung ganzer Ab- 
hänge, also förmlich zum Ersatz von 
Rasen, und unter diesen sind die mit 
einem * bezeichneten Schattenpflanzen, 
welche entweder Schatten verlangen oder 
wenigstens ertragen. * Anemone Hepa- 
tica, Arabis albida, A. alpina, * Asarum 
europaeum, Aubrietia deltoidea, A. pur- 
purea, Cerastium Biebersteini, ©. tomen- 
tosum, * Convallaria majalis, Dianthus 


caesius, Gnaphalium arenarium, G. diei- 


I. Originalabhandlungen. 339 


cum, beide für ganz unfruchtbaren Sand, ‚nicht auffallend blühen, aber schöne 
* Oxalis Asetosella, Phiox amoena (pi- | hochrothe Früchte haben, die sich auf 
iosa), P. nivalis, P. reptans, P, setacea, | der glänzenden Belaubung prächtig aus- 
P. subulata, * Saxifraga bryoides, * S. | nehmen; Erica herbacea (earnea), 
eaespitosa, * S. hvpnoides, * $. sedoi- | Daphne Cneorum, (nur auf Kalkboden 
des, Sedum album, * S. roseum, * S, | und sonnig) Helianthemum vulgare und 
hybridum, * S. spurium, Vinca herba- | mutabile, Hypericum calycinum, Loni- 
eea, * V. minor, V. minor fol. var. cera brachypoda fol. aureo-reticulatis, 

Ich will noch bemerken, dass sich | vor allen den Epheu, dessen Anwendung 
auch mehrere kleine Sträucher vortreff- | zu allerlei Figuren, besonders in Ara- 
lich zu solchen Rasenbeeten eignen, als; | beskenform, nicht genug empfohlen wer- 
Cotoneaster mierophylla, rotundifolia, | den kann. (J.) 
thymifolia, Nummularia, welche zwar | 


7) Amelanchier Boiryapium als Heckhenpflanze. 


Herr Fiseher, Vorsteher der Baum- ; am geeignetsten gleich im Herbste auf 
schule zu Worenesh, schreibt uns über | Schulbeete im freien Lande ausgesäet 
diesen Strauch Nordamerika’s, der in | und geht dann Korn für Korn im 
den Gärten auch als Pyrus ovalis oder Frühlinge auf. 

Amelanchier ovalis verbreitet ist. Wir wiederholen bei dieser Gele- 

„Dieser Strauch bildet hier in Wo- | genheit, dass hier in Petersburg es 
ronesh prächtige Hecken von 14 Fuss | keinen Strauch giebt, der als Hecken- 
Höhe und fast 2 Fuss Breite., Es ist | pflanze unsern Crataegus sangui- 
einer der besten Heckensträucher, ver- | nea Pall. aus Sibirien übertreffen 
möge seines dicht aufstrebenden Wuch- | könnte. Wir besitzen von solehem im 
ses, seiner frühen Belauburg und lan- | hiesigen Garten bis 3 Fuss breite und 
gen Dauer“. ‚bis 7 Fuss hohe Hecken, die gleich- 

Wir können dem nur hinzu fügen, | mässig dicht und schön sind. Dazu 
dass A. Botryapium zu den auch im | wächst der Crataegus sanguinea bedeu- 
Petersburger Klima durchaus harten | tend schneller, als der in Deutschland 
Sträuchern gehört, der auch als Bos- | und der Schweiz zu ähnlichem Zwecke 
quetstrauch durch hübsche Belaubung | verwendete Cr. Oxyacantha und hat 
und reichliche Entwickelung der weissen | viel weniger Pilege nothwendis, da es 
Blütheneorymben im Frühlinge ziert. | genügt, die gepflanzten Sträucher im 
Vermehrung durch Samen, den solcher | Sommer zweimal mit der grossen Haag- 
hier jährlich reichlich trägt. Leider be- | scheere beschneiden zu lassen und ein- 
kommt man die beerenartigen Früchte | Anbinden derselben ganz unnöthig ist. 
aber selten in grösserer Menge, da sol- | Gleich gute Resultate giebt auch Cra- 
che einen angenehmen Geschmack be- | taegus eoccinea aus Nordamerika. Der 
sitzen und von Kindern und Erwachse- | Same beider Arten muss behufs der 
nen abgesucht werden. Der Same wird "Anzucht schon im Herbste ausgesäet 

Rare 


340 


werden. 
Samen aber nicht so früh verschaffen, 
so schichte man solehe im Winter zwi- 
schen nicht ganz trockenem Sand in 
Kisten e'n und stelle diese im Winter 
'» einen Keller, wo solche selbst Frost 
bekommen körnen Derartig behandel- 


| 


| 


| 


I. Neue Zie 


a) Beschrieben in verschiedenen 
Zeitschriften. 


1) Desmodinm penduliflorum Oudımans. 
Ein neues Desmod’um aus Japan, welches 
sich von den veı wandten Arten Japans und 
Chinas drrch hängende Aeste mit vielblu- 
migen hängenden Blüthenirauben unter- 
scheide'. Bildet einen bis 6 Fuss hohen 
Sı.auch. Stengel behaart. Blätier 3zählig. 
Blättehen läng)ich oder länglich-lavzettlich, 
beiderseits spitz, vorn in einen Krautstachel 
ausgehend, oberhalb kahl, unterhalb dicht 
enged'ückt behaaıi. Die langen hängenden 
Blüthentrauben achselständig, aus vielen 
scharlachfarbenen einzelstehenden oder ge- 
paart stehenden Blumen zusammengesetzt. 
Diese schönen Blüthen.rauben sind an der 
Spitze der Zweige zu einer g.ossen pyra- 
midalen Rispe zusammengedrängt und er- 


scheinen von August bis October. (Oude- 
mans de Neerland’s Plantontuin) 1866. 
Tab. 2. 


23) Ficus Suringari H. Witte. Ein 
schöner neuer Ficus, den Teyssmann auf 
der Insel Amboine entdeckte und lebend 
an den botavischen Garten in Leyden ein- | 
sendete.e Ein Baum mit lang gestielten | 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Kann man sich frischen guten !ter Same geht auch ‘'n Frühlinge, in’s 


freie Land ausgesäet, ziemlich gut auf, 
während nicht vorbereiteter im Frühling 
ausgesäeter Samen, ein, ja theilweise 
2 Jahre im Boden l’egt, bis solcher 
avfgeht. (E. R.) 


rpflanzen. 


, zogen. Unterhalb behaart. Eine schöne de- 
| corative Pflanze für's Warmhaus, mit grossen 
Blä..ern, die durch ihre Grösse und schöne 
Zeichnung einen sehr guten Effect macht. 
Oudemans bildet solche in dem eit'rten 
Werke ab, — eine Pflanze, die der Peters- 
| burger Garten vom Hrn. Grönewegen in 
| Amsterdam erhielt, entspricht der Beschrei- 
| bung, so dass wi” diese Pflanze mit Ueber- 
zeugung als eine schöne Neuigkeit empfeh- 
len. (E. R.) 
3) Dracontium asperum C. Koch. So 
nennt ©. Koch die schöne Aroidee, die von 
Ambroise Verschaffelt als Amorphophallus 
nivosus ausgegeben und von Lemaire in 
I'ustration horticole (Tab. 424 und 439.) 
beschrieben worden ist. Pag. 14 des Fe- 
bruarheftes 1866 publieirt Lemaire nach- 
träglich die Abbildung der Blumen nebst 
Beschreibung derselben. Die an der Spitze 
| schnabelförmig eingekrümmten Blüthenschei- 
den sind ausserhalb graubraun, innerhalb 
fast schwarz. 


b) Abgebildet in Illustration hor- 
ticole. 


4) Hyophorbe Verschaffeli H. Wendl. 
Es ist das die irüher von Ambroise Ver- 


Blättern, die jüngeren herzförmig-oval, fast | schaffelt in Gent, als Areca Verschaffelti 
kreisföımig-herziöımig, vorn zugespitzt, un- | ausgegebene Palme, die nun unser Mono- 
gleich gezähnt-gesägt, oberhalb glänzend | graph der Familie der Palme, Hr. H. Wend- 


mit einzelnen weissen Haaren besetzt und 
von 5 roth gefärbten Hauptneıven durch- 


land, zur Gattung Hyophorbe zieht. Gra- 
ciler schöner Wuchs, mächtige Fiederblätter 


II. Neue Zierpflanzen. 


mit goldgelbem Blattstiel, schmale linien- 
lanzettliche sehr spitze Fiederblättchen zeich- 
nen diese prächtige Palme von der Insel 
Bourbon vortheilhaft aus. Zur Gattung 


Hyophorbe gehören ansserdem A. indica | 


Gärtn. (die Areca lutescens Bory und der 
Gärten, die Martius als H. Commersoniana 
beschrieben hat,) und H. amuricaulis Mart. 
Letztere ward als Areca speciosa von dem 
Garten-Etablissement des Hrn. A. Verschat- 
felt verbreitet. (Tab. 462—463.) 


5) Trichinium Manglesii Hook. Wir 
haben diese schöne Amarantacee schon nach 
der Abbildung Hooker’s (Bot. Mag. 5448) 
erwähnt. 
Winter im Kalthause, im Sommer im Freien 
und eine lockere sandige Erde. 

(Tab. 464.) 


6) Camellia Roma Risorta. Grosse gut | 
gefüllte und schön gebaute Blume von dun- | grosse Mehrzahl der Aristolochien, der Pas- 
kelrosarother Färbung und die einzelnen | 
Petalen ziemlich regelmässig tiefer roth ge- | 
| sind Schlingpflanzen, die eine derartige Cul- 


7) Bougainvillea spectabilis var. lateri- | A nn 


tia h. Angl. Nyctagineae — Eine Abart | EEE. 
derB. spectabilis, deren die Blumen stützen- | volle Aarau ROSEN) EN n Ye 


den Bracteen eine lebhafte ziegelrothe Fär- | 
a | pflanzen in’s freie Land möglich machen. 


streift, — (Tab. 465.) 


bung besitzen. 


Die Bougainvillea spectabilis ist eine | 
schöne Schlingpflanze, die in zahlreichen | 
Varietäten im tropischen Amerika vorkommt, 


Choisy führt 6 Arten dieser Gattung in De 


Candolie’s Prodromus auf, welche aber W. | 


Hooker alle als Formen zur B. spectabilis 
zieht. In den Gärten des tropischen Asien 
und Amerika gehört die B. spectabilis zu 
den geachtesten Schlingpilanzen, indem sol- 
ehe dort grosse Wände bekleidet oder zur 
Bepflanzung von Lauben etc. verwendet 
wird und die prächtigen grossen Blüthen- 
dolden, denen die grossen roth gefärbten 
Bracteen die Schönheit verleihen, das ganze 
Jahr hindurch massenhaft entwickelt. In den 
Gärten Europas blüht diese schöne Schling- 
pflanze aber selten und dann meist nur sparsam. 
Am vollkommensten sah sie der Referent 
blühen, wenn solche im Warmhause in’s 
freie Land ausgepflanzt und dann unter’m 
Fenster hin gezogen wird. Bei derartiger 


Verschaffelt empfiehlt Cultur im | 


341 


Cultur achte man nur darauf, dass alle aus 
dem Stamm und den Hauptästen ausbrechen- 
den jungen Triebe bald nach deren Erschei- 
nen fortgenommen werden, da diese sich 
sonst mit ausnehmender Ueppigkeit ent- 
wickeln und das Blühen der älteren Zweige 
verhindern. Diese Art der Cultur giebt über- 
haupt bei der Mehrzahl der prächtigen hoch- 


| wachsenden Schlingpflanzen, stets das beste 


Resultat, erfordert freilich aber einen so be- 


| deutenden Raum, dass man diese Cultur im- 


mer nur für wenige Lieblingspflanzen in 
Anwendung bringen kann. Besser aber ist 
es, nur einige schöne Schlingpflanzen auf 
diese Weise in den Gewächshäusern zu 
ziehen, die in mächtigen reich blühenden 


| Guirlanden unter den Fenstern hinranken, 
| als deren viele anzubauen, die uns keine 
| Blumen oder doch nur ein Zerrbild der 


Schönheit dieser Pflanzen liefern. Die 


prächtigen Tacsonien, die 
die Tecoma-Arten etc., 


sifloren, der 
Lapageria rosea, 


Bei der Construction der Gewächshäuser 
dass solche das Auspflanzen von Schling- 


(Tab. 466.) 


8) Calathea (Maranta) splendida H. 
Versch. Es ist das eine der Pflanzen, die 
Hr. Baraquin in der Provinz Para in der 
Nähe des Amazonenstroms entdeckte und in 
das Etablissement des Hrn. A. Verschaffelt 
in Gent einführte. Dieselbe wetteifert mit 
der Calathea (Maranta) Veitchii an Schön- 
heit. Eine schöne ansehnliche Pflanze, die 
durchaus kahl ist. Blattstiele bis spannen- 
lang, am Grunde scheidig, oben walzlich, 
unter’'m Blatt nicht angeschwollen. Blatt- 
fläche elliptisch-lanzettlich, am Grunde fast 
herzförmig oder keilförmig, vorn spitz, un- 
gefähbr 1 Fuss lang, oberhalb dunkel metall- 
grün mit schönen hellgrünen, ziemlich re- 
gelmässigen Querstreifen, welche vom Mit- 
telnerven ausgehen und den Blattraud nicht 
erreichen, unterhalb purpur-violett. Blumen 
unbekannt. — (Tab. 468.) 

9) Bignonia argyreo-violascens Hort. 


342 


Gartenflora Deutschlands, 


Angl. Eine andere schöne Blattpfanze, die 
von Gärtnereien Englands in dem letzten 
Jahre verbreitet wurde und von der die 
Blüthe noch unbekannt Nach Lemaire ist 
solche vom Hrn. Lindige aufder Magdalenen- 
Insel in Neu-Granada entdeckt und an den 
Gärtner Lierval in Paris eingesendet worden. 
Der Name muss daher wie bei der vorher- 
gehenden Pflanze, als nur provisorisch ge- 
geben, betrachtet werden. Wenn die in 
Rede stehende Pflanze wirklich eine Bigno- 
nia ist, so gehört solche in die erste Ab- 
theilung der Gattung, welche Arten mit ein- 
fachen Blättern enthält. Es ist eine sehr 
schöne Schlingpflanze für das Warmhaus, 
mit herzförmig-ovalen zugespitzten Blättern. 
Die jüngsten Blätter sind purpurfarben, die 
älteren grün und purpur und alle tragen 
eine silberfarbene schöne Zeichnung längs 
des Mittelnerves und der Seitennerven oder 
selbst netzartig auch noch längs der Venen. 
Eine vorzüglich schöne Acquisition zjür’s 
Warmhaus. — (Tab. 469). 


c) Abgebildet in Belgique horticole. 


10) Selaginella Martensii Sprgl. 5. va- 
riegata h. Mack. Eine Abart dieser hüb- 
schen Selaginella, deren Astspitzen anfäng- 
lich gelb, später weiss gefärbt sind. (Mai- 


heft 1866.) — Ueber Einführung dieser hüb- | 
schen Abart sagt Hr. E.Morren nichts. Wir | 


vermuthen, dass solche aus den Gärten Ja- 


pans stammt, wo mehrere Selaginellen mit | 


eultivirt werden. So- 
früheren Jahren, wie im letzten 


panachirten Blättern 
wohl in 


Jahre erhielt der hiesige Garten Kisten mit | 


lebenden Pflanzen verschiedener panachirter 
Selaginella-Arten aus Japan, leider aber kom- 
men solche stets todt hier an. 

11) Billbergia Glymiana De  Vries. 
(Juniheft 1866). B. Wetherelli Hook. Bot. 
Mag. tab. 4835 ist identisch mit dieser von 
De Vriese zuerst im Jaarb. d. Kon. Neder!l. 
Maatschr. van Tuinb. 1855 beschriebenen 
Pflanze. — Bracteen carmin, Blumen weiss- 
gelb, mit blauem Saume. 


d) Abgebildet im Botanical Maga- 
zine. 


12) Eulophia virens Lindl. Ne 


1 Zoll lang, gelogrün und rothbraun linürt. 


| ray in Gord. Pinet. pag. 62.) — 


Russlands und der Schweiz. 


die in den Gebirgen Ceylons und den Nil- 
sherries zu Hause ist. Gehört nicht zu den 
effeetvollen Arten. Scheinknollen rundlich- 
oval, mehrere grasartige linien-lanzettliche 
Blätter tragerd, welche kürzer als die Blü- 
thenschaite. Letztere einfach oder verästelt, 
die Biumen in losen endständigen Trauben 
tragend. Blüthenhüllblätter länglich, stumpf, 
nach dem Grunde zu verschmälert, ungefähr 


Lippe etwas länger als Blüthenblätter, ver- 
kehrt länglich, mit kurzen Seitenlappen, 
weiss mit purpurnen Streifen, Mittellappen 
am Rande kraus, vorn übergebogen und 
stumpf. — Sporn gerade, schwach kegel- 
förmig, 3 mal kürzer als die Lippe. — 
(Tab. 5579.) 


15) Scilla Cooperi Hook. Ein hübsches 
Zwiebelgewächs vom Vorgebirge der guten 
Hoffnung, das die Tracht einer Drimia be- 

| sitzt, Zwiebel fast kuglig. Blätter gestreckt- 
lanzettlich, stumpf, 8—10 Zoll lang, grün, 
unterhalb und am Grunde mit purpurnen 
Linien und ausserdem am Grunde mit pur- 
purnen Flecken gezeichnet. 

Blüthenschaft grün, kürzer als Blätter. 
Blüthetraube dichtblumig, 2—3 Zoll lang. 
Bracteen sehr klein. Blumen purpur, Y/, 
Zoll im Durchmesser. Petalen abstehend, 
länglich, stumpf, auf der Rückseite an der 
Spitze verdickt. Staubläden aufrecht. An- 
| theren schildförmig. Fruchtknoten nieder- 
gedrückt halbkugelig, kurz gestielt, 6-furchig, 
am Grunde 6-lappig. Griffel kurz, gerade. 
| In jedem Fach des Fruchtknotens 2 Eier. 

(Tab. 5580.) 
14) Cupressus Lawsonia Murray. (Mur- 
Ist schon 
ı seit mehreren Jahren in den Gärten Europas 
| verbreitet und gehört zu den schönsten Üe- 
dern. Ward von Jefireys aus Californien 
eingeführt und soll in seinem Heimathlande 

eine Höhe von 100 Fuss erreichen. 

In England hält derselbe im freien 
‚ Lande aus. Wie verhält sich derselbe in 
Deutschland? — Diese Frage werden viel- 
leicht einige unserer Leser so freundlich 

sein, zu beantworten. — (Tab. 5581.) 

15) Warscewicziella velata Kehb. fi. 
Schöne epiphytische Orchidee aus Neu- 


III. Notizen, 


Granada; die jedoch keine Knollen besitzt. 
Blätter spannenlang, noch einmal so lang 
als die Iblumigen Blüthenstiele, verkehrt 
länglich - lanzettlich. Blüthenhüllblätter zu- 
rückgeschlagen, ungefähr 1 Zoll lang, gelb- 
weiss, Die seitlichen Kelchblätter lanzett- 
lich, spitz, das hintere grösser. Blumen- 
blätter breit-oval, spitz. Lippe ausgebreitet, 
fast 5lappig, am Grunde kurz genagelt. Die 
Schwiele oberhalb des Grundes vorn ge- 
zähnt. Die Grundfarbe der Lippe ist gelb- 
weiss, am Rande ist solche rosa gefärbt 
und im Centrum strahlig purpur gestreift. 
— Rchb. fil. in Schl. Bot. Zeitung 1865 
p. 99. — Bot. Mag. Tab. 5582. — 

16) Begonia geramioides Hook. Neue 
Begonia, die Hr. Backhouse aus Port Natal 
in Afrika einführte. Eine schöne reich- 
blühende stammlose Art, die allenthalben 
lose behaart ist. Blätter kreisförmig-nieren- 
förmig, undeutlich 7—9lappig, 3—10 Zoll 
im Durchmesser, mit schwach gekerbten 
Lappen und kleinen oval-lanzettlichen ge- 


343 


weiss, 1 Zoll im Durchmesser. Die männ- 
lichen Blumen mit 2 Kelch- und 2 Blu- 
menblättern von fast kreisförmiger Gestalt. 
Staubfäden frei. Antheren so lang als die 
Staubfäden. Die weiblichen Blumen 
mit 2 Kelch- und 3 Blumenblättern von 
rundlicher Form. Fruchtknoten mit 3 Flü- 
geln, Flügel eckig. Griffel an der Spitze 
ohrenförmig-2lappig. (Tab. 5583). 
17) Myrsiphyllum asparagoides Willd. 


Liliaceae. — (Willd. in Berl. Mag. II. 
pag. 25. — Redoute Lil. tab. 442. — 
M. angustifolium Mill. Diet. N. 2. — Dra- 


caena medeoloides L. fil. suppl. 203. — 
Asparagus medeoloides Thbrg. prodr. fl. 
cap. 66.) — Eine Schlingpflanze vom Vor- 
gebirge der guten Hoffnung mit weissgelben 
Blumen, die in den Gärten des Continents 
ziemlich verbreitet ist. Ward schon 1702 
durch die Herzogin von Beaufort in die 
Gärten Englands eingeführt. Hübsche Kalt- 
hauspflanze mit das ganze Jahr hindurch 
bleibenden glänzend grünen länglich-ovalen 


wimperten Nebenblättern. Blüthenschafte | oder fast herzförmig-ovalen ganzrandigen 
die Blätter weit überragend, reichblumige | Blättern. — (Tab. 5584). 
rispenartige Afterdolden tragend. Bracteen (E. R.) 
oval oder länglich, gewimpert. Blumen 

IL, Notizen. 


1) Kleine üppigblühende Oran- 
genbäumchen zu erziehen. Neben der 
Masse der neu eingeführten Pflanzen geht 
die Cultur so mancher alten Pflanze unserer 
Gärten immer mehr zurück. Dieses Schick- 
sal hat auch der Orangenbaum, wenn man 
die Ausdehung bedenkt, in der er sonst an- 
gezogen ward, wenn er manche grosse 
Gärtnerei so ausschliesslich füllte, dass der 
Ausdruck Orangerie und Gewächshaus fast 
gleichbedeutend war. Wir bedauern esnicht, 
dass diese Zeit vorüber ist, dass das eintö- 
nige Bild, welches ein der Cultur der Oran- 
genbäume gewidmeter Garten gewährte, 
immer mehr und mehr verschwindet. Aber 


schön, sehr schön wird für alle Zeiten der 
Orangenbaum mit seinen süssduftenden Blu- 
men und seinem im Dunkeln immergrünen 
Laube glühenden Früchten bleiben. — 

Kleine niedrige Topfbäume sind für den 
Pflanzenfreund noch geeigneter als jene 
grossen hochstämmigen Exemplare, wie 
man solche auch jetzt noch häufig zur Bil- 
dung von Kübelbäumen aus Italien bezieht. 

Um sich schnell niedrige üppig blü- 
hende Topfbäume zu erziehen, verfahre man 
in der Weise, wie diesHr. Westen in der 
an interessanten Mittheilungen reichen Ham- 
burger Gartenzeitung beschreibt: 

Anstatt zur Unterlage Samenpflanzen 


344 


zu wählen, nehme man hierzu Stecklings- 
pflanzen vom Citronenbaum. Ende Januar 
oder Anfang Februar werden die kräftigsten 
Triebe des Letzteren zu Stecklingen ge- 
schnitten und im Vermehrungskasten oder 
Warmhaus unter Glocken in eine Mischung 
aus gleichen Theilen von Sand und Säge- 
spänen gestopft. Schon in wenigen Wochen 
werden sich solche bewurzelt haben, worauf 
man sie in ein halbwarmes Mistbeet in’s 
freie Land in 8—9 Zoll Abstand von einan- 
der auspflanzt. Herr W. empfiehlt als Erde 
eine */, Fuss hohe Schicht stark sandiger 
Heideerde und wendet zur kräftigen Ernäh- 
rung von Zeit zu Zeit einen kräftigen Dung- 
guss von Kuhjauche an. Eine milde leh- 
mige, mit Laub- oder Heideerde und Sand 
vermischte Erde, würde nach unserer An- 
sicht noch zweckmässiger sein. In der er- 
sten Zeit nach dem Auspflanzen werden die 
Fenster geschlossen gehalten, später wird 
reichlich Luft gegeben und im Sommer wer- 
den die Fenster ganz abgenommen und aus- 
serdem wird alle Abende überspritzt. Bis zum 
Sept. haben sieStämmchen von 2—3 Fuss Höhe 
gebildet und werden nun in Töpie gepflanzt und 
in ein kaltes Gewächshaus gebracht, wo sie 
keine Luft erhalten. Ende December bringt 
man solche in’s Vermehrungshaus und setzt 
hier mittelst Copulirens nicht ein einzelnes 
Reis, — sondern gleich eine kleine, von ei- 
nem alten Baume gewählte Krone mit eini- 
gen Früchten auf, Der Verband wird nur 
mit Bast gemacht. Man legt die Töpfe im 
Vermehrungskasten ein und zwar mit der 
Copulationsstelle nach oben. In einigen 
Wochen ist das Edelreis angewachsen, dann 
wird der Verband gelöst und das fertige 
Bäumchen aufrecht im Vermehrungshause 
hingestellt, um es später allmälig an Luft 
und Sonne zu gewöhnen. 


Im Mai blühen solche schon von Neuem 
und da sie nun zugleich Frucht und Blumen 
haben, geben sie für den Handelsgärtner 
einen guten Verkaufsartikel. 


2) Empfehlenswerthe Obstsorten. 
Es werden noch immer grosse Mengen von 
Fruchtbäumen gepflanzt, ohne dass man ih- 
ren Werth kennt; es werden auch sehr 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


viele Bäume gepflanzt, deren Früchte wenig 
Anwerth finden; es ist daher immer von 
grossem Interesse für den Obstzüchter, jene 
Arten Obst zu kennen, die eine gesuchte 
Marktwaare bilden. Herr Köhler, Ober- 
gärtner an der k. k. landwirthschaftlichen 
Lehranstalt zu Ungarisch-Altenburg gibt 
(in der allg. land- u. forstwirtsch. Zeitung, 
Wien 1866 Nr. 34) eine systematische Auf- 
zählung werthvoller Obstsorten: 


Rother Herbst- und rother Winter-Cal- 
vill, auch unter dem Namen Erd- und Him- 
beer-Aepfel bekannt — sie sind inForm und 
Färbung nahe verwandt, und sind immer 
sehr gesucht. 


Weisser Winter-Calvill, Quittenapfel, ist 
einer der vortrefflichsten Apfelsorten. 


Cornvalliser Nelkenapfel, (Calville d’Ang 
leterre), ein schöner grosser und lange 
dauernder Winterapfel. 


Grävensteiner, ebenfalls zu den Calvillen 
gehörig, mit schöner Färbung und ausge- 
zeichnet durch Wohlgeruch. 

Sommergewürzapfel (zur Classe der 
Schlotteräpfel gehörig) — englischer Kant- 
apfel — cempfehlenswerth seiner 
Reife wegen und 

Prinzenapfel, der besonders schönen 
Färbung wegen empfehlenswerth. 

Königsapfel von Jersey (aus der Classe 
der Gulderlinge), eine schöne und gute ein- 
farbige Herbstfrucht. 

Goldgulderling, durch seinen gewürzten 
Geschmack, werthvolles Tafelobst, Doppelter 
Holländer, sehr schön geformter und gefärb- 
ter Apfel. 

Calvillartiger Rosenapfel (Danziger Kant- 
apfel), alter bekannter Wintertafelapfel, dop- 
pelter Agatapfel, prachtvolle Herbstfrucht. 

Köstlichster, entspricht vorzüglich durch 
feinen Gewürzgeschmack seiner Benennung 
Sommerzimmtapfel und 

Rother Astrachan, frühreifende Tafelsor- 
ten, letzterer reichlich tragbar. 

Mayer’s Taubenapfel (gerippter Herbst- 
täubling), zarte, schöne, einförmige Frucht. 

Weisser Rosmarinapfel — ausser Tirol 
nie so schön und gut, daher zu häufige 
Anpflanzung nicht zu empfehlen. 


frühen 


III. Notizen. 


Braunauer Rosmarinapfel, reichliche 
Tragbarkeit, aber geringerer Werth. 

Edelrother und 

Rother Rosmarin, sehr ähnliche Sorten, 
dürften nur unter ganz günstigen Verhält- 
nissen für den Obstbau eine besondere Voll- 
kommenheit erlangen. 

Kaiser Alexander (aus der Classe der 
Rambour), Aport; grosser, schön gefärbter 
Herbstapfel. 

Lothringer Rambour, Strudel- oder 
Pfundapfel, für die Küche sehr geeignet, die 
Früchte fallen gerne ab. 

Pariser Rambour-Reinette, auch weisser 
Antillen-Reinet, wegen ausgezeichneter Grösse 
und Geschmack, langer Dauer, reichlicher 
Tragbarkeit empfehlenswerth. 

Lothringer grüne Reinette, Canada- u. 
Windsor-Reinette, eine grosse, grüne, lang- 
dauernde Winterfrucht, jedoch in ihrem 
Werthe dem vorhergehenden nachstehend. 

 Gaesdonker Reinette, der Baum sehr 
reichtragend. Die Eintheilung dieser Sorte 
aus der Classe der Gold-Reinetten in die 
der einfarbigen gilt für das Klima Oester- 
reichs nicht, da sie hier ganz den Character 
der Goldreinetten annimmt. 

Reinette von Breda — hier werthvolles 
Tafelobst, auch zur Mostbereitung. 

Ananas-Reinette, und 

Goldpepping, schöne goldgelbe Früchte, 
fein, gewürzt, halten sich bis spät in den 
Winter. 

Edelborstorfer. (Maschansker) allgemein 
bekannte und beliebte Frucht. 

Muscat-Reinette, bei ihrer Färbung, ge- 
würzten Geschmack und langer Dauer, als 
Marktfrucht sehr anempfohlen. Der Baum 
bildet mit seinen Zweigen besonders schön 
geformte Kronen. 

Baumann’s Reinette (rothe Winter-Rei- 
nette), sehr empfehlenswerth wegen ihrer 
Grösse, schönen Färbung u. a. guten Eigen- 
schaften. 

Langton’s Sondergleichen,, 
und schöne Herbstfrucht. 

Carmeliter-Reinette als Wintertafelapfel, 
sehr zu empfehlen ; der Baum ist von schö- 
nem Wuchse und reicher Tragbarkeit. 

Graue Herbst- und 


sehr zarte 


345 


Graue französische Reinette, in Form 
und Färbung etwas ähnlich; in Geschmack 
und Dauer ist letztere Sorte vorzuziehen. 

Englische Spital-Reinette und 

Grauer Kurzstiel sind in ihrem Aeusse- 
ren und Werthe mit vorhergehenden ver- 
wandt. 

Carpentin, langdauernder und sehr fein 
gewürzter Tafelapfel; in Süd - Deutschland 
zur Obstweinbereitung. 

Orleans-Reinette, sehr schöne goldartige 
und an der Sonnenseite roth gefärbte ausge- 
zeichnete Wintertafelfrucht. Der Baum bil- 
det bei lebhaftem Wuchse schöne pyrami- 
dale Krone, und ist reichtragend. Diese 
Sorte ist durch den characteristisch weit 
geöffneten Kelch leicht erkennbar. 

König Ferdinand von Ungarn, ähnlich 
der vorhergehenden. Die Frucht ist von 
Schmiedberger in St. Florian aus dem 
Samen einer Orleans-Reinette erzogen. Die 
Frucht ist sehr schön gefärbt und am Baum 
stark, beduttet. 

Englische Wintergoldparmäne, schr ver- 
schiedene Namen, aber auch zu wenig ge- 
schätzt, sie ist ausgezeichnet schön und 
gute Wintertafelfrucht. Der Baum bildet 
schr schöne Hochstämme mit schön geform- 
ten Kronen; trägt reichlich. 

Grosse oder doppelte Casseler Reinette, 
auch holländische Gold-Reinette, werthvolle 
Tafelfrucht. 

Harbert’s Reinette, (Harbert’s reinetten- 
artige Rambour), schöne, grosse Frucht. 

Ribston’s Pepping, englischer Granat-Rei- 
nette, Reinette quarendon, Baum sehr 
fruchtbar, Früchte durch ihre sehr schöne 
Färbung vorzügliche Marktwaare. 

Grosser rheinischer Bohnapfel (aus der 
Classe der Streifliinge), die Frucht erhält 
sich bis Frühjahr, ja bis in den Sommer 
hinein. 

Tothalma, in Form und Färbung ver- 
wandt mit vorhergehenden. 

Luikenapfel, in Süddeutschland als 
Wirthschaftsapfel beliebt, in Folge sehr spä- 
ter Entwicklung seiner Blätter und Blüthen 
passt er zur Anpflanzung in rauhe La- 
gen. 

Bagacsalma — Frucht für Küche sehr 


346 


gut; lange aufbewahrt, auch zum Rohge- 
nusse recht brauchbar. 

Rother Stettiner — Herrenweinling, schr 
beliebter Winterapfel. 

Wellington, wohl für wirthschaftliche 
Zwecke, aber nicht für Tafel von Werth, 

Taffetapfel — sehr gesuchte Sorte. 

Sternapfel — Pfaffenkappel kommt von 
Botzen; verdient wenige Beachtung; höch- 
stens zur Ausschmückung der Christbäume 
geeignet. 

Die Birnsorten classifieirt Köhler nach 
der Reifezeit in Sommer-, Herbst- und Win- 
terbirnen; nach der Form in rundliche, 
längliche und lange. 

Unter den Sommerbirnen sind wenige 
empfehlenswerthe Sorten: 

Leipziger Rettigbirne und Sommerbirne 
sind zu wenig werthvoll als Marktiwaare. 

Sommerbirne und Prinzessin von Ora- 
nien, empfehlenswerth. 

Grüne Sommermagdalene , eine schöne 
gute einfarbige Frühbirne. 

Stuttgarter Gaishirtlbirne; der Baum 
bildet besonders schöne Pyramiden; die 
Birne sehr schön und besonders gewürzhalt. 

Chereadame, Damenbirne, mittelgross 
schön gefärbte Sommerbirne. 

Hardenponts frühzeitige Colmar, wohl 
sehr saftig, aber etwas herbschmeckend. 

Punctirter Sommerdorn, Uebergang von 
den Sommer- zu den Herbstbirnen; die 
Früchte halten sich gut bis October; der 
Baum bildet schöne Pyramiden, und ist sehr 
tragbar. 

Englische Sommer-Butterbirne, eine 
schöne einfarbige Sorte; die der Pyramiden 
ist ohne Rostspuren, grösser und schmack- 
hafter. 

Sparbirne, ist sehr schön und gross, 
aber in sandigen Boden zu wenig saftreich; 
auf Quitten- Unterlagen verträgt sie sich 
nicht gut, 

Windsorbirne, eine grosse lange Som- 
merbirne, die vom Baume grasgrünist, nach 
8—-14 Tagen aber schön gelb wird; herb- 
schmeckend. 

Sommer-Apotheker-Birne (Plutzerbirne), 
die schönsten und grössten in der Oeden- 
burger Gegend. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Sommerherrenbirne, Erzherzogsbirne ; 
eine sehr schöne, gute Tafelfrucht. 

Rothe Dechantsbirne (aus der Classe 
der rundlichen Herbstbirnen), auch rothe 
Herbst-Butterbirne; ähnelt im Geschmacke 
der grauen Herbst-Butterbirne; eine etwas 
geröthete , überaus schmelzende Tafelbirne ; 
der Baum ist von sonderbarem Wuchs, bil- 
det sich schwer zur Pyramidenform. 

Wildling von Motte, eine grosse, schöne 
einfarbige Birne, aber gewürzlos. 

Belle et Bonne, deutsche National-Ber- 
gamotte, wunderschöne empfehlenswerthe 
Frucht. 

Wildling von Montigny, grasgrüne 
Frucht, bei voller Zeitigung goldgelb, mit 
erhabenem Muscatellergeschmack. 

Kaiserbirne, weisse Herbst-Butterbirne, 
eine alte geschätzte Marktfrucht. 

Graue Dechantsbirne; ganz mit feinem 
Roste überkleidet; eine saft- und gewürz- 
reiche Sorte. 

Herzogin von Angouleme (aus der 
Classe der länglichen Herbsttafelbirnen), 
eine grosse einfarbige vorzügliche Birne. 

Napoleonsbutterbirne, Dumont Dumor- 
tier, grosse grüne Mailänderin, eine einfar- 
bige vorzügliche Birnsorte; auf Quitten ver- 
edelt bleiben die Früchte jährlich etwas 
kleiner und weniger saftig. 

Sylvester Butterbirne, Hlerbstsylvester, 
König von Württemberg , schöne und gute 
Sorte. 

Holzfarbige Buiterbirne, Fondante de 
bois, Liegel’s Dechantsbirne, eine schöne 
gute Herbsttafelbirne. 

Beurr& de Merode, doppelte Philipps- 
birne, eine schöne gute Tafelbirne. 

Neue graue Butterbirne, nach Form, 
Färbung und Beschaffenheit des Fleisches 
mit der weissen und grauen Herbstbutter- 
birne verwandt, — schön, gross. 

Maria Louise, gehört zu den vorzüg- 
lichsten Herbsttafelbirnen. 


Graue Herbst-Butterbirne, Isembart, 
Beurr&e d’Amboise. 
Grumkower Butterbirne, eine einfar- 


bige, mit vielen beulenartigen Erhabenheiten 
versehen. 
Köstliche von Charneu, schön geformte 


III, 
und rothgefärbte Herbsttafelfrucht, sehr 
werthvoll. 

Forellenbirne , schön gefärbte späte 


Herbsttafelbirne. | 

Kaiser Alexander, sehr grosse, mit fei- 
nem Roste überzogene, wahre flaschenför- 
mige, vorzüglich butterhaft schmelzende 
Herbsttafelbirne, die bis zu einem Gewichte 
von 25—28 Loth gelangen. 

Liegel’s Winter-Butterbirne, eine mittel- 
grosse, ziemlich eiförmige und gewürzhafte 
bis Ende November dauernde Taielbirne. 

Diel’s Butterbirne, eine sehr grosse, 
ganz vorzügliche Tafelbirne. Der Baum 
wächst sehr schön pyramidal, und bildet 
mit seinen grossen dunkelgrünen Blättern 
eine wahre Zierde des Obstgartens. 

Hardenponts Winter-Butterbirne, Kron- 
prinz Ferdinand von Oesterreich, vorzügliche 
Wintertafelbirne. 

Winter-Nelis, Coloma’s Winter-Butter- 
birne, bei vollkommener Reife, Nov., Dec. 
werthvolle Tafelfrucht. 


Markbirne, vom Baume grasgrün, in 
voller Zeitigung schöne goldgelbe Wi 
Wintertafelbirne. 

St. Germain, Virgouleuse hier zu Lande, 
sie ist aber eine gauz andere Frucht. Je 
nach der Lage und dem Alter wechselt die 
Beschaffenheit der Frucht, ein alter Stand- 
baum liefert dunkelgrüne, etwas werthvolle 
Früchte; junge Pyramiden liefert schöne 
gelbe Früchte, die bei vollkommener Reife 
besonders schmelzend sind. 

Wildling von Chaumentel, auch Winter- 
butterbirne, in der Reife schöne rothgelbe 
lange dauernde Winterbirne. 


(S-r.) 


3) Schlesische Gesellschaft für va- 
terländische Cultur. Botanische Sec- 
tion. Sitzung vom 7. December. Herr Geh. 
Medieinalrath Göppert hielt folgenden Vor- 
trag über einen eigenthümlichen Bernstein- 
fund bei Namslau in Schlesien: 

Bernstein wird in Schlesien, wie schon 
oft erwähnt, seit Jahrhunderten häufig, aber 
meistens nur vereinzelt, gefunden. An 120 
Fundorte habe ich notirt, 5 gehören dem 
Areal von Breslau selbst an, mehr als ein 


Notizen, 


347 


Drittheil den auf dem rechten Oderufer ge- 
legenen Kreisen von Namslau, ÖOels und 


Trebnitz. Pfundschwere Stücke sind nicht 
| selten; das grösste, ein 6 pfündiges Stück 


mit einem tiefen, einen Wurzelabdruck zei- 
genden Einschnitt kam vor 12 Jahren in 
der Oder bei Rosenthal, unfern Breslau, 
vor, ein anderes von 21 Loth in der Stadt- 
ziegelei bei Schweidnitz, von !, Pfund Ge- 
wicht 2 Fuss tief in lehmigem Boden .bei 
Sprottau u. m. a, 

Vor einigen Wochen enthielten unsere 
Tageblätter eine Notiz Vorkommen 
von Bernstein bei Namslau. Da es von 
grossem Interesse ist, die Lagerungsverhält- 
nisse desselben genau zu kennen, ob sie der 
Geschiebe- oder der tieferen blauen Letten- 
oder Braunkohlenformation angehören, so 
bat ich einen sachkundigen Freund und Col- 
legen, Herrn Kreis-Physikus Dr. Larisch 
in Namslau, um nähere Auskunft und er- 
staunte nicht wenig, darüber Folgendes zu 
vernehmen: 

„Die. Fundstätte liege etwa 300 Schritte 
westlich von Hennersdorf, zwei Meilen nord- 
östlich von Namslau, Hennersdorf selbst 
auf einer mässigen Erhebung, die von Scha- 
degur bis Wellendorf in der Richtung von 
Norden nach Süden ein Plateau bilde, wel- 
ches östlich vielfach von Waldungen mit 
einzelnen kleinen Höhenzügen begrenzt 
werde. Der Oberboden sei durchweg san- 
dig, der Unterboden lehmig mit vielen Roll- 
steinen. An einer kleinen Lehne, die sich 
nach Westen zu einer Wasserfurche herab- 
senke, habe ein Arbeiter beim Steinesuchen 
zunächst Heidengräber von 4—8 Fuss Durch- 
messer entdeckt, 5-—-15 Fuss von einander 
entfernt, 1 Fuss tief in sandigem Boden. Die 
Asche, Knochen und einzelne bronzene Ge- 
räthschaften enthaltenden Urnen hätten un- 
ter einer 5 Fuss hohen Rollsteinschicht ge- 
legen, eine in den kleineren Gräbern, 
in den grösseren. Von den kleinen seien 
10, von den grösseren 3 vorhanden. In 
einem solchen grösseren Grabe, zwischen 
den beiden, 3 Fuss von einander entfernten 
Urnen, von mauerarlig gesetzten Steinen ge- 
deckt — also hingelegt — habe man Bern 
stein in der ungefähren Menge von minde- 


über 


zwei 


348 


stens 8 Metzen gefunden. Den bei weitem 
grössten Theil desselben habe der Bernstein- 
waarenfabrikant Herr Winterfeld in Breslau 
gekauft. Bernstein sei übrigens schon oft, 
zuweilen in Stücken von hohem Werth, in 
der Umgegend von Namslau, wie bei Nim- 
mersdorf, Rankau u. s. w. vorgekommen, 
aber stets im Sande, unter welchem übri- 
gens, namentlich an genannten Orten, auch 
bläulicher Letten und Mergel lagere‘“. 

Herr Winterfeld, in weiten Kreisen 
als Bernsteinwaaren-Fabrikant bekannt, hatte 
in der That von daher nicht weniger als 
120 Pfund gekauft. Der grösste Theil be- 
stand aus kleineren Stücken, nur ein paar 
8- bis 10löthige befanden sich darunter und 
alle waren, wohl in Folge der oberfläch- 
lichen Lage, mit einer oft tief bis in’s In- 
nere gehenden Verwitterungskruste bedeckt, 
oder zeigten den Charakter des Erdbern- 
steins, der sich eben durch diese Kruste 
von dem mit glatter Oberfläche versehenen 
frischen Seebernstein unterscheidet. An den 
umfangreicheren bemerkte man die Ein- 
drücke von Wurzeln, Steinen; die zahlrei- 
chen plattenförmigen stammen aus dem 
Innern der Bäume, die meisten von ihrer 
Rinde, insbesondere die concentrisch scha- 
ligen, welche den zu verschiedenen Zeiten 
erfolgten Ausfluss des Harzes bezeugen. 
Spuren von Bearbeitung liessen sich an kei- 
nem einzigen Stücke wahrnehmen. 

Eine Quantität Rollsteine, Gneis, Sye- 
nit, Granit mit prächtigem, rothem Feld- 
spath, also nordische Geschiebe, sah ich 
auch noch unter dem Bernstein als Zeugen 
der oberflächlichen Lage. Die ganze Quan- 
tität des vorhanden gewesenen Bernsteins 
vermag man mit Genauigkeit nicht mehr zu 
ermitteln. Notorisch war schon viel ver- 
schleppt worden, ehe Herr Winterfeld seine 
Ankäufe machte, und bei dem Herausneh- 
men selbst war man auch überhaupt nur 
mit geringer Sorgfalt zu Werke gegangen, 
da Hr. Dr. Larisch, der auf mein Ersuchen 
sich abermals an Ort und Stelle begab, beim 
Oeffnen der inzwischen zugeschütteten Grab- 
stätte noch 1!/, Mässel Bernstein zu sam- 
meln Gelegenheit hatte. 

Diese jedentalls 


höchst bedeutende 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Quantität und die ganze Beschaffenheit der 
Fundstätte spricht nun, wie sich von selbst 
versteht, nicht für eine ursprüngliche oder 
natürliche, sondern nur für eine künstliche 
oder eine absichtlich veranlasste Ablage- 
rung, deren Ursprung zu erforschen nicht 
mehr in das Gebiet der Paläontologie, son- 
dern in das der Urgeschichte gehört, der 
wir es hiermit zur weiteren Beachtung über- 
geben. Sie möge ermitteln, ob man damit 
eine Huldigung des Verstorbenen bezweckte, 
wiewohl man hierzu, so viel ich wenigstens 
weiss, nur Kunstprodukte aus Bernstein, 
nicht Rohbernstein verwendete, oder feststel- 
len, ob wir nicht vielleicht das in Verges- 
senheit gerathene Lager eines Händlers der 
Vorzeit vor uns sehen. Jedenfalls spricht 
dieser ungewöhnliche, vielleicht bisher noch 
nirgends gemachte Fund für die ungemeine 
Ausdehnung des damaligen Verkehrs mit 
diesem interessanten Fossil, und vielleicht 
auch für die Wahrscheinlichkeit eines Land- 
weges oder Karavanenzuges, der sich einst 
von der Donau aus durch das Waagthal 
oder Oberungarn nach Mannert’s, Kruse’s d. 
A. Angaben durch diese Gegenden bis zur 
Weichsel und Ostsee bewegte. Dass die 
Römer sehr viel Bernstein auf dem Land- 
wege bezogen, geht unter Anderem auch 
ausPlinius hervor, der sich überhaupt auch 
über den Ursprung des Bernsteins ebenso 
verständig wie über viele andere naturhi- 
storische Gegenstände ausspricht. Plinius 
erzählt von einem von Nero nach der 
Bernsteinküste geschickten römischen Ritter, 
der eine selır bedeutende Menge Bernstein 
mitgebracht habe. Die Reise sei von der 
Donau und Pannonien ausgegangen, WO 
schon lange Handel und Zwischenhandel 
mit Bernstein getrieben worden sei. Ob 
das angeblich häufige Vorkommen von 
Münzen von Nero in Preussen mit jenen 
Reisen in Verbindung stehe, wie Einige 
meinen, lasse ich, wie billig, dahin gestellt 
sein. Uebrigens schenkte das ganze Alter- 
thum dem Bernstein von seiner ersten Ein- 
führung durch die Phönizier fortdauernd 
das regste Interesse. Thales von Milet 
kennt ihn und mehrere seiner merkwürdi- 
gen Eigenschaften, desgleichen Plato, Hero- 


IV. Literatur. 


dot, Aristoteles, Theophrast, Dioscorides, 
Diodor von Sieilien, Taeitus, Virgil, Ovid; 
Martial feierte ihn durch Epigramme u. 8.w. 

Somit schiene dem Bernsteinhandel ein 
fast zweitausendjähriges Alter vor Christi 
Geburt gesichert. Könnte man nun nicht 
hieraus, da unsere sämmtlichen schlesischen 
bis jetzt bekannten Heidengräber vorzugs- 
weise nur Bronzewaaren enthalten, und un- 
ser Bernsteinfund doch jedenfalls mit ihnen 
in innigster Beziehung steht, nicht auch ei- 
nen Schluss auf die Zeit der freilich über- 
haupt schwer zu begrenzenden Bronze-Pe- 
riode ziehen, welche dann in jenen Zeitraum 
fallen und nicht so alt sein dürfte, als man 
gewöhnlich annimmt? Das überall erwachte 
Interesse für Untersuchungen dieser Art wird 
auch wohl hier einst zu sicheren Resultaten 
führen, welche wir auch von unseren histo- 
rischen Vereinen erwarten dürfen, die sich 
bereits eifrig mit dem schlesischen Heiden- 
thum beschäftigen. 


4) Eine Riesenbirke An der 
Strasse von Berhometh nach dem Bade-Orte 
Lopuszna in der Bukowina steht auf einer 
eingefriedeten Bauernwiese ganz vereinzelt 
eine Birke, die nach den gepflogenen Anfra- 


349 


gen weit über 120 Jahre alt sein und we- 
gen ihrer Grösse, Schönheit und Regelmäs- 
sigkeit ihresgleichen nicht finden wird. Sie 
hat am Stocke einen Durchmesser von 34 
Zoll und theilt sich ihr ganz gerader und 
senkrecht stehender Schaft auf einer Höhe 
von 3%/, Klaftern in neun Stämme von acht- 
bis siebzehnzölligem Diameter. Diese neun 
Stämme. haben bis zu ihrer Verzweigung 
eine fast ganz gleiche Höhe von fünf Klaf- 
tern und bilden die schöne Krone, welche 
im Durchmesser acht Klafter breit und an 
allen Seiten so regelmässig eylindrisch und 
oben abgerundet geformt ist, als ob sie un- 
ter der Scheere gezogen wäre. Der Baum 
ist ganz gesund und üppig — und seine 
Holzmasse sammt Astholz und Reisig be- 
trägt nach einer genauen Berechnung etwas 
über 3 Kubikklafter. Vor 9 Jahren schloss 
der Gutsbesitzer Wassilko Freiherr v. Se- 
retzki mit dem Kleingrundbesitzer, auf des- 
sen Wiese dieselbe steht, wegen Schonung 
derselben einen förmlichen Vertrag; der 
Bauer bekam für die Schonung und Sorg- 
falt um diese Birke 20 fl. in CM. und das 
zum Aufbaue einer Scheune und eines Stal- 
les nöthige Holzmateriale im Werthe von 
45 fl. CM. 


VW Literatur 


1) Carl Nägeli und S. Schwendener, 
das Mikroskop. I. Theil. 
Wilhelm Engelmann. 


Leipzig bei 


Eine ausgezeichnete Darstellung von 
der Construction des Mikroskopes, und von 
der Behandlung desselben beim Gebrauch, — 
von Vorsichtsmasregeln um Irrthümer bei 
der Beobachtung zu vermeiden. Der erste 
Theil enthält vorzugsweise die Theorie und 
Prüfung des Mikroskops, so wie die 
Theorie der mikroskopischen Wahrnehmung, 
— Das Mikroskop ist jetzt schon zum Ge- 
meingut aller derer geworden, die sich wis- 


schäftigen. Eine Darstellung der Theorie 
des Mikroskopes, der die Erklärung der Bil- 
der, die das Mikroskop giebt, folgt, — muss 
daher aus den Händen eines der bedeutend- 
sten Forscher, jedem eine sehr willkommene 
Gabe sein. (E. R.) 


2) Bulletin de la Societe Imperiale 
des Naturalistes & Moscou. 1864 
Nr. 4 u. 1865 Nr. 1. u. 2. — 


Es enthalten diese von Renard redigir- 
ten 3 Bde., die folgenden, für unsere Rich- 
tung interessanten Abhandlungen — 

1) Von unserem Mitarbeiter Herrn Dr. 


senschaftlich mit Naturwissenschaften be- | Ferdinand von Herder, über die periodische 


350 


Entwickelung der Bäume und Sträucher des 
K. Bot. Gartens in St. Petersburg. — 

2) E.R. von Trautvetter, die Ver- 
breitungsgränzen der Herniaria-Arten in 
Russland; nämlich 1) H. glabra L., vom 
südlichen Finnland bis nach dem Süden und 
Asien. 2) H. odorata Andrz., von Gou- 
vernement Mihilew bis Asirachan. 3) H. in- 
cana Lam.; vom Gouvernement Poltawa 
und ‚Sarepta über die Südgränzen Russlands 
hinaus. 4) H. hirsuta L. Kommt im Ge- 
biet zwischen dem Schwarzen Meere und 
dem Aralsee vor. — 

3) A. v. Nordmann; Biographie von 
Stevens. 

4) FE. v. Herder; Plantae Raddeanae 
Monopetalae Heft I. Diese Fortsetzung der 
Aufzählung der Pflanzen Ostsibiriens und 
des Amurlandes enthält die Familie der 
Compositen. — 

5) E. R. v. Trautvetter, F.E.L. von 
Fischer und seine Schriften. Hr. v. Traut- 
veiter giebt hier eine kurze Biographie des 
früheren Directors des K. Bot. Gartens Fr. 
Ernst Ludw. v. Fischer, geboren den 20. 
Febr. 1782 zu Halberstadt. Promovirte 1804 
zu Halle als Dr. med. und trat sofort als 


Director des Gartens zu Gorenki ein, den 


Grat Alexei Rasumowski schon 1798 ge-| 


gründet. Redowsky und Stephen 


(rüber diesem Garten vorgestanden, der un- 


ter Fischer 
dehnung erhielt. Die Gewächshäuser 
hielten nach und nach eine Länge von 4765 
Fuss. Ein Obergärtner, 3 Gärtner, 100 Un- 
tergärtner und Gartenburschen und ausser- 
dem : viele Arbeiter waren am Garten 
thätig. 

Im Jahre dem Tode des 
Grafen, ging auch der Garten zu Gorenki 
ein. Fischer kam nun nach Petersburg und 
ward den 22. März 1523 als Director des 
K. Bot. Gartens angestellt. 

Dieser Garten war 1714 von Peter dem 
Grossen als Apothekergarten gegründet 
worden. Mit Fischers, Anstellung ward die- 
ser frühere unbedeutende Apothekergarten, 
zum Kaiserlichen Botanischen Garten und 


damit zu einem der grossartigsten der Wis- 


1522, mit 


hatten | 


bald eine sehr bedeutende Aus- | 


€er- | 


| 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Die Geschichte des Kais. Botanischen 
Gartens seit jener Zeit ist nun bekannter. 
Fischer blieb bis 1850 Director, trat kurz 
nach seiner Pensionirung als Mitglied des 
Medicinalrati in das Ministerium des Innern 
und starb am 5. Juni 1854. Für den Gar- 
ten hatten unter seiner Amtsführung Riedel 
und Luschnath in Brasilien, Wiedemann in 
Kleinasien, Szovits in Transcaucasien, von 
Schrenk in der Soongarei, Turczaninow in 
Baicalien und Dahurien, Rieder in Kamt- 
schatka gesammelt. | 

Unterstützt in seinen wissenschaftlichen 
Arbeiten ward er durch R. v. Trautvetter, 
C. A. Meyer, Wydler, Ave Lallemant und 
Mercklin. Trautvettier giebt nun am 
Schluss das Verzeichniss aller von Fischer 
verfassten Arbeiten und Abhandlungen, die 
im Ganzen die Zahl von 47 erreichen, wo- 
bei jedoch die elf wissenschaftlichen Samen- 
cataloge des Gartens nur unter einer Num- 
mer gerechnet sind. — 

Wir fügen in Bezug auf die Geschichte 
des K. Bot. Gartens noch hinzu,. — dass 
nach Fischer’s Tode dem Institute ein Theil 
der für wissenschaftliche Zwecke bestimmten 
Summen entzogen wurden, — dass aber 
durch die Gnade Seiner Majestät, das Insti- 
tut den ungetheilt wissenschaft. Zwecken 
zurück gegeben ist und nun das Institut 
wissenschaftliche Aufgabe für das 
erfüllen 


seine 
weite Reich immer vollständiger 
wird. 

Ein Theil der in früherer Zeit erbauten 
alten und unzweckmässigen Gewächshäuser 
ist schon umgebaut, — ein anderer Theil 
erwartet seinen Umbau in den folgenden 
Jahren. Das Institut steht jetzt unter dem 
Hohen Ministerium der Reichsdomänen, 


(E: R) 


3) Dr. Th. Kotschy, über Reisen und 
Sammlungen des Naturforschers in der 
Asiatischen Türkei, in Persien und den 
Nilländern. — Wien 1864. 


Auf reiche Erfahrungen gestützt, giebt 
der kürzlich gestorbene Verfasser in dieser 
kleinen Schrift die Darstellung der Schwie- 
rigkeiten, welche wissenschaftlichen Reisen 


senschaft gewidmeten Institute umgestaltet. | in diesen Gegenden entgegen stehen, sowie, 


V. Personalnotizen. 


er zugleich die Rathschläge giebt, auf wel- 
che Weise man den Schwierigkeiten am 
ehesten entgegen treten kann. 


4) Beer, Versuch einer Glassifica- 
tion der Farne. 


Dieser Artikel ist in der Oesterreichi- 
schen Botanischen Zeitschrift veröffentlicht. 
Nach dem Wachsthume, nach der Verthei- 
lung der Fruchthäufchen und nach deren 
Form, sind 12 Gruppen gebildet. — 


351 


5) Catalog von Ottländer und Hooft- 
man in Boscoop (Holland.) 

Wir erwähnen dieses Cataloges, weil 
derselbe die Abbildung zweier neuer Aepfel 
bringt. Es sind dies: Calville de Bos- 
coop und Belle de Boscoop, beides ge- 
streifte hochgebaute Oalvillen von mehr als 
mittlerer Grösse und ersten Ranges. Der 
erstere trägt rings um ein lichtes streifig- 
verwaschenes Roth, der zweite nur ein 
schwaches undeutlich streifiges Roth auf der 
Sonnenseite. — (E. R.) 


V. Personalnotizen und Neuestes ete. 


1) Friedrich Adolph Haage jun, 
Aus Erfurt geht uns die Nachricht zu, dass 
Friedrich Adolph Haage, der Chef und 
Gründer der rühmlichst bekannten Firma 
Friedrich Adolph Haage jun. am 20. 
Septbr. nach langem Leiden starb. Derselbe 
war am 24. März 1796 geboren. Er war 
der zweite Sohn einer aus 8 Kindern be- 
stehenden Familie, von der ein älterer und 
2 jüngere Brüder sich gleichfalls der Gärt- 
nerei widmeten. Nachdem er in Erfurt die 
Gärtnerei erlernt, bildete er sich unter Lei- 
tung des schon lange verstorbenen Hofgärt- 
ners Lehmann in Dresden weiter aus und 
trat später in das Geschäft des Bruders sei- 
nes Vaters „Franz Anton Haage“ ein. 
Im Freiheitskriege trat er in Folge des Ru- 
fes seines Königs als freiwilliger Jäger in 
die Armee und nahm als solcher auch Theil 
an dem Einzuge der Allirten in Paris. 

Anfangs der 20er Jahre gründete er 
sein eigenes Geschäft, indem er einen klei- 
nen Garten, den von Frobelius pachtete. — 
Rechtlichkeit, Thätigkeit, Energie und tüch- 
tige Kenntnisse erwarben ihm und seinem 
Garten einen guten Namen. Seinen Muth 
und seine Energie brach es auch nicht, dass 
während der ersten Jahre seines selbststän- 
digen Wirkens ein fürchtertiches Hagelwetter 
seine Levkoien und Nelkenanzucht und mit 
ihnen das Resultat eines Sommers fast voll- 


ständig vernichtet. Was andere gebeugt 
haben würde, das spornte ihn nur zu neuer 
Thätigkeit und so gelang es ihm, sich bald 
soviel zu erwerben, um den Grund und Bo- 
den, auf dem sich gegenwärtig das seinen 
Söhnen hinterlassene Geschäft liegt, anzu- 
kaufen. 

Der kleine Garten von Frobelius hatte 
aber durch F. A. Haage einen so guten Na- 
men erhalten, dass er seitdem wiederholt 
jungen tüchtigen Handelsgärtnern zum ersten 
Anfange diente. 

Friedrich Adolph Haage ist für 
Erfurt, wo gegenwärtig die Handelsgärtnerei 
zu einem wichtigen Betriebsartikel geworden 
ist, ein Mann von grosser Bedeutung. Er 
war es, dessen allgemein geachteter Name 
auf die Hebung der dortigen Handelsgärt- 
nereien einen bedeutenden Einfluss ausübte, 
er war es, dessen Geschäft als erstes immer 
grössere und bedeutendere Ausdehnung ge- 
wann, — er war es, der den Erfurter Sa- 
men und vorzugsweise den Levkojen-Samen 

| jene Anerkennung verschaffte, dass deren 
Cultur in immer bedeutenderen Grade be- 
trieben wurde, sowie er solche als erster 
über Deutschland’s und Europa’s Gränzen 
| hinaus versendete. 

Friedrich Adolph Haage war aber nicht 
allein das Muster und Vorbild der zahlrei- 
chen grossartigen Samenhandlungen und 


352 Gartenflora Deutschlands, 
Handelsgärtnereien, die Erfurt jetzt zählt, — 
sondern er unterstützte auch seine jüngeren 
Collegen in uneigennütziger Weise mit Rath 
und That. 

So war er ein geachteter Mannin seiner 
Vaterstadt, den Sr. Majestät der König durch 
Verleihung des Rothen Adlerordens für seine 
vielfachen Verdienste auszeichnete, — er 
war geachtet und geliebt von seinen zahl- 
reichen Collegen,' so dass er dem Erfurter 
Gartenbau-Vereine lange Zeit als Director 
vorstand, — er war endlich auch das Haupt 
einer Familie, die mit ihm den vielgeliebten 
Gatten und Vater verlor. 

So ist Friedrich Adolph Haage mit der 
Entwickelung des Gartenbaues in Erfurt in- 
nig verschwistert, sein Andenken wird in 
Erfurt und in weiteren Kreisen fortleben 
und seine Söhne werden die Firma „Frie- 
drich Adolph Haage jun.“ die sie we- 
gen der Kränklichkeit des geliebten Vaters 
schon eine Reihe von Jahren in seinem Sinn 
und seinem Geist selbstständig geführt ha- 
ben, — auch fernerhin fortführen. So rufen 
wir, seine zahlreichen Freunde, diesem all- 
gemein geachteten Nestor und Vertreter 
Deutschen Gartenwesens den letzten Gruss 
der Achtung und Liebe nach. 

E. Regel. 


Russlands und der Schweiz. 


2) Duncan M’Intire. In Folge der 
Bemühungen des Dr. Müller in Melbourne 
(Süd-Australien) hat sich in Melbourne eine 
Gesellschaft von Damen gebildet, die die 
Mittel zu einer Expedition aufgebracht hat, 
um Auskunft über Leichhardt zuerhalten. 
Der Führer dieser neuen Expedition zur Er- 
forschung des Innern Neuholland’s, wo der 
Reisende mit Klima, Hunger, Fiebern und 
den wilden schwarzen Eingeborenen zu 
kämpfen hat, war Duncan M’Intire, ein 
kräftiger unerschrockener iutelligenter Mann. 
Nachdem die Expedition längs des Leich- 
hardts-Fluss vorgedrungen und schon viele 
Mitglieder der Expedition den bösartigen 
Klima-Fieber erlegen, war M’Intire an den 
Gilliot-Fluss gegangen und erlag hier eben- 
falls am 4. Juni einem heftigen Fieberanfall. 
Am M’Intire Stelle, hat nun W. F. Slomen 
die Leitung dieser Expedition übernommen. 

Duncan M’Intire wird in Australien als 
einer der fähigsten und tüchtigsten Männer 
betrauert, von dem man vor allen andern 
erwartete, dass er zu einem guten Resultate 

| dieser Expedition beitragen werde. — 
(Nach briefl. Mittheiluingen des Dr. Müller). 


. Originmalabhandlungen. 


41) Abgebildete Pflanzen. 


ea) Gonatostemon Bouch&anum Rzl 


(Siehe Tafel 526.) 


Cyrtandraceae. 


Gonatostemon. Calyx liber, tu- 
buloso-campanulatus, 5-fidus; lobis sub- 
aequalibus. Corolla hypogyna; tubo 
basi recto, subeylindrico, basi vix gibbo, 
superne inflato latere superiore ventri- 
c080; limbo bilabiato; labio superiore 
breviore bilobo: labio inferiore longiore 
trilobo. Stamina 5, inclusa, tubo corol- 
lae inserta; 2 inferiora perfecta fertilia: 
filamentis supra basin geniculatis, ad ge- 
niculum cireum tumidis, liberis: antheris 
adglutinatis, bilocularibus, dorso affıxis, 
loculis parallelis horozontalibus ovatis; 
2 superiora sterilia: filamentis strietis 
brevibus, antheris minimis; supremum 
ad rudimentum parvum sessile reductum. 
Annulus hypogynus parvus, sinuatus. 


G. Bouch&anum Rgl. Suffrutex 
1—2 pedalis, ramosus; ramis carnosis, 
flexuosis; ramulis teretibus hirsutis. Fo- 
lia opposita, petiolata, e basi aequali 
v. inaequali ovata, acuta, dentata, hir- 
suta. Peduneuli axillares, solitarii, uni- 
flori, petiolo breviores, supra medium bi- 
bracteati. Calyx hirsutus, corolla duplo 
brevior, tubo 5-costato, lobis lanceolato- 
subulatis recurvo-patentibus. — 


Ein kleiner niedriger Strauch aus 
ÖOstindien, den wir unter der Bezeich- 
nung Cyrtandra spec. aus dem König- 
lichen Botanischen Garten in Berlin, 
von unserm geehrten Freunde Herrn 
C. Bouch& erhielten. Wir haben dieser 


Germen liberum, lineare-oblongum, stylo | hübschen Pflanze deshalb Bouch&’s Na- 


quam germen breviore terminatum. Stig- 
ma plano-compressum, trilobum. 
ZU, 1866, 


men. beigelegt. Den Gattungsnamen 
„Koniefaden‘‘ haben wir dagegen nach 
23 


354 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


der eigenthümlichen Bildung, der beiden | Beide Lippen anfangs aufrecht, später 
fruchtbaren Staubfäden gewählt. abstehend. - 
Fünf Staubfäden, von denen einer 
Ein ästiger I—2 Fuss hoher Halb- | als kleines Rudiment, 2 als kleine fehl- 
strauch, mit stielrunden,, fast saftigen, | geschlagene Staubfäden und endlich 2 
rauh behaarten Aesten. Blätter gestieit, | vollkommen und fruchtbar. Diese frucht- 
gegenständig, oval, spitz, rauh behaart, | baren Staubfäden sind der Blumenröhre 
stumpflich gezähnt. Blüthenstiele ein- | eingefügt, unterhalb der Mitte knieförmig 
blumig, einzeln in den Blattachseln, | gebogen und hier rings herum ange- 
kürzer als der Blattstiel, oberhalb der | schwollen. Der freie längliche Frucht- 
Mitte ein Paar gegenständiger Bracteo- |knoten am Grunde von einem oben 
len tragend. Der Kelch grün, röhrig | buchtig gekerbten Ring umgeben. Narbe 
glockig, rauh behaart, in 5 ziemlich | flach gedrückt, 3-lappig. — 
gleichlange lanzettlich-pfriemliche, zu- Die Blumen erscheinen im Juli und 
rückgebogen abstehende _ Lappen aus- August. — Cultur im niedrigen Warm- 
gehend und mit Seckiger Röhre. Blu- hause, zusammen mit den strauchartigen 
menkrone doppelt so lang alsder Kelch, | Gesneriaceen, wie mit Drymonia ete. 
violett, aussen rauhhaarig, innen im Vermehrung durch Stecklinge im war- 
Schlunde gelb gezeichnet und purpur | men Vermehrungshause das ganze Jahr 


gestreift. ‘Die Röhre der Blumenkrone | hindurch. (E. R,) 
ist im Grunde gerade und walzlich, am 
Grunde selbst schwach aufgetrieben, nach 1) Eine Blume von der Seite in 


oben ist solche aufgeblasen und zwar | natürlicher Grösse. 2) Einer der frucht- 
mit nach oben gekebrter Bauchseite. | baren Staubfäden. 3) Der Griffel mit 
Der Saum 2-lippig; die Oberlippe kür- | dem grundständigen Ringe und der flach 
zer in 2 stumpfe Lappen, — die Unter- | gedrückten dreilappigen Narbe. 

lippe in 3 stumpfe Lappen gespalten. 


DD Bletia hAyatınthina BR Br foLzaunzz 
striatis. 


(Siehe Tafel 527.) 


Orchidesae. 


Bl. hyaeinthina R. Br. in hort. | Coll. des Orch. de l’Arch. ind. et du 
Kew. ed II tom. V. pag. 206. — Bot. | Japon pag. 17. tab. 6 Fig. 1. — 
Cab. 1768. — Rechb. fl. exot. tab. 118. var. fol. albo-striatis Sieb. 
— Bletilla hyacinthina Rchb. fil. in Die Bletia hyacinthina R. Br. ist 
Schill. cat. — Bletia hyacinthina Blume | eine Erdorchidee des südöstlichen Asien. 


44 


I. Originalabhandlungen. 


Sie ist schon seit langer Zeit in Cultur 
und zwar in zwei Formen, mit schön 
carmin oder carmin-purpurrothen Blu- 
men und ınit blassrosarothen Blumen. 
Die erstere -ist die ächte Pflanze, die 
andere mit blass rosarothen Blumen, 
ward von Lindley (Journ. of Hort. Soc. 
II. 307. — Bot. Reg. XXXII tab, 60) 
als Bl. Gebina beschrieben, Blume zieht 
aber mit vollem Recht solche als var. 
Gebina (Bl. l. ce.) zu Bl. hyacinthina, 

Die beistehend abgebildete Abart, 
mit silberweiss gestreiften Blättern, ward 
von Siebold aus Gärten Japan’s in Eu- 
ropa eingeführt und dem Garten- Eta- 
blissement des Dr. Laurentius in 
Leipzig zur Verbreitung abgegeben. 
Unsere Tafel ist nach einer Pflanze ge- 
zeichnet, die-im Etablissement des Hrn. 
Laurentius zur Blüthe kam. Die Blu- 
men besitzen eine carmin- purpurrothe 
Färbung und die Blätter sind schön ge- 
streift. 

Die Bletia-Arten bedürfen in Qultur 
keines besonderen Gewächshauses, son- 


355 


dern können als Knollengewächse, die 
im Winter ruhen, in jedem niedrigen 
Warmhause mit vollkommen guten Er- 
folge eultivirt werden. — 

Bei der Cultur derselben, sowie 
bei der Cultur vieler anderer knolliger 
Erdorchideen, wird häufig gefehlt, indem 
man denselben eine leichte, mit Moos 
versetzte Heideerde giebt. Wir finden 
im Gegentheil, dass solche in einer 
lockern lehmigen Rasenerde, ohne jede 
Beimischung einer anderen Erde, am 
besten gedeihen, So die Betia-Arten, 
die Arten der Gattung Sobralia, Disa, 
Thunia, Stenorhynchus, Pelexia, Calan- 
the etc. — 

Ein Artikel von einem tüchtigen 
Praktiker über -Cultur der Bletia-Arten 
und anderer Erdorchideen der Tropen 
würde Vielen einen Dienst erweisen und 
so bitten wir Freunde dieser schönen, 
‚jetzt vernachlässigten Pflanzen die Leser 
der Gartenflora durch einen solchen zu 
erfreuen. — (E. R.) 


c() Sedum Maximowiczii Rgl. 


(Siehe Tafel 528.) 


Crassu 


S. Maximowiczii; totum glabrum, 
papillis minutissimis vix asperulum; 
caule erecto, strieto, angulato; foliis 
obovato-lanceolatis, obtusis, irregulariter 
erenato-dentatis, inferioribus oppositis, 
superioribus alternis; ceyma terminali, 
conferta, planiuscula; folis floralibus 
cymae ramulos superantibus. — 


lacıeae 


Aus Samen, den Herr C. Maximo- 
wicz in Japan sammelte, ward das in 
| Rede stehende perennirende Sedum er- 
zogen, das mit S. Aizoon und S. Kamt- 
schaticum zunächst verwandt ist. Das 
erstere unterscheidet sich durch im An- 
fühlen glatten und ausserdem stielrunden 
Stengel und nur alternirend gestellte 
23 * 


356 


lanzettliche Blätter mit spitzerer Zah- 
nung, — das andere durch aufsteigen- 
den stielrunden, beim Anfühlen gleich- 
falls durchaus glatten Stengel. 

Die Stengel unserer Pflanze werden 
mehr als 1 Fuss hoch und tragen auf 
der Spitze die grosse ausgebreiteie, fast 
flache Scheindolde gelber Blumen. Im 
Klima von Deutschland dürfte dieses 
Sedum den Winter im Freien aushalten 
und so als schön docorirende Pflanze 
für sonnige Steinparthieen zu empfehlen 
sein. Vermehrung durch Samen, durch 
Theilung und Stecklinge. — 

(E. R.) 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Erklärung der Abbildung. 


| 5) Der obere Theil des Stengels 
mit abwechselnd gestellten Blättern und 
dem spitzenständigen Blüthenstand, in 
Lebensgrösse. 


1) Eine Blume von unten gesehen. 
2) Eine solche von oben gesehen. 
3) Blumenblatt mit Staubfaden. 4) Ein 
einzelnes junges Früchtchen. 1—2 na- 
türliche Grösse. 3—4 schwach ver- 
grössert. — 


2) Bemerkungen über Pflanzen des Kais. Botanischen Gartens 
in St, Petersburg. 


1) Pelargonium Thibautii. So 
nennen wir ein Pelargonium, das wir 
aus dem Garten der Herren Thibaut und 
Keteler als P, glaucifolium erhielten, 
Dasselbe ist mit P. glaucum L’Herit. 
und P. glaucoides Wendl. (collect. tab. 
68) zunächst verwandt, Ein 1—1'j, 
Fuss hoher, durchaus kahler Strauch. 
Blätter gestielt, fast fleischig, aus keil- 
förmigem ganzrandigem Grunde verkehrt- 
oval oder fast rund, vorn gross kerb- 
zähnig. Blüthendolde 4—5-blumig. Blü- 
thenstiele purpur. Blumenblätter fast 
gleichlang, länglich-linear, stumpf, tleisch- 
roth, die beiden oberen etwas kürzer und 
purpur gestreift. 


Ein eigenthümlicher Strauch, der 
den Eindruck einer wirklichen Art macht, 
vielleicht aber auch ein vonP. glaucum 
L’Her. gefallener Bastard sein kann. 

(Rgl.) 


2) Nidularium triste. Brome- 
liaceae. 

Wir haben die Gattung Nidularium 
schon einige Mal besprochen. Solche 
zeichnet sich durch die im Grunde der 
Blattrosette nistende Blüthenähre aus, 
Beer und nach ihm C. Koch haben die 
hierher gehörigen Arten, deren Blumen- 
blätter nur am Grunde in eine Röhre 
verwachsen sind, zu Bromelia gerech- 
net, wir haben solche aber in Ueberein- 
stimmung mit Ch. Lemaire gleichfalls 
zu Nidularium gestellt. (Ind. sem. h. 
Petr. 1860 pag. 31). Zu dieser Gruppe 
gehört auch die in Rede stehende Art. 
Van Houtte vertheilte solche früher als 
Billbergia purpurea, aus dem Botan. 
Garten in Zürich, erhielten wir dieselbe 
als Nidularium agavifolium, von Mackoy 
in Lüttich als Nid, marmoratum. Beer 
führt solche als Bromelia tristis (Beer 

| Brom. pag. 30) auf, welchen Namen C. 


I.  Originalabhandlungen. 


Koch, (Wochenschr. II. pag. 150) bei- 
behalten hat. Beer’s Beschreibung 
stimmt vollständig mit unserer Pflanze, 
Koch’s Beschreibung weicht aber durch 
Färbung der Bracteen und Blumen ab. 
Eine unscheinbare Art mit bis fusslan- 
gen und mit I—1!/, Zoll breiten, vorn 
zugespitzten, am Rande fein dornig ge- 
sägten Blättern, die grün und beider- 


seits purpur gefleckt oder stellenweis | 
Die Bracteen | 


purpur verwaschen sind, 
und Kelche des nistenden kopfförmigen 
Blüthenstandes tief violett. Blumen 
klein, weiss, mit hellblauem Saum. Aus 
Brasilien. (Rgl.) 


3) Helichrysum petiolatumD. 
C. (D. C. prodr. VI. 208. — 


afr.. tab. 76 Fig. 2 optime). 


Strauch des Vorgebirges der guten 


Hoffnung ist seit 2 Jahren unter dem | 
| enthält. 
durch die | 
als | 
schöne weisslaubige Gruppen- und Bor- | 


durchaus falschen Gartennamen Gna- 
phalium lanatum, — 

Gärten Europa’s verbreitet und 
durepflanze empfohlen worden. Ueberall 
weiss wollig.. Die gestielten ovalen 


oder herzförmig ovalen Blätter unter- | 
scheiden diese Art von dem verwandten | 
Wird bis 5 Fuss | 


H. crispum Less. 


hoch und trägt auf der Spitze der 


thenköpfe, mit weissem Involucrum und 
gelben Blumen, — (E, R.) 


4) Vaccinium Thibautii. 


Frutieosum; ramis gracilibus , de- 
pendentibus, brevissime puberulis; foliis | 
coriaceis, breviter petiolatis, e basi cor- | 


data ovatis v. oblongis, nervo excur- 
rente mucronulatis, utringue glabris, re- 
tieulato - venosis, margine recurvo inte- 
gerrimo; floribus axillaribus, solitariis; 
pedicellis quam foliaftriplo-brevioribus, 


Gnapha- | 
lium petiolatum L. spec. 1194. — Burm. | 
Dieser | 


| Spitzchen hervor. 
Zweige die Corymben der kleinen Blü- | 


357 


minute puberulis, supra basin bracteo- 
latis; calyce campanulato, 5-dentato, ex- 
tus brevissime puberulo pilisque setosis 
vertito, dentibus ovatis acuminatis; CcO- 
rolla tubuloso-urceolata, limbo 5—7-den- 
tato: dentibus ovatis; staminibus 10 pu- 
bescentibus; antheris rectis, mutieis, 
apice bifidis; inelusis, stylo breviori- 
bus. — 


Der hiesige Garten erhielt den in 
Rede stehenden, sehr wahrscheinlich 
aus den Gebirgen des tropischen Ame- 
rika stammenden niedrigen immergrü- 
nen Strauch, aus dem Garten des Herrn 


| Thibaut und Keteler in Paris, unter dem 
| Namen 


Gaylussacia Pseudovaccinium. 
Gaylussacia besitzt aber einen 10fäche- 
rigen Fruchtknoten, der in jedem Fach 
einen Samen enthält, — während der 
Fruchtknoten unserer Pflanze 5-fächerig 
ist und in jedem Fache viele Samen 
Die Zweige sind lang, schlank, 
kaum verästelt, hängen herab und tragen 
unterhalb ihrer Spitze einzelne weisse, 
röhrig urnenförmige Blumen in den 
Blattachseln. Blätter kurz gestielt, aus 
herzförmigem Grunde rundlich, oder 
oval, oder länglich, mit zurückgeboge- 
nem ganzen Rande; aus der abgerunde- 
ten Spitze tritt der Mittelnerv als kleines 
Die Antheren geib- 


braun, ohne Grannen, an der Spitze 


| zweitheilig und nicht in 2 lange paral- 
| lele Röhren ausgehend, wie bei Gaylus- 


sacia. 


Ist mit V. serpens Wight aus Ost- 
indien verwandt. Letzteres unterscheidet 
sich durch gezähnelte Blätter und drüsig 
behaarte Zähne des Kelchs. Eine 
Kalthauspflanze, die aber kaum als 
Zierpflanze zu empfehlen ist. 


(ER) 


358 


5) Spiranthes Lindleyana 
Lk. Kl, Otto ie. pl. rarior. I, pag. 26. 
tab. 11. — 
it Es ist das eine robuste Erdorchi- 
dee mit panachirten Blättern, die als 
schöne buntblätterige Pflanze allgemeine 
Cultur verdient. Blätter sämmtlich wur- 
zelständig , lanzettlich, in den Blattstiel 
verschmälert, ohne Blattstiel ungefähr 
5 Zoll lang, am Rande wellig, spitz, 
auf der oberen Seite dunkel olivengrün, 
mit mehreren (4—5) silberweissen Längs- 
binden gezeichnet, unterhalb blassgrün. 


Im Januar und Februar erscheinen 
die 11/5; Fuss hohen Blüthenschafte, 
welche auf ihrer Spitze die unbedeuten- 
den weisslichen nickenden Blumen in 
einer spitzenständigen vielblumigen Aehre 
tragen. 


Eine Erdorchidee mit fleischigen 
Wurzeln, die in der kalten Abtheilung 
des Orchideenhauses oder auch in einem 
anderen niedrigen Warmhause ceultivirt 
wird und in eine lehmige Wiesenerde 
gepflanzt, leicht und gut gedeiht. Die 
Pflanze behält das ganze Jahr hindurch 
ihre schön gezeichneten Blätter und ver- 
dient deshalb einen Platz in jedem 
Warmhause. 


Diese Art ward schon im Jahre 
1837 aus den Gebirgen von La Guayra 
vom Hrn. Moritz an den Botanischen 
Garten in Berlin gesendet, hat sich aber 
in den Gärten noch wenig verbreitet. 
Jetzt aber, wo die herrschende Lieb- 
haberei für schöne Blattpflanzen allge- 
mein verbreitet ist, dürfte solche mehr 
Freunde finden. Wir fanden dieselbe 
im letzten Jahre in der Orchideensamm- 
lung des Herrn Allardt in Berlin und 
während wir diesesschreiben, hat unser 
Exemplar 6 Blüthenstände entwickelt. 

(E. R.) 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


6) Galipea Riedeliana Rgl. 
(Diosmeae). — 

Galipea D. C. prodr. I. 730. — 
G. Riedeliana; foliis simplieibus, petio- 
Jatis, ovato-ellipticis, coriaceis, integer- 
rimis, basi subrotundatis, apice obtusis 
v. subacutis v. in apicem obtusiusculum 
acuminatis, subtus reticulato-venosis, 
sub lente subpellueido punctulatis; trunco 
simpliei; florum racemis axillaribus, elon- 
gatis, interruptis, subcompositis; ealyce 
strigoso-tomentoso; staminibus 5, omni- 
bus fertilibus. — G, ovata H. Petrop. — 

Noch von der Zeit, wo Riedel Bra- 
siliens Schätze ausbeutete und in leben- 
den und trockenen Exemplaren an den 
Botanischen Garten einsendete, stammt 
die in Rede stehende Galipe.. Wäh- 
rend der Zeit, dass der Referent im 
Botan. Garten angestellt ist, blühte 
dieser hübsche immergrüne Decorations- 
strauch im April dieses Jahres zum 
ersten Male. Derselbe ist einerseits der 
G. macrophylla St. Hil. und andererseits 
der G. ovata St. Hil. verwandt. Die 
erstere unterscheidet sich aber durch 
unterhalb schwarz punctirte Blätter und 
7 Staubfäden, von denen nur 2 frucht- 
bar, — die andere durch am Grunde 
zugespitzte, in den Blattstiel übergehende 
Blätter, die ebenfalls unterhalb schwarz 
punctirt, durch einen zottig behaarten 
Kelch und 3 sterile Staubfäden. 

Eine schöne und harte Blattpflanze 
für’s Warmhaus, deren immergrüne le- 
derartige ganzrandige Blattflächen bis 
10 Zoll lang und bis 5 Zoll breit”wer- 
den. Der Stamm verästelt sich nicht. 
Die weissen Blumen stehen in langen 
achselständigen Trauben. Cultur gleich 
der der anderen Galipea- Arten, der 
Theophrasta-Arten etc. (E. Rgl.) 


7) Begonia incarnata Otto et 
Dietr. var. purpurascens. 


I. Originalabhandlungen. 


Auf der Amsterdamer Ausstellung 
hatte Hr. Glijm, Handelsgärtner in Ut- 
recht, eine von ihm erzogene Begonia 
als B. subpeltata ausgestellt. Diese 
Pflanze blüht jetzt bei uns. Den Na- 
men B. subpeltata kann solche nicht 
behalten, da es eine stammlose wirk- 
liche Art giebt, die diesen Namen schon 
trägt. Uns scheint diese Pflanze ein 
aus Begonia incarnata gefallener Bastard 
zu Sein, da sie sich an B. papillosa 
Hook. (Bot. Mag, tab. 2824) zunächst 
anschliesst, und B, papillosa Hook. von 
A. De Candolle (Prodr. XV. 309) als 
Form zu B, incarnata gezogen wird. 
Die Blüthenorgane und Blüthenstand 
stimmen mit B. incarnata überein, Der 
Wuchs ist aber niedriger und der Sten- 
gel vom Grunde aus mehr verästelt. 
Stengel aus dem Grünlichen in’s Purpur 
schillernd, mit zerstreuten Borsten be- 
Setzt. Blattstiele borstig behaart, Blät- 
ter breiter als bei B. incarnata, schief 
oval-herzförmig, zugespitzt, oberhalb aus 
olivengrün in’s Purpurrothe schillernd, 
oft mit vielen kleinen silberfarbenen 
Fleckchen gezeichnet und mit zerstreu- 
ten purpurrothen Borsten besetzt, unter- 
halb purpurroth und an den Nerven mit 
Borsten besetzt, 

Ein dankbar blühender niedriger 
Strauch für’s Warmhaus, der als schön- 
blühende, wie als decorative Pflanze 
gleichzeitig Empfehlung verdient. 


8) Adelia Acidoton L. Buphor- 
biaceae. — In den Botanischen Gärten 
Deutschlands und in den Baumschulen 
des südlichen Frankreich findet sieh ein 
4—6 Fuss hober Strauch mit in Dornen 
ausgehenden Aesten, der ganz kahl ist 
und längliche, verkehrt-ovale, an der 
Spitze meist zurück gedrückte Blätter, 
sowie einzeln in den Blattachseln ste- 
hende; weibliche Blumen trägt. Diese 


339 


kleinen gelblichen grünen Blumen be- 
sitzen eine 5— 6-theilige Blüthenhülle 
und einen 3-fächerigen, auf einer gros- 
sen drüsigen Scheibe sitzenden Frucht- 
knoten, der auf seiner Spitze 3 Narben 
trägt, die in 2, seltener in 3 lineare 
Aeste getheilt sind. Dieser Strauch 
ist als Borya ligustrina, B. retusa, Ade- 
lia ovata; A. spinosa und A. Acidoton 
in den Gärten verbreitet. Link führte 
denselben in seinem Hortus berolinensis 
als Borya retusa auf. Es ist aber dieser 
Strauch eine ächte Adelia und zwar die 
Adelia Acidoton L — 


9) Pultenaea cluitiaefolia 
Rgl. Leguminosae, — Glabra; flo- 
ribus terminalibus v. deinde axillaribus 
solitariis; foliis cuneato-obovatis, obtusis; 
stipulis subulatis. — Wir erhielten die- 
sen niedrigen Blüthenstrauch Neuhol- 
land’s, aus dem Garten von James 
Booth und Söhne in Flottbeck, als P. 
polygalifolia. Diese letztere besitzt 
aber längliche, in einen stumpfen Mu- 
cro ausgehende rostbraune Blätter. Aus- 
serdem ist unsere Pflanze der P. eu- 
chila D. C, verwandt, die sich jedoch 
durch in Trauben gestellte Blumen und 
keilförmig-lineare Blätter unterscheidet. 
Bildet einen niedrigen kahlen Strauch 
mit aufrechten Aesten und jungen, fast 
kantigen Aestchen. Blätter freudig-grün, 
keilförmig-verkehrt-oval, stumpf, oderan 
der Spitze fast zurück gedrückt oder un- 
deutlich spitzlich. Nebenblätter häutig, 
braun, pfriemlich, ungefähr so lang als 
der Blattstiel. Blüthen gestielt, einzeln 
spitzenständig oder später seitenständig, 
goldgelb, einfarbig. Kelch unter der 
Lupe kurzhaarig. 

Ein niediicher zarter Strauch für’s 
Kalthaus aus Neuholland.. Blüht im 
Mai. Cultur gleich der der anderen 
Pultenaeen, (E. R,) 


360 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der S chweiz. 


3) Der botanische Garten in Rom. 


Unter den botanischen Gärten Ita- 
liens ist jedenfalls der in Rom der am 
seltensten genannte und ohne Zweifel 
Vielen nicht bekannt, obwohl er keines- 
wegs der kleinste zu nennen ist. 


Dieser Garten auf der anderen 
Seite der Tiber unweit der St. Peters- 
Kirche gelegen und in unmittelbarer 
Nähe des Porto Sixto, stösst an das 
durch den langen Aufenthalt Tasso’s 
unsterblich berühmte Kloster Onofrio. 
Auch der Garten enthält einen Lieblings- 
Sitz von Tasso, wo eine hundertjährige 
Korkeiche stand, welche leider vor eini- 
gen Jahren durch den Wind verstümmelt 
wurde. Diese Stelle gehört jedenfalls 
zu den schönsten Punkten von Rom und 
man sagt dem Tasso in der That nicht 
ohne Unrecht nach, ,‚er habe sich zum 
Sterben den schönsten Platz auserwählt“. 
Der Garten liegt in einem sehr bevöl- 
kerten und wohl dem ärmsten Theile 
der Stadt Rom. Derselbe war früher 
im Besitz der Herzogin Salbiati und 
seine Gründung datirt seit dem Jahre 
1837. 


Derselbe nimmt einen Flächenraum 
von 4 Hectars ein, deren wohl ein 
Dritttheil hügelig und mit verschiedenen 
Bäumen bepflanzt ist. Die eigentliche 
botanische Schule, ein längliches Qua- 
drat bildend und nach dem Systeme 
von Jussieu geordnet, enthält eine ziem- 
lich zahlreiche Sammlung bekannter 
Pflanzen; dieselben sind in langen Il 
Fuss breiten, je mit Bux eingefassten 
Beeten gepflanzt, worauf immer drei 
Reihen von Pflanzen stehen. Zur Er- 
zielung des für die Mehrzahl nöthigen 


sonnige Lage) sind die Sträucher und 
Bäume an den betreffenden Stellen mit 
eingereiht, und überdiess mehrere Bäume 
und Sträucher isolirt gepflanzt. Unter 
den baumartigen Gewächsen zeichnen 
sich vorzüglich die Pinien, Quereus Ilex, 
Schinus molle, Orangen, Cercis Siliqua- 
strum, Cypressen, Phönix dactylifera, 
Chamaereps humilis und Ch. excelsa, Gly- 
eine, Bougainvillea, Bignonia, Agaven, 
Yucca etc. aus. Die Beete sind rein- 
lich gehalten, die Pflanzen sind mit gut 
leserlichen Etiquetten versehen und es 
kann die ganze Schule als eine vortreff- 
lich gepflegte genannt werden. An dem 
südlichen Ende des Gartens steht ein 
stattliches, aber weniger zweckmässiges 
Glashaus von 80 Fuss Länge, welches 
aus zwei Abtheilungen besteht: einem 
Kalt- und einem Warmhaus. In dem 
Mittelbau sind an der Decke einige 
Fresken angebracht und den Eingang 
ziert das päpstliche Wappen mit der 
Aufschrift des Erbauers Gregor XVI. 


Im Warmhause finden wir mehrere 
Palmen, Musa, Fieus, Theobroma, Va- 
nilla und einige andere Orchideen, Sac- 
charum, Cyperus, Coffea und verschiedene 
andere offieinelle Pflanzen; ferner ein 
mächtiges Exemplar von Euphorbia cana- 
riensis, das mächtigste, welches wir bis 
jetzt gesehen haben. 


Das Kalthaus war mit verschiede- 
nen Neuholländern, Fettpflanzen und 
Schlinggewächsen gefüllt. — 


Der übrige Theil des Gartens, wel- 
cher einen steilen Abhang bildet, ist 
mit gewöhnlichen einheimischen Bäumen 


Schattens — (der Garten hat eine sehr | bepflanzt und soll später, wenn es die 


I.  Originalabhandlungen. 


Mittel erlauben, in der Weise angelegt 
werden, dass er sich zur Anlage eines 
Arboretums eignet. — 


Die Mittel des Gartens sind gegen- 
wärtig sehr beschränkt und an Ankauf, 
Erweiterungen und dergleichen ist au- 
genblicklich nicht zu denken. An der 
Spitze des Gartens steht der Professor 
der Botanik M. Rolli und zum Betrieb 
des Gartens ist ein Obergärtner mit vier 
Arbeitsleuten angestellt. 


Durch die gütige Begleitung des dor- 
tigen Obergärtners, dessen Namen wir uns 
leider nicht mehr erinnern, besuchten wir 
den angränzenden, schon beim Eingange 
besprochenen Klostergarten, indem Tasso 


361 


von Früh bis Abends sich aufhielt; wir 
finden hier sämmtliche Wände mit Ci- 
tronen bekleidet, die gegen Kälte unge- 
fähr eben so geschützt sind, wie wir 
nicht selten im nördlichen Deutschland 
die feineren Obstspaliere geschützt sehen, 
ferner ausgedehnte Artischoken- Pflan- 
zungen, Erbsen, Bohnen, welche letzten 
reichlich blühten (Mitte März) und 
schliesslich einen reichen, wahrlich 
seltenen Nelkenflor (Remontante-Nelken). 
Wir erinnern uns nicht schönere Nelken 
gesehen zu haben, als in diesem kleinen 
Klostergarten, womit sich einer der Her- 
ren patres leidenschaftlich befasst und 
sie mit einem unermüdlichen Fleisse 
pflegt. (Kolb.) 


4) Hagebutten für kalte Klimate, 


Die grossen Früchte mancher Ro- 
sen, Hagebutten genannt, geben be- 
kanntlich, von ihren Kernen gereinigt, 
eine vorzügliche Confiture. In Russ- 
land kennt man solche weniger, da die 
Rosa canina, die man in Deutschland 
zu diesem Zwecke gemeiniglich benutzt, 
im Winter bis zum Schnee abfriert und 
selten Früchte giebt. Im Garten der 
Madame Gling in Petersb urg sahen wir 
aber im vergangenen Sommer eine Form 
der Rosa tomentosa Smith, mit sehr 
grossen rothen, von Borsten rauhen 
Früchten, die für Russland die Hage- 
butte sehr wohl ersetzen kann, da R. 
tomentosa unsere Winter in geschützten 
Localitäten ungeschädigt aushält und 
wenn deren Triebe im Winter nieder- 


gelegt werden, auch in rauheren Lagen 
ohne Schaden die Winter überdauern 
wird. 

Madame Gling brachte diese gross- 
früchtige Form der R. tomentosa aus 
der Schweiz mit, wo gerade die Früchte 
dieser Form zum Einmachen und zum 
Trocknen benutzt werden. 

In Grösse und Güte steht diese 
grossfrüchtige Form der R. tomentosa 
keiner anderen Hagebutte nach. Beim 
Präpariren erfordert solche freilich et- 
was mehr Arbeit, indem die rauhen Bor- 
sten der Frucht vor’m Einkochen abge- 
kratzt werden müssen. Für kalte und 
rauhe Lagen ist solche aber allen an- 
deren Hagebutten vorzuziehen, 

(E. Regel.) 


362 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


5) Die internationale Gartenbau- Ausstellung in London vom. 
22. his 31. Mai 1866. 


(Fortsetzung u. Schluss.) 


Von Alpenpflanzen und bunt- 
blätterigen Stauden waren nur je 
eine Sammlung vorhanden, — diese be- 
scheidenen Kinder Flora’s fürchten sich 
vor ihren anspruchsvolleren Schwestern 
und wirklich präsentiren sie sich auch 
nicht vortheilhaft in Ausstellungsräu- 
men, — man muss sie an einem schö- 
nen Tage im Freien aufsuchen und be- 
wundern. Wenn auch so schwach ver- 
treten, 80 ist doch die Liebhaberei für 
diese, sowie für Stauden im Allgemei- 
nen in England sichtlich im Steigen, 
während manche Floristenblumen, wie 
englische Pelargonien, Verbenen, Fuch- 
sien etc, sich bald überlebt zu haben 
scheinen, natürlich um später einmal 
wieder recht in Aufnahme zu kommen, 
sobald sie eine längere Zeit ganz vom 
Schauplatze entfernt gewesen. — Auch 
das Schönste wird zuletzt ermüdend, 
man sehnt sich nach Abwechslung und 
greift oft zum minder Schönen, denn 
der Reiz des Neuen spielt hier eine 
grosse Rolle, eine grössere selbst als 
die Schönheit. — 

Was in England am längsten den 
Launen der wechselnden Mode zu wi- 
derstehen vermag, sind unstreitig die 
exotischen Orchideen, — seit min- 
destens 25 Jahren behaupten sie sieg- 
reich ihren Rang auf den englischen 
Ausstellungen, das besuchende Publikum 
wird nicht müde, ihre wunderbaren, oft 
barokken Formen, ihre zarten reinen 
Farben zu bewundern, Jedermann fühlt, 
dass er hier die Repräsentanten einer 
ganz besonders bevorzugten Pflanzenfa- 
milie vor sich habe, die er im gewöhn- 


lichen Leben und in der grossen Mehr- 
zahl der Gärten nicht sieht. — Wo 
das grösste Gedränge ist im Ausstel- 
lungsraum, da ist man sicher, die Or- 
chideen zu finden. Neuerdings hat die 
Orchideenliebhaberei noch einen bedeu- 
tenden Aufschwung genommen in Eng- 
land, seit man erkannt und praktisch 
erprobt hat, dass die meisten der ame- 
rikanischen und auch manche der asia- 
tischen Orchideen sich üppiger ent- 
wickeln und reicher blühen bei weit niedri- 
geren Temperaturen, als man bisher an- 
nahm, dass demnach die hohen Wärme- 
grade, die feuchtheisse gespannte Luft, 
die das Verweilen in Orchideenhäusern so 
lästig machte, keineswegs unbedingt noth- 
wendig sind für die grosse Mehrzahl der 
Orchideen, Die Wärmegrade eines tempe- 
rirten Hauses, (8—14°R. im Winter, 14 
— 180 R,.im Sommer) in welchem man stets 
ohne Beschwerde verweilen kann, genü- 
gen für eine grosse Zahl der schönsten 
Orchideen, besonders aus den Gattun- 
gen: Anguloa, Barkeria, Catt- 
leya, Epidendron, Laelia, Ly- 
caste, Odontoglossum, Oncidium, 
Sobralia, Stanhopea, Trichopi- 
lia und Zygopetalum. — Man cul- 
tivirt jetzt in England mit grösstem Er- 
folg Orchideen selbst in Weinhäusern, 
und da Weintreibereien dort, wo die 
Trauben nicht mehr im Freien reifen, 
fast in jedem herrschaftlichen Garten 
sind, so begreift man, wie sehr dies 
neue Culturverfahren, das das Schöne 
mit dem Nützlichen verbindet, dazu bei- 
getragen hat, die Orchideen populärer 
zu machen. Die nächste Folge dieses 


I. Originalabhandlungen. 


„eool Orehidgrowing‘ wieder Eng- 
länder bündig sagt, war eine bedeutend 
stärkere Nachfrage und damit verbunden 
. eine bedeutende Steigerung der Preise, 
besonders der amerikanischen Orchideen, 
die früher wenig geachtet und daher 
niedrig im Preise, jetzt fast den ostin- 
dischen den Rang abzulaufen drohen, — 
aber auch die guten indischen Orchideen 
sind meistens jetzt theurer als vor 10 
und 15 Jahren. Obgleich dieser 
neue Impuls sofort die grossen Häuser 
ermuthigte, Reisende auszusenden, um 
sammeln zu lassen und Low, Veitch, 
Linden u. s. w. in den letzten Jahren 
sehr bedeutende Quantitäten importirten, 
so halten sich die Preise durchgehends 
dennoch höher als je zuvor, Beweis wie 
sehr Liebhaberei und Nachfrage sich ge- 
steigert haben. 

Die Orchideen waren auf der Aus- 
stellung sehr zahlreich vertreten, obgleich 
mehrere der bedeutendsten Privatsamm- 
lungen keine Einsendungen gemacht 
hatten: 1 Collection von 50 Arten, 5 
von je 20 Arten, 3 von je 12 Arten, 
4 von je 10 Arten, 8 von je 6 Arten 
und 17 Einzelnexemplare von neuen 
oder besonders grossen Orchideen bilde- 
ten ein Ensemble, wie es nur auf einer 
Londoner Ausstellung erreicht werden 
kann. Als besonderer Beachtung werth 
führen wir nur eine kleine Zahl neuer 
und wenig gekannter, aber wirklich 
schöner Arten auf, da eine irgend ein- 
lässlichere Besprechung zu weit führen 
würde. 

Phalaenopsis Schilleriana 
wollen wir nur nennen; jeder Orchideen- 
freund kennt sie wenigstens par renom- 
me als Perle ersten Ranges, ihr nahezu 
ebenbürtig und ungleich seltener ist 
Ph. intermedia var. Portei, wäh- 
rend Ph. Lüddemanniana nur als 
Rarität den eigentlichen Kenner fesseln 


363 


kann. Von neueren Dendrobium 
Arten können wir D. eburneum, ma- 
eranthum giganteum, taurinum, 
tortille roseum und Wardianum 
als ganz vorzüglich empfehlen, besonders 
gefiel uns D. tortile roseum, im Ha- 
bitus dem D. nobile ähnlich, die Blü- 
then an Trichopilia erinnernd. Sac- 
colabium "curvifolium war mehr- 
fach ausgestellt, es ist ein reizendes Ge- 
genstück zum S. ampullaceum, beide 
niedrig bleibend, mit schmalen Blättern 
und kurzen Blüthentrauben, aber dank- 
bar blühend und’ ausgezeichnet durch 
reine, intensive Färbung, die erste hell- 
scharlach, die andere dunkelpurpur-vio- 
lett.. Die Gattung Cypripedium ist 
im letzten Jahrzehnt sehr an Arten be- 
reichert worden und bietet jetzt ein 
stattliches Contingent, — welche der neue- 
ren Arten verdient den Vorzug? — die 
Wahl wird sehr schwer, denn sie sind 
alle schön und da sie wenig Raum be- 
anspruchen und durch ihre leichte Ver- 
mehrung nicht lange sehr hohe Preise 
behaupten können, wird jeder Liebhaber 
kaum sich mit einer oder 2 Arten be- 
gnügen wollen. Vanda suavis ist 
nicht mehr neu, aber sie ist doch wun- 
derschön und man sieht und nennt sie 
gerne wieder. — Aerides japoni- 
eum Rchb. f., vonHerrn Linden aus- 
gestellt, erhielt den 1. Preis als die 
schönste, ganz neuerdings eingeführte 
Orchidee, — wir hätten eherdem Den- 
drobium Wardianum diesen Preis 
zuerkannt, uns entzückte sie nicht, aber 
eben weil sie uns auf den ersten Blick 
völlig kalt liess, betrachteten wir sie 
nicht genauer und vielleicht thun wir 
ihr Unrecht; auch die anderen als ganz 
neu ausgestellten Orchideen boten nichts 
Ausgezeichnetes, obiges Dendrobium 
und die fast rein weisse Cattleya 
Mossiae var, Marianae ausgenom- 


364 


men. Cattleya waren sehr zahlreich 
und theilweise in sehr starken prächtigen 
Exemplaren, dagegen hätten wir alsRe- 
sultate der neuen kälteren Culturmetho- 
den mehr, weit mehr „cool Orchids“ 
oder richtiger gesagt Orchideen küh- 
ler Regionen erwartet. Als würdige 
Repräsentanten dieser Classe notirten 
wir nur Epidendron vitellinum 
majus, Trichopilia erispa, Lae- 
lia einnabarina, Odontoglossum 
eitrosmum, Od. naevium und vor 
Allen das mit Recht so hochgeschätzte 
Odont. Pescatorei mit 21 Blüthen 
und Knospen! — Wir hätten gerne 
Bekanntschaft gemacht mit manchen 
neuen Odontoglossum Arten, die 
Jetzt mit Gold aufgewogen werden, hät- 
ten gerne ältere Bekannte, wie Bar- 
keria specetabilis und Skinneri, 
Odontoglossum Ehrenbergii und 
Rossii etc. wieder gegrüsst und die 
Erfolge der jetzigen rationelleren Be- 
handlung an ihnen constatirt, die wir 
früher nur als schwindsüchtig kannten, 
aber hierin hatten wir unsere Er- 
wartungen wohl zu hoch gespannt, selbst 
die Perle aller kalten Orchideen, die 
Disa grandiflora, glänzte nur durch 
ihre Abwesenheit und vermissten wir 
sie auch bei unserer Rundschau in den 
dortigen Sammlungen. Bei Consul Schil- 
ler in Hamburg sahen wir sie dutzend- 
weise in prächtig blühenden Exempla- 
ren im Sommer 1864, auch in dem in 
Deutschland noch immer zu wenig ge- 
kannten grossherzogl. botanischen Garten 
in Carlsruhe wird Disa grandiflora 
ganz vorzüglich eultivirt, überhaupt con- 
statiren wir mit Befriedigung, dass in 
Orchideencultur Deutschland durchaus 
England nicht nachsteht, nur ist die 
Zahl der Liebhaber noch eine weit ge- 
ringere als in dem reichen Albion. 

In Palmen, Cyceadeen und 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Pandaneen sind. die Engländer noch 
Neulinge, sie erschienen wohl zum er- 
sten Male auf dieser Ausstellung, aber 
jedenfalls machten sie ein glänzendes 
Debüt. Die Palmen, meistens noch jün- 
gere Exemplare, standen ungemein kräf- 
tig und üppig; von Cycadeen verdient 
Cycas plumosa als sehr distinete und 
seltene Art genannt zu werden; grosses 
Interesse erregten ein blühendes männ- 
liches Exemplar von Cycas revoluta 
und ein weibliches von C, eireinalis 
mit zahlreichen Fruchtständen, beide aus 
der berühmten Cycadeensammlung des 
Herrn James Yates in Hichgate bei 
London. Möglicherweise werden aus 
diesem Garten bald Cycas-Bastarde her- 
vorgehen. — 

Freunde von Farnkräutern hat- 
ten reiche Augenweide auf dieser Aus- 
stellung, die Farne sind in England 
schon seit geraumer Zeit sehr beliebt 
und eine grosse Zahl von Privaten hat- 
ten Sammlungen von je 6 oder 12 Ar- 
ten eingesandt, meistens in sehr gros- 
sen Exemplaren von ganz vorzüglicher 
Cultur. Uns frappirten besonders die 
mächtigen Exemplare von Gleichenia, 
die bekanntlich sehr diffieil sind. Als 
ausgezeichnet schön empfehlen wir: 
Lomaria gibba, Todea africana 
und pellucida und vor Allem Lep- 
topteris superba, unstreitig das 
schönste aller Wasserfarne. — Baum- 
farne waren nicht sehr zahlreich und 
boten keine grosse Abwechslung, da die 
Artenzahl nur gering war, aus dem Cry- 
stallpalast waren jedoch einige riesige 
Exemplare geliefert worden, die maje- 
stätisch dominirend alle Blicke auf sich 
zogen, es waren Cyathea medulla- 
ris, C. dealbata und Dicksonia 
antarctica, drei herrliche Arten, de- 
ren Stämme neuerdings massenhaft durch 
Low und Linden importirt wurden, 


I. Originalabhandlungen. 


Von Freiland-Farnen waren 12 
sehr interessante Sammlungen vorhan- 
den — bekanntlich hat man von diesen 
in England zahlreiche monströse Formen 
gezüchtet, besonders von Althyrium 
(Asplenium) Filix foemina, Poly- 
stichum angulare und Scolopen- 
drium offiecinarum. Manche dersel- 
ben sind wirklich ausgezeichnet schön 
und sehr abweichend, so die älteren 
Lastrea (Aspidium) Filix mas cri- 
stata, Asplenium Filix foem. 
erispum und Frizelliae, Scolo- 
pendrium offieinarum margina- 
tum und undulatum, die in keiner 
Sammlung fehlen sollten, — von neuen 
notirten wir als die auffallendsten: As- 
pidiumFilixmas Ingrami, Asple- 
nium Filix foem. Fieldiae, multi- 
formis und plumosum, und Poly- 
stichum angulare parvissimum 
und Youngii. — 

Von Selaginella waren sehr 
grosse Exemplare in flachen Schüsseln 
von 3—4 Fuss Durchmesser ausgestellt, 
sie waren vortrefllich gezogen, wir fan- 
den jedoch nur die bekannten Arten. — 

Von Aroideen sind neuerdings 
wunderschöne Arten eingeführt worden: 
wir erinnern nur an das reizende An- 
thurium Scherzerianum, von dem 
ein Exemplar, mit 5 seiner corallrothen 
Blüthenscheiden prangend, von Veitch 
ausgestellt war, die Scheiden sind wie 
von Wachs und dauern 4—6 Wochen 
lang, — dann an das wirklich impo- 
sante Anthurium magnificum, das 
gleichzeitig auch als A. grande und 
eordifolium in den Handel kam, — 
ferner an die prächtigen Alocasia ceu- 
prea (metallica), Lowii und Veit- 
chii, an Alocasia zebrina undgi- 
gantea, an Dieffenbachia Bara- 
quiniana und grandis, sämmtlich 
Blattpflanzen ersten Ranges, von den 


365 


schönen, jetzt schon wieder mehr aus- 
ser Mode kommenden Caladien gar 
nicht zu reden. Diese letzteren verdie- 
nen aber doch noch besondere Erwäh- 
nung, weil mancher Liebhaber ihnen si- 
cher noch gewogen ist und gerne seine 
Sammlung noch vervollständigen wird 
mit wirklich distineten und schönen Sor- 
ten; als solche empfehlen wir C. albo- 
conspersum, Cannaertii, Duc de 
Nassau, Lemoinieri und mirabile 
aus der Sammlung von Ambr. Ver- 
schaffelt in Gent, und die sehr schö- 
nen Sämlinge, welche ein Pariser Ama- 
teur, Alfred Bleu, durch Kreuzbe- 
fruchtung erzielte, namentlich die Sor- 
ten ImpE&ratrice Eug£nie, Isi- 
dore Leroy, Napoleon Ill. und 
Reine Victoria, die unswirklich vor- 
züglich erschienen. Uns ist es geradezu 
unbegreiflich, wie die betreffende Sec- 
tion des Preisgerichtes so gleichgültig 
an dieser Leistung vorbeigehen und ihr 
ein gewiss wohlverdientes Certificat ver- 
sagen konnte; — wer hat schon vor 
dem Herrn Bleu Caladienbastarde 
erzogen? — wem ist es überhaupt nur 
gelungen, Caladien zum Samentragen 
zu bringen? — Man prämirt Sämlinge 
von Pelargonien, Fuchsien, Verbenen 
etc,, die Jeder ziehen kann, der sich 
damit befassen will, — aber eine wirk- 
lich überraschende, auch wissenschaft- 
lich wichtige Leistung wird ignorirt! — 
Man hat ja schon so viele und schöne Ca- 
ladien, — aber fehlt es etwa an Pe- 
largonien, Fuchsien, Verbenen etc. ?! 

Araliaceen waren nur in 2 
Sammlungen vertreten, das noch seltene 
Oreopanax dactylifolium verdient 
wegen interessanter und schöner Blatt- 
form besondere Erwähnung, 

Auch Cacteen durften sich wieder 
blicken lassen, nachdem sie lange Jahre 
wohl von den meisten Ausstellungen 


366 


ausgeschlossen waren, und gewiss mit 
Unrecht, denn es schien uns, als ob 
diese kleinen, aber gewählten Samm- 
lungen mit ganz besonderem Interesse 
inspieirt wurden und der Contrast dieser 
hungrigen Gnome und Kobolde der 
Pflanzenwelt in naher Zusammenstellung 
mit üppigen Laub- und Blüthenmassen 
wird immer seine Wirkung nicht ver- 
fehlen, auch wenn sie drastischer 
Art ist. 

Von Taxineen waren 6 Samm- 
lungen von je 12 Arten ausgestellt, wo- 
rin besonders die Formen von Taxus 
baccata zahlreich vertreten waren; Ce- 
phalotaxus Fortunei und pedun- 
culata halten hier in Zürich ohne jede 
Bedeckung aus, eben so Torreya 
grandis und Myristica, sie sind da- 
her besonderer Beachtung werth. 

Harte Coniferen, diese Lieb- 
linge der Engländer, deren Klima den 
meisten Nadelhölzern so besonders zu- 
sagt, waren zahlreich vorhanden. Von 
Cupressus Lawsoniae, bekanntlich 
eine gegen Frost sehr unempfindliche, 
raschwüchsige Art, von sehr eleganter 
Tracht, daher der allgemeinsten Ver- 
breitung werth, waren zwei sehr distincte 
und ausgezeichnete Varietäten ausge- 
stellt, die eine von prächtig blaugrüner 
Färbung, C. Lawsoniae argentea; 
die andere von dicht geschlossenem, 
schlank pyramidalen Wuchse, C. L. 
eompacta genannt. Zu der so sehr 
beliebten Biota orientalis aurea 
(Thuja aurea der meisten Gärten) ist 
die neue B. orient. elegantissima 
von Rollisson ein prächtiges Gegen- 
stück, die Färbung der Triebspitzen 
noch brillanter goldgelb, der Wuchs 
aber nicht kugelig, sondern schlank py- 
ramidal. Retinispora squarrosa, 
lycopodioides und plumosa aurea 


(pisifera-aurea) sind vorzügliche Neu- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


heiten, die Jedem gefallen werden, 
ebenso Thuiopsis dolabrata und 
laetevirens, die selbst für Topfcultur 
sich empfehlen. Von Thuiopsis bo- 
realis (Chamaecyparis nutkaen- 
sis) und Retinispora obtusa und 
pisifera waren sehr schöne Exemplare 
ausgestellt, diese nicht mehr ganz neuen 
Arten verdienen dennoch besondere Er- 
wähnung und Empfehlung, weil sie, sehr 
schön und raschwüchsig, sich hier in 
Zürich auch als vollständig ausdauernd 
bewährt haben. 

Eine Wellingtonia gigantea 
variegata mit gelbpanachirten Spitzen 
konnte uns durchaus nicht gefallen, es 
war jene krankhaft aussehende Art von 
Panarchirung, die sich auch meistens sehr 
bald wieder verliert. Von Juniperus 
nennen wir als sehr schön die breitna- 
delige J. (Arceuthos) drupacea und 
J. excelsa strieta, sehr dicht und 
schlank pyramidal, für Gräber gewiss 
vorzüglich geeignet. Pseudolarix 
Kaempferi ist einjwundervolles Nadel- 
holz, bleibt aber leider noch immer sehr 
selten, weil es bisher nicht gelingen 
wollte, sie durch Stecklinge oder Vered- 
lung zu vermehren. Abies amabilis, 
cephalonica, Douglasii, grandis, 
lasiocarpa, nobilis, Nordmannia- 
na; Pinsapo ete. noch besonders em- 
pfehlen zu wollen, wäre überflüssig, man 
kennt sie bereits als die Elite der Tan- 
nenarten. — Pinus Strobus tabu- 
laeformis, diese interessante, unge- 
mein langsam wachsende Zwergform, 
die Van Houtte vor etwa 15 Jahren 
in den Handel gegeben, tauchte hier 
unter den neuesten Neuheiten wieder 
auf, vielleicht hat der betreffende Aus- 
steller selber nicht gewusst, wie alt sie 
ist, oder er hat Seltenheit mit Neuheit 
verwechselt, denn selten ist sie aller- 
dings noch. — 


I. Originalabhandlungen. 


Die Sammlungen von Nepenthes, 
Sarracenia, Begonia und manches 
Andere, sämmtlich schön, müssen wir 
hier übergehen, um endlich dem Schlusse 
näher zu kommen; wenn wir auch gerne 
gemüthlich weiter plaudern möchten, 
nun wir einmal im Zuge sind und das 
passirt uns nicht eben oft, — dürfen 
wir doch die Geduld der Leser nicht 
auf eine gar zu harte Probe stellen; 
bleibt doch immer noch Manches übrig, 
das wir nicht so ohne irgend welche 
Bemerkung passiren lassen möchten. 

Ueber Eriken haben wir bereits 
erwähnt, dass die ausgestellten Samm- 
lungen kaum mehr die Vollkommenheit 
der Cultur und jedenfalls nicht mehr 
den Reichthum an Arten zeigten, wie 
vor Jahren, — neue Arten sahen wir 
nicht,, aber desto mehr alte, „die nicht 
da waren“ und die bald wieder neu wer- 
den dürften, Es ist ein Glück, dass 
man weiss, wo man eie zu holen hat, 
wenn die Liebhaberei für die so äusserst 
zierliche und artenreiche Gattung wieder 
neuen Aufschwung nimmt. Mögen sie 
bis dahin auf den Hochebenen des Cap 
der guten Hoffnung durch die vordrin- 
gende Cultur nur nicht mit Stumpf und 
Stiel ausgerottet werden, und in guter 
Hoffnung ausharren bis zur Stunde, die 
nicht ausbleiben kann, wo man sie neu- 
erdings zu Ehren ziehen wird, Man 
kann sie vernachlässigen und dann nur 
zu leicht ganz verlieren, — aber sie sind 
zu Schön, als dass man sie je ganz 
vergessen könnte! — 

Doch wenden wir uns zu den jetzi- 
gen Kindern der Mode, — ihr Reich 
wird wohl doch nicht von gar langer 
Dauer sein, — zu den amerikanischen 
Liliacen: Agave, Beaucarnea, 
Dasylirion und Yucca, nebst ihren, 
der alten Welt angehörigen Verwandten 
aus den Gattungen Dracaena und 


367 


Cordyline; sie brilliren nicht durch 
Blüthen-, sondern durch Blattschmuck, 
sie sind Blattpflanzen und zwar von den 
dauerhaftesten und wer liebte diese nicht 
heutzutage® — Belgische Handelsgär- 
ten und für Dracänen-Massencultur be- 
sonders die Berliner Gärten, haben für 
diese Mode den ersten Impuls gegeben. 
England war vorerst nur für Dracänen 
gewonnen, aber „l’appetit vient en man- 
geant‘‘ — auch die anderen haben ihren 
Weg über den Canal gefunden, diese 
Ausstellung lieferte den Beweis dafür, 
wenn auch vorläufig nur erst Handels- 
gärtner und noch fast keine Privaten als 
Aussteller figurirten, 

Die Handelsgärtner, wenigstens die 
klugen und energischen, folgen nicht 
nur der Mode, sondern sie beeinflussen 
und lenken sie, — die Privaten folgen 
dann nach, oft anfangs bedächtig und gar 
mit Widerstreben, aber der Zug der 
Zeitströmung treibt unwillkürlich in im- 
mer rascherem Tempo, bis der Höhe- 
punct erreicht ist. Die Mode ist eben 
doch nichts weiter als eine psychische 
Epidemie, die Ansteckung wirkt hier wie 
dort, Wenige können ihrem Einflusse 
ganz widerstehen. Von Agave wollen 
wir in den folgenden einige der schön- 
sten Arten nennen, ältere wie neuere, 
die recht verschieden von einan- 
der, in ihrer Zusammenstellung eine 
vorzügliche Gruppe bilden werden, es 
sind: Agave applanata, cocci- 
nea, dealbata, Ellemeetiana, fi- 
lifera, Ghiesbreghtii, hystrix, 
schidigera, univittata, Verschaf- 
feltii und xalapensie und um das 
Dutzend voll zu machen, fügen wir noch 
xylinacantha hinzu. 

Beaucarnea recurvata, die 
etymologisch räthselhafte Pincenec- 
titia der Gärten, ist jetzt so häufig 
und billig geworden durch die vielen 


368 


von Roezl aus Mexiko gesandten Sa- 
men, dass sie in jeder grösseren Samm- 
lung zu finden sein sollte, sie ist sehr 
decorativ und interessant. Von Yucca 
bleibt die buntblätterige quadricolor 
noch immer die schönste und gesuch- 
teste, für’s freie Land sind Y, recur- 
va und plicata wohl die werthvollsten. 

Dracänen sind in Deutschland 
mehr verbreitet und besser gekannt als 
in England, wir wollen nur die neueren 
Dr. Cooperi, latifolia pendula, 
robusta und terminalis stricta 
und die neueste Dr. nigricans als 
sehr schön und distinet erwähnen, die 
letztere ist eine Dr. ferrea mit eigen- 
thümlich blauschwarzer Färbung. 

Von Lilium auratum, dieser 
wirklich imposanten Lilie, waren zahl- 
reiche, prächtig blühende Exemplare 
ausgestellt, andere Arten fehlten dage- 
gen fast gänzlich, — fühlten sie, dass 
sie gegen solche Pracht nicht ankämpfen 
können, dass sie nur als demüthige Va- 
sallen einer stolzen Königin erscheinen 
würden ? 

Amaryllis waren schön, aber in 
Gent bei Van Houtte, der wie fast 
immer auch dies Mal Nichts ausgestellt 
hatte, obwohl er so viel Schönes aus- 
stellen könnte, — sahen wir noch schö- 
nere und zwar in grossen Massen. Seine 
Amarylliszucht ist in Qualität wahrhaft 
ausgezeichnet und in Quantität gradezu 
fabelhaft. 

Von Rhododendron vermissten 
wir besonders ungern die neueren Spe- 
cies vom Himalaya; die ausgestellten 
Sammlungen bestanden durchgehends 
aus Gartenvarietäten, darunter allerdings 
ausgezeichnet schöne, so z. B. Prince 
Teck, Mr. Barron und Mr. Mar- 
nock ganz vorzüglich, aber von einer 
Londoner Ausstellung hätten wir in die- 
ser Beziehung doch mehr erwartet. 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


Azaleen waren sehr zahlreich und 
sehr schön; die streng symmetrische 
Pyramidenform mag als ein Kunststück 
bewundert werden, und solche in ihrer 
Art wirklich vollkommene, riesige Exem- 
plare, von unten bis oben, hinten und 
vorne gleichmässig dicht mit Blüthen 
bedeckt, verdienen Bewunderung, er- 
scheinen aber doch unnatürlich steif, 
und wirklich werden diese Pyramiden 
in der mühsamsten Weise durch Auf- 
binden jeder Zweigspitze an Stahlreifen 
erkünstelt; in jedem Exemplar steckt 
eine vollständige Crinoline und ein 
Züchter versicherte uns, 3 seiner Leute 
hätten 2 Tage vollauf zu thun, um die 
Toilette eines einzigen solchen Exem- 
plares durch Anbinden zu vollenden ! 

Dass man Pflanzen, deren natür- 
licher Habitus unschön ist, durch Nie- 
derbinden, Einstutzen u. s. w. eine bes- 
sere Form zu geben trachtet, rechtfer- 
tigt sich vollkommen, aber, die flache 
Halbkugelform ist bei Azaleen nur durch 
den Schnitt leicht zu erzielen, daher je- 
denfalls natürlicher und weniger steif. — 
Wir erinnern uns noch immer mit Ver- 
gnügen aus unserer Lehrzeit der schö- 
nen, schlanken Hochstämme von Aza- 
leen, 6—8 Fuss Stammhöhe mit wohl 
proportionirter Krone, wie sie damals 
von Dresden aus in den Handel kamen 
und besonders nach Russland viel abge- 
setzt wurden; die Hochstammform ist 
für Azaleen sehr passend und sollte 
von Neuem in Aufnahme kommen. 

Die Rosen waren nach dem ein- 
stimmigen Urtheil die bewundernswür- 
digste Leistung, der Glanzpunkt der Aus- 
stellung. Man begreift kaunı, wie es 
möglich ist, Rosen bei Topfeultur zu 
einer Ueppigkeit und Vollkommenheit 
zu bringen, wie man sie nie im freien 
Lande sieht, — auch die zahlreich an- 
wesenden Franzosen konnten nicht ge- 


I. Originalabhandlungen. 


nug diese Rosen bewundern, die makel- 
los in Laub und Blume, in jungfräu- 
licher Zartheit und Frische, ja man darf 
sagen, in wahrhaft klassischer 
Schönheit prangten. Wer je daran 
zweifelte, dass die Rose die Königin 
aller Blumen sei und stets bleiben werde, 
hier hätte sicher jeder Zweifel schwin- 
den müssen. Immer und immer wieder 
Zz0g es uns zurück zu den Rosen, wir 
betrachteten sie mit dem gleichen Ent- 
zücken, wie schon vor Jahren, — wir 
wollten die schönsten notiren, aber fan- 
den alle schön, — wir wollten wenig- 
stens die schönsten der neueren auf- 
zeichnen, aber es passirte uns, dass wir 
alte Bekannte, wie la reine, Louise 
Ödier, General Jaequeminot für 
neu hielten, weil wir sie auf den ersten 
Blick in soleher Vollkommenheit nicht 
wieder erkannten. Die Wahl war schwer, 
endlich entschieden wir uns für die fol- 
genden, abgesehen natürlich von den 
älteren Matadoren: hybr. rem. Al- 
paide de Rotalier, Baron Adol- 
phe de Rothschild, Ch. Lawson, 
Comtesse de Chabrillant, Elisa- 
beth Vigneron, Kate Hausbers, 
John Hopper, Lord Clyde, Mdme. 
Vietor Verdier, Monsieur Bon- 
cenne, Pierre Notting, und Xa- 
vier Olibo. Von Theerosen notirten 
wir als vorzüglich schön alba rosea, 
President, Souvenir d’un ami, 
und Mare&chal Niel, letztere unstrei- 
tig die schönste der gelben Rosen. — 

Bei den Pelargonien, die wie 
immer ausgezeichnet schön waren, (wenn 
auch ein continentales Auge beleidigt 
wird durch die Unmasse- von Stäben, 
die bei solehen Schaupflanzen verwendet 
werden zum Anbinden der Blüthensten- 
gel), zeigte es sich deutlich, dass die 
früher so verachteten Scharlach- oder 
Zonal-Pelargonien jetzt ungemein 

ZU. 1866. 


369 


en vogue sind, während die grossblumi- 
gen, die fünffleckigen und Fantasie-Pe- 
largonien bedeutend verloren habenin der 
Tagesgunst. Die Nosegay- oder Bou- 
quet-Pelargonien, die sich von 
den Scharlach-Pelargonien durch schmä- 
lere Petalen, aber durch reichblumigere 
und gleichzeitiger blühende Dolden un- 
terscheiden, sind ganz besonders beliebt 
zu Gruppenpflanzungen, während die 
Scharlach-Pelargonien für Topfeultur mit 
Recht vorgezogen werden. Die für 
Gruppen jetzt in England beliebtesten 
Bougquet-Pelargonien sind: Amy Hogg 
rosapurpur. Beaton’s Pet karmoisin, 
Cybister scharlach karmoisin, Lady 
Cullum salmrosa, Indian Yellow 
orangescharlach, Lord Palmerston 
hellkarmoisin, wir nennen sie, weil sie 
durch niederen Wuchs, reine Farben und 
reiches Blühen ausgezeichnet, anerkannt 
die besten für Gruppen und auf dem 
Continent noch sehr wenig verbreitet 
sind. 


Die buntblätterigen Zonal- 
Pelargonien, besonders die aus der 
sogenannten „tricolor-leaved“ Section, 


wo zwischen der braunen Zone und der 
weissen oder gelben Blattrandung noch 
eine dritte Farbe in mehr oder minder 
lebhaft rothen Tönen auftritt, sind jetzt 
die wahren Löwen des Tages in Eng- 
land. Die Handelsgärtnerei von E. G. 
Henderson und Sohn hat sich ganz 
speciell auf diese geworfen und macht 
brillante Geschäfte damit. Es ist wahr- 
haft lächerlich, welche Preise für diese 
in ihrer Art allerdings sehr schönen 
Pelargonien gefordert und willig gezahlt 
werden; 3 Guineen (21 Thaler) für 
kleine, eben bewurzelte Stecklingspilan- 
zen von der neuesten Lucy Grieve, 
2 Guineen für Edwinia Fitzpatrick, 
Sophia Dumaresque, Countess 
of Tyreonnel u.s.w.! — Wir liessen 


24 


370 


uns diese Preise noch gerne gefallen, 
wenn die genannten und die vielen übri- 
gen neuen Sorten wirklich sehr verschie- 
den nnd weit schöner als die schon 
vorhandenen wären, aber hier liegt eben 
der Fehler: wir fanden wohl eine Masse 
Sorten, die sämmtlich neu und distinet 
sein sollten, aber abgesehen von, den 
Namen fanden wir unter den weissran- 
digen immer nur die bekannte Italia 
unita, unter den gelbrandigen die noch 
bekanntere Mrs. Pollock wieder, — 
Unterschiede mögen da sein, aber sie 
sind so unbedeutend, dass es uns we- 
nigstens nicht der Mühe lohnte, sie auf- 
suchen zu wollen. Der diesjährige Ca- 
talog der genannten Handelsgärtnerei 
führt 131 Sorten buntblätteriger Pelar- 
gonien, darunter nicht weniger als 30 
Sorten in der Art der Italia unita 
und 28 Sorten in der Art der Mrs, 
Pollock, dabei sind wohlverstanden 
noch nicht inbegriffen die zahlreichen 
ausgestellten allerneuesten Sorten, die 
erst im nächsten oder in 2 Jahren in 
den Handel kommen werden! — heisst 
das nicht des Guten zu viel thun?! — 
Man könnte es auch noch ganz anders 
qualificiren. — 


Die krautartigen Calceola- 
rien, wie sie in England gezogen wer- 
den, sind weniger mannigfaltig in Farbe 
und Zeichnung, aber weit regelmässiger, 
weit correcter in Form und Haltung, — 
dasselbe lässt sich auch von den Pen- 
sees und Tulpen sagen. Der Eng- 
länder verlangt vor allen Dingen eine 
durchaus correcte, tadellose Form und 
Haltung der Blumen, die Farbe steht 
erst in zweiter Linie, — wir Continen- 
talen verlangen vor allen Dingen mög- 
lichst grosse Mannigfaltigkeit in Farbe 
und Zeichnung, — wer hat nun Recht? 
— Darüber liesse sich lange, aber je- 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


denfalls erfolglos streiten, denn „chacun 
a son gout“*. — 

Ehe wir die Pflanzen verlassen, — 
der Abschied fiel uns damals wirklich 
schwer, — um noch einen kurzen Blick 
auf das ausgestellte Obst, Gemüse ete. 
zu werfen, müssen wir noch drei Schau- 
pflanzen von Eucharis grandiflora 
erwähnen, die wahrhaft Sensation mach- 
ten durch ihre Grösse und Culturvoll- 
kommenbeit. Man denke sich Büsche 
von 4—5 Fuss Durchmesser, die schwarz- 
grüne Laubmasse überragt von zahlrei- 
chen kräftigen Blüthenschäften, jeder mit 
3—5 der grossen, reinweissen, edelge- 
formten Blumen geschmückt! Eine bei- 
liegende Culturnotiz betonte das öftere 
Verpflanzen, das Beständige im Wachs- 
thum erhalten und gelinde Bodenwärme 
im temperirten Hause als Hauptbedin- 
gungen der Cultur, diese Exemplare 
hätten schon seit Ende December unun- 
terbrochen geblüht, und doch waren sie 
noch Ende Mai in voller Pracht! Die 
Eucharis, vor nicht gar langer Zeit 
von Linden eingeführt, waren wohl 
allgemein als undankbar blühend bald 
in Vergessenheit gerathen, jetzt wird 
wohl Mancher machen, was auch wir 
gethan haben, die etwa noch existiren- 
den Exemplare wieder hervorsuchen und 
unter Befolgung obiger Culturwinke 
nochmals sein Heil damit versuchen. 

Eine andere Pflanze, die uns lebhaft 
interessirte, war Bougainvillea spec- 
tabilis in mehreren Formen, ausge- 
stellt in verhältnissmässig kleinen Topf- 
exemplaren, die reich mit den brillant 
rosenrothen Bracteen bedeckt waren, 
Bekanntlich blüht dieser schöne Schling- 
strauch gewöhnlich nur an sehr alten, 
im freien Grunde des Warmhauses 
stehenden Exemplaren, und man sieht 
ihn daher selten. Ueber die hier ange- 
wendete Culturmethode können wir lei- 


I. Originalabhandlungen. 


der keinen Aufschluss geben; wahr- 
scheinlich werden junge Exemplare durch 
öfteres Verpflanzen und Bodenwärme 
rasch bis zur erforderlichen Grösse he- 
rangezogen ; dann luftig und sonnig ge- 
stellt und längere Zeit trocken gehalten, 
um das Holz stark auszureifen und zur 
Blüthenbildung zu zwingen, und wenn 
das erreicht ist, nochmals verpflanzt 
und bei Bodenwärme rasch angetrieben, — 

Von Früchten waren besonders 
Ananas und Weintrauben stark vertreten 
und ausgezeichnet; Trauben, wie sie 
hier Ende Mai von zahlreichen Aus- 
stellern gezeigt wurden, kann man nickt 
grösser und vollkommener Ende Sep- 
tember im Freien in der besten Wein- 
gegend pflücken! Auch reife Pfirsiche, 
Nectarinen, Kirschen, Feigen, Himbee- 
ren, Erdbeeren und Melonen“ waren 
reichlich vorhanden und bewiesen die 
Vorzüglichkeit der englischen Treibgärt- 
nerei. 

Von Gemüsen wissen wir wenig 
zu berichten, uns blieb keine Zeit, sie 
einlässlicher zu durchmustern, und bei 
einem flüchtigen Ueberschauen fanden 
wir nichts Aussergewöhnliches zu no- 
tiren. Als neu eingeführte Gemüse 
wurden noch Dioscorea Batatas, 
die bei uns schon längst die Runde und 
zugleich auch Fiasco gemacht hat, (we- 
gen der polizeiwidrig langen Wurzel- 
hälse), und ein Rettig, Raphanus 
ceaudatus von Java ausgestellt. Die- 
ser letztere liefert keine fleischige, ge- 
niessbare Wurzel, sundern verwendet 
seine ganze Energie und mit bestem 
Erfolg auf die Bildung fabelhaft langer 
Samenschoten, die unreif, roh oder in 
Essig eingemacht „sehr wohlschmeckend 
sein sollen“. Der Aussteller, Handels- 
gärtner W. Bull in Chelsea verkauft 
diesen neuen Rettig vorläufig zu dem 
sehr bescheidenen Preise von einer Gui- 


371 


nee für 7 Korn, also zu 1 Thaler pro 
Korn! Was diese monströs langen 
Schoten kosten, wissen wir also, — 
wie sie kosten, darüber können wir 
vorläufig noch nichts melden, 

Die Bouquets wollten uns durch- 
aus nicht gefallen, sie waren unserem 
Geschmack nach durchweg geradezu ge- 
schmacklos und überladen, Blume an 
Blume dicht gedrängt, ohne Grün, ja 
meist auch ohne harmonische Zusam- 
menstellung der Farben, — das Bouguet- 
machen verstehen wir Continentalen ent- 
schieden besser, und es war nur zube- 
dauern, dass vom Continent aus Nie- 
mand daran gedacht hatte, Bouquets 
einzusenden. Die Tafelaufsätze wa- 
ren an sich, einige wenigstens, recht ge- 
schmackvoll, hätten aber ebenso ge- 
schmackvoll garnirt sein sollen. Sehr 
hübsch und in grosser Auswahl vertre- 
ten, waren dagegen die in England jetzt 
sehr beliebten Glaskästen für Zim- 
mercultur, meist mit Farnen, Selagi- 
nellen, buntblätterigen Pflanzen, Dracä- 
nen etc. bepflanzt; einige der grösseren 
waren allerliebste Miniaturgewächshäuser 
und würden auch dem elegantesten Sa- 
lon zur dauernden Zier gereichen, 
während Blumentische, wenn die Pflan- 
zen nicht sehr häufig gewechselt wer- 
den können, nur oft bald recht 
trostlos aussehen, 

Alle die ausgestellten Gartengeräthe, 
Maschinen, Modelle von Gewächshäusern,, 
von Heizungen, von Lüftungs- und Be- 
schattungseinrichtungen, Gartenmöbeln, 


zu 


Spritzen, Pumpen, Fontainen, Vasen 
u. s. w. noch eingehend erwähnen zu 
wollen, würden wir unseren Lesern 


nicht zumuthen dürfen, aber wir könn- 

ten auch wenig davon erzählen, denn 

wir gestehen offen, dass wir weder Zeit 

noch Muth fanden, uns an diese Masse 

von Gegenständen zu wagen, die allein 
24 * 


372 


für sich schon eine grosse und gewiss 
sehr interessante Ausstellung bildeten. 

Wir haben in unserem Berichte 
bisher fast gar keiner Aussteller erwähnt 
und wollen daher schliesslich noch ei- 
nige der Hauptaussteller nennen, mit 
gleichzeitiger Angabe der Pflanzen, die 
sie vorzugsweise ausstellten, resp. ceul- 
tiviren. Von Privaten können wir 
nur wenige nennen, die Liste würde 
sonst zu lang werden, wir geben dage- 
gen die genaue Adresse, weil die fol- 
genden Gärten jedenfalls eines Besuches 
werth sind und der Neuling in England 
froh ist, wenn er schon von Hause eine 
Anzahl Adressen mitbrachte, um seine 
Schritte zu leiten. 

R. Barelay Esq. West Hill 
House, Highgate, London. Gärt- 
ner W. Young; grosse Schaupflanzen 
des Kalt- und Warmhauses, Blattpflan- 
zen etc. 

John J. Blandy Esp. Highgro- 
ve, Reading, Berks; Gärtner A. In- 
gram; Schaupflanzen, Orchideen, Farne, 


vorzügliche Eriken (1. Preis), Aza- 
leen etc. 
H. Micholls Esq., Summer- 


field. Bowdon, Cheshire; Gärtner 
T. Baines; Baines istunstreitig einer 
der geschicktesten Pflanzencultivateure 
Englands, mit seinen vorzüglichen Schau- 
pflanzen des Warm- und Kalthauses 
gewann er in den Hauptconeursen die 
ersten Preise, ebenso mit Blattpflanzen, 
Farnen und Sarracenien. Es muss ein 
grosser Genuss sein, die Gewächshäuser 
dieses Gartens zu durchmustern. 
Herzog von Northumberland, 
Sion House, Islewortb bei Lon- 
don, Gärtner G. Fairbairn; der Be- 
such dieses alten berühmten Gartens 
in der Nähe vom botanischen Garten in 
Kew ist Jedem dringend anzurathen. 
Der Park enthält eine grosse Anzahl 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


seltener Gehölze in alten, mächtigen 
Exemplaren , wie man sie selten findet; 
die zahlreichen Gewächshäuser enthalten 
neben schönen Palmen (1. Preis), 
Warmhauspflanzen, Orchideen etc. eine 
in ihrer Art einzige Sammlung tropischer 
Fruchtbäume in mächtigen Exemplaren. 
Referent sah dort schon vor 18 Jahren 
eine Vanilla, die eine hohe Giebelwand 
des Warmhauses dicht bedeckte und mit 
hunderten von Früchten beladen, die 
dort jährlich in grosser Menge gezogen 
wurden; auch der Mangostan und die 
Cocosnuss wurden in diesem Garten zu- 
erst und wohl allein in Europa zum 
Fruchttragen gebracht. 

Robert Warner Esq., Broom- 
field, Ohelmsford hat jetzt wohl 
die grösste Orchideensammlung in Eng- 
land. Sie ist sehr reich an Arten von 
Aerides, Vanda, Phalaenopsis, Saceola- 
bium ete. und ebenso an Cattleya, Lae- 


lia, Odontoglossum ste. — Hier sahen 
wir mit bestem Erfolge Orchideen in 
Weinhäusern gezogen. 

S. Yates Esq., Lauderdale 
House, Highgate, London N, 


Gärtner W. Taylor; dieser Garten ist 
besonders berühmt wegen seiner Cyca- 
deen, die Sammlung sei die schönste 
und vollständigste, die existirt. 

Von Handelsgärten nennen wir: 

J. Veitch and Sons, Royal 
Exotie Nursery, Chelsea, Lon- 
don, S. W., grossartiges Geschäft, das 
seit Jahren in allen Welttheilen Rei- 
sende gehabt und noch hat, bekannt 
durch zahlreiche Einführungen neuer 
Pflanzen. Grosse Orchideensammlung, 
prächtige Coniferen, Gewächshauspflan- 
zen aller Art, reiche Sammlung von 
Nepenthes, Baumschulen etc. 

B. S. Williams, Vietoria Nur- 
sery, Holloway, London N.; neue 
sehr schön eingerichtete Handelsgärt- 


I. Originalabhandlungen. 


nerei, in allen Branchen wohl versehen, 
besonders in Orchideen, neuen Warm- 
hauspflanzen, jungen Culturpflanzen von 
Eriken und Neuholländern. 

Ch. Turner, Royal Nursery, 
Slough bei Windsor; einer der tüch- 
tigsten englischen Pflanzenzüchter; er 
hatte in 45 Classen ausgestellt und er- 
hielt zahlreiche eıste Preise; hat vor- 
zugsweise Schaupflanzen, Floristenblu- 
men, wie Rosen, Pelargonien, Fuchsien, 
Verbenen etc. 

W, Bull, King’s Road, Chel- 
sea, London S. W.; noch ein junges, 
aber rasch aufblühendes Geschäft, be- 
sonders neue Gewächshaus- und Deco- 
rationspflanzen, 

E.G. Henderson and Son, Wel- 
lington Nursery, St. John’s Wood, 
London N. W.; grosse Handelsgärtne- 
rei, die vielfach auch mit dem Continent 
verkehrt, hält fast alle couranten Artikel 
für Gewächshaus wie für’s Freie, be- 
sonders massenhaft buntblätterige Pelar- 
gonien, Gruppenpflanzen, Eriken, Epa- 
eris etc. 

Henderson etCo.; Pine App- 
le Nursery, Edgware Road, Lon- 
don; altes renommirtes Geschäft, be- 
sonders Eriken und Neuholländer. 

S. and C. Lee, Royal Vine- 
yard Nursery, Hammersmith bei 
London; schöne Warmhauspflanzen, 
Azaleen, Coniferen, Baumschulen. 

H. Lane and Son, Great Berk- 
hamstead, Herts; grosse Baumschu- 
len, Rhododendron, Azaleen, Rosen. 

Paul ard Son, Old Cheshunt 
Nursery, Cheshunt bei London; 
grosse Baumschulen, besonders Rosen, 
Coniferen etc. 

W. Paul, Paul’s Nursery, 
Waltham Cross bei Londen, vor- 
zügliche Rosenzucht, Baumschulen, Co- 
niferen etc. 


|hill Nursery, Woking; 


373 


J. Standish, Royal Nursery, 
Ascot; Rhododendron, Coniferen, Ro- 
sen, Baumschulen. 

Waterer and Godfrey, Knap- 
vorzügliche 
Rhododendron und Land-Azaleen, Coni- 


feren und immergrüne Gehölze, sehr 
sehenswerth. 
S, Backhouse and Son, York; 


grosse und altrenommirte Handelsgärt- 
nerei in allen Branchen; hat wohl die 
grösste Sammlung von Alpenpflanzen 
und seltenen Stauden; ebenso die grösste 
Sammlung von seltenen Farnen, Tricho- 
manes, Hymenophyllum, Gleichenia, To- 
dea ete,, die dort ganz vorzüglich ceul- 
tivirt werden. 

Um diese Liste, soweit sie die be- 
deutendsten Handelsgärtner London’s 
betrifft, zu vervollständigen, wollen wir 
noch die folgenden nennen, die nicht 
ausgestellt hatten: 

Hugh Low and Comp., Upper 
Clapton, LondonN. E,; altes, sehr 
bedeutendes Geschäft, das von jeher 
viel mit dem Continent verkehrte; hat 
in den letzten Jahren sich mit grosser 
Energie auf Orchideenimportation gewor- 
fen, und besitzt jetzt unglaubliche Men- 
gen neu importirter Orchideen von ÖOst- 
indien sowohl, als von Mexico, Guate- 
mala, Neu-Granada und Brasilien, aus- 
serdem grosse Quantitäten von neusee- 
ländischen Baumfarner, und natürlich 
auch die courranten Marktpflanzen aller 
Art. 

W.Rollishon and Sons, Upper 
Tooting bei London; alte renommirte 
Handelsgärtnerei, grosse Orchideensamm- 
lung, schöne Warmhauspflanzen, beson- 
ders auch noch die selten gewordenen 
schönen Neuholländer und Eriken, Co- 
niferen etc. 

H. Herbst, Kew Nursery, 
Richmond bei London; unmittelbar 


374 Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


hinter dem berühmten Garten von Kew, | zu beziehen, — „Ende gut — Alles 
den Jeder, der nach London geht, ebenso | gut“ sagt das Sprichwort, und wie 
gewiss besuchen wird als den Krystall- | könnten wir unseren recht lang gewor- 
palast in Sydenham, er müsse denn | denen Bericht besser schliessen, als 
nach Rom gehen und den Papst nicht | durch ein gutes Werk, indem wir un- 
sehen wollen, hat sich ein Landsmann, | sern in Deutschland noch wenig be- 
ein Deutscher, niedergelassen; seine | kannten, aber strebsamen und unterneh- 
Gärtnerei ist noch im Entstehen, aber | menden Landsmann auf’s Wärmste em- 
schon hat er einen hübschen Anfang | pfehlen. Wir haben schon mehrmals 
gemacht und alle in London ir Handel | Pflanzen von ihm und durch ihn bezo- 
erscheinenden neuen Pflanzen sind auch 
durch ihn zu gleichen Preisen sofort 


gen, und waren mit seiner Bedienung 
sehr zufrieden... — (E. ©.) 


6) Anzucht von Syringa chinensis zur Blumentreiberei. 


Es wurde dieser Gegenstand in ei- 
ner der Sitzungen des Russ. Gartenbau- 
Vereins in St. Petersburg besprochen. 
In Petersburg werden jährlich eine 
grosse Menge von der Syringa China’s, 
zur Treiberei benutzt. Man benutzt 
hierzu vorzüglich Exemplare, die auf 
einem 2—3 Fuss hohen Stamm eine 
schöne Krone tragen. Diese zur Trei- 
berei vorzugsweise verwendeten Exem- 
plare kommen grossentheils aus Mos- 
kau, theils aber auch aus dem Aus- 
lande. 


dere fort, um aus diesem Stamm und 
Krone zu erziehen, Im Herbste werden 
die vorgezogenen Exemplare in Töpfe 
gepflanzt und bei 1—2° R. durchwin- 
tert. Im Frühlinge werden diese Pflan- 
zen nun mit den Töpfen in Beete mit 
nahrhafter Erde so eingegraben, dass 
der Topf noch 1—2 Zoll mit Erde be- 
deckt ist. Die Pflanzen wurzeln nun 
von oben und unten in die umgebende 
Erde desBeetes, wodurch ein üppigerer 
Wuchs und die Möglichkeit der schnel- 
leren Bildung einer kräftigen Krone be- 
dingt wird. Dieses Verfahren wird 80 
lange fortgesetzt, indem man im Herbst 
die Pflanzen wieder in Keller etc. bringt, 
und im Frühlinge solche wieder in glei- 
cher Weise eingräbt, bis die Pflanzen 
schöne starke, reichlichen Flor verspre- 
chende Kronen besitzen. — 

Schneller noch wird man halbstäm- 
mige Syringa chinensis zum Winterflor 
erziehen, wenn man solche im Juli auf 
das schlafende Auge oculirt. Als Wild- 


Derartige halbstämmige Syringen 
werden entweder aus wurzelächten Pflan- 
zen erzogen, — oder man erhält solche 
mittelst Veredlung. In Moskau erzieht 
man ausschliesslich wurzelächte Halb- 
stämme. Man pflanzt zu diesem Zwecke 
kleine Exemplare von Syringa chinensis 
auf gut vorbereitete Beete im freien 
Lande. Hier müssen solche in unserem 
kalten Klima durch starke Deckung des 
Bodens mit Laub oder Dünger geschützt 
werden. Im Jahre nach dem Pflanzen | ling wählt man hierzu meist die Syringa 
lässt man nur einen der üppigeren Wur- | vulgaris. Diese aber eignet sich des- 
zeltriebe stehen und schneidet alles an- | halb am wenigsten, weil solche zur 


een 1 — 
—— 


I. Originalabhandlungen. 


Bildung von Wurzeltrieben, die die 
Krone schwächen, sehr geneigt ist. — 
Herr Hofgärtner Ruck empfiehlt deshalb 
Syringa Josikea als Unterlage für 
S. chinensis. Die Veredlung nimmt auf 
dieser leicht an und Wurzelausläufer 
bildet solche gar nieht. Herr Rochel 
empflehlt als gleiche Vortheile bietend, 
Ligustrum vulgare als Wildling. — 
Schliesslich ward noch mehrfach 
hervorgehoben, dass Syringa vulga- 
ris in den Gärten um Petersburg voller 


375 


und besser blüht, als im milderen 
Klima des anderen Europa. Als Ur- 
sache davon ward angegeben, dass sol- 


che hier weniger üppig wächst und kür- 
zeres Tragholz in Folge dessen in Masse 
bildet. Guter nicht nasser Standort und 
Ausschneiden der abgeblühten Blumen 
im Sommer, das sind die Bedingungen, 
unter denen” dieselben in Petersburger 
Gärten solche günstige Resultate lie- 
fert. — (E. Regel). 


%) Nachträgliches über Pyrethrum earneum WM. B. und dessen 
Abarten. 


Die Persische Insectenpulver-Pflanze 
kommt im wilden Zustande im Caucasus 
und in den Gebirgen Persiens vor. Es 
ist eine perennirende Pflanze, die auf den 
Spitzen der I—11/, Fusshohen Blüthen- 
stengel mehrere ihrer Blüthenköpfe trägt. 
Diese Blüthenköpfe oder wie manrichtiger 
bei den zu der Familie der Compositen ge- 
hörigen Pflanzen sagen sollte,kopfförmigen 
Blüthenstände, bestehen aus den äusse- 
ren Hüllblättern, welche eine Menge 
von Blumen umschliessen. Bei der wil- 
den Stammart gehen nur die ringsum 
stehenden Blumen in ein bandförmiges 
Blumenblatt aus, während die inneren 
viel kleiner sind und regelmässige röh- 
renförmige Gestalt zeigen. 

Aus den getrockneten und zerrie- 
benen Blüthenköpfen dieser Pflanze 
wird das ächte Persische Inseetenpulver 
bereitet. 

Im wilden Zustande finden sich 
zwei Formen dieser Pflanze. Die eine 
trägt fleischrothe Zungenblumen und 
diese ist es, die von Marschall Bieber- 
stein dem berühmten Verfasser 


der | tenpulverpflanze 


beschrieben wurde, während er eine an- 
dere Abart mit rosenrothen Zungenblu- 
men P. roseum nannte. 

Der Cultur ist es aber gelungen, 
in ähnlicher Weise wie von dem Pyre- 
thrum (Chrysanthemum) chinense und un- 
serer Sommer-Aster, eine Menge von 
Formen von der Insectenpulverpflanze 
zu erhalten, die wir gefüllte Abarten 
nennen, weil hier alle Blumen des Blü- 
thenkopfes sich zu Zungenblumen aus- 
gebildet haben. Ausser der Füllung 
hat man aber auch noch schöne Formen 
in Bezug auf mehr oder weniger schöne 
rothe Färbung der Blumen erhalten, 
so dass die Inseetenpulverpflanze in un- 
seren Blumenparterres die würdige Ri- 
valin der Astern und Chrysanthemen 
China’s geworden ist. Herrn Bedinghaus 
in Belgien gebührt das Verdienst, vor 
ungefähr 7 Jahren die ersten dieser 
schönen Varietäten erzogen zu haben, 
von denen die Gartenilora früher einige 
abbildete. — 

Diese schönen Formen der Insec- 
haben einen um so 


Flora taurico-caucasica als P. carneum | höheren Werth für uns, als solche bei 


376 


einiger Vorsicht, auch noch in Peters- 
burg ganz gut im freien Lande aushal- 
ten. Man bereite sich zum Auspflanzen 
derselben im freien Lande in sonniger 
Lage ein etwas hoch liegendes Beet 
vor, von dem das Wasser vollständig 
abgeleitet ist; die gewöhnliche unge- 
düngte Gartenerde, wird zunächst bis 
auf den Untergrund ausgeworfen, Hie- 
rauf bringt man unten in das Beet eine 
6 Zoll hohe Schicht von Topfscherben 
oder zerschlagenen Ziegelsteinen, — 
oder allenfalls auch groben Sand. Die 
ausgeworfene Erde wird nun mit eben- 
soviel Rasenerde, wie solche von Wie- 
sen mit lehmigen Boden gefahren wird, 
vermischt und hügelartig aufgebracht. 
Man bildet die Kante, um die Erde zu 
halten mit Tuffsteinen, pflanzt ringsum 
Saxifragen oder eine andere hübsche 
perennirende Bordurenpflanze und in 
die Mitte des Beetes die Pyrethrum, die 
hier prächtig gedeihen und blühen wer- 
den. Im Herbste werden die Stengel 
abgeschnitten, der Samen gesammelt und 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


beim Eintritt der härteren Fröste deckt 
man das Beet mit einer zollhohen Schicht 
Moos und darüber vielleicht noch ein 
paar Tannenäste. Auf diese Weise 
werden diese schönen Pllanzen auch un- 
sere härteren Winter gut überdauern. 
Im Frühling, wenn der Boden aufgeht, 
wird die Deckung fortgenommen und 
der Boden gelockert und den Sommer 
hindurch rein von Unkraut gehalten. 

Man pflanzt dieselben durch Samen 
und Abnehmer fort. Der Same wird im 
Herbst oder erst im Frühlinge im Kalt- 
hause oder kalten Fensterbeet in Töpfe 
ausgesäet. Die jungen Pflänzchen wer- 
den erst einzeln in Töpfe versetzt und 
erst wenn solche gehörig erstarkt, in’s 
freie Land gepflanzt. Die Abnehmer 
werden im Herbste abgenommen, in 
Töpfe gepflanzt, im Kalthause oder frost- 
freien Beete durehwintert und im näch- 
sten Jahre dann als gut bewurzelte 
Pflanzen in’s freie Land gesetzt. 

(E. R.) 


I. Neue Zierpflanzen. 


a) Abgebildet im Botanical Maga- 
zine. 

1) Meconopsis nepalensis D. C. — Pa- 
pavcraceae. D. €. prodr. I. 121. — 
Hook. et Thoms. fl. ind. I. 253. 
Hook. fil. pl. Him. tab. 9. — Papaver pa- 
nieulatum Don. prodr. fl. nep. 197. — Eine 
schöne zweijährige Pflanze von der Tracht 
eines Papaver mit 5 Fuss hohen Stengeln, 
die auf ihrer Spitze die mächtige Traube 
grosser gelber, mehrere Zoll im Durchmes- 
ser haltenden Blumen trägt. Dalton Hooker 
sagt, dass er diese Pflanze massenhaft in 
der centralen feuchten Begion des Himalaja 
in einer Höhe von 10—11.000 Fuss über dem 
Meere gesehen habe und dass er sie zu den 


schönsten krautartigen Pflanzen jener Ge- 
gend rechne. Zuerst ward solche von Wal- 
lich in Nepal entdeckt. Ist allenthalben mit 
abstehenden borstigen Haaren bekleidet. 
Die Wurzelblätter gestielt, lang linear spa- 
thelförmig, fiederlappig; — die Stengelblät- 
ter sitzend, länglich-linear und buchtig ge- 
lappt. Die Kapsel 8klappig, mit angedrück- 
ten Borsten bekleidet. Muss wohl im ersten 
Jahre aus Samen im Topfe angezogen und 
im Kalthause oder frostfreien Beete über- 
wintert werden, um solche dann im zweiten 
Jahre ins freieLand zu pflanzen, wo sie als 
Einzelpflanze im Rasen, wie aufBlumengrup- 
pen gleich guten Effekt machen dürfte. — 
(Tab. 5585.) 


I. 


2) Polystachia pubescens Rechb. fl. — 
Orchideae. Rchb. fill. in Walp. Ann. VI. 
643. — Epiphora pubescens Lindl. Comp. 
Bot. Mag. II. 201. -—- Eine epiphytische Or- 
chidee des südlichen Afrika. Es ist die 
schönste Art der Gattung. Scheinknollen 
spindelförmig, auf ihrer Spitze 2—3 länglich- 
lanzettliche Blätter, die kürzer als die reich- 
blumige spitzenständige Blüthentraube sind. 
Blumen goldgelb, die Sepalen innerhalb roth 
gestreift. (Tab. 5586.) 


3) Lobelia nicotianaefolia Heyne. Lo- 
beliaceae. — Heyne in Roem. et Schult. 
syst. V. 47. — D.C. prodr. VII. 381. — 
Eine schöne perennirende Pflanze für’s tem- 
perirte Gewächshaus, die aus den Neilgher- 
ries durch Hrn. Black; Director des Bo- 
tanischen Gartens in Bangalore, in den Bo- 
tanischen Garten zu Kew eingeführt wurde. 
Wird 6—10 Fuss hoch, ist von sehr üppi- 
gem Wuchs und trägt auf der Spitze des 
Stengels die mehr als fusslange pyramidale 
dichte Traube hell lilafarbner grosser Blu- 
men. Ist überall weichhaarig und wird spä- 
ter kahl. Blätter schmal-lanzettlich, 1—2 
Fuss lang, in den kurzen Blattstiel ver- 
schmälert, zugespitzt, am Rande gezähnelt. 
Blüthentraube am Grunde zusammengesetzt, 
pyramidal. Bracteen zugespitzt, drüsig ge- 
zähnelt. Kelchlappen lanzettlich, gesägt, be- 
deutend länger als die Kelchröhre. Blumen- 
krone 1 Zoll lang, mit herabgebeugten Lip- 
pen. (Tab. 5587.) 


4) Angraecum Chailluanum Hook. Eine 
neue epiphytische Orchidee Westafrika’s, die 
von Du Chaillu in der Nähe von Gaboon 
entdeckt ward. Stengel beblättert und dicke 
einfache fleischige Luftwurzeln entsendend. 
Blätter lederartig, 4—6 Zoll lang, 1!/, Zoll 
breit, an der Spitze zweilappig; die Lappen 
abgerundet und der eine viel kürzer als der 
andere; Blattrand wellig. Blüthentrauben 
6—12-blumig, achselständig. Bractee gross, 
breit-oval, spitz oder zugespitzt, braun. Blu- 
men grünlich weiss. Kelch- und Blumen- 
blätter 1!/, Zoll lang, von lanzettlich-pfriem- 
licher Gestalt, zurückgekrümmt. Sporn 
dünn und 3—5 Zoll lang. Lippe den an- 


Neue Zierpflanzen. 


377 


deren Blumenblättern ganz ähnlich gebildet. 
Das Rostellum verlängert.— (Tab. 5589). 
5) Ancylogyne longiflora Hook. Acan- 
thaceae. Ein schöner Blüthenstrauch für’s 
Warmhaus, der vom Sammler der Herren 
Veitch u.Sohn, Herrn Pearce aus Gnajaquil 
in den Garten der Herren Veitch eingeführt 
ward und daselbst im April 1866 zum ersten 
Male blühete. Ein Halbstrauch mit vier- 
kantigen kahlen Stengeln. Blätter kahl 
oder kurzhaarig, 4—10 Zoll lang, ge- 
stielt, länglich-oval oder verkehrt-oval lan- 
zettlich, zugespitzt, fast buchtig gezähnt. 
Blumen stehen in einer hängenden verästel- 
ten spitzenständigen Rispe, gleich dem Kelch 
schön purpurroth. Kelch mit lanzettlich- 
pfriemlichen, lang zugespitzten Zähnen, die 
so lang als ein Drittel der zwei Zoll langen 
Kelchröhre. Blumenröhre schwach gekrümmt, 
oberhalb ihrer Mitte etwas aufgeblasen; 
der Saum der Blumenkrone schief, mit kur- 
zen abgerundeten, zurück gekrümmten Lap- 
pen. Staubfäden 4, steif karamartig gewim- 
pert; 2 derselben sind fruchtbar und sehen 
aus dem Schlunde hervor, 2 sind kürzer 
und steril. Antheren hellgelb, länglich, mit 
parallelen, am Rande kurz gewimperten Fä- 
chern; die am Grunde in einen kurzen, nach 
oben gerichteten gabelartig getheilten Sporn 
ausgehen. (Tab. 5588.) 
6) Kleinia fulgens Hook. Compositae. 
Ein neuer schöner Zuwachs 
Suceulenten Pflanzen Südafrika’s, eingeführt 
aus Natal durch Hrn. Plant in den Garten 
des Hrn. Saunders in London. Ein durch- 
aus kahler Halbstrauch für's temperirte Ge- 
wächshaus. Blaugrün. Aeste stielrund. Blät- 
ter gestielt, verkehrt-oval-länglich, 
spitz, am Rande mit einzelnen grossen 
stumpflichen Zähnen, dick und saftig. Blü- 
thenstiele sind mit Bracteen besetzt, achsel- 
ständig, länger als das Blatt und tragen 
meist nur einen Blüthenkopf auf ihrer Spitze, 
Bracteen länglich-linearisch. Hüllkelch von 
einer einzigen Reihe linearer spitzer Schup- 
pen gebildet. Blumen schön zinnober-oran- 
genroth. — Federkrone borstig. 
(Tab. 5590.) 
7) Fremontia californica Torrey. Mal- 
vaceae. — (Torrey in Smith’s Contrib. VI. 


zu den 


kurz 


318 


5. tab. 2. — Walp. Ann. IV. 19. — Ein 
in England und den milderen Gegenden 
Deutschlands 
Derselbe trägt seinen Namen zu Ehren des 
Oberst Fremont, der im Jahre 1846 eine 
Expedition zu den Felsengebirgen machte 
und dabei jenen Strauch entdeckte, der erst 
durch Veitch in Europa eingeführt wurde. 
Die Stellung dieses eigenthümlichen 
Strauchs im natürlichen Systeme ist noch 
nicht sicher. Hooker und Bentham (Gen. 
pl. I. 212) stellen solchen zu den Malva- 
ceen, Andere stellen ihn zu den Bombaceen 
und D. Hooker ist jetzt, nachdem er die 
Pflanze lebend gesehen, eher geneigt, solche 
zu den Sterculiaceen zu stellen. Das rich- 
tigste dürfte sein, solche als Typus einer 
besonderen Gruppe zu betrachten. Ein 10 
Fuss hoher Strauch, der in seiner Tracht 
unserer Feige ähnelt. Blätter mit langem 
Stiel, fast kreisförmig, 3—7-lappig, auf der 
oberen Seite mit zerstreuten sternförmigen 
Haaren besetzt, auf der unteren Seite blau- 
grün und im trockenen Zustande rostfarben; 
die Blattlappen stumpf, ganzrandig oder ge- 
zähnt, Blüthenstiele achselständig, einblu- 


harter Strauch  Californiens. | 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


mig, so lang oder kürzer als die Blattstiele. 
Die goldgelben 2—2!/, Zoll im Durchmesser 
haltenden Blumen erscheinen massenhaft. 
Kelch kurz glockenförmig, 5-lappig, blumen- 
kronenartig, ausserhalb mit sternförmigen 
Haaren besetzt, innerhalb zottig; Lappen 
kreisförmig, mit aufgesetztem Spitzchen. 
Blumenkrone fehlt, Staubfädensäule kurz, 
oben in 5 freie auseinander stehende Träger 
getheilt, deren jeder eine zweifächerige An- 
there trägt. Fruchtknoten behaart, 5-fäche- 
rig, in jedem Fach viele Samen enthaltend, 
auf der Spitze den fädlichen Griffel mit 
spitzer Narbe tragend. — (Tab. 5591.) 


8) Fernandezia robusta Batem. Orchi- 
deae. Aus Guatemala von Skinner einge- 
führt. Ist der F. (Lockhartia) lanifera Rchb. 
fil. (Xenia tab. 39 Fig. 3) am nächsten ver- 
wandt, ist aber in allen Theilen grösser, 
besitzt scharf gespitzte Blätter und trägt 
eine sechseckige Schwiele auf der Lippe, — 
während F. lanifera stumpfe Blätter und 
eine herzförmige Schwiele besitzt. Blumen 
goldgelb und braunpurpur gefleckt. 

(Tab. 5592.) 


Il. 


1) Ueber die Flora der Permi-| 


schen Formation, ein Vortrag in der 
Schlesischen Gesellschaft in Breslau, von 
Dr. Heinrich Robert Göppert. 

Meine von mir seit vielen Jahren vorbe- 
reitete Flora der Permischen Formation ist 
nun (in der Reihenfolge der Palaeontologica 
der Herren Herrmann von Meyer und Dun- 
ker, aber auch als selbstständiges für sich 
abgebbares Werk) theilweise erschienen 
und wird noch in diesem Jahre, begleitet 
von 64 grösstentheils nach Photographien 
gearbeiteten Tafeln, beendigt werden. Es 
sei gestattet, hier einige allgemeine Ergeb- 
nisse aus genanntem Werke mitzutheilen: 

l. Im Grossen und Ganzen ist übrigens 


Notizen 


ein stufenweises Hervortreten der grossen 
Ordnungen des Gewächsreiches nicht zu ver- 
kennen. Denn Landpflanzen fehlen bis jetzt 
in der Silurischen Formation, welche als die 
älteste versteinungsführende anzusehen ist. 
Seepflanzen und zwar Algen, an 20 Arten, 
beginnen, vielleicht noch vor den Thieren. 
die Reihe der organischen Wesen. Den 
jetztweltlichen Algen sehr verwandt, gehören 
sie sowohl zu den niedriger organisirten 
Gruppen der Conferveen, Caulerpeen, Fuci, 
wie nach meinen Beobachtungen auch zu 


*) Cassel, Verlag von Theodor Fischer, 
1864—65. 


III. Notizen. 


den höchsten den Florideen (Callithamnien). 
Freischwimmende, sowie auch einst fest- 
sitzende, denn die Ansätze sind noch sicht- 
bar, die also schon mit Sicherheit auf festes 
.Land schliessen lassen, befinden sich da- 
runter (Göpp. Flora der Silur. Devonischen 
und unteren Kohlenformation 1852. S. 147.) 
Dieses Vorkommen höherer und niederer 
Entwickelungsstufen in ein und derselben 
Ordnung der palaeozoischen Floren, welches 
sich auch in den Ordnungen der Landpflan- 
zen, wie bei den Farn, den Calamarien, Ly- 
copodiaceen u. s. w. stets wiederholt, spricht 
nicht zu Gunsten der Darwin’schen bekann- 
ten Theorie. Auch die Flora der unteren 
Devonischen Periode lieferte grösstentheils 
nur Algen, 5 Arten, doch auch schon eine 
Landpflanze, die Sigillaria Hausmanniana, 
die einst Hausmann im Jahre 1807 in dem 
unteren Devonischen Gestein Schwedens ent- 
deckte und von mir der Vergessenheit ent- 
rissen in dem oben genannten Werke be- 
schrieben und abgebildet wurde. 

Die erste reiche, fast durchweg eigen- 
thümliche Landflora, an 70 Arten, tritt uns 
in der oberen Devonischen Formation Eu- 
ropa’s entgegen bei Ober-Kunzendorf in 
Schlesien, Moresnet bei Aachen, bei Saal- 
feld in Thüringen, in Irland, Canada und 
New-York. Erweitert erscheint sie nun in 
vollständiger Entwickelung in der unteren 
Kohlenformation mit 104 Arten, zu denen 
als Lagerstätten der Bergkalk oder Kohlen- 
kalk, der Kulm Murchison’s und die soge- 
nannte Grauwacke der deutschen Geologen 
oder die jüngste Grauwacke Murchison’s 
gehören, deren Floren durch ein gemein- 
schaftliches, verwandtschaftliches Band zu- 
sammengehalten werden und sich von ein- 
ander eben nur, wie sie etwa Jlocale 
Verschiedenheiten darbieten, unterscheiden. 
Jedoch haben die Pflanzen nicht in so 
grossartigen, geselligen und zugleich mas- 
senhaften Verhältnissen existirt, wie dies in 
der nun folgenden oberen oder sogenannten 
productiven Steinkohlenformation der Fall 
gewesen sein muss, wie ihre in den colos- 
salen Kohlenlagern der verschiedensten Ge- 
genden der Erde uns erhaltenen Ueberreste 
beweisen. Aus den Floren der älteren an 


379 


200 Arten insgesammt zählenden Formatio- 
nen -sind zwar die meisten Gattungen, aber 
nur wenige Arten, nach meinen Ermittelun- 
gen nur 8, in dieselbe übergegangen, wäh- 
rend die Zahl der in der gesammten Stein- 
kohlenflora bis jetzt nachgewiesenen Arten 
sich auf etwa 814 beläuft. In dem vorlie- 
genden Werke werden für die von Binney 
schon nachgewiesene Beschaffenheit der Stig- 
maria als Wurzelorgan der Sigillarien den 
Hauptkohlenpflanzen neue Beweise geliefert 
und auch die von mir entdeckten Entwicke- 
lungsstufen jener wunderbaren Pflanzen von 
der 3 Zoll grossen Knolle bis zum 1—2 Fuss 
dicken Wurzelstock beschrieben und abge- 
bildet. 

II. Die Permische Formation in unse- 
rem Sinne (Dyas nach Marcou und Geinitz) 
gehört zu dem letzten Gliede der grossen 
Palaeozoischen Periode, deren Beschaffenheit 
sie im Allgemeinen sowohl hinsichtlich der 
Fauna als Flora theilt unter Bewahrung 
mancher Eigenthümlichkeiten, welche sie als 
eine vollkommen selbständige erscheinen 
lassen. 

II. Die Zahl der bis jetzt bekannten 
Arten der Flora der Permischen Formation 
in ihren verschiedenen Gliedern, dem Roth- 
liegenden, dem Weissliegenden, dem Kupfer- 
schiefer, dem mittleren, unteren und oberen 
Zechstein beträgt 272. Im Jahre 1854, 213 
Arten, welche bei einer genaueren Revision 
im Jahre 1857 auf 189 reducirt wurden. Die 
ansehnliche Vermehrung seit 1357 kommt 
namentlich auf Rechnung der eines sicheren 
Platzes und Nachweisung ihrer Abstammung 
zum Theil noch entbehrenden Früchte an 
40 Arten, von denen wohl der grössere Theil 
zu den Palmen gehören dürfte, und vorläu- 
fig auch dahin gerechnet wird, wie die viel- 
besprochenen Trigonocarpus- und Rhabdo- 
carpus-Arten. Gelingt es, diese näher zu 
bestimmen, möchte sich die Gesammtzahl 
wohl wieder vermindern; wenn nicht inzwi- 
schen der Ausfall dureh verschiedene Arten 
anderer Familien gedeckt wird, wozu wohl 
Aussicht vorhanden ist, da wir unsere ganze 
gegenwärtige Kenntniss der Permischen Flora 
nur der Ausbeute von etwa 50 verschiede- 
nen Fundorten verdanken. 


380 


IV. Nach den natürlichen Ordnungen 
vertheilen sich die Arten unserer Flora fol- 
gendermassen: 

Fungi 1 Art, 

Algae 4 Arten, 

Calamariae 21 Arten, 

Filices 130 Arten, 

Selagines 11 Arten, 

Palmae 30 Arten, 

(unter anderen Trigonocarpon und 
Rhabdocarponarten,) 

Noeggerathiae 12 Arten, 

Calamiteae 4 Arten, 

Sigillarieae 5 Arten, 

Cycadeae 11 Arten, 

Coniferae 31 Arten, 

Genera incertae sedis 12 Arten. 
Zusammen 272 Arten. 

V. Im Allgemeinen wiederholen sich 
daher, wie sich aus dem Vorigen ergiebt, 
die Ordnungen und Gattungen der älteren 
palaeozoischen Landfloren (d. h. der Ober- 
devonischen, älteren und jüngeren Kohlen- 
formation) in unserer Permischen Formation. 
Mit der Ober -Devonischen Flora theilt sie 
keine, mit der unteren Kohlen- oder Grau- 
wackenformation nur eine, und mit der jün- 
geren Steinhohlenformation etwa 19—20 Ar- 
ten. Jene einzige Art ist die Neuropteris 
Loshii, die Pflanze in der gesammten palaeo- 
zoischen Periode von längster geognostischer 
Dauer, weil sie auch in der oberen Stein- 
kohlenformation vorkommt; die 19 Arten, 
welche sie mit der oberen Steinkohlenfor- 
mation gemeinschaftlich besitzt, sind fol- 
pende: Gyromyces Ammonis, Annularia 
floribunda, Asterophyllites rigidus, Spheno- 
pteris tridactylites, Sph. artemisiaefolia, Neu- 
ropteris tenuifolia, N. lingulata, Alethopteris 
similis, Cyatheites Schlotheimii, C. arbores- 
cens, C. Oreopteridis, C. dentatus, Hemite- 
lites cibotioides, Pecopteris plumosa, Sigilla- 
ria, Stigmaria, Cordaites prineipalis, Cyelo- 
carpostuberosus, Noeggerathiapalmaeformis, 
Walchia piniformis. 

VI. Von jenen 272 Arten gehören bei 
weitem die meisten zum Rothliegenden, an 
258 Arten, welches dem Kupfersandstein 
Russlands gleich steht, wie von uns schon 
früher im Jahre 1857 ausgesprochen worden 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


ist. (R. Murchison Siluria 2 edit. p. 355) 
Auf das Weissliegende kommen drei, Palaeo- 
phycus Höeianus, UllmanniaBronnii, Voltzia 
hexagona, welche erstere beiden auch im 
Kupferschiefer getunden worden; auf den 
Kupferschiefer selbst zwar nur wenige aber 
weit verbreitete Arten, an Zahl 14, wie aus- 
ser obigen Palaeophycus und Ullmannia 
Bronnii noch Chondrites virgatus, Zonarites 
digitatus, Sphenopteris bipinnata und Sph. 
patens, Cyelopteris Liebeana, Alethopteris 
Martinsii, Pecopteris Schwedesiana, Taenio- 
pteris Eckardi, Cardiocarpus triangularis, Ull- 
mannia lycopodioides, U. frumentaria. Ei- 
nige Kupferschieferpflanzen gehen nach Gei- 
nitz noch in die höheren Etagen des Zech- 
steins, so Palaeophycus Höeianus und Ull- 
mannia lycopodioides in den unteren Zech- 
stein; allen drei Etagen desselben, dem un- 
teren, mittleren und oberen Zechstein gehört 
nur eine Alge Chondrites longavienis 
Gein. an. 

Mit Ausnahme zweier Arten der Voltzia 
heterophylla und des nach Ettingshausen 
zu Equisetites columnaris gehörenden Cala- 
mites arenaceus, wenn sie wirklich noch in 
unserer Formation vorkommen, was keines- 
wegs zweifellos ist, reicht keine in die 
nächstfolgende Periode in die der Trias hi- 
nein. Es findet hier offenbar ein schroffer 
Abschnitt der gesammten Flora und, so viel 
ich weiss, auch der Fauna statt. Die Fos- 
silien der Permischen Periode führen uns 
die letzten Formen der palaeozoischen Perio- 
de vor, welche zu Ende ging, um einer ganz 
neuen Pflanzen- und Thierwelt Platz zu 
machen. 

VII. Unter den Pflanzen des Rothlie- 
genden sind wegen ihrer weiten Verbrei- 
tung als wahre Leitpflanzen übereinstimmend 
mit Untersuchungen von Geinitz anzusehen: 
Calamites gigas, gefunden an 12 verschie- 
denen Orten in Deutschland und 6 in Russ- 
land, Odontopteris obtusiloba an 25 Orten, 
Callipteris conferta an 14 Orten in Deutsch- 
land und 4 in Russland, Walchia piniformis 
an 40 Orten in Deutschland, 2 in England, 
in Russland und nach Marcou und Ferdi- 
nand Römer auch in Nordamerika. Trotz 
ihrer weiten Verbreitung kann letztere doch 


Il, 


nicht so unbedingt als Leitpflanze angesehen 
werden, da sie Geinitz auch in den oberen 
Schichten der sächsischen Steinkohlenforma- 
tion beobachtete. Die übrigen Walchien 
‚sind weniger häufig, am meisten noch W. 
filieiformis, die ausschliesslich nur den Per- 
mischen Schichten angehört. Einen sehr 
interessanten Fall von Verbreitung liefert 
noch die von meinem verehrten Freunde Dr. 
Stenzel beschriebene und abgebildete aus 
Chemnitz stammende Protopteris confluens, 
welche nach Rupprecht von Borszizow in 
den Aulo-Caspischen Steppen aufgefunden 
worden ist. (Rupprecht in T. I des Bulletin 
de l’Academie imperiale des sciences de St. 
Petersburg, über einen verkieselten Baum- 
stamm aus der Kirgisensteppe, gelesen den 
2. Septbr. 1859. S. 147—153.) 

Im Kupferschiefer treten sämmtliche 
Ullmannia fast an allenFundorten desselben 
auf und können mithin wohl als Anzeiger 
oder als ächte Leitpflanzen desselben gelten. 
In Deutschland kommen sie etwa an 15 
verschiedenen Orten vor, desgleichen auch 
in England und in Russland. 

VIOI. Nach dem geographischen Vor- 
kommen haben Sachsen, Böhmen und Schle- 
sien eine ziemlich gleiche Zahl an Arten 
aufzuweisen, Sachsen hinsichtlich der Psa- 
ronien und Medullosen die eigenthümlich- 
sten, dann kommt Russland mit etwa 50 
Arten, wovon die meisten auch in Deutsch- 
land beobachtet wurden, Frankreich mit 22 
Arten, Preussisch-Sachsen , Kurhessen, Mäh- 
ren, Thüringen, Rheinländer zu gleichen 
Theilen etwa 10—12, England bis jetzt nur 
2—3. Besondere Schlüsse kann man aus 
dieser geringen, hier vorkommenden Zahl 
von Arten nicht ziehen, da durch genauere 
Nachforschungen wohl bald die Zahl ver- 
mehrt werden dürfte. 

IX. Die Haupteigenthümlichkeiten der 
gesammten Permischen Flora lassen sich 
folgendermassen zusammen fassen: 

Das letzte’ Auftreten der Lepidodendreen 
Noeggerathien und Sigillarien, einschliesslich 
der dazu gehörenden Stigmarien, Seltenheit 
der Sigillarien und daher die geringe Mäch- 
tigkeit der Kohlenlager im Bereiche dieser 
Formation; ferner Vorherrschen der strauch- 


Notizen. 


351 


und baumartigen, wie der mit Knollenstäm- 
men versehenen Farn (Psaronien) in eigen- 
thümlichen Gestalten, Vorherrschen der Neu- 
ropteriden gegen die Pecopteriden, wie einst 
in der ersten Landflora im oberdevonischen 
Cypridinenschiefer, mit der sie auch das 
vereinigte Vorkommen der charakteristischen 
Merkmale mehrerer Ordnungen in einzelne 
Individuen theilt, wie z. B. in der Gruppe 
der Calamiteen die Verbindung von Equi- 
seten mit Farn, Coniferen und Cycadeen, in 
den Walchien, die Verbindung der Lycopo- 
diaceen mit Coniferen. 
felhafte Anwesenheit von Monocotyledonen, 
nämlich Scitamineen und Palmen, zahlreiche 
Früchte, die an Dicotyledonen erinnern, 
grossartige, Wäldern gleiche Massen ver- 
steinter Stämme, welche den Araucarien 
der Jetztwelt gleichen, in Sachsen, Schle- 
sien, Böhmen und nach Wangenheim, von 
Qualen auch in Russland; das erste Erschei- 
nen der Cupressineen, sowie die hohe Aus- 
bildung der Cycadeen in den Medullosen, 
lauter Eigenthümlichkeiten des Bildungsty- 
pus, welcher hier in der Flora der palaeo- 
zoischen Periode zum letzten Male gefunden 
werden, um in späteren Perioden nie mehr 
wieder auf diese Weise und in solchen Com- 
binationen neben den Bildungen einfacherer 
oder gewöhnlicherer Art zum Vorschein zu 
kommen. 

‘2) M. Ph. v. Siebotd, über den Zu- 
stand des Gartenbaues in Japan, 
nebst Bemerkungen von Maximo- 
wicez. — Diese kleine Schrift ist im Selbst- 
verlag des geehrten Herrn Verfassers er- 
schienen und wird von dessen Etablis- 
sement zu Leiden, das der Cultur und der 
Einführung von Pflanzen aus Japan gewid- 
met ist, ausgegeben. 

Wir geben hier den Inhalt in kurzem 
Auszuge wieder, und begleiten denselben 
mit einigen Bemerkungen vom Hrn. Maxi- 
mowiez, der 3 Jahre in Japan sich aufge- 
halten hat und auch den Garten kennt, den 
Siebold zu ähnlichem Zwecke in Japan be- 
sitzt. 

Die 3 grösseren Inseln, welche Japan 
vornehmlich bilden, Kiusin, Sikok und Nip- 
pon, reichen von 2908’ n. Br, bis 41034‘. 


Ferner die unzwei- 


382 


Siebold nimmt an, dass es vorzugsweise, 
der Religionscultus war, unter dessen Ein- 
fluss eine grosse Zahl von Pflanzen aus 
anderen Theilen Asiens, in die Gärten Ja- 
pans, besonders aber in die Gärten einwan- 
derten, welche die Buddah-Tempel umge- 
ben. Die Missionäre des Buddah-Cultus be- 
zeichnet Siebold als die Begründer des Gar- 
tenbaues, wie der Landwirthschaft Japan’s. 

Nun spricht Siebold gleich zwei, sicher 
falsche Ansichten aus, nämlich, dass die in 
Japan eingeführten Gartenpflanzen sich auch 
in Europa leichter akklimatisiren müssten, 
weil solche dem Einfluss der Akklimatisa- 
tion schon unterworfen gewesen seien, — 
so wie dass durch den Einfluss eines käl- 
teren Klimas die Unmasse der buntblätte- 
rigen Pflanzen Japan’s sich gebildet hät- 
te. — 

Gegen die erstere Behauptung spre- 
chen alle bis jetzt gemachten Erfahrungen 
mit den Formen unserer Obstsorten, die 
aus einem wärmeren Klima sich in ein käl- 
teres, oft schwierig oder gar nicht überfüh- 
ren lassen, während die wilden Stammarten, 
noch vollkommen hart sind. — 

Die zweite Behauptung haben wir in 
diesen Blättern schon zurück- 
gewiesen, und auch Hr. C. Maximowiez be- 
merkt uns, dass die Einwirkung des Frostes 
nicht die Ursache der bunten Färbung des 
Laubes sei, weil die grosse Masse der bunt- 
blätterigen Pflanzen Japans, in Japan wirk- 
lich heimische Arten seien, während von 


mehrfach 


den nachweislich aus wärmeren Klimaten 
eingeführten Arten keine oder nur wenige pana- 
chirte Abarten bekanntseien. Wir machen hier 
in Petersburg eine ähnliche Erfahrung, denn 
die wenigen im freien Lande ausdauernden 
Pflanzenformen mit buntem Laube, aus einem 
milderen Klima, bleiben bei uns nicht con- 
stant, — so Cornus strieta fol. variegatis, — 
während Pflanzen gleich rauher Klimate mit 
panachirten Blättern schon eher einige Be- 
ständigkeit zeigen. — 

Die fleissige Bevölkerung Japans, die 
auf einem Flächenraum von 5300 [_] Meilen 
ungefähr 25 Millionen betragen mag, hat 
das sehr gebirgige Terrain, bis auf eine 
Höhe von 800 bis 1200 Fuss über’m Meere, 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


trotz der der Cultur mannigfach entgegen 
stehenden Schwierigkeiten, in Gemüsefelder, 
in Korn- und Reisfelder umgewandelt. 

In den Städten, selbst in den grössten 
und volkreichsten findet man dennoch selten 
ein Haus, das nicht einen Garten oder we- 
nigstens einen von einigen Bäumen beschat- 
teten Hof besitzt. Auch die kleinsten Gärten 
geben ein Spiegelbild der pittoresken Natur 
des Landes in Miniaturgestalt. Die Parks, 
welche die prächtig gelegenen Tempel um- 
geben, sowie die Gärten der Prinzen und 
Vornehmen, sind wahrhafte Botanische Gär- 
ten oder Meisterstücke der Gartenkunst ®). 
Der nationale Geschmack ist der Scenerie 
des eigenen Landes entnommen. 

In Folge dieser Liebhaberei des Japa- 
ners für Gartenbau giebt es dort zahlreiche 
Gärtner, welche z. B. in Jeddo sehr zahl- 
reich vertreten sind und eine Masse von 
Pflanzen aller Art vorräthig halten, mit de- 
nen zu jeder Jahreszeit ein Garten sofort 
angelegt werden kann. Man erhält solche 
sowohl in Exemplaren von natürlichem 
Wuchs, wie ganz besonders in denin Japan 
so beliebten Zwergexemplaren, die zur De- 
koration jener kleinen Miniaturgärten ange- 
wendet werden, wo auf dem Raum von 
10—20 [_JKlaftern, Gebirge, Bäche, Kluften 
etc., garnirt mit Zwergpflanzen dargestellt 
sind. 

Der Gartenbau ist in Folge dessen ein 
bedeutender Industriezweig in Japan gewor- 
den und die grosse Mehrzahl der Pflanzen, 
die in neuerer Zeit aus Japan in die Gärten 
Europa’s eingeführt wurden, sind nicht etwa 
dort wild gesammelt, sondern meist aus 
den Handelsgärtnereien Japan’s aufgekauft 
und in Waard’schen Kästen nach Europa 
gebracht worden. 

Siebold empfiehlt folgende von ihm aus 
Japan in seinen Akklimatisationsgarten in 
Leiden eingeführte Pflanzen. — Wir begnü- 
gen uns von den allgemeiner bekannten 
oder von uns schon öfter besprochenen, 


*) Was den Fleiss anbetrifft bestimmt, — 
ausserdem nach dem Begriff des Europäers 
wohl schwerlich so zu nennen. 


III. 


nur die Namen zu nennen und geben zu 
anderen einige Notizen: 

Acer polymorphum mit seinen schö- 
nen Abarten. Aralia (Fatsia) japonica. 
Armeniaca (Prunus) Mume. Siebold sagt 
von der Prunus Mume, sie komme in 
mehr als 100 Varietäten in Japan vor, sie 
verdiene wegen ihrer wohlschmeckenden 
Früchte einen ausgezeichneten Platz in un- 
sern Obstgärten und müsse als Spalier er- 
zogen werden. Maximowicz theilte uns da- 
gegen mit, dass die Frucht dieses Baumes 
roh ungeniessbar sei, in Japan esse man sie 
gesalzen, aber auch so bilde sie eine für 
Europäer ganz ungeniessbare Speise. Da- 
gegen blühen solche schon Anfang Januar 
und könnte also als schöner Blüthenstrauch 
empfohlen werden. Siebold besitzt von der- 
selben Varietäten mit gefüllten weissen und 
rosarothen Blumen. Aucuba japonica 
und deren Abarten rechnen wir gleichfalls 
zu den schönsten immergrünen Sträuchern, 
die aber in Deutschland’s Klima noch als 
Kalthauspflanze gehalten werden müssen, 
Prunus Pseudocerasus ist eine Kirsche 
mit gestielten grossen Blumen in Dolden. 
Siebold hat 3 Varietäten mit gefüllten Blu- 
men von weisser, rosarother und strohfar- 
ben mit purpur Flecken eingeführt. Auch 
Maximowiez rechnet solchen zu den schön- 
sten Blüthenbäumen Japan’s. Bildet bis zu 
25 Fuss hohe Bäume, mit !/, Fuss dicken 
Stamm. Zur Blüthezeit ist der Baum ganz 
mit den dichten grossen, einem Schneeballen 
ähnlichen Blüthendolden überdeckt, so dass 
man Stamm und Aeste desselben gar nicht 
erblickt. Maximowiez fand denselben noch 
wild bei Hakodate, wo das Thermometer 
im Winter bis — 15° R. sinkt. Siebold sagt, 
dass dieser Baum in allen öffentlichen und 
Privatgärten in einigen Exemplaren als einer 
der schönsten Blüthenbäume anzutreffen sei. — 

Cerasus pendula Sieb. ist einenoch 
neue von Siebold entdeckte Art. Ein nie- 
driger Baum mit gracilen hängenden Zwei- 
gen, die mit rosarothen Blumen dicht be- 
setzt sind. Ein im Garten des Hrn, Siebold 
in Leiden in den freien Grund eingepflanztes 
Exemplar blühte schon im letzten Frühjahr 
und ward als neuer schöner Trauerbaum 


Notizen. 


383 


allgemein bewundert. 
et var. — 


Clematis patens 
Diervilla rosea, D. horten- 
sis mit weissen Blumen, D. tloribunda 
mit tief rothen Blumen, rechnet Siebold zu 
den aus Corea in Japan eingeführten Pflan- 
zen. D. versicolor und grandiflora sind 
Gebirgspflanzen der Insel Nippon, wo solche 
Sträucher von 9—15 Fuss Höhe bilden. Un- 
ter den immergrünen Sträuchern nimmt der 
Evonymus japonicus mit seinen zahl- 
reichen Abarten eine der wichtigsten Stellen 
in der Flora Japan’s ein. E. 
und gracilis, 


radicans 
die Siebold als besondere 
Arten aufführt, rechnet Maximowiez gleich- 
falls zu den Gartenformen des E. japonicus. 
E. alatus ward von Maximowiez auch in der 
Mandsehurei wild gefunden. Von den neuen 
Hydrangeaceen Japan’s gelang es Siebold 
nicht, eine Parthie derselben nach Europa 
einzuführen. Maximowiez hat mehrere der- 
selben eingeführt. Von denen die bereits 
blühten, . geben wir die Abbildungen. — 
Hydrangea Asisai erhielt Siebold durch 
die Vermittelung Teysmanns. Solche ist 
der H. Hortensia nahe verwandt. Ebenso 
besitzt Siebold die ächte Hydrangea in- 
volucrata, wir sagen die ächte, weil un- 
ter diesem Namen eine falsche Pflanze in 
den Gärten verbreitet ist. — Osmanthus 
(Olea) Aquifolium und O. fragrans 
sind zwei schöne immergrüne, schon ver- 
breitete Sträucher. Siebold sagt, auch die 
Blumen der ersteren besässen einen vorzüg- 
lichen Geruch, — nach Maximowiez sind 
solehe jedoch geruchlos. Schön sind die 
Quercus-Arten Japan's. Quereus glabra 
und cuspidata sind zwei grosse Bäume 
mit immergrünen Blättern und grossen ess- 
baren Früchten. Die Früchte der letzteren 
sollen ähnlich den Kastanien schmecken. Der 
Quercus dentata mitfallenden Blättern von 
der Insel Nippon ist die Art, an der die neuer- 
dings aus Japan eingeführte Seidenraupe lebt. 

Rhodendron Metternichii ist eine 
schöne Alpenrose Japan’s, Der Petersburger 
hat Samen und Hunderte von jungen Pflan- 
zen dieser hühschen neuen Art vertheilt und 
dürften fast alle in Caltur befindlichen Pflan- 
zen von den von Maximowiez gesammelten 
Samen abstammen. Rhodotypus ker- 


354 


rioides bildeten wir im Mai-Hefte ab 
und vertheilten gleichfalls Samen und Hun- 
derte von Pflanzen. Was Siebold als Rosa 
Camellia aufführt, ist nach Maximowiez 
Rosa Hystrix Lindl., welche stets ein- 
fach blüht. Der Name Nats’tsubaki wird 
von den Japanesen nur der Stuarlia grandi- 
flora gegeben. Stuartia grandiflora, 
aufgefunden durch Siebold in dem Park ei- 
nes Tempels. Ein schöner mittelhoher Baum 
von der Tracht einer Buche und mit den 
Blumen einer einfach weiss blühenden Ca- 
mellia Sassanqua. Stachyurus praecox 
ist ein Strauch von 3—-15 Fuss Höhe, mit 
in hängende Blüthentrauben gestellten Blu- 
men. Siebold empfiehlt denselben zur Cultur 
im freien Lande. Cinnamomum pe- 
dunculatum ist ein in Japan heimischer 
Zimmetbaum, als Dekorationspflanze für 
Wintergärten empfohlen. Ulmus (Planera) 
Kiaki ist ein Waldbaum Japan’s, dessen 
Holz als Bauholz vielfach benutzt wird. Sie- 
bold hat in seinem Garten in Leiden ein 
15 Fuss hohes Exemplar schon seit einer 
Reihe von Jahren Frei- 
lich ist das noch kein Beweis, dass dieser 
schöne Baum auch im Klima Deutschlands 
aushält. Vom Petersburger Garten sind Sa- 
men und Pflanzen, durch Maximowiez ein- 
geführt, vielfach vertheilt worden. 

Die Familie der Coniferen 


im {freien Lande. 


eine 
schöner Repräsentanten in Japan. 


hat 
Menge 
Durch Fortune, Veiteh und ganz besonders 
durch Maximowiez sind Massen von Samen 
und auch von lebenden Pflanzen der ver- 
schiedenen Arten nach Europa gekommen. 
Als ausgezeichnete Vertreter 
nur an Podocarpus Maki et var., koraien- 
sis, Sciadopytis verticillata, 
Thuiopsis dolabrata, Cephalotaxus drupacea, 
Cryptomeria japonica, Pinus Massoniana, 
densiflora etce., Retinispora pisifera und ob- 
tusa und viele andere. Siebold scheint bei 
der Einführung der Coniferen weniger vom 
Glück begünstigt gewesen zu sein. Von 
den Palmen sind die Rhapis-Arten und die 
noch im Klima Englands im freien Lande 
aushaltende „Chusan-Palme‘‘ (Chamaerops 
excelsa hervorzuheben. 

Schönblühende und dekorative peren- 


erinnern wir 


Nageia, — 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


nirende Pflanzen sind gleichfalls durch 
Siebold in grosser Anzahl in die Gär- 
ten Europas eingeführt worden; wir er- 
innern nur an die Funkia-, Hemerocallis-, 
Ligularia- und Sedum- Arten. Vor allen 
sind es aber die prächtigen Lilien, deren 
schönste in unseren Gärten cultivirten Ar- 
ten aus Japan stammen. Lilium spe- 
ciosum (lancifoium) mit seinen Abarten 
ist durch Einführung der L. auratum fast 
noch überboten worden. Letzteres scheint 
Siebold als L. speciosum imperiale zu 
bezeichnen. Von dem schönen Lilium 
Thunbergianum sind gleichfalls zahlreiche 
Abarten bekannt. Was Siebold als Lis 
noir oder Sarana bezeichnet, ist die Fri- 
tillaria kamtschatcensis, eine noch in 
Petersburg im freien Grunde gut aushal- 
tende Pilanze. Die Zwiebeln aller Lilien 
werden von den Japanesen gegessen. 

Siebold spricht nun von den einjährigen 
Pflanzen Japan’s, vergisst dabei aber die 
schönste zu nennen, die die Gärten Europa’s 
Japan verdanken, nämlich Dianthus chinen- 
sis Heddewigii und laciniatus, welche von 
Petersburg aus verbreitet wurden. Daraus, 
dass Tagetes, Mirabilis und Mais in den Gär- 
ten Japans verbreitet ist, schliesst Siebold 
ganz fälschlich auf eine Verbindung, die die 
Japanesen früher mit Amerika unterhalten ha- 
ben müssten. Sicherlich wurden die Samen 
dieser Pflanzen von den Portugiesen nach 
Japan eingeführt. 

Unter den Getreiden Japan’s erwähnt 
Siebold des Reises (Oryza) und der Hirse 
(Panicum italicum). Von ersterem sollen 
Abarten aus Japan nach Italien gekommen 
sein, die sich für trockene Cultur eignen. 
Nach Maximowiez wird aber in Japan der 
Reis nur feucht cultivirt. Die Hirse ist mit 
der Europa’s ganz identisch. — 

Von Gemüsen haben wir nichts von 
Belang aus Japan erhalten. Ob von den 
Fruchtbäumen Japan’s sich irgend einer den 
Culturen Europa’s anschliesst, muss erst die 
Zeit lehren. Ausser der schon in Cultur 
befindlichen Mandarin-Orange (Citrus nobilis) 
scheint uns auch für den Süden Europa’s 
Japan nichts vorzügiiches Neues an Frucht- 
bäumen liefern zu können, vielleicht dass 


& nr Tat‘ 328 


EI 


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Rh EEn 


he 
BR 
& 


IH. Notizen, 


Diospyros Haki sich dort Eingang ver- 
schafit. Von einigen grossen Birnen, die 
Siebold eingeführt, hofft solcher einen vor- 
züglichen Zuwachs zu dieser köstlichen 
Frucht zu liefern. sollten die Birnen wirklich 
die Birnen Europa’s erreichen? Sind solche 
nicht vielmehr aus Europa dorthin gebracht 
worden? 


Als anderweitige wichtige Nutzpflanzen 
Japan’s nennt Siebold: Rhus 
nea, aus dessen Früchten ein vegetabilisches 
Wachs bereitet wird. Broussonetia 
Kaempheri und papyrifera, aus denen 
das eigenthümliche Japanesische Papier be- 
reitet wird Polygonum cuspidatum 
(Sieboldi), als Futterpflanze, Dekorations- 
pflanze im Garten und zur Befestigung der 
Sanddünen von Siebold empfohlen. 


succeda- 


Wir schliessen damit die Aufzählung 
der einzelnen Pflanzen und bestätigen es 
gern, dass eine grosse Zahl der in unseren 
Gärten prangenden Pflanzen Japan’s zuerst 
von Siebold nach Europa gebracht wurden. 
In neuester Zeit gelang es aber Fortune, 
Veitch und Maximowiez die Zahl der 
Pflanzen Japan’s in Europäischen Gärten 
noch sehr zu vermehren. An trockenen 
Pflanzen endlich hat noch kein Reisender ein 
so reiches Material aus Japan nach Europa 
importirt, wie Maximowiez, und ist derselbe 
jetzt damit beschäftigt, eine ziemlich voll- 
ständige Flora Japan’s zu bearbeiten. 


Von Siebold machte schon im Jahre 
1823 im Auftrage des Barons van der Ca- 
pellen, General-Gouverneurs von Niederlän- 
disch-Indien, seine erste Reise nach Japan 
und führte damals zahlreiche Pflanzen Ja- 
pan’s in den Botanischen Garten in Buiten- 
zorg zu Java ein. Namentlich brachte er 
damals zum ersten Male massenhaft keim- 
fähige Samen des Theestrauchs nach Batavia 
und begründete dadurch die ersten Thee- 
pflanzungen in den Gebirgen Java's. Im 
Jahre 1825 gründete Siebold gleichfalls im 
Auftrage desBarons van der Capellen einen 
Botanischen Garten zu Decima in Japan, 
von dem sSiebold behauptet, er habe da 
schon im Jahre 1830 in demselben 1400 


XII. 1866. 


385 


Arten und Abarten Japanischer Pflanzen 
eultivirt. 


Nachdem Siebold im Jahre 1859 nach 
Japan zurückkehrte, erhielt er durch den 
Gouverneur von Nagosaki, Okab& Prinz 
von Souronga, die Erlaubniss ausserhalb 
des den Fremden eingeräumten Bezirkes 
in dem Thale Nurutaki ein Landhaus zu be- 
wohnen und dort gründete er einen neuen, 
der Cultur der Pflanzen Japan’s gewidme- 
ten Garten. Hr. E. Simon schätzt die Zahl 
der Pflanzenarten Japan’s, die Siebold da 
eultivirte auf 1200 Arten, — Herr Maximo- 
wiez, der Siebold dort gleichfalls besuchte, 
glaubt, dass der Garten nicht mehr als 3—400 
Arten enthalten habe. Jedenfalls sind aber 
aus diesen beiden Gärten Siebold’s eine 
Masse von Pflanzen Japan’s nach Europa 
eingeführt worden. Ebenso wurde nach 
den von Siebold gesammelten Materialien, 
von Siebold und Zuccarini nach Thun- 
berg die erste Aufzählung der Pflanzen Ja- 
pan’s gegeben. 


Mehr als 40 Jahre sind es, seitdem Sie- 
bold sich der Erforschung der Flora Japan’s 
zu widmen anfıng. Wir verdanken ihm in 
diesem langen Zeitraume die Entdeckung 
und theils auch die Einführung im lebenden 
Zustande einer Masse von neuen Arten. Bis 
vor wenigen Jahren war er der einzige, der 
die Schätze der Flora Japan’s uns Euro- 
päern bekannt machte. In der neuesten Zeit 
haben nun aber nach Siebold die reichen 
Schätze der Pflanzenwelt Japan’s die folgen- 
den Männer gesammeli: Aus Amerika 
Whright und die beiden Missionäre Wil- 
liams und Morrow, aus England Fortune, 
Oldfield, Veitch und Wilford, — aus Frank- 
reich der von der Pariser Akklimatisations- 
geselischaft dahin gesendete Simon, der 
aber sehr wenig mitgebracht hat, — aus 
Deutschland Wichura und endlich aus 
Russland C. Maximowiez und Dr. Albrecht. 
— Das Resultat dieser Sammlungen ist 
theilweis auch schon von Hooker, Lindley, 
Miquel, Asa Gray und Anderen veröffentlicht 
worden, vom Hrn. C. Maximowicz wird aber 
ausserdem eine vollständige Flora japonica 
bearbeitet. (E. R.) 

25 


386 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


V. Personalnotizen und Neuestes ete. 


1) Diederich Leonhard von 
Schlechtendal. Aus Halle geht uns die 
betrübende Nachricht zu, dass wieder einer 
der verdientesten Botaniker, der Professor 
von Schlechtendal am 12. October ge- 
storben ist. Wir können das Andenken die- 
ses würdigen Nestors im Kreise deutscher 
berühmter Botaniker nicht besser feiern, als 
indem wir einen kurzen Bericht über dessen 
literarische Thätigkeit geben, die den Namen 
unseres Landsmannes schon längst rund um 
die Erde getragen hat, 

Im Jahre 1819 schrieb derselbe sein er- 
stes Werk „„Animadversiones botanicae über 
Candolles Ranunculaceen.‘“ Im Jahre 1823 
veröffentlichte er seine „Flora brasilien- 
sis“. 

Im Jahre 1825 schrieb er ein von Ab- 
bildungen begleitetes Werk über Capische 
Farn unter dem Titel Adumbrationes plan- 
tarum erschienen. 

Im Jahre 1826 begann er die Heraus- 
gabe der Linnaea, einer Zeitschrift in 
zwanglosen Heften, die er bis zu seinem 
Ende fortführte und von der 33 Bände er- 
schienen sind. 1841 begann er die Heraus- 
gabe eines Illustrirten Werkes über die sel- 
teneren Pflanzen des Botanischen Gartens in 
Halle („Hortus Halensis ete.‘‘), das aber nach 
den ersten Lieferungen leider wieder ein- 
ging. — 

Im Jahre 1843 begann er die Heraus- 
gabe der wichtigsten deutschen Zeitschrift 
für Botanik, der von H. Mohl und Schlech- 
tendal herausgegebenen „Botanischen 
Zeitung“. 

Ausserdem benutzte E. Schenk Schlech- 
tendal’s Name, bei der Herausgabe einer illu- 
strirten Flora Deutschland’s, um diesem Un- 
ternehmen einen besseren Klang zu geben. 

Die zahlreichen Arbeiten in den ver- 
schiedensten Richtungen, legte v. Schlech- 
tendal in den beiden von ihm redigirten 
Zeitschriften nieder. Eine fast unermüdliche 
Thätigkeit, ein freimüthiges Urtheil und eine 
wahrhaft aufopfernde Liebe zur Wissenschaft 
zeichneten den Verewigten aus. 


Was sonst nur den vereinten Kräften 
von Gesellschaften, — oder durch Unter- 
stützung von Seiten der Regierung möglich, 
— das hat Schlechtendal in doppelter Rich- 
tung als Privatmann geleistet, indem er mit 
vielen Opfern und unermüdlicher Ausdauer 
als Privatmann 2 wissenschaftliche Zeitschrif- 
ten herausgab, von denen die eine (die Lin- 
uaea) Arbeiten von grösserem Umfange, die 
andere (die Botanische Zeitung) Arbeiten 
von geringerem Umfange brachte. Beides 
umfangreiche Zeitschriften, von denen die 
erstere in zwanglosen Heften, — die zweite 
wöchentlich mit 1 Bogen Text und Abbil- 
dungen bis zu seinem Tode erschienen ist. 
Möchten beide Werke weiter geführt wer- 
den!! 

So viel aufopfernde Thätigkeit hätte 
wohl der kräftigen Unterstützung verdient, 
und der Verewigte hat es oft bitter empfun- 
den , dass ihm bei seinen unablässigen Be- 
mühungen und Bestrebungen zur Förderung 
und Hebung der Wissenschaft in Halle die 
Mittel so karg geboten waren, und dennoch 
hat er allein so Grosses geleistet, weil sein 
Name das Panier geworden war, um das 
wissenschaftliche Thätigkeit sich schaarte. 

Zahlreich sind des Verewigten Schüler, 
zahlreich seine Verehrer und Freunde, — 
alle rufen ihm ein herzliches, Ruhe sanft, 
nach. Schlechtendal’s Andenken wird aber 
unter uns fortleben und unvergänglich steht 
sein Name in den Gedenktafeln der Wissen- 
schaft. (E. R.) 

2) Friedrich Adolph Haage*)jun., 
ist geboren zu Erfurt am 24. März 1796, 
Sohn des Gärtners und Samenhändlers Nico- 
laus Haage, trat am 1. Septbr. 1811 in die 
Lehre beim Hofgärtner Joh. Heinr. Seydel, 
im königl. Orangengarten zu Dresden und 
beendete seine Lehrzeit am 1. Septbr. 1814; 


*) Wir gaben die erste kurze Biographie 
auf Erinnerungen gestützt. Das jetzt fol- 
gende sind authentische, auf Zeugnissen be- 
ruhende Angaben. (E. R.) 


V. Personalnotizen. 


folgte noch in demselben Jahre dem Rufe 
seines Königs zu den Fahnen, trat als frei- 
williger Jäger ein und machte den Feldzug 
nach Frankreich mit. Nach dem Frieden 
war er mehrere Jahre als Gehülfe bei sei- 
nem Onkel Franz Anton Haage. Im Jahre 
1822 pachtete er sich einen kleinen Garten 
und begann sein Geschäft mit einem Kapi- 
tale von 100 Thaler. Im zweiten Jahre sei- 
ner Pachtung wurde ihm durch ein Hagel- 
wetter viel zerstört, durch Fleiss und Aus- 
dauer hatte er es aber bald dahin gebracht, 
sich ein eigenes Grundstück zu erwerben, 
welches er von Jahr zu Jahr durch Ankäufe 
vergrösserte. 

Er war Mitgründer des Erfurter Garten- 
bau-Vereins, dem er auch einige Jahre als 
Director vorstand, ebenso war er Mitglied 
des Erfurter Verschönerungs-Vereins und hat 
der damalige Direktor desselben der General 
(Excellenz) von Hedemann mit ihm zusam- 
men die Anlagen im Sieiger, die sogenann- 
ten Hedemann’s-Wege angelegt; ausserdem 
war er Ehren-, correspondirendes und wirk- 
liches Mitglied vieler Gartenbau- und Land- 
wirthschaftl. Vereine. Im Jahre 1846 erhielt 
er den rothen Adler-Orden 4. Classe. Vom 
Jahre 1860 finger anzu kränkeln und besonders 
das Asthma verhinderte ihn, seine gewohnte 
Thätigkeit fortzusetzen. Er besuchte 2mal 
Ems, um Linderung zu finden, jedoch ver- 
geblich. Obgleich er nicht bettlägerig war, 
kam er doch immer seltener in den Garten, 
in der letzten Zeit war er ganz an’s Zimmer 
gefesselt. Nur 3!1|, Tag lag er zu Bett, da 
erlöste ihn der barmherzige Gott von seinem 
langen Leiden, er starb in seinem 71. Le- 
bensjahre. Er hinterlässt 6 Töchter und 2 
Söhne. (Seine Gattin starb 7 Jahre früher 
und im vorigen Jahre ein Sohn im 30. Le- 
bensjahre.) Beide Söhne übernehmen das 
Geschäft unter Beibehaltung der alten Firma. 
Dieselben haben sich durch mehrjährigen 
Aufenthalt in England und Frankreich ihre 
Kenntnisse zu erweitern gesucht und werden 
sich bemühen, das alte Renomme& der Firma 
Friedr. Adolph Haage jun. aufrecht zu er- 
halten. 

Die besonderen Culturen waren Levko- 
yen, Goldlack, Astern, Oalceolarien, Cinera- 


387 


rien, von Levkoyen werden zum Samen ge- 
gen 50,000 Töpfe (in jedem Topfe 6—7 
Pflanzen) gezogen, Astern über 10 Morgen. 
Ausserdem enthalten die Gewächshäuser 
schöne Sammlungen besonders Cacteen, 
Agaven, Palmen, Dracaenen, Blattpflanzen, 
Pelargonien etc. 

Ehren-Mitglied des Mainzer Gartenbau- 
Vereines, 1. Juni 1840. 

Correspond. Mitglied der Gesellschaft 
Flora in Dresden, 7. April 1842, 

Gartenbau-Verein zu Stockholm, 9. Juli 
1844. 

Ehren-Mitglied des Thüringer Gartenbau- 
Vereins zu Gotha, 20 Juli 1831. 

. Correspond. Mitglied der Kurfürstl, Hes- 
sisch. Landwirthschaftl. Vereins zu Cassel. 
30. October 1841. 

Ordentl. Mitglied des Vereines für Blu- 
mistik und Gartenanlagen zu Weimar, 26. 
März 1830. 

Ehren-Mitglied des Erfurter Gartenbau- 
Vereins, 7. Februar 1862. 

Correspond. Mitglied der Frankfurter 
Gesellschaft zur Beförderung der nützlichen 
Künste und ihrer Hülfswissenschaften zu 
Frankfurt a. M., 19. April 1838. 

Mitglied der koninklyke Nederland’sche 
Maatschappy tot Aanmoedigung van den 
Tainboun zu Leyden, 18. Decbr. 1845. 

Wirkliches Mitglied des Erfurter Ver- 
schönerungs-Vereins, 15. April 1841. 

Wirkl. Mitglied des deutschen National- 
Vereins für Handel und Gewerbe zu Leipzig, 
18. August 1850. 

Ehren-Mitglied des Anhaltisch. Garten- 
bauvereins zu Dessau, 20. Januar 1864. 

Wirkl. Mitglied des Vereines zur Beför- 
derung des Gartenbaues in den Kgl, Preuss. 
Staaten zu Berlin, 11. Juni 1830. 

Correspondir. Mitglied des 
Gärtner-Vereines, 1. Februar 1844. 

Ehren-Mitglied der Altenburgischen Po- 
mologischen Gesellschaft, 22. Juni 1840. 

Mitglied der königl. botanischen Gesell- 
schaft zu Regensburg, 14. Mai 1842. 

Mitglied der Böhmischen Gartenbauge- 
sellschaft zu Prag. 

3) Aus Kaaden (Böhmen) wird die 
Nachricht gebracht (N. f. Presse 20. Septbr. 

25 * 


Leipziger 


388 


1866) dass heuer sehr viele Monstrositäten 
an den Blüthen und Früchten der Obst- 
bäume beobachtet werden. An den Aepfel- 
bäumen fand man sehr viele ganz gefüllte 
Blüthen; an mehreren Zwetschgenbäumen 
sind statt lange, ganze runde Früchte; die 
Frühbirnen jedoch zeigen die meisten Mon- 
strositäten. In den Kelchen der Früchte 
wuchsen ganze Büschel Baumblätter mit 
Fleischwülsten und mehrere Birnen über ein- 
ander heraus, man fand sogar Birnen, wel- 
che an sich Zweige mit Blättern trieben. 
Eine Merkwürdigkeit findet man auf der von 
Kaaden nach Wunnersdorf führenden Strasse 
an einer Allee von Obstbäumen. Eine grös- 
sere Anzahl davon ist unveredelt und mit 
Früchten bis zum Brechen der Aeste bela- 
stet, während die veredelten durch die Fröste 
so gelitten haben, dass nicht Eine Frucht 
zu sehen ist. Bereits fangen mehrere Obst- 
baumzüchter an, neben veredelten auch un- 


“ 


Gartenflora Deutschlands, Russlands und der Schweiz. 


veredelte Obstbäume zu ziehen, wozu sie 
Samen von edleren Sorten nehmen. Die 
Erfahrung hat gelehrt, dass unveredelte 
Bäume auch brauchbare, ja edie Früchte 
liefern und gegen ungünstige Witterung wi- 
derstandsfähiger sind. (S-r.) 

4) In einem Debrecziner Weingarten 
trägt ein Pfirsichbaum heuer zweite Früchte, 
welche bereits zur Grösse einer Haselnuss 
gediehen sind. 

(Pest. Lloyd 2. Octbr. 1866.) 

5) Nachschrift zu den Mittheilungen über 
Sämlinge von Helleborus im Mai-Heft der 
Gartenflora.. Vom Professor August Schlei- 
cher in Jena. 

Unter meinen Sämlingen von Hellebo- 
rus antiquorum Al. Braun ist wiederum eine 
neue Varietät znm Vorschein gekommen, 
nämlich Hell. Antiquorum punctulatus 
albus. Das Unterscheidende dieser Varietät 
ergiebt sich aus dieser Benennung. 


Register 


1) Abbildungen. 


Almeidia rubra St. Hilaire Taf. 512. 
Anthurium magnificum Linden Taf. 508. 
— pedatifidum Rgl. et Linden. Taf. 501. 
— reflexum h. Par. Taf. 519. 
Artemisia Stelleriana Bess. Taf. 498. 
Asperula azurea Jaub. et Spach $. setosa 
Rgl. Taf. 523. Fig. 4. 


Baumscheere von Lecointe pag. 28. 

Billbergia Liboniana Lem. Taf. 514. 

Bletia hyaecinthina R.Br. fol. albo -striatis 
Sieb. Taf. 527. 

Bossiaea Hendersonii Hort. Taf. 523. Fig. 3, 
dige: 

Bromelia fastuosa Lindl. var. Bergemanni Rgl. 

Taf. 493. 


Calathea Warscewiezii Kl. Taf. 515. 

Calliopsis tinetoria Nutt. Taf. 506 Fig. 8. 9. 

Calypso borealis Salsb. Taf 523. Fig. 1—2, 
a—c. 

Coreopsis auriculata L. y. pubescens Asa 
Gray. Taf. 506 Fig. 1—4. 

— coronata Hook. Taf. 506 Fig. 5—7. 
Corydalis Marschalliana Pers. Taf. 511 Fig. 1. 


Daphne Genkwa Sieb. et Zuce. Taf. 499. 
— jezo@nsis Maxim. Taf. 496. Fig. 1—3. 
Dibrachion peltatum Rgl. Taf. 504, 


Echidnium Spruceanum Schott. Taf. 503. 
Eupatorium riparium Hort. Taf. 525. 


Franciscea calycina Benth. Taf. 502. 


Gardenia Maruba Sieb. Taf. 494 Fig. 1—4. 
Gonatostemon Bouch&anum Rgl. Taf. 526. 
Grammatosorus Blumeanus Rgl. pag. 335. 


Hängevasen für Zwiebelbouquets. pag. 213. 
Helleborus caucasicus A: Br. var. abchasicus 
Rgl. Taf. 496. Fig. 4. 
Hemerocallis fulva L. var. Kwanso Taf. 500. 
— Middendorffii Trautv. et Mey. Taf. 522. 
Hippomane Mancinella L. Taf. 510. 
Hydrangea japonica Sieb. et Zucc. d. macro- 
sepala Taf. 520. 
— stellata Sieb. et Zucc. var. prolifera 
Taf. 521. 
Hypericum patulum Thbre. Taf. 513 Fig. 1.2. 
Hypophyllanthus Lindeni Rgl. Taf. 507. 


Jacquinia mexicana H. Petrop. Taf. 505. 
Fig. 1. 


Iris chinensis Curt. Taf, 511 Fig. 2. 3. 


Oeceoclades falcata Thbg. pag. 69. 
Orchis foliosa Soland. Taf. 509. 


390 


Platyerater arguta Sieb. et Zuce. Taf. 516. 


Register. 


Seutellaria aurata Lem. Taf. 524. 


Pyrethrum carneum M.B. Varietäten. Taf. | Sedum japonicum Sieb. Taf. 513 Fig. 3. 4. 


494. Fig. 5—8. 


— Maximowicezii Rgl. Taf. 528. 


Rhododendron Aucklandi Hook. fil. Taf. 517. | Tetratheca ciliata Lindl. Taf, 497. 


Rhodotypus kerrioides Sieb. et Zuce. Taf. 


505 Fig. 2. 3. 
Rumex scutatus L. var. glaucus pag. 30. 


Sauromatum pedatum Schott Taf. 495. 


Vriesia brachystachys. Taf. 518. 


Weinrebe nach Hooibrenk’s Culturmethode 
pag. 90. 


2) Pflanzen, welche beschrieben oder besprochen worden 
sind. 


Abronia fragrans Nutt. 83. 
Abutilon megapotamicum St. Hil. 60. 
— vexillarium E. Morr. 58. 60. 


Acer polymorpkum fol. dissectis roseo-mar- 


ginatis Sieb. 24. 
Achyranthes pieta Pass. 113. 
Acontias diversifolius Rgl. et Linden 68. 
Acrostichum Marantae L. 139. 

—  septentrionale L. 140. 
Adelia Acidoton L. 359. 

—  ovata 359. 

— spinosa 359. 
Adiantum Capillus Veneris L. 139. 

— erectum proliferum 147. 

— Farleyense 147. 268. 

— Moritzianum Lk. 139. 

— pedatum L. 159. 


Agrostemma coeli rosa nana fimbriata 175. 


Allamanda Hendersoni h. Angl. 178. 
Allium ursinum 325. 

Allosorus crispus Bernh. 139. 
Almeidia macropetala F. et M. 195. 

— rubra St. Hilaire 195. 
Alstroemeria densiflora Herb. 23. 
Althernanthera paronychioides Kl. 113. 

—  sessilis R.Br. var. amoena 81. 113. 

— spalthulata Lem. 59. 

— variegata Hort. 114. 

Amarantesia brasiliensis Hort. 114. 
Amaryllis Gartenvarietäten. 211. 
Amelanchier Botryapium 339. 
Amorphophallus campanulatus Blum. 209. 


Amorphophallus nivosus Lem. 57. 340. 
Ancylogyne longiflora Hook. 377. 
Anemone fulgens 146. 
Angraecum Chailluanum Hook. 377. 
Anoeeochilus Turneri 146. 
Anthurium grande Hort. 265. 

— magnificum Hort. 265. 
Linden 162. 

— pedatifidum Rgl. et Linden 66. 

— reflexum h. Par. 259. 

— _regale Lind. 265. 

Angraecum sesquipedale Aub. Du Petit’ Th.308. 
Aphelandra ornata T. Anders. 83. 
Aplotaxis gossypina DC. 59. 

Arctotis acaulis L. y. undulata DC. 174. 

— breviscapa 174. 

Areca Verschaffelti 340. 
Armeniaca Mume 383. 

Arnica montana Hortul. 175. 
Artemisia Stelleriana Besser. 36. 

— villosa 36. 

Arum campanulatum Roxb. 209. 

— pedatum Lk. et Otto. 3. 
Asparagus medeoloides Thrbg. 343. 
Asperula azurea Jaub. et Spach. ß. setosa 

Rgl. 323. 
Aspidium acrostichoides Sw. 141. 

— aculeatum Sw. 141. 

— alpinum Sw. 142. 

—  Blumei h. Booth. 336. 

— Braunii Spenner. 142, 

— bulbiferum Sw. 142. 


Register. 


Aspidium ceristatum Sw. 141. 
—  decursive-pinnatum Knze. 139. 
—  dilatatum Sw. 141. 
— Filix mas Sw. 141. 
— fragile DC. 142. 
— Goldieanum. 142. 
— Halleri W. 140. 
— lobatum Sw. 142. 
— Lonchitis Sw. 141. 
— Oreopteris Sw. 141. 
— podophyllum Hook. 141. 
— rigidum Sw. 141. 
— sSieboldii Hort. 141. 
spinulosum Sw. 141. 
— tenue Sw. 142. 
— Thelypteris Sw. 141. 
Asplenium Adiantum nigrum L. 140. 
flabellatum 147. 
—  alternifolium Wulf. 140. 
—  Breynii Retz. 140. 
— Filix foemina Bernh. 140. 
— germanicum Weis 140. 
— BHalleri Br. 140. 
lanceolatum Huds. 140. 
marinum L. 140. 
Ruta muraria L. 140. 
—  septentrionale Sw. 140. 
— Trichomanes L. 140. 
ineisum triangulare 147. 
— viride Huds. 140. 
Astrocaryon aureo-pictum H. Versch. 58. 
— Borsigianum K. Koch. 58. 60. 
Athyrium Filix foemina Koth. 140. 
Applebyana 148. 
eurtum 147. 
Aucuba japonica Thnbrg. 211. 
macrophylla 114. 
Azalea indica var. Charles Van Eckhaute 25. 
Grande Duchesse de Bade 57. 
var. Präsident Van den Heeke 24. 
punctulata V. Houtte 212. 
omnicolor. 212. 
var. Reine des Pays-bas. 308. 
vittata Bealii 245. 
Batemannia grandiflora Rchb. fil. 247. 
Bauhinia tomentosa L. var. glabra. 246. 
Begonia baccata Hook. 245. 
— geranioides Hook. 343. 
— incarnata Otto et Dietr. var. purpu- 
rascens Rgl. 358. 


391 


Begonia Pearcii Hook. 83. 267. 
— subpeltata Hortul. 359. 
Bertolonia guttata Hook. 83. 
— margaritacea 115. 
Bigarreau de la Caserne 309. 
Bignonia argyreo-violascens Hort. 148. 341. 
Billbergia Glymiana De Vriese 342. 
— Liboniana Lem. 225. 
— pallescens C. Koch. 83. 
— purpurea Van Houtte 356. 
Blechnum boreale Sw. 140. 
— Spieant Roth. 140. 
undulatum 147. 
Bletia Gebina Lindl. 355. 
— hyacinthina R.Br. 354. 
Rchb. fil. 354. 
R.Br. fol. albo-striatis Sieb. 354 
R.Br. var. Gebina Bl. 355, 
Boisduvalia Douglasii Spach. 174. 
Bomarea densiflora Herb. 23. 
Borya ligustrina 359. 
— retusa Lk. 359. 
Bossiaea Hendersonii Hort. 322. 
Botrychium Lunaria Sm. 142. 
—  virginicum Sw. 143. 
Bougainvillea spectabilis var. 
Angl. 341. 
Bromelia fastuosa Lindl. var. Bergemanni 
Rgl. 1. 
tristis Beer 356, 
Browallia Czerwiakowskyana 174. 
-—- pulchella 174. 
viscosa H. B. K. 174. 
Brunfelsia calycina Benth. 97. 
Bryonopsis laciniosa var. erythrocarpa Naud. 
58. 
Caladium bicolor var. Duc Adolphe de Nas- 
sau 58. 
Calathea splendida H. Versch. 341. 
— tubispatha D. Hook. 82. 
—  Veitchiana J. Veitch. 81. 
— Warscewiezi Kl. 227. 
Körn. 227. 
Calceolaria hyssopifolia Humb. Bonpl. K. 177. 
Caliphruria Hartwegiana Herb. 67. 
Calliopsis bicolor Rchb. 132. 
—  tinetoria Nutt. 131. 
Callirho& pedata A. Gray 174. 
pumila 175. 
Calypso borealis Salsb. 321. 


— 


lateritia h. 


392 


Camellia Adriana 81. 
Archiduc: Etienne 58. 
Clodia. 308. 
Dionisia Poniatowsky. 178. 
Giuseppe Biari 58. 
— japonica var. Corradino 25. 
Reine des Beautes 114. 
tricolor imbricata plena 26. 
— planipetala 57. 
— Roma Risorta 341. 
Campanula linifolia Lam. var. soldanellae- 
flora plena 175. 
Capsicum microphyllum 175. 
pendulum W. 175. 
Cattleya hybrida pieta 146. 
Pilcheri (Veitch) 114. 
Cerasus nicotianifolia 309. 
— pendula Sieb. 383. 
Cereus giganteus Engelm. 61. 
Ceterach Marantae DC. 139. 
offieinarum Willd. 139. 
Chamaeranthemum Beyrichii Nees 8. varie- 
gatum. 246. 
Cheilanthes odora Sw. 139. 
Chrysanthemum carnosulum DC. 175. 
— indicum fl. roseo-albo punctato 26. 
Chytroglossum Maria Leonis 114. 
Clarkia elegans Dougl. var. fl. semipleno 
175. 


splendens 175. 
Cleome muricata 175. 
pentaphylla L. 175. 
Clianthus Dampieri 196. 
Codonopsis gracilis Hook. fill. et Thom. 27. 
Collinsia bicolor Benth. 175. 
corymbosa 175. 
Colocasia longiloba 115. 
Comparettia coceinea Lindl. 308. 
Coreopsis aurieulata L. y. pubescens Asa 
Gray. 130. 

— coronata Hook. 131. 

— Drummondi Torr. et Gr. 175. 
grandiflora 175. 
Corydalis Marschalliana Pers. 193 
Crataegus sanguinea Pall. 339. 
Cupressus Lawsonia Murray 342. 
Cyperus alternifolius fol. variegatis 305. 
Cypripedium barbatum grandiflorum 58. 
concolor Batem. 59. - 
— Crossü 84. 


Register. 


Cypripedium Hookerae Rchb. fil. 24. 

insigne 84. 

Wall. var. Maulei 24. 
— laevigatum Batem. 114. 
— Veitehianum Hort. 57. 

Cystopteris alpina Desv. 142. 

bulbifera Bernh. 142. 

fragilis Bernh. 142. 

— obtusa Prsl. 142. 

regia Prsl. 142. 

— tenuis Schott. 142. 


— — 


Dahlien, neue. 115. 147. 
Daphne Genkwa Sieb. et Zuce. 65. 
— jezoönsis Maxim. 34. 
— kamtschatica Maxim. 34. 
— Pseudo-Mezereum F. Schmidt. 34. 
A. Gray 34. 
Davallia Novae Zealandiae Hook. 142. 
Delphinium grandiflorum L. $. ehinense DC. 
175: 
— sinense nanum 175. 
Dendrobium dixanthum Rchb. fil 247. 309. 
— Johannis Rchb. fil. 82. 
— Mac Carthle 146. 
Tattonianum 146. 
Desmodium penduliflorum Oudemans. 340. ' 
Dianella tasmannica Hook. 178. 
Dianthus chinensis laciniatus. 81. 
—  cireinatus 81. 
multiflorus Hort. var. Emile Pare. 245. 
Dibrachion peltatum Rgl. 100. 
Dichorisandra musaica Lind. 265. 
Dieksonia adiantoides Humb. 42 
einnamomer 147. 
— Youngii Moore 114. 
Dicffenbachia gigantea A. Versch. 308. 
Diervilla-Arten 383. 
Dipladenia nobilis Ch. Morren. 57. 
Dischidia Rafflesiana Wall. 59. 
Disemma coceinea DC. 84. 
Doodia virginica Prsl. 140. 
Dracaena medeoloides L,. fil. 343. 
Dracontium asperum C. Koch. 340. 
Duranta Plumieri Jaeqg. var. fol. aureo-varie- 
gatis 67. 


— u — 


_— 


Echidnium Spruceanum Schott. 98. 
Epidendron myrianthum Lindl. 245. » 
Epiphora pubescens Lindl. 377. 


Register. 


Eranthemum elegans Nees. 23. 
—. sanguinolentum Hort. 26. 
Erica fragrans 146. 
Ericinella Mannii Hook. 307. 
Eriopsis rutidobulbon 146. 
Erythrochiton hypophyllanthus Pl. et Linden 
132. 
Eucharis grandiflora 370. 
Eucodonopsis naegelioides V. Houtte 210. 
Eudianthe coeli rosa Rchb. var. fimbriata 
175. 
Eulophia euglossa Rchb. fil. 246. 
— virens Lindl. 342. 
Eupatorium riparium Hort. 324. 
Euphorbia Monteiri Hook. 24. 
Evonymus gracilis h. Sieb. 261. 
— — fol. argenteo-variegatis h. Sieb. 
261. 
—  japonicus 
261. 


Thnbrg. varieg. typieus. 
. argenteo-variegatus 261. 

. aureo-variegatus 261. 

. erispus. 261. 

. gracilis 261. 

. macrophyllus. 261. 

ovatus. 261. 

. sulphureo-variegatus. 261. 

'. radicans 261. 

. radicans viridis. 261. 
reticulatus. 261. 

tricolor. 261. 

h. Sieb. 261. 

fol. argenteo-marginalis van Houtte 


var. 
var. 
—  radiceans 


261.0: 
— — fol. aureo-pictis h. Van Houtte. 
261- 
— — var. pietus Hort. 261. 
— -— roseo-marginatus h. Mack. 261. 
Fernandezia robusta Batem. 378. 
Ficus Carica L. var. du chäteau Kennedy 
308. 
— Suringari H. Witte, 340. 
Franciscea calycina Benth, 97. 
— Lindeniana Pl. 84. 
Fremontia californica Torrey. 377. 
Fuchsien, neue 147. 


Galeottia grandiflora Rich. et Gal. 247. 
Galipea ovata Hort. Petrop. 358. 


393 


Galipea Riedeliana Rgl. 358. 
Gardenia Maruba Sieb. 2. 
Gaylussacia Pseudovaceinium Hortul. 357. 
Gilia capitata Sims. 175. 

— Jutea Steud. var. brunnea 175. 

— species californica 175. 
Gladiolus Papilio Hook. 247. 
Gnaphalium lanatum Hort. 357. 
Gonatostemon Bouch&anum Rgl. 353. 
Grammatosorus Blumeanus Rgl. 335. 
Gymnogramme Ceterach Spr. 139. 

— Parsonii 146. 
Gymnostachyum Verschaffeltii Lem. 26. 
Gypsophila muralis L. var. serotina 175. 


Habranthus fulgens Hook. 246. 308. 
Haemanthus incarnatus Burch. 23. 
Helianthus salieifolius O. et. Diet. 199. 
Helichrysum elegans 175. 

— petiolatum DO. 357. 

— rupestre Raf. 175. 
Helleborus antiquorum Al. Br. var. flore 

albo 155. 

— antiquorum Al. Br. var. punctulatus 
155. 
caucasicus A.Br. var. abchasicus 
Hemerocallis Dumortieri Morr. 292. 

— Middendorfii Trautv. et Mey. 292. 

— sSieboldi H. Siebold. 292. 

— fulva L. var. Kwanso 66. 
Hepatica angulosa Lam. 59. 
Herniaria glabra L. 350. 

— hirsuta L. 350. 

— incana Lam. 350. 

— odorata Andrz. 350. 
Hesperis matronalis fl. pleno. 255. 
Hibiscus Moscheutos 318. 
Hippomane Mancinella L. 163. 
Hoplophytum calyculatum Morr. 83. 
Hydrangea japonica Lindl. 290. 

var. caerulea Hook. 290. 
Sieb. et Zuec. e. caerulescens. 290. 
fol. albo-variegatis Fl. d. s. 290. 
8. Lindleyi 289. 

et Zucc. d. macrosepala 


33. 


Sieh! 
n. plena 290. 
roseo-alba Van Honutte 


— _—— — Y: 


Sieb. et Zuec. «. typica 289. 


394 


Hydrangea japonica Sieb. et Zuce. Z. varie- 


gata 290. 


Register. 


Lomaria Spicant Desv. 140. 
Luisia Psyche Rchb. fil. 246. 


— stellata Sieb. et Zucc. var. prolifera | Lupinus albococcineus 175. 


291. 
Hymenophyllaeeen 221. 


Hyophorbe Verschaffelti H. Wendl. 340. 


Hypericum patulum DC. 195. 
— — Thbrg. 195. 
— Uralum Don. 195. 


Hyphaestes sanguinolenta Hook. 27. 


Hypoderris Braunii J. Sm. 142. 
Hypoestes sanguinolenta Hook. 84. 
Hypophyllanthus Lindeni Rgl. 132. 


Jacquinia mexicana H, Petrop. 129. 


Jeilium tricolor Hort. 114. 
Jonopsis paniculata Lindl. 82. 


Iriartea exorrhiza Mart. 58. 

Iris chinensis Curt. 194. 
— fimbriata Tratt. 194. 

Ismelia coronopifolia 175. 


Kleinia tulgens Hook. 377. 


Laelia grandis Lindl. 245. 

— Lindleyana Rchb. fil. 114. 
Lagochilium ornatum N. ab E. 83. 
Lankesteria Barteri Hook. 23. 
Lantanen, neue 178. 

Lastraea cristata Prsl. 141. 

—  dilatata Prsl. 141. 

— Filix mas Prsl. 141. 

—  Oreopteris Prsl. 141. 

— podophylla Sm. 141. 
 — rigida Prsl. 141. 

— spinulosa Prsl. 141. 

— Thelypteris Prsl. 141. 
Leontodon hispidum L. 175. 
Leptosiphon hybridum 175. 
Lilium auratum 368. 

— giganteum 78. 
Limodorum faleatum Thbrg. 69. 
Liparis atropurpurea Wight. 23. 
J.obelia nicotianaefolia Heyne 377. 

— ramosa Snowflake 148. 
Lomaria alpina Sprgl. 140. 

—  Bellii 148. 

—  chilensis Sprgl. 140. 

— L’Herminieri 114. 


—  Barkeri Lindl. 175. 

—  cealifornicus 175. 

— Dunetti atroviolaceus 175. 

— elegans H.B.K. var. Dunetti. 175. 

— — HB«K. var. hybridus 175. 

— Hartwegiü Lindl. 175. 

—  venustus tricolor. 175. 
Lycopodium clavatum L. 142. 


Malus floribunda Sieb. 27. 
Maranta splendida 341. 

— striata Hort. Veitch. 25. 

— Veitchii 81. 266. 

— Warscewiezii Fl. des serres. 227. 
Meeonopsis nepalensis DC. 376. 
Mesembrianthemum acinaciforme L. 82. 
Miconia flammea 115. 

Mierolepia Novae Zealandiae J. Sm. 142. 
Miltonia anceps Rchb. fil. 308. 
—  cereola Lem. 81. 
Mimulus duplex Andersoni 146. 
— — National 146. 
Musa Cavendishii Paxt. 222. 
—  chinensis Sweet. 222. 
Mussaenda luteola Lindl. 308. 
Myrica ceritera 51. 
Myrsiphyllum angustifolium Mill. 343. 
— asparagoides Willd. 343. 


Nemophila atomaria Fisch. et Mey. var. dis- 
coidalis 175. 

— insignis Benth. var. striata 176. 

— maculata Benth. 176. 

— -—- var. purpurea 176. 
Nephrodium aecrostichoides Mx, 141. 
Nicotiana suaveolens Lehm. 176. 

—  vincaeflora 176. 

Nidularium agavifolium Hort. Turic. 356. 

— marmoratum h. Mack. 356. 

— triste Rgl. 356. 

Nigella hispanica L. var. alba 176. 

— — -— var. atropurpurea 176. 
Nolana atriplieifolia Don. 176. 

— lanceolata 176. 

Notholaena Marantae R.Br. 139, 


Odontoglossum Alexandrae Batem. 148. 


Register: 


Odontoglossum anceps Kl. 308. 
—  bietonienseLindl. var. splendens Lem. 
81. 

—  Bluntii 146. 

— gloriosum 115. 

— Lindleyanum 115. 

— nobile Rchb. fil. 212. 
Pescatorei Eind. 212. 
splendens 114. 

— radiatum 148. 
Oenothera amoena Lehm. y. 

Doug]. 176. 

Lehm. „. rubicunda plena 176. 
— bistorta Nutt. 176. 
densiflora Lindl. 174. 
Oeceoclades falcata Thbg. 69. 

— Lindleyi 70. 
Oncidium candidum Lindl. 177. 
Onoclea obtusilobata Prsl. 140. 

— sensibilis L. 140. 

Onychium japonicum Knze. 142. 
Ophioglossum vulgatum L. 142. 
Orchis falcata Thbg. 69. 

— foliosa Soland. 161. 
Osmunda regalis L. 142. 


Lindleyana 


Pachypodium suceulentum A. DC. 82. 
Palafoxia Hookeriana Torr. et Gray 177. 
texana Hook. 177. 
Palumbina candida Rchb. fil. 177. 
Pandanus flabelliformis Carr. 269. 

— Veitchii 269. 
Papaver paniculatum Don. 376. 
Parochetus communis Hamilt. 26. 
Pelargonien, neue 147. 

—- Scarlet- 115. 
Pelargonium glaucifolium Hortul. 356. 
Thibautii Rgl. 356. 
Peperomia marmorata Hook. 307. 
Peristrophe lanceolaria Nees. 247. 
Phalaenopsis cornu-cervi Rchb. fil. 307. 
Schilleriana Rchb. fil. 23. 
major 114. 
sumatrana Korthals 23. 

— zebrina Teysm. 23. 
Philadelphus undulatus A. Musc. 48. 
Phoenicophorium sechellarum H.Wendl. 58.60. 
Phrynium Warscewiczii Kl. 227. 
Physematium obtusum Knze. 142. 
Phytolacca dioica L. 213, 


395 


Planera Kiaki 384. 
Platycrater arguta Sieb. et Zucc. 229, 
Polychilos cornu-cervi Kuhl van Hass. 307. 
Polypodium aculeatum L. 142, 
calcareum Sm. 139, 
— ceristatum L. 141. 
— Dryopteris L. 139. 
— Filix foemina L. 140. 
— Filix mas L. 141. 
fragile L. 142. 
— fragrans L. 139. 
— Lonchitis L. 141. 
— Oreopteris Ehrh. 141. 
— Phegopteris L. 139. 
— rigidum Hoffm. 141. 
— Robertianum Hoffm. 139. 
Thelypteris L. 141. 
— tripartitum 147. 
— vulgare L. 139. 
— vulgare ramosum 147. 
Polystachia pubescens Rchb. fil. 377. 
Polystichum acrostichoides Schott. 141. 
— aculeatum Roth. 142. 
angulare Bayllae 147. 
caudatum 148. 
parvissimum 148. 
— eristatum Roth. 141. 
—  dilatatum DC. 141. 
— Lonchitis Roth 141. 
— Öreopteris DC. 141. 
— rigidum DC. 141. 
spinulosum DC. 141. 
Primula chinensis Glen-Eyre. 114. 
kermesina splendens nana 114 
Stewarti 114. 
— cortusoides L. var. amoena Hook.23. 
267. 
Prunus Mume 383. 
— Pseudocerasus 383. 
Pteris aquilina L. 139. 
— cretica L. 139. 
— _crispa All. 139. 
— flabellata ascensionis 147. 
— serrulata L. 140. 
Pultenaea cluitisefolia Rgl. 359. 
Pyenopteris Sieboldii Moore 141. 
Pyrethrum carneum MB. Varietäten. 3. 375. 
(Chrysanthemum) sinense Cass. Lili- 
but-Varietäten 81. 
Pyrus floribunda Sieb. 50. 


_— 


396 - Register. 


Quercus cuspidata 383. Sphenogyne crocea 176. 

— dentata 383. — speciosa Maund. 176. 

—  glabra 383. — versicolor 176. 

Spiranthes Lindleyana Lk. Kl. Otto. 858. 
Raphanus caudatus 371. Stachytarpheta bicolor J. Hook. 81. 
Regelia magnifica Hort. 60. Stachyurus praecox 384. 

— majestica Hort. 60. Statice Bonduelli Lestib. 176. 

— princeps Hort. 60. Stevensonia grandifolia J. Duncan 58. 60. 
Rhagiopteris obtusilobata Prsl. 140. — viridifolia Duncan 60. 
Rhododendron Aucklandi Hook. fil. 257. Struthiopteris germanica W. 139. 

— Duchesse de Nassau 81. Stuartia grandiflora 384. 

— Hodgsoni Hook. fil. 245. Syringa chinensis 374. 


— var. Madame Van Houtte ‚210. 

— salmono-roseum 58. 

Rhodotypus kerrioides Sieb. et Zuec. 130. 
Rhopala corcovadensis Hort. 54. 

— Pohlii? y. multijuga Meissn. 55. 
Rhus Toxicodendron 319. 

Ribes rigens Hort. non Mx. 50. 

— subvestitum ? Hook. et Arn. 50. 
Robinia Pseudacacia L. var. Decaisneana 57. 
Rogiera gratissima Planch. et Lind. 25. 
Rosa hybride remontante Empereur du Me- 

zique 58. 

— Thea Mar£chal Niel 308. 

— tomentosa Sm. 361. 

Rumex scutatus L. var. glaucus 30. 


Tacsonia Van-Volxemii Lem. 308. 
Taraxacum Dens leonis 336. 
Telanthera Bettzichiana Rgl. 113. 
— fieoidea Mog. Tand. var. versicolor 
58. 
—  pieta ©. Koch. 113. 
— polygonoides 113. 
Tetratheca ciliata Lind]. 35. 
Thibaudia cordifolia Humb. Bonpl. Knth. 
246. 
— jessicae Hook. 177. 
Tillandsia xiphioides Ker. 246. 
Tradescantia undata Lind. 265. 
Trichinium Manglesii Hook. 147. 341. 
Triehopylia Turialvae Rchb. fil. 178. 
Tripteris cheiranthifolia C. H. Sch. Bip. 
176. 


Sanvitalia procumbens fl. pleno. 78. 
Sauromatum pedatum Schott. 3. 
Scarlet-Pelargonien 115. 

Scilla Cooperi Hook. 342. 
Scolopendrium officinarum Sm. 140. 
Seutellaria aurata Lem. 323. 


Selaginella denticulata Hort. 142. , iorH Rehb. fil: 210 
© JopekensiätMerkina Vanda suavis Hrubyana Rchb. il. e 


— Martensii Sprgl. 3. variegata h. Mack. Verbena hybrida Nec plus ultra. 117. 
349, — — var. populaire 58. 
—  pulchella coerulea 176. 
— tenera Spr. 176. 
Verschaffeltia splendida A. Wendl. 58. 60. 
Vesicaria grandiflora 176. 
— sinuata Poir. 176. 
Vieia Pseudocracca Bertol. 176. 
—  tricolor 176. 
Violet the Czar 114. 
Vriesia brachystachys 258. 


Ulmus Kiaki 384. 


Vaccinium Thibautii Rgl. 357. 


Sedum japonicum Sieb. 196. 

— Maximowiezii Rgl. 355. 
Sida megapotamica Spr. 60. 
Smilax macrophylla maculata 58. 

— ornata Lem. 58. 

Solandra grandiflora 313. 
Solanum heterogonum 176. 

— Petrocaulon Dun. 176. 
Sonchus Saundersii 114. 

Sparaxis pulcherrima Hook. 245. 
Sphaerostigma bistortum Walp. 176. Warscewicziella velata Rchb. fil. 342. 
Sphenogyne anthemoides R.Br. 176. Wellingtonia gigantea 213. 


Register. 


Welwitschia mirabilis Hook. 311. 
Woodsia hyperborea Br. 143. 
ilvensis Br. 143. 


397 


| Woodwardia angustifolia Sm. 140. 


— onocleoides W. 140. 
— virginica Sw. 140. 


3) Sachregister. 


Amelanchier Botryapium als Heckenpflanze 
339. 

Anzucht der Blumenzwiebeln 105. 

Syringa chinensis zur Blumen- 
treiberei 374. 

Aepfel, rother Stettiner 283. 

Apfelsorten, empfehlenswerthe 284. 

Aquarien von Meerpflanzen 309. 

Asche als Rasendüngung 247, 

Ausstellung, internationale, zu London 32. 
96. 128. 237. 263. 362. 

Auswahl von Pflanzen für wissenschaftliche 
Zwecke 118. 149. 179. 214. 248. 274. 


Bärlauch als Gartenpflanze 325. 

Bäume, Erziehung derselben ohne Pfähle 
282. 

Baumscheere von Lecointe 27. 

Befruchtung, die Hooibrenk’sche 20. 

Begiessen der Topfpflanzen, eine ungewöhn- 
liche Art 248. 

Bericht der Schlesischen Gesellschaft für va- 
terländische Cultur. 222. 

— über die internationale Gartenbau- 

ausstellung in London. 237. 263. 362. 

Berichtigungen einiger schönblühenden ein- 
jährigen Pflanzen 174. 

Berliner Culturen 105. 164. 

Bernsteinfund in Schlesien 347. 

Beschneiden der Zweige und Wurzeln 144. 

Blühende Rhopala 54. 

Blumenausstellung des Gartenbauvereins in 
St. Petersburg 190. 

Blumenkohl, Cultur desselben in St. Peters- 
burg 271. 

Blumenzwiebeln, Anzucht derselben 105. 

Blutlaus 284. 

Botanischer Garten zu Calcutta, Verwüstun- 
gen daselbst 148. 

in Grenoble 28. 

in Rom 360. 


Buntblätterige Spielarten, Erhaltung dersel- 
ben 305. 


Caladien, Cultur derselben 19. 

Colonie Angola 310. 

Oongressgedanken 201. 

Coniferen, in Mitteldeutschland vollkommen 
harte 183. 

Conserven, Anfertigung derselben 314. 
Copulation im Herbste und über den Erfolg 
von Frühjahrsveredelungen 312. 

Cultur der Anoecochilus 84. 

— des Blumenkohls in St. Petersburg 
271. 
der Bromeliaceen an Baumstämmen 
226. 
— —  buntblätterigen Scarlet-Pelargo- 
nien 230. 
Caladien 19. 
Cypripedium insigne 84. 
— des feineren Zwergobstes in einem 
ungünstigeren K ima 217. 
der Franeiscea-Arten 306. 
gefüllten Nachtviole 255. 
Gurken in Russland 89. 
— von Lilium giganteum 78. 
der Rosen des Herrn Metz 185. 
rothen Bataten 29. 
Sanvitalia procumbens fl. pleno 


78. 
— — Solandra grandiflora 313. 
Topfrosen des Herrn Hofgärtners 
Freundlich 133. 
— Trüffeln 217. 
Zwerg-Banane 222. 
und Verwendung der Myricaceen 5l. 
Culturen, Berliner 105. 164. 
um Palermo 278. 
Culturformen, unnatürliche 262, 


E38 
m 


Düngen im Herbste 29. 


398 


Dünger des Baron Chartier 224. 


Einmachen von Früchten 317. 

Erdbeeren, Treiberei derselben 28. 

Evonymus japonicus Thbrg. und dessen Ab- 
arten 260. 

Expedition zur Erforschung Südamerika’s 
287. 


Farn des freien Landes 137. 
Fichte, Rothfäule derselben 188. 
Flora der Permischen Formation 378. 


Gärten, Beiträge zur Geschichte derselben 
279. 

Gartenbau-Akademie in Chiswick 178. 

-Ausstellung in Erfurt am 9—17. Sep- 

tember 1865. — 4. 

-Verein in Cöthen 126. 

—, Zustand desselben in Japan 381. 

-Gesellschaft in Wien 127. 

Gartenzierpflanzen, ungewöhnliche 300. 

Gärtnerei in Berlin und Potsdam, Geschicht- 
liche Notizen über die Entwicklung 
derselben 294. 326. 

Gehölze, neuere oder seltenere, blühende, 
des Arboretum zu Mnskau 50. 
Gemüsearten, Bericht über den Anbau eini- 
ger, im K. botanischen Garten zu St. 

Petersburg 205. 


Gerberlohe als Bodenverbesserungsmittel 
254. 

Geschichte der Gärten, insbesondere in Schle- 
sien 279. 


Geschichtliche Daten des Obstbaues 255. 

Notizen über die Entwicklung der 

Gärtnerei in Berlin und Potsdam 294. 

326. 

Geschlechtsthätigkeit der Pflanzen 190. 

Gewürzampfer 30. 

Giftpflanzen aus der Familie der Legumino- 
sen 285. 

Giftsumach 319. 

Gurkencultur in Russland 89. 

Gurkentreiberei 90. 


Hagebutten für kalte Klimate 361. 

Haideerde, ihre Fundorte, Stellvertreter und 
Verwendung 37. 

Hängevasen für Zwiebelbouquets 213. 


Register. 


Hederaceen, die, bearbeitet von B. Seemann 
192. 

Helleborus-Sämlinge, Nachschrift 388. 

-Varietäten 155. 

Hibiscus Moscheutos zur Papierfabrikation 
318. 

Hooibrenk’sche Befruchtung 20. 


Johannisbeeren, empfehlenswerthe 87. 


Kartoffel, ein Beispiel der Ausartung der- 
selben 198. 

Kartoffeleultur, Nachtrag zu dem Artikel 
über dieselbe und vergleichende Ver- 
suche mit 440 Sorten 102. 

Kenntniss der Mohrrübe 189. 

Kiefern, Rothwerden älterer 189. 

Kirsche, tabackblätterige 309. 

Kirschen, Werder’sche 332. 

Kohlfliege, Mittel gegen dieselbe 29. 


Liliaceen, Spaltöffnungen derselben 188. 
Löwenzahn als Salatpflanze 336. 


Malven, neue 147. 

Mammuth in Sibirien 126. 

Mancinello-Baum 163. 

Menschendünger 255. 

Mittel gegen die-Kohlfliege 29. 

Mohrrübe, Beitrag zur Kenntniss derselben 
189. 

Mohrrübenkrankheit, Ursache derselben 189. 

Mostproben 312. 

Museum, das landwirthschaftliche, des Mini- 
steriums der Reichsdomänen in St. 
Petersburg 302. 


Nachrichten aus Kaaden 388. 

Tiflis 223. 

Woronesch 288. 

Nachtviole, Cultur der gefüllten 255. 

Notizen über neuere oder seltnere, blühende 
Gehölze des Arboretum zu Muskau 50. 

Nummerhölzer, Conservirung derselben 283. 


Obstbau, geschichtliche Daten 255. 

Obstsorten, empfehlenswerthe 344. 

Ombu-Baum 213. 

Orangenbäumchen, kleine üppigblühende, zu 
erziehen 343. 


Register. 


Pelargonien, die buntblätterigen Scarlet-, de- 
ren Cultur, Vermehrung und Anzucht 
aus Samen 230. 

Pfrsicheultur 282. 

Pflanzen, Auswahl für wissenschaftliche 
Zwecke 118. 149. 179. 214. 248. 274. 

— Bemerkungen über neue, des Kais. 
Botanischen Gartens in St Petersburg 
356. 
— Besprechung einiger neuer 67. 
— Geschlechtsthätigkeit derselben 190. 
sollen zu Ausstellungen besonders 
angekaufte, prämirt werden 52. 
Philadelphus undulatus A. M. nebst Bemer- 
kungen über einige Philadelpheae und 
deren Nomenclatur in den deutschen 
Gärten 48. 

Phosphorescirende Georgine 32. 154. 

Pilz, ein essbarer, Siciliens 311. 

Pilze, welche die Trockentäule der Kartof- 
feln begleiten 189. 

Pinetum zu Muskau, Wirkungen des Winters 
1865/64 in demselben 71. 

Portulacröschen 112. 

Pyramidenform der Obstbäume 285. 

Pyrethrum carneum M.B. und dessen Abar- 
ten 375. 

Rasendüngung mit Asche 247. 


Rhopala, eine blühende 54. 

Riesenbirke 349, 

Ringeln des Weinstockes 284. 

Rose als Guirlande 197. 

Rosen, Cultur derselben von Hrn. Metz 185. 
Schnitt derselben 187. 

Rosenzucht 164. 

Rothfäule der Fichte 188. 

Rothwerden älterer Kiefern 189. 
Rückschritt im Fortschritt 137. 


Sauerampfer, der grosse graue 30. 

Searlet-Pelargonien, die buntblätterigen, de- 
ren Cultur, Vermehrung und Anzucht 
aus Samen 230. 

Schnitt der Rosen 187. 

Schutzmittel für Spaliere 85. 

Sitzung des russischen Gartenbauvereins in 
St. Petersburg 63. 64. 156. 157. 158. 
159. 160. 

Sommerwärme, Einfluss derselben auf die 


399 


nächstjährige Blüthe der Zwiebelge- 
wächse 80. 

Spaltöffnungen der Liliaceen 188. 

Stärkekörner und Zellenmembran 121. 

Staubfall in Schlesien 285. 

Stauden, Behandlung und Verwendung der 
rasenartig wachsenden 337. 

Stiftungsfest, das Hundertjährige, der Kais. 
Freien Oekonomischen Gesellschaft in 
St. Petersburg 93. 

Stockrosen, neue 147. 

Sturm in Bengalen 148. 

Spaliere, Schutzmittel für dieselben 85. 


Theestrauch, amerikanischer 312. 

Topfpflanzen zu begiessen, eine ungewöhn- 
liche Art 248. 

Topfrosencultur des Hofgärtners Freundlich 
133. 

Torf- und Moorerde 168. 

Traubensorten, frühe 283. 

Travertin 219. 

Treiberei der Erdbeeren 28. 

Trüffeleultur 217. 


Ueberwinterung des Clianthus Dampieri 196. 


Verbenen, Anzucht derselben aus Samen 

und eine Verbenen-Aussaat 77. 

neue 147. 

Verbreitungsgränzen der Herniaria-Arten in 
Russland 350. 

Vermehrung des Clianthus Dampieri 196. 

der krautartigen Paeonien 87. 

perennirenden Papaverarten durch 
Wurzelstecklinge 86. 

Verpflanzen der Wellingtonia gigantea im 
freien Grunde 213. 

— grosser Bäume in den Anlagen von 
Paris 143. 

Vertilgung von Würmern in dem Ballen 
der Pflanzen 110. 

Verzeichniss sämmtlicher botanischer und 
landwirthschaftlicher Gärten mit deren 
Vorstandspersonal, vierter Nachtrag 
292. 

Vögel, Schonung der nützlichen 256. 


Wasser, Vorrichtungen zur Verbesserung des 
zu kalten und harten 136. 


400 


Weinstock, Ringeln desselben 284. 

Winter 1863/64, Wirkungen desselben in 
dem Pinetum zu Muskau 71. 

Witterung im Jahre 1865. 61. 


Register. 


Zwergobst, Cultur des feineren, in einem 
ungünstigeren Klima 217. 

Zwetschenbäume, Anzucht derselben aus Sa- 
men 318. 


Würmer, Vertilgung derselben in dem Bal- ! Zwiebelgewächse, Einfluss der Sommerwär- 


len der Pflanzen 110. 


me auf die nächstjährige Blüthe der- 
selben 80. 


4) Literaturberichte. 


Abhandlungen der Schlesischen Gesellschaft | Hartwig, J., die Gemüsetreiberei 89. 153. 


für vaterländische Cultur f. 1864 285. 


Baltet, Charles. Praktische Anleitung zur 
Baumzucht 253. 

Bary, A. de, neue Untersuchungen über Ure- 
dineen, insbesondere über Puceinia 
graminis. 253. 

Beer. Versuch einer Classification der Farne. 
351. 

Bericht des Erzgebirgischen Gartenbauverei- 
nes in Chemnitz 254. 

Boissier, E. Icones Euphorbiacearum 319. 

Bulletin de la Federation des Soeietes d’hor- 
ticulture de Belgique 220. 

—  delaSoeiete d’hortieulture d’Hyeres 220. 
— de la Societe Imperiale des Natura- 
listes de Moscou 220. 320. 349. 


Carriere, culture de la vigne 90. 

Cohn, Dr. Ferd. Die Entstehung des Tra- 

vertinin den Wasserfällen zu Tivoli 219. 

Dr. Ferd. Der Pflanzenkalender 218. 

Czerwiakowski et Warszewicz, Enumeratio 
plantarum quae in horto botanico Ora- 
cowiensi 1864 coluntnr 221. 


Famintzin, A. Die Wirkung des Lichtes auf 
das Wachsthum der keimenden Kresse 
285. 

Fee, A. L. Le Darwinisme 31. 


Geschwind, Rudolf. Die Hybridation und 
Sämlingszucht der Rosen 217. 

Glöde, Ferdinand, les bonnes fraises 153. 

Gloger, Schutz der nützlichen Thiere 62. 

Graichen, H. Landwirthschaftl. Berichte 91. 


der Melonen-, Gurken- und Cham- 
pignon-Gärtner für Treib-, wie für 
Freilandeultur 31. 

Henkel, J. B. und Hochstetter, W. Synopsis 
der Nadelhölzer 31. 


Jäger, H. Die Ziergehölze der Gärten und 
Parkanlagen 89. 

Jahn, Fr., E. Lucas und J. G. C. Oberdieck, 
Illustrirtes Handbuch der Obstkunde 
183. 

Jahresbericht des Vereins für Pomologie 
und Gartenbau in Meiningen 122. 

Journal of the Royal Horticultural Society 
of London 217. 

Jühlke, F. Beiträge zur Revision des Ge- 
müsegartens 29. 

und Th. Rümpler, Verhandlungen 

und Mittheilungen des Gartenbauverei- 

nes in Erfurt 183. 


Karsten, H. Botanische Untersuchungen aus 
dem Physiologischen Laboratorium 
der landwirthschaftlichen Lehranstalt 
in Berlin 188. 

— die Geschlechtsthätigkeit 
zen 62. 

Klatt, Dr. Wilhelm. Flora des Herzogthums 
Lauenburg 219. 

Norddeutsche Anlagen-Flora 


der Pflan- 


219. 252. 

Koch, Karl. Agaven-Studien 91. 

Kotschy, Dr. Th. Ueber Reisen und Samm- 
lungen des Naturforschers in der Asia- 
tischen Türkei, in Persien und den 
Nilländern 350. 


Register. 


Krause, Ernst. Die botanische Systematik | Ruprecht. 
in ihrem Verhältniss zur Morphologie 
124. 


Lucas, E. Anleitung zur Obsteultur 182. 
Taschenbuch für Pomologen, Gärt- 
ner und Gartenfreunde 182. 


Mettenius, G. Ueber die Hymenophyllaceae 
221. 

Monatshefte, Illustrirte, für Obst- und Wein- 
bau 282. 


Nägeli, Karl. Botanische Mittheilungen 121. 
und Schwendener, 
kroskop 349. 


Nestel’s Rosengarten 253. 


Pokorny, Dr. Alois. Oesterreich’s Holzpflan- 
zen 124. 

Pomper, Dr. Hermann. Die Schule des Gärt- 
ners und Pflanzenfreundes auf dem 
Gebiete der Botanik 152. 

Protokollauszüge der Gartenbaugesellschaft 
Flora in Frankfurt a/M. 90. 


Rümpler, Theodor. Erfurt’s Land- und Gar- 
tenbau in seinen wichtigsten Entwick- 
lungsmomenten 122. 

Ruprecht. Der Ursprung der Tschornosjom 
88. 


S. Das Mi- | 


401 


Die Zeitdauer, welche zur Sumpf- 
und Torfbildung nöthig 88. 


Salomon, Carl Heinrich. Die Farne für’s 
freie Land 286. 

Schickler, Carl. Die beliebtesten Nutz- und 
Ziergewächse, deren Cultur und Fort- 
pflanzung durch Aussaat 88. 

Verzeichniss mit kurzer Beschrei- 
bung über die Aussaat und Zucht der 
beliebtesten Nutz- und Ziergewächse 
182. 

Siebold, Indiecateur de Jardins Japonais 285. 


Teichert, Oscar. Geschichte der Ziergärten 
und zZiergärtnerei in Deutschland, 
während der Herrschaft des regelmäs- 
sigen Gartenstyls 123. 218. 


Uckro, von. Die Gartencultur im Regie- 
rungsbezirke Erfurt bis zum Jahre 
1860. 122. 


Wörmann, R. W. A. Der Garten-Ingenieur. 
VI. Abtheilung. Die Circulations- 
wasserheizungen 65. 252. 


Zigno, Barone Achille de, pianti fossili del 
Trias di Recoaro 320. 


5) Personalnotizen. 


Agassiz. 286 

Alwardt 190. 

Besserer 62. 

Bettzich, F. W. 93. 

Decken, Freiherr v. d. 128. 155. 
Eckmann, Carl 154. 192. 

Ender 192. 

Erler, Carl 154. 

Fischer, F. E. L. von 350. 
Grünewald 192. 

Haage, Friedrich Adolph, jun. 351. 386. 
Hooker, Sir William Jackson 92. 


Jühlke, Ferdinand 287. 
Jung 192. 

Kotschy, Dr. Th. 287. 
Lindley, Dr. John 62. 126. 
Mettenius, Dr. Georg 288, 
M’Intire, Duncan 352. 
Nordmann, A von 288. 
Nouvel, F. 154. 

Pabst, Oscar 154. 192. 
Roezl 62. 

Rosanow 223. 

Schimper 256. 


492 Register. 


Schlechtendal, Diederich Leonhard von 386. | Siesmeier 155. 192. 


Schmidt, Magister 190. Steenhammar, Christian 286. 
Schott, Heinrich Wilhelm 92. Welwitsch, Dr. 311. 

Schröder 190. Wichura, Regierungsrath 154. 
Schweinfurth, G. 287. Zabel 192. 223. 


Seemann, Dr. Berthold 128 286. 


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3 


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